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1.3.1913 Erstes Blatt
 
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Die heutige Nummer umfaßt 24 Seiten.

Lchubgräber ermöglichen die größte Raumausnutzung, sic er fordern keine besondere Vorbereitung der Leichen, außer einer Bettung in Kalk oder Kohle. In andern Kammern werden di Särge längs den Wänden ausgestellt und bleiben in ihren Nische offen stehen. Bei dieser Aufstellung (Sarkophaggräbcr wird eine Konservierung oder Einbalsamierung der Leichen vor- ausgesetzt, jedenfalls aber ein luftdichter Verschluß der Sarg- oder Sarkophage. In Wandnischen werden die Urnen mit der Asche der durch Feuer bestatteten Leichen ausgestellt. Neber den Grüften sind längs den Umfassungsmauern Gärtchen durch Hecker abgetrennt, in denen die Trauernden sich ungestört der Erin ncrung an die Toten' hingcbcn können, und ebenso ist ein groß zügiger Plan für die Errichtung von Ehrenden km älern entworfen. Ten Schluß der ganzen Anlage bildet eine Brunnenarchitektur mit den Statuen klagender Frauen nach dem Vorbild des be rühmten sidonischen Sarkophags; darüber erhebt sich eine Gruppe, die die Religion als Trösterin darstellt.

Für baldige Ausführung des Parkfriedhofes werden von einer ans Münchener Bürgern zusammengetretenen Gesellschaft, die sich einen 30 000 Quadratmeter großen Platz gegenüber dem Schwabinger Friedhöfe an der Ungererstraße gesichert hat, jetzt die nötigen Schritte getan; es ist zu erwarten, daß München mit dieser Anlage in nicht zu ferner Zeit sich im Besitz einer neuen, höchst eigenartigen Sehenswürdigkeit befinden wird.

Hans Bege.

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Alfred Bernau, der neue Mannheimer Intendant, dessen Wahl wir gestern schon kurz mitteilten, hat seine Laufbahn als Schauspieler begonnen. Rheinländer von Geburt, war er sechs Jahre als erster Held am Sladttbeater in Breslau engagiert, hierauf an einer Berliner Bühne tätig und leitet jetzt seit vier Jahren die beiden Privattheater in Köln, dasDeutsche Theater" und das Metropoltheater. Während das Deutsche Theater weniger Unterhaltung als künstlerische Ziele an strebte, pflegt das Metropoltheater die Operette. Aus beiden Gebieten soll Herr Bernau mit gutem Erfolg gearbeitet haben. Im Metropoltheater gefiel dieses Jahr besonders eine nach Berliner Muster gearbeiteteRheinische Revue", im Deut­schen Theater brachte Bernau unter anderem die deutsche Ur­aufführung von MaeterlincksSchwester Beatrix", führte Thomas Magdalena" zu starker Wirkung und hatte einen sehr großen Erfolg mit einer Neuinszenierung derRäuber". Wir selbst haben zufällig dieser Tagt über eine Hugo Wolf-Feier im Kölner Deutschen Theater berichtet, in der ein Mannheimer, Dr. Ernst Leopold Stahl, die Festrede hielt. Jedenfalls spiegelt sich auch in diesem kleinen Ausschnitt etwas von dem künstlerischen Wesen des neuen Mannes, dessen Regieleistungen übrigens von der

Em u terir-ischer Co enreich.

Aus M-ünchen wird uns geschrieben: Lebhaftes Interesse erregt in Kunstkrciscn eine für den Stadtteil Schwabing ge­plante Friedhofsanlage, die durch eine Sammlung von Zeich­nungen und Plänen des Architekten Professor August T i c r s ch im Münchener Knnstverein veranschaulicht wurde. Die Anlage vereinigt die Destattungsweise der Antike mit den heute üblichen christlichen Beisetzungsarten und verdient bei dem in stark be­völkerten Städten herrschenden Mangel an Raum für ausge­dehnte Friedhöfe die Beachtung größerer Stadtverwaltungen. Es handelt sich um eine unterirdische Totenstadt mit Grüften, Nischen für Aschenurnen und breiten Wandelgängen, über der sich ein künstlerisch angelegter Garten ausbreitet. Pro­fessor Thiersch nennt die von ihm nach einer Anregung des Kunstmalers Biber entworfene Anlage: P a r k f r i e d h o f.

