Ausgabe 
4.10.1912 Erstes Blatt
 
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Aeitag, 4. Gttober 1912

Die heutige Nummer umfaht 10 Seiten-

Der Volkstheaterpreis für Schönherr. Ter Volkstheaterpreis von 3000 Kronen wurde Schönherr für sein TramaGlaube und Heimat" verliehen.

T c r Mainzer N a r r e n s p i e g c l". Um dem Main­zer Karncval ein würdiges kulturgeschichtliches Denkmal zu setzen, hat das Komitee des Mainzer Karneval-Vereins in Verbindung mit der literarischen Kommission den rheinischen Schriftsteller Wil­helm Clobes beauftragt, ein I u b i l a u m s f c sr b u ch zu schaffen, das wesentlich aus dem Rahmen der üblichen Gelegenheitsichrtften hcrauslrcrcn soll.Ter Mainzer Narrcnspicgel", eine rheinrsche Fafchmgschronik in Bild unb .Wort, in Spruch und Lied, soll

raumer Zeil, ehe ich mich nach Ausnahme von etwas Nahrung so weit erhole, um den Eindruck der unvergleichlich großartigen Natur aufzunehmen. Zn greifbarer Nähe, bereits ohne Glas Einzel­heiten der Schäftung und Bänderung erkennen lassend, der Eis- dom echtes Gletschereis, nicht vereister Firn, im blendenden Weitz seiner Tecke, in glitzerndem, bläutönigem Absturz seiner 50 Meter und mehr ragenden Wände, vor der tast in gleicher Höhe mit mir westlich endenden Stirn des Ratzelgletschers insbesondere eine Menge abgestürzter Eisblöcke, manch von gewiß hunderte^Zcntner betragenden Masse, zu beiden Seiten desselben schmale vLchmelz- bädK, welche durch Abschmclzen der Eisoberfläche genährt werden und bereits wenig tiefer im Sdjutt verschwinden. Ringsum tiefer, so weit wie das Auge zu unterscheiden vermag, Felsblocke, Schutt, Sand von übereinstimmeiider wültenhafter Färbung; dort, wo die Vegetation beginnt, die vorherrschend rötlich-braune Färbung untermrscht und bald übergehend in braun-grüne Zarbcnpragung; nur aus der regenreichen Süd-Seite von dem lebhafteren Grün der Hochviescn gegen das melancholische dunkle Grün des Ur­waldes unterbrochen, das das wogende Wolkenmeer über ihm allerdings mehr ahnen läßt. Und in weiter, weiter Ferne der Blick weltverloren in dem schimmernden Tumtblau ber. L-teppc; die Tropensonne nocb hoch über allem am blendenden Himmels­zelt Hier EiS und Kälte, dort sengende Hitze; beides verbunden in langen, einfachen Linien und Flachen, ohne jebe ausgesprochene Gliederung des Geläiidcs. Tie uncrrnctzlich Einsamkeit des Berg- riescn zwingt zu demütiger Bewunderung der Naturgewalt, die dieses zu schaffen vermochte... '

nicht nur eine Chronik des Mainzer Karneval-Vereins, sondern ein» heimatliches Werk von kulturhistorischem Wert barstellen. Miv vielen Bildern ausgestattet, wird derMainzer Narrenspiegel" Anfang Dezember im Buchhandel erscheinen. Tie beiten und volkstümlicUten Lieder des Alt-Mainzer Karnevalhumors sollen der Nad>welt überliefert tperden. Was bas Bud- aber noch in dejonberem Matze lesenswert machen bürste, sinb bie Original- beitrage, bie Roda Roda, Rudolf Presber, Herbert Eulenberg, Julius Stettenheim, Gustav Falke, Alexander Moszkowsti, Alexan­der von Gleichen-Rußwurm, Viktor Blüthgen, Johannes Trojan, Sigmar Mehring, Otto Weddigen, Paul Grabein, Richard Zooz- mann, Gustav Hochstetter u a. zur Verfügung gestellt haben.

