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2.3.1912 Fünftes Blatt
 
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Itr. 55

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DieLandwirischaslltchen Seit»

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General-Anzeiger für Oberhefjen

tragen" erscheinen monatlich zweimat.

£teSletzrner ^amiliendlStter" werden dem Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, das Xrelsblah ffir den Kreis Ziehen" zweimal

Sünftes Blatt 162. Jahrgang

Gießener Anzeiger

Samstag, 2. März 1912

RotanonSdrua und Verlag der Brühl'schen UniversilälS Buch- und Steindruckerei.

R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- strafe 7. Expedition und Verlag: 5L

Redaktion:e-HA 112. Tel.-AdruAnzelgerGteßen.

hessische Zweite Kamm«.

bs. Darmstadt, 1. März.

Der heutige Tag brachte den Schluß der Hauptaus- - spräche und den Anfang der Einzelberatung. Der Sozial- -lmokrat Adelung und der Nationalliberale Dr. W i n k- ilrr roaren die letzten Redner zur allgemeinen Beratung, DHT Abg. Adelung scheint es in der Tat ernst mit einem Bündnis der Freisinnigen zu sein, denn er umschmcichelte tiefe Partei in einer Weise, die für einen Sozialdemokraten vt>gewöhnlich ist.

Abg. Breidenbach holte sich freiwillig seine Rüge, Indem er sich als denjenigen bezeichnete, der gesternUn­verschämtheit" bei der Rede des Abg. Korell-König- slädten rief.

Der Abg. Dr. Winkler hielt Abrechnung mit den Freisinnigen und den Sozialdemokraten. Besonders bc- Mftigte er sich mit dem neu in das .Haus gekommenen ^geordneten Korell-Königstädten, der seiner Ansicht nach her Typ eines politischen Berwandlungslünstlers sei. Auch auf den Abg. Henrich richtete er seine Pfeile. Herr Heu nd) spiele sich als der Finauzmiuister per excellence auf. Liefer Abgeordnete glaube, daß durch sein Erscheinen im Landtage eine Lücke ausgefüllt worden sei. Gegen den Abg. -orell-Königstädten wandte sich auch noch der Abg. W o l f - btadccken, der sich über den Ton beschwerte, den dieser Ab- grordncte in die Kammer trägt.

Sitzungsbericht.

Präsident Köhler eröffnet um 9*/i Uhr Die Sitzung.

Ter Abg. Breidenbach (Bbd.) erklärt vor Eintritt in bie Tagesordnung, daß er es gewesen sei, der gestern den Zwischen- pisUnverschämtheit" gemacht habe. Der Präsident erteilt dem geordneten deshalb nachträglich einen Ordnungsruf.

Zur Tagesordming, Fortietzung der Generaldebatte über den ktaatshaushalt, sprichl^der

Abg. Adelung (Soz.). Ich will nicht auf Einzelheiten ein len, aber ich kann Ihnen versichern, daß die Lage kleineren iprrten geradezu erschütternd ist. Hier ist eine durchgreifende [je notwendig. Aber nicht nur die unteren Beamten, sondern Hein Teil der akademisch gebildeten Beamten ist nicht auf Rosen «tlet. Bei den nichtakademischen Beamten wird oft nicht ein l das Existenzininirnum erreicht. Der Redner wendet sich kN gegen die Politik der nationalliberalen Partei. Bon den t sogenannten Nationalliberalen, die in Hessen in den ReickMag chlt wurden, ist nur ein einziger, der wirtlich als national al anzusprechen ist. Herr Dr. Osann hat gesagt, die Sozial traten und die Freisinnigen seien Stiefbrüder. Ihre Freunde,

Dr., sitzen hier. (Der Redner zeigt anf den Bauernbund.) daß Ihre Partei der Stiefelputzer dieser Herren ist. Dem Dr. Osann kann der Borwurf nicht gemacht werden, daß er alc Anwandlungen habe. Was die Zollpolitik angeht, so >e von dem Abg. liebel erklärt, daß man keinen Abbau der e wolle. Die Landwirtschaft blute noch unter den Caprivischen Xlsverträgcn. Das ist für mich interessant, denn das Zentrum damals selbst seine Zusttmmung dazu gegeben. (Abg. liebel: kn darum.") 9hm, dann ist das also ein Bedauern, was Jt damit anHprcchen. Es läßt sich nicht bestreiten, daß die Hölle die Kleinen mehr treffen als die Großen. Es gehen allein vi Getrcidezölle etwa 600650 Millionen Mark int Jahre ein. Jür die Verstaatlichung der Offenbacher Polizei bestehen keine «Neichenden Gründe. Die Regierung will die Gemeinde damit Er schikanieren. Die Reichsfinanzreform war keine nationale t.roie sie hier genannt wurde. Eine Reicl)sfinanzreforin war swiß notwendig, das haben auch wir aiicrlamit, aber die Wege, h man wählte, waren falsch. Was die Teuerung angeht, so Wge ich: Entspricht die Schließung der Grenzen wirklich einem ßcdürfnis? Wenigstens in Zeiten der Not sollten die Grenzen prffnet werden. In Mainz hat sich ergeben, daß eine vorüber Itenbe freie Einfuhr von französischem Vieh einen Preisrückgang r Fleisch gebracht hat. Auch mit der Seuchenverschleppung ist M nichts so schlimm. 42 Prozent unseres einheimischen Viehes an Tuberkulose, von dem eingeführtcn Vieh dagegen mären nur <- 3 Prozent von der Tuberlulose befallen. Das sind doch Er »bningen, die man sich zu mitze machen sollte. Nun zum Wahl M. Sie inadi rechts) Itabcn durch Ihr Wahlrecht einer großen tybt hessischer Wähler das Wahlrecht genommen Die Interessen breiten Massen kommen in diesem Wahlrecht nicht zum Ausdruck.

In Schulfragen stehen wir auf dem Standpunkt, daß die gemeinsame Sckmle erhalten werden soll. In religiösen sowohl als cutch in politischen Dingen soll man den Leuten völlige Freiheit gewähren. Die Schule ist die beste Basis für ein späteres gemeinsames Zu­sammenleben. Schule und Kirche müssen getrennt werden. Der Religionsunterricht soll dem Geistlichen Vorbehalten werden. Der Mg. Hebel hält liberal und Unglaube für glcicksbedeutend. Wenn er gesagt hat, daß alle Gläubige und Konservative zusammen stehen sollen, so gibt es dagegen nur das eine Mittel: der Zusammen­schluß aller Liberalen. Wir werden stets dafür kämpfen.

Der Präsident rügt den Ausdruck, daß die Negierung die Gemeinde schikaniere. 4lbg. Adelung rektifiziert und sagt, daß die Negierung der Gemeinde nicht wohl wolle.

Abg. Dr. Winkler (natl.): Ich muß mich gegen die An­griffe des Finanzministers wenden, die er gegen meinen Partei­freund Dr. Osann gerichtet hat. Ich glaube, daß kaum einer sonst hier die Ausführungen des Dr. Osann mißverstanden hat. Der Staats muß sein besonderes Augenmerk auf die Jugendpflege richten. Sie ist die beste Hilfe zur Bekämpfung der internatio­nalen Sozialdemokratie. Sie ist auch ein Mittel gegen die Anhäufung der Massen in den großen Städten. Tie akade­mischen Berufe sind überfüllt. Dieser Mißstand läßt sich nicht beseitigen, indem man die Examen vcrschärst. Mau müsse schon in den mittleren Schulen die Spreu von dem Weizen sondern. Man würde dann auch zu einer besseren Wertung der Wissenden kommen. Tic Herren, der Linken werden ja selbst wissen, welche Macht ihnen eine geistige Ueberlegenheit bringt. Redner wendet sich dann gegen die Ausführungen des Abg. Henrich (Fortschr. Vp.). Aus jedem Ton seiner Rede ging hervor, daß er mit dem Bewußtsein in dieses Haus kam, eine Lücke auszufüllen. Die Ueberlegenheit, mit der er seine Etatsrede hielt, zeigte, daß er von sich glaubte, selbst ber beste Finanzmimster zu sein. Der Abg. lUrid) hat gesagt, daß man bei den Bauassistenten mit dem Sparsamkeitssystem angefangen habe. Das ist ein Irrtum. Sic sind nicht aus Sparfamkeits.ücksickstcn entlassen worden, sondern weil die Baulätigbit eingeschränkt wurde. Dann hat der Abg. lUrid) den sonderbaren Vorschlag gemaclst, zwei Mnisterposten zu streichen. Er wollte damit nur seinen Wählern Sand in die Augen streuen, damit es draußen im Lande heißt, der Ulrid), das ist ein Kerl, der traut sich sogar an die Minister heran. Die Aufbesserung der Beamtengehälter ist dringend notwendig. Die Beamten müssen aber endlich Taten sehen. Geben wir also den Beamten was sie fordern, und die Regierung wird davon selbst den größten Vorteil ziehen.

