selbst ist, so werden wir unsere Aktion in den Grenzen halten, die uns durch unsere Abmachungen gezogen sind. Wir werden demnach Grund haben, zu erwarten, daß auch Oesterreich, so sehr es für den Fall des Versagens des europäischen Konzerts auf die Verteidigung seiner Würde uird Interessen bedacht sein mag, sich gleichfalls in diesen von älteren gegenseitigen Abmachungen klar gezogenen Grenzen halten werde. Die .Herzlichkeit und Loyalität in der diese Abmachungen sich entwickelt haben und immer respektiert worden sind, lassen un3 in dieser Hinsicht keinerlei Zwleifel hegen.
Ein Kronrat in Wien.
Wien, 2. Mai. Eine Extraausgabe des „Seiten Wiener Tageblatts" meldet: Der Kaiser berief für morgen früh einen außerordentlichen Kronrat ein, an dem außer den gemeinsamen Ministern die beiden Ministerpräsidenten teilnehmen. Heute vormittag empfing der Kaiser den Minister des Aeußern Grafen B e r ch t o l d und den Generalstabschef Freiherrn Konrad v. Hötzeudorf. Die Audienzen dauerten drei Stunden.
Der Verlauf der letzten Konferenz.
London, 1. Mai. Die 'heutige Botschaftervereinigung dauerte von .3 r/rbis g eg e n 6 Uhr. Als erster verließ der russische Botschafter, als letzter der österreich-ungarische Botschafter die Konferenz. Die nächste Sitzung wird am Montag einberuftzn werden. Die befürchtete Sprengung ist nicht eingetreten.
London, 1. Mai. Der russische, französische imd östev reichisck)-ungarische Botschafter hatten heute vormittag Uw terredungen mit Sir Edward Grey.
Botschafter sind etwa um 3 Uhr 30 Minuten zur Konferenz im Auswärtigen Amt eingetrossen.
Reuters Bureau meldet: Die Botschaftervereinigung war um 5 Uhr 55 Minuten beendet. Der russische Botschafter verließ als erster, der österreichische als letzter die Konferenz.
London, 1. Mai. lRcuter.) Die in Bezug auf die etwaige Auflösung der Botschasterkonserenz ausgesprochenen Befürchtungen haben sich nicht erfüllt. Dec österreichische Botschafter hat sich, nachdem die übrigen Botschafter das Foreign Office verlassen hatten, einige Zeit mit Sir Edward Grey unterhalten. Kurz darauf zeigte das Foreign Office an, daß sich die Botschafter am kommenden Montag toi eher vereinigen werden. Inzwischen werden die Botschafter ihren Regierungen über die heute getroffenen Entscheidungen Mitteilung machen.
Wie das Rentcrsche Büreau tveiter erfährt, hat Rußland an O e st e r r e i ch - U n g a r n eine neue Mitteilung ge - 'm 1 ch t, in dee es feinen Entschluß wiederholt, auf der Räumung Stutaris durch Montenegro zu bestehen. Rußland hoffe, daß, wenn irgend eine Macht es für notwendig hallen sollte, neue Maßregeln zu ergreifen, man sich bemühen werde, wenig- stens eine andere Macht zur Teilnahme daran zu bewegen.
Die Antwort Montenegros..
Paris, 1. Mai. Die „Agencc Havas" meldet aus London: Montenegro betont in seiner Antwort an die Mächte feine Nachgiebigleit ihnen gegenüber und fügt hinzu, die Einnahme von Skutari stelle in keiner Weise eine Herausforderung auf die vorhergegangene Entscheidung dar. Montenegro bedauere jedoch, die in Aussicht ge- nonrmene Abgrenzung Albaniens noch nicht zu kennen. Montenegro beziehe sich mtf die Mitteilung der Balkan- verbünderen an die Mächte voin 24. April und behalte sich vor, der Skutarifrage im L a u f'e der Friedens- u n t er Handlungen näher zu treten, wenn die Balkan- verbündeten mit «den Mächten über die endgültige Abgrenzung Albaniens verhandeln werden.