Durch feierliche Eingangstore tritt man in den Park ein. Ein breiter, von Phramiden-Eichen eingefaßter Weg leitet ,zu der für die Aufnahme der Trauerversammlung bestimmten, von Säulen getragenen Eingangshalle. Eine imposante Freitreppe führt zur Unterwelt hinab und gewährt uns einen Einblick in das Toten reich. Die Einrichtung .erinnert an den ehrwürdigen Brauch, den Gottesdienst über den Gräbern der Heiligen zu feiern, wie man es in so vielen romanischen Kirchen sieht,

wo der Ehor so hoch liegt, daß man unter ihm weg einen

freien Einblick in die Krypta hat.

Siebzehn einzelne Treppen führen zu den Unterweltgängen hinab, die durch zahlreiche Fenster Licht und Luft erhalten.

Elektrische Beleuchtung ist sowohl für die Gänge, wie für die Grabkammern vorgesel-en. Die schöne Sitte des Gräberschmuckes wird sich hier frei entfalten können, denn die ausgedehnte An­lage bietet mit ihren Vorhallen und den Flächen neben und über den Türen Raum genug für Pflanzen, Kränze und Blumen. Die Türen zu den zahlreichen und bequemen Treppen, die in die Unterwelt führen, sollen Tag und Nacht offen stehen. Das Ganze bildet mit seinen mannigfach gestalteten Räumen eine Totenstadt, wie sie in den südlichen Ländern schon vor zwei­tausend Jahren in den Felsboden gegraben wurde, hier aber in die Erde hineingebaut werden soll. Kleine Metalltüren mit Guckfenstern schließen die Grüfte ober Totenkammern ab. Innen gliedern sich die Räume in Nischen zum GinltcUcn der Särge. Es sind meist Grüfte für 12, 18, 24, 36 Personen vorgesehen, aber auch große Sammelräume und Grüfte von monumentaler Ausstattung, sowie Gräber für einzelne Personen.

Die Mehrzahl der Kammern ist für sogen. Schubgräber eingerichtet, bac- heißt mit zwei Meter tiefen Nischen versehen, in die die Särge mit dem Fußende voran eingeschoben werden, worauf die Oefßtzung mit einer Platte geschlossen wird. Diese

,cbkommen «noch gute Wege hat, können die Tirpitzschen An­deutungen mit V^rirau.n und Zustimmung begLLet werden.

Andere Angstanwandlungen Englands, die nach der innerpolitisäwn Seite gerichtet sind, finden in Deutsch­land überall Verständnis. Ein bischen Lächerlichkeit steckt freilich auch in dieser Sorge vor den zunehmenden Verrückt­heiten der englischen Frauenrechtlerinnen, der Suffragettes'. Es ist nicht mehr möglich gewesen, alle die Unternehmungen, durch die diese tatendurstigen Damen in der letzten Zeit von sich reden gemacht haben, mitzuteilen. Es war auch immer wieder dasselbe Lied: Beschädigung von Briefkästen, Durchschneiden von Telephondrähten, Vernichtung von Gartenbeeten, Tätlichkeiten gegen Minister usw. Man war in London bisher sehr geduldig gewesen, aber allmählich reißt doch der Bindfaden. Die strebsamen Frauen haben in einem neuen Hause, das der Schatzkanzler Lloyd George sich zum Wohnsitz ausersehen hatte, eine Bombe zur Ent­ladung gebracht; wie durch ein Wunder bat es dabei keine Menschenleben gekostet. Werden die praktischen Damen dann vor Gericht gebracht, so spielen sie sich als Märtyrerinnen" auf, wie jene beiden jungen Mädchen, die den Pavillon in Kew-Gardens abgebrannt hatten und beim Verhör vor dem Magistrat den Herren Bücher an den Kopf warfen. Frau Pankhurst, dieGeneralin" der Suffragettes, hat man nun ob der Anstiftung zu jenem Bombenanschlag in Nummer Sicher gebracht; sie sollte ver­sprechen, sich der Ungesetzlichkeiten enthalten zu wollen, und man gedachte sie gegen Bürgschaft einstweilen auf freien Fuß zu setzen. A.lein Frau Pankhurst machte aus dem Gefängnis einen Hungerturm. Lieber wolle sie ins Ge­fängnis gehen, als die Agitation innerhalb gesetzlicher Grenzen zu führen! Und so begann sie zu leiden.Ehe sie aber," so berichtet ein Blatt,das Gerichtsgebäude verließ, ließ sich Frau Pankhurst noch schnell ein paar Koteletten, Süßspeise und ein Glas Wein von einem benachbarten Restaurant holen, unb, so gestärkt, konnte sie bei ihrer Ankunft im Hollowayer Gefängnis das keineswegs ein­ladende Nachtmahl gern entbehren.

