Nr. 76
Zweites Blatt
162. Jahrgang
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberheften
Wctetnt ILgNch mH Äulnohme bei 6omtiagl.
D'e ^Äietzener SemHlenbiatter- werden dem .Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegl. da» „Kreliblati ffir de» Kreit Sietzen" zweimal wöchentlich. D,e ..landwirtschaftlichen Seit- Ireflen" erscheinen monatlich irocimol
Zreitag, 29. März 19|2
Rotanonsdnicr and t’rrleg der 8rüblichen Univerniais - Bnch- und 6trmbnideteL 9t Lange. Lieben.
Webaftton, (hrpebihon und T ruderet: Schul» ftrnse 7 Erved lion und Verlag: e»® 51.
Redaktion:112. Leß-Adru AnzeigerEieven.
Der neue Entwurf des Gesetzes, betreffend die Sonntagsruhe im Hanbelsoewerbe, der bekanntlich im Bundesrate vorliegt, ist zur nochmaligen Begutachtung den Handelskammern überwiesen lvorden Diese Ueberweisungist, so wird uns aus Berlin geschrieben aus ausdrücklichen Wunsch der Interessenten erfolgt, da diese der Meinung waren, das; die Bestimmungen der Regierungsvorlage noch zahlreiche Mängel aufweisen. Ter Entwurf wird vorläufig im Bundesrat nicht weiter beraten werden. Bekanntlich sieht der Entwurf für offene Berkaufsstellen an Sonntagen eine Beschäftigung bis zur Tauer von drei Stun- den por, während die Beschästigungszeit in Kontoren an Sonntagen nicht mehr als zwei Stunden betragen darf Mit diesen Bestimmungen ist mau in Interessentenkreisen im allgemeinen einverstanden, doch find Wünsche lant ae- worden betreffs der Gewährung von Ausnahmen für bestimmte Betriebe und für eine größere Anzahl von Sonntagen. Es ist anzunehmen, daß in den nächsten Monaten mit den Jnteresseiitenkreisen neue Verhandlungen gepflogen werden, damit der Enyvurf allen berechtigten Wünschen entspricht und vom Reichstage ohne Schwierigkeiten verabschiedet werden kann. Es ist ferner der Wunsch geäußert worden, in dem Eiitivurs Bestimmungen aufzunehmen betreffs des Bedienens von Kunden kurz vor den Schlußzeiten, da das jetzt bestehende Verbot, im Geschäft anwesende Kunden bei Eintritt der Schlußzeiten noch weiter bedienen zu dürfen, zu großen Unzuträglichkeiten geführt hat. >
Au; der nationalliberalen Partei.
-.Der geschäftsführende Ausschuß der nationalliberalen Partei hat in seiner konstituierenden Sitzung am Donnerstag Herrn Geheimrat Prof. Tr. Friedberg zum Vorsitzenden und die Herren Prinz zu Schönaich-Carolath und Geheimrat Tr. K r a u s e zu Stellvertretern des Vorsitzenden gewählt. Der Ausschuß hat beschlossen, den allgemeinen Vertretertag auf Sonntag, 12. Mai, nach Berlin zu berufen.
Bon der Reichstagsfraktion geht der „Natt. Korresp." folgende Mitteilung zu:
„Tie nationalliberale Fraktion des Reichstaaes bat gestern über die Sachlage beraten, die durch die Beischlüsse des ^entralvorstandes vom 24. März 1912 geschaffen worden ist. Allseitig wurde der Meinung "Ausdruck gegeben, daß die Vertretung der Reichstagsfraition 7,n Zentralvor- stände erweitert werden müsse Zurzeit gehört ihm nur der Vorstand der Reichstagssrattion an. Das erschien ungenügend. Ten Männern, die ihre Person im Wahlkampfe für die Grundsätze der Partei eingesetzt haben, und nach erkämpftem Wahlsiege in erster Linie für die national- liberale Politik im Reiche verantwortlich sind, gebührt eine volle Vertretung in dem nächst dem Vertretertage wichtigsten Crflane der Gesamtpartei. Aus diesen Gründen ist ein von fast allen Mitgliedern der Fraktion unterzeichneter Antrag beim Zentralvorstande eingereicht worden, welcher satzungsgemäg auf die Tagesordnung des kommenden Dertreterlags zu bringen ist.
