Ausgabe 
1.11.1913 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

257 Erster Blatt 165. Jahrgang Samstag, (. Novembc' 1915

üMKer d Ä XJLTjT d nianaUidi75 UL, viertel*

iHtAffAifAf 1| ItlAtAAV 1111Kk 11 I /I 11 <r 111 | SS

w»ä v/1ViiVIIVi IHVIHV♦

Meniipred) - eL ff llcranhüortlid) für ben

9lLi Redaktion 112, TVs^ polit. Teil: Ang. Goetz .

ßWW General-Anzeiger für Oberhessen DWW

brs Dermittag5ni9müf)r RHtationrdruck und Verlag der Brühl'schen Univ.-Vnch- und Stcinörudcrei R. Lange. Redaktion, Erpedition und Druckerei: Zchulstrahe 7. Anzeigen icä':' H? Deck'.

Die heutige Nummer umfafet 20 Seiten.

Tagcskalender aus dem Jahre 1813.

1- Novern ber. Der preußische General Taucntzien besetzt die Dörfer Zinna und Wölfan vor Torgau, und blockiert die Stadt.

vembcr. Die Franzosen gehen bei Mainz über den Rhein zurück.

-.November. Anschluß des Großherzogs Ludwig I. von Dessen an die Verbündeten.

politische Wochenschau-

Gießen, 1. Novemb.

r.. in diesen Tagen in der bayerischen Kammer vor Uch gegangen ist, hat das ganze deutsche Volk mit leb­hafter Anteilnahme verfolgt. Wir leben heute in einer Zeit, tüo das Kaisertum und der Reichsaedanke kaum noch Ge­fahr lausen, von einem deutschen Bundesfürsten geschmä­lert ,zu werden; es gibt nicht mehr, wie in den Tagen <)^iedrich Wilhelms IV., deutsche Furstengeschlechtcr, die den ^o^uzollern die Führerrolle mißgönnen. Ter Gedenktag von Kelheim hat vor wenigen Wochen die deutschen Fürsten m gefestigter Einmütigkeit in die Zeit zurückblicken lassen, wo das Nationalgefühl des Deutschen nach schmachvollen j-a5c der Fremdherrschaft sich wieder auszurichten begann, und der bedeutungsvolle Tag wurde auch nicht durch den leisesten partikularistischen Schatten getrübt. Wenn nun nach der Annahme der bayerischen Regentschaftsvorlage im Lande der Wittelsbacher das Königtum wieder eingeläutet wird, so erlebt der greise Prinzregent Ludwig, der Urheber dev Kelheimer Kundgebung, Die dankbare Freude aller Deut­schen. Er war e!s, der in der oberfränkischen Stadt weit­hin aufs neue kundgetan hat, daß wir in einem machtvollen, geeinigten Reiche leben, aus dem jeder monarchisch-parti- kularistische Sondergedanke geschwunden ist! Ter regierende Wittclsbacher hat, ebenso wie sein Vorgänger Luitpold, bei vielfachen Gelegenheiten eine urdeutsche, reichstreue Gesin­nung an den Tag gelegt, und die beiden ehrwürdigen Ver­weser des bayerischen Königstums haben sich niemals ruhm- und prunksüchtiger Gelüste verdächtig gemacht. Es ist darum eine leicht verständliche und im Grunde auch erfreuliche Re­gung gewesen, die das Bild der Fahrhundert-ErinnerunZ in Bayern umwitterte und dem kernhaften deutschen Für- SW aus langem Dunkel einer königlosen Zeit Die Krone wieder an das Tageslicht gebracht hat. Vierzig Jahre lang lebt der geisteskranke König Otto in der Einsamkeit von Fürstenried, und dem Fünfundsechzigjährigen ist vielleicht noch ein ebensolanges Leben beschieden wie dem um drei Jahre älteren Regenten. Die alte Ueberlieferung, wonach nud) ein unheilbar Geisteskranker der Königskrone nicht ver lustig gehen konnte, ist nun durch eine Verfassungsänderung gebrochen worden. Kein Mensch, auch nicht der gewissenhaf­teste Legitimist, wird davon schmerzlich betroffen werden. Es ist ein ganz selbstverständlicher Schritt gewesen, an dem die Volksvertretung unbedenklich mitwirken konnte, denn der bestehende Zustand war einer modernen, aufgeklärten Zeit nicht würdig. Auch praktische Erfordernisse drängten nach einer Aenderurig. Tie Form, unter der sich der Wech­sel nun vollzogen hat, ist die einfachste und beste, die man sich hätte denken können. Der Regent würde sich selbst un­ähnlich geworden sein, wenn er den Weg der Proklamation, desStaatsstreiches", wie man es auch genannj haben

