Schwindelnachrichten.
Tie „Kölnische Zritung" meldet aus Berlin: Hier liegen nichttürkische Meldungen aus Konstantinopel vor, nctf) bencn die Behauptungen von Schlägereien zwischen türkischen Offizieren und Soldaten aus der T s ch a t a l d s ch a l i n i e unbegründet sind. Tie Verwundetentransporte, die nach Konstantinopel abgegan- gen sein sollen, sind dort tatsächlich nicht eingetroffen.
Gerüchte über eine Wasfentat des „Hamidi" werden von der Sabah in folgender iyorm verzeichnet: Ter „Hamidi", vom Suezkanal kommend, traf nördlich von Astypalsa auf v i e r h e l l e n i s ch e L ch i f f e; er brachte drei davon zum Sinken und beschädigte das vierte, das, um sich zu retten, gezwungen war, aufzulaufen.
Flecktyphus unter türkischen Gefangenen.
Belgrad, 31. Ian. Die „Politika" meldet: Unter den türkischen .Kriegsgefangenen in Negot in ist der Flecktyphus ausgebrochen. Von 342 Ertränkten seien bisher 142 gestorben. Auch iher die Mranten bchan delnde serbische Arzt ist gestorben. Ta die Krankheit auch nnlt; der Bevölserung von Negotin sich ausbreitet, herrsche eine Panik in der Stadt.
Deutsches Reich.
Ein kaiserlicher Erlas;.
Ter Kaiser ersuchte, wie der „Reichsanzeiger" meldet, den Reichskanzler, folgenden Erlaß zur öfientlichen Kenntnis zu bri"S,en: „Ich habe Lei meinem Eintritt in ein n e u e s L e b e n s jahr wiederum zahlreiche Glück- und Segenswünsche von Gemeinden, Vereinen, Korporationen und einzelnen Patrioten erhalten. In allen Kreisen des deutschen Volkes im In- und Auslande ist man bemüht gewesen, mich durch >ttindgebungen herz- lic^r Teilnahme und treuer Anhänglichkeit zu erfreuen. Mein Geburtstag leitete in diesem Jahre eine Reihe von Gedenk tagen ein, die uns die Begebenlmten der nationalen Erhebung Preußens vor 100 Jahren wieder lebhaft vor Augen führen. Beim Rückblick auf jene Zeit größter Not und höchsten Ruhmes erkennen wir mit Bewunderung, was ein Volk z u vollbringen vermag, dessen Vertrauen aus Gott für König und V a t c r t a n b, Freiheit und Ehre auch das Letzte ein setzt, was ihm an Gut und Blut geblieben ist. Möge diese Erinnerung an die Vergangenheit dazu beitragen, uns stets gegenwärtig zu halten, was wir dem Vaterland schulden und uns anspornen, bei den unserer Generation von der Vorsehung gestellten Ausgaben die gleiche Treue, Opferfreudigkeit und Einmütigkeit zu betätigen, wie es vor 100 Jahren von unseren Vätern geschehen ist. Mit diesem Wunsche möchte ich das deutsche Volk in die bevorstehenden patriotischen Gedenk tage geleiten. Allen denen aber, welche mir in diesen Tagen ihre vertrauensvolle Liebe und Anhänglichkeit bezeugt haben, möchte ich meinen Dank aussprechen.
Reichseigene Fern sprech st eilen.
Um dem wachsenden Bedürfnis des Verkehrs zu entsprechen, will die Reichs-Postverwaltuirg jetzt mit der Errichtung reichseigener Fernsprechstellen aus Preßglas in den , Straßen und Plätzen vorgehen. Ter Berliner Magistrat beschloß, die erforderlichen Plätze zur Verfügung zu stellen.
Wahlen in Hamburg.
