Ausgabe 
29.3.1912 Zweites Blatt
 
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zwei schwarze Mmorka, in zwei Pekingenten, in einer indische Laufeliten und in zwei Emdener Gänse. Ist schon in der Aus­wahl der Rassen einige Sicherheit für den landwirtschaftlichen Wert derselben geboten, so rotrb durch planmäßige Zucht auf Leistung unter Anwendung von Jallnestern eine Erhöhung der Legetätigkeit, soweit diese mit der Erhaltung des Rassetyves und einer festen Konstitution vereinbart ist, noch besonders zu erureben gesucht. Ta die Preise für die Bruteier nut 12 Pfennig für Hühner, 20 Pfennig für Eliten und 40 Pfennig für Gänse sehr niedrig gehalten sind, sollte die Gelegenheit zur Beschaffung eines leutungSiähigen Zuchtstammes aus billigstem Wege immer noch mehr von den Landwirten benutzt werden. Jede weitere Auskunft über die Geflügelzuchtstanon^n wird bereitwilligst votn Landwirt- ichaftskammer-Ausschuß in Gießen erteilt.

Luftschiffahrt.

Ein alter Theoretiker der Asronautik.

Zu den Männern der Wissenschaft, die schon vor Jahr­hunderten das Problem der Luftschifsahrt erörterten, gehört Philipp Lohmeier, ordentlicher Professor der Physik an der 1619 gegründeten und 1809 eingegangenen hessisch- schaumburgischen Universität Rinteln. Sein am 4. März 1676 im großen Auditorium der dortigen Universität gehal­tener VortragExercitatio physica de artificio aeronautico" oderPhysikalische Abhandlung von der Kunst in der Luft zu fliegen", der durch den Druck vervielfältigt wurde, ist im höchsten Grade bemerkenswert.

Lohmeier schlägt darin vor, Kugeln, hergestellt aus dün­nen Kupferblechen, von denen zwölf, je ein Quadratfuß groß, nicht meyr als ein Pfund wiegen sollen, nach Art des Torricellischen Verfahrens luftleer zu machen und ihnen ein leichtes Schiff mit Wänden von ausgespannler Leinwand oder Leder anzuyängen.Diese Kugeln, von der Erde los­gelassen, werden," so versichert er,das angebundene Schiff genau so in die Lust heben, wie sechs oder acht Ochsenblasen einen Menschen aus dem tiefsten Meere in die Höhe heb'en. Bei einer etwas größeren Ticke der Bleche seien solche Ku­geln bis zu einem Durchmesser von dreißig und mehr Fuß herzustellen. .Auch könne dies Schiff durch Ruder, Segel und Steuer regiert werden, vornehmlich, wenn die Ruder und das Steuer aus Leinwandstücken, ausgespannt zwischen hölzernen Rahmen, beständen. Sehr weitsichtig erweist der Gelehrte sich dann, indem er den Wert des Lustschiffes für kriegerische Zwecke andeutet. Zugestanden, daß ein solches Fahrzeug Missetätern die Flucht ermögliche, das Aengstigen und Erobern einer Stadt erleichtere, das Aus­sehen von Soldaten an jedem Orte gestatte, Segelschiffe be­unruhigen und andere Nachteile zum Schaden der bürger­lichen Gesellschaft verursachen könne, aber darum zu glauben, daß Gott die Ausübung der Luftschiffahrt hindern werde, gehe doch nicht an. Hube Gott die Erfindung der Säbel, der Musketen, des groben Geschützes und des Schießpulvers nicht verhindert, obwohl mittelst dieser Dinge einige Jahr­hunderte hindurch so vieles Blut vergossen sei, warum solle er nun wohl die Kunst der Aeronautik verhindern wollen? Uebrigens würde wider jene Nachteile im gemeinen Leben die Not in kurzem geeignete Hilfsmittel ausfindig machen und gleichwie man den Musketen ebensolche Musketen und dem groben Geschütz ebensolches grobes Geschütz ent­gegengesetzt hat, ebenso wird man auch vielleicht den Schiffen in der Luft ebendergleichen Schiffe entgegenstellen und Luft­schlachten unternehmen." -