Eine Information des Reuterschm Bmeaus besagt: Obwohl betreffend die dem montenegrinifdyen Delegierten Popowitsch au- vertraute Mission Stillschweigen bewahrt wird, glaubt man, daß die ihm telegraphierten Anweisungen derart sind, daß sie einen Ausgleich (Arrangement) möglich machen. Als ein erheblicher Fortschritt wird der Umstand betrachtet, daß M 0 n t c n c g r 0 selbst reifte ohne größere Erwartungen hin und faird — den „Ursanst" —; eine Entdeckung, mit der ein neuer Abschnitt der Faustforschung begann. Mit Weimar blieb er ständig verbunden, auch nachdem er Ordinarius in Berlin geworben war. Erst vor wenigen Jahren übernahm er das Präsidium der Goethe-Gesellschaft, und freitbige^ Aufsehen erregte er damals mit Hner Antrittsrede, in der- er von dem „verfluchten Worte Tradition" sprach, der er bett Garaus machen wollte.
Allzu früh hat ihn der Tod von diesem Posten und von der wichtigeren Stellung als Lehrer der neueren deutschen Literaturgeschichte in Berlin abgernsen.
*
ff. ö ei rat - zuM Spaße! In den Vereinigten Staaten will man die Elte „reformieren". „Gebt uns die freie 'Ehe? Erleichtert die Scheidung!" so rufen die einen {Sieb* uns die Unauflöslichkeit der Ehe zurück. Macht die Scheidung so schwer wie möglich", sckweien die anderen. Wer Erfolg haben wird, ftt noch^sraalich. Selbst die jedoch, die auf benr'Stand- pimlte einer Scheidungserleichteruug stellen, können ihre Augen dem furchtbaren Mißbrauche nicht verschließen, der in Amerika mit der Ehe getrieben wird. In diesen „Tagen ist wiederum M„E bekannt geworden, der Bände spricht. „Frau" Meline Mill,Paugh Bryant, die Tochter eines wohlhabenden Fabrikanten erschien vor dem' New Borker Gerichtshöfe und ersuchte um -pstmg ihrer Ehe mit Mr. Lester Bryant, den sie mrr infolge uner Wette geheiratet holw. Sie stellte die Sache so bar daß 'm ictziger Ehemann und dessen Freund, ein Mr. Mfted Eurtiß mit ihr und ihrer Freundin, einer srühwen Miß siofcn eine Wtomooilfabrt nnternommen habe. Plötzlich fei von irgendeinem ber Gesell,chaft der Vorschlag gemackst worden, daß man sich , -.um Epa.ie trauen lassen möge. Sogar eine Wette ward cingegangen, daß reber beit Mut haben würde, ins Echejoch zu gehen. Gesagt, belast- Umsomehr als nicmaitb als Feigling erscheinen wollte. Zunächst ließ sich das eine Paar turnen, während das andere als Zeuge biente, unb dann ging ber umgekehrte Fall vor sich. JLarauf gmgs in Windeseile nach Hause ziirück und dreißig Minuten nach der Heirat fdricbeu Mann unb Fran voneinander, als ob nicht das geringste vorgefallen wäre. Erst nach Tagen häminerte es den beiden jungen .Fräulein" auf, daß hie Sache doch nicht so „ohne" sei. Unb die Folge ist die Übung!
hirme
•Ssins
Tclcvbon 2 982.
nt
elektrisch6 *
ahrsputz lermittel 1/ Terpentinöle l- u. Möbelpoli W Fußbodeniil
rbehaus ich tat
: ' bestens aQ5g
>1L hler??r:
istersstr- 20
ich zur Gegr. 1902 ningen aller Art 1 ™ In-und Auslande, on Schriftsätzen, Ge- «befehlen etc.
Prima Referenzen.
Sl Eis
i. Mai rcgclM h ^ch'onLbonnemec ib «unfteiö höflichst tr.
11 Frankiuü' iliinaii ztrniit- ..iroi-bandluK^-
’.^SetlOW Muse 1^% a toid koste! 75 Ä wgeu
•rlicn to**080.
Eis!
• Asrvagen regelmä^ sNatur-'sowie ÄE- ,uoxx }J
prompte Bedieim
। * Eiskellerei w lePj Bier-Ha* Telephons
J-Nr?