würde, eingeschlagen hätte. Ter rückständige Gedanke des Gottesgnadentums" hat von beiden Seiten, vom Regenten und seiner Regierung, wie auch durch die Volksstimme, eine Absage erhalten. Der Kammerbeschluß erst erschloß dem Re­genten den Gang zum Königsthrone. DerVölker frommer Kinderglaube" bewahrt einem Königtum auch ohne das Dogma von dessen göttlichem Ursprung die geheiligte Treue. Dem neuen König Ludwig III. wird weder die Liebe seines Bayernvolkes, noch die herzliche Ehrerbietung in allen deut­schen Gauen fehlen.

Wenn zugleich auch im Herzogtum Braunschweig Krö­nungsglocken läuten und des Kaisers Tochter mit ihrem Welsengemahl als regierendes Fürstenpaar dort ihren Einzug halten werden, so ist die Stimmung außerhalb der blau-gelben Grenzpfähle noch etwas gedrückt.Eifersüchtig sind des Schicksals Mächte; voreilig Jauchten greift in ihre Rechte." Roch ist die Sorge nicht ganz gebannt, daß der alte Welfen- stolz, die Erinnerung an wölfische Macht und .Herrlichkeit, den inneren Reichsfrieden noch einmal gefährden könnten. In naher Zukunft ist freilich nichts zu befürchten, weil es doch wohl ausgeschlossen ist, daß wclfischer Agitation in an­dern deutschen Landen oder gar außerhalb des Reiches Hel­fer erstehen könnten. Der neue Herzog Ernst August, dessen dynastische Gefühle von der Reichsregierung in weitestem Maße geschont worden sind, wird sich hoffentlich demnächst als treue Verfechter deutscher Reichsinteressen bekennen!

Aus zwei anderen Bundesstaaten hören wir den Nach­hall innerpolitischer Kämpfe. Baden hat seine Stichwah­len gehabt und ist damit der Sorge wegen einer ausgemachten reaktionären Mehrheit enthoben worden, denn das Zentrum hat nur noch ein Mandat erobert; alle anderen haben die Nationalliberalen, Fortschrittler und Sozialdemokraten sich geholt. Zentrum und Konservative zählen im neuen Land­tag 35, die Linke, worunter aber nicht derGroßblock" zu verstehen ist, 38 Abgeordnete. DieKöln. Volksztg." rech­net von dieserLinken" vergnügt als Gegner desRot- blockes" 3 Abgeordnete ab, so daß es weder hüben, noch drüben eine sichere Mehrheit gäbe. DerVorwärts", der Über die mageren Fortschritte seiner Partei noch in einer vergrämten Stimmung sich befindet, phantasiert sogar von einem Dutzendunsicherer Nationalliberaler", wobei er in­sofern recht haben mag, als die Politik der Linken wahr­scheinlich darauf verzichten wird, die schweren Reiter­attacken der Radikalisten mitzureiten.

Im Gegensatz zu Baden bewahrt Mecklenburg un­erschütterlich sein altes, politisch unfruchtbares Klima. Auch die letzte Verfassungsvorlage die fünfte seit 1907 ist am 28. Oktober als eine leere Schale vom Baume der Rit­terschaft herabgefallen, was sogar dem geduldigen Groß- Herzog Friedrich Franz einen schlecht unterdrückten Fluch abgenötigt hat. Er hat bekanntlich vor 6 Jahren dem Laude die Zusage gemacht, er wolle auf eine zeitgenräße Verfas­sung hinwirkeu. Seine frühere Drohung, aus eigener Macht­vollkommenheit (ilnc Verfassung einzusetzen, will er aber doch noch nicht verwirklichen; er hältden Zeitpunkt für die äußerste Maßnahme noch nicht für gekommen". Nun ist der Sturm einer Ministerkrisis über das Land hereingebrochen; schon vor einigen Tagen wurde gemeldet, daß das Großherzogliche Staatsmiuisterium um seine Entlassung gebeten habe, aber der mecklenburgische Wahl­spruch: langsam voran bewährt sich auch daher: man hört über den Verlauf.der Krisis noch nichts rechtes. Ein Mi- iristerwechsel würde in der Berfassungsfrage wohl auch faum

einen wesentlicher« Umschwung bringen. Nun proklamiert der Abgeordnete Tr. Pachnicke in derBossischen Zeitung' einen großen Rachefeldzug:Bei der Reichstagswahl soll's ausgefochlen werden. Kein Ritter und kein Ritters­knappe darf Gnade finden." Aber man wird unwillkürlich an die schöne Schillersche Ballade erinnert:

Und die Ritter, die Knappen um ihn her Vernehmen s und schweigen still,

. Sehen hinab in das wilde Meer, Und keiner den Becher gewinnen will."