Diese Aussicht scheint ihm selbst unheimlich zu sein, denn er bricht ab mit den Worten: ,,Aber endlich höre ich auf, hiervon weiter -etwas zu schreiben." Zum Schluß betont er nochmals, daß sich das Gelingen seines Vorschlages nicht bezweifeln lasse, wie dieser ja aus ganz zuverlässigen Grund­sätzen beruhe, nämlich: daß die Lust schwer und flüssig sei und aus einem Gefäß könne heransgezogen werden, und daß die Oberfläche der Kugeln in zweidoppeltem, der Jnhatt oder innere Raum in dreidoppeltem Verhältnis" wachse. Aber nun müssen," so endet er,unternehmende Männer, welche mehr Muße und Vermögen dazu haben als ich, Hand an das Werk legen. Der Preis des Kampfes ist aufgesteckt; es erringe ihn, wer kann. Gott allein die Ehre!" O. K.

Lin Soldat als Mörder feines Hauptmanns.

In Osterode hat ein Soldat einen Hauptmann er­schossen und danach sich entleibt. Wir erhalten darüber fol­gende ausführliche Meldung:

Osterode, 29. PLärz. Hauptmann Re et sch hatte gestern vormittag nach dem Exerzierdienst um 11 Uhr zum Kleider­und Stiefel-Appell aMreten lassen. Kur- nachdem dem Haupt­mann die Kompagnie vom Feldwebel gemeldet worden war und Hauptmann Reetsch sich anschicktc, die ersten Leute seiner Kom­pagnie zu mustern, siel plötzlich aus einem Gangfenster des zweiten Stockwerks der Kaserne ein scharfer Schuß. Im gleichen Augenblick stürzte Hauptmann Reetsch lautlos zu Boden. Ter JÄdwebel und ein Leutnant bemühten sich sofort um den an der Erde Liegenden, sahen aber gleich, daß dem Verletzten nichtmehrzu helfen war. Gleich darauf krachte ein zweiter Schuß im Gange des zweiten Stockwerks. Nach­dem der Täter den Erfolg seines Schusses gesehen, setzte er die Mündung seines Gewehrs zwischen Kinn und Kehle und zog den Abzug mit der Fußspitze ab. Ter Schuß durchschlug den Kopf und trat an der oberen Schädcldecke heraus. Auch der Mus­ketier war sofort tot.

Tic erfte Kompagnie, vor deren Front der Hauptmann tot auf der Erde lag, wurde sogleich in die Kaserne entlassen, Tie Untersuchung wird darüber Aufklärung zu schaffen haben, wie es möglich war, daß der Musketier in den Besitz von scharfen Patronen gelangte.

Heber den Beweggrund zur Tat verlautet nichts, da die Kameraden der beiden Toten strengstes Stillschweigen über die Angelegenheit bewahren müssen. Der Musketier war 19 Jahre alt und stammte aus dem Herzogtum Anhalt. Er lvar im Sep­tember vorigen Jahres eingczvgen worden und hat sich während der RekrutenauSbildung, die im Februar beendigt mar, nichts zu schulden kommen lassen. Auch nach der Rekrutenbesichtigung hat er seinen Dienst stets zur Zufriedenheit jeiner Vorgesetzten getan und nie Differenzen gehabt. Er war der s»ahn eines Leiters m Bernburg. Sein Bruder ist Reserveoffizier. Den töd­lichen Sckmtz feuerte EmerSleben durch ein geschlossenes Fenster. Man nimmt an, daß er geistesgestört war. Ter Hauptmann erfreute sich allgemeinen Ansehens. Er hatte EmerSleben sogar in seinem Tagebuch für die Beförderung zum Gefreiten vorge- merkt. Der Hauptmann war in früheren Jahren wegen seiner Strenge bekannt, doch machte sich dies in der letzten Zeit weniger bemerkbar. Er stand im 45. Lebensjahr unb mar unverheiratet. Er stammt aus Pommern.