Bei ben Wahlen zur halbschichtigen Erneuerung der Bürgerschaft von Hamburg, die am gestrigen Freitag stattfanden, sind in vier Bezirken des Landgebietes zwei Mitglieder der Rechten gewählt worden. In den zwei anderen Landbezirken hat Stichwahl zwischen den vereinigten Liberalen und den Sozialdemokraten resp. der Rechten stattzufinden. Bis 121/» Uhr nachts waren die Ergebnisse aus 80 Stadtbezirken bekannt. Die vereinigten Liberalen erhielten 68 662 Stimmen, die zu einer Liste verbundenen sechs rechtsstehenden Parteien 106 580 Stimmen und die Sozialdemokraten 164 568 Stimmen. Tic Sozialdemokraten und die vereinigten Liberalen haben einen erheblichen Stimmenzuwachs zu verzeichnen.
Ter diesjährige sozialdemokratische Parteitag findet, wie die „Vossische Zeitung" erfährt, in Jena vom 24. bis 30. August statt.
Aus Stafct und Land.
Gießen, 1. Februar 1913.
** Tageskalender Stadttheater. Sonntag imdi- mittag 3'/, Uhr • „Tie versunkene Glocke"; abends 7'/, Uhr: „A uS eiserner Zeit".
K i n e m a t o g r a v 6: Täglich Vorstellung.
- Biooron h-L i ch t s v i e l e: Täglich Vorstellung.
B a k o ' s K a m in e r - L i ch t f v i e l e: Täglich Vorstellung. Lichtspielhaus: Täglich Vorstellung.
Museum des oberhessischen Geschichtsvereins. Geöffnet Sonntag vormittags 11 — 1 Uhr unentgeltlich.
M u I e u in f ü r Völkerkunde: Geschloffen.
Ober hessischer K n n st v e r e i n. Gemäldeausstellung Im Turmhaus am Brand : U b b e 1 o h d e - A u s st e 11 u n g. Sonntag mittag 1—4 Uhr Volkstag. Von Montag ab ist die Ausstellung aui einige Tage geschlossen.
K a r n c v a l f c i e r der Karneval-Gesellschaft. Samstag abend 7 Uhr: Zapfenstreich; Conntäg abend 7Uhr: Tarnen- und Fremdenstming in Steins Garten; 9)1 ontag abend 9 Uhr: Prinzen- ball in Steins Gart.m: Dienstag nachmittag 3 Uhr: Kappensayrt, abends 8 Uhr: Schlußfeier im votel Einhorn.
Anlage m nsik am Sonntag vormittag 11% Uhr in der Süd-Anlage (nur bei guter Witterung!. Spielplan: 1. Helenen Marsch <Armee-Mar>ch Nr. 173) von Seibert. 2. Ouvertüre zur Over .Wenn ich Koni-, wär", von 9lbam. 3. Walzer aus der Operette J'htgrt", von Linke. 4. Unter siegenden Fahnen, Marsch von Blankenburg.
* * 2 c 6 rc rpersonalien. Heber tragen wurde dem Schulamtsaspiranten Friedr. H e b e r m e h l aus Crumstadt eine Lehrerstelle an der Gemeiudeschule zu Goddelau; der Schulamtsaspirantin Kath. Becker aus Gonsenheim eine Lehrerinstelle an der Gemeindeschule zu Mülstheim. Erledigt ist eine mit einem evang. Lehrer zu besetzende Schul stelle zu Mörfelden
• • Stadttheater. Aus die morgige erste Wiederholung von Theodor BirtS vaterländischem Schauspiel »Aus eiserner Zeit*, das bei der Fest-Vorstellung von dem Publikum io überaus warm ausgenommen tuorben ist. fei ganz besonders hingewiesen. Der Autor des Werkes hot übrigens ein Schreiben an den Direktor unseres Stadttheaters gerichtet, in dem er feine wärmste Anerkennung für die Ur» Aufführung und Inszenierung autzspricht. Er sagt darin u. a.: »Sie haben dabei überraschend Schönes geboten, das tatsächlich über meine eigenen Voraussetzungen mehrfach weit csinauscsing." — Am Dienstag abend totrb als Abonnements- Vorstellung der Faschingstimmung entsprechend der übermütige Schwank von Gustav .Habelburg .Der Weg zur Hölle" aufgeführt. — Am Dienstag nachmittag ist Kinder-Vorstellung (.Klein Däumlings), zu der, ivie nochmals ermähnt sei. den Kindern der Besuch im Maskenanzug gestattet ist. — Am Donnerstag, 13. Februar, findet ein Gesamt- Gastspiel eines Berliner Ensembles nut Eulenbergs „Bel in de* als zweiter Kammerspielabend statt. Vorbestellungen für dieses Gastspiel werden jetzt schon entgegengenommen.