Nr. 101
Der Sietzeuer Anzeiger erscheint täglich, außer Sonntags. - Beilagen: viermal wöchentlich GiehenerZamilienbliittek' zweimal wöchenll.Nreir- blatt für den Kreis Siehe» (Dienstag und Freitag); zweimal monatl. Landwirtschaftliche Zeitfragen Fernfprech - Anschlüsse: für die Redaktioii 112, Verlag u. Expedition 51 Adresse für Depeschen:
Anzeiger Gießen.
Annahme von Anzeigen für die Tagesnumnier bis vormittags 9 Uhr.
Erstes Blatt
165. Jahrgang
Kreitag, 2. Hiß; (913
ich en er Anze
General-Anzeiger für Gberhesfen
Bezugspreis: monatlich 75Pf., vierteljährlich Alk. 2.20; durch Abhole- il Zweigstelle,' nionatlich 65 Pf.; dilrch die Post 'Dit. 2.— viertel- jäh rl. ausschl. Bestellg. Zcilenpreis: lokal 15Pft ausivärts 20 Pfennig Chefredakteur: A Goetz, Verantwortlich für den politischen Teil: August Goetz; für „Feuilleton", „Verwischtes" und „Gerichtssaal": St. Neu
Rotattonsdruck und Verlag der vriih!'schen Univ.-Buch- und Steindruckerei R. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: Zchulftratze 7. Lan^":^E.HE°ür den Büdingen: Fernsprecher Nr. 269 Geschäftsstelle Bahnhofstraße 16a. Anzeigenteil: H. Beck.
Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten,
Noch immer keine Entscheidung!
Das diplomatische Wetterleuchten ist noch immer nicht zu Ende. Während bei sonstigen und ähnlichen Unschlüssig- keiten der Diplomaten das Interesse der Allgemeinheit allmählich erlahmt, ist diesmal das Gegenteil der Fall. Die Großmächte sind darin einig, daß Montenegro ans Skutari heraus muß. König Nikita widerstrebt aber nacf) wie vor. Warum zwingt man ihn nicht endlich, nachdem mau bereits eine so unsagbare Geduld gezeigt hat? Es müssen Gründe dafür vorliegen. Die russische Politik ist undurchsichtig: ihr gefällt dieses Hangen und Bangen und die Verlegenheit Oesterreichs. Warum aber macht England diese Zauderpolitik mit, die jetzt wieder in merkwürdigen Windungen der Londoner Presse sich widerspiegelt. Montanegro hat d-en Mächten endlich eine Antwort zugchen lassen; sre ist so kurz und dürftig wie möglich. Montenegro erklärt seine Nachgiebigkeit, macht aber durchaus keine Anstalten, Skutari zu räumen, sondern will bei den Friedensverhandlungen über diese Dinge mit sich reden lassen. Man ist so weit gekommen, daß die Londoner Presse heute dieses Verhalten als entgegenkommend rühmt! lieber das Ergebnis der gestrigen Londoner Botschafterkonferenz verlautet eigentlich nur, daß sie wieder bis Montag vertagt ist. Aber, so erklärt das Reuter-Bureau, ein Erfolg ist, daß die Konferenz überhaupt noch besteht! Ter russische Botschafter hat sie gestern als erster, der österreichische Botschafter als letzter verlassen. Lauter geheimnisvolle Merkmale. In Wien macht man diese Schliche nur noch der Form wegen mit, in der Sache verhandelt man gegenwärtig mit der italienischen Regierung. Natürlich würde ein militärisches Einschreiten die ganze Grundlage der alba- nischeu Frage verändern, und es ist sehr zweifelhaft, ob Oesterreich sich mit einem unabhängigen Albanien begnügen iDÜfb-e. Daß solche Verhandlungen mit Italien nicht in wenigen Stunden zum Ziele führen können, ist klar. Daher wird die Welt immer noch kurze Zeit Geduld haben müssen, bis die Würfel fallen. Auf dem albanischen Küstenstrich regt es sich übrigens schon. Essad Pascha ist ein neuer Faktor geworden, und heute heißt es, im Süden, bei Valona, hätten infolge eines Vorstoßes Dschavid Paschas die Kanonen schon g.'donnert. Dazu kommt die Meldung, daß der Jungfti.r^:. sichrer Niazi Bei, als er sich in Valona nach Brindisi einschiffen wollte, mit seinem Adjutanten erschossen wurde. Er war ein Freund Dschavid Paschas, und es ist nicht unwahrscheinlich, daß dieser nun Valona angegriffen hat.