Die größte Bibliothek der Welt. In diesen Tagen scheidet Tr. Fortescue aus dem Britischen Museum, wo er mährend zweiundmerzig Jahren an ber Bibliothek tätig gewesen ist. Im Juni 1870 trat er seinen Dienst an und wurde nach 14 Jahren der Nachfolger Dr. GarnettS als Aufsichthabender int, großen Lesesaal und 1896 Leiter der Bibliothek. Als Tr. For­tescue seine Tätigkeit begann, zählte die Bibliothek 2 000 0000! Bände, nun er sie verläßt, birgt sie 4 000 000. Es ist ihm ge­lungen, seine Bibliothek, die jüngste unter den großen Biblio­theken der Welt, zu ber größten zu machen. Denn mit ihreft vier Millionen übertrifft sie alle andern. Die Bibliotheque Na­tionale in Paris bat 3 500000 Bände, die Kaiserliche Bibliothek irt 5t. Petersburg 1900 000, bie Kongreßbibliothek in Washing­ton 1700000, die Königliche Bibliothek in Berlin 1400 000, bie in München 1100 000 und die Wiener 1 000 000. Die tägliche Besud-ersrequenz un Lesesaal ber Bibliothek beträgt 700 aus aller Herren Länder; fast alle Schriftsteller von Ruf in Englantz haben dort gearbeitet.

Der Winter beginnt. In diesen kalten Tagen vom Kommen des Winters zu hören, hat nichts Erstaunliches. Aber heute wollen wir nur von der Wintersport-ZeitschriftDer W t n t e r" sprechen, die in München erscheint und fetzt im Oktober ihren 7. Jahrgang beginnt. Die Zeitschrift wird jedem Winter- 1 portier wer ist das heutzutage nicht Freude machen, denn unerschöpflich bringt sie in Text und Bild aus. allen Sports­arten und -Veranstaltungen das Interessanteste.

wie man sich schlagen würde...

Ein früherer bcutfdter Offizier, der soeben von einer Dalkanreise nach Deutschland zurückgetehrt ist, schreibt un­terem Berliner Mitarbeiter:

Wie der türkisch Soldat sich im Tripoliskrieg be­währte, ist allbekannt. Wie würde er sick) aber auf dem Balkan, aus dem europäischen Boden seines Vaterlandes schlagen? Die beste Antwort gibt vielleicht der Eindruck, den man erhält, wenn man aus dem leidenschaftlich er­regten Griechenland kommend, zuerst den türkischen Boden betritt. Hier herrscht Ruhe, Gemessenheit und Be­sonnenheit, vor allem aber trotz der langen innerpolittschen Koliflikte bei Militär und Voll immer noch Ordnung und Gehorsam. Statt des theatralischen Wesens so vieler Grie­chen empfindet man in der Türkei vom ersten Augenblick an die schlichte Würde eines seit Jahrhunderten herrschen­den Volksstammes, statt des impotenten Willens dort tritt dem Beobackfter hier tatsächliche Kraft und Macht gegenüber; fast sind es die Gegensätze, die zwischen Emporkömmling und altem erprobten Besitz bestehen, die den Charakter der beiden feindlichen Völker unterschiden. Und wie wirkt ein Vergleich des Türken mit den anderen, nördlicheren Balkanvölkern? Kein geringerer als Graf Ferdinand von Zeppelin, der geniale Bchenschr der Lüfte, hat sich über diese Frage geäußert. Zeppelin erklärt:

Wenn wir einen Blick auf bie Heere bet Balkansiaaten werfen, so fällt sofort unb stets bereit sehr verschiedener Charakter auf. Aus der einen Seite bie türkische Armee mit ihren vielhundertjährigen Trabitionen einer ruhmvollen Vergangenheit, ihrem ansgezcich neten Menschenmaterial, mir zurüdgehalten m ihrer Entwicklung durch eine von ben maßgebenden Stellen ihr gewordene Vernach- lässigiing sondergleichen, aber wo sie auf tritt, stets Beweise ber f ricgcrifdKn Leiitungsfähigteit gebend, die in ihr schlummern. Kein eiiisid-tsooller Soldat tarnt jid) darüber täuschen, was diese Armee bei einer guten Organisation, richtiger bei der Durch­führung der für sie von den deutschen Offizieren angeregten Or­ganisation, und der Heranbildung eines geeigneten Offizierkorps leisten kann. Auf der anderen Seite finden wir Heere, die ihre Entstehung der Erhebung ber christlichen, vor Jahrhunberten unter - nwrfenen Untertanen ber Pforte verbauten, Völkern griechischen und flämischen Ursprungs, bereit Staatswesen noch heute viel Un­fertiges und UngefestcteS anhaftet, Griechenland, Bulgarien und Serbien; ihre Befreiung erfolgte stets nur unter dem Beistand europäischer Mächte. Die Bedürfnislosigkeit des türkischen Sol­daten ist über jedes Lob erhaben, sid-er ein großer Vorzug für den Krieg. Wer bei ber Mobilmachung z. B. zum letzten^Tl-esfa- lischen Kriege die von ihrem heimatliche Herde ins Feld ge­rufenen Ergänzuiigsmanmchaften stundenlang an den Stationen auf ihre Einschiffung in die Eisenbahn warten sah, der hat sicher­lich nichts von der Unruhe oder dem Unmut vernommen, die man tm ähnlichen Falle vielleicht bei den Reservisten anderer Balkan- armccn zu beobachten Gelegenheit gehabt,hätte. Und dabei ivaren sic mit ihrer Verpflegung womöglich auf die eigenen Mittel an­gewiesen."