Die Berliner Untergrundbahn unter Waffen

Berlin, 28. März. Ter Schaden, den die Wasserkatastrophe am Untergrundbahnhos Spittelmarkt anaerichtct Hal, ist vorläufig unberechenbar. Tas Wasser ist in den Vormittagsstunden wieder um 10 Zentimeter gestiegen. Tie Kreiselpumpe, die in der Nacht mit großer Mühe in den Bahnhof hinabgeschafft wurde, ist infolge Kürzschlusses belriebSunfähig geworden. Man ist dabei, sic durch ein Balkengerüst wieder zu heben. Tie Feuerwehr ist von gestern früh bis vergangene Nacht mit 4 Dampf spritzen tätig gewesen. Die Verkehrs Hinderung ist sehr groß. Tie .Straßenbahn und die

Omnibusgesellschaften lassen zahlreiche Einsetzwagen durch die Leipziger Straße lausen.

Berlin, 28. März. Tie Feuerwehr, die gestern den ganzen Tag an den Pumparbeiten im Untergrundbahntunnel teilgenom­men hat, war noch im Laufe der Nacht abgerückt, nachdem die Bauleitung einige Kreiselpumpen, von denen jede einzelne 5 Kubik­meter Wasser in der Minute fördert, in Betrieb gesetzt hatte. An der Bruchstelle des Fangdammes sind einige Taucher be­schäftigt, um über die Ursachen der Störung Klarheit^zu ge­winnen. Tie Annahme der Ingenieure, daß die Decke des Tunnels ei na e stürzt sei, bestätigt sich. Taucher versuchen von dem in der Wallstratze gelegenen fertigen Luftschacht in^das Innere des Tunnels vorzudringen, um die Größe des Schadens fest­zustellen.

Berlin, 28. März. Heute vormittag um 11 Uhr kam das Wasser in dem Untergrundbahnhof Spittelmarkt zum Stehen und begann eine halbe Stunde später langsam zu sinken, ein Zeichen dafür, daß die 6 Kesselpumpen, die man augenblicklich km Betrieb hält, mehr Wasser hinausschaffen, als durch die noch undichte Spundwand eindringen kann. Um 2 Uhr ift das Wasser um etwa 10 Zentimeter gesunken.

Die Banträuber im Automobil.

Paris, 28. März. In Asniöres wurde ein Anarchist na­mens Blazius verhaftet, der im Verdacht steht, dem Automobil­banditen E a r » o u y Unterschlupf gewahrt und an einem Diebstahl teilgenommen zu haben. Es scheint, daß die beiden Anführer der Aurvbanditen, Bonnot und Garnier, gestern noch in Paris waren; zum mindesten behauptet ein Chauffeur mit aller Bestimmt­heit, daß er in zwei Leuten, die ihn aufgefordert hatten, sie nach Saint Germain zu fahren, die beiden Verbrecher erkannt habe. Ter Chauffeur erzählt, die beiden hätten dann ein anderes Auto genommen und seien mit rasender Geschwindigkeit davongefahren.

Die Gewinnung Oes Aluminiums.

