bie Kolonien ein Seuchen gescs haben müssen, sonst kommen Mir nicht weiter. Aus dem französischen (Gebiet i'inu in letzter Zeit Stämme in das unserige gezogen, mit denen sehr schwer etwas onzufangen ist. Sie sitzen ir.t dichtesten Busch, bringen Schlaf krankheit und Pocken zu uns herüber. Solange wir nicht mit Belgien und Frankreich zu entsprechenden Abkommen gelangen, so hab einer stets erneuten Einschleppung vorgebeugt wird, bleibeit unsere eigenen Bemühungen Sisyphusarbeit. Auf jeben_ Fall muß man allen Berichten, die unsere Aussichten als verhältnis- mätzig günstig hinstellen. die größten Zweifel entgegensetzen.
Aus Stadt und Land.
Gießen, 6. Januar 1912.
Aus der Sitzung der Stadtverordneten.
Eine nichtöffentliche Sitzung der Stadtvcr- ordneten fand gestern nachmittag statt. Oberbürgermeister Mecum widmete dem verstorbenen Beigevrb- netcn Dr. Schäfer einen warm empfundenen Nachruf, zu dessen Ehrung erhoben sich die Versammelten von ihren Plätzen.
Hierauf beglückwünschte der Oberbürgermeister bie Stadtverordneten Wallenfels und Jugyardt aus Anlaß ihrer 2 5jährigen ununterbrochenen Tätigkeit als Mitglieder der Versammlung und überreichte den Jübilaren Namens der Stadt silberne Jardinieren, die mit prächtigen Arrangements blühender Blumen gefüllt waren.
Tie Stadtverordneten sttmmten der Vergebung der Lieferung eines Dampfkessels, der Dampf- und Dynamomaschinen, der Schaltanlagen sowie der Herstellung der Ortsnetze zur Erweiterung des städtischen Elektrizitätswerks in eine üeberlaudzentrale zu, für die sich jetzt 44 Orte aus dem Kreise Gießen als Abnehmer von Strom angemcldet haben (es fehlen nur noch Bersrod und Hattenrod von den zum Anschluß vorgesehenen oberhessischen Gemeinden). Tas städtische Elektrizitätswerk, das vor 11 Jahren mit einer Kraft von 450 PS den Betrieb eröffnete, verfügt jetzt über eine solche von 2000 PS und zwar für Gleichstrom, wozu noch die Erweiterung mit 1800 PS für Drehstrom kommen wird, welche int Spätherbst d. I. für die bis dahin angeschlossenen Landgemeinden in Wirksamkeit tritt.
Für die vom Staat neu zu erbauenden Haut- und Ohr en-Klinik en, für die er 400 000 Mk. bereit gestellt hat, itnb deren Erbauung in dem Zeitabschnitt 1912/13 geplant ist, bewilligte die Versammlung einen städtischen Zuschuß von 100 000 Mk.
Auf Grund der neuen Versicherungs-Gesetze wurde die Einrichtung eines städtischen Versicherungs- Amt rs beschlossen, an das sich die Vororte Heuchelheim, Wieseck und Klein-Linden, bei Tragung eines gewissen Anteiles der entstehenden Kosten, anschließen können.
Zur Herrichtuna des wüsten Platzes an der Senckenbergstraße bereinigte die Stadtverordnetenversammlung einen namhaften Zuschuß.
Die von der Stadloeroroneten-Versammlung Anfang April v. I. beschlossene Satzung über die Zuschläge der Stadt Gießen zur Reichs-Wertzuwachssteuer ist nunmehr von der Aufsichtsbehörde mit Rückwirkung vom 6. April 1911 genehmigt worden.
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** Tageskalender für Freitag, 5. Januar. Stadt- theater: „3) öfter St laufe* •*. Anfang 8 Uhr.
£)eff. Wählerversammlung, veranUaltet von dem Wahlausschuß für Tr. Werne n Abends 81/, Uhr im Kolosseum.
