m. 129 Zweiter Blatt 162. Jahrgang
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Dienstag, 4- Juni 1912
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schea UnwersuätS - Buch- und etcinbnidcrcu 9L Lange, Gießen.
Redaktion, Expedition und Druckerei: ordul- straße 7. Expedition und Verlag: e^K öl. Redaktion: 112. Trl.-Adru AnzeigerÄ»eßen.
59. Deutscher Eajtwirtetag.
~ Chemnitz, 3. Juni.
Tie Verhandlungen de? 39 deutschen Gastwittetagcs, die am euttgen Montag mit einer Begrüßunasversammlung im Eta- U iiement Bellevue eingeleitet werden, ft eben unter der Leitung ttS Präsidenten de« Reiäisverbandes Deutscher 'Aastwirt> verbände, Anton Ringel 'Berlin), der namens des gcschäfts* jährenden Ausschusses der Tagung einen sehr bemerkenswerten i richt über
die Lage des deutschen Gastwirts st andes .orlegt Es heißt darin Tas verflossene Wirtfchansiahr war für das deutsche Gastrvirtsgewerbe eine Zeit des schwersten Niederganges. Wahrend die Wirtscktaftsergebnisse von Industrie und Handel im allgemeinen zusriedenttellend, teilweise glanzend waren, stand das Wirtsgewerbe unter großen und nach- tqliigkn Tepressionen, die überaus ungünstig für seinen Bestand urtD seine Weiterem Wickelung wirken rnustten. — Tie Ursachen sind au suchen einmal darin, daß große >lonsumentenschichten unter der Teuerung der Lebensmittel zu leiden haben, ohne daß es ihnen mögt ick) war, den gesteigerten Aufwand durch Lohnerhöhung jtn wieder voll hereinzubringen, was wiederum eine Berrui- i getung des Äon sums aut das notwendigste Maß zur Holge hatte initD überaus wesentlich auf den Umsatz in den Wirtschaften cm* [eiche. — Trotz des trockenen Sommers ist der gesamte Bier- [ijn f u m im Reiche z nrü ckgeg ang en und wenn im fa- binar 1911 der Staatssekretär des Innern von'der Tribüne des Zikichstages herab erklärte, feiner Meinung nach stehe die deutsche koilswirtschast am Beginn einer neuen Hochkonjunktur, so bat sich das am Gastwirtsgewerbe in keiner Weise bestätigt. Im ! Gegenteil ist der seit 1909 als
Wirkung der Reichsfinanzreform angeltet cne Rückgang der Wirtschaften beute noch nicht zinn Still* iianb gekommen. Tie Gesamtzabl der Gast- und Schankwirt- Idxiftcn ist um 2,4 v. H. gesunken, während sie sich bisher durchschnittlich um 1,2 v H. erhöht hatte, was bei der jähr- liiten Zunalnne der Bevölkerung von 850 000 Seelen durchaus normal märe. Ter tatsächliche Rückgang beziffert sich aber jetzt fand aus rund 4 v. H. Die noch einigermassen lutratrven fldtiebe der vom Stiirmjahr 1909 bimveggetegten Gastwirte sind rem Braukapital aufgenommen worden, nur die kleinsten und iä-lechtesten sind liegen geblieben. Tie Zahl der existenzlos gc- korbenen Mo liegen übertrifft den angegebenen Prozentsatz noch Bei weitem. Und wie viele Gastwirte sind mit Hilfe der Brauer \ Md' über Wasser gehalten, von bereit Gnade sie jetzt abhangen, til ist deslmlb auch kein Zufall, daß die Geschäftsberiäste der lÄrouercien einmütig von einem enormen Anwachsen der „Munden. Leiber und Tarlehen" sprechen, dadurch erhalt die Lage des Ostist- «ins leider erst das richtige Okpräge. Die vielen .st onsum steuern K?r Reichsfinanzreforin von 1909, die in ihrer Gesamtheit und [mit ganzer Wucht aus das Gastwirtsgewerbe niedergegangen sind, Wilden die weitere Ursache. Bis heute noch bat das Gastwirt s- lificcrbc sich nicht mit ihnen abfinben können, ein wirklicher