Ausgabe 
1.10.1913 Erstes Blatt
 
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und das höfliche Entgegenkommen, Das wir Ihrerseits bei der Durchführung unserer Mission Kunden haben, den Tank ausznsprechen. Tank der im Laufe der Verhandlungen beiderseits aufgewandteu Arbeit, des guten Willens und des versöhnlichen Sinnes hat sich der Stand der Dinge, wie er sich seit einem Jahre zwischen unseren Ländern ge­staltete und der so schwer auf ihnen lastete, geändert. Der Vertrag, zu dessen Unterzeichnung wir jetzt gelangten, be­zeichnet die Wiederaufnahme der Beziehungen zwischen Bul­garien und der Türkei und bezeichnet ein Einverneh­men zur Freundschaft. Wir fühlen durchaus, eine wie große Ehre es ist, an diesem edlen Werke mitgearbeitet zu haben und sind glücklich, die Bürgschaften für die Her­st ellungfe st er, dauernder Beziehungen zwi­schen den beiden Ländern, für gute Nachbarschaft und Freundschaft im Interesse des Glücks und des Fortschritts der beiden Völker haben schaffen zu können."

Deutscher Reich.

Rücktritt des Gesandten der drei Hansaftädte.

DieNorddeutsche Allgemeine Zeitung" meldet: Nach mehr denn siebzehn Jahren erfolgreicher wcrtgeschätzter Tä­tigkeit als Vertreter der drei Hansestädte in Berlin tritt der außerordentliche Gesandte, Klügmann, am 1. Oktober zu­rück. Ein Staatsmann von hervorragenden Fähigkeiten, hin­terläßt Klügmann überall, insbesondere beim Bundesrat, dessen Mitglied er war, ebenso am Kaiserhofe ein vor­treffliches Andenken. Nach der Biographie des Ge- 'andten heißt es weiter: Klügmann rechtfertigte vollauf die mf ihn gesetzten Erwartungen: bekannt ist seine ausgedehnte Tätigkeit als Referent im Bundesrat, namentlich bei han­delspolitischen, staatsrechtlichen und kolonialen Vorlagen. Er war Mitglied des Reichsdisziplinarbofes Leipzig. Neben so starker Beschäftigung und eifrigen Studien blieb dem ver­dienten Manne gleichwohl Gelegenheit, sich mit künstlerischen und wissenschaftlichen Problemen auseinanderzusctzen und so­gar auf diesen Gebieten zu arbeiten: das gab und erhielt ihm den hohen Schwung, der in ihm bei der politischen Arbeit lebte. So wurde ihm das Vertrauen zuteil, wie es nur ein langes, pflichtcrsülltes Leben erwerben kann.

Eonrad v. Hohendorf bleibt.

Die Behandlung der Angelegenheit in der Oeffentlich- keit, deren Sympathien so unverkennbar auf feiten des her­vorragenden Generalstabschefs sind, hat ihre Wirkung getan. Wie aus Wien gedrahtet wird, hat dasNeue Wie ner Tagblatt" von dem Chef des Generalstabs Freiherrn Conrad v. .Höhendorf selbst eine Drahtung erhalten, in der der Generalstabschef erklärt, daß die Gerüchte von seinem Rücktritt unrichtig seien. Interessant wäre es, zu erfahren, was sich in iber Zwischenzeit alles hinter den Kulissen abge­spielt hat.

Das Kreuz der Ehrenlegion für eine Stadt.

Der französische Minister des Innern Klotz hielt in Amiens eine Rede, in der er aukündigtc, daß der Stadt Peronne (Departement Somme), welche im Jahre 1536 eine denkwürdige Belagerung und während des Krieges von 1870 eine heftige Beschießung zu bestehen hatte, in An­erkennung ihrer tapferen Haltung dos Kreuz der Ehren­legion verliehen worden sei. Am Vorabend des Tages, so sagte der Minister weiter, wo das zweite Armeekorps unter dem Befehl des Generals Picguart die Ehre hatte, in die vorderste Linie zu rücken, um, Trier gegenüber-' stellend, die französische Deckung zu verstärken, ist es er­haben, des Heldentums unserer Mitbürger zu gedenken. Die neuen Geschlechter werden ihren Vorgängen nicht nachstehen. Als eine patriotische Pflicht haben sie die schweren Lasten übernommen, die ihnen das neue Wehr­gesetz auferlegt, das durch die großen Rüstungen eines Nachbarlandes unvermeidlich geworden war.