* * Freie Studentenschaft. Gestern abend fand der nette Vortrag des angetünbigten >ntlus statt. Professor Tr. M eifer schilderte das an Wechselfällen reiche
Leben I. G. Fichtes, seine kraftvolle Persönlichkeit und die Grundzüge seiner Philosophie. Sie ist unter erkenntnis- theoretischen wie unter ethischem Gesichtspunkt als Idealismus zu charakterisieren. Tic zentrale Idee ist die der sittlichen Frcihett. Seine Ethik und seine Staats- und Wirtschaftsphilosophie ist von sozialem Geiste erfüllt. Begeisterung für national-deutsches Wesen verbindet er mit der Schätzung der Humanitätsidee. — Die Ausführungen des Vortragenden fanden bei der zahlreichen Zuhörerschaft, lebhaften Beifall. Ter dritte Vortrag soll am Dienstag, 11. Februar, stattfinden. Professor Tr. Roloff wird sprechen über „G n e i s e n a u".
* * Ter all g. Staatseisenbahnverein feiert heute abend auf der Liebigshöhe sein Winterfest und begeht damit gleichzeitig die Feier von Kaisers Geburtstag.
** lieber „Bedeutung und Aufgaben der Ge- werbeverein e in der Gegenwart" spricht morgen Vormittag im Cafe Ebel Reallehrer Kahl aus Tarm- stadt auf Veranlassung des Ortsgewerbevereins. Taß diese Frage in der letzten Zeit in gewerblichen Versammlungen und in der Handwerkerpresse in den Vordergrund getreten ist, liegt an den zünftterischen Strömungen, die neuerdings in verstärktem Maße sich geltend machen und in ihreni Endziel Beschränkungen der Gewerbefreiheit anstreben. Besonders zeigen sich diese rückläufigen Bewegungen in der Agitation für Aushebung des § 100 g der Gewerbeordnung, der den Zwangsinnungen die Festsetzung von Mindestpreisen verbietet. Außerdem hat die Stellungnahme der Handwerkskammern gegenüber den Forderungen der Gewerbevereine hinsichtlich der Verdes, crung ihres Wahlrechts Unzufriedenheit erweckt. lieber diese Streitfragen in den Kreisen der Gewerbetreibenden aufklärend zu wirken, vor reakttonären Strömungen zu warnen, falsche Hof>- nuugen zu beseitigen, den Wert der Gewerbefreiheit zu beleuchten und daneben im allgemeinen die Bedeutung der Gewerbevereine auf Grund ihrer bisherigen Leistungen darzulegen, das ist die Aufgabe, die der Vortragende sich gestellt hat. Es sind interessante Gewerksfragen, die zur Erörterung kommen werden.