Trotzdem das Aluminium das am meisten vorkommende Metall unserer Erde ist (stellt eS doch nach den Berechnungen der Forscher Clacke und Vogl nahezu 7 V» Prozent der die ganze Erdkruste bildenden ElementarbestandteÜe dar), so wurde es doch erst sehr spät als solches erkannt. Zwar hatte schon zu Anfang des 18. Jahrhunderts der englische Physiker Davy die Vermutung ausgesprochen, daß die allenthalben verbreitete Tonerde eine Metall­verbindung darstelle. Jedoch gelang es erst 1827 dem Teutschcn Wöhler, aus derselben das Aluminium darzustellen. Tie Ge­winnung erfolgte hierbei auf rein chemischem Wege durch Reduktion von wasserfreiem Chloraluminium mit Natrium oder Kalium. Dieses Verfahren war auch längere Zeit das allein möglick-e. Dabei wurde das Aluniinium jedoch nicht als eine zusammen­hängende Masse, sondern in Pulverform, gewonnen. Erst 1845 glückte es Wöhler, ein kompaktes Metall zu gewinnen, worauf der Franzose Teville die Gewinnung des Aluminiums behufs tech­nischer Verwertung im großen Maßstabe betrieb und zu diesem Zwecke in Frankreich mehrere Fabriken anlegte. Er wurde hierbei von der französischen Regierung, welche der Aluminiumindustrie von vornherein wohlwollend gegenüberstand, tatkräftig durch be­deutende Geldzuschüsse unterstützt. Als Rohmaterial kam Tonerde zur Verwendung, welche nach ihrem Hauptgewinnungsort Baux den Namen Bauxit erhielt. Dieselbe wurde in Pulverform mit cakinierter Soda im Verhältnis von 8 zu 5 vermengt und stark erhitzt. Dabei trennt sich die Kohlensäure von dem Natron und bildet mit der Tonerde eine in Wasser lösliche Verbindung. Wird dem abgeklärten Filtrat Kohlensäure zugesetzt, so verbindet sich diese mit dem Natron und die Tonerde scheidet als Tonerdehydrat aus, welches dann in einer Retorte unter Zuleitung von Chlorgas erhitzt wird. Hierbei bildet sich neben anderen Verbindungen Chloraluminium, das verdampft und in einer Vorlage nieder­geschlagen wird. Zur Reduktion des Destillats wird Natrium benutzt, das sich mit dem Chlor verbindet und dadurch das Alu­minium frei macht. Zu diesem Zwecke wird Natrimn, Chlor­aluminium und Kryolithpuloer zusammen in einen Flcunmenofen gegeben und dieser luftdicht abgeschlossen. Hier erfolgt die Zer­setzung der Chlorverbindungen unter schwachen Detonationen, wobei sich die geschmolzene Masse nach dem spezifischen Gewicht ablagert. TaS Metall wird für sich abgezogen, während die schwereren, ebenfalls etwas Aluminium enthaltenden Schlacken für sich ge­sammelt, pulverisiert und einem Schlämmverfahren unterworfen werden.

Diese Art der Aluminiumgewinnung ist sehr umständlich und kostspielig, so daß sich der Preis des damit erzielten Metalles unverhältnismäßig hoch stellt. Betrug derselbe doch anfangs 1200 Mark das Kilo und im Jahre 1855 noch 1000 Mark, um dann 1856 aut 300 und 1857 auf 240 Mark herunterzugehen. Eine weitere wesentliche Verbilligung ergab ein neues Verfahren. Das­selbe besteht im wesentlichen darin, daß eine Mischung von Tonerde, Küpser und Kohle in einem Graphittiegel durch einen Lichtbogen erhitzt wird, wobei die Kohle oxydierend auf die Tonerde einwirkt uitb das Metall ausscheidet. Dieses Verfahren lieferte ein be­deutend billigeres Aluminium, dessen Preis denn auch 1880 bis aus 80 und 1888 bis auf 50 Mark das Kilo herunterging. Aber cruck> solche Preise waren noch zu hoch, um eine allgemeine Ver­wendung dieses Metalls zu Zwecken, für die es seiner besonderen Eigenschaften wegen wohl geeignet war, mit Vorteil zu gestatten. Erst als Hsroult in Europa und Hall in Amerika neue Ver­fahren zur Aluminiumgewinnung ausgearbeitet hatten, trat hierin ein Wandel ein.

Beide Verfahren beruhen auf der Elektrolyse von geschmol­zenem, reinem, wasserfreiem Aluminiumoxyd mittels möglichst aschenfreien Kohlenanoden, welche aber Silizium in geringen Mengen an das Metall abgeben. Hierbei erfolgt die Uebertragung der ^chmelzhitze auf die Tonerde nicht mittels eines Lichtbogens, sondern gleichmäßig durch den Leitungswiderftand deS geschmol­zenen Elektrolyts selbst. Wohl bei keinem anderen Metall hat die Elektrizität einen so raschen Umschwung aller Verhältnisse bewirkt wie beim Aluminium. Ermöglichte dieselbe doch die Ge» roimtung dieses wertvollen Stoffes in so großen Mengen und zu so niedrigen Preisen, wie es vordem gar nicht für denkbar gehalten wurde. Der bis dahin mit 50 Mark immer noch als hoch geltende Preis fiel jetzt rapide und stand bereits im Jahre 1900 auf 2 Mark. Dadurch wurde das bisher nur als Luxusgegenstand be­kannte Metall, das als solches nur eine ganz beschränkte Ver­wendung finden konnte, mit einem Schlage als Nutzrnaterial in den Bereich der Technik eingeführt. Tiese ließ sich auch gar nicht lang' nötigen, sondern nahm sich mit allem Eiker des ihm zur Verfügung gestellten neuen Metalles an, um für dasselbe seinen Eigenschaften entsprechende Verwendungsmöglichkeiten zu finden. Waren diese im Anfang auch ziemlich beschränkt, da dem Aluminium neben seinen Vorzügen auch Mängel anhaften, die abzustellen, oder doch, soweit das nicht angängig, bei der Benutzung zu berück­sichtigen waren, so bauerte es doch nur eine verhättnismaßig^kurze Zeit, bis es seine heme schon in vielen Branchen dominierende Stelle erobert hatte.