Der Redner wendet sich dann der allgemeinen politischen Lage zu. Der Justizrat Gallus im Wahffreise Tannstadt-Groß- Gerau führt seine Anhänger in das sozialistische Lager. Unter diesen Umständen ist ein Zusammengehen mit dieser Partei nidtt möglich. Hat dock) der Abg. Morell Mömgjtäbten selbst ein­mal gesagt, daß er es bedauere, daß das Bündnis mit der Sozial- demolratie gescheitert sei. Wenn sid) die Herren Freisinnigen ihres Stimmenzuwachses rühmen, so müssen sie bedenken, daß wir ihnen eine ganze Reihe von Wahlkreisen geschenkt haben. Wir haben ihnen viel größere Opfer gebracht als sie uns. Sie haben fid) von den Sozialdemokraten und and) von beit Konser­vativen wählen lassen. Sie sind positiv für die Sozialdemo­kratie eingetreten. Es ist feine Kunst, den deutschen Staats­bürger unzusrieden zu mad)en. Das beste Beispiel dafür ist, daß Sie inach links) hier sitzen. Parteien, die die Unzufriedenheit nähren, machen in unserer Zeit das beste Geschäft. Sie sollten sich hüten, das zn sehr hinauszuposaunen. Die Sozialdemokratie treibt Personenkult. Im Hessischen Volkssrennd wurde das Bild des Reichstagsabgcorbneten Quessel allen Genossen zur Auschaf- fung .empfohlen. Die Freisinnigen machen es gerade so. Jin Wahlkreise Alzey-Bingen habe ich aud) das Bild des Pfarrers Korell gesehen. Id) frage mich, wie kann man denn diesen Mann hier aufhängen? -"Zwischenruf:Sie sind wohl eifersüchtig?")

Präsident Köhler: Sie meinen wohl das Bild. Große Heiterkeit.)

Abg. Dr. Winkler (wrtsahrenb): Wir verstehen das ein­fach nicht oder verstehen es doch. Aber meine Partei macht einen solchen Heroenkült nicht mit. Was das Auseinanderfallen der nationalliberalen Partei anbetrifft, so werden wir Ihnen in dieser Beziehung noch eine große Enttäuschung bereiten. Der Abg. Korell Königstädten hat sid) für die Zölle ausgesprochen, weil es so für seinen Wahlkreis am besten passt. Es empfiehlt sid) überhaupt,, den Abg. Korell bei seinen Wahlkreisen zu be- obad'tcn. Dieser Abgeordnete ist für mich der Beweis, daß es aud) unter den Menschen Mimigris, das sind verwandlirngsfähige Tiere, gibt.. Aber in Ober Hessen sind die Wähler nidst so leicht zu beeinflussen wie die Halbfranzofen in Rheinhessen. Das erste

Auftreten bei der Elektrizitätsdebatte war nicht für den Abg. Korell-Königstädten. Wie man aber dem Abg. Morell aus seinem Standpunkt zur Zollpolittk im Gegensatz zu dem seiner poli­tischen Freunde keinen Vorwurf macht, so sollte man es uns aber auch nickst immer vorhallen, wenn einmal dieser oder jener aus unserer Partei einmal -eine andere Meinung hat Der Abg. Korell hat sich aber aud) eine kleine imlitifdw Bilanzverschleie­rung zu schulden kommen lassen, weil er aus Taktik nickst von den Nationalliberalen gesprochen hat. Herr Korell hat den Bund der Landwirte gemeingefährlick) genannt. Danach wären alle Berufsvertretnngen gemeingefährlich. Die sozialdemokratisck)e Be­wegung wird meines Erackstens etwas vorübergehendes sein. Man hält uns immer vor: Laßt einmal das Volk reif werden, bann sollt ihr sehen, wie es eud) geht. Wir sehen der weiteren Entwicklung der Dinge gern entgegen. Je reifer das Volk wird, desto mehr wird es sich von denjenigen abwenden, die den Gang der Staatsmasckstne hemmen wollen.

Damit ist die allgemeine Beratung über den Hauptvoranschlag gesckstossen.

