Drittes Blatt
162. Zahrgang
Nr. 80
Gießener Anzeiger
titoetnt ftgfld) mit Ausnahme des Sonntag#.
General-Anzeiger für Vberheffen
Die „Gießener $emilienblätter" werden dem .Anzeiger^ viermal wöchenllich beigelegl, bat „Kretiblen für den Kreis Sichen" jroeimal wöchenllich. Die „Lanvwirllchastltchev Seit- tragen" erscheinen monatlich iroeunaL
Mittwoch, 3. April 1912
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'lchen UmversitätS - Buch» und SteinbrutfereL R. Lange. (Lieven.
Redaktion, Expeditton und Druckerei: Schul- ftraäe 7. Expedition und Verlag: e^6L Redaktion: 112. Tel.-Adru AnzelgerGieben.
Der Untergang der Expedition Brunhuber.
lieber das Ende der beiden Forscher Brunhuber und € rf) m i B, die im Januar 1909 in der Nähe des Salween, des größten Stromes der hinterindischen Halbinsel, den Tod fanden, sind bisher nur kurze und widersprechende Nachrichteir nach Teutsc^ land gelangt. Man konnte Näheres erst durch eine Strafcxpedr tion in Erfahrung bringen: sie wurde von der chinesischen Regierung unter Führung des Obersten Chiang gegen die Alörder ausgeschickt, die dem ganz unbekannten wilden Stamm der Lutzus angehörten. Chiang brannte einige Dörfer nieder, machte zahlreiche Gefangene und verfolgte die Fliehenden so lange, bis sie eine riesige Schlucht auf einer natürlichen Liancnbrücke überschritten und diese hinter sich abschnitten. In einem ihrer Toner wurde der gefangen gehaltene indische Koch der Expedition befreit, in einem anderen sand man einen großen Teil von Brunhubcrs Tagebüchern auf. Diese und die Berichte des Kochs werden in einem Buch veröffentlicht, das, mit vielen Illustrationen und einem Vorwort Sven Hedins versehen, unter dem Titel „An Hinterindiens Riesenströmen" demnächst im Verlag Tr. F. Leder- mann-Friedenau erscheinen wird. Wir sind in der Lage, schon heute daraus authentische Mitteilungen über den Untergang der Expedition wiederzugeben.
Tie Expedition bestand aus den beiden Deutschen, dem Koch, zwei chinesischen ^kulis und Trägern, die von Ort zu Ort gedungen wurden. Kurz vor dem Torfe Lomade weigerten sich die Tröger wieder einmal, weiterzugchen, mit der Angabe, daß ihnen die Bewohner der Gegend feindlich gesinnt seien. Brun- Huber gelang es, sie zu beruhigen, und man erreichte das Torf. Von den Bewohnern ließ sich niemand sehen. Alles erschien wie ausgestorben. Tie Reisenden beschlossen, unmittelbar am Fluß auf einer kleinen Sandbank zu lagern. Sie sandten den Koch hinauf ins Tors. Er sand die eingeborenen Träger,, die sich inzwischen entfernt hatten, mit den Torfbewohnern schmausend und trinkend. Tas kam ihm verdächtig vor, er meldete cs unten und fragte, ob er die Gewehre aus dem Gepäck nehmen solle. Brunhuber hielt dies Mißtrauen für unbegründet, weigerte sich, ein Genrehr zu nehmen und verbot auch dem Koch, sech -zu bewaffnen. Brunhuber machte dann Notizen und schrieb auch noch den ganzen Abend, während Schmitz die anderen Arbeiten erledigte. Am nächsten Morgen nach dem Frühstück stellten sich dann allmählich die Eingeborenen wieder ein. Brunhuber cmp- sing sie freundlich und bot ihnen kleine Geschenke an, wie Nadeln und Zwirn, Nägel, Brillen und kleine Spielsachen, die zu diesem Zwecke mitgenommen wurden und oft von großen: Nutzen gewesen waren. Tic Leute schienen auch damit zufrieden, brachten einige Eier, ein Huhn, Reis und Maiskuchen. Plötzlich verlangte einer der Eingeborenen den Inhalt einer Patronenkiste zu sehen, in denen er nach Aussage eines der Kulis Silber vermutete. Brunhuber .verweigerte dies.