Zeppelins Lob des türkischen Soldaten bestätigt in seinen Schriften Generalseldmarschall Freiherr Kolmar v. d. Goltz. Er hebt hervor, daß cs vielleicht weniger der dem türkischen Soldaten oft zugeschriebene religiöse Fana­tismus als das Herr enge fühl ist, das ihn zu außergewöhn­lichen Taten befähigt:

3ober gemeine Mann in Reih und Glied trägt eine bestimmt cmsgcsprochnc Individualität nut sich. Hierin unterscheidet er sich z. B. fd;arf von dem russischen Soldaten, der mehr ober weniger doch bei all seinen guten Eigensdmten nichts inbividuell Ausgeprägtes an sich bat. Taburch nnrb auch beim türkischen Soldaten die oft mangelnde moderne systematische Ausbildung in gewissem Grade ausgeglichen. Hierin wirkt freiltd>_aud) eine gewisse natürlidje Intelligenz mit und die Erziehung zur Tvbesverackftung, die dem Mohammedaner im religiösen und im Familienleben zuteÜ wird. Der türkische Rekrut bringt beim Eintritte in das Heer bereits Achtung vor der Autorität des Vorgesetzten und die

Gewohnheit freiwilliger Unterordnimg mit und ist zudem meist in körperlicher Hinsicht vortrefflich ausgestattet."

Soweit also Zeppelin und v. d. Goltz, zwei doch sehr zuständige Beurteiler. Tie türkische Regierung kann übri­gens auf einem europäischen Kriegsschauplatz auch noch aus die Unterstützung molfommedanischer Freiwilliger rechnen, d. h. der Aufgebote der großen Feudalherren in Albanien und Epirus, der Beys, denen der Grund und Boden gehört, aus jenen Gegenden, wo das Leben wenig gilt, too man Menschen oft wie Hühner abschlachtet. Tic türkische Re­gierung betrachtet sie auch nicht als ein einfack)es, oft zweifelhaftes ,LZolksaufgebot", sondern alsMouavenö", b. h. Hilfstruppen. Nack) ihremDicnstrcglcment" ordnen sich die Albanesen beim Angriffe dem Oberbefehl der türli- fchcn Generale unter, beim Rückzüge aber nur den eigenen Chefs, eine eigenartige Bestimmung, die iuoj)l nur für den Fall gemacht wurde, um im Notfälle die Berge der Heimat verteidigen zu können. Tas militärische und moralische Uebcrgewicht der Türkei auf dem Balkan ist heute noch zweifellos. Ein Ballankricg würde Ströme Blutes kosten, aber schwerlich der Türket ein wesentliches Stück ihres europäischen Besitzes nehmen.

Die Vermittlung der Mächte.

Von diplomalischcr Seite in Wien wird erklärt, das; die Einigkeit der Großmächte durchaus nicht vollständig sei. Die Verschiedenheit zwischen dem Standpunkt der russischen Regierung und dem der anderen Mächte bestehe darin, daß Rußland auf die Türkei einen größeren Druck ausüben will als auf die Balkanstaaten und mehr geneigt ist, die Autonomieforderung Bulgariens zu unterstützen, während die anderen Mächte meinen, die Türkei würde diese Forderungen erst nad) einem verlorenen Krieg erfüllen. Andererseits seien and) die Baltänstaaten nicht einig.

Nach derPal Mal Gazette" ist die sehr kurz gehaltene gemeinsame Note der Balkanmächte an die Türkei am Donnerstag bei den betreffenden Gesandtschaften einge­troffen. Sie soll zunächst den Brächten zu Abänderungs­vorschlägen vorgelegt werden.