Ausgleich der Lasten durch Preiserhöhung oder durch Erhöhung WS Monsums hat sich nicht herbei führen lassen. Tabet in em |, t i g c « Steigen der Ansprüche des P u b l i k u in s |ln Quantität und Qualität, an Momsort der Räume zu bemerken Btwesen, was ein stetes Steigern der Gesckräftsunkotten für ben Gast- Riri zur Folge hatte. Noch wesentlich gesteigert sind diese durch Wc neue soziale Gesetzgebung Biel leichter sind die Brauer |nt ben das Brau und Gastwirtsgewerbe treffenden Steuern, »Inders der Brausteuer von 100 Millionen Mark, fertig gc* Worden Selten ist deren allgemeine Lage so günstig gewesen. Kl' im verflossenen Jahre. Nicht allein, dast die Dividenden Einen selten hoben Stand erreichten, auch m dem Anziehen der fcrauriviaftien trat die günstige Geschäftslage scharf m die Augen. K(. man hier die Tatsache entgegen, daß die Brauer ihre Bet Mnste mittelbar dnrc.) den Gastwirt schovten, io erscheint bic Bnnafcme berechtigt, daß die hohen Wirtschaft^rtragnine eine Mich günstige, oder doch entsprechende Geichattslage der Gast- Eine vorausfetzen sollte Ties trifft indenen keineswegs zu. Ea« treibenbe Moment für die hohen Ueberschmfe ber Brauer Knt ber Umstand, daß mit dem Augenblick, als die Brauer von
Wirten bic Zusage batten, über bie Einnahme eines 45m?* • ai fd.laqeÄ, bic Preiserhöhung eintrat, und die acmemiam beab* Bid.tigtc llcbermäl.iung auf den Mousn in einen den Waihuirten allem
Goethe aus der probe.
Goeibes Wirken als Tbcaterdirektor, das lieber Tätigkeit feiner llnineSjahre eine gewiß nicht unbedeutende Stellung cümimmt, n uns in den Mitteilungen jo mancher Münstier, bie unter ihm Hufen, geschildert worden, aber gerade eins der an,chaulichiten »Iber, das Goctlie auf der Probe zeigt, war bisher nur wenig Lt:a.tet. Tiefe Darstellung, die „Goethes Aapellmcister". der kannte Weimarer Musiker Karl EbcrwciN vor mehr als Kem halben Jahrhundert in einer verschollenen Zeitichritt ver- prentlidit hat, mirb nun wicber an« helle Sicht 9e^enm einem libcn von Tr Wilhelm Bode bei E. Mittler in Berlin heraus* denen Buck,, das die Goeib.- Erinnerungen von ^crroein und ibr unter dem Titel „Goethes Lchau,vieler und Musiker zu* Mmmstellt.
OloeLbe ließ in den Proben nie auf fick, matten,' erzählt t^ver in „Wie war man beglückt, wenn er '"trat und dw ebtturchtt- Ile Begrüßung seiner Untergcbenen ircunbli^ crmi^^. ectne gmiuart wirkte so erhebend aut icmc Junget als ,wndcn ne ■r einem zahlreich versammelten Publikum. Grnn und rnerluh rrtducie jeder die ihm angewie,cne ivnnTtwn. 3n_ben
I $> Vorstellungen nahm Goethe feinen Platz n der. MMe der ich Bank des abonnierten Parterre. Nach_ erterretogen wählte er die miitditc, und -'va r die entnrnte te i der «filme, von wo ans die Rezitation am be'tt" ,ul b«itteilen
Wie l.. rel re man am, wenn er aus btr I.efe bed larwrc V Stimme erschallen IkK, da? 1- rgmi ^cr begiMeften ^chau llkr an Qrait falle und Wohllaut überbietend ^.mc j.iuttun , 'Äli. dl«. was ®*«tc unttrnaem, Emamch;
Mfr feine B-ichle ms-iick iini> c"!»nngl>» me >"
V* selbst die a cf eierte caiigenn ^agtmann, Diu ars -^ein :ttin Karl Augusts eine gewisse Ausnahmestellung geno«. tonnt ■tX, wenn sie während der Akte aus Mutwillrn am d^ U bic gewaltige Stimme ornig vernehmen: "^aunnd ^ nm.r Ntt«! Das ist ja wie in einem TaubenMage! Ich wrll, bar, innaiib das Theater betrete, wer nicht vabm gehört.
, Mit dem idealisierenden Stil, den Goethe der Lckauwie - L-fii vertrat, hing es zusammen, bar er von dm ©twuipidcrii hilamgte, sie sollten möglichst dem Prrbnlvm lugewandt ,'viAen.
Tages bemerkte der Meister ,arkaftifch: „verr.».ei4 hi*rc Panic haben wir genug gciehen: i wt. inu doch
r brr Ihr G.sichtAlle unruhigen Bcroegungen roann ihm t!:d rßt. Als der Tenor Moltke einmal alllubcmeglidiagierte, Irin er ihn beim Arm und befahl, bic n,u
-mitte drängte und zuckte, sobald er zu fprechen datw. G ^he wich und wankte nicht, und brachte w b»-" al baü
“:iujer zur Ordnung. OS bedarf wohl feiner B^rncherung, baß feiesr Auftritt allgemeine Heiterkeit bewirkte.
überlassen wurde Ten Gastwirten ist btt Steuer und noch ein erheblicher Aufschlag bayi einfach abgenommen worben. Tie kargen Wirtfchaitserträgniifc der Gastwirte, die bic Brauer in farm fetter Tividenden einkennsen. Nur zu berechtigt erfcheinen bei dieser Sack läge die Preststimmen, daß das Braugewerbe mit ber Steuer „sehr leicht, vielleicht zu leicht" fertig geworden sei. far bie Brauer war eben bie Brau steuer von 1909 mit ihrer willkommenen Gelegenheit zu einer Preiserhöhung ein Segen des Himmels, für die Gastwirte ein Schrecken ohne Ende.
Als ein weiteres Attentat auf die Lebensinter essen des deutschen Gastwirtestandes bezeichnet dann der Geschäftsbericht bic beabsichtigte
A uf Hebung ber Liebesgabe.
Dieses Projekt wäre geeignet, dem Gastwirtsgewerbe das letzte Lcbensfüiikchen auszublasen. Ter bisherigen Steuern: Gewerbesteuer, Betriebssteuer, Kreisbetriebssteuer, Wemcinbebierfleucr, Brausteucr, Monzessionsstelier, Streichholz, Glühkörper-, Tee-, Kaffeesoll, Wein- und Branntweinsteuer, die Steuer auf Automaten und mechanische Musikwerke, die Stempelsteuer für Polizeistunde »Verlängerung, Lustbarkcitssteuer, Einkommen , Grund- und Mircfenfteucr, die alle den Gastwirt träfen, sei cs also iwch nicht genug! Noch habe sich die Gesamtheit des Gastn'iNsstandes aut gut naiioualem Boden stehend gewußt: diese unsinnige Stcuermut gegenüber dem Gastwirtsgewerbe aber, die Mißachtung und fortschreitende Entwicklung müsse, so führt ber Bericht in einer doch etwas anfechtbaren Weise fort, schließlich zu einem
Hemmschuh werden für nationale Gesinnung und Betätigung. Ter Bericht schließt daher mit dem Ausdruck der Erwartung, daß der Gastwirlstag entschiedenen Protest gegen I'cf■ • Juh.uk-., ciitk? 11 werde.
Der geglückte Ausfall aus Zez.
Fcz, 3. Juni. TieKolonnebesObcrsten Gou- r a u b ijt zurückgekchrt Sie lagerte während ber Nacht bei Sinafaine Nambeni bie Genietruppen ben Rutscharapaß für bie. schwere Artillerie befahrbar gemacht hatten, zogen diese und bic Berwunbeten burch den Paß, um nach Fez zurückzukehren, während eine starke Abteilung mit Gebirgsartillerie <ni ben Abhängen im Norden von Zelagh entlang marschierte und den Bernussipaß benutzte. Seit gestern mittag ist kein Schuß gefallen. Der Feind scheint v o l l st ä n d i g z e r st r e u t z u sein. Die Generale Liau- tey, Moinier Brulard sowie El Mokri kamen der Kolonne entgegen, die mit Musik die Hauptstraße durchzog. Die Verluste der Franzosen betragen nach einer neuen Feststellung 12 Tote, 31 Verwundete. Der Sultan Mulay Hasid und der Gesandte Reanault werden demnächst gemeinsam ab» reisen, wenn die Lage es gestattet.
Fez, 4. Juni. Nach den letzten Feststellungen sollen auf Seiten der Marokkaner, die nunmehr gänzlich zerstreut sind, in den jüngsten Mämpfen etwa 600 M ann gefallen fein.
Wenn nicht unvorhergesehene Umstände eintreten, werden der Sultan und der Gesandte R e g n a n l t unter dem Schutz mehrerer Bataillone in vier bis fünf Tagen zu- fammen abreisen.
Der Ausstand in Kuba.
Nenyork, 3. Juni Einer Depesche aus Habana zufolge nahm der General der Revolutionären, Estenos, die Stadt Somaya, bie 30 Meilen von Santiago entfernt liegt, ein, plünderte fic und brannte fie nieder. Alsdann zogen sich die Aufständischen auf die Höhen zurück. — Neger griffen Hameau bei San Luis an, vergewaltigten drei Frauen und plünderten bie Kaufhäuser.
Washington, 3. Juni. Ter kubanische Gesandte hat das Staatsdepartement um die Erlaubnis ersucht, 10000 Gewehre zur Bewaffnung von Freiwilligen kaufen zu dürfen. Die Erlaubnis wird wahrscheinlich erteilt werden.
Ter Ernst_unb bie Strenge Goethes feinen Schauspielern gegenüber trug- aber treffliche Früchte. Ihm gelang es, aus Leuten etwas zu machen, denen man nicht das geringste zutraute. Tas glätizenbstc Beispiel dafür ist die Erziehung der Schau* fInderin Amalie Malkolmi, die dann als Frau von Pius Alexander Wolff eine Zierde der Berliner Hofbühne wurde. Wegen ber Plumpheit ihrer Bewegungen und dem Ungeschick ihres Auftretens war fie allgemein verachtet, bis Goethe ihr bei ber Erstaufführung von Schillers „Braut von Messina" zum Entsetzen Aller bic Fürstin Isabella zudiktierte. Und er Dollbradjte das Wunder: bic Malkolmi lernte durch ihn den edlen Anstand, der für bie Rolle notwendig war und wurde mit einem Schlage eines ber ersten Mitglieder der Truppe. „Bon Novitäten oder neu zu besetzenden Dramen hielt der Meister so lange Leseproben, bis jeder in den Geist feiner Rolle eingedrungen war: dann erst fanden die Proben auf der Bühne statt. Mitunter deklamierte er ganze Szenen vor. In einer Leseprobe von ben „Mitschuldigen" sprach er den Wirt, wobei er eine Momif entwickelte, daß man vor Lacken den Geist hätte aujpeben mögen." Goethe war kein Freund von kostspieligen Tekoratwnen und prächtigen Moftümen. Schari batte ir sich Lode gegenüber über ben nach feiner Meinung übertriebenen Prunk der Berliner Bühne ausgesprochen. „Er war der Ansicht, das Ganze fei ja nur ein Spiel: man muffe der Phantasie des Zuschauers Freiheit lassen, die zu ersetzen, was etiva noch fehle Somit kleidete Goethe feine Könige in Rasch. Nachdem Marl August die Großherzogliche Würde angenommen, war man auch auf Berbcsferung der Garderobe bedacht. Ten Tarnen am Theater riet Goethe, von dem Rationellen und Zeit> gemäßen ihrer Partien nur das zu wählen, was fic gut kleide. Er sagte: „Wenn ihr bübich aus seht, fo kann man vollkommen zufrieden sein." Auch hinsichtlich der Gefichtsmalerei ward den Tarstellerinnen alter ehrwürdiger Frauen gestattet, ihr Gesicht so zu malen, als wäre die Zeit spurlos an ihnen vorübergegangen.
. Goethes Verhalten ;u dem weiblichen Personal des Theaters war durchaus rein. Tic Liebenswürdigste hatte sich feiner größeren Guns: von ihm zu gewärtigen, als daß er^ihr die Wange zum Muß barr eichte, liebel klingen de Namen der Theatermitglieder Der* änderte der Ehef traft seines Amts »ür den Theaterzettel. Infolgedessen verlor eine Demoiselle Peteriilie ihren Peter . . . Unser cochverebrter Meister hatte die Gewohnheit, bie Augen zu schließen, wann er einen Vortrag mit besonderer Aufmerksamkeit ocnolgcn wollte Als Sechziger tonnte es ihm daher leicht vaf fieren, daß er darüber einfdMief. Und so geschah es wirNich ui einer Probe, der er in seiner Loge beiwohnte. Tie Schauspieler nahm:n sich wie immer in seiner Gegenwart, sehr zusammen, und bic Probe ging untabclig nonftatten. Tie Agierenden waren sehr erfreut, der Erzellenz feinty Veranlassung gegeben zu haben, sich über Tiescs und Jenes mißfällig yt äußern Eine Schauspielerin, die dem Geheimrat eine Bitte vorzutragen wünschte,
Die vahn Mücke UInchftcin-rWcw.
Ter Zweiten Kammer ist folgender Antrag des Abg. M c i s k i wegen Erbauuttg ; nu r Eisen bayn M u ck e — U1 richstein — R ixfe 1 d evcnt Bewilligung euicS S taa t s z u s ch u f s e s zu einer A u 1 o m o b 11 v e r b i n- düng auf derselben Strecke mit Abzweigung nach Sck-otten zugeaangen:
Ich beantrage, die Regierung zu ersuckren, 1 die Aufnahme des Nebenbahnprojekts Mucke—Ulrichstein—Rixfeld in die Finanzgemeinschaft mit Preußen in Anregung zu bringen oder: 2. Wenn dieses augenblicklich von der Großh. Regierung nicht für angängig oder erfolgversprechend gehalten werden sollte und nur die Erbauung als Privatbahn möglich ist: Die Bewilligung eines Staatszuschusses von mindestens 50 Proz. der Baukosten bei der Hammer zu beantragen ober: 3. Die Beteiligung des Hessischen Staates als Aktionär bei dem privaten Bahnbauunternehmen mit Uebernahme von Aktien in der Höhe eines öOprozentigen Staatszuschusses in alsbaldige Erwägung zn ziehen und entsprechende Gesetzesvorlage vorzulegen und 1. falls wegen der ungünstitzen allgemeinen finanziellen Verhältnisse die Gewährung eines iäoprozentigen Staatszuschusses zum Bahnbau augenblicklich nicht möglich erscheint, zur sofortigen Abstellung der schlimmsten Mißstände in dem Personenver- verkehr, zur Errichtung einer A u t o m ob i 1 v e r b in- dung von Mücke über Ulrichstein nach Rixfeld und Scholien einen jährlichen Staatszuschuß von 15 000 Mark zu bewilligen.
In der Begründung des Antrags wird u. a. ausgcführt:
Schon nahezu 20 Jahre dauern die Bestrebungen zur Besserung der in Hessen ohne Beispiel dastehenden schlechten Verkehrsverhältnisse im nordwestlichen Vogelsberg durch Erbauustg einer Bahn von Mücke über Ulrichstein nach Rixfeld.
Im Jahre 1907 wurde die Regierung durch Antrag der Landtagsabgg. Brauer und Schmalbach, dem die Zweite Kammer am 11. Mai 1907 zustimmte, ersucht, „ein Projekt zur Erbauung enter Eisenbahn von Mücke über Ulrichstein nach Rixfeld der Zweiten Kammer der Landstänbe vorzulegen.
In der Regierungsantwort auf diesen Antrag nmrde anerkannt, „baß den allgemeinen Verlehrsverhältnissen des nordwestlichen Vogelsbergs durch eine Bahn von Mücke nach Ulrichstein mit -Lffenhatiung ber Verbinbung nach Rix- felb am besten gebient sei". ES iDiirbe weiter ausgeführt, baß jeboch damals Anregung zur Aufnahme in bic Finanz- gemeinfchaft mit Preußen mit Rücksicht auf fdnoebeitbc Verhanblungen zwecks Aufnahme älterer Projekte iAls- felb—HerSfelb) nicht möglich sei, besonders da sich auch eine Unternehmerfirma für den Bau interessiere
Dieie Unternehmerfirma, Firma Lenz & Eo. zu Berlin, hat auch s. Z. Interesse für den Bahn bau gehabt und auf ihre Kosten ein spezielles Projekt über die Bahnstrecke Mücke- Ulrichstein ausgearbeitet, woraus hervorging, daß bie Erbauung biqer Bahnstrecke einen Kvitenaufwanb von 1 728000 Mark erforbert (bei freier Gelänbestellung burch bie Gemeinben >. Tie auf diesen Grundlagen unternommenen Finanzierungsverhanblnngen haben ergeben, baß 13 interessierte Gemeinben bei einer auf Aktien ge- grünbete» Erbauung ber Bahn sich mit 230 000 Mark Stammaktien und 270000 Mark Borzugsaltien (letztere bei 3prozentiger Zinsgarantie durch die Baufirma-, alfo zusammen mit i/s Million Mark finanziell beteiligen und außerdem das zum Bahnbau erforderliche Gelände frei stellen wollten. Tiefes für die kleinen und verhältnismäßig armen Gemeinden außerordentlich große finanzielle Cpfcr zeigt, wie dringend nötig der Bahnbau ist: hiermit ist begab sich in feine Loge. Und siehe da, der Meister schlief ganz behaglich!"
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— Eine Hochfrequenz maschine für drahtlosen Ferndienst Ter bekannte Ertinder Graf von Arce, dem in erster Linie die kechmfche Turchbitdung dec modernen fanken* tciegraphie zu verdanken ist,-hat der deutschen Telefunken-Gefell- schatt wiederum eine Neuerung beschert. Es handelt sich uni eine Hockfregucnzmaschuie zur unmittelbaren Erzeugung elektrischer Wellen für drahtlose Telegraphie und Telephonie, die sich nicht' wesentlich von einer gewöhnlichen Wechfclstromniaschiii • unterscheidet. Trotzdem ist es mit einer derartigen einfachen Maschine ohne weiteres möglich, beliebige Energiemengen mit Jreauenzen von 15 000 bis 120 000 und somit für größere drahtlose Stationen erforderlichen Wellenlängen von 2500 bis 20000 Meter zu erzeugen. Angeregt wurde Graf Arce zu feinen Arbeiten auf diesem (ikbict durch die vor 11» Jahre» Aufsehen erregende Erirndung der Goldschmidt Hochfreouenzmaschiue. Nach fair 1b- nwnötiger Tätigkeit des Grasen Arce und seiner Mitarbeiter ist es nun endlich gelungen, eine Maschine herzustellen, die sich von alten bisher erfundenen Hott'freaueit-maschine» dadurch unterscheidet, daß sie einfach und billig in der Fabrikation ist, mit gewöhnlicher Umdrehungszahl läuft und beliebig hohe facaucnjen erzeugen kann.
— Kurze Nachrichten aus Kunst und Wissen- sch a f t. Geheim rat Professor Ferdinand L u t b m e r, Tirektor der Munftgeroerbcfchule zu Frankfurt a M. begeht am 4. Ium feinen 70. Geburtstag. Sein Geburtsort ist Köln. Er widmete sich dem Studium der Baukunst an der Berliner Bau-Akadcmie,l besonders bei Prof. Lueae, wurde 1871 Lehrer am Munstgewcrbe- museum in Berlin als Nachfolger von Jaeobsthal, kam dann an die Kunstakademie und war von 187> 79 Privatdozent für kunstgewerbliches^Entwerfen an der Bauakaoemie. Im Herbst 1879 wurde er als Tirektor der Munstgewerbeschulc und des Munst- gcwerbeinuseums in Frankfurt a. M berufen. Luthmer erhielt ün Jahre 1903 das Ehrenamt des Bezirks.stonferoators für Nassau. — Hofrat Tr. phil. Eugen Wilhelm, orh Honorar protefsor der iraniiehen Sprachen an der Universität Jena feiert am 5. Ium feinen 70. Geburtstag. Proß Wilhelm ist zu Neustadt Erla in Sachfen-Weimar geboren — Li., theol start Tunkmann, bisher Tirektor des Prediger-Seminars ;u Wittenberg, per mit dem Beginn dieses Semesters zum ordentl. Professor nach Greifswald berufen wurde, ist von ocr theologifchen Fakultät der Universität H a I le a. S. zum Tr. theol bonoriscansa ernannt worden. — Unter überaus zahlreicher Beteiligung von Direktoren und Lehrern deutscher Gewerbe- und stunitgewerbc- schulen tagte m Braunschweig die 23. ordentliche Haupt Versammlung des Teutschen Gewerbrichulverbandes, der zugleich die Feier seines 25 jährigen Bestehens damit verbau-:


