Ausgabe 
3.10.1912 Zweites Blatt
 
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in bet junge Tierärzte sich im SchlachthosSdienff praktisch vor- bilden können. Vor einigen Sagen besichtigte der oberste bulgarische Vetermärbeamte D. Alexandrescou unsere SchlachtbofSanlagen. Ec sprach sich sehr lobend über bie hie- sigen Schlachthof-Einrichtnngcn au6.

-Ein zeitgemäßes Geschäftshaus nut wirkungS- voller Fassade ist durch den Ladenumbau der Herren- bekleidungSfirma Karl Frensdorf an der Ecke der Bahn- hofstraße und der Neustadt entstanden. Ter Umbau bot eme Reihe von Schmierigkeiten, die jedoch geschickt überwunden wurden, so daß die Jnnen-Eincichtung des Ladens als äußerst zweckmäßig bezeichnet werden muß. Tie Ladcnfront weist nach der Bahnhofstraße und nach der Neustadt neun große Schaufenster auf und inacht mit dem architektonisch schönen Eingang einen großstädtischen Eindruck. Die Der- kaufSräume sind hufeisenförmig angelegt und in Matteiche mrt Fntarsieneinlage gehalten. 9üif diese Weise kommen die verschiedenen Abteilungen deS LagerbestandeS in KleidungS- stücken gut zur Geltung. Besonderer Wert ist auf die Be­le»,chtung der Ladenräume und der Erker gelegt, die zusammen mit 57 Lampen erhellt werden. Geschmackvoll auSgestattete Anprobierräume für Herren »und Damen, sowie ~ die Zu- schneideret befinden sich im ersten Stock. Zeitgemäße Tele­phonanlagen verbinden alle Räume untereinander und eine verdeckt eingebaute WarmwasscrheizungSanlage vervollständigt die Einrichtung. Die Gießener Architekten und Geschäfts­leute, die mit den Arbeiten betraut waren, haben sich durch ihre Leistungen ein gutes Zeugnis ausgestellt.

" Paket einsam ml un g durch die Post. ES ist noch nicht genügend bekannt, daß die Post abzusendende Pakete auf Bestellung auS den Wohnungen abholcn läßt. Man braucht nur ein offenes Schreiben, eine Karte oder einen Zettel mit den Worten:Paket abzuholen bei (Name lind Wohnung), unfrankiert in den nächsten Briefkasten zu werfen oder einem Briefträger mitzugeben. Auch kann die Bestellung auf Abholung von Paketen dem Postamt durch Fernsprecher mitgeteilt werden. Hierauf wird die Sendung bei der nächsten Paketbestellfahrt gegen eme Gebühr von 10 Pfg. vom Hause deS Absenders abgeholt. DoS Ver­fahren ist einfach und bequem und besonders solchen Personen zu empfehlen, denen ein Dienstbote nicht zur Verfügung sieht.

Landkreis Giessen.

() Lich, 2. Okt. Auf dem hiesigen Güterbahnhofe nnb auf den Bahnhöfen verschiedener Nachbarorte werden schon fleißig Kartoffeln eingeladen. Das Malter kostet jetzt 3.75 Mk. bis 4.00 Mk. Kartoffeln, wie sie der Acker liefert, werden für 3.50 bis 3.75 Mk. verladen. Im ver­gangenen Jahr betrug der Kartosselpreis um diese Zeit 6 50 Mk. und 7.00 Mk.

A WeiterShain, 2. Okt. Ein Leichenzug, wie ihn unsere Gemeinde wohl noch nicht gesehen hat, bewegte sich gestern durch daß Dorf: galt eS doch, dem Bürgermeister Sann daS letzte Geleite zu geben. Als Vertreter deS Krcis- amteS Gießen widmete NegieruugSrat Merck dem tüchtigen Beamten einen warmen Nachruf. Die Grabrede hielt der Pfarrer von Londorf. Mehrere Kränze wurden am Grabe niedergelegt, darunter vom Kriegerveccin, von der Spar- und Leihkasse und der Gemeinde. Bürgermeister Sann starb an Blutvergiftung.