Das Publikum aber beginnt den methodischen Unsinn > ernst zu nehmen, und da die Gerichte zu lind und mildes urteilen, so gibt man den Suffragettes selbst die Quittung. In Eorongtiou Hall in Worthing störte das Publikum eine ihrer Versammlungen und führte ihrer drei nach der Zisterne vor dem Rathause. Die aufgeregte Menge wollte den d r c i en ein kaltes Bad geben, aber dre Polizei kam zu Hilfe und verhinderte ein an mittelalterliche Zeiten erinnerndes Schauspiel. In Shaftesbury Hall in South­ampton machten die Zuschauer einen solchen Lärm mit Kindertrompeten, Pfeifen usw., daß nicht eine der Frauen­rechtlerinnen zu Worte kam. Die Polizei geleitete die Rednerinnen durch eine Hintertür in Sicherheit. In Leigh on Sea überfiel die Menge einen Suffragettenzug unÄ prügelte einige von ihnen sehr unbarmherzig. Und das Frauenstimmrecht, das die Suffragetten doch wollen? Die öffentliche Meinung winkt mehr und mehr ab. Solche zunehmende Politisierung des Volkes ist doch nicht nach jedermanns Geschmack. Man darf der Entwicklung der Frauenrechte ein breites Feld gönnen. Aber die weib­lichen Heißsporne, die beinahe nichts heiligeres kennen als das geliebte Stimmrecht, muß man darauf verweisen, daß die Abgabe des Stimmzettels doch nicht die Hauptsache ist im Leben. Man kann Mtur und Fortschritt auf so manche Weise fördern. Die Zahl der Stimmzettel, die ein Volk abgibt, entscheidet noch lange nicht das Maß seiner Kultur.

Kölner Presse immer außerordentlich gerühmt wurden. Bernau bezieht einen Gehalt von 18 000 Mk.

Ei ne neue erfolgreiche Sinfonie. Im achten Gnrzemclckonzert erlebte Ewald Strässers D-moll-Sinfonie, L'ic_ vor drei Jahren des Komponisten, mittlerweile zu höchstem Ansehen gelangte G-dnr-Sinfonic, ihre Uraufführung. Strässcr ist nn Jünger des Altmeisters Brahms, ohne de halb die Errungen­schaften des modernen Orchesters zu verschmähen: seine Instru­mentation ist diesmal sogar außerordentlich farbenreich ausgefallen; aber wesentlicher ist doch die von Innen heraus gestaltende Kraft, aas iv-arm Empfundene der Musik und die hohe sinfonische Kunst. Ein langsamer' Satz mit Variationen ist wohl der werlvollste. ein 2ck:erzo mit entzückendem Trio der wirksamste, aber auch hohe Werte, und nicht nur des Kontrastes, bergen der erste, düstere Satz und das zugkräfttge Finale. Der Komponist nmrbc stürmisch gefeiert. K. W.

~ Von der Spitzbergen-Expedition. Aus Christiama, 28. Fcbr., wird gemeldet: Tas FangschiffH ert h aZ1 qcljt nm Samstag von Sandfjord ab und wird Tromst) am 10. Marz erreichen. Die erforderliche Mannschaft für die Hilfs- erpcditwn ist jetzt angeworben. Außer dem Leiter Staxrud und Dr. Böschmann beteiligen sich die beiden bekannten Eisfahrer ^oren Z a ch a r i a s s e n und N o i s mit zwei geübten Hnndefahrern und drei Lappländern an der Expedition. Tie ZeitungenTidens Tegen" undAftcnposten" veröffentlichen ein drahtloses Telegramm aus Svitzberaen vom 27. Februar, wonach auv der Eroß-Bai telegraphiert wird, daß der Leiter des dortigen deutschen Ob,ervatornims Dr. Wegener (ans Marburg Tie Red.) mtt einer Hilfsmannschaft versuche, von der Königs-Bai aus die Wlidebucht und das Expeditionsschiff in der Treuenburg- bucht zu erreichen Er und seine Begleiter sind am 25. Februar ausgebrochen und haben auf ihrem Marsch Proviantdcvots on- gelegtz Die Croß-Bai war in den letzten Tagen mit Eis bedeckt $0«der Mündung des Isfiords bildete sich mehrere Kilometer einwärts ebenfalls neues Eis.