Cb sonst eine Umgestaltung der Organisation der Partei nötig ist, hat die Fraktion einem aus ihrer Mitte gewählten Sonderausschüsse zur Vorberatung überwiesen. Etwaige Anträge auf Abänderung der Satzungen würden so rechtzeitig eingereicht werden, daß sie noch von dem Vertretertage, dessen schleunige Einberufung bekanntlich beschlossen worden ist, erledigt werden könnten."
Ter Antrag geht demnach dahin, daß die Mitglieder der nationalliberalen Fraktion des Reichstags künftighin Mitglieder des Zentralvorstandes sind.
Wie wir weiter hören, wird die preußische Landtagsfraktion im Anschluß hieran auch für sich einen ähnlichen Antrag stellen.
Ausland.
Tos englische Oberhaus nahm das Mindestlohn- gesctz in dritter Lesung ohne Zusatzanträge an
Im englischen Unterhaus ist der Gesetzentwurf betr. das Frauenstimmrecht mit 222 gegen 208 Stimmen ab» gelehnt worden. Tas Ergebnis der Abstimmung ries allgemeine Ueberraschung hervor und wurde von den Gegnern des Frauenstimmrechts mit ungeheurem Jubel ausgenommen. Premierminister Asauith und .Kolonialminister Marcourt stimmten gegen das Gesetz. Finanz nn nistet Lloyd George und Minister des Auswärtigen Grey dafür. Die Verhandlung bot kein Moment von außergewöhnlichem Interesse.
Arbeiterbewegung.
Friede im Schneibergewerbe.
Frankfurt a. M., 28. März. Der Friede im Schneidergewerbe ist nunmehr endgültig gesichert. Nach dreitägigen Verhandlungen vor dem Magistratssyndi- kus Tr. Hiller zu Frankfurt a. M. ist die (Einigung wieder hergestellt worden. Ter letzte Einigungsvorfchlag des Ber- handlungsleiters mürbe von den Arbeitgebern angenommen und die Arbeitnehmer verflichteten sich einstimmig, diesen Vorschlag der in den nächsten Tagen statt finden den Versammlung der Arbeitnehmer dringend zur Annahme zu empfehleii. Ter Einigungsvorschlag sichert den Arbeitern eine ö prozen tige Erhöhung der Grundlöhne und überträgt die Entscheidung über »veitergehende Forderungen der Arbeiter einem noch von zwei weiteren Unparteiischen zu bildenden Schiedsgericht, das vom 2. April ab in Jena tagen soll. Am gleichen Tage wird die Wiederaufnahme der Arbeit erfolgen.
.. bs. Darmstadt, 28. März. Am nächsten Sonntag undet bekanntlich in Tarmstadl eine Vertrauensmänner- Berfammlung der hessischen nationalliberalen V<iTt ei statt, die sich in der Hauptsache mit der Mainzer (mlarung bezüglich der Wahl in Nierstein-Niedersaulheim jnm Landtage und mit der Frankfurter Erklärung der Herren Bach, Bangel und Böhm vom 11. Februar d. I., die dahin ging, die Herren Frhr. v. Hehl und Tr. Becker und deren Vereine nicht mehr als nationalliberal zu betrachten, zu besänftigen leiben wird. Diese Vertrauens- mannerversammlung wird sich bann auch mit ber Regelung ber Parteiverhältnisse innerhalb bes Landes zu befassen haben. Ferner finbet bic Wahl der Delegierten zum Telegiertentag ber Partei in Berlin statt. Tie Sitzung, an ber sich etwa 200 Personen beteiligen werben, beginni vormit- tags 10 Uhr unb wird sich voraussichtlich bis in bic späten Nachmitlagsstiinben hinziehen.
Dcutscbes Heidi.
Der Gnadenfonds des Kaisers, der vom Budgetausschuß der Zweiten .Hammer des elsaß - loth - rin g i scheu Landtages seinerzeit gestrichen worden war, ist durch eine Mehrlfeit aus Zentrum, Lothringer und Liberalen in seiner ursprünglichen Höhe wieder eingesetzt worden.