Abg. Wolf-Stadecken (Bbd.) (zur Geschäftsordnung): Wir werden im Seniorenkonvent nicht noch einmal jeder Fraktion zwei Redner gewähren. Der Abg. Korell-Königstädten hat burd) die Art seiner Reden das gute Einvernehmen, das hier immer obge maltet hat, gestört. Dadurch wird die Rechte nur um so stärker zusammengehalten.

Abg. Adelung >Soz.): Es kommt bei der Zalst der Redner ood) nicht auf die Stärke der Fraktionen an, fonbent auf das, was die Rebner zu sagen haben.

Es folgen bann persönliche Bemerkungen der Abg. Henrich, Korell M'önigftäbtcn und Dr. Winkler. Der Abg. Korell Mönigftäbten erhält eine Rüge, weil er gegen den Abg. Dr. Winkler persönlich wurde.

Es tritt dann eine Pause ein. Nach dieser beginnt die Spezial­beratung.

Zu Kapitel 1, Reste aus früheren Jahren, beantragt der 2lus- schuß die Bewilligung der "Einnahme von 465 718,02 Mk., der Ausgabe von 1849,68 Mk., und beantragt weiter: fid) damit einverstanden zu erklären, daß aus dem Abschlüsse der Jahres red nung von 1910 der Betrag von 2 060 079,67 Mk. vorerst reserviert bleibt, bis endgültige Entscheidung über diesen getroffen wird. Der Antrag wird ohne Aussprache angenommen.

Bei Kapitel 2, Verwaltung, Kamera! und Forstdomänen des Gros l erzoglichen Hauses, fordert bie Mehrheit des Ausfdmsses 10 00ll Mk. zur Herstellung des vierten Affembleezimmers und. die Bewilligung der Einnahme von 6 273 750, Mk., bet Ausgabe von 5 021 102,43 Mk.

Heber diesen Antrag kommt es zu einer Aussprache.

Abg. Stopl er (Ntl.) wendet sid) gegen die Umwandlung der Oberförsterstelle in Lqstterbach in eine Forstassistentenstelle.

Abg. Morell- Angenrod (Bbd.) hält den Preis der von den StaatLbomänen^für Stroh geforbert wird, für zu hoch.

Abcf7 Rckab (Soz.) spricht der Forstverwaltung seine An­erkennung aus, baß sie den Holzhauern eine Lohnerhöhung bewilligt habe. Er spricht bann gegen bas Verhalten einiger Oberförstereien, besonders der Oberförsterei Darmstadt, die sich den Forderungen der Holzhauer gegenüber rigords verhalten.

Abg. Henrich (Fortschr. Vp.) spricht für die Aufbesserung der Forstwarte.

Abg. Hauck (Bbd.) tritt für die Belassung der Dberförfttfe in Groß-Umstadt ein.

Abg. Brauer (Bbd.) ist der Ansidst, daß aus den Jagd- öerbadtungen zu geringe Einnahmen erzielt werden, die in keinem rechten Verhältnis zu dem Wildschaden stehen.

Abg. Wigand (Zentrum) wünscht M Erhaltung der Ober­försterei in Wimpfen.

Abg. Kredel (Ntl.) schließt sick> diesem Anträge an.

Abg. Dr. Osann matl.) wünscht gleichfalls eine Aufbesse­rung der Kommunalforstwarte. Im Landtage sei diese Angc- legcnh.it bereits am 17. Mai 1910 behandelt worden.

Abg. B e st natl. > wünsdst, daß die Hofjagden wohl freihändig abgegeben werden formen, daß aber alle anderen Jagden zur Versteigerung kommen sollten.

Abg. Busold -Soz.) unterstützt den Antrag Raab und be­schwert sich ebenfalls über das zu scharfe Vorgehen der Ober­förstereien.

Abg. Brauer (Bbd.) beantragt, die beiden Vorstellungen der Städte Wimpfen und Groß-Umstadt auf Erhaltung der Ober­försterstellen für erledigt zu erklären.

Geheimrat Wilbrand: Man müsse sich klar darüber fein, daß mit der Revision einiger Beamtenstellen eine Anzahl von Gemeinden gefd)äbigt werden. Wenn man sich nicht klar dar­

Der Doppel dut. Die englischen Modeerfinder setzen kn Stolz darein, nidit nur elegante, sondern auch praktische ihrem Pudliium darzubieten. Während die sranzösischen Irttentünftler das Bedürfnis derpraktisd)en Hausfrau" nicht il außer Acht lassen, nimmt man in England daraus besondere

^rauctt^ciiiUctoti.

Die Grundlinien der neuen Mode.