Kreis Schotten.

A Ober-Seibertcnrod, 2. Okt. Gelegentlich des Besuches der Bürgermeister des Kreises Schotten in Darm- stabt zur AusstellungDer Mensch" wurde der hiesige Bürgermeister Schmiermund, der Senior der Bürger­meister des Kreises, durch eine Ansprache des Großherzogs geehrt.

Aus dem vorderen Vogelsberg, 2. Okt. Die Grummeternte ist beendet. Da sie gutes Wetter begleitete, ist ihre Qualität neben der Quantität recht zu­friedenstellend ausgefallen. Nun befindet sich die Kar­toffelernte im Gange. Hier hilft bti» Wetter aber nicht wie beim Grummet. Der Oktober hat mit sommerlicher Temperatur und altgewohntem Regenwetter eingesetzt. Das ^Kartoffelernten wird unterbrochen. Tas Ergebnis der Kar­toffeln ist sehr gut. Man erntet allgemein gegen das vorige Fahr den doppelten Ertrag. Die befürchtete Fäule tritt nicht in dem Maße auf, wie man erwartete. Dabei find die Knollen vollkommen und sehr groß ausgefallen.

und läßt den Dampfer Heizen, aber der Maschinist ist nirgends zu finden. Was sagen Sie zu dieser Wendung? 1

Der Direktor: Glanzend!

Ter Agent: Ter Maschinist, der kein anberer ist, als Lilla in Männerkleidung, kommt mm auf den Händen gehend herein, verschluckt das Testament und be.1i das Geheimnis aus, worauf wieder der Schiffskapitän herein ftürmt und ruft:Lord Pilitz, eilen Sie nach Hanse, ein Solm wurde Ihnen geboren." Nun schlägt das Orchester ein, das Sdnff setzt sich in Bewegung, doch Lord Blum verspätet die Abfahrt und die Jungen reisen tatfädilid) nach Antwerpen Fertig. Nun?

Der Tircktor: Großartig. Nur . . .

Der Agent: Nur?

T e r Direktor: Nur finde ich, daß der Stoff ein wenig zu simpel ift.....

Die Geschichte von Descartes Schädel.

Die Köpfe der großen Männer, die bei ihren Lebzeiten soviel zu tun haben, um weltbewegende unftcrblid)c Gedanken hervor zubringen, scheinen and) nach dein Tode ihrer Besitzer noch zu mancher Beunruhigung und Verwirrung zu führen. Nachdem mir er|t vor kurzem lange Erörterungen über Schillers Schädel gehört haben, erregt jetzt die Frage nach dem Verbleib des Kopfes von Descartes in wissensd»aftlicken Kreisen Aufsehen.

Die Pariser Akademie der Wissenfdxnten wurde durch eine Veröffentlichung der Akademie von Stolt,olm auf einen Tank bricf aufmerksam, den der französische Gelehrte '3erthe 11 et 1820 an Berzelius geschrieben hatte, um den Empfang des Schädels von ^esraNes zu bestätigen. Wo aber ist nun der Kopf des grollen Begründers der modernen Philosophie hingekommen? Im Pariser sJiaturhiItoriidxit Museum, mo er {nrfbemabrt fein sollte, Dchnbet er sich nidu. llnd auch seine Geschichte liefert keine Spuren für tue Wiederaufiindung Als Descartes 16ät) in Stock Imlm starb, an einer Erkältung, die et sich bei dem inathemaiiicken Unterricht der Königin von Schweden mgezogen haben soll, ließ her sranzömche Gesandte die Leiä-e des großen Landsmannes nach ivranhTid) bringen. .tic Bestattung fand in der Kirche Saintc- Genevawe statt, nachdem Ludwig XIV. aus unbekannten Gründen das patten einer Leidxnrede untersagt hatte. Die Leiche hatte bann eine kleine dvffee zu überstehen, wurde im Museum ber vlNorilcheu -Len final er bewahrt und schliesslich endgültig in der *Sr ® beigefept. Man war aber durchaus

ber Jnuto, da st der ganze Körper hier seine ewige Aube gc- ®«nunberung erregte es daher, als Berzelius «-dwbel Descartes in Schweden geblieben fei, während nur der übrige Körper nach Franttrick gebracht

Universitäts-Nachrichten.