** Landw.irtschaftskarnrner. Unter dem Vorsitz des Geheimrats Haas fand am Freitag eine Sitzung des Vorstandes statt. Einem Antrag des Mitglieds Hensel entsprechend, soll bei der Regierung um Auskunft über den derzeitigen Besitz des Tonrania Igel indes angefcagt und ferner angeregt werden, daß bei Verpachtung von Tomanialgetänbc in erster Lin.e dsn Wünschen kleinerer Landwirte entsprock-en wird. Im Verein mit den HandelSlmnmern und der Handwerkskammer soll ein statistisches Handbu ch herausgegeben werden, in dem u. a. auch die statistischen Zahlen Ausnahme finden, die sonst nicht oder nur schwer zugänglich sind. Mit der Einführung der Wirtschaf t s b e r a t u n g und Prämiierung lleinbäuer- sicher Betriebe auf Grund von Feldbesichtigungen und geführter Buchführung soll ein Anfang gemacht werden. Ter Obstbau-Techniker Behne des LandirirtschaftSkammcr-Ausfchusfes Starkenburg wird für alfaemein techn sitze Ar bei en und Beratungen dem^Obst- und Gartenbauverein für die Bergstraße für etwa 20 Tage im Jahr gegen LiTjiatinng der Tagegelder und Reisekosten an die Landwirtschafrskammer zur Verfügung gestellt. Ter Vorstand beschließt, sich an der gemeinsamen Neuorganisation der Zentralstelle für O b st v e r w e r t u n g durch die Landwirtschaftskammer für Wiesbaden und Kas el zu b tei igen ; es sollen entsprechende Mittel im Voranschlag vorgesehen werden Zur Weiterführung der von der Wein- und Obstbauschule seither eingeleiteten Versuche zur Bekämpfung der R e b s ch ä d l i n g e werden die seitherigen voranschlagSmäßigcn Mittel auch für 1913 bereitgestellt. Tent Verein für Hundefreunde von Mainz und Umgebung wird zur internationalen Ausstellung von Hunden aller Rassen am 2. Juni 1913 zu Mainz je 1 Preis zur Prämiierung von Schäferhunden und ranhhaarigen Pinscherit bewilligt. Tie Landwirrschaftskammer wird sich bei der Regierung dahin crussprechen, daß die Gestattung des Hütens von V i e h a n Sonntag Vormittagen bei Revision des Feldstrafgesetzes in Erwägung gezogen wird.
* * Gestohlen wurde gestern abend aus einer Hof- reite der Frankfurter Straße ein Fahrrad Neckarsulmer „Pferl" mit der Fabr.-Nr. 143 427.
* * Der Februar im Volks mund. Wenn der Hornung warm uns macht, frierts im Mai noch gern bei Nacht. — Schmilzt im Februar die Sonn die Butter, so gibt das Jahr dann später Futter. — Viel Nebel im Februar, viel Regen das ganze Jahr. — Wenn im Hortmng die Mücken spielen, wird der März den Winter fühlen. — Nasser Februar bringt ein fruchtbar Jahr. — Heftige Nordwinde im Februar, vermelden ein fruchtbares Jahr, wenn aber Nordwind im Februar nicht will, so kommt er sicher im April. Friert's im Februar nicht ein, wird's ein schlechtes Kornjahr sein. — Klar' Februar, gut Roggenjahr.
Landkreis Gießen.
- fi Saasen, 1. Febr. Heute morgen glitt beim Einsteigen in den Frühzug nach Gießen der Arbeiter P o st von hier vorn Trittbrett ab and kam zwischen die Räder zu liegen. Er erlitt schwere Quetschwunden an Brust uub Leib und wurde mit dem Zuge nach Gießen gebracht.
r. Londorf, 31. Jan. Nächsten Sonntag, den 2. Februar, hält der Gesangverein Frohsinn fein Winte.rkonzert im Boegerschen Saale.
—m Nonnenroth, 31. Jan. Heute nachmittag wurde der Polizeid-iener Stephan, ein Veteran von 1866 und 1870/71, der feint Amt 27 Jahre versehen hat, zu Grabe getragen. Tic Kollegen der Umgegend erwiesen ihm hierbei die letzte Ehre. Als die auswärtigen Teilnehmer nach der Beerdigung gemeinsam Kaffee tranken, saitk plötzlich, während der Unterhaltung, der 63jährige Polizeidiener Klö s ans N i ed e r-B e s s in ge n, eben falls ein Veteran, von einem Herzschlag getroffen zusammen und war nach weittgen Minuten lot. — Heute nachmittag zog ein Gewitter mit kräftigem Donner Über die Gegend.
