Erstes Blatt
163. Jahrgang
Nr. 75
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für die Redaktion 112, «Lq ,#• e a »p ** politischen Teil: August
?« General-Anzeiger für Oberhesfen SäMe M^Ä^^Tagesnumme" Rütationr-ruck UN- Verlag -er yruhl'schen Univ.-Vuch- UN- Stein-ruckerei K. Lange. Re-attion, Expedition UN- Druckerei: Schulstratze 7. sS«-f®öeMfir bm bis vormittags 9 Uhr. Bü-ingen: zernsprecher Nr. 269 Geschäftsstelle Bahnhofstraße J6a. Anzeigenteil: H. Beck.
Dienstag, April <915
Eichener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhesfen
Die heutige Nummer umfaßt 10 Selten.
Das landwirtschaftliche Genossenschaftswesen Hessens.
RB. D a r m st a d t, 30. März.
Da? lan&lv. Gen o ss enfcha fts wes en. Hessens ist in einer sehr ernsten Krisis begriffen. Nachdem es den Bemühungen der interessierten Kreise endlich gelungen Zu sein scheint, von den mehr als tausend Opfern der Nieder- Modauer Katastrophe wenigstens die Spareinlagen vor dem gänzlichen Verlust ihres Vermögens zu bewahren, hat sich auch die vberhessische Spar- und Darlehnskasse in Langs- dor f nur dadurch vor dem gänzlichen Zusammenbruch zu bewahren gewußt, daß sich ihre Mitglieder zur Deckung der Unterbilanz von 637 000 Mark gemeinsam zu neuen großen Nachzahlungen verpflichteten, und in der dringlichen Anfrage der Abg. Helmolt und Genossen ist deutlich genug angedeutet worden, daß auch noch andere ähnliche landwirtschaftliche Kassen sich in einer ähnlichen schwierigen Lage befinden, resp. in eine solche demnächst hineingeraten würden. Mer damit ist das Unheil noch nicht erschöpft. Schon seit Monaten waren auch über das Hauptinstitut, die L a n d w. G c n o s s e n s ch a f t s d a n k in Darmstadt, deren erster Direktor, Kommerzienrat Karl Ihrig, bei dem am 7. April beginnenden Monstreprozcß in Sachen des Nieder-Modauer Zusammenbruchs als Mitangeklagter erscheinen wird und der auch zugleich erster Direktor der Reich^enassenschastsbank in Darmstadt ist, allerlei unerfreuliche, dunkle Gerüchte im Umlauf, die jedoch von den Vorstandsmitgliedern und sonst eingeweihten Persönlichkeiten aufs entschiedenste bestritten wurden. Jetzt nun ist die lange gehegte Befürchtung eingctrofscn, die Landwirtschaftliche Genossenschaftsbank hat an ihre Aktionäre und Mitglieder ein vertrauliches Zirkular gerichtet, worin sie sich zu einem Moratorium genötigt sieht und unter näherer Darlegung der Verhältnisse für die nächste Woche eine altgemeine Aktionär- und Mitgliederversammlung zur endgültigen Beschlußfassung einberuft. In dem Zirkular heißt es über die Ursachen der Krisis:
Trotzdem unser Aufsichtsrat und die Bankdirektion verschiedentlich in Ausschreiben die einzelnen angeschlosscnen Genossenschaften aufgefordert haben, gegenüber der Bank das alte Verhältnis aufrecht zu erhaben und treu den Geld- und Kreditverkehr mit ihrer Bank w.üker wuzuicMii, inwröc dies von der großen Mehrzahl txr angeschlossenen Genossenschaften nicht befolgt. Die Abhebungen vermehrten sich täglich, während die Eingänge immer geringer wurden. Unsere Bank kann diesen gesteigerten Anforde- rungen auf die Dauer nicht mehr genügen. Wie bekannt sein dürfte, hat unsere Bank erhebliche Beträge bei der Reichsgenossen- schaftsbank, A.-G. Frankfurt a. M., festgelegt. Ebenso steckt viel Geld direkt und inbirett in unseren Genossenschaften. Alle diese festgelegten Mittel können nicht ohne weiteres und sofort stihsrg gemacht werden, zumal die Zustände auf dem offenen Geldmärkte außerordentlich fcfytoicrig und knapp sind infolge der noch nicht geklärten politisck)en Lage. Man hat es deshalb nach eingehender Beratung aller Maßgebenden Kreise für nötig befunden, um die alte Bank nicht vor die Notwendigekit einer zwangsweisen Abwickelung zu stellen, still zu licmidieren.