Ter Staatssekretär a. T. Wermuth hat an die nationalliberale R e i chs t a g s f r a kt i o n folgendes Schreiben gesandt:
Ter nalionallibcralen Fraktion des Reichstages verfehle ich nicht, meinen wärmiten Tank für ihren sehr gütigen Scheide gru|> darzubieten Ach werde auf die Zeit, in welcher ich mich als Organ des Bundesrates im Reichstag über die Grundsätze gesunder Finanzpolitik einigen durste, fröblid) zurückbiiien unb im besonderen Ihre Anteilnahme an dieser Finanzpolilit in lebhaftester Erinnerung bewahren. In auftichtiger Verehrung Wermuth, bisher Schatzsekreär.
Der Allgemeine Parteitag der F o r t s ch r i t t l i ch e n Volks- Partei soll am 5. bis 7. Oktober in Mannheim abgclxilien werden.
€aii£wirtfcbaft,
"Förderung der Schafzucht in Ob er dessen, .lnlätzlich der aus Anregung des LandN'irlsch.inslaminer Aus- iämsi"» für Oberhessen Aniangs Februar statt gefundenen sehr stark Lciudifii Lchaszüchlerverfammlung zu Gießen wurde ber Antrag auf Veranstaltung von Kreisversammlungen gestellt, ui denen die Verhältnisse auf dem tkebiete der Schaszudu burdi Austausch ber Ansichten besser gehört und die von der Allgemeinheit geteilten Wunfche zur «vorderuug der Schafzucht vollständiger zum Austausch ununeit könnten, ai.> in einer allzugroßen Versammlung Die Üreisversammlungen sanden im Lause bc5 Monats März statt, waren ebenfalls sehr stark besucht und führten zu sehr lebhaft ii M e i n u n gsa u sspratt-en Tie in den einzelnen Versammlungen im
fas r. ii E n t f d> l i e ß u ;i g e N lass it lid) m folgenden Sätzen zufammensassen: Tie Verfamnilnngtrn betrachten eine weitgehendere Berüttsichtigung und mohlivollcnbiTc Hstil lick auf die v rb sj । ti
und begrüßen mit Freuden die vom Landwirtschis kammer-AuSschui: für Cbcrhefl'en bisher angewandten Fördern in Maßnahmen. 3nr Erfüllung der Ausgaben ir. i.i> insbesondere der Fleischversorgung unserer Bevölkerung ,vifallen, werden folgende Mittel in Vorschlag gebracht: I. Verbesserung suchtmateriales in Frühreife, Getvichl und Schlattuauatit : burdi i'oriidjtige Bluteinmischung einer englischen Flcischsd>a fraise Eotswolds- unter Erhaltung der für unsere Gegend wertvollen Eigensdaften des Vomlsberger Vanbfdxnee 2 Weiterführung ber beitehcnden zwei Stammschäfereien zwecks Befestigung eines einheitlichen Zuchttypns und Heranzucht guten Zudumaterialcs. o Festlegung des Zuditzieles für das veredelte obcrhcffifdK Lond- fdiat 4. Untcrflellung der Schafzucht unter das Kötgefetz .">. Unter - ftülung £cr Oberl/sfifchen Schasereibel riebe beim An sause geeigneter Sdiasböcke burd) Gewährung 20 prozentiger Zuschüsse zu beu Ävläuiskosten. (>. JBcrbreihtng besserer Grundsätze über Züdi- otng, Fütterung unb Haltung 7. Erhaltung bewährter Sdwser turch zeitgemäße Aufbesserung ihrer Bezüge, Auszeichnung langjähriger Dienstleistungen und Prämiierung von 3 d}a fix eben. 8. Heranbildung tüchtiger junger Schäfer durch Einführung einer dreijährigen Lehrzeit, Veranstaltung von Ausbüdungskursen, und Verleilmng des Sdxiferpatcntes auf Grund einer Prüfung. 9. Einrichtung einer Tienstnachweisstelle für geprüfte Sdxifer. 10. Erhaltung und Verbesserung der natürlichen Schafweiben. 11. (?r- wirlung des Hutrechtes an den Gräben und Rainen der Kreis- straßen. 12. Benutzung von Waldweiden, wo dies ohne Schädigung der Forstkultur geschehen kann. 13. Erleidjterung bestehender Härt eit in ber Seuchengesetzgebung 14. Umwanblung ber Genossen - schaslssd-äsereicn in Gerncindeschäfereien, in ben Gerneinben, m denen burdi Beibehaltung ber ersteren ber Weiterbestanb der Sdiai - zudjt gefährdet ^sein mürbe. 15. Zulassung von dem Zucht ziel entsprechenden Schafen auf hessischen Ausstellungen, Beantragung einer Prämiierung von Einzeltieren unb Sammlungen unb Br- sthidung der Wanderausstellungen. 