ZCunft und Wissenschaft.

Schließung deS Neuen Theaters in Hal le a. S. Eugen Mauthner, der Direktor des Neuen Theaters in Halle a. S., kündigt an, daß er am nächsten Montag sein Theater räumen werde, um einem Lichtspielunternehmen Platz zu machen und sich selbst in Wiesbaden endgültig zur Ruhe zu fetzcii. Damit verschwindet in Halle ein kleines, tapferes Institut, welches außer­ordentlich viel für junge aufstrebende Schauspieltatente und Tra- maiiter getan hat und welches für Halle einen unschätzbaren Wert bedeutete, da dort sonst kein Platz für moderne dramatische Bestrebungen ist. Mauthner, der früher ein reisendes Ensemble geleitet hat, welchem auch M a t k o w s k eine Zeit lang an- achörte, war ein rastloser Arbeiter, der schauspieler, Sekretär, Bureauchef und Direktor in einem war und dem fcme künstlerischen Ziele unerreichbar schienen.

Tie Einweihung des neuen Campanile in Venedig. VenedigVenezia la Hella" die Königin der Adria labet in diesem Jahre die Welt zum Feste ein. Ter neue Glocken-

türm, der Campanile von San Marco, und die herrliche XSog* getta des Sansovino sind fertiggestellt an gleicher Stelle und genau bis in den kleinsten Einzelheiten so, wie sie ehedem waren. Am 25. April, am Tage des hl. Marcus, des Schutzpatrons der Stadt wird die Weihe stattfinden. Tie Majestäten Italiens und viele Fürstlichkeüen haben ihr Erscheinen zugesagt. Pius X. wird einen hohen Kirchenfürsten zu seiner Vertretung in fein altes Venedig senden. Tie Feierlichkeiten werden mit der Eröffnung der großen Jnternatiomcken Kunst-Ausstellung, die am folgen­den Tage ftattiinbet, Zusammentreffen.

In Pompeji wurde die Fassade eines Hauses entdeckt, die nach einer Meldung desBerliner Tageblatts" viel­leicht das Herrlichste ist, was von antiker Kunst überhaupt erhalten wurde. Die Fassade ist mit Fresken und Gotlerbuiten aeschmückl und weift ein gemaltes Fries auf, der ein feierliches Opfer bet Göttin Kybele darstellt.

vermischter.