Die Bereitschaft der Türkei.

Konstantinopel, 4. Ott. Eine große Kriegs­kundgebung sand heute hier statt. Der Sultan n£ßjn an einem Fenster des Palais die Kundgebung der Tausenden entgegen. Tluch nach einer auf morgen anberaumten Versammlung der Liberalen wer­den die Teilnehmer dem Sultan vor dem Yildiz huldigen.

Tannin" erttärt:Es gibt keine Annahme der Forderung der Balkanstaaten, keine Konferenz! Wer Krieg wünscht, ist willkommen; die Türkei ist bereit!"

Konstantinopel, 3. Ott. Die nach Konstanti­nopel eingezogenen Reservisten ziehen mit Musik durch die Straßen; sic werden überall mit großer Begeisterung begrüßt. Die streiken­den Kutscher haben sich für die M o b i l i s i e r u n g s - arbeiten angeboten. Laut Nachrichten aus türki­scher Quelle herrscht auch in der Provinz eine große Begeisterung für die Mobilisierung. Der frühere Mi­nister des Aeußern A s s i m hatte heute eine vielbesprochene Unterredung mit dem bulgarischen Gesandten Saras off.

Ein außerordentlicher Ministerrat beriet über die Lage, insbesondere über die Frage der Zurückhal­tung der griechischen Schiffe. Bei dem Schritte zugunsten der Schiffe hatte der griechische Gesandte GryParis sehr energisch die schleunige Zurücknahme des betreffenden Be- schlufses der Pforte verlangt, da die Maßregel willkürlich und, solange freundschaftliche Beziehungen herrschten, un­angebracht sei, da jede Verzögerung Millionen Ver-

Auj dem Gipfel des Nilimandscharo.

Tie Ersteigung des höchsten beutfdjen Berges, des Kilimand­scharo in Dcutfch-Ostafrila, hatte sich Dr. Christoph Schröder zum Ziele einer Steife in Ostafrika gefetzt. Ganz allein' hat er von etwa halber Höhe des Berges aus bie mühselige Wanderung zum 5880 Meter hohen Kibogipfcl ausgesühri. In seinem Be- rid)tc über diese Bergersteigung, ber sich durch eine Anzahl oon Heften derNatur", der Zcuschrift der TeMschen Naturwisfen- fdxiftlidjcn Gesellschaft, hmburcpzieht, berichtet er, wie er in einer Höhe von 3800 Metern seine Neger zurückließ.

5 Uhr morgens, als er sich erhob, herrschte in seinem Zelte eine Temperatur von einem Grade unter Null, lvährend draußen bas Thermomeler nod) drei Grabe weniger zeigte. Er nahm eine Mahlzeit zu sich, versah sich mit Kakes, Schokolade und einem Gläschen mit Magenbittern und begann bann, mit Kompaß, Fernglas, photographischem Apparat und Bergiwck bepackt, die Wanderung. Beim Aufbruch war es noch dunkel, bald aber ging bie Sonne auf. Dr. Schröder flieg höher und höl-or, überschrfti eine ganze Folge von Geländestufen unb konnte endlich das ganze Kibvmafftv übersehen. Es war ^11, als er^nad) einer befchwer- lid)cn Wanderung durch feinen Schutt ober Sand auf Lavauntcr- grunö, wo der Fuß immerfort ausgleitet, eine halbstündige Pause mackste. Dann druck) er wieder auf unb fdjritt einen Gratrücken mit 30 Grad Steigung aufwärts.

Tas Wandern ün losen Schutt," so schildert er selbst,wird allmählich zur Qual. Selten eine kleine Strecke gewachsenen Felsens, die dem Fuße eine sick)ere stütze böte; die wenigen größeren Gesteinstrümmer gleiten beim Betreten ab; das kleine und kleinste Geröll, welches die Hauptmasse bildet, rutscht unter jedem Sdjnttc. Die außerordentliche Trockenheit der Luft dörrt die Zunge am Gaumen und weckt zusanmien mit der infolge des bald auf die Hälfte verringerten Sauerswffgehaltes ohnedem fehr erhöhten Herz­tätigkeit bei den fortgesetzten Anstrengungen des steigens em Empsiiiden völliger Entkräftung. Die stets öfter benötigten kurzen Ruhepausen, der Wille, der sich bereits zuvor an näheren Zwischen zielen, Geländestufen, auffallenden Lavablocken zu betätigen pflegte, versagen ihren Dienst; angesichts ber kaum 100 Meter höher über ber Bergrippe drohend herabhängendeit Eismasse breche ich in völliger Gleichgültigkeit förmlich zusammen; es bedarf ge­

lüste berurfadje. Ter Minister des Aeußern N o_r 5 b n n g- hian antwortete, bie Regierung werbe die Scküffe für Transporte requirieren unb versprach schließlich, die An­gelegenheit dem Ministerrat zu unterbreiten.