Wie die „Times" die Lage beurteilt!
Die „Times" schreibt:
Wir können uns nicht entschließen zu glauben, daß Oester- reich-Ungarn alle Frucht feiner Geduld unb Mäßigung, bic cs cm den Tag gelegt, aufgeben wird. Wir erfahren von Paris, daß die russischen Botschafter in allen wichtigen Hauptstäbtcn Europas identische Erklärungen abgegeben haben, bic ausdrücklich besagen, baß, nachdem Rußland die Note unterzeichnet hat, bic König Niwlaus Mr Ausgabe Montenegros auffordert, es daran festhält, daß Montenegro den Ort nicht bekommen darf. Von Petersburg hören wir dasselbe. Nichts kann klarer oder kategorischer fein. Zweifelt Oesterreich-Ungarn an diesen Versicherungen, oder hat cs vhten vernünftigen Grund, daran zu zweifeln? Wir glauben es nicht und eben deshalb können wir uns nicht vorstellen, daß es die undenkbare Ucbcreilung begehen wird, unmittelbar einseitig gegen König Nikolaus Vorzüge h en. Tas Blatt fährt fort: Daß Skutari zu dem! künftigen iMbanien gehören soll, ist die wesentliche Frage, die Europa erörtert hat. Darüber und ebenfo über die notwendige Folgerung, daß Montenegro aus Skutari heraus müß, ist die Einstimmigkeit der Mächte vollständig. Es bleibt nur die weitere
Erich Schmidt t.
Berlin, 30. April. Der hervorragende Literarhistoriker krich Schmidt ist durch einen Schlaganfall gestern abend nach kurzem Krankenlager im Alter von 60 Jahren gestorben.
Er war seit Jahren herzkrank und litt an rasch vorschreitender Arterienverkalkung, die sich durch mehrere kleine Schlaganfälle, itrie beim Rektoratsantritt im Jalnw 1910 und in demselben Jahre während der Rede bei der Enthüllung des Kleist-Denkmals in Frankfurt a. O. kundgab. Anfang April bat sich sein Zustand verschlimmert und er mußte sich jeder Arbeit enthalten.
Als Erich Schmidt, von dessen Erkrankung wir in unserer Mittwochnummer sprachen, *oor zehn Tagen von ferner Erholungsreise nach Berlin zurückkehrte, wußten die Aerzte, daß das Schlimmste zu befürchten war. Er hatte erst in Glotterbad im Schwarzwalde Milderung seines Leidens gesucht, siedelte bann aber nach Wilhelmsbad bei Hanau über. Hier, wo sein ältester Sohn als Leutnant bient, verschlimmerte sich sein Zustand derart, daß er in das Krankenhaus übergeführt werden miifjte. Schmidt hinterläßt außer feiner Witwe und dem genannten Sohne eine Tochter, die mit feinem! Schüler Dr. Richter von der Universität Greifswald seit Februar verheiratet ist, und einen 21jährigen Sohn, der noch studiert.
Im Trauerhanse sind eine große Anzahl von Trauerkundgebungen eingelaufen. Vom .fiaifer traf im Laufe des gestrigen Nachmittags ein längeres Beileidstelegramm ein. Der Reick>s- kanzlcr hat ein Beileidstelegramm gesandt, in dem es u. a. heißt: „Tas deutsche Volk verliert in dem Verewigten nicht nur den gefeierten Universitätslehrer, zu dem die akademische Jugend mit Begeisterung aufblickte, sondern auch den fcmfinnigeit Interpreten, unserer klassischen Literatur, dessen Einfluß auf die gebildete Welt noch in Generationen tiefgreifend fortleben wird."
Erich Schmidt wurde am 20. Juni 1853 in Jena als Sohn des Zoologieprofessors Oskar Schmidt geboren; er studierte klassische und deutsche Philologie in Graz, Jena und Straßburg, habilitierte sich im Jahre 1875 in Würzburg für Literaturgeschichte, wurde 1877 a.-o Professor in Straßburg uno erhielt 1880 einen Ruf als Ordinarius nach Wien. Im Jahre 1885 übernahm er die Leitung des ncubegrünbeten Goethe-Archivs tu Weimar, von wo er 1887 als o. Professor an bic Berliner Universität berufen wurde beten Rektor er im Jubiläumsjahre 1909/10 war.