Nur langsam und bedächtig lüften in diesem Jahre die Pa­tt r Modensa öpser die Schleier von dein großen Gelreimnis der rurn Frühjal-rsmode. Jetzt hat der Leiter des berühmten Schnei decheliers Redfern in Paris einem Mitarbeiter des Neu- k? Herald einige interessante Einzelheiten über die kommenden Buitber verraten.Die kommende Mode," so erklärte Mr. Ncd- k.wird den Geist des gried-ischen Gewandes mit der Anmut und Ivc'.nehmheit der Roben des zweiten Kaiserreiches vereinigen. Wie 'km man über das zweite Kaiserreich denken mag, niemand kann kreiten, daß es eine Zeit des Luxus war. Damals begünihgte Vt Mode der Verwendung von üppig sließendcm, kostbarem Ma- kial, und das gab der Geselligkeit und der Frau jener Zeit eine Rr:e von Vornehmheit Das ist das Prinzip, an dem sich die kniende Mode inspiriert hat und in dieser Richtung liegen and)

Grundlinien der Neuen Frübiahrstradst. Alle Jjarten und fflkersallenden Stosse werden verschwinden, an ihre Stelle treten iBtidje, zarte, schvnsallende Gewebe. Die straffen, herben Linien k vergangenen Mode mit ihren llebertrcibungen sind vorbei: nn künftig wird das Streben vorherrsd>en, die natürlidien Linien

Körpers harmonisch zur Geltung zu bringen, aber alle ge Mlichen Extreme sind verbannt. Und das ist wohl das Cba- 'cheristische der neuen Tracht: daß alle Ucbertreibungen ver- tben sind Der neue Rock z. B. ist von dem Hiunpelrock. tkio weit entfernt wie von dem berüditigtenBallonrock". Die fr:e der Hüffen wird betont, zugleid) aber durch Volants aus Wnen alten Spitzen gedämpft und gemildert. Der Rock wird

genug sein, um körperliche Grazie zur Geltung zu bringen, PM' id) aber weit genug, um der Trägerin statt des Trippelns ein - > h zu erlauben; sie wird aud) in einen Wagen steigen können, »h ihr Kleid bis zu den Knien raffen zu müssen. Die Dame

ick) nickst mehr in ein Futteral pressen, sondern sie wird bc kt11,e Lingeriekleider tragen. Und in ihren Reichtum an Sticke g'f. und tastbaren Spitzen ist die neue Mode auch wirklich ein? tie für Damen im Gegensatz zu der verflossenen, die sich iflitlid) für dieMidinette" eignete."

Rücksicht und weiß, daß ein Modell auf den besten Erfolg zu rechnen hat, wenn cs das Nützliche mit dem Angenehmen ver­bindet und Schick mit Billigkeit vereint. So haben Londoner Modefirmen vor einiger Zeit die Gesellfchaflstoilette gebracht, die gewendet als Straßenkleid getragen werden kann. Wie aus der Raupe sich der schöne Schmetterling entwickelt, so verwandelt fid) die Besitzerin eines fold'.en Kleides aus der Trägerin eines ein fad knappen Promenadcnkostüms in eine Dame in großer Toi fette. Der Erfolg mit diesem Versuch hat nun die Erfindung des Dovpelhutes zur Folge gehabt, der in der englifd)en Nach­welt gegenwärtig. Aufsehen erregt. Bei der Kostspieligkeit der modernen Hüte ist es aber aud) wirklich die ebenso einsadst wie kluge Lösung eines schwierigen Problems, daß die Käuferin eines solchen Doppclhntes zwei elegante Hüte erwirbt. Die Hüte sind aus weichem Seidenstroh gemacht; die äußere und die innere Seite iveisen verschiedene Färbungen aus. Tas außerordentlid» rveiche Strob läßt sich falten, biegen und wenden, ohne daß es bricht, und so genügt eine Handbewegung, um den weißen Strohhut umzuwenden und nun einen roten aufzusetzen. Der Rand wird ausgeklappt und bietet einen pikanten farbigen Kontrast zu dem Kopf. Die Garnierung besteht aus einer großen Schnalle oder Schleife, die am äußersten Ende des Randes angebracht ist, und beim Umdrcben wieder an dieselbe Stelle kommt. Die Hüte sind in Farbe und Form höchst gesd)mackvoll zusammengestellt.