Der 0. Professor der alten Geschichte und Epigraphik an der Wiener Universität, Hofrat Dr. Eugen Bormann feiert am 6. Oktober seinen 70. Geburtstag. Er stammt aus Milchen bad) in Westfalen. Von 1881 dis 1885 wirkte er in Marburg und kam dann als Nachfolger Hirschselds nach Wien.

Die Herzoglich Anhaltische Regierung hat mit Vrrffi gung vom 10. August 1912 zum erstenmal genehmigt, daß eine Dame zum ordentlichen Studium der Chenrie am Friedrichs- Polytechnikum zu Cöthen zugelassen wird. Als Vorbildung wurde das Abgangszeugnis einer höheren anhaltischen Töchter­schule angesehen.

Tagung des deutschen Museums.

O München, 2. Okt.

Mit einer Sitzung des Vorstandes begann heute die Tagung des Deutschen Museums. Dem Verwaliungsbericht ist zu ent­nehmen, daß die Gesamtzahl der Mitglieder des Teutschen Mu­seums mit ungefähr 3700 die gleiche, blieb wie im Vorjahre. Tie Jahreszuschüsse und Mitgliederbeiträge sind von rund 107 000 auf rund 120 000 gestiegen. Ebenso haben aud) die einmaligen Beiträge eine kleine Erhöhung von 2 260 000 Mark auf 2 293 000 Mark erfahren. Tie Zahl der Besucher des Deutsd)en Museums betrug im abgelaufenen' Verwaltungsjahr 324 000. Tie stärkste Besucherzahl brachte der Monat August mit 32 000. Ter Mu­seumsneubau ist im Rohbau vollendet, während im Innern die Montage der Hallen demnächst in Angriff genommen wird. Ter Museumsbetrieb erforderte in Einnahmen und Llusgaben 641 000

Kreis Friedberg. , ,

L. Friedberg, 2. Okr. Der Anschluß der Gesc^Nslewte an die elektrische Leitung ist stark. Zum 5^flr.

berg elektrisches Licht haben: die Leitung

Stadt oberirdisch fein. Die hieugen 3 u^r

sich geeinigt, um 8 Uhr abends und Lwnntags Y

mittags Ladenschluß eintreten zu lassen.

Starkenburg und Rheinhessen. ..

d. Mainz, 2. Okt. In der heutigenS.r tzu n g,01 ö verordneten wurden zwei Mchiet^brtefe jut V u9nb bracht und zwar vom ncüheren Beigeordneten Dr.

von dem in den Ruhestand versetzten Gouverneur Grm von erlieft en. - In die Ortstare wurde

auch der Bezirk Biebrich-Amöneburg ""«zogen uno oa mit einem langgehegten Wunsche ewtsprochen. - ,

Stadtv. Molthan und Genossen, die W arert haus-imdFN^- steuer enrzuführen, wurde an den rriNMiza^chut Tie Kinematographen sollen ebemall-» der 9,

worfen werden. - D.eF letschte ne rung nahm hinaus langes Seit in Anspruch. Beig. Dr. ü lb^r d^ MeiNung datz mit den Beschlüssen der preußischen^und der hesst^en^Rcchming^fiir die Stadl Matnz lediglich d,e Möglichkeit Lrickattenl ,dHaa ) rinder aus den Niederlanden und irisches Sl«'ch aus dertodgwij einzuführen, denn die Einfuhr von kommen Er