* Titelverleihung. Der Grofeherzog hat dem Oberlehrer an der Realschule und deni Progymnasium zu Bingen Mackus Simon den Charakter als Professor erteilt.
•* Erledigte Lehrerstellen. Die mit einem evang Lehrer zu besetzende Lehrerslelle an dec Gemeindeschule zu Ober-Finkenbach. Dem Grafen zu Erbach-Fürstenau steht das Präsentationsrecht zu. Die mit einem kath. Lehrei zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Hetschbach. Die mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Weiten-Gesäfe.
* Post-Personalnachrichten. Verliehen wurde vom König von Preußen der Rang der Räte 4. Klasse: dem Postdirektor Becker in Friedberg und dem Telegraphendirektor Keller in Mainz; der Charakter als Rechnungsrat: den Ober-Postsekretären Brinkmann in Mainz und Pabst in Darmstadt, sowie dem Postmeister Wiegand in Heppenheim; ferner wurde verliehen der Charakter als Postsekretär vcn Ober-Postassistenten Baum in Worms; Bormann, Mai, Rady, Schäfer, Scheel, Wiegand und Za- stww in Mainz; iDahmcr, Heckmann und Stammer in Giefeen; Dvllega, FttU Grenz, Reinhard, Sack, Schlubdibir, Seipel, Traub, Wenzel und Zacheis; in Darmstadt; Mann unb Weller in Alzey; Zimmermann in Nidda; den Poskverwaltern Breitwieser in Laubenheim, Nadel in Viernheim, Mahr in Pfeddersheim; Mei- singer in Neustadt, Muller in Reinheim, Ringemvald in Bischofsheim und Wolf in Gvoß-Steinheim; der Charakter als Telc- araphcnsekretär den Ober-Telegraphenassistentcn Jahn in Bingen, Ävindörfer tunb Obl in Darmstadt, Heinrich Atüller in Mainz, Schnellbacher in Worms und Sude in Friedberg: der Titel Ober-Postassistent den Postafsistenten Kaiser in Darmstadt und Rönick in Lauterbach; der Titel Ober-Telegraphenassistent dem Telegraphenassistent Bigalke in Mainz. Versetzt wurden Post- sekretär Brenner von Nidda nach Heppenheim; die Postasfi- ftenten Adolph von Lauterbach nach Offenbach; Arnholb von Cberstadt, Großmann von Beerfelden, L. Harth von Nierstein, Nicolai von Mainz, Schneider von MsselSheim, Stoll von Ost- Hosen, Vissel von Sprendlingen (Rheinhessen), G. Wagner II. von Horchheim uni> Weiche! von Höchst nach Leipzig; Bönsel von Langenberg (Rheinland) nach Lauterbach; Grunenberg von Niederolm nach Aldekerk, Jung von Bad-Nauheim nach Frechen bei Köln, Koch von Büdingen nadj Tuisburg-Beek, Menz von Groß-Steinheim nach Rheinberg, Mörmann von Hungen, Raab von Altenstadt, Rödelspergger von MsselSheim, W. Sensfelder von Gießen uni> Stein von Fttedberg nach Köln; Schmrdt von Heppenheim nach Nidda; Wtblishawer von Worms nach NeiSholz bei Tüpeldorf und Wiedemann von Tarm- jiadt nach Meißen; die Tetegrapycnassistenten A. Diehl von Worms nach Tursburg Ateiderrch, Hefe von Worms nach Mühlheim (Ruhr; und Rockert von Mainz nach Düsseldorf. Angestellt: Telegraphenassistent Ehmig in Mainz. Seit anben: die Postsclretärprüsung! Odcr-Postassistent Bopf in Darmstadt und Postassistent Beck in Ossendach; die Postas.iaenren- prüsung: die PostgehlZen Bangert in Lollar, Deudert in Rcin- beim, EpPekLheimer in Nieder-Wöllstadt,, Fritzsching in "Nainz, Gutjahr in Heldenbergeir, freu fei ein in Schotten und Kirchner in Auerbach. Angenommen: Bizewachlmeister Kirschenstein zum Telegraphenanwärter in Offenbach. Gestor - b en: Telegraphensekretär a. D. Pabst in .Gießen und Ober» Telcgraphenassistent Lepper in Mainz.