In dem Rundschreiben wird dann weiter dargelegt, daß sich alle Beteiligten der Schwere der Lage bewußt werden sollten, und daß sie sich der Besonnenheit und dem Verantwvrtlichkeitsgefühl aufvasfen sollten, die das Interesse der Gesamtheit erfordert. Zwölf der größten Genossenschaften, die der Bank angehören, hätten sich vereinigt, um unter dem Namen „Zentralkasse der hessischen landwirtschaftlichen Genoss en sck>aften C. G. m.b. H." eine neue Zentralkasse zu begründen. Diese neue Kasse ,'offe sich vollständig fernhalten von allen Beteiligungen
und Kreditgewährungen und ausschließlich den Interessen und Bedürfnissen der ihr angehörenden Genossenschaften dienen. Um die vorgeschlagene stille Liquidation durchzuführen, solle die neue Kasse den ganzen Geld- und Kredit- verkehr der alten Landwirtschaftlichen Genossenschaftsbank übernehmen. Würde diese zu einer zwangsweisen Durchführung der Liquidation genötigt, so würden die Gläubiger- gcnosscnschaften und die Aktionäre einen Ausfall bei ihren Forderungen bringen, der sich im Falle einer stillen Liquidation „auf das geringste Maß" beschränken würde. Im selben Moment, in dem die alte Dank ihre Tätigkeit einstellt, solle die neue Zentralkasse ihre Aufgabe beginnen, so daß also keine Störung in den laufenden Geschäften eintreten würde. Sie würde sich der Preußischen Zentralgenossenschaftskasse in Berlin anschließen und den ihr zugehörenden Genossenschaften .Kredite verschaffen. Dadurch würden die hessischen landw. Genossenschaften auch künftighin und besser als bisher ihren legitimen Kreditbedarf zu beschaffen in der Lage sein und in erheblichem Maße Gelder flüssig machen können. Wenn das Moratorium nicht zustande komme, würde die landwirtschaftliche Genossenschaftsbank genötigt sein, den Konkurs anzumelden, und dann würden die Verluste für alle Beteiligten sehr erheblich sein. Das Zirkular fordert daher alle Genossenschafter auf, die weitere Absonderung von Geldern einzustellen und sich der neuen Zentralkasse anzuschließen, die auch für die Beschaffung der nötigen Gelder Sorge tragen werde. Namentlich sollten auch die Genossen jetzt die Treue bewahren und ihre Gelder nicht kopflos den Spar- und Darlehns- kassen entziehen. Um wieder geordnete Verhältnisse herbeizuführen und größere Verluste zu verhüten, sei vor allem Ruhe und Vertrauen nötig.
Der eindringliche Appell an die Mitglieder der Ge- nossenschaften wird hoffentlich seine Wirlüng nicht verfehlen. Es muß jedenfalls alles getan werden, uni die hessische Landwirtschaft vor weiteren schweren Schädigungen zu bewahren. Im übrigen wird es aber auch notwendig sein, wenn nicht schon ftüher, so doch in der dem- nächstigen Versammlung über die ganze Lage der Dinge volle Klarheit zu schaffen und die Ursachen genau darzulegen, die zu dieser neuen, tief beklagenswerten Lage geführt haben.
Die Agitation des französischen Kricg$mimfter$-
Der französische Kriegsminister hat eine nicht sehr taktvolle Rede gehalten. Es ist sein gutes Recht, für seine Heeresreformen Propaganda zu machen, daß er dabei aber Rügen und Vorwürfe gegenüber Deutschland hineinslicht, wobei er offensichtlich auch die öffentliche Meinung Deutschlands gegen dessen Regierung mobil machen will, ist doch eine Leistung, die auch mancher einsichtige Franzose übel aufnehmen wird. Daß das „friedfertige" Frankreich wiederholt Heeresreformen durchgeführt hüt, ist doch noch nicht vergessen!