Kreis Friedberg.
L. Friedberg, 31. Jan. Stadtverordneten- s i tz u n g. Ter Plan, die Umformstation in der Mainzertor Anlage in die Erde zu legen, wird nach Anhören der ^achocr- flänbigen aufgegeben; es soll ein Transformatorenhäuschen erbaut werden. — Nachdem der hierzu beftimmte Ausschuß sich die Krematorien in Mainz und Wiesbaden angesehen bat, legt der Bürgermeister die Pläne für das hier zu erbauende Krematorium vor, die in allen Teilen genehmigt werden. Tie seitherige Fricdhofskapelle wird als Vorhalle umgebaut. Davor kommt das Krematorium, ferner sind eine Lcickwnhalle und Urnen halle vorgesehen, der Voranschlag beträgt 48 000 Mk., der s. Zt. von dem verstorbenen Rentner Karl Loenhard gestiftet worden sind. — Die Pläne für Tieferlegung der Bis m a r d st r a ß c vom städtischen Lagerplatz ab, werden angenommen. Zugleich rcmrbejjie Rohrleitung für die neue Kanalisierung eilige» legt und die Straße gepflastert. Tie Kosten belaufen sich auf 20000 Mk. und werden genehmigt. Der Herberge zur Heimat wird em Iahresbeittag von 100 Mk. bewilligt. Tic Vergütung an die Lehrer der Fortbildungsschule wird auf 2,50 Mk. für die Stunde festgesetzt. — Die Erhebung einer Filia 1 und Warenhaus st.euer wird beschlossen und es werden hierfür folgende Steuersätze festgesetzt. 'Bet Filialen mit 10 000 bis 50000 Mk. llmiatz 1 Proz, 50000 bis 100 000 Mk. Umfan !»_• Proz., 100 OOO bis 200,000 Mk. Umsatz 2 Proz., 200 (KN) und Darüber Unnay 2». Pro; Für Warenhäuser bei einem Umsatz von 80 000—220 000 Mk. 1 Proz., 200 000 bis 300 000
li 4 Proz., 300 000 bis 400 000 Mk. IV2 Pro;., 500 000 und darüber Mark 2 Pro;. — Bei dem Gewerbegericht tarnen im Jahr 1912 75 Fälle zum Austrag, davon nmrDen verglichen 37, durch Endurteil erledigt 7 und der Rest auf andere Weise geschlichtet. — In dem B ü r g e r h 0 s i p t a l, in Dem 110 Betten ausgestellt sind, wurden 1065 Kranke an 24 268 Verpflegungstagen verpflegt. — In diesem Jahr soll eine Gemäldeausstellung des L b e r h e s s i s ck e n K u n st v c r e t n s hter statt - finden, die etwa 14 Tage dauern wird. — Zur Pferdeprämi- ierung wird der städtische Beittag, der seither 650' Mk. bering, um 300 Mk erhöht. — Tie Pläne für Errichtung eines Industriegleis es am neuen Güterbahnhof werden vorgelegt und sollen der Eisenbahndirektton zur ©eneljmigung ein geschickt werden.
s Bad-Nauheim, 31. Jan. Die Stadtverordneten haben in ihrer heutigen Sitzung die (Einführung der Fikialsteucr beschlossen. F-erncr wurde bestimmt, daß das städtische Archiv, das in letzterer Zett von Lehramtsreferendar Dr. Lirrdenstruth geordnet worden ist, in einem Raum des alten Rathauses untergebracht wird. Die unteren Räume des Gebäudes stehen seit vergangenem Jahr dem Bildungsverein als Lese- und Bibliothekszimmer zur Verfügung. — Ein starkes Gewitter mit Schnee- sturm ging heute nachmittag über unsere Gegend nieder. Mehrere heftige D v n n e r s ch l ä g e waren zu vernehmen. — In der Geiangsabteilung des Turnvereins ist ein Tiri- gentenwechsel eingetreten. Bäckermeister Karl Wetter, der früher in Elimbach als Lehrer tätig war, hat die Leitung der Singstunden übernommen.