Rumänien und Bulgarien dürfte nicht m ^Aadst -

halte es für unbedingt notwendig,, daß weckere Getnete fur dte Em fuhr von Fleisch und Vieh freigegeben baü bie

Eingabe an die hessische Regierung «^Ket werden, datz^die Einfuhr von Dich auch aus Frankreich und den deutsch'NVtvlmnen, den Niederlanden und von frisd)em Fletsch aus od)»«* 9 ftattet werbe. Der hier bestehenden UnteriutfmngSstclle tur bereitetes" Fleisch solle die Befugnis zur Untersuchung von rrudxgn Auslandsfleisch erteilt werden. Tie Eingabe .wurde Unstimmig genehmigt und ein Kredit von 10000 Mark bewilligt, damit^sofort frisches Fleisch aus der Schweiz bezogen werben rann. öur den Besuch der Ausstellung "Der Mensch ^.^.^ltadt burch die städtischen Arbeiter »vurden 800 Mark bewilligt. ^ Ar­beiter erhalten keinen Lohnabzug, haben freien Eintritt in mc Aus stellung und erhalten als Reffevergütung eine Mart.

Die Verschandelung Der IHarfsburg.

fc. Braubach a. Rh., 2. Okt.

Heute beschäftigte sich der Bezirksausschuß erneut mit der Klage der Vereinigung zur Erhaltung deutscher Burgen gegen die Blei- und Silberhütte Brcmbach a. Rh. Tie Vereinigung hat gegen die Errichtung einer Kupferschmelz- Hütte zur Gewinnung von Kupfervitriol und Zinkoxyd mit mehreren Bürgern aus Braubach a.RH. Einspruch erhoben und macht geltend, daß durch diese Anlage die Vegetation außerordentlich geschädigt, die Gesundheit gefährdet, der Bestand der Burg bedroht, vor allem aber das Landschafts­bild empfindlich geschädigt werde. Eine von dem Bezirks­ausschuß vorgenommcne Besichtigung hatte das Ergebnis, daß der Firma verschiedene Bedingungen gestellt wurden, so Errichtung des Schornsteins in einem Seitentale, Ein­schränkung der Verwendung von schwefelhaltigen Mate­rialien, unterirdische Abführung der Gase usw. Mit diesen Bedingungen erklärte sich die Hütte einverstanden, obwohl es erhebliche Anforderungen an sie stelle.

In der heutigen Verhandlung erklärte die Bürger­vereinigung durch ihren Vertreter, daß sie gegen jede Er­weiterung der Hütte Einspruch erhebe. Ein Braubacher- Bürger, der ebenfalls Einspruch erhoben hatte, erklärte, daß die Sterbeziffer von Braubach sinke, sobald die Hütte von Braubach verschwinde. Der Bezirksausschuß entschied, daß der Blei- und Sitberhütte unter den angeführten Be­dingungen die Genehmigung zu erteilen sei mit der Erleichterung, daß der Rauchkanal oberirdisch angelegt werden kann. Nach dem Gutachten der Gewerbesachverstan digen, so wurde in der Begründung ausgeführt, sei nach Einhaltung der voraeschlagenen Bedingungen von erheb­lichen Schäden oder Belästigungen keine Rede. Zum Schutz des Landschaftsbildes genüge nach Lage der Sache die Ver­legung des Schornsteins in ein Seitental.