Frage, wann und wie es herausgebracht werden soll. Tarin allein bestehen Mttnungsverfchiedenhüten. Die „Times" schließt: Tie Mächte sind alle über den wesentlichen Inhalt einig und nur über die Form des Vorgehens bestehen noch einige Unklarheiten. Wir glauben nicht, daß irgend eine Macht deshalb einen europäischen Krieg riskieren würde.
Das Vorgehen Oesterreichs.
Wien, 1. Mai. Das „Fremdei blatt" erfährt heute in Wiederholung früherer Meldungen von anderer Seite: Bekanntlich vermochte sich die Botschaftervereinigung in London am Däoutag nicht über die Mittel zu einigen, die notwendig sind, um den König von Montenegro zu nötigen, Skutari den Beschlüssen Europas gemäß, zu räumen. Oesterreich-Ungarn nahm, wie erinnerlich, den S.'andpunkt ein, daß in diesem Fall für die Monarchie der Augenblick der freien Hand gekommen wäre. Dieser Moment i st nun eingetreten. Zwischen den Kabinetten von Wien und R o m findet, wie bereits mehrfach gemeldet, ein r e g e r Meinungsaustausch statt. Alle vorliegenden Nachrichten lassen erkennen, daß König Nikolaus auf dem Widerstand gegen die Durchführung der Beschlüsse Europas beharrt.
Der italienische Standpunkt.
Rom, 30. April. Die „Tribuna" veröffentlicht einen Artikel, in dem sie die Schwierigkeft der Lage betont, deren Gefahren infolge des Handstreichs Essad Paschas sich vermehrt hätten unb in dem ber Wunsch ausgesprochen wird, baß bic morgige Vereinigung ber Botschafter endlich ein Ueber- einfommen erzielen werde, das eine gemeinsame Aktion Europas gestatte, eine Aktion, an die Europa sich durch die eingegangenen Verpflichtungen unbedingt gebunden fühlen müßte, und die allein die Würde Europas wahren und ein Herauskommen aus der gegenwärtigen Sackgasse mit möglichst geringer Gefahr unb kleinstem Schaden gestatten könne. Die „Tribuna" fürchtet, daß irgendeine weitere Unschlüssigkcit oder Verzögerung die Wirkung haben könnte, die am1 meisten betroffene Macht, für welch' eine Verlängerung ber Situation jeben Tag unerträglicher werbe, zu einem alleinigen Vorgehen zu bestimmen, unb fügt hinzu: Wir 'waren immer gegen ein isoliertes Vorgehen Oesterreichs: wir haben getan, was bei uns staub, um ein solches zu verhindern, nicht aus irgend einem Gefühl des Argwohns, sondern weil wir immer der Ansicht waren, daß das isolierte Vorgehen einer Macht Gefahren einschließe, die jedermann klar vor Augen liegen. Die „Tribuna" tragt dann, was Italien tun solle, jet es unter den: Gesichtspunkt seiner hohen Interessen an der Lösung ber albanischen Frage, fei es unter dem Gesichtspunkt ber Vereinbarungen, die es seit langer Z e i 1 m i t Oesterreich bezüglich Albaniens habe, wenn bic Unsicherheiten, Unschlüffig- reifett unb Aufschübe des emopciischm Konzerts erblich Oesterreich beftimlmen sollten, auf eigene Rechnung vorzugehen.
Tie „Tribuna" glaubt, angesichts der feierlichen Frage gebe unb könne es im Volke und bei der Regierung keine Unentschlossenheit geben. Italien werbe nie nr als zu- geben können, daß die Lage auf der gegenüberliegenden Küste des adriatischen Meeres ohne seine Teilnahme ent- s ch i e d e n w e r d c. Jtalierr könne in diesem entscheidenden Augenblick nickt 'beifeite bleiben. Wenn Italien sich! nicht bereit zeigte, seine Pflicht zu tun und den ihm zufallenden Teil ber Ausgabe zu erfüllen, würde es nur das Recht haben, sich» über sich selbst Ul besagen, wenn die weitere Entwicklung der Lage auf dem Balkan zum! Schaden seiner höchsten Lebensinteressen vor sich gehen würde.