D a e Gieße uep Stadtbild wird voraussichtlich in allernächstet Zeit dadurch eine Verschönenlng erfahren, daß dec dein Staat gehörende, zwischen der alten Kaserne und dem neuen Schlöstcheu einerseits sowie der Senckenberg- st raste andererseits liegende, zurzeit nod) ungepflegte Platz t aulid) unb architektonisch angelegt werden soll. Wie man uns mitteilt, ist es den Bemühungen des Provinzial- Direktors zu danken, daß ein Arrangement zwischen der
Stadt und dem Staat über den Platz zustande gekommen ist und daß die für die Ausführungsarbeiten erforderlichen Geldmittel, allerdings, noch nicht ganz, aber doch zum weitaus größten Teil, beschafst sind. Nach den im Finanzministerium ausgearbeiteten Plänen wird der Platz mit einer teinemeii Balustradenmauer, die von der Ecke des neuen Schlößchens nach derjenigen des alten Rentamtes zieht, architektonisch abgeschlossen werden. Zwei schmiedeeiserne Tore mit dahinteriiegenden beließen Wegen werden die notwendigen Zugänge zu den beiden Gebäuden — im neuen Schlößchen ist bekanntermaßen das Museum für Völkerkunde untergebracht — vermitteln. Tas vor berJOtauer nach der Straße zu liegende Terrain wird an bie Stadt überlassen, )ie dadurch Platz für ein sehr breites Trottoir gewinnt, ras mit zwei Reihen Lindenbäumen bepflanzt werden soll. Tas hinter der Balusttadenmaner liegende, nicht durch die leiden Eingangswege zu den Gebäuden beanspruchte Terrain oll Rasenplatz werden, der auf seinen drei Seiten mit einer geschlossenen, etwa 80 cm hohen Hecke eingefriebigt wird, in der gegenüber den Eingangstoren der den Platz flankierenden Gebäude je 2 größere schöne Lindenbäume zu stehen kommen sollen. Ter noch verbleibende und längs der Kaserne herzieheirde Teil des Platzes wird vertieft, wodurch erreicht wird, daß der eben noch im Boden steckende Hausteinsockel und die gleichfalls zum größten Teil noch in der Erde steckenden schönen Hauptportale der Kaserne freigelegt werden. Die Herstellung des Platzes, so wie geplant, und die damit erfolgende Bereicherung unserer Vaterstadt um ein weiteres, die Augen des Beschauers erfreuendes Bild ist dem Entgegenkommen unserer Stadtverwaltung und einer größeren Anzahlung" erer Mitbürger zu verdanken, die in verständnisvollster und liberalster Weise die Bemühungen des Provinzialdirektors unterstützt und zur Ausführung des Projettes zum Teil Gelder bewilligt, zum Teil freiwillig gespendet haben. Insbesondere durch den von der Stadtverordnetenversammlung in ihrer gestrigen Sitzung gefaßten Beschluß, einen Beitrag von 3000 Mark zu leisten, ist die für die Verwirklichung des Projektes erforderliche und voranschlagögemäß festgestellte Summe beinahe bei lammen. Es sollen nur noch 1000 Mark fehlen, die man im Interesse der Sache durch weitere freiwillige Beiträge aufzubringen hofft. Die Bilder, die den Platz nach seiner Herstellung bar ft eilen, find uns auf kurze Zeit üb er taffen worden und werden heute und morgen in dem Schaukasten unserer Geschäftsstelle in der Schulstraße aushängen. Wir zweifeln nicht, daß jeder, der sich für die Verschönerung der Stadt interessiert, Genugtuung über das empfinden wird, was Gemeinsinn auch hier wiederum im Interesse unserer Vaterstadt schasst.
** Unsere Stadtverordneten-Jubilare. Mit den Herren Wallenfels und Jughardt, die nunmehr 25 Jahre der Stadtverordneten-Versammlung angehören, steigt die Zahl der Stadtverordneten, die jetzt 25 Jahre als solche tätig sind, auf vier, da bie Stadtvv. Dr. Gutfleisch und Petri schon früher ihr Jubiläum feiern konnten. Herr H. E. Jughardt ist außerdem 16 Jahre Mitglied des Aufsichtsrats der Gewerbebank und 14 Jahre Ortsgerichtsmann. <
** Konzertverein. Durch plötzliche Erkrankung des Herrn N a t t e r e r vom Rebnerauartett macht sich eine Umstellung der Programme für die beiden nächsten Kammermusik- abenbe nötig. Am Sonntag, 8. Jan., kommen infolgedessen Trios von Haydn und Schubert, sowie eine Cellosonate von Richard Straus; zur Aufführung, während die für dieses Abend vorgesehenen beiden Quintette von Ess ar Fran ck und S g a m- b a t i dem nächsten Kammermusikabenü am 28. April Vorbehalten bleiben. Das Rebnerauartett trifft die Erkrankung des Herrn Natterer um so empfindlicher, als damit eine große Tournee durch Spanien in Frage gestellt wird, die am nächsten Montag an- getreten werden sollte. — Ten gesanglichen Teil wird Hofovern- fänger Otto Semper aus Darmstadt übernehmen, eeine ganz hervorragenden Leistungen in der letzten hiesigen Operw- aussührung dürften noch allen Hörern in Erinnerung fein und das Verlangen erwecken, den trefflichen Künstler auch im Konzert- faale zu hören. Herr Semper ist lyrischer Battton an der Hofoper in Darmstadt. Tank seines vortrefflichen Stimmaterials, seines durchgeistigten Vortrags und darstellerischen Talentes i)t er eines der am meisten beschästigten Mitglieder dieser Bühne. Auch als Lieder- und Oratorien)änger hat er mannigfache Gelegenheit gehabt, sich hervorzutun. Mit der schwierigen Baßpartie in Händels Messias erzielte er kürzlich in Mülheim einen glänzenden Erfolg. Die Kritik rühmt seinen llarrgvollen, umfang= reichen Baß, die vortreffliche Schulung jeiner stimme und feine bemerkenswerte Gestaltungskraft. — Es fei noch bemerkt, daß das Konzert im K l u b )' a a l c stattsindet und pünktlich 5h 4 Uhr beginnt. Zur Bequemlichkeit der Besucher ist der Eingang von der Weidengasse aus geöffnet und sowohl int Gartensaal als auch auf der Galerie Garderobe eingerichtet.
** Stabttheater. D.r ein S o r m a g a ft s v i e l ein theatralisches Ereignis für hier bedeutet, so sei schon heute darauf hingewiesen, daß Fran Sorma am Freitag, 2. Februar, in „M d n n a Bann a" auftreten wird.
** Wandervogel. Trotz des anscheinend ungültigen Wetters unternahm bie hiesige Ortsgruppe des Wandervogels D. B. während der Weihnachtsserien eine Schneefchuhfahrt in die Rhön. Tie Beteiligung war verl/iltnismäßig gut. Auf dem Kreuzberg, wo das Standquartier war, lagen 40 bis 50 Zentimeter Schnee. Ein reges Leben entwickelte sich auf den Hängen des Berges. Unter sachkundiger Leitung sanden Schnce- schuhsahrten in die Umgegend statt. . Den Neulingen wurden die Anfangsgründe des Schneeschuylaufes beigebracht, während die Fortgeschrittenen Stemmbogen und Schwünge versuchten. Am vierten Tage hatte aber bie Freude leider ein Ende, da cs stark taute.
** Brand. Im Dach stock bed Hauses Neustadt Nr. 5 9 brach gestern nachmittag in der Wohnung eines Arbeiters Feuer aus. Drei Räume der Wohnung wurden zerstört uno der Tackstuhl beschädigt. Die Feuerwehr war sofort zur Stelle und verhütete ein weiteres Umsichgreifen des Feuers. Ter Brand soll von den ,Kindern, die sich allein in der Wohnung befanden, verursacht worden sein.
Landkreis Gießen.
a. Hungen, 4. Jan. Wir stehen mitten in der Winterszeit, aber ,eS grünt unb blüht* draußen. Gestern, also Anfang Januar, sind die Pfecchläger im Felde auf dem Rathause wieder verpachtet worden, heute sah ich auf meinem Gartcnfelbe nach unb habe wieder Blumenkohl eingeheimst, ein Teil, der noch steht, wächst weiter und verspricht in 14 Tagen bis 3 Wochen delikates Gemüse vom Felde. Rosenkohl treibt üppige Rosen, Salat unb Schmalzkraut wächst, hie unb da wiegen blühende Blumen ihr Köpfchen im Winde.
Kreis Büdingen.
§ Bkerchenbach, 4. Jan. Um die hier zur cndgiltigen Besetzung ausgeschriebene Lehrer st eile hatten sich zehn Bewerber gemeldet, ein Beweis, wie sehr gesucht die Stellen an Orten sind, von denen eine höhere Lehranstalt leicht zu crrcichcii ist. Aon der Regierung würbe die Stelle dem ältesten der Bewerber übertragen, trotzdem dec Gcmeinde- oorflanb sich gegen diesen ausgesprochen halte.
Starkenburg und Rheinhessen.
R.D. Tarrn stabt, ' Jan. In Sitzung der
Stadtticrorbnctcn leg.e Obcttürgecmcir.Dr. Glä ') iNA einen Bericht über den Stand ter Gemeinde angele g e n * heilen am Schluß des Jabres 1911 vor. Ti: orlsanweiendc Bevölkerung ist danach seit bet Volkszählung vom 1. a.:;emder 1310 um über 200 Seelen zurückgrzangen. Während ,ic damals auf 87 089 ieftgeftellt wurde, betrug fic am Schlüsse des abgeliu cncn Jahres nur 86 860 Personen. Tie Veremtackung des näbtumen Verwaltungsapparaies ist fortgesetzt irarbeit, nomenbirh wurde die Vereinigung der Gaswerkskaüe und der tstrarenbabnfaiic mit der Stadtkasse diirchgefübtk, io daß jetzt f ä m 11 i d:: it d b t i - schen Nebenkassen mit Ausnahme bet Pianohauskane mtc der Stadttasse vereinigt sind. Di: Beteiligung der Stabt an der Kunstausstellung 1911 hat einen Ucbersckuß von etwa 1000 Mk. gebracht, dazu eine trefentlidi stärkere Frequenz d r elektrischen Straßenbahnen. Tie M ißnabmen gegen die allgemeine Teu-rung, billiger Starts ff cl* und Kohlenvezug, Iteberlaifunq von Seefischen zum Selbstkostenpreis ufw., haben nur 3000—4000 Mark 5tofreit verursacht, während dafür ein Betrag von 30 (M)0 Matt geschätzt wurde: zwöls von der Stahr eingerichtete Fischtochkurse wurden non 295 Frauen und Mädchen besucht. Zur Ai beitstt>sensüri orgc wird berichtet, daß mit der Ausführung von N o r st a n d s i r b c i - ten am 6. November v. I. mit 70 Mann begonnen wurde unb rund 14 000 Arbeitsichichten geleistet werden konnten. Es rourcen drei neue Schulbauten fertiggcftd.lt. Die Volksschulen (Mütel- und Stadtschulen) wurden im rorigen Jahr: von 9349 Kindern besucht, die 271 Lehrkräfte unterrichteten, bie obligatorische Fortbilbungssämle für bie männliche Jugend von 934 ■ecfmlern, die Hauswirt,chaftliche Fortbildungsschule von 254 Schülerinnen. Tie Schul la ft en der Stabt betrugen im Rechnungsjahr 1910 1 241 123 Mark, d. i. 17Vs Prozent ber Gesamtausgaben von 7 009 317 Mark. Die Einnahmen aus ben elektrischen Straßenbahnen stieg von 349 000 aut 423 000 Mark, dagegen sind bic Schlachtungen im ftäbt. Schlachthos gegen 1910 um 1040 Stück iuriidgeoangen. Zum Schluß des Tendytä wird festgestellt, daß die allgemeine Finanzlage ber Sradt nicht ungünstig fei unb bic günstigen Ergebnisse in o:r Armenpflege trotz der u^>tnicrud)en Verteuerung der Lebensmittel, ber Spürsinn der Bevölkerung, die lebhaftere Bautätigkttt unb die allgemeine wirtschaftliche Lage der Stadt eine Besserung erwarten lassen.
w. Mainz, 4. Jan. Ter Termin für bie Urteilsrevision in der Klagefache der Polizttassistentin Scyapiro und des Beigeordneten Berndt gegen den Verleger des „Neuesten Anieigcr'^ in Mainz, Heinttch Hirsch, ist auf den 20. Januar vor Dein 1. Strafsenat des N e i cy s g c r i ch t s in Leipzig festgesetzt.,
w. Bingen, 4. Jan. Dem Schleppdampfer K n i p s ch e r , der mit vier großen Schleppkähnen talwärts fuhr, rissen beim Binger Loch die Schlepptaue, sämtliche Anhängeschiffe wurden aus die Klippen geschleudert. 2er Schleppdampfer wurde stark beschädigt, fomitc jedoch bis Aßmannshausen weiterfahren.
Kreis Wetzlar.
--- Krofdorf, 4. Jan. Wie aus dem Anzeigenteil hervorgeht, findet Samsiag, 6. d. Mts., bei Gastwirt Freund eine christlich-soziale Wahlversammlung statt.
Hesscn-Nassan.
)( Marburg, 4. Jan. Im Lokal der städttschen Sparkasse auf dem Rathause kam cs heute früh zu einem eigenartigenZwischenfall. Während die Beamten eifrig beschäftigt waren, die sehr zahlreich anwesenden Einleger abzuserligen, rief plötzlich eine Frau: „Mir hat jemand in die Tasche gegriffe n". Als bald darauf ein daneben stehendes Mädchen feststellte, daß ihr das Portemonnaie mit 140 Mk. abhanden gekommen sei, entstand eine große Aufregung. Das Kassenlokal wurde sofort ge- schlosfen, so daß niemand hinaus und hinein konnte und dann erschien die Polizei. Eine Frau, aus die sich der Verdacht lenkte, mußte sich in einem Nebenzimmer einer Visitation unterziehen, die indes keinen Erfolg hatte. Später stellte sich des Rätsels Lösung heraus, daß weiter nichts fehlte, wie die 140 Akk. und diese hatte das betreffende Mädchen zu Hause auf dem Tische liegen belassen.
re. Frankfurt a. M., 4. Jan. Heute mittag gegen 121 Nhr erschoß sich der 23jädrige Kaufmann Otto Schmitt in der Miquelstraßc. Die Kugel ging durch die Schläfe und führte den sofortigen Tod herbei. Grund der Tat war Lebensüberdruß.
vermischtes.
(ff) Aus Bismarcks Pariser Tagen. Jules Claretic t)crölicmlid)t gegenwärtig in den „Annales" seine Erinnerungen und erzählt dann auch einiges aus Bismarcks Pariser Äusent- i'alt int Jahre 1867. Bismarck wohnte in ber Com4bie srancaise ber Aufführung von Ponsards „Lion Amoureux" bet und saß in ber Loge. Als von ber Bühne her bic hcrausforbernben Worte' erklangen: „Ces yeroe, muscadtns, bravant les carabtncs, Battaient des Prusfieus et non des jacobines (Diese Helsen, diese Stutzer, bie den Karabinern trotzen, schlugen Preußen und nid>t Jakobiner), lehnte sich Graf Bismarck brüsk zurück, runzelte feine Brauen, griff zu seiner Lorgnette unb sah bann kalt aus bie flatidienben Zuschauer. Trotzdem sprach Bismarck in den folgenden Taaen redjt günstig von den Pattsern und kurz daraus äußerte er sich bet einem großen Feste, über die Einwohner der Lichtstadt: „Sie rufen zwar nicht: es lebe Bismarck?, sondern: da ist Bismarck! — und das ist bttnahe noch schmeichelhafter. Bismarck stand im Mittclpunlte des Interesses. Allerdings äußerte sich dieses manchmal tu recht merkwürdiger Form. Hortense Schneider, die gerade bie Rolle ber Großherzogin von Gerolstein gespielt hatte, sagte eines Tages: Ter Prince os Wales hat mich in meiner Loge besucht. Ich hosse, bie)er verteufelte Bismarck wird es auch tun." Bismarck war damals in Paris Mode und zwar im wahren Sinne des Wortes. Tie Damen trugen Kleider aus Stoffen, die nach BiSmarck benannt waren: „Couleur Bismarck". Es war eine Art Kastanienbraun, bas verschiebene Abstufungen hatte. Es gab eine Farbe „gutgelaunter BiSmarck", dagegen auch eine andere, die „schlechtgelaunter Bismarck" genannt würbe.
kk. D a s G e h e t m n i s b e S d) i n e f i I d) c h Redakteurs. Ter mächtige Aufschwung des d)iitcfi|d)en 'Jlationalgeful)lc5, der infolge 0er Revolution in China sich überall, wo Söyne deS Himnt- 'iicnen Reiches wolmen, bemetfbar macht, hat in Neuyork zur Gründung zweier chinesischer Zeitungen flefülitt, die die Neugier der in Neuyork lebenden 2UOOOO Chinesen über ihren .großen" Sun-Pat-Den zu befriedigen bemüht sind. Schon war ein drittes chinesisches Blatt im Entliehen, als einer der gräfeten Neuyorker ZcitungSmagnaiei» einen genialen SeDanfen batte. Er engagierte nämlich den Leirer der werdenden Zeitung, räumte ihm in seinem Blatte täglich Drei chinesische Spalten ein und rieb sich, als ihm diefer Vertrag gelungen war, schnumzelnb Die Hände, weck er einen Meisterstreich gemacht zu haben glaubte. Allein nur wenige Tage fpätcr war der chincsilche Redalleur über alle Berge und feine chinesische Spalte erfchien mehr in dem eiighjdjen Vlatte. Was war gefcheben? Ter Zopfträger batte seine reöaltionclle Tätigkeit nut folgeiiüec 'Tlitteiluiig eröffnet, die die crfic Der ihm eingeräumten Spalten eüueiteic. Diese Zeckimg wird von nieoer- trächligen Ehristenhundeu gedruckt und gehört einem christlichen Teufel. Sie verdient nicht einmal, daß anüänbiae (äbmejen sie aniüucfcu. Wenn ein chinesischer Landsmann wirklich zu wissen wünsch!, idciS unser berühmter Sun-Pat-Len macht, bann abonniere er auf die beiden hier von Chinesen gedruckten und ucrfanüen Blatter Ball Street 9lr. 27, 29 und 31. Tas war Das Geyeimms des chiuesifcheu Redakleur-s, über dessen Streich gcgcniöäilig gan» Neuyork lacht.
li. ter Rheumatismus-Ham m c r. Lndüch sc ciut ein Heilmittel gegen den Rheumatismus gefüllten zu sein, wc.üg- stens behauptet ein Pariser Httlkünftlcr, riu solches in Gestalt eines „Rh..u.alismu- ?-r*mcrv' zu haben. Ob D.i Bel iitblung