? Bad-Nau heim, 31. Jan. Eine rege Tätigkeit hat, wie aus dem auf der Hmcptversammlung von dem Vorfitzmden, Finanzmistirant Schnell, erstatteten JahresberickN zu entnehmen war, der Stenographenverein Gabelsberger entfaltet Ein gutbefnebter Anfängerkursus, sowie ein Fortbildungsund ein Redeschriftkursus sind noch im Gange, es wurde erstmalig auch in der hiesigen Stadtschule stenographischer Unterricht erteilt.
Starkenburg und Rhein Hessen.
Darmstadt, 31. Jan. Der 37 Jahre alte Theodor Berger, der kürzlich mit seinem 17jährigen Bruder den G 0 l d w a r e n d i e b st a h l in der Rheinstraßc ausführte und in Ludwi>7shafen verhaftet worden war, ist heute nacht aus seiner Zelle im dortigen Untersuchungsgefängnis ausgebrochen und entflohen.
in. Offenbach, 31. Jan. Ter übelbeleumdete Schuhmacher Fritz Groß traf auf der Straße mit seiner Frau zu lammen. Während die Frau sich mit iljrcm Manne nach ihrer Wohnung begeben wollte, schlug dieser die entgegengesetzte Richtung durch die Geleitsstraße ein. In der Nähe des Militärpostcns hing sich die Frau an ihren Mann, der sie durch Schläge abzu- schütteln versuchte und sie an der Kehle würgte. Da sich der Vorfall im Bereich des Postens abspielte, forderte der Posten Groß auf, von seiner Frau zu lassen und sich zu entfernen. Groß leistete dieser Aussorderung feine Folge, erwiderte sie mit beleidigenden Worten und riat dem Posten entgegen. Tie Frau nahm gleichfalls Stellung gegen den Posten. -Beide wurden handgreiflich und hetzten ihren Hund auf den Soldaten. Der Posten suchte mit aufgepflanzten Seitengewehr die Angreifer von sich zu halten, während die Eheleute Groß versuchten, ihm das Gewehr zu entreißen. Das Ehepaar bemächtigte sich schließlich des Helms, der bet dem Handgemenge heruntergefallen war und verschwand damit. Groß wurde jeftgenommen.
d. Heidesheim, 31. Jan. Der Gastwirt Jak. Bieber war bis 1909 Rendant der hiesigen Spar und Darlehenskasie. In letzter Zeit hat sich herausgestellt, daß er bei seiner Tätigkeit der Kasse 6 0— 70 000 Mark veruntreut hat. Besonders hat er Schuldverschreibungen gefälscht. Heute wurde Bieber in Mainz von der Staatsanwaltschaft vernommen und nach dem Verhör verhaftet.
Hesscn-Nliß'au. . ,
W. Hanau, 31. Ja». Die Kran.kheit im frfen'r bahn regiment Nr. 3 ist weiter im Rückgang ' griffen; es sind heute noch 85 Kranke, darunter neun Mann mit hohem Fieber, und 100 Genesende vorhanden.
vereinrnachnchten.
— Steinberg, 31. Jan. Der Turnverein „Gut Heil" Steinberg hielt seine Hau p t v e r s a m m l u n g ab. Ter seitherige Vorstand wurde einstimmig wiedergewählt. 1. Turnwart wurde Heinrich Schäfer und 2. Turnwart Karl Philipp. Neun Mitglieder wurden neu ausgenommen. Der Verein nölt fein Wintcrvergnügen am 4. Februar im „Griineu Baum" ab.______
Der 6i‘enbaf)nräuber Dreyer.