Die Ritter haben, wie Pachnicke selber feststellt, zu Reichstagskandidaturen nicht viel Lust. Sie wollen nicht untertauchen in denwilden Schlund" parlamentarischen Lebens. Wenn nächstens im Reichstag die mecklenburgisch« Verfassungsfrage wieder einmal aufgerollt wird, ist man so klug wie zuvor.

Deutscher Hcidb.

Die Ordensauszeichnung des Oberbürger­meisters Dr. Dittrich.

DerSächsische Lairdesdieust" ist von zuständiger Stelle zu der Erklärung ermächtigt, daß die Blätterineldung, Ober­bürgermeister Tr. Dittrich in Leipzig habe den ihm von !dcm.Kaiser verliehenen Kronenorden zweiter Klasse nicht angenommen, den Tatsachen nicht entspricht.

Der Auszug des Herzogregenteu und der Herzogin

aus Braunschweig erfolgte nm gestrigen Freitag nachmit­tag bei prächtigem Herbstwetter. Alle öffentlichen und pri­vaten Gebäude hatten geflaggt zum Abschiedsgruße. Vom Schlosse bis zum Hagenmarkt bildete die Garnison und wei- terhin die Bürgerschulen und Innungen sowie Vereine Spa­lier. Der Galawagen des Regentenpaares wurde von einem prächtig aufgeschirrten Sechsgespann gefahren, eskortiert von einer halben Eskadron Husaren. In den weiteren Wa­gen folgten das Gefolge und die Hofstaaten. Auf dem ganzen Wege wurden die Herrschaften von einem überaus zahl­reichen Publikum stürmisch begrüßt. Auf dem Bahnhof er­wies eine Kompagnie des 92. Infanterieregiments mit Fahne und Musik die militärischen Ehren. Der Herzogre­gent schritt die Front ab und nahm den Vorbeimarsch der Ehrenkompagnie entgegen, worauf sich ein Vorbeimarsch der Husareneskadron anschloß. Nach herzlicher Verabschiedung/ erfolgte um 4.42 Uhr die Abfahrt nach Wiligrad.

Keine Steuer auf Zündholzersatzmittel.

In der Presse wurde gemeldet, das Reichsschatzamt plane eine Besteuerung der Taschenfeuerzeuge. An zuständiger Stelle erfahren wir, daß eine solche Absicht zunächst nicht besteht, ein Entwurf noch nicht vorbereitet ist. Die Steuer dürste auch nur geringe Erträge abwerfen In Frage kom­men könnte nur eine Stückbesteuerung, nicht eine Besteue­rung nach der Zahl der Zündungen, iuie gemeldet worden war. Bei der erwähnten Meldung scheint der Wunsch der Zündholzfabriken Vater des Gedankens gewesen zu sein. Die neue Steuer würde zudem nichts weiter als eine Belastung der Raucher sein, da Taschenfeuerzeuge sonst kaum für am bere Zwecke in Benutzung sind.

Der Berliner Magistrat

beschloß, der Genossenschaft der Berliner H aus be­sitz e r zur Beschaffung und Sicherung von Hypotheken vor­übergehend einen Kredit von einer Million aus laufen­den Mitteln zur Verfügung zu stellen. Tie (Genossenschaft

Giehener Stadttheater.

Jugend.

Ein Liebesdrama von Max Halbe.

Gießen, 1. Nov. 1913.

Max Halbe ist ein Meister der Zustandsschilderung und mit Unbeirrbarer Sicherheit gelingt es ihm, die Umwelt seiner Menschen einheitlich und wirkungsvoll zu schildern, aber leider bleibt er auch zumeist darin stecken. Er setzt Menschen gegeneinander, die festgefügt sind und ihr Fuirdamcnt haben, er entwickelt Kon­flikte, die voller Spannung sind, aber wenn es sich darum handelt, Verworrenes zu entwirren. Rätselhaftes zu lösen, dann fehlt ihm der Mut des Bekenners und er führt einen Schluß herbei, der gewaltsam, gesucht, zufällig ist. Theater. So auch in der Jugend, seinem bekanntesten Werke. Das Mädchen, das seiner Liebe ge­treu handelt, wird voir dem halbidiotischen Bruder zufällig er­schossen- dem Verführer galt die Kuael Max Halbe hat sie auf das'arme Aennchen gelenkt. Man fragt sich, warum, denn mit diesem Schluß, der wohl feine Lösung bedeuten soll, hat Halbe den Konflikt verschleiert, der eigentlich nirgends liegt in dem Stück sondern außer ihm. Er begänne mit der Trennung des Pärchens - da« tiefste Erleben des Mädchens bliebe dem Jüng­ling eine'schöne Episode, denn bis er sie heimsühren könnte als ehelich Weib, wären sie, wie in der Erzählung des Pfarrers von seiner Liebe schön und fein angedeutet iit, weit auseinander ge­wachsen Auch der in etwas versinnbildlichte Frühling, der ver­nichtet 'indem er besuchtet, gibt keine klarere Deutung und cs bleibt nichts anderes als das Bedauern, daß es der Dichter nidyt über sich gewann, den Jüngling ziehen zu lassen, verfolgt von den zukunftsbangen Blicken, des armen schönen Aennchens, also den Noraschluß 'ins Männlich-Menschttchc übertragen.

Die Aufführung, die .Herr Tworkowski leitete, war von feinsten Erwägungen getragen und schöpfte den geistigen Inhalt des Werkes völlig aus, aber mbem ,ie von den Anwenungen des abwich iind den Salon mit dem Klavier nicht durch einen Vorlang sondern durch eine feste Tür von dem Wohnzimmer trennt oeritärVtc sie den Eindruck des technischen Notbehelfs. Man sagt sich' jetzt wird auf der Bühne etwas verhandelt, was er oder ue nicht hören darf, also niüsfen He raus. Und knarrend schließt L Türe, die überflüssig rft. Aber das störte wohl kaum jemand, umsoweniger, als die Darstellung insgeiamt lehr quMvar. Herr Volck spulte den. Plärrer Hoppe mitwarmer, gesunder Jrdischkeit, mit einer ernst ,trotzenden, durch die Jahre gedämpften Kraft, wie es der Dichter vonchreibt, und tvucl>s

Schluffe als er fein bestes, seine Lebensmilde, gegen den Kaplan verteidigt, zum Cherub inemchlicher Güte machtvoll em­por. Dem süßen, ganz aus den Mann gestinmiten Annchen nut feiner naiven, brennenden Sinnlichkeit gab Frl. Irma Ltndeck,

das stürmisch Hingehende, von zarten Gefühlen völlig Auf­gelöste, das sie so lieb und teuer macht. In jedem Zug eine vorzügliche Leistung. Herr Grosser erwies als Amandus wieder sein bedeutendes, vielseitiges Können, indem er das animalische Triebleben, das diesen Halbidioten beherrscht mit verblüffender Echtheit wiedergab. Die Zuckungen des Fallsüchtigen waren von schauerlicher Natürlichkeit. Eine sehr seine, bis ins letzte ergründete Charakterstudie schuf Herr Dworkowski als Kaplan. Dir: fanatische, von einer unbewußten Liebe zu Annchen eingegebene Strenge behielt etwas menschlich rührendes, herz­liches, und durch die weise Dämpfung des Organs erzielte er eine vielleicht kaum geahnte, tiefeindringliche Wirkung. Sehr gut war auch Herr St ein Hofer als Hans. Tas lebhafte, bewegliche Wesen des ganz von einem starken Gefühl beherrschten Jünglings, gelang ihm vortrefflich und die durch seine stürmische Liebe noch verstärkte Nervosität des modernen Stimmungsmenschen war eben­falls von überzeugender Gewalt, nur einige sprachliche Unarten fielen unangenehm auf. N.

Der Musiksalon öes Grohherzogs von Hessen.

Darmstadt, 29. Okt.

Im neuen Palais zu Darmstadt geht soeben ein bedeutsames Werk moderner Kunst seiner Vollendung entgegen, das seine Ent­stehung der Initiative des Großherzogs von Hessen verdankt: ein in der Kunst wie in der Technik ganz neue Wege zeigender Musik­salon. Ein Teil des hochkünstlerischen Raumes wird soeben von einer Berliner Firma in Glasmosaik ausgeführt, die durchbrochene Apsis, hinter der die Orgel aufgestellt wird. Ter Raum als Ganzes ist ganz Kunst, ganz Musik. Und roemt je von gemalten oder ge­formten Tönen gesprochen werden kann, muß es in diesem Raum der Fall sein, in dem alles Musik, alles klingende Harmonie ist, wo die reizenden intimen Details trotz des Reichtums iu Form und Farbe sich zu einer seltenen märchenhaften Stimmung einen.