Erschwerung der Einfuhr in Frankreich.

Die S ch lv e i z e r i s ch e D e p e s ch e n - A g e n t u r stellt fest, daß auch die Schweiz, insbesondere seit der letzten Revi­sion des französischen Zolltarifs wiederholt in die Lage gekommen ist, bei der französischen Negierung vor­stellig zu werden wegen der Versuche der Verwaltung, ver tragliche oder gesetzliche Bestimmungen so auszulegeu, daß daraus unzulässige Erschwerungen der Einfuhr in Frankreich sich ergeben. Dagegen wird es gegenüber anderslautenden Pressemeldungen als völlig unzutreffend bezeichnet, daß durch die fachgemäße Verfolgung dieses Verlangens jemals auch nur die leiseste Kühlung oder Trübung in den politischen Beziehungen zwischen den beiden Ländern eingetreten ist. Die Schweiz setzt volles Vertrauen in die Einsicht und Gc rechtigteit der Regierung der Republik.

Die Kritik an den Manövern in Frankreich.

Der französische Senator und ehemalige Offizier Hum­bert, der. schon mehrere Male als Kandidat für das Kriegsportefeuille genannt wurde, veröffentlich imJour­nal" eine ü b e r a u s s ch ar fe Kr i t i k ü b er d i e H e r b st -

bereu Zinsen in Not befindlichen Mitgliedern des Stadt' theaters zugute kommen sollen.

Gießen, am 30. September 1913.

Der Theater-Verein Gießen. Dr. Earl Fromme, Vorsitzender.

Die besten Wünsche des Darmstädter Hoftheaters überbrachte Hosiat Winter, der in längeren Ausführungen der guten Be Ziehungen der beiden Theater in Darmstadt und Gießen gc dachte. Für die Mitglieder der hiesigen Bühne sprach Herr G oll, der einen pradüvvllen Kranz überreichte, die herzlichsten Glückwünsche aus, indeni et vor allem der verständnisvollen und zuvolkommcnden Kollegialität des Direktors gedachte, der in seinen Schauspielern vor allem auch den Menschen achte. Als ältestes Mitglied brachte Herr Conradi dann ein Hoch auf den Ju­bilar aus.

Herr Direktor Steingoetter dankte in herzlichen, be­wegten Worten allen denen, die ihm Glückwünsche dargebrackst hätten, und allen Helfern am Werk, insbesondere aber für die ^hochherzige Stiftung, zu deren Nutzen er jährlich eine Wohl tätigkeiisvorstellung geben wolle. Was an ihm liege, das solle gesu'Chen, um auch künftig zur Zufriedenheit der Theaterfreunde zu wirken. * K. N.

Eine Fortsetzung von MozartsFigaro". Der bekannte französisckw Komponist Lavier Leronr legt zurzeit die letzte Hand an die Partitur eines neuen Werkes, das nach seinem Stoffe eine Art Fortsetzung von Mozarts nnfterb lieberHochzeit des Figaro" sein soll. Es handelt sich um eine Operette, zu der Hcnneguiu und Delorme den Text geschrieben haben und die den Titel führt:Die Tocküer des Figaro". Unter dem Zwang eines lustigen Atavismus tauchen hier die Abkommen der Gestalten auf, die wir ausFigaros Hock-zeit" und aus dem /Barbier von Sevilla" bereits kennen, unter ihnen auch der in zwischen sechzig Jahre alt gewordene Ebernbim, in dessen Herzen trab der Jahre noch immer schwärmerische Liebe wohnt. Das Werk soll noch im Laufe dieser Spielzeit in Pans seine Urauf führung erleben^

Manöver bes Heeres: cs heißt darin u. a., die Armee sei schlecht ausgebildet, schlecht ausgerüstet und schlecht be­fehligt. Der Artikel schließt mit den Worten:Wenn wir unseren Soldaten die Mittel gegeben haben werden, sich auszubilden, wenn wir ihnen die den Bedürfnisseli des Fortschritts entsprechenden Waffen geliefert haben werden, dann werden wir noch immer nichts für sie getan haben, wenn wir ihnen nicht jene Führer geben, welche ihre Tapfer­keit verdient. Anstatt einer starken und zum Siege bereiten Armee werden wir dann nur eine ungeheure für den Zu­sammenbruch reife Menschenherde besitzen.