, Halle a. S., 31. Jan Der 42 Jahre alte Zivilingenieur Emil Dreher aus Groß Lichterfelde hatte sich vor der hiesigen Straffammer unter der Anklage des mehrfachen Diebstahls und Betniges zu verantworten. Der Angeklagte wird besckwldigt, im O-Zug zwischen Weimar imb Gotha Schmuck achen im Werte von 4000 Mark und im I)-Zuge zwischen Bitterfeld und Halle eine Tafche mit Toilettcngegenständen und Juwelen im Werte von 20 000 Mark gestohlen zu haben. Der Bettttg soll begangen sein an dem Preußischen Eisenbahnsiskus, und zwar durch die mißbräuckckick)e Benutzung einer Eiscnbalmfieikarte. — Der - gcHagtc, der aus der Untersuchungshaft vorgeführt wird, stammt aus sehr guter hannoverscher Familie. Sein Vater soll bei je nem Tode ein Vermögen von annäl>ernd 2 Miiuonen Innteclassen haben. Da sich aber der Angeklagte mit seinem Vater schon lange vor dessen Tode verzürnt hatte, erhielt er als Erbe nur einen kleinen Teil des Vermögens ausbezahlt, und von einem anderen Teil nur die Nutznieiung, ivcihrend das Kapital seinen Kindern zu Gute kommen sollte. Der Llngellagte batte sich schon vorher in verschiedene Unternehmungen eingelassen, die aber, trotzdem er verhältnismäßig ivertoolle Patente in sie hineinbrachte, nicht hock- famen. Schließlich geriet er in immer größere Geldverlegenheit, und diese scheint ihm aus die Dahn des Verbrechens getrieben zu haben Die 1 isenbahndiebstähie, die zur Anllage stehen, wurden immer ausgeführt, wenn sich die Eigentümer der gestohlenen Sache» in den Speisetvagen zurückgezogen hatten. Der vermeintliche Tötet war ivohl von den Angestellten der Züge bemerkt worden und humte beschrieben werden, aber erst durch seine eigene Unvorsichtigkeit gelang es, ihn sestzunehmen. Tas Eltevaar Eckardt, dem die Gegenstände im Werte von 20000 Mark gestohlen worden waren, erhielt in Meran, wo es sich damals aufhielt, die Mitteilung, daß die Juwelen gegen die ausgesetzäe Belohnung jurürfgfgeben würden. In der Tat stellte sich bei den Eheleuten eine Persönlichkeit ein, die behauptete, die Juwelen int Besitz« zu haben. Diese seien ihm von einem Freunde über geben loorben, der sie wieder am Bahndamm in Groß-LickNerselde gefunden habe; sie seien wahrscheinlich von dem eigentlichen Diebe aus dem Bahnabteil herausgetvorsen worden. Eckardt stand dieser ErzäÄung sehr mißtrauisch gegenüber und benachrichtigte die Behörde, die fest- stellte, daß die unbefannte Perfönlicht eit der '2btgeflagte war. Im Laufe der Untersuchung räumte er die Diebstähle ein, behauptete aber, in einem Dämmerzustände gehandelt zu haben, da er in hohem Grade Morphinist sei. Tatsächlich ist auch festgestellt, daß. er es verstanden hat, sich große Dosen Morphiun» und Opiunc zu verschaffen. Seine Verwandten haben ihn auch eine Zeitlang in einem Sanatorium untergebracht, wo er auf seinen Geisteszustand hin beobachtet nmrde.
Die Frau des Angeklagten bekundete: ihr Mann sei schott als Kind sehr nervös gewesen und habe oft an 23cm* krampfen gelitten. Im ersten Jahre ihrer Ehe habe er ctnrnnl brennendes Zritungsparier an den Lampenschirm gehalten und nur durch ihr Eingreisen sei der Ausbruch eines Schadenfeuer- verhütet worden. Er habe ihr auch das Haar ganz kurz ge* schnitten, so daß sie aussah wie eine Heuschrecke. In Drombevg hatte er die Leitung einer Fabrik übernommen und überarbeitete sich dort, während die Fabrik große Erfolge erzielte. Während die Eheleute in Spandau wohnten und Dreyer bei Oren st ein