Paris, 31. März. Auf einem aus Anlaß des Distanzrittes der Kavallerie-Offiziere veranstalteten Bankett hielt Kriegsministsr Etienne eine Rede, in der er unter anderem s agte:
Wir sind feine Maulhelden, wir sind keine Angreifer. Seit 42 Jahren haben wir zur Erhaltung des Friedens beigetragen; während Mächte neben uns unaufhörlich ihre Mannschaftsbestände vermehrt haben, bat Frankreich das schöne soziale Gesetz gemacht, zu dem auch ich beigetragen habe, das Gesetz über die zweijährige Dienstzeit. Auch noch andere Beweise seiner friedlichen Gesinnung gab Frankreich und es trieb seine Friedfertigkeit beinahe bis zur Abrüstung. Inzwischen aber zögerten andere nicht, ihre Friedenspräsenz zu vermehren und machten Gesetze,
die alljährlich eine fortschreitende stetige und ausdauernde Anstrengung bildeten. Was nun aus denr Spiele steht, das ist die Zukunft, die Ruhe und das Leben Frankreichs. In der Leidenschaftlichkeit, die ich für mein Land hege, habe ich mich deshalb erhoben und weiter gesagt: Sie müssen ein für die nationale Sicherheit notwendiges Opfer bringen. Ich hatte vorher alles reichlich erwogen und wenn auch mein Schritt vollbereckftigt war, so tat ich dies, weil ich ihn für unerläßlich hielt. Ich glaube aber, daß es da nur eine einmütige Ueberzeugung geben konnte. Ich thabe für den Geist Gambettas gelebt, der mir auf dem Sterbebette gesagt hat: Ebenen Sie Frankreich gut! Nun denn, ick glaube Frankreich gut zu dienen, wenn ich von ihm verlange, daß es sich vorbereite, seine Würde und seine Ehre zu verteidigen.
Die Note der Mächte.
Konstantinopel, 31. März. Die Kollektiv* not« der Großmächte wurde dem Minister des Aeußern durch den Doyen -des diplomatischen Korps, Markgrafen von Pallavicini, in Gegenwart der anderen Botschafter überreicht. In der Note wird als Grenze die direkte Linie Enos Midia vorgeschlagen. Die Jnselftagc bleibt einer späteren Regelung der Mächte überlassen. Man rechnet mit einem raschen Friedensschluß, wenigstens soweit es sich um Bulgarien, Serbien und Griechenland handelt.
Wie verlautet, ist der erste Eindruck der Aufnahme, die die Note der Mächte gefunden hat, der, daß die Pforte die Friedensgrundlage im ganzen an nehmen dürfte, über Einzelheiten aber zu verhandeln wünscht.
Die Ueberreichung der Note der Mächte hat an der Börse einen g ü n st i g e n Eindruck hervorgerufen. Die türkischen Konsols stiegen. Die Regierung ergreift skrenge Maßnahmen, um zu verhindern, daß die Ruhe und Ordnung durch Verbreitung falscher Nachrichten nicht gestört werde. Der Platzkommandant von Konstantinopel hat einen Auftuf erlassen/in dem es heißt: Täglich werden in Konstanz tinopel eine Menge falscher Nachrichten verbreitet. In den letzten Tagen besonders wurden lügenhafte Erzählungen über die '"Armee sowie Gerüchte verbreitet, daß in Konstantinopel blutige ^Ereignisse zu erwarten seien. Bon heute ab werden die, welche fortfahren, falsche Berichte zu verbreiten, aus dem Gebiet, in dem der Belagerungszustand gilt, entfernt werden.
Die Antwortnote der Pforte.
Konstantinopel, 1. April. Unmittelbar nach dem Kollektivschritt der Mächte ging der Minister des Aeußern mit einem Unterstaatssekretär an die Abfassung des Entwurfes der Antwortnote der Pforte, deren Grundzüge bereits int vorgestrigen Ministerrate festgelegt waren. Dieser Entwurf wird morgen dem Ministerrat unterbreitet werden. Man hält es für möglich, daß die Antwort der Pforte übermorgen den Botschaftern übermittelt wird. Nach der Uebergabe der Kollektivnote empfing der Minister des Innern den englischen und den russischen Botschafter. Sämtliche Botschafter begaben sich dann zum Großwesir, mit dem sie eine Unterredung hatten.
Botfchafterkorrfercnzcrr.
London, 31. März. Die Botschaftervereini« gung ist'heute nachmittag 4 Uhr zusammengetreten und £jat sich um 6 Uhr bis züm Mittwoch vertagt. Tie Antwort der Verbündeten auf die Vorschläge der Mächte ist auf dem Wege. Alle Mächte haben eine Flottendemonstra- tion gebilligt, doch dürften nicht alle daran teilnehrnen. Von Montenegro ist hinsichtlich Skutaris noch keine Antwort eingetroffen.
Petersburg, 31. März. Heute nachmittag fand die er st eSitz un.g der bulgarisch- rumänisch enKon- ferenz statt, die einem vorläufigen Meinungsaustausch gewidmet war.
Geetzener Stadttheate*.