Ob nun das die Veranlassung getoefeit oder die Leute schon mit der Absicht, einen Ueberfall auszuführen, gekommen waren, kurz und gut, bald darauf ergriff einer der Männer einen Speer und durchstach Schmitz, der etwas abseits stand und zusah, die Brust. Er fiel gleich tot um. Als Brunhuber dies sah, versuchte er sich zu ihm durchzuschlagen und wollte seinen Revolver, den er iu der Tasche hatte, herausziehen. Doch es war bereits zu spät. Ein anderer der Dorfbewohner erschlug ihn mit einem großen Messer durch einen Hieb über den Kops. Er konnte sich nicht weiter wehren. Tie beiden Leichen wurden dann in den Fluß geworfen. — Alle Sachen wurden nun von den Eingeborenen unter sich verteilt, die großen wollenen Schlafdecken in Stücke geschnitten und einzeln weggegeben. Tann zerstreuten sich die Eingeborenen, nicht ohne den an einen Baum gebundenen indischen Koch noch vorher als Zielscheibe ihrer Pfeile zu benutzen. — Durch vier große Wunden und den Blutverlust wurde er ohnmächtig und die Männer verschwanden, wahrscheinlich in der Annahme, daß er tot sei. Er wurde nachhdr von den Frauen, die durch sein schreien herbeigelockt waren, wieder losgemacht: sie behandelten seine Wunden mit Kräutersäften. Nach zwei Monaten wurde er zur Feldarbeit verwandt, und mußte den Frauen beim Gartenbestellen, tzolzspalten usw. helfen. — Er erzählte später, daß er gefragt wurde, ob er nicht eine von ihnen HÄraten wolle. Er habe ihnen aber gesagt, daß er Frauen und Kinder in Rangoon habe. Sie hätten gelacht, ihn aber damit zufrieden gelassen. Tie Frauen sähen dort gerade wie Affen aus. Sie trügen einen kurzen Schurz, eine Jacke und ganze Ketten von unechten Steinen um Kopf und Stirn, alle hätten ganz schwarze Zähne. Nach einiger Zeit sei der Häuptling ins Haus gefomnten unb habe ihn von den Leuten, wo er bisher gearbeitet habe, fortgebracht. Tann habe er sehr schwere Arbeit tun müssen. Bald daraus wurde er befreit.
Auf Grund der Angaben des Kochs und des Obersten Chiang hat der englische Konsul zu Tengueh eine Skizze des von Europäern noch nie besuchten Landes und seiner Bewohner entworfen. Tas Land ist angefüllt mit dichtem tropischen Dschungel, die Wege sind schlecht, von zähen Lianen überwachsen, und Moskitos und andere Insekten sind zahlreich und bösartig. Tie dort wohnenden wilden Stämme ziehen Mais, Reis und Bohnen in den Bergen, Tabak in den warmen Flußtälern. Mohn, Opium und auch Tee sind ihnen unbefannt, dagegen kennen sie Knoblauch, Pfeffer und mehrere Gemüsearten, auch ziehen sie Obstbäume um ihre Hütten. An Haustteren finden sich Ferkel, Ziegen, Schafe, Hunde und Rindvieh. Tie Frauen verrichten die Feldarbeit, kochen und verarbeiten eine Art groben Hanf, aus dessen Fasern sie lange Röcke für die Männer weben. Tiefe find bartlos und bis auf einen kurzen Schopf am Hinter köpf meist kurz geschoren. Tie Frauen tragen ein enges Mieder mit langen Aermeln, dazu einen kurzen Rock. Ihren Schmuck bilden silberne Ohrringe mit Anhängseln und ein Leinenturban, an der Vorderseite mit Silber- ober Muschelschmuck geziert: Bambusringe tragen sie um die Beine. Tie Männer streifen durch die Dschungeln, um den wehrlosen Reisenden auszuplündern oder bei den Chinesen einzubrechen, die an den Grenzen dieses ungastlichen Landes wohnen. Ihre Waffen find Armbrüste mit vergifteten Pfeilen, Schwerter und Speere. Ferner tragen sie rindslederne Schilde und Helme aus Wildshaut, an denen die Pfeile abgleiten. Es sind große, kräftig gebaute Burschen, deren gemeines und rohes Gesicht durchaus dem schlechten Ruf entspricht, in dem sie stehen. Zur Nacht sitzen sie ums Feuer, beschmieren ihre Gesichter mit Fett und Asche, trinken schweigend ihren Reisschnaps und sinnen auf Raub und Mord. O. K.