5? o ch sch u l e für Frauen zu Leipzig. Ein erfreu­licher Beweis für das erwachte Kulturbewußtsein unserer Frauen­welt ist der glänzende Ausschwung, den die neue Hochschule für Frauen zu Leipzig genommen hat. Im ersten Semester, das jetzt zu Ende geht, ist diese jüngste Bildungsstätte deutscher Frauen fast von 900 Hörerinnen und Studierenden besucht tvorden. Ber- gleidst man das neue Vorlesungsverzeichnis, das soeben trfd)ienen ist, mit dem vorhergehenden, so erkennt man deutlich das bewußte Vorwärtsschreiten der jungen Anstalt. Nickst nur, daß die Vor­lesungen bedeutend zahlreid>er und systematischer geworden sind, sondern es stehen jetzt den Studierenden der neuen Hochschule auch eine große Anzahl praktischer Uebungsstätten zur Verfügung. Ferner sind zwei wissenschastliche Institute eingerichtet worden, ein Institut für Erziehungskunde und ein sozialwissenschaftliches Seminar.

D i e Frauenrechtlerinnen am Scheidewege. Die bekannte Neuyorker Millionärin Frau O. H. P. Bel- m_o n t, die durch Errichtung eines billigen Gasthauses und eines Schönheitssalons" für das Frauenstimmrecht Stimmung zu machen sucht, muß jetzt erfahren, daß Undank der Welt Lohn

ist. In ihrem Sdwnheitssalon kann man massiert, frisiert und verschönt werden, die erlesensten Toilettewasser stehen zur Ver­fügung und die Idee, mit diesem Köder putzsüchtige Frauen an­zulocken und so allmählich für das Frauenrecht zu interessieren, hat sick) zwar in der Praxis bewährt: es fehlt nickst an Kunden, aber den Gehilfinnen von Mrs. Belmont sind plötzlich Bedenken aufgetaucht und so manche Unstimmigkeiten erstanden. Zuerst begannen die Damen zu streiken, die in dem Gasthaus kochen und bedienen. Mrs. Belmont wollte ihre eigenen Diener zur Aus Hilfe hinschicken, aber die Männer waren empört und liefen ohne Münbigung davon. Nun hat auch die Vorsteherin des Schönhettssalons ihre Demission gegeben. Sie ist der An sich!, daß diese Form ber Propaganba doch der großen und sckwnen Sache unwürdig sei.W^nu sie eintreten, werben sie empfangen mit ber Frage:Haben Sie schon mit diesem Haarwasser einen Versuch gemacht? Haben Sie schon jene Teintpillen erprobt?" Unb bas scheint mir nicht ber rechte Weg, bas Frauenstimmrecht burch- zusetzen. Mrs. Belmont meint es gut, sie hat Tausende aus- gegeben. Sie kommt jeden Morgen um zehn mit ihrem schönen Privatautomobil, ein Diener öffnet ihr den Schlag. Daun kommt sie herein und arbeitet, kostet die Suppe, arrangiert die Seifen im Schönheitssalon und beaufsichtigt alles. Sie ist unermüdlich, aber sie hat meiner Ansicht nach einen falschen Weg eingeschlagen unb barum trete ich zurück." Unb nun herrscht im Frauen- klub bittere Zwietracht, bie einen sind für ben Sciwnheitssalor unb bie anderen bagegen. Was wirb gcsck)ehen? Tie tätige Mill lionärin erklärt jebenfalls, sie werbe ihren Plan nie aufgeben sie wirb weiter Seife unb Haarfärbemittel verkaufen, zum Heil unb Frommen der Frauenrechtlerinnen. Und beweisen, baß bies bei rechte Weg zum Frauenstimmrccht ist.

ff; D i e weibliche Polizei in Siam. Siam ist wohl bas einzige Land, das sich einer vollständigen weiblichen Polizei macht rühmen kann. Es ist keine leichte Aufgabe, die den Amazonen anvertraut ist. Sic haben das - verantwortungsreiche Amt, den Harem im Palaste zu Bangkok zu bewachen. Trotz der schönen Uniform ist ihr Anblick fürchterlich, denn nurmordshäßlick^e und schon in gereiftem Alter stehende Tarnen" werden für die Polizeimacht angeworben. Wer auch immer das innere Schloß, ben Wohnsitz der königlichen Frauen unb ihrer Hofbamen betritt bem heftet sich sogleich ein weiblicher Polizist an die Fersen Aber da,die Anforderungen groß und die Gehälter klein sind, so hält es schwer, diese Amazonen stets zu ergänzen.