wurde. Die Reliquie, die burd) viele Hände gegangen war und zuletzt von Arngren für den lächerlichen Preis von 3 7 Franks erworben worden war, wurde von der Pariser Akademie mit religiöser Verehrung für ein so hohes Geschenk" angenommen; sie trug die Inschrift:Sclzädel von Descartes, von Hanstrorn 1666 behalten, als man den Körper nach Frankreich schicken mußte." Die Ueberweisung an das Naturhiswrisdfe Museum wurde in den Sitzungsberichten der Pariser Akademie ausge­zeichnet. Seitdem ist keine Spur von bem Sdfädel erhalten. . In den Archiven des Museums finden sich nur Angaben über einen Gipsabguß des Sclxidels, der von dem großen Phrenologen Gall genommen wurde und an dem Gallals die entwickelften Organe, die der Erziehung, des Raumsinns und der ReclZen- begabung" rühmte. Tiefer Gipsabguß wurde dem Museum von Boulogne-sur-Mer übergeben. Die Verwalter und Vorsteher des naturhistorifchen Museums können über den Originalschädel feine Auskunft geben. Wenn er wirklich int Museum gewesen ist, so glauben sie, daß er sich unter den Skeletten befunden haben müsse, die durch.die Uederschwemmungen von 1910 in Unordnung geraten sind. Unter diesem Hausen von Knochen müßte man ihn also herauszufinden suchen, den Sdjäbel des großen Descartes.

*

ff. Schuhromanzen. Eine interessante 2lusstellung er­regt augenblicklich in London beträchtliches Aufsehen. Es ist eine Ausstellung von Kunstwerken der sftißbekleidung-künstler aller Völker und aller Zeiten. Eine ganze Reihe von historisdien Schuhen, die ihr von privater Sefte zugestellt worden sind ver­mag die Sammlung aufzuweisen. Ta kann man das winzige Schübck-en der berühmten englischen Schönheit Grace Fletcher Norton bewundern bie Zeit ihres Lebens unvermählt geblieben tit. ^aS Pendant dieses schuhchens ist dem in der FeldschladN verwundeten Brauttgam der schönen auf seinen Wunsch mit in« Wtab gegeben worden, ferner nt tiuf der Ausstellung ein Pro du' werk von ^tbub einer .-oerzensdame desallzeit fröhlichen" Königs Karl U, von England tu leben. Zu ihm paßt eigentlich ein Riesen- Reitstteiel recht wenig, der einem Cromwellschen Krieger gehört haben fall. Er mutz - nach der Große des Fußes zu urteilen em wahrer Enakswhn gemeßen jein. Auch aiG der frnnVfi jueben Ge'chzchte wißen. .ne Reihe von Schühchen 'nett! Emz °l- betten zu erzählen Und wenn gar erst bie orientalischen Kuns , werke, die in unvergleichlrcher Fülle zur Schau geeilt find reden konnten, |o würben ganze Bücher voll darübn geschrieb^ werden können. L-te mrnw.i her orientalischen Vertreter ans d^ -chuhrcia . pellen |d>on an uch Heine Vermögen dar iie KS mit Brillanten und Perlen übersät. 9 Dar' Ucinh

Mark, der Museumsneubau 2 326 WO Mark.. InmehrtägigeN Verhandlungen wurde sestgelegt, welche Gebiete tm neuen ..luienm ^^Aus^Anlaß der Sitzung gab die Stadt Mündien hnite abrnb ihren Gästen im Rathaus einen Begrutzungsabend 3m -auje des Abend gedachte Staatssekretär Tr. e l b r u ck des ^erde- aanas des Deutschen Mmeums und hob hervor, dal; |td) letzt schon zeige, daß mit dem Deutschen Museüm ein Kulturelemcnt eritcn Ranges geschaffen werde. Sein Hoch galt der bäuerlichen Gastfreundschaft. Lberbüraermeister Tr. Bor sch dankte. Sern Hod; galt den Männern der Wissenschaft und der Technik au» allen Gauen Deutschlands.

Aus der Rechtsprechung des Reichsgerichts, v.

Zur Verj ährung von Ansprüchen, insbeson­dere zur Verteidigung gegen bie Einrede der Verjährung. E. d. RG. 78/130.