Unseren Anzergenkunden zur gefälligen veachtung.

Um den größeren Anzeigen für die Samstagsnu'Mmer eine sorgfältige Satzausstattung zu sichern, empfiehlt es sich dringend, die Aufgabe ein bis zwei Tage vorher zu bewirken. Bei der großen Menge der Anzeigen kann nur bei rechtzeitiger Bestellung eine wirkungsvolle Anordnung gewährleistet werden.

Verlag bes Siebener Anzeigers.

Schwurgericht.

th. Gießen, 30. September.

Tie gestrige Verhandlung vor dem Sckpvurgerick t richtete lief gegen den 38 Jahre alten Invaliden, Dreher Wilhelm Wal­ther von Gießen, wegen Brandstiftung. Die Anklage ver­trat Staatsanwalt Trü.mpert. Die Verteidigung führte Rechts­anwalt Peters. Es waren nur vier Zeugen, der Geheime Medi­zinalrat Dr. Haber körn und der Assistenzart Dr. Berliner von der Klinik' für psychische und nervöse Krankheiten als Sachverstän­dige zu hören.

Der Angeklagte gab zunächst ein Bild seines Familienlebens: er habe vor 11 Jahren seine Frau als Witwe geheiratet und lebte mit ihr und fünf Kindern in seinem Häuschen an der Lahn. Vor längeren Jahren hatte er, wie er sagt, eine Lungenkrankheit und sand kaum Arbeit, obwohl er wiederholte Versuche gemacht bat. Es war ihm infolge seiner zerrütteten Nerven auch unmöglich. Walther behauptet, er sei wegen Krankheit seiner Fran im Wege gewesen. Diese habe durch Laufstellen und als Wäscherin die Fa­milie mit ernäl rt, doch ) ei eit seine Verhältnisse gute gewesen. Tie Frau Ijabe ihn schließlich nicht mehr gemocht: wenn sie km Hause anwesend mar, hat es Zank und Streit gegeben. Die Frau habe ihn gesteinigt und gekränkt, wo sie nur gekonnt hatte, und 0<tbe ihn aufgefordert, sich ein Leid anzuttnt. Am 30. Mai d. I. I>abe sie ihn wieder sck-lecht bel-andelt und ihm nahegelegt, sich das. Leben zu nehmen: sie hat ihn bedroht, sie wolle ihn tot- schlagen und noch dahin bringen, wo er hin gehöre. Da will der Angeklagte den Entschluß gefaßt l-aben, in die Lahn zu gehen, Dorbcr aber fein Häuschen nieberjubrennen, um seiner Frau die Möglichkeit zu benehmen, sich später wieder verheiraten zu können, damit seine Kinder keinen Stiesvater bekämen. Der Vorsitzende, Laudgerichtsrat Schud t, hält ihm vor, daß er früher nngegeben habe, er habe die Brandstiftung begangen, uni die Versicherungs­summe in die Hand zu bekommen, mit ber er in eine Anstalt gehen wollte, um sein Leiden heilen zu lassen. Daraus erklärt Walther, er habe dies dem Untersuchungsrichter zwar zugestandcn, doch sei dieser Grund hinfällig, weil er doch gewußt habe, daß ihm das Geld im Falle eines Schadens nur gezahlt werde, wenn das durch Feuer zerstörte Bauwerk wieder hergestellt sei. Auf den Hinweis, daß seine Frau behauptet, es sei seine Msicht gewesen, seine Familienmitglieder unter den Trümmern des brennenden Hauses zu begraben, meint der Angeklagte erregt, das habe ihm ganz serngelegcn, denn er Hebe seine Kinder sehr. Er habe ja Frau und Kinder geweckt, damit sie nicht in den Flammen mnkommcn sollten. Er sei sogar in das brennende Haus gedrungen, um das kleinste Kind herauszuholen, da sei ihm seine Frau aber schon mit dem! Kinde entgcgengekommen.