16. Möglichste Erhaltung der Schafzucht in ihren seitherigen Verbreitungsgebieten: Aufklärung der Landwirte darüber, daß nach der Feldbereinigung die Schaf- zücht durch das weitverzweigte Wegnetz und die unbeschränkte Zugänglichkeit der Grundstücke unter Umständen eine bessere Stellung erhält, als vor der Bereinigilng. 17. Tunlichste Ausdehnung der Schaszudst auf Gegenden mit günstigen Lebensbedingungen fiir dieselbe. 18. Beschränkung der Schafhaltung auf das wirtschaftlich zulässige und zweckmäßige Maß m den Gemeinden mit über triebener schaslwltting. 19. Verbesserung der Absatzverhältnisse für Wolle, Zucht und Gangviel), sofern ein Bedürfnis hierfür twr- licgt. 20. Wahrnehmung berechtigter Interessen der Schafzüchicr. Diese mit eingehender Begründung in Vorschlag gebrachten Maßnahmen bedürfen natürlich nodi der sorgfältigsten Prüfung und Beratung. Der Landwirtschastskammer-Ausschuß wird deshalb das in den Kteisversammlungen gefammelte Material einer engeren Kommission von Sack,verständigen zur Begutachtung überweisen, zu der sowohl Schafzucht er und Schäfer, als auch Vertreter ber Regierung, Vekerinnärpolizei, Forst- und Gemeindeverwaltung zu- «Hieben sind. Hiernach wird sich das Programm endgültig fest- stellen lassen, welches der Landwittschm'tskammer-Ansschuß seinen Maßnahmenn zu Grunde legt.
Ländliche N u t; g e f l ii g e l z u ch t. In Oberhesscn werden vom Landwirtschastskammer-Ausschuß 12 Leistung^- z n ch t st a t i o n e n für Hühner und fünf Zuchtstaliouen für Wassergeflügel unterhalten. In denfelbeu werden die beivährtesten landwirtschaftlichen Nutzgestügelraffen gezüchtet und zwar in sieben Stationen rebhuhnfarbige Italiener, in drei weiße WyandotteS, in
Als doqnelm mit dem Kaifcr sprach ...
Kaiser Wilhelm hat bei dem Fest auf der französischen Botf schasl das Andenken des älteren Eoauclin wieder wachgerufen, indem tt von diesem, seinem sranzösisdien Lieblingsschauspieler, im Tone warmen Gedenkens sprach. Es war vor zehn Jahren, am 18. Ja nuar 1902, als Eoauelin feine erste Audienz beim Kaiser hatte, und diesem großen Augenblick, einem der größten im Leben des lenialen Schauspielers, gilt eine Erinnerung, die Jean Chantavoine in einem französischen Blatte erzählt.
Er war zufällig der Erste, der dem „guten Coq" nach der Audienz Unter den Linden begegnete; er bat den unmittelbarsten Eindruck von dem Hochgefühl empfangen, das Die Brust bes großen dislrionen schwellte „Idi idjlcitberte gerabe Unter den Linden bin", so plaudert er, ,,als id) vor dem Hotel Bristol einen jener botwagen halten sah, bic bic schwarz-weiße Livree des Kutschers unb Lakaien zum Gegenstanb respektvoller Neugier bei den Passanten macht. Im Fonds des Wagens erkannte ich den iveißcn Bart des Graten Hochberg, des damaligen Intendanten der Königlichen Theater: eine zweite Persönlichkeit verabschiedete sick) von ihm und schob sich dann rücklings aus Dem Wagen: es war Eaauelin. Wie er sich umdrohte, stieß er fast gegen mich: mit einer napoleonischen Geste schlug er seinen Mantel ein wenig Zurücks und zeigte sein Oberhemd. „Zu dieser Stunde im Frack?" „Still! Ich komme von ihm. Folgen Sie mir!" Eoauelin zog mich in ben List des Bristol-Hotels, dann in sein Zimmer, wo er vor dein Frühstüa den Frack mit Dem Jackett vertauschte. Er ivar furchtbar aufgeregt, wobei er beständig behauptete, er sei ganz ruhig. Er erklärte mir klipp und klar. Daß er noch niemals einen so entzuckenDen Mensckien, einen so hinreißenDen Plauderer getroffen habe, ivic Wilhelm II. Ter Kaiser^ spräche Französisch mit einer unglaublichen Reinheit, ohne den schatten eines frem- ben Akzents. Er wisse in allen Singen Des Theaters uni» Der Literatur besser BesclxiD als irgendwer, kurz, er sei ein Mann, nehmt alles nur in allem! ...