Nach § 208 BGB. wird eine im Lauf befindliche Verjährung durch ein Anerkenntnis des Anspruchs seitens des Schuldners unterbrochen, so daß der Laus der Verjährungsfrist von neuem beginnen muß. Zu einem solchen Schuldanerkenntnis genügt jede einseitige, dem Gläubiger gegenüber geschehene, aus drückliche oder stillschweigende, Kundgebung des Schuldners, aus welcher die Ueberzeugung desselben von dem Bestehen des An­spruchs erhellt. Gegenüber der ununterbrochen abgelausenen Verjährung ist die Berufung auf ein vertragsmäßiges, d. h. ein von dem Schuldner erklärtes und von dem Gläubiger, wenn auch nur stillschweigend, angenommenes, Schuldanerkenntnis nach BGB. §§ 222, 781 erforderlich, das nach § 781 regelmäßig seitens des Schuldners in schriftlicher Form erteilt sein muß; es sei denn, daß das Schuldanerkenntnis auf Grund einer Abrechnung ober im Weg eines Vergleid?» d. h. einer burch beiberfeilige Nachgabe zustande gebrachte Einigung er­teilt ift BGB. § 782, oder baß es von einem Kaufmann im Betrieb seines Hanbelsgewerbes abgegeben ift HGB. § 350; in diesen besonderen Fällen bedarf das Schuldanerkenntnis der schriftlichen Form nickt.

Gegenüber der abgelaufenen Verjährung ist auch die Be­rufung auf einen Verzicht des Gläubigers auf solche möglich. Dieser kann formlos, ausdrücklich ober stillschweigenb, geschehen sein; er erfordert aber Kenntnis des Gläubigers von der cinge- tretenen Verjährung. Ein nach eingetretener Verjährung form­los nicht schriftlich erfolgtes Sdmldanerkenntnis kann hier- nad>, wenn es in Kenntnis der Verjährung abgegeben ist, als stillschweigender Verzicht auf die Einrede der Verjährung geltend gemacht werden und wirksam fein.

Endlid) ift gegenüber der Einrede der Verjährung der Ein­wand der Arglist Möglich nach § 242 BGB., dieser indessen nur dann, wenn der Schuldner dem Anspnichsberedstigt''n burd) sein Verhalten begrünbeten Anlaß gegeben hat, während der Verjährungszeit von der gerichtlichen Geltendmachung feines An- sprudjs abzusehen.

----------------- >1. _ L_ | jiii 3ft Napoleon wirklich auf St. Helena gestorben?

TerTemps" veröffentlidst einen kuriosen Artikel aus der Seher des Herrn Alb6ric Cahuet, in welchem erzählt wirb, daß bie Nachricht vom Tode Napoleons im Mai 1821 nickt nur in SFrankreich, sondern auch im ganzen übrigen Europa, vielleicht mit usnahme Englands, sehr kühl und gleichgültig aufgenommen wurde. Es gab nämlich damals sehr viele Leute, bie überzeug^ waren, daß Napoleon niemals nach 3t. Helena verbannt worden war, und daß er infolgedessen dort auch nicht habe sterben können. Ihren Ursprung hatte diese felsenfeste Ueberzeugung in einer Anzahl merkwürdiger Zeugnisse, die später von einigen für das Romantische und Extravagante schwärmenden Sckriftstellern ge­schickt gruppiert worben sinb. Tas erste dieserunanfedstbaren" Zeugnisse lieferten bieMämoires de l'agent Sebra", bie 1840 in Lüttich lierausgegeben wurden. Sebra, ein ehemaliger Polizei­agent, erzählt in ben Memoiren, daß er, als er der Person des Kaisers attackiert war, im März 1808 von dem Polizeirninifter Fouche, beauftragt wurde, einenDoppelgänger" Napoleons aus­findig zu machen. Fouche lvünschte lebhaft, eine Person, bie bem Kaiser ähnlich wäre, bei ber Hand zu haben, um sie bei ge« wissen Gelegenheiten für den Kaiser eintreten lassen zu können. Ledru fanb sehr rasch ben Mann, ben er suchte, bank dem Beistanb bes Obersten Rochalve vom 3. Plänkler "Regiment, der ihm unter seinen Soldaten einen zeigte, welcher infolge seiner-Aekm- lichkeit mit bemPetit Corporal" im Regiment zu einer Be­rühmtheit geworden war. Es war ein gewisser Francois Eugene Robeaud, der am 19. Juli 1781 in dem 6 Kilometer von Verdun gelegenen Oertchen Baleicourt geboren war. Ledru erzählt, daß er diesen Robeaud zu Foucpe brachte, und daß dieser den Mann dem Kaffer vorstellte. Dann heißt es weiter: Bis 1816 hörte ich nichts mehr von ihm. 1816 aber meldete der Bürgermeister von Baleicourt der Polizei Ludwigs XVIII. das Verschwinden Robeauds, von dem man schon seit einem Jahre nichts mehr gehört habe. ES wurde ein Ermittelungsverfahren ringel eit et; aber es führte zu nichts, und die Sache blieb unerledigt. Zch habe^dahmter immer ein Gelirimnis vermutet."