Vie Methyialkoholvergiftungen vor Gericht.
sh. Berlin, 2. April.
Nach Eröffnung der heutigen Sitzung stellt zunächst der Staatsanwalt Gutjahr den Antrag, zur Widerlegung des gestern von dem Sachverständigen Sandmann abgegebenen Gutachtens, woirach die Giftigkeit des Methylalkohols in den Kreisen der Jndusttie vordem Vorkommen der Fälle in dem Berliner Asyl für Obdachlose noch nicht bekannt war, den Antrag, den Medizinalrat Foerster (Charlottenburg) zu laden, der schon vor längerer Zeit in Zeitschriften Artikel über die Giftigkeit des Methylalkohols ver- öftentlicht habe.
. Daraus gelangen luieber verschiedene Einzelfälle zur Er- orterung.
Sodann entspinnt sich eine erregte Szene zwischen dem 93er- teibiger Dr. Werthauer und dem «Vorsitzenden, Landgerichlsdirekwr Brieskorn. Der Verteidiger stellt an den Sachverständigen Dr. Stürmer verschiedene Fragen über die Wirkungen per schiedener Grste auf den menschlichen Körper. Der Vorsitzende läßt verschiedene Fragen nicht zu. Bert. Dr. 3aff6 teilt dann mit, daß sein Mandant Meyen bereit ist, Methylalkohol von Schar- inach im Gerichtssaal zu sich zu nehmen und zwar eine beliebige Menge. Der Gerichtshof behält sich zunächst Beschlußfassung vor.
Hierauf gelangen wieder mehrere Einzelfälle zur Besprechung.
Nach der Mittagspause kommt es zu einem erregten Zwischenfall. Ter Verteidiger des Angeklagten Scharmach, die Rechtsanwälte Werthauer und Alsberg sind nicht im Saale anwesend, nur die Rechtsanwälte Dr. Jass« und Puppe. R.-A. Tr. 3affe, der Verteidiger des Angeklagten Meyen, stellt eine Frage 'm Interesse des Angeklagten Schannach. Staatsanwalt: Wie kommen Sie dazu, hier den Angeklagten Scharmach zu Der treten. R.-A. Fasse: Wir vertreten uns gegenseitig. Bors.: Davon ist uns bisher nichts bekannt, wir woll n aber die Sache nicht weiter erörtern. R.-A. 3affä: Es wäre vielleicht besser gewesen, wenn dann eingegriffen worben wäre, als Justizrat Jvers etivas hämische Zwischenbemerkungen gegen uns machte. Der Vorsitzende springt erregt 'auf und der Gerichtshof zieht sich zurück. Nach längerer Beratung verkündet der Vorsitzende: Rechtsanwalt Jaffe wird wegen Ungebühr in der Sitzung zu einer Ordnungsstrafe von 100 Mark verurteilt. Rechtsanwalt Dr. Jaffe: Tarf .ich. um die Gründe bitten? Vors.: Die Gründe siird die, daß Sie sich durch Ihre Aeußerung einer Ungebühr schuldig machten. Veri.: Ich habe einen Antrag zu stellen. Vors.: Die Sache ist 'erledigt. Verteidiger: Dann bitte ich um Ausfertigung des Gerichtsbeschlusses und eine Pause, da ich mich mit meinen Mitverleidigem besprechen muß. ?iad)i>em unsere Fragen