Im übrigen hielt sich ber gute Coq an Die Allgemeinheiten: liber^Die Einzelheiten seines historischen Gesprächs bewahrte er em. Stillschweigen voll Würbe. Seine Lippen spitzten sidi unD preßten sich Dann zusammen, wie wenn sie mit aller Gewalt nn ungeheures Geheimnis zurückhaltcn müßten, unb seine linke ®3nD hatte jenes leichte Zittern, Das in der „Mllc. de La Seigliöre" bie Bewunderung Der Berliner Kritik erregt hatte. Ja, Der Kaiser hatte gesprochen. Was er gesagt hatte? Tas mußte ein mrverbrüchliches Geheimnis zwischen ihnen beiben bleiben. Waren «9 große Staatsassairen ober vettrauliche Gestänbnisse eines Frcun-
— genug, sie waren ihm heilig, biese Worte, unb ruhten lnrschlossen in seiner Brust wie im sichersten Grab Er ließ es 6-’n Tiplomalen frei, ihre Hypothesen zu machen, ben Jour
nalisten, ihre Enten zu lancieren. Man konnte sich auf mein Wort! fragen, ob Eoauelin nicht vielleicht in seiner Tasche Straßburg unb Metz uns zurückbrachte . . . Unb bem Ansturm ber Neugierigen begegnete er mit ber gleichen Kühle unb Verschlossenheit. Als er bann roieber mit mir allein war, fing er von neuem an. Wirklich, ber Kaiser war ein Mann. Unb auf Männer versteht man sich ein wenig, wenn man ber Freunb Garnbettas unb Walbeck-Rousseaus getreten ist, nicht wahr? Tenn, Kaiser oder nicht, ein Mann bleibt em Mann. Eoauelin beutete sogar an, baß nach seiner Meinung es ihm weniger verdienstvoll scheine, Kaiser zu fein, als etwas anderes, denn ein Kaiser, der feine Würde geerbt hat, ist doch kein self-rnade-rnan! O, er hatte nicht um diese Zusammenkunft gebeten: nein, er batte nicht einmal seine Karte ins Schloß geschickt, als er nach Berlin kam. Ter .Vluifcr hatte i h n sehen wollen. „Und wir werden uns Wiedersehen," trompetete der gute Eoa schließlich, „nächsten Herbst werde ich midi bei ihm mit gemeinsamen Freunden zur Jagd einlaben, um mit ihm über die Trevsußafsaire zu sprechen "
Tcr Kaiser, ber damals Trauer um seine Mutter batte, konnte nicht den öffentlichen Vorstellungen Eoauelins beiwohnen, aber er sah ibn in einer Privatvorstellung des Evrano im Schauspiel Haus. Eoauelin zeigte mir nachher die Manschettenknöpfe, die ihm Wilhelm II zum Geschenk gemacht batte. Ter Kaiser war von Evrano entzückt gewesen. „Mr. Eoauelin," hatte er iu ihm gesagt, „ich habe fein französisches Stück in der Ursprache gehört seit „Polveucte", ben ich 1878 in der Eomedie-Fran^aisc spielen sah. Aber ich habe nichts verloren, indem ick aui S<c wartete." Und Eoauelin rügte hinzu: „Nun, ist er nickt ein Kenner? Und übrigens, ick frage Sie, gibt es ein schöneres Stück als Eorano? Gibt es eines'? Wollen Sie mir eins nennen? Hamlet? Ich bitte Sie, das ist sehr langweilig, Hamlet!" . .