. , T Kurze Nachrichten aus Kunst und Wissen- I chat t.. Am Dienstag, den 25. März 1913 findet in Berlin die erste Jahresversammlung der Deutschen Gesellschaft ur Meereskunde statt. - Der Aelteste der Breslauer Vl.ilowphischen ^aknltat, Professor für klassische Philologie und Archäologie Geheimrat Dr. Phil. Richard Förster, begeht am 2. Marz feilten 70. Geburtstag. Der bartfehe Ber- cin für S ch ul g e su n d s he its psle g e wird seine Ver­sammlung ui der Piuigstwoche vom 1315. Mai in Breslau abhaltcn.

politische Wochenschau.

. . selbstbewußt und kühl geschäftlich der Engländer seine Auslanöspolitik besorgt ihm geht es doch wie dem reichen Manne, der um seinen Besitz plötzliche Aengste cmszustehen hat. Die insulare Lage seines Reiches, die .Bor^ile andern Völkern gegenüber bietet, macht ihm mitunter doch auch Sorge. Die englische Vor­herrschaft über die Meere, die gewaltige Flotte Britanniens, hatten int Gefolge, daß das Herz'des Jnselreiches des Panzers und der schimmernden Wehr entbehren konnte. Das eine Mal in der Geschichte, wo ihm eine fremde Flotte gefährlich werden konnte, liegt über 300 Jahre Äurücf, und seitdem haben die Londoner Politiker die Be­dingungen ihrer Erfolge gut begriffen: die spanische Ar- mada Philipps II. ging im Jahre 1588 elend zu Grunde, und die Engländer haben keineunüberwindliche Flotte" mehr neben der ihrigen geduldet. Und da der größte Eroberer des Festlandes, Napoleon I., trotz seines haß­vollen Bemühens, dem Jnsellande nichts anhaben konnte, so durfte es in seiner militärischen Wehrlosigkeit zu Lande bis heute verharren. Fremde Völker ließ es für seine ,v5t!t.erc^CTI für seinen Schutz fechten; wo ihm ein gefährlicher Konkurrent erwuchs, stärkte es dessen Gegner Wenn wir Deutsche in der Geschichte zurückblättern, sehen wir uns wohl öfter als Englands Bundesgenossen, gber die Bande der Blutsverwandtschaft waren es nicht, die das Britenvolk an unsere Seite führten, sondern seine Interessen waren es, ohne Sentiments. Die Aus­dehnung des ungeheuren britischen Kolonialreiches hat die Engländer natürlich noch vorsichtiger und wachsamer ge­macht. Ihre Berechnungen werden heute noch weniger durch Freundschaftsgefühle geordnet. Immerhin hat 'die bekannte Einkreisungspolitik des Königs Eduard VII. eine Abmilderung erfahren. England hat für das Entgegen­kommen der Gegner Deutschlands doch auch große Opfer bringen müssen, und die Kosten wuchsen in bedenklicher Höhe an. Daß die englische Politik den Russen in Persien und in der Mongolei so weitgehend die Wege geebnet hat, brachte manche Politiker jenseits des Kanals zum Nach' denken. Deutschland selbst hat aus den gefahrvollen Lagen, in denen es schwebte, auch gelernt und -- seine Wehr zu Wasser und zu Lande verstärkt.

Hermann Oncken, der Heidelberger Historiker, hat vor Jahresfrist in einem Vortrage vor dem Heidelberger Flottenverem schon darauf hingewiesen, daß die Verhand­lungsgeneigtheit in der englischen öffentlichen Meinung im Wachsen begriffen sei, und unsere Negierung wandelt anscheinend wirklich heute auf der Bahn feiner Vorschläge Was wir für unsere Rüstung an Mehrkosten aufwenden' wollen, legen wir der Verstärkung des Heeres, nicht der Marine, zu. Hermann Oncken hat schon, nicht mit Unrecht, angenommen, eine neue deutsche Flottenvorlage großen Stiles würde in England nur einen Rückschlag der Stimmung Hervorrufen und die Rechtfertigung der deutschfeindlichen Politik der letzten Jahre erweisen. Die Tirpitzschen Erklärungen sind nun zwar über dem Kanal freundlich aufgenommen worden, haben aber bei weitem noch nicht alles Mißtrauen zerstreut. Dafür haben wir aus den allerletzten Tagen die überwältigendsten Be­lege. Kaum sind die Phantasien über neue deutsche Riesen-