fortwährend von Staatsanwalt und Gerichtshof bemängelt werben unb ich zu einer Ordnungsstrafe verurteilt worben bin, ohne daß erklärt wird, worin die Ungebühr liegt, müssen wir b. raten, ob wir nicht alle die Verteidigung meberlegen sollen. • Ich bitte daher um die Pause. Verteidiger Rechtsanwalt Puppe schließt sich diesem Anträge an. Der Vorsitzende lehnt die Pause ab. Ter Verteidiger bittet um eilten Gerichtsbeschluß. Ter Gerichtshof lehnt die Pause ab. Der Staatsanwalt beantragt, den Justizrat Jvers darüber zu vernehmen, daß er einmal gesagt habe: Wenn behauptet wird, daß ein Mensch, wenn er für 20 Pfg. von dem Zeug (Methylalkohol) trinkt, dann stirbt, so ist es für mich klar, baß berjenige erst recht stirbt, der für 4 Mk. trinkt. Verteidiger Rechtsanwalt Puppe widerspricht der Vernehmung und bittet, falls Justizrat Jvers vernommen werden soll, um Vertagung des Prozesses. (Rechtsanwalt Jaffe verläßt den Saal.) Der Angeklagte Meyen erklärt, daß er sich in seiner Verteidigung beschränkt fühle und bittet um Vertagung des Prozesses, zuin mindesten solange, bis er sich einen neuen Verteidiger beschafft bube. Der Angeklagte Scharmach äußert die selbe Bitte. Der Gerichtshof beschließt nach kurzer Beratung, die Anträge auf Vertragung abzulehnen.
Von den Verteidigern verbleibt nur noch Justizrat Jvers, Vertreter des Angekiagten Zasttow, im Saale. Außerdem ist der Vertreter des Nebenklägers Lehmann, Rechtsanwalt Bahn an- wefenb.
Es wird sodann die Zeugenvernehmung fortgesetzt. Der Bruder des Angeklagten Scharmach, Franz Scharmach, sagt aus, daß er im November v. Js. seinen Bruder in Berlin besucht und hierbei einen mit Methylalkohol zubereiteten Schnaps getrunken habe. Er habe am gleichen Tage sehr viel Bier getrunken und'allerdings am nächsten Tage einen Brummschädel verspürt, aber sonst habe er keine Folgen bemerkt.
Die Verteidiger Dr. Werthauer, Dr. Jaffe, Dr. Alsberg und Dr. Puppe treten wieder in den Saal. Dadurch entsteht eine kleine Störung: der Vorsitzende setzt die Verhandlung solange aus, bis die Herren sich gesetzt haben.
Sachverständiger Wolff sagt noch aus, daß der Artikel des Dr. Foerster in dem Organ der Spiritusinteressenten enthalten sei, der von der Giftigkeit des Methylalkohols handelt. Gleich nach Beendigung der Vernehmung dieses Sachverständigen erklärt der Vorsitzende die Verhandlung für geschlossen. Bert. Dr. Jaffe bittet noch eine Erklärung abgeben zu dürfen. Der Vorsitzende erklärt aber, daß er die Verhandlung soeben geschlossen habe.
Die Weiterverhandlung findet morgen früh 9 Uhr statt.
3n den ttnftallhöhlen von Naica.