Nach den letzten Ereignissen um' Skutari unb in Albanien, die einen byzantinischen Charakter tragen, ist ber Weg für uns leichter. Wenn sittliche unb Gefühlsgründe gegen eine Zwangsaktion Italiens gegen Montenegro sprachen, die nicht der Teil einer europäischen Gesamtaktton war, so gibt es keinerlei Einwand gegen unsere Teilnahme an einem Vorgehen, das darauf abzielt, die Herstellung der Ordnung und die Ausführung ber Entscheibungen Europas in Albanien zu sichern. Nehmen wir für den Fall, daß das europäische Konzert versagt. Anteil an diesem Werke, so werden wir die internationale Würde wahren und zugleich unsere Interessen durch das einzige Mittel schützen,, das auf internationalem Gebiete wirksam ist. Erfüllen wir diese Ausgabe, bic eine Pflicht gegen andere unb gegen uns
Schmidt hat sich fast ausschließlich mit ber neueren Literaturgeschichte beschäftigt und ist vor allein als Goethesorscher befannt geworben. Im Jalxre 1887 veröffentlichte er ber; in Tresben von ihm entdeckten „Urfauft".
..Er war und ist weder ber Professor noch der Geheimrat, sondern Erich Schmidt schlechtweg, seine eigene Gattung, eine Persönlichkeit." Mit diesen Worten sprach Jakob Mitwr, der Wiener Germanist, der seinem Berliner Kollegen vor wenigen Monaten im Tode übrangegangen ist, von Erich Schmidt anläß^ lich seiner Wahl zunr Rektor der Berliner Universität im1 Jubiläumsjahre 1910. Gerade diese Wahl zeigt, daß man in ihm nicht bloß den großen Gelehrten, sondern ebenso hoch den eleganten Weltmann zu schönen wußte, der seiner Aufgabe, bei den vielen Festlichkeiten der Jublläumszeit mit Fürste,: unb Gftehrtei: aus aller Welt nmzugehen, gewachsen war. In ber Tat hatte sein Wesen nichts Weltsremd-Gelehrtenhaftes ober gar Pedantisches: vielmehr hatte er in höchstem! Mäße bic Gabe, sich bei den Menschen angenehm zu machen. Selbst Gottfried .Keller, der sonst fehr viel gegen die „Schererschüler" auf dem Herzen hatte, ,oeil sie nach seiner Meinung „das Gras wachsen hörten", ließ ihn als eine scharmante Ausnahme gelten. Ten ganzen Reichtum feiner gewinnenden Persönlichkeit rvissen wohl nur die Freunde und Schüler zu schätzen, bic mit ihm alle Dienstag auf ber Germanisten- kneipe zusammenkamen. Ta wurde nie oder nur höchst selten von wissenschaftlickwn Dingen geredet. Gewöhnlich wurde viel- melw geplaudert unb erzählt, unlb ber Meister ber Anekdote, der sofort alle in den Bann feiner Erzahlungskunst zwang, war Erich Schmidt. Mit Vorliebe verweilte er bei seinen österreichischen Erinnerungen, wie er sich denn auch gern als einen „Halböster- reicher" bezeichnete. Aber die Stellung als Bnrgtheatcrdirektor, bic ihm während feiner Wiener Lehrtätigkeit angeboten wurde, hat er doch nicht angenommen: er fürchtete, feine doch jugendlick)»- Präftigen Nerven hielten die Anstrengungen einer solchen Stellung nicht aus!
Als er dem Rüfe an das Goethe-Schiller-Archiv in Weimar folgte, glückte ihm der Wuvf, dm ilyn zuerst in weiteren Kreisen berühmt machte: eines Tages teilte ihm der Oberstleutnant von Göchhausen in Tresben mit, er besitze eine Anzahl von Heften ans dem Nachlasse ber Freundin Goethes, des Fräuleins Tlmsnelba v. Göchhauieu, mit Abschriften Goethescher Dichtungen. SckMidt
n