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— Zur Verschiebung der Ausstellung der Darmstädter Kü n st l er ko l o n i e teilt uns die Kabinett-^ bircTticm des Großherzogs, in Ergänzung unserer gestrigen Meldung, folgendes mit: „Die für Das nächste Jahr in dlusl'icht genommene Ausstellung Der TarmftäDter Künstlerkolonie in aur An ortniina S. K. H Des Großherzogs auf Das Jahr 1914 verschoben worden. Die Verhandlungen über die nunmehr abgeschlossenen Verträge mit ben hauptsächlich beteiligten Firmen haben mehr Zeit morbert als angenommen worden war. Außerdem aber — und das ist ber Hauptgrund Der Verschiebung — sind Die Ans- stellungsaufgaben Der an sick schon stark beschäftigten .Künstler so gewachsen, daß es unmöglich geworDen ist, sie bis ziun Mai des nächsten Jahres zu bewältigen. Tas Ausstellunasw-sgramm hat in Der letzten Zeit eine interessante Bereicherung in Der Art erfahren, daß Kleinkunitgegenstände aller Ätt, die von
Kunstsreundeii für ihren Bedarf bei Mitgliedern der MünfHcr- folonie bestellt werden, in der Ausstellung und zwar, wenn möglich, in einem „Saal ber Kunstfreunde" im ftäbtiühcn Ausstellung-: baue zur Vorführung kommen sollen Tiefer Gedanke, durch den ein gewisses Zusammenarbeiten von Kunstt'reunden und Künstlern her bei geführt wird, hat, wo immer er bis jetzt bekannt wurd- freudige Zustimmung gefunden und man darf hoffen, daß die Kol lcftton kleiner Kunstwerke aus edlen und anderen Metallen, aus feinen Holzern mit Intarsien, m Elfenbein, Leder, Stickerei, Buchkunst usw. das Interesse weiter ibreise erregen wird
tf.' Tas einzige Mittel gegen den Krebs! In einem interessanten, im neuesten Hatte der „Deutschen Revue'" pcröffenHichtcn Vortrage über die Schwierigkeiten der Krebsforschung spricht Prof. Dr. V Ezerm», der Leiter des Heidelberger Institutes für Krebsforschung, auch über die unerbetenen und unwillkommenen Mitarbeiter und Ratgeber, die sich ihm anbieten. Kaum eine Woche vergeht, wo ihm nicht direkt oder aus den Zeitungen ein neues .Krebsmittel zur Prüfung emp fohlen wird. Tie Ausbeute dieser Prüfung ist gewöhnlich negativ, und meist verlangen die Besitzer von l'öebeimmiiteln schon Bargeld im voraus, bevor sie mit der unfehlbaren Panazee heraus- rücken. Idealer gesinnt ist ein Mann aus Wamsdorf in Böhmen, der Professor Ezemv kürzlich die folgende Mitteilung machte: „Es drängt mich dazu den Geehrten Herrn Proveffor folgende Mit teilung zu machen: Ick verlor vor kurzer Zeit einen Verwandten an Magenkreps unb vor einigen Tagen hatte ick einen Traum in folgenden kurzen Worten: Es ist em Unsinn Krepsleidende Men'chen Sterben zu lassen, nachdem das einzig eristrerende Mittel, der Urin der Katze heilend wirkt. Nachdem ich von so lebhaften Träumen nie belästigt werde, erlaube ich mir davon Mitteilung zu machen. Hochachtungsooll N. N." — Also?
— Kurz ^Nachrichten aus Kunst und Wissen- sckaft. Der Senator der juristischen Fakultät zu Jena Pro fessor Thon ist am Alter von 74 Jahren gestorben — Hoi- rnt Professor Dr. Theodor Gomperz in Wien feiert am 29 März seinen 80. Geburtstag Ter berühmte Verfasser der „Griechischen Denker" ist am 29. flläis 1832 zu Brünn in Mähren geboren. — Am 26. April findet in Berlin die 28. Haupt Versammlung des Preußischen Medizinalbeamtenvereins statt. — Aus Düsseldorf wird uns gefchrieben: 3um ordentlichen Mitglied der Akademie für praktische Medizin in Düsseldorf unb Direktor ber Frauenklinik an ben dortigen Allgemeinen Kranken an statten wurde als Nachfolger von Prof. Opitz ber a. o. Proscfsor und erste Assistent an der Frauenllinik bet Universität Freiburg i. Br. Tr. mcb. Otto Pankow berufen.