iinterfcebootc und neue überlegene Kriegsschifftypen wider­legt, so überraschen uns schon wieder andere englische An­fälle und Jnvasioiisäugste. Geheimnisvolle Zeppelin-Lufl- schiffe sollen bei Nacht und Nebel über dem englischen Jnsel- land herumspionieren. In aller Eile wird ein englisches Gesetz vorbereitet, das es gestattet, auf die fremden Segler der Lüfte zu schießen. Eine groteske Aufregung, die'bei dem sonst so selbstbewußten Engländer doppelt heiter wirkt, verbreitet sich von Stadt zu Stadt, von Zei ung zu Zeitung. Düstere Prophezeiungen, pessimistische Warnungen wech­seln ab mit den berauschendsten Projekten. Major SykeS, vom Königs. Fliegerkorps, hat einen öffentlichen Vortrag gehalten, in dem folgende Sätze vorkommen:Groß­britannien ist keine Insel mehr. Seit Nelson die verbündeten Flotten bei Trafalgar schlug, hat Groß­britannien die Vorherrschaft zur See in Händen, und eine Invasion war immer unwahrscheinlich, wenn auch niemals unmöglich. Aber das Flugzeug hat die Unver­letzlichkeit der engljschen Küsten zerstör t."

9kun haben diese Ausbrüche der Engländer ja gewiß etwas Komisches, und es ist begreiflich, daß den meisten guten Deutschen das Herz dabei im Leibe lacht. Unsere Zeppeline sind wirklich ganz gute Einrichtungen, und es ist für sie durchaus kein Wagnis, ,größere Fahrten über See, und auch über England, zu unternehmen. Aber die hakl'amtliche Versicherung der Köln. Ztg., daß die geheim­nisvollen Lichter über Sheerneß, Portsmouth, Dover, Liver­pool und Cardiff keinem deutschen Luftschiff angehört hätten, ist ziemlich selbstverständlich. Was sollte mit solchen Fahrten bezweckt werden? England unnütz in Aufregung zu versetzen, kann doch nicht die Aufgabe der deutschen Re­gierung fein, und Spionage läßt sich aus solcher Höhe des Nachts schwerlich treiben. Die Sichtung eines neuen Typs des Geisterschiffes, der fliegende Holländer zur Luft, wird denn auch allmählich in englischeu- Kreisen angezweiselt. Nach derYorkshire Eve- ning-Post" Hai man an einer Stelle, wo das Gespenster- luftfchifs gesehen worden war, später die Reste eines nieder­gegangenen Luftleuchtballons gesehen. Andere englische Blätter und sie gehören der erwähuten Richtung an, die der weiteren Verfeindung Deutschlands und Englands ent­gegenarbeiten wollen haben zweifellos die richtige Er­klärung für den Luftspuk gefunden. Interessierte Fabri­kanten von Luftfahrzeugen und Agitatoren für weitere Rüstungen haben dem biederen Juhu zur Abwechslung wieder mal eine Invasion vorgegaukelt. Einstweilen sind freilich nur großspurige Antündigungen dabei heraus gekommen. Major Sykes hat bereits für die Herrschaft Englands zur Luft Plädiert, und aus London wird ferner gemeldet, der bekannte Flieger Graham Wright habe einen Organisationsplan für ganz England ausgesonnen, um es in der Luftschisfahrt an die Spitze der Nationen zu bringen. So schnell wird sich Idas schwerlich machen lassen, denn die Engländer haben die Luftschiffahrt etwas vernachlässigt. Wenn sie nun zu bauen anfangen, so ist anzunehmen, daß Deutschland m i t b au e n wird! Bei guter Ueberlegnng müssen die Engländer mehr und mehr einsehen lernen, daß sie nichts gewinnen, wenn sie den deutschen Vetter nur beargwöhnen und ihn mattzusetzen sich bemühen. Tic deutsche Politik behält am besten kaltes Blut. Bon eifrigen Frenndschaftsverficherungen ist nicht viel zu halten, und die beiderseitigen Verständigungsbesuche und Freundschafts­toaste sind mit gutem Grunde aus der Mode g kommen. Da es heute erwiesen ist, daß es mit einem bindenden Flotten-

5;5.n.rW163. Jahrgang Samstag, 1. März 1913

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