* Ein glücklicher Schuld ner. Taß bei einem Z»)ang-- oerfaufe der Schuldner noch 70000 Mark herausbekomml, ist em in der Justizchronik wohl ziemlich einzig dastehender Fall unb erregt hier um so mehr Aufsehen, als sich hierbei zwei betonnte HannoverscheGeldmänner" in der eigenen Schlinge gefangen haben. Am letzten Subhastationstage sollte vor dem hiesigen Amtsgericht ein in der Podbielskiftraße gelegenes Grundstück öf- fentlicy meistbietend versteigert werden. Es gehörte dem pen­sionierten Beainten Oe., der seinerzeit von dem Geldmann D. Baugelder erhcttten hatte, wofür er diesem eine Sicherheitshypo- thek und Wechsel gab. Oe. behauptete nun, T. sei auS der ersten Hypothek befriedigt und müsse die Wechsel herausgeben, D. hatte aber die Wechsel schon an den Bankier O. wecker- gegeben. Ter Bankier O. klagte die Wechsel ein und beantragte, da Zahlung nicht erfolgte, die Zivangsversteigerung des Oc.'scyen Grundstücks. Tiefen Antrag zog der Bankier aber wieder zurück, denn er hätte, um auf diese Weise das Haus zu bekommen, die gesamten Hypotheken, darunter auch eine der Frau Oe. über 30 000 Mark ausbieten müssen. Ter Bankier O. zog nun den zweiten Hypothekar S. mit heran und liefe sich von der ersten Hypothek in Höhe von 125 000 Mark den Bettag von 10 000 Mark zedieren. Nach dieser Zession betrieb er aufs neue die Zwangs­versteigerung in der Absicht, nur die beiden ersten Hypotheken auszubieten und die anderen Hypotheken aussallen zu lassen Im Verkaufstermin wurde nun von dem Richter das Mindest­gebot lGerichtskosten, rückständige Zinsen usw.) auf ca. 6000 Mark festgesetzt und verkündet, daß der Erwerber außer seinem Ge­bote die erste Hypothek in nunmehriger Höhe von 115 000 Mark zu übernehmen habe. Da O. nun mit ca. 152 000 Mark aus- lief, so hätte er unter Abzug der 115 000 'Dlarf insgesamt 37 000 Mark bar bieten müssen Er bot aber 152 000 Mark, ob­wohl der Richter ausdrücklich und wiederholt die vorgenannte Bedingung bekannt gegeben und obwohl O. seinen Rechtsanwalt im Termin bei sich hatte. Selbstredend erhielt er auf sein Ge­bot den Zuschlag, war aber aufs höchste überrascht, als ihn nach Erteilung des Zuschlags der Richter daraus aufmerffant machte, daß ihn das Grundstück nunmehr 267 000 Mark koste! Er will selbstverständlich den Kauf wegen Irrtums anfcchtcn, dürfte aber nach den vorliegenden Reichsgerichtsentscheidunaen da­mit nicht durchdringen, da nur ein Irrtum in der Sache zum Rücktritt vom Kauf berechtigt und hiervon nicht die Rede sein kann, da der Erfteher wiederholt auf die Bedingungen hingeivicsen worden ist. Der Schuldner wird nun den seltenen Glücksfall er­leben, daß er nach Bezahlung sämtlicher Hypotheken noch 7000O Mark herausbekommt. Ob der Bankier seinen Rechtsanwalt haft­pflichtig machen kann, ist eine Frage für sich.

kf. Eine Ausstellung für rauchlose Feuerung findet gegenwärtig in der Londoner A g r i t u 11 u r a l P a 11 statt. Es handelt sich dabei um eine Veranstaltung der Londoner .Gesellschaft für Rauchbekämpfimg" (Coat Smoke Abalement Society), die nicht nur alle modernen rauchschwachen Heizstoffe und rauchlosen Oesen vorführt, sondern auch gleichzeitig Vornäge halten läßt. Unter den Gelehrten, die mit der Leitung der Vorträge oe- traut sind, findet sich auch Sir William Ramsay. Unter den Vor­trägen ist für die Rauchfrage Londons der von Sir Atthur Ehurch besonders wichtig, der die Einwirkung des KohlenraucheS auf bie Bauten und Wandmalereien behaiideln wird. Andere Vorträge sollen die Eiiiwirlung des KohlenraucheS auf Metalle sowie aus Das Tier und Pstanzenledeir behandeln. Außer den Wissenschaft- lichen Vorträgen finden Erörterungen von Gesetzesoorschlägen zur Kohlenrauchbekämpfung statt.

Haseund Bussard. Aus Jena wird denM. N. N " geschrieben: Eine eigenartige Szene aus dem Tierleben wurde, wie aus Burgau berichtet wird, dort in der Flur beobachtet.