Tie großen mexikanischen Blei- und Silberminen von Santa Eulalia, die der Menschheit bereits für Viele Milliarden Metall geliefert haben, wurden schon vor der Entdeckung Amerikas von den Gingeborenen betrieben, aber dieser gewaltigen Erzablagerung ist vor wenigen Jahren durch die Entdeckung einer neuen Mine ein gefährlicher Rivale erstanden. Erst im Jahre 1904 konnten die neuen Minen von Naica in Betrieb genommen werben unb sie haben im Laufe von sieben Jahren bereits für mehr als 21 Millionen Mineralien geliefert. Toch vor kurzem würbe in diesem weitausgedehnten Bergwerk ein merkwürdiges Naturwunder entdeckt, das in solcher Ausdehnung wohl einzig auf der Welt dastebt. 200 Meter tief unter der Erdoberfläche fand man drei Grotten und Höhlen, die von den mineralischen Ablagerungen sreigeblieben waren. Und diese Grotten sind über unb über erfüllt von mächtigen Stalaktiten und Stäben kristallisierten Kalkes. Tie Grotten liegen unmittelbar nebeneinander, und sind durch Oeffnungen verbunden, die gerade noch einem Menschen das Eindringen ermöglichen. Diese drei Wunderhöhlen sind durchschnittlich je 15 Meter lang und 6 Meter breit unb die Minenverwaltung hat sofort Vorsorge getroffen, diese seltsame Schatzkammer der Natur vor Zerstörung zu sichern.
Durch eine schmale Oessnung kriecht man von dem Stollen der Silberminen in die erste dieser Grotten. Tie Oxydierung des mineralischen Sckwefels, die durch doppelte Reaktion diese merfit’ürbige Anhäufung prächtiger Kalkkristalle geschaffen hat, bringt auch eine ungewöhnlich hohe Temperatur hervor. Ter Anblick ist einzigartig. Man schreitet zwischen mannshohen kerzengraden Kristallen einher wie durch ein Maisfeld. Tie Stalaktiten haben durchschnittlich eine Höhe von 1,30 Meter bei einer Breite von 20—30 Zentimeter Durchmesser, aber die Natur hat in diesen Kristallstäben unzählige geometrische Figuren geschaffen. Bald glaubt man, daß sich von allen Seiten blitzende riesengroße Tolche einem entgegenzücken, dann verwandelt sich das Bild in einen ganzen Wald von farblosen Prismen, deren obere Schicht mit einer kristallweißen Ablagerung bedeckt ist: inmitten der Hitze scheint es, als ob Schneeablagerungen diese Stäbe krönten. Eine Anzahl der Kristalle, darunter auch die größten, haben eine leichte schwarze Färbung, sei es nun am oberen Ende, ober sei es, daß sich durch das farblose im Widerschein des Lichtes blitzende Werk der Natur ein seiner schwarzer Streifen zieht. Tie Kristalle wachsen aus einer harten Steinkruste hervor unb die Folge davon ist, daß sich bei der geringsten Berührung dieser Gebilde ein heller, klarer und weithintönender Schall entwickelt. Wenn man im Vorbeigehen die Stalaktiten streift, ertönt eine seltsame Musik. Und trenn man gar, wie. Kinder das wohl gern bei einem Gartengitter tun, mit einem Stocke an den Stäben entlangfäbrt, kann man sich ins Märchenland versetzt fühlen und lauscht erstaunt den Hellen, schivingenden Klängen eines wunderbaren Glockenspiels. Man hat schon mehrfach auf der Welt derartige Grotten mit Kristallbildungen aus Kalk gefunden; die „Nature" berichtet
von einer Grotte in Griechenland und eine andere liegt in Steiermark. Mer in einer solchen großen Ausdehnung wie in beit Kristallgrotten in Naica ist bisher diese wunderbare Naturcrschcv- nung nie beobachtet worden.
Vermischtes.
kf. W o man a u f dem Meridian entlang gellen kann. Dem Neuling zur See, der an Bord einet Schisses zum erstenmal den Atguator überfdrreilet, zeigen wohlwollende Seeleute meistens im Fernrohr die „Linie", den Aeguator Etwas Aehnliches, einen Längengrad, unb zwar den O-Meridian von Greenwich, kann man bei Greenwich selbst sehen. Hier handelt es sich aber nicht um einen Scherz, sondern der Meridian ist tatsächlich vorhanden unb man kann auf ihm entlang gehen. Auf dem Fußwege, der um die Sternwarte herum führt, findet sich nämlich an einer Stelle ein Stein in den Boden eingelassen, in den die Meridianlinie cingcgrabeit ist.