Der Saal ist rechteckig gestaltet und nimmt .in seiner Stirn­wand eine von einer Kuppel^ gekrönte Apsis auf. Es wurden drei neben dem sogen, weißen Saal im Parterre des neuen Palais liegende Zimmer, die bisher nicht zu den sogen.Herrschaftszim­mern" zählten, hierzu zu einem Raum vereinigt, wodurch ein in feinen Maßen ebenmäßiger Saal gewonnen wurde, der schon von selbst eine gute Akustik gewährleistet. Der Saal erhielt so die Ausdehnung von 12* zu 8> -. Meter; seine Bestimmung soll in erster Linie sein, nicht in ihm selbst zu musizieren, sondern M u s i k zu hören. Dem entspricht die ganze Technik, in der das Ideal eines Konzertsaals im Kleinen geschaffen wurde. Ein 3Vs Meter hohes Paneel aus Amarantholz, einer westindischen Holzart von roier ins Violette spielender Farbe, umzieht den Raum. Die Wände sind durch reii* aber unaufdringlich ornamentierte Pfecker

in gleichmäßige Flächen aufgeteilt. Die einzelnen Felder, also die eigentlichen Wände, sind matt vergoldet, und es wird durch dieses Gold zu dem saftigen Rdtiviolett des Paneels und den zwischen den Feldern angebrachten Sofabänken von ähnlich violettem Ton im Tuch eine wunderbare, bei allem Reichtum ruhig abgcstimmte Farbenharmonie erzielt.

In der den Fenstern gegenüberliegenden Stirnwand ist eine Apsis eingebaut, die das Schmuckkästchen des ganzen Saales bildet. Die Rundung ist in kleine, hellfarbene halbhohle Nischen aufge­teilt, die jeweils durch eine Art Pfeiler abgegrenzt werden. Darüber wölbt sich eine Kuppel, bereit Glasmosaik auf blauen Grundtvn gestimmt ist und in diesem Blau reiche feine Malereien, stilisierte Vogelornamente in äußerst zarter Linienführung aufwcist. Die Apsis findet nach dem Saale zu ihren Abschluß in einer pfeiler- ähnlichen Wand, die auf weißem Grunde durch reichvergoldete Schnitzereien geziert wird. Das gleiche Motiv der stilisierten Vogel­ornamente findet sich auch in den Rundfenstern wieder, die durch ganz zarte durchsichtige Seide verhüllt sind und das Tageslicht nur gedämpft durchlassen. Die Vorhänge sind weiß und zeigen die Ornamente in ganz zart lila oder blau getönter Stickerei.

Die Apsis nimmt einen reichgeschnitzten und vergoldeten Orgelspielapparat auf. Das Orgelwerk selbst ist in einem Raum hinter der Apsis untergebracht, also vom Saale nicht sicht­bar. Das bedingt natürlich eine besondere zweckmäßige Technik des Saales, damit die Töne in voller Klangschönheit sich dem Ohre mitteilen. Die Goldornamentik der Apsis ist aitterglcich durchbrochen und läßt die Orgeltöne aus dem engen Außenraum in den Saal fluten. Außerdem ist an die Orgel ein Echowerk ange­schlossen, von dem aus Röhrenleitungen zur Decke führen. Diese Röhren, besttmmt, die Töne zu leiten, münden in die zahlreichen Kassetten der Decke, die, für den Beschauer fast unsichtbar, durck>- bcochen sind und die Töne der Orgel ungehindert aussttömen lassen Dadurch ward erreicht, daß sich die Orgelttänge in zarten gedämpf­ten Tönen gleichzeitig über den ganzen Saal verteilen, was nach einer in Berlin veranstalteten Probe von märchenhafter Wirkung sein soll. Die Decke des Saales, Die eine strenge kassettenarttgs Austeilung erhält, wird in Alabasterstuck hergestellt. Tie inneren Felder sind reich ornamentiert und vergoldet. Sie nehmen auch die ganz diskrete, durch zahllose kleine elektrische Birnen gcbil- tete Deckenbeleuchtung auf, die von einer Art Filigranwerk ver­hüllt und deren Quelle dadurch dem Auge entzogen wird. Die eigentliche Beleuchtung wird durch Reslektoren gebildet, fackelarttge Beleuchrungskörper, die an den Pfeilern rings im Saale ange­bracht sind und fcroi* mitten in Marmor gemeißelten Ornamenten, in denen wiederum die stilisierten Vögel, je zwei eine Kartusche abschließend, wiederkehren. Die Beleuchlungstörper werfen ihr Licht zunächst an den gelblich getönten Marmor und bann ge- mllbert an die Saalbecke, die den Schein zurückwirst. Der Saal