Aus einem niedrigen Pfahl in freier Wiese hatte sich ein Bussard

niedergelassen, um in aller Ruhe zu verdauen, was ihm sein Jagdzug über die Aecker eingebracht hatte. Ta erschien plötzlich

ein Hase auf der Bildfläche und ging sofort zum Angriff auf den

Bussard vor, vorsichtigerweise aber nicht von der Front, sondern vom Rücken her. Ter Raubvogel drehte sich notgedrungen und zeigte dem Angreifer das Gesicht. Sofort schlug der Hase einen Haken, um wieder dem Räuber in den Rücken zu kommen, womit er diesen zu einer neuen Wendung nötigte. So ging die wechsel­seitige Bewegung eine Weile weiter, bis der Bussard, der durä? aus nicht kampflustig schien, dasHasenpanier" ergriff, unq dem tapferen Häslein das Kampffeld überließ. Was denFurcht- hajen", der keiner war, zu seiner Tapferkeck veranlaßte, wurde erst später offenbar. Es war eine Häsin, die in der Nähe ihre Jungen hatte, für die sie in dem Bussard eine Gefahr erblickte, weshalb sie dem Raubvogel kühn zu Leibe ging und ihn vertrieb.

' Mutterliebe einer Hündin. In einem kleinen thurinaifchen Dörfchen, wo ich früher wohnte, so erzählt em gelegent­licher Mitarbeiter des .KoSrnoS", Handweiser für Naturfreunde, belustigte im Gasthof öfters ein fahrender Handelsmann die toa'tt, indem er seinen niedlichen schwarzen Spitz, eine Hündin, allerlei Kunststücke vorlühreu ließ. Eines Abends konnte er den Hund nicht ivieder mit nach Haufe nehmen, denn das hochträchtige Tier bat» im Pferdeslalle des ivastwirts Drei Junge geworfen. Tie Hundm sollte deshalb mit ihren drei Kleinen einstweilen im PferteuaU bleiben und gelegentlich wieder abgeholt werden. AIS am anderen 'Morgen gegen ö Uhr der Wirt in den Hof trat, bemerkte er, wi« die Hündin, eilt Junges in der Schnauze, durch ein schliwstoch den Pferdestall verließ, sich unter dem Hoftor hiltdurcuj'vangle und in Der Richtung nach Dem Städtchen abtrabte. Auch von den beiden anderen kleinen Hunden konrne der Wirt im Pferdestall ferne Spur mehr entdecken. Er benachrichtigte sofort den Handelsmann und bekam von ihm die Mitteilung, daß die Hündin setzt seinen eigenen Pferdeilall als Kinderstube für ihre drei BabyS bezogen habe. TaS liebevolle und treue Tier hatte also feine Kleinen m Der Nacht nach Hause getragen und auf diese Weise in der Zeu von abends 10 Uhr bis morgen- 5 Uhr den 1/, Stunden welle» Weg vom Dörfchen nach der Stadt, bezw. umgekehrt, fünfmal zuruckgelegt, und zwar Dreimal mit entern Jungen ut der Schnauz^ Ich weiß nicht, was man mehr bewundern soll, die Anhänglichfe" deS treuen Tieres oder feine Mutterliebe.

Kiebitzeier Wenn der März zu Ende geht, Jauche» in den Delikateßgeschäften die Kiebitzeier auf. Tie ©irterun® muß schon sehr kalt sein, um dem wackeren Mttgliede der FcMtllw Regcitpfeiier" daS frühzeitige Eierlegen zu verleiden. allerdings liefert Freund Kiebitz ferne wodlschmecketrden Vaben zum Leidwesen aller Gourmets erst im April. Leicht »st Vas Suchen nach den Eiern des scheuen unb listigen Bogels nidjt denn, das Nest liegt meist gut verborgen in schwer passierbaren wucytas Wiesen und sogar im Moor. Besonders sind es das nordluyei Oldenburg und Ls'tfriesland, die den Lebensgewohnheitrn des Ktebrtz vorzüglich entgegenkommen. Immerhin haben die Getreuen von- Jever ihre lieoe Not gehabt, schon im März die für ben vpeburto*. lagstisch des Fürsten Bismarck bestimmten hundertundeln Etec rechtzeitig zusammenzubringen. Wenn bie Sendung pünktlich jum 1. Apnl cm ReichslanzlerpalaiS m Berlin ober in -schloß tirnto* ricbsruh eingetroffen war, schmunzelte bet Fürst, denn et wutzm bie Delikatessen des Vanellus außerordentlich zu schätzen, u111?' am 1. April 1875 blieb die Sendung aus, sie traf erst acht,