Die Siebzehnjährigen.
Schauspiel von Max Dreyer.
Gießen, 1. April.
NUt einer schönen, einheitlichen Vorstellung zu Ehren des Oberregisseurs Walter Tworkowski schloß das Theater seine Pforten für diesen Winter. Herr Tworkowski, der sich im' Laufe der.Spielzeit namentlich als tüchtiger, verständnisvoller Regisseur erwiesen und eine ganze Reihe fein ausgearbeiteter Aufführungen heraus gebracht hat, daneben aber auch als nachdenklicher, tiefschürfender Schauspieler hervorgetreten ist, hatte sich zn seinem' Ehrenabend Max Treyers Schauspiel: Tie Siebzehnjährigen auserwählt.
Rein künstlerisch betrachtet, ist ja nun Max 'Dreyer als Epiker wesentlich bebcutenber denn als Dramatiker, obwohl er der Allgemeinheit eigentlich nur als Verfasser wirkungsvoller Bühnenwerke bekannt ist, aber man sieht leine klug ergründeten und glücklich gemodelten Gestalten doch gern im scharfen Lichte der Rampen, wo sie erst ihre volle Plastik zeigen können. Und gerade bei den Siebzehnjährigen schlägt Dreyer so feine Saiten an, begründet er so genau und nachdrücklich, daß man bei aller Oberflächlichkeit, mit der er den Gang der Ereignisse gestaltet, doch gerne lauscht, und sich höchstens gegen das konventionelle und schablonenhafte des Schlusses auflehnt. Man barf nicht über diesen Schluß hinausdenken, darf sich nur an das Geschaute halten, sonst.finbec man sofort, daß uns Dreyer vier Akte lang elnxrs vorgegaukelt hat, was man nur deshalb nicht sofort als fadenscheinig angesprochen bat, weil man nicht an die weitere Entwickelung dachte oder vielmehr eine wertvolle Lösung von ihr erhoffte. So ist mich das reizvollste des Stückes, das Seelen» leben der beiden siebzehnjährigen, nur insoweit behandelt, als cs die Handlung bewegt, und es bleibk nicht einmal unzweifelhaft, ob nur der Fehltritt des Vaters oder auch die eigene betrogene Liebe den armen, schwärmerischen Knaben in den Tod treibt, als er sich das in diesem' Alter natürlich überlegene Mädchen dem Major zuwenden sieht. Und dieser Tod selbst ist höchst problematisch — ein Ereignis aus dem vermischten Teile einer Zeitung, das ohne künstlerische Läuterung verwertet ist, aber dem Werke einen bühnenwirksamen Schluß sick-ert, über alle Bedenken und Einwände hinaus.
Tie Vorstelluiig zeigte, wie schon eingangs erwähnt, eine schöne, einheitliche Geschlossenheit und erhielt durch die Mit nnrkung von Fran S chr ö 11 e r - Dwo r kow s li noch eine be- lonbcre Anziehungskraft. Frau Tworkowski erwies sich als
eine geschmackvolle, zielsichere Künstlerin, die in jeder Bewegung und jeder- Linie eine treffliche Schaltung bezeugte und über eine sehr biegsame, geschmeidige Stimme verfügt. Tie verständnisvolle, lebenskluge Annemarie fand in chr eine Darstellerin von inniger Beseeltheit und wohlmeinender Güte, und auch im herbsten Leid Ivar sie die standhaste, treue Frau. Herr Tworkowski shielte den alternden Major mit sorgfältiger, geschickter Abtönung, doch schien wir das künstlerische Wesen dieses seltsamen Mannes etwas zu wenig betont. Das schwärmerische und lveichmütige kam — wohl mit bewußter Wsicht — nicht Har genug zutage, mit Ausnahme der kleinert, meisterlich vorgebrachten Szene, wo er, anstatt die Rechnung des Arztes zu bezahlen, eine Bronzestatue erworben hat. Schön und schlickst waren die Austritte mit dem Sohne und mit der blitzäugigen Erika. Dieses wilde, leidenschaftliche Mädchen, denr ein heißes, rotes Blut in den 9fbern strömt, wurde von Fräulein de Bruyn mit glücklichster Mischung von Lebensfreude und Sentimentalität gespielt. Herz nnb Leib verzehrten sich in wünschender, sehnsüchtiger Liebe, und im Ueberschwang der Gefühle wehte ihr l-eißer Atem voll innigster Hingabe und schmerzvollem Weh dem geliebten Manne ins Gesicht. Herr Jensen spielte den Kadetten, einen lieben, schmucken Jungen, in feiner schwärmeriseben Verzückung ganz hervorrageno, aber die todelende Haltlosigkeit, das verzweifelte Versinken im hoch- gehenden Strome schmerzlichster Geftihle, gelang ihm nicht restlos. Es blieb da ein Schein des Gespielten, des unerlebt Targestellten. Einen prächtigen alten Herrn, dem ein langes Svldatenlcben und innige Berührung mit der Natur Krqst und Halt bewahrt haben, gab Herr Kliew er in dem Obersten. Außer Herrn T w o r kowski wurden auch Fräulein de Bruyn und Herr I e n s e n mit Blnmenspenden bedacht, und stets erneuter Beifall ries die Darsteller immer ivicber hervor. Daß die Regie von tadellosem Schliff >var, braucht wohl nicht besonders erwähnt zu werden.