* Der Hering in Japan. Die Heringssischerei in Japan erzielt jährlich durchschnittlich vier Millionen Tonnen. Dreiviertel davon werden bei Hokkaita, der Rest in der Nähe der Insel Sachalin gefangen. Nur der kleinste Teil des Fanges wird als Nahrungsmittel verwendet; vier Fünftel dienen als ausgezeichnetes — Dungmittel zur Bestellung der Reisfelder. Das Düngen mit Heringen ist feit Jahrtausenden in Japan gebräuchlich.
* Seufzer. Komiker (einer Schmiere, als er erkrankt ist): „G'rad' heute muß ich krank sein, wo ein gebratenes Huhn im Stücke vorkommt!"
viichertisch.
— D i e kombinierte Zimtsäurebehandlung als Heilmittel bei Tuberkiilose der Lungen und des Kehlkopfes. Mit 2 Abbildungen auf zwei Tafeln. Von Sani» tälsrat Dr. M. A. Fritfche, Berlin. Kommissionsverlag von Mitscher u. Röstell, Berlin, Wilhelmstr. 49. Der Verfasser gibt uns interessante Aufschlüsse über den gegenwärtigen Stand der Tuberkulose; er berichtet über erstaunliche mit der Zimtsäure bei Tuberkulose erzielte Heilerfolge unb beweist gleichzeitig bic Naturwidrigkeit der Tuberkulinbehandlung an der Hand pathologisch- anatomischer Forsckwng. Das Merkchen wird allen Interessenten, sowie denen, die in den Kampf wider den „Erbfeind der Menschheit" tätig mit eingreifen wollen, aufs Angelegentlichste empfohlen.
— Einführung in bie Psy cholo gie. Von Professor Dr. A. Dyroff. 2. Auslage. Verlag von Quelle u. Meyer in Leipzig. Der Verfasser hat es verstanden, gemeinverständlich und anziehend zu schreiben unter fast völliger Vermeidung des gelehrten Apparates und der gelehrten Terminologie. Gleich das erste Kapitel über Begriff und Methode der Psychologie läßt die Begabung des Verfassers erkennen, auf engem Raum die wichtigsten Fragen anschaulich zu behandeln, wie er denn mit wenigen Strichen die Bedeutung des viel angefochtenen psychologischen Experiments geschickt zu sichern unternommen hat. Daran schließen sich in sechs weiteren Kapiteln die Ausführungen über das Seelenleben im allgemeinen, das ©Innenleben (Empfindungslebcn) der Seele, das Vorstellungsleben der Seele (einschließlich Phantasie, Träume, Gedächtnis), Denken und Sprechen, Gefühle unb Triebleben, Wille und Aufmerksamkeit.
— Zur Förderung der deutschen Werke hrs- interessen. Mit einer schönen Sondernummer Aachen beschließt bic illustrierte Zeitschrift „Dentsclücmd" firn Verlagv der Düsseldorfer Verlags-Anslatt A.-G., Tüsseldorf) ihren ^weilen Lahr- gang. Tie redattronellen Beiträge und der künstlerisch Bilbschmuck zählen zum Besten, was bas Bundesorgan der beut)eben Verkehrs- Vereine bisher an beutschen Stäbtebilbern veröffentlicht hat. Es ist ein Prachtbonb im besten Sinne des Wortes. Von hohem Werte dürsten vergleick)cn Stäbtebilder in solch ernstem, künstlerischem Rahmen für unsere Schulen, Bibliotheken unb Lesezimmer sein, wo sie der Heranwachsenden Jugend vor Augen führen sollen, welch kostbare Schätze und Sehenswürdigkeiten die deutschen Städte bergen.
Kranken
-Kinder, mehl
kost.
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Die Kinder gedeihen vorzüglich dabei u. leiden nicht an
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Die Direktion;
Müller. Dietz.