Der Angeklagte schildert nun, wie die Familie am 30. Mai abends schlafen gegangen ist. Gegen 12 Uhr habe er eine Flüssig­keit auf den mit Linoleum belegten Zimmerboden gefdnittet. Die Fensterläden des Raumes hatte er am Wend geschlossen und fest verriegelt, was sonst nickst geschah. Er hat dann den Brand ent­zündet und als die Flamme in dem alten Gebäude hell ausschlng und schnell um sich griff, da habe er die Frau auf den Brand auf­merksam gemacht und gerufen: cs brennt. Auf die Frage des Vor sitzenden, warum er seine Absicht, sich das Leben zu nehmen, nickst ausgesührt habe, erwidert der Angeklagte, er sei zweimal an der Lahn gewesen, es habe ihm aber der Mut gefehlt, ins Wasser zu geben.

Tie Ehefrau Walther, eine kleine sckstvächliche Person, als Zeugin gehört, schildert, wie der El-emauu sic geplagt und wüst beschimpft habe. Er habe sie mißhandelt und sie habe ihrem Mann nichts recht macl-en können. In den ersten beiden Jahren, so lange dieser gesund gewesen, hätten sic miteinander zusrieden ge­lebt. Später aber war nicht mehr mit ihm fertig zu werden. Unwahr sei cs, daß sie den Mann habe veranlassen wollen, Selbst­mord zu verüben. Sie habe sich zwar gewehrt, wenn er sie ge­schlagen habe, sie habe auch wohl gesagt, daß sie ihn dahin bringe, wo er hin gehöre, nämlich in eine Anstalt. Es sei auch unwahr, daß sic ihren Mann am 30. Mai mit Totschlägen bedroht habe. Walther habe im Zorn auch die Kinder geschlagen und miß­handelt. Sie sei der Ansicht, daß ihr Mann, als er das Haus auzündete, sie und die Kinfder in den Flammen limfommcn lassen wollte. Er inaa, als er die Flammen gesehen hat, Reue gesühlt und zur Vernunft gekommen sein. Darum habe er ihr dauu wohl zugerufen, daß es brenne. Ws dem Feuer habe sie niästs gerettet als das nackte Leben und das ihrer Kinder. Als sie das jüngste Kind aus dem Hause geholt habe, sei das Gebäude prasselnd zusammengebrochen. Ihr Mann habe nach dem Brand stundenlang auf der Erde gefeifen, kein Wort gesprochen, die Augen zu Boden geheftet, wie jemand, der Reue empfindet.

Zwei weitere Zeuginnen bestätigen, daß Frau Walther eine arbeitsame fleißige Frau sei, und daß der Ehemann nad> ihren Wahrnehmungen häufig geschimpft hat. Ob Frau Walther die Ver­anlassung dazu gegeben hat, können sie nicht sagen.

Geheimer Medizinalrat Dr. Haberkorn bezeichnet den An­geklagten als einen Menschen, der jetzt vollständig gesund sei : er schläft gut und zeigt nicht die geringsten Anzeichen eines Geistes - kranken, er denkt folgerichtig, zeigt aiub keine Wahnideen. Auch die Lungen sind jetzt volllommeu gesund. Walter ist mit Neu­rasthenie behaftet. Diese Leute, die man früher als Faulenzer be- zeichnete, haben nidst bicVraft imb ben ehrlichen Willen, gegen ihre Arbcitsnnlust anzukänipjeu. Diese Neurastheniker sind willens­schwache Menschen, bic jähzornig und nervös sinb, wie ber An­geklagte cs ist. Der Sachverständige ist der Ansicht, daß Walther für seine Tat nach dein Gesetz verantwortlich zu inad)cn ist, dem aber bei der Strafzumessung eine mildere Beurteilung zuteil wei­den muß. Dr. Berliner kommt in seinem Gutachten zu dem gleidwn Ergebnis. ~'

Die an die Geschworenen geriditctc Schuldsrage, die aus Brand stiftung an einem von Menschen bewohnten Hause lautete, wurde von diesen nach kurzer Beratung aus Antrag des Staatsanwalts Trümpert bejaht. Redstsanwalt Peters barte bic Geschworenen gebeten, die Frage: Ob bic Tat bes Angeklagten nicht bod) als im Wahnsinn begangen anzusehen sei, einer grüitblid>cn Nachprüfung zu unterziehen.