Obwohl die Frist, die S c r b i e n betreffend die Tur dp fuhr des Kriegsmaterials gestellt hat, um 71 ? Uhr abgelaufen war, hat der scrbisd)e Gesandte bisher keine Antwort übermittelt. Judessen erklären serbische Kreise, es werde kein so fertiger Abdruck) der Beziehun­gen erfolgen.

Die Pforte richtete an die Mächte ein R u n d s ch rei­ben, worin sie gegen die Unterdrückungen protestiert, die man sich in Bulgarien gegen die Mohammedaner zu schulden kommen lasse. Gleichzeitig erklärte dieselbe, daß die Verantwortung die Balkanstaaten treffen würde, wenn ein Krieg ausbreche.

Konstantinopel, 3. Oft. Tie Mobilmachungs­verfügung betrifft nur die erste, zweite und dritte Armce- inspcttion, letztere nur teilweise. In Syrien und Mesopo­tamien sind keine Mobilmack-ungen erfolgt. Im ganzen wurden 88 Divisionen mobilisiert. Die Mobilmachung voll­zieht sich rasch.

Der türkische Thronfolger

der zurzeit zur Kur in Edlach weilt, dürste die^Hcimreise über Bukarest nach Constanza und von dort zu Schiff nach Stambul bewerkstelligen. Zu seinem Schutze gegen bulga-. rische Torpedoboote würde dann eine Abteilung ber türki­schen Flotte ins .Schwarze Meer entsandt werden.

Tie Knegslnst der Albanesen.

DieNeue Freie Presse" meldet aus Konstantinopel) Auf die Kunde von der Mobilisierung Serbiens verlangten bie Albanesen in Kossoivo telegraphisch 50000 Gelvehre. Die Regierung erwäge, ob sie die Bitte unter gewissen Be­dingungen erfüllen könne.

K o n st a n t i n o p e l, 3. Okt. Seit gestern abend hörte der Eisenbahnverkehr mit Europa und Saloniki auf. Tie Züge verkehren nur bis Adrianvpel. Die Konverrtionad, und Expreßzüge kommen morgen zum letztenmal in Kon­stantinopel an. Der Verkehr mit Europa wird fernerhin ausschließlich über Constanza möglich sein.

Anhaltung von Kriegsmaterial in Ungarn.

Wien, 3. Ott. Aus der ungarischen Staats­bahn wurden 18 Waggons Kriegsmaterial an­gehalten. Die Direttion der Staatsbahn erklärt, wie dieNeue Freie Presse" aus Ofenpeft meldet, diese Maß-, nähme bannt, daß "Serbien und Bulgarien vom 1. Oktober an den Eil- und Frachtverkehr auf ihren Bahnen eingestellt Haden, weshalb nun auch das Kriegsmaterial nicht befördert werden könnte.

Keine Mobilisierung Rumäniens.

Bu kar est, 3. Ott. (Agenee Roumaine.) Die Mobi­lisierung der rumänischen Armee wurde nicht angeordnet.

Zwei griechische Dampfer beschosien?

Aus Konstantinopel wird gemeldet: Zwei griechi­sche Dampfer wurden int Bosporus von den tür­kisch en Forts beschossen. Der griechische Gesandte hat bei der Pforte protestiert und hat beim britischen Ge> sandten Beschwerde eingelegt.

Kundgebungen in Montenegro.

Ceti nie, 3. Ott. Gestern fanden große Kund­gebungen statt. Die Mvnge zog vor das Palais des Königs, wo sie dem König und dem Zlronprinzen zujubelte^ Der König ermaßntc in einer turzen Ansprache die Bevölke­rung zur Besonneicheit und satzte, die Mobilisierung bedeute noch keinen Krieg; aber in dieser ernsten Zeit müsse jeder Montenegriner seine Pflicht tun und bereit sein, dorthin zu gehen, wohin ihn die Behörden schickten.

ar. 254 Erstes Blatt 162. Jahrgang

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