So schloß die Spielzeit mit einem schönen starken Erfolg. N. *
Darmstädter Lrühlingsfeftspiele.
Darmstadt, 31. Mörz.
Tie Frühlrngsfestspiele des Darntstädter 5)oftheaters nehmen gestern mit Wagners „T r i st a n und I s o l d e" ihren Anfang. Dr. Eger hatte oft geäußert, daß er nicht „Festspiele" bringen werde, in denen nur ein oder mehrere Gäste mit bekannten Namen auftreten: sein Bestreben wird es sein, Ausführungen herauszubringen, die in musikalischer und dramatischer Hinsicht künstlerisch durchgearbeitet jein sollen. Dies Versprechen hat er ge halten. Wir hörten gefteru den Tristan in fast vollendeter
Wiedergabe, und es war Festesstimmung, in die die Hörer versetzt wurden. Freilich stand Artur Niki sch am Pult. Seine ausgeprägte künUlerische Jndioidualirät vereinte alle Kräfte im Orchester und auf der Bühne zu einer wundervollen Einheft. Niemals „deckt er den Sänger zu", wie dies bei meniger genialen Dirigenten leider bei Wagner so oft vorkommt.. Nikisch legt bei dem Musckdrama stets die Betonung auf das Wort „Drama" Gerade hierdurch wird die Musik zu einer Hebung des Wortes
Den Tristan sang Alfred v. Bary aus München, der sicher der beste der lebenden Tristandarsteller ist. Seine. Stimmittel sind nicht überwältigend, der Ton klingt in der Höhe gepreßt und gaumig Aber die Darstellung Barvs ließ diesen Fehler vergessen. Das Größte leistete der Künstler im dritten Akt Ms Isolde war Fran Rüsche-En dort aus Leipzig verpflichtet. Ich lernte hier eine Künstlerin kennen, deren Leistung mir unvergesseii bleiben wird. Wie aus Erz gegossen, so stand H'olde in L.rotz und Liebe vor uns. In Harmonie zur Tar- stellung stand ihr Gesang. Bis zum letzten Ton war die Stimme klang, chön.
Vmi den Darmstädter Künstlern, die gestern mitwirken durften, ragte Frl. Anna Jacobs als Brang.äne hervor Sie hielt" NP Nicht nur gegen die beiden Gäste auf der Bühne, sondern'durfte Nck) Mit vollem Recht neben sie stellen. Auck, Herr Stephani als König Marke erwies sich als ein trefflicher Interpret des treuen zrönigs. Großyügig war der Knrwenal des Herrn W e b e r. kTn. Tie Spielleitung batte Direktor Rainer Simons aus Wien. Sein Bestreben war es, die Stimmung des Werkes wieder- zu geb en, was ihm auch gelang. Ter zweite Akt brachte eine drei- Ituftgc Buhne, die sich als Ungemein wirksam erwies.
Das Haus war auckverkauft.
*
— Parsifal-Aufführung in Zürich. Aus Zürich Nnrd uns geschrieben: Tie erste Aufführung von Wagners L^rsifal" rm Züricher Stadttheater — und damit die erste öffentliche Aufführung des Werkes in Europa außerhalb Bai>- reuths überhaupt — ist auf Sonntag, den 13. April an gesetzt worden, weitere Aufftihmngen sind zunächst für den 20. und 27. April in Aussicht genommen. Die musikalische Leitung liegt in den Händen von Kapellmeister Dr. Lothar M ernster, die Leitung des szenischen Teils ff ihr t Oberregisseur H ans Ro- g o r s ch, die neuen dekorativen Entwürfe ftnmmcn von Gustav G ampe r in Bern.