Der Gerichtshof erkannte auf eine Zuchthausstrafe von 1 Jahr 3 Monaten, worauf 3 Monate 3 Wo dien Ilnter- suchungshaft als verbüßt ang cr.ed.nct werben Bei der Straf zumessung wurde mildernd berücksichtigt bic geistige Minderwertig­keit des Täters, dessen Reue über die Tat, daß es and) bas eigene Haus war. weldios ber Angeklagte vernichtet hat, und daß die Gefahr einer weiteren Verbreitung bes Brandes bei der isolierten Lage des nicöergcbranntcn Gebäudes ausgeschlossen war. Straf-

erfdirocrenb kam aber in Betracht, daß der Angeklagte seine Fa­milie ins Unglück gebracht bat. Deshalb bat der Gerichtshof über die niedrigste zulässige Strafe hinausgehen müssen und so, wie geschehen, erkannt 'Der Angeklagte mar aber ceftänbig, weshalb ihm die ganze Untersuckmngslxi't als verbüßte ©träfe in Auf- redmung gebracht wurde. Walther nahm dgs ergangene Urteil an.

Ans StaOt und

Gießen, 1. Oktober 1913.

* Tageskalender für Mittwoch, den 1. Okt.: Stadt- t ben ter: , Majolika/ Ansan i 7 Uhr.

Zirkus CarrS: Vorstellung 8% Uhr.

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Der Fahrplan des Gießener Anzeigers ist gestern den Stadtabonnenten zugestcUt worden und wird morgen an die Abonnenten auf dem Lande auZgcgeden werden.

f

'* Elektrische Ueberlandanlage. Am 25. d. Mts, fand in Friedberg unter dem Vorsitz deS Herrn Geheime- rnt Dr. Usinger eine Besprechung statt, die die Veranstaltung einer clektrotechuischcii Ausstellung zum Gegenstand hatte. DaS Ergebnis der Besprechung erscheint recht günstig. ES soll hiernach in einer in Friedberg im November abziibaltcndcu Ausstellung kleinen Stils die Verwendungsmöglichkeit der Elektrizität in der Landwirtschaft gezeigt werden. Mit Rück­sicht auf den zur Verfügung stehenden Raum mußte daS An­wendungsgebiet auf die Landwirtschaft beschränkt bleiben. Sämtliche vertretenen Firmen haben ihre Bereitwilligkeit zn- gesagt, die Ausstelliing zu beschicken. Wir fonimcn auf die interessante Veranstaltung noch zurück.

Der Allgemeine Deutsche Frauenverein veröffentlicht im heutigen Anzeigenteil unseres Blattes bir Tagesordnung für die vom 6.8. Oktober hier ftattfinbenbe Hauptversammlung.

* * Alice-Schul-Verein. Frau Geheime Justiz rat Gebhardt legt mit dem heutigen Tage ihr Amt als 1. Vorsitzende des Alice-Schul-Vereins nieder.

" Der Polizeisekretär Stephan Pfeffer, der am 1. Oktober 1878 hier als Schutzmann eintrat, feiert heute fein 35jährigeS Tienftjubiläum.

* DaS jübische Neujahrsfest fällt dieses Jahr auf den 2. und 3. Oktober. Die Juden treten damit in das 5674. Jahr ihrer Zeitrechnung ein.

* * A uS der Fremde heim geholt. Lehrer Schmidt von Lardenbach, der wegen SittlichkeitSverbrechcnS steckbrieflich verfolgt wurde, ist in Luxemburg verhaftet worden. Seine Auslieferung ist beantragt. Der Kaufmann Hermann, ber vor einigen Wochen im Philosophenwalbe seine Geliebte er­schießen unb sich bann selbst bas Leben nehmen wollte, wai nach Hollanb über bie Grenze gegangen. Er würbe in Embcn festgehalten unb wirb nach Gießen zurückgcbracht.

Landkreis Gießen.

? Ab end ste r n , 30. Sept. Auf hiesiger Station wur­den insgesamt 65 Waggon Zwetschen verladen, von denen die meisten für das Rheinland und Westfalen bestimmt waren.

(?) Lich, 30. Sept. (Gemeindcratswahl.) Heute fand hier Gemeinderatswahl statt. Es waren auSgeschicdeu Hein­rich Zimmer XL, Christian Dietz 1. und Peter Dietz, von denen Peter Dietz eine Wiederwahl abgelehnt hatte. Außer den beiden erstgenannten seitherigen Gemcinderätcn waren noch acht Kandidaten ausgestellt worden. Es wurden gewählt, Mühlenbesitzer Heinrich Zimmer XL m i t 225, Brau ereibesitzer Heinrich .Heller IV. m i t 217 und Schnei­dermeister Heinrich Adam Fuhr mit 198 Stim men. Die Wahlbeteiligung war sehr rege. 443 Wähler hat ten von ihrem Wahlrecht Gebrauch gemacht: das bedeutet 8C Prozent aller Wahlberechtigten. Weniger zahlreich war die bäuerliche Bevölkerung erschienen, die durch die Feldarbeiten abgehalten mürbe.

(-) Altenbuscck, 1. Okt. Bei ber am 30. Secht hier abgehaltenen Bürgermeister wähl wurde der seit herige Bürgermeister mit großer Mehrheit zum dritten Male als Oberhaupt der Gemeinde wiedergewäblt. Unter 305 Wählern fielen auf Bürgermeister Körber 222 stim­men. Beigeordneter Rau erhielt 12 Stimmen. Viele Wähler machten von ihrem Wahlrecht keinen Gebrauch Abende wurden dem Bürgermeister von dem Gesangverc.i ^erinania ein Fackelzug sowie schöne GesangSvorträge oargebracht. Möge es dem alten Oberlwnpte vergönnt sein, das Bürger« meifteramt noch lange Jahre zu sichren.

---Holzheim, 30. Sept. Bei der hiesigen Ge- mcinderatswahl wurde der Landwirt Mlhelm Peter Klotz wieder-, Landwirt Heinrich Wetz I. und Sattlcrmeister Heinrich Kuhl neugewählt.

ck. Grünberg, 29. Sept Bei der heutigen Ge­mein d c r at s w a h l wurden die drei ausscheidcnden Mit­glieder, nämlich: Kaufmann Christoph Schweißguth, Bäcker­meister Georg Fuldat und Metzgermeister Heinrich Spamor wiedergewähll. Von den Wahberechtigten machte etwa die Hälfte von ihrem Wahlrechte Gebrauch.

---Grünberg, 1. Okt. Gestern b rannte hier eine Scheuer nieder, wobei drei Feuerwehrleute verun­glückten. Einer erlitt so schwere Nauchvcrgiftung, baß er erst nach breiüiertclftünbigen WiebcrbelebungSversuchcn ou5 seiner Ohnmacht geweckt werben konnte. Von ben beiben anberen erlitt ber eine einen Armbruch, ber brüte eine leichte Kopfverletzung.

Kreis Büdingen.

l. Ober-Mockstadt, 30. Sept. Bei der hiesigen Gc- meindcratswahl wurden Gust. Mickel mit 68 Stimmen und K. Spamcr mit 54 Stimmen wieder, Herrn. Hernbrod:' mit 51 Stimmen und Hch. Müller mit 49 Stimmen neugcwählt.

Kreis Alsfeld.

-1. Alsfeld, 30. Sept. Ueberfahrcn würben zwei hiesige Männer, bie mit ihrem Fuhrwerk von Eifa nach 91(5- selb fuhren. Bcibe kamen an einer steilen Stelle ber Straße unter bie Räber unb würben von beni mit Fässern belabcnen Wagen erheblich verletzt. Der eine erlitt einen Knöchelbruch, dem anderen wurden einige Rippen emgekuickt. DaS Aus­bleiben beS Fuhrwerkes hatte Nachforschungen zur Folge, luobuid) sie in ihrer hilflosen Lage aufgefimben würben.

Kreis Schotten.

l. W e t t c r f e l d, 30. Sept. Ein sechs Jahre alles Mäd­chen das zur Beaufsichtigung seiner Geschwister daheim zu- ruckgclassen worden war verbrannte vorgestern Morgen bei lebendigen Leibe. Als die Nachbarsüutc daS Gewim­mer deS Kindes gewahr wurden, sanden sie c? mit völlig verbrannten Kleidern. Der Arzt ließ^das Mädchen in die Klinik bringen, wo es nach einer Stunde unter großen Schmerzen starb. Es ist jedenfalls beim Feuerschürcn ver-