w..-tadGeheimnis" wird durch nacMehende Zeugnisse aus- aeklart. Zuerst tritt Miß Maud Ella Richie, bie den Kaiser Jebr genau kannte, aut ben Plan. Sie hatte Gelegenlirit, ben Gnangenen von e>t. Helena zu sehen, hat in ilnn aber nicht dcnr Malier erkannt. Und es wird nod) besonders liervorgehoben, daß der General Bertrand und,der famose Arzt O'Möara mit dem gefangenen von Longwood sehr familiär und ohne den geringsten .neipekt sprgdxn, während der Gefangene immer höchst demütig unb imterrounig anttvortete. Dann erklärte ein Juwel en Händl er aus Verona namens Petrucci, bas; im Jahre 1816 sich dickt neben ;einem Laden ein sehr intelligenter Brittenhändler etab-

Qn!t ^brE) sich bald bie Svmpathie ber ganzen Aadwarichatt unb wußte sich burch sein liebenswürbiges Be- nehmen eine gute jiundschaft zu verscliaffen. Er srinen etwa lunszig Jahre alt zu fein und glich bem Kaiser Napoleon so sehr, datz man ihm allgemeinBuonaparte" nannte. Ein paar Jahre lebte er sehr ruhig unb zufrieben, bis er rines schönen Morgens im ??? . 11 ",<nPon ^5ft"sei Llbsdned nahm, indem er ihm mit ben Worten:Wenn oie innerhalb brrier Monate von mir nichts Jw'/ -nn spucken Sie diesen Bries an ben stönig von Frank- reid>. einen neriiegeltcn Briefumschlag übergab. Er ging bann Tort, um nie wiederzukehren. Petrucci hielt das gegebene Ver- iprcdKii unb 1 durfte ben Brief ab. Und es erschien halb darauf cm tranzonicher Polizrimann, um bie Hinterlassenschaft bes ge­heimnisvollen Brillenmachers zu ordnen. Petruccis Sduvrigen crkauite man mit100 000 Äronen". Und der Juwclenhändler von Jerona war bis an sein Lebensende überzeugt, baß sein Nachbar kein anderer geweien war als Napoleon.

. . Zeugnisse werben unterstützt unb erhärtet durch

einige Mitteilungen, bie füroffiziell" gelten: 1. Mcm liest unter bem a. September 1823 in den Eimragungen des Staats­anwalts Karl Friedrich Arnstein, ber in Schondiunn bei Vien amtierte:Gestern versuchte ein Unbekannter bei Nacht die Park- maucr zu erUettern und in den Park etn.wbring*n. Die Schilb- wache schoß auf ihn. Er konnte nur nod) die Worte: jöenoa Don Rcickardt . -König . . . Sohn'" spi cken. dann versrffieb cr- er keine Papiere bei sich hatte, konnte seine Jdentttät

r.^!ldC,lCkt Aber er muß wohl Franzose unb eine

icbr bedeutende Persönlichkeit sein, denn Oie französische Gesandt-