Hine Siegesfeier in Moskau.
Moskau, 1. April. Das slawische Komitee veranstaltete gestern aus Anlas; der Einnahme Adriano Pels eine ft-eicr, an der auch die Spitzen der städtischen Behörden und Militär teilnahrnen. Eine Trau erfrier für die Gefallenen aus den Balkankriegen von 1877 und 1913 fand statt, der am "Abend ein großes Bankett folgte.
Die Belagerung von Skutari.
Am Sonntag wurde dem Kommandanten von Sku - tarr eine neuerliche Frist zum Abzüge der Zivilpersonen eingeräumt, dock machten nur wenige von der durch Essad Pascha gegebenen Erlaubnis Gebrauch. Am Sonntag um 7 Uhr begann das Bombardement wieder.
Die Türken unternalMen am Montag um 9 Uhr vormittags einen Angriff vom Tarabosch aus, worauf die montenegrinische Infanterie in Aktion trat. Ein heftiges Bombardement dauert auf beiden Seiten an.
Die montenegrinische Regierung erklärte den Großmächten, nicht in der Lage zu sein, den M i l i t ä r a t t a ch e c s wegen des Abzugs der Zivilbevölkerung von Skutarn eine Unterredung zu gestatten.
Bon vier serbischen Flugzeugen, die Skutari kürzlich zu, überfliegen versuchten, wurde eins heruntergeschossen und siel in die Stadt. In der vorigen Nacht wurden 300 montenegrinische Pioniere, die den Iri-Ftuß ablciten wollten, um Skutari unter Wasser zu setzen, von Hallissoren überraschst und sämtlich niedergc macht.
Die Blockade der montenearinifcheu Küste.
In unterrichteten österreichischen Kreisen wird erklärt, daß vorläufig nur eine Blockade der montenegrinischen Küste vorgenommen werden solle. Tim' die Zufuhr von Lebensmitteln und Kriegsmaterial von her Seeseite zu verhindern. Alle TelearaMMe unterliegen einer strengen Zensur.
Wie verlautet, hat am Montag nm, ' 3 Uhr morgens das in 'E a t t a r o versammelte ö st e rr e i cki s ck - u n g a r i s ck e G e schw aber ben Befehl zum Auslaufe n erhalten. Tas Geschwader lag ctm-r -winzig Kilometer vor Antivari. Es besteht aus den Schlachtschiffen ..Erzherzog Franz Ferdinand", ..Zrinhi" und „Ra-x^kv". dem Panzerkreuzer „St. Georg", dem Kreuzm ..Mmiral Sprun". Mehreren Porlwdob'oten und Torpedo- bootszeritörern. T as 2 3. L a n d w e h r i n s.a n r e r i e r e g i- ment in Zara wurde um i/»6 Uhr nachmittags auf einem Llovddampser eingeschifst, der in nördlicher Richtung abging, und wird. wie verlautet, in Matkowich anSoeschifft werden.
Die Kämpfe au der Tschataldfchalinie.
Die feindlichni Streitkräfte, die nach dem amtlichen Bericht am Sonntag aus dem Terrain von den türkische"- befestigten Stellungen westlich von Büj uk-Tsckekmddschr vertrieben worden waren, wurden von einigen unserer Einb-wten nachdrücklich v e r- solat. Hierbei fanden di-se auf dem' Äbarsch' in der Richtung auf IaUes mehr als 1000 Leichen an? den Wemn. Tie wopiicken Truppen stieren auf beträchtliche feindliche Streitfrärte, die aus den Höhen nördlich von Jalos und südlich von- Tale Tschakilkoci ausgestellt waren und machten dort Halt. Infanterie zerstörte die feindliche demaskierte Batterie, die aufgefabren war, um dir tür- kisc^r Stellungen von der- Flanke zu. nehmen. In den übrioen Punkten vor der Tschataldscha-Linie Und vor Bulair hat sich nichts ereignet.
Verrtrcbss Reich»
Di e Beise'tzuutz
?<e ® Fürsten H e in rich XIV. von Reu st.
ist endgiltig auf den 4. April festgesetzt. Unter den Trauer- knndgebnngen befinden sich Mileidsknndgebunqen des Kaisers und des Reichskanzlers. Das Beileidstelegramm des Kaisers lautet: „Mit herzlicher Teilnahme habe ich die Mitteilung vom Hinscheiden Deines geliebten' Bakers empfangen. Zu diesem schweren Verlust sprech,e ich Dir mein wärmstes Beileid aus. Gatt der Herr geleite Deine Regierung allezeit mit seiner Gncüie jffiit Segen der reustischen Lande. Ich gedenke mit Wetzmüt daran, tvie nahe der Vcr- storbeue meinem Vater stand. Wilhelm I. R."
Der „Mak in" in Elsa ß-Lo thrin gen verboten.
AufGrund des Pressegesetzes 'ist, nach dem Wolff-Bureau, der Pariser „Matin" in Etsaß-Lothringen verboten worden.
hoher militärischer Besuch in Gießen und Wetzlar!
- a. Homburg, 31. März. Der Kaiser empfing heute nachmittag im Schlosse den Staatssekretär des Auswärtigen, von Iagow, der um 9.35 Uhr aus Berlin eingetroffen war. Es trafen ferner nacheinander ein: Kriegsministcr von .Heeringen, Generalfeldmarschall Gras Haeseler, Generalfeldmarschall v. d. Goltz und' der Generalstabschef v. Moltke sowie die Spitzen des Großen Generalstabs, mit denGv der Kaiser Ergänzungen der Wehrordnung erörterte. Es handelte sich dabei um die Garnisonierung einiger der neuen Truppenteile, wobei der Kaiser sich über die Wünsche der in Frage kommenden Städte unterrichten ließ. Es ist in Aussicht genommen worden, zwei Schwadronen des zurzeit in Darmstadt garnisonie- renden weißcir Lcibdragvner-Regimcnts nach Wetzlar zu verlegen, wohingegen Darmstadt zwei neue Garderegimen ter erhalten soll. Es ist eine sofortige Besichtigungs- reise nach Wetzlar geplant, an der zwar der Kaiser angesichts der Zeitlage nicht teilnehmen wird, die aber in Verbindung mit den in Frage kommenden Militär- und Zivilbehörden eine Prüfung der Lage Wetzlars vom strategischen Gesichtspunkte sowie des für den Bau einer Kaserne in Aussicht zu nehmenden Geländes bezweckt. Im Zusammenhang damit soll auch eine Besichtigung des in Gießen int Bau befindlichen Kaserne- ments für die Maschinengewehr-Kompagnie erfolgen, und ferner soll an einen weiteren Ausbau der Gießener Garnison gedacht sein. An der Reise werden u. a. teilnehmen: der Kriegsminister, der 'Chef des Generalstabs, Graf Haeseler, Frhr. v. d. Goltz, als Vertreter des Kaisers von Rußland, der bekanntlich Inhaber des Leibdragonerregiments ist, der Kosakenhetman Graf Schnwatoff, sowie zahlreiche hohe Offiziere des Generalstabs und der Kommandeur des Leibdragonerregiments Nr. 24, Oberstleutnant Zierold. Die Herren werden morgen, Dienstag abend sieben Uhr, in Gießen eintreffen, wo sie im Hotel Kühne ab ft-eigen und im Offizierskasino ein Souper einnehmen werden. Bei dieser Gelegenheit werden die Militärvereine den hohen Gästen einen Fackelzug darbringen, der sich um 8 Uhr abends auf Ostwalds garten auf stellen und mit der Musik des Infanterieregiments Nr. 116 nach dem Landgraf-Philipp-Platz sich beweget: wird. Wie es heißt, soll die alte Kaserne, nachdem in einigen Jahren ein anderweitiger Mannschaftsbau fertig zu stellen sein wird, in ein größeres Arsenal und Munitionsdepot unrgewandelt werde::, wobei auch für zahlreiche Fliegerschuppen Raum
geschaffei: iv^rdei: muß. Da bei diesen Erörterungen wichtige Interessen für die Hebung der Stadt Gießen und ihres Verkehrs in Frage kommen, wird bei deni Fackelzug auch der Stadtvorstand vertreten sein, der in besonderer Audienz über die Pferde- und Viehmarktvcrhältmsse Auskunft erteilen soll. Am folgenden Morgen um 8 Uhr begeben sich die Gäste im Automobil nach Wetzlar, wo abends vorher um 7' . Uhr"Staatssekretär v. Iagvw im „Herzoglichen Haus" Wohnung genommen haben wird. Die Behörden Wetzlars werden, so unvorbereitet sie dieses ehrenvolle Ereignis anch trifft, einen großen offiziellen Empfang der Gäste veranstalten, die kurz nach 8 Uhr unter dem Geläute der Glocken in Wetzlar eintreffet: werden. Es folgt ein Rnndgang unter Führung des Bürgermeisters, Frühstück im „Herzoglichen §au§", Besichtigung der im Bau befindlichen Unteroffizierschule, des Domes und der sonstigen Sehenswürdigkeiten, iworanf gegen 11 Uhr die Rückfahrt erfolgen soll. Es ist dabei wiederum ein 'kurzer Aufenthalt in Gießen in Aussicht genommen, wo die 'Gießener Jugend- Wehr unter ihren Führern den berühmten Heersi'chrern auf dem Trieb vor geführt werden soll.
Wir erhielten noch folgende Meldung aus Wetzlar:
s. Wetzlar, 31. März. Dienstag abend um 8 Uhr wird der zurzeit in Homburg weilende Staatssekretär v. Iagow zum Besuche hier eintrefsen; Mittwoch früh folgen ihm, wie wir hören, eine Anzahl hoher Militärs aus der Umgebung des Kaisers, der sich durch diese Abordnung über die Lage der Stadt Wetzlar und ihre Vorzüge als Garnisonstadt zu informieren wünscht. Ter Stadtvorstand ist in aller Eile zusammengetreten und hat beschlossen, die hohen Gäste mit Böllerschüssen und dem Geläute der Glocken zu empfangen. Es beißt, auch die Prinzessin Viktoria Luise werden:: Begleitung der Hofdame Freiin v. Roederstädt auf einem Automobilausflug über Ufingen, Weilburg am morgigen Montag abends um 6 Uhr kurzen Aufenthalt in Wetzlar nehmen.
Aus Stadt uud Lund.
Gießen, 1. April 1913.
Gute Nachbarschaft.
Kam: uns das Geschick wohl ein schöneres Geschenk machen, als wenn es uns neben der eigenen erfreulichen Häuslichkeit noch gute Nachbarn beschert? Wenn sich die Menschen Treue halten und in Freud und Leid zueinander stehen, wem: „die Jungen so zwitschern, >vie die Alten 1 ungen" und wenn das schöne nachbarliche Verhältnis durch keine Wechselfälle des Lebens jemals gestört wird, dann kann mit Recht von dem Segen einer guten Nachbarschaft gesprochen werden. Kehrt die Freude bei dem einen Nachbar ein, gleich must der oudere daran teil nehmen. Er empfindet sie nur liatb, wenn er die Mitireude nicht im Auge des Nächsten glänzen sieht. Aber doppelt stark durch- strömt die Lust das Haus, wenn der Nachbar seine freudige Anteilnahme beweist.
Tritt der Ernst des Lebens heran, gilt es Sorgen zu heben und Not zu teilen, find betrübte Herzen aufzurichten und kann durch ein gutes Wort der gefährdete Friede befestigt werden, wer ist berufener zum milden Berater, wer ist so tief einge- weiht in alle Familienverhältnisse, als der getreue Nachbar, der, solange "man denken kann, im Hause verkehrt. Er hat die Eltern in noch jugendlichen Jahren kennen und hochschätzen gelernt, er sah die Kinder unter seinen Augen auswachsen. Wie er mit Freuden das Erstarken und Aufblühen des Hauses durch viele Jahre hin beobachtete, so gebt ihm jetzt auch das Leid des Nächsten sehr zu Herzen. Tie treueste Freundschaft verbindet ihn und seine Angehörige:: ja mit den Bewohnern des Nachbarhauses. Es treibt ihn, diese auch zur Zeit der Not durch die Tat zu beweisen. Ist er auch fein Freund von vielen Worten, so ist er doch von jeher ein Mann der Tat mit aufrichtigen Gesinnungen gewesen. Fern liegt es dem einen wie dem andere:: Nachbarn, Freundschaft zu heucheln und ialschen Händedruck auszutausckren. Offen und ehrlich teilen sie sich ihre Meinung mit, und offen und ehrlich sprechen und handeln sie ins Gesicht und hinterm Rücken. Geht es. einmal mit ihnen zum Sterben, so tröstet der Ueberlebende oie des Beschützers beräubte Nackcharfamilic nach besten Kräften. Er nimmt sich ihrer im Sinne des verstorbenen Freundes redlich an und bezeigt ihm :wch Treue nach den: Tode. — Im Leben.vereint und durch den Tod nicht getrennt. Es ist etwas Großes und Schönes um gute Nachbarschaft.
*
** Landesuuivorsität. Der Großherzog hat den ordentlichen Professor an der Universität Greifswald Dr. Friedr. Engel zum ordentlichen Professor in der philosophischen Fakultät der Landesuniversität ernarmt.
** Tech::. Hochschule. Ter Grosihcrzog hat der: Prof, an der Techn. Hochschule in Hannover Tr.-Jng. Ernst Braun zum ordentlichen Professor für Maschinenbau, besonders für das Fach der Wasserkraftmaschinen an der Technischen Hochschule in Darmstadt ernamit.
u Der April war der zweite Monat in: römischen Kalender und hat seinen Namen von dem lateinischen Wort aperire (eröffnen) bekommen, weil sich mit ihn: die Erde zum Wachstun: öffnet. Im deutschen Kalender Karls des Großen heißt der April Ostermonat und wegen des unbeständigen wandelbaren Wetters wird er anch Wandelmonat genannt. Für den Landmann bringt der April viel Arbeit, wird doch in diesem 9)?onat die Saat für den künftigen Somn:ersegen ausgestreut. Da der April meist schon die Dbftbaumblüten hervorzaubert, ist er auch für den Imker von Bedeutung. Vom April gelten nachstehende Bauernregeln: „Es ist kein April so gut, er schickt dem Schäfer Schnee auf den Hut". Und wenn sich der Schnee in Regen anflöst, so ist das dem Landmann noch lieber; verheißen doch kräftige Negenschauer in: April eine gute Erntz, denn „Raffer 5>(pri( ist des Bauern Will'".
Kreis Alsfeld.
OK. Alsfeld, 31. März. Im Kreise Alsfeld starben in: Jahre 1912 513 Personen (289 weiblichen, 224 männlichen Geschlechts). Es koinmen also auf 1000 Einwohner 13,5 Todesfälle. 34 Prozent der Verstorbenen wurden über 70 Jahre alt. Die Todesursachen, die au: meisten vorkamen, waren Altersschwäche (106:nal), Lungenschwindsucht (47:::al) und Lungenentzündung (48n:al). Selbstmorde kamen in: ganzen 10 vor. In Alsfeld starben 65 Personen, wovon 11 Ortsfremde im K reist ranken haus starben. Auf 1000 Per- fonen fomme:: 10,8 Todesfälle. Da 1912 in Alsfeld 53 Knaben und 51 Mädchen geboren wurden, bleibt ein Zuwachs von 50 Einwohnern. — Am Samstag abend schoß bei Schrecksbach auf der Jagd des Herrn W. Egner-Alsseld ein Lauterbacher Jäger eine Schnepfe. Die erste Schnepfe in der
hiesiaen Gegend wurde kürzlich von einem Forstaffessor auf der Jagd des Fabrikanten Fuhr-Altenburg geschosfen.
Kreis Schotten.
d. Vo n: Hoh er ods ko pf, 31. März. SamZtag, 29. März, abends 81/, Uhr, brannte zur Erinnerung des Geburtstages unseres großen Kanzlers Bismarck auf dem uach ihm benannten Turm auf dem Taufstein ein großes Feuer, das durch das günstige Wetter in der ganzen Umgegend zu sehen war.
Kreis Wetzlar.
-m. Wetzlar, 1. April. Der verheiratete Maurer Spahr von Lich stürzte gestern hier, wo er mit dem Mauern eines Kamins beschäftigt war, so unglücklich ab, daß er an den erlittenen schweren Verletzungen alsbald starb.
Hessen-Nassau.
)( Marburg, 31. März. Im Hörsaal des Pathologischen Instituts begannen heute früh um 9 Uhr in Anwesenheit von über 100 Teilnehmern die fHertyar&hntgcrt des d e n t s ch en Pa t h o l o g c n t ag s. Für den Kongreß, auf dem nur fachwissenschaftliche Fragen erörtert werden, sind zwei Tage vorgesehen. — Die lan d espolizeßlich e A b n a h m e der O b e r st a d t l i n i e der Straßenbahn, die von: Wilhelmsplatz bis zum Heumarkt in unmittelbarer Nähe des Marktplatzes führt, fand heute statt. Die Strecke wird morgen in Betrieb genommen.
w. Frankfurt, 31. März. Der seit dem 19. März vermißte 20jährige Banklehrling Karl Steuernagel hat, wie sich heute herausstellte, dem Bankgeschäft von A. Mumm & (£o., bei dem er angestellt war, durch Scheckfälschung 80 000 Mark unterschlagen und ist mit dieser Summe flüchtig gegangen.
Aendcrungen im Reichrfinanzioesen.
Berlin, 30. März. In dem Entwurf eines Gesetzes betr. Aendernngcn im Finanzwesen lauten die §§ 4 und 5;
Der Reichskanzler wird ermächtigt, bis zur Höhe von 120 Millionen Mart einen znr Befriedigung eines außerordentlichen Bedarfs dienenden Bestand an S: lber - m ü uzen zu beschaffen und hierfür im gleichen Betrage Prägungen außerhall: der im § 8 des Münzgesetzes von: 1. Juni 1909 bestimmten Grenze von 20 Mk. für den .Kopf der Bevölkerung vorzunehmen. Die zur Beschafftrng dieses Silbcrbestundes erforderlichen Mittel find nach näherer Bestimmung des Reichshaushaltsetats bereitzustclleu. Z:: diesem Zwecke kann auch der aus den Prägungen im SNünz- wesen sich ergebende Ueberschuß verwendet werden, für das Rechnungsjahr 1913 jedoch nur insoweit, als er den Betroa von 10 750 000 Mk. übersteigen wird.
Der Reichskanzler ivird" ermächtigt, bis zur Höhe von 120 Mill. Mark weitere Reichskassen scheine in Abschnitten zu 5 und 10 Mk. aus fertigen zu lassen. Der Erlös dieser Reichskassenscheine ist zur Beschaffung eines gleichen Betrages in gemünzten: Gvlde mit der Zweckbestimmung des Re i ch s kri eg s s ch a tz cs zu venvende::.
Der Ausschuß zur Untersuchung im Vieh- und zieischhandel.
Berlin, 31. März. Der Ausschuß zur Untersuchung der Zustände im Vieh- und Fleisch handel ist heute unter dem 'Vorsitz des Staatssekretärs Dr. Delbrück zusammengetreten. Auf der Tagesordnung steht die weitere Anhönmg von Sachverständigen. Während es sich bei den bisherigen Verhandlungen um Sachverständige des Berliner Versorgungsgebietes Han- .. beite, erschienen zur heutigen Verhandlung an 40 Sachverständige aus Süddeutschland, um über die Umstände, die sür den Preis des Fleisches maßgebe::d find und unter besonderer Berücksichtigung der süddeutschen Eigentümlichkeit en den Ausschuß zu informieren. Der Verhandlung liegt derselbe Fragebogen zugrunde, der bei früheren Erörterungen als Grundlage diente. Wie bekannt, steht bei Dem Fragebogen im Vordergrund die Frage nach der Preisbildung des Viehes und des Fleisches auf dem Wege vom Produzenten zum Verbraucher. Entsprechend diesem Wege saßt der Fragebogen _ z:uiächst den Preis für Vieh im Stalle ins Auge und beschäftigt sich dann mit dem Preis auf dem Viehhos und mit den dort erforderlichen Gebühre::, schließlich mit den Momenten, die den Preis für das einzelne Stück Fleisch im Laden bestimmen. Daran schließen sich Fragen über das Nachrichtenwesen und die Statistik an. Dementsprechend wurde zunächst über die Sage und den Einfluß des Viehhandels gcsprockxm.
Der Stallmannprozeß.
Berlin, 31. März.
Der Verteidiger Stallmanns, Rechtsanwalt Meyer stellt folgende Beweisanträge: Der Schwiegervater Stallmanns Esca- lada gehört einer der reichsten und angesehensten Familien Argen-: tinicuy au. Er besitzt ein Vermögen von 25 Millionen Mark und hat seiner Tochter seit deren Verheiratung mindestens eine Rente von 400 000 Mark zugewendet, über welche Summe die Frau ihrem Manne, wenn er gewollt hätte, das Versiigungsrecht^ gegeben hätte. Ter Staatsanwalt unterstellt diese Behauptungen sämtlich als wahr.
Ter Gerichtshof beschloß, die Angabe:: Stallmanns bezüglich! des Reichtums seines Schwiegervaters und der Rente an dessen Tockter, der Frau des Angeklagten, als wahr zu unterstellen und die Entscheidung über die übrigen Anträge bis nach der Vernehmung deS Zeugen Bnjes auszusetzeu.
Zeuge v. Werder lernte im Februar 1910 in Tavos dem Stallmann, den angeblichen Baron 9iam.ee und andere Spieler, kennen, darunter auch einen Herrn, der Baron König oder Korsf- König genannt wurde. Der Zeuge fuhr einige Tage später- nach St. Moritz, wohin ihm Niemela, Buies und der angebliche Stall* mann nachkamen. Der Herr, der sich in Davos Baron König genannt hatte, sah größer aus als S:all:nann, er hatte auch eine Adlernase. Bert. R.-A. Meyer: Es scheint, daß es ein anderer war, der unter dem Namen König oder Korss-Kömg reifte. Staatsanwalt: Warum sollte es unter den vielen Leuten, die Davos besuchen, nicht eine:: geben, der wirklich König hieß? Vert.: Es handelt sich darum, daß ein Mu:::: existieren muß, der unter bent Namen „Korss-Kömg" in ber Welt herumreist, und es ist. die Frage, ob nicht dessen Strastaten den: Angeklagten in die Schuhe geschoben werde::.
Tic weitere:: Zeugen bekunden nichts Neues von Wesentlichkeit.
Der Staatsanwalt beantragt, für morgen den Direktor Schneider von der Luftverkehrs-Aktiengesellschaft in Johannisthal als Zeugen zu vernehnren, um die Behauptungen des Niemela über ferne angeblick>en Verdienste als Flieger zu widerlegen. Es seien haarsträubende Dinge, die Herr Schneider bekunden werde. Rechtsanwalt Schiriudt: Dann kommen wir noch soweit, daß ich halb Frankreich labe:: muß. — Die Labung des Direktors Schneider wird beschlossen und darauf die Verhandlung auf morgen früh 9 Uhr vertagt. 7
Pierpont Morgan t
Eine Depesche aus 9!o m meldet, daß dort der amerikanische Finanzmami John Pierpont Morgan am Montag mittag gestorben ist, nachdem er sich in. den letzten Tage:: recht unwohl gefühlt hatte. Weiter wird uns gemeldet:
Rom, 31. März. (W. B.) Pierpont Morgan starb in dem Hotel, in dem er hier wohnte. Während seiner letzten Augen-/ blicke weilte seine Fochter Marie, sein Schwiegersolm 2t,1 Satter les und der Arzt Dickson bei ihm. Der Leichnam


