Ausgabe 
30.5.1912 Zweites Blatt
 
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kurellen Lebens Deshalb traten wir ein für eine Einwirkung des Staates auf diesem Gebiete Wenn das Zeitalter der Elek­trizität für das Wohl der Bolksmassen dienstbar gemacht werden sollte, dann mußte eine starte Einwirkung des Staates erfol­gen. Wir machen es nicht wie die sozialistischen Sozialisten, die das ganze Lrivatunternehmcrtnm beseitigen wollen, wir be­schränken uns auf Ausnahmefälle. Tas ist der Unterschied zwischen Kathcdcrsozialisten und sozialistischen Sozialisten. Was bisher von Privatuntcrnchmungcn, von Staat und Gemeinde übernommen wurde, hat sich gut bewährt. Tas größte Unternehmen der Welt, die preußischen Eisenbahnen, hätten ja auch vom Privatkopital «feitet werden können, aber es ist doch besser, daß der Staat ne übernommen hat So ist dieses ungeheure Unternehmen dem Kapitalismus, der Spekulation der Börse entzogen. Tie preußi­schen Eisenbahnen haben nicht nur das geleistet, was die Privat­bahnen leisten, sondern noch mehr. Allerdings kann das nur geleistet werden mit einer Beamtenschaft, wie sie Teutschland und Preußen hat. Unsere preußischen Dahnen haben das Problem gelöst, das große Unternehmen auch von anderer als von privater Seite geleitet werden können Nun sagt man, damit wird ein Heer abhängiger Leute geschaffen. Gewiß, aber das kann gemildert werden.

Auch im Unternehmertum besteht eine Art von Bureaukratismus, ein Autoritätsbefühl, eine strenge Abhängigkeit und ein subalternes Verhältnis, wie es im Staat nicht schlimmer sein kann. Sogar im gelobten Zukunftsstaat der Sozialdemokratie würde ein solches Abhängigkeitsvcrhältnis bestehen müssen. Wir sind hier im Haupt­kohlengebiet Deutschlands, das sich meist in den Händen Privater und Aktiengesellschaften befindet. Es ist zuzugeben, daß die Privatunternehmen Vorzügliches geleistet haben, aber könnte das der Staat nicht ebenso gut? Man wirft uns vor, das sei sozia­listisch. Aber dann sind alle Staaten Europas, die Domänen und Forsten verwalten, sozialistisch.

Nun zu einem anderen Gebiet. Wenn es der Staat ver­meiden will, neue Steuern zu erheben, so gibt es nur eine Möglichkeit: Verstaatlichung von Betrieben durch den Staat und Verstaatlichung durch die Gemeinden. Man sagt, die Individualität wird durch sie beschränkt. Wird denn aber die Individualität der Arbeiter weniger beschränkt, wenn sie von Privatunternehmern oder Aktiengesellschaften abhängig sind? Beim Staat wird doch das Allgemeininteresse noch mehr berücksichtigt. Die Stellung beim Staate ist auch sicherer als beim Privatunter­nehmer. EsisteinVerbrechenderSozialdemokratie, ihren Anhängern zu sagen, daß sie einen absolut vollkommenen Staat schaffen könne. Es ist auch nicht richtig, daß das Wohl der Menschheit allein von den ökonomischen Verhältnissen ab­hängt, aber selbstverständlich haben sie Einfluß auf die Gestaltung der Dinge. Die Fortentwicklung der ökonomischen Verhältnisse muß so gestaltet werden, daß sie nicht dazu führt, daß große Reichtümer aufgespeichert werden. Gewiß, die unteren Klassen haben ihre Lage auch sehr verbessert, aber das Unternehmertum noch viel mehr. (Sehr richtig!) Wenn wir den Staatssozialismus vertreten, wollen wir noch nicht, daß nun alles verstaatlicht werde. Was für die Bergwerke stimmt, stimmt noch nicht für die Land­wirtschaft. Wir sagen auch nicht: fort mit dem Privatkapital! Wir verteidigen auch das Prinzip der Arbeiterorganisationen. So gut der Kaufmann seine Waren anbietct, so gut können auch die Arbeiterorganisationen die Arbeitskraft anbieten. Das ist der Kern des Organisationsgedankens. Die Arbeiterorganisationen sind notwendig, aber sie sind nicht Selbstzweck. Es gibt Momente, wo sic hinter dem höheren Recht der Allgemeinheit zurückstehen müssen. Bedauerlich ist der Zwang der Sozialdemokratie, natür­lich wenden wir uns dagegen, wenn Arbeiterorganisationen einen Zwang ausüben. Lujo Brentano hat sich gewundert, daß ich im Herrenhause für einen größeren Schutz der Arbeitswil­ligen eingetreten bin. Ein solcher Schutz entspricht durchaus unserer Gesetzgebung und liegt im Interesse der Arbeiter. Es wird mit Recht von den christlichen Arbeitern geklagt, daß sie unter dem maßlosen Druck der Sozialdemokratie zu leiden haben, daher müssen wir sic schützen. Wir hatten an unseren alten Grund­sätzen fest, wir wollen uns nicht widerlegen, im Gegenteil, sondern einen maßvollen Fortschritt in der Sozialpolitik. Alles muß geschehen vom Standpunkt der Gesamtheit, niemals soll man den extremen Klassen-Egoismus zu Worte kommen lassen, niemals so tun, als ob die Arbeiter allein da wären. Wir können keine Bevölkerung brauchen, die nur aus Arbeitern besteht. Wir brauchen eine Klassendifserenzierung: auch der Privatunternehmer ist nötig mit seiner Tatkraft und feiner Initiative, er darf aber nicht zum Souverän des Wirtsck-astslebens werden. Auch das Groß-Unter- nehmertum muß sich als Diener der Gesamtheit fühlen. Nicht Sozialismus extremer Art, aber* auch nicht Individualismus. Wir glauben, daß wir uns aus dem richtigen Wege befinden, daß aber die Richtung des Sozialismus die ausschlaggebende sein wird. (Lebh. Beifall.)

Nach einer Pause ergriff

D r. Friedrich Naumann, der lebhaft begrüßt wurde, das Wort zu seinem Vortrag: Christentum und Bildung". Er legte folgende Leit­sätze vor:

1. Der gegenwärtige Zustand der Bildung: Durch die gesteigerte Technik des Weltverkehrs und der literarischen Vcr- vielsültigung einerseits und durch die erhöhte Durchschnitts­bildung der Volksmasse andererseits ist das Wissen der Menschen weit über das hin ausgewachsen, was ein Einzelmensch in sich verarbeiten kann. Die notwendigen Folgen davon sind Fachbildung und Halb­bildung bei sinkender philosophischer All- gc m e i n b U b u n g; Vermehrung dcr Weltkenntnis ohne Welt­anschauung.

2. Der gegenwärtige Zustand der Religion: Während in früheren Geschichtsperioden die Religion in dcr Mitte aller damals vorhandenen Bildungsbestrebungen stand, hat sie durch falsches Mißtrauen gegen die Fortschritte der Weltkenntnis ihre führende Stellung verloren und wird durch das Anwachsen des weltlichen Bildungsstoffes noch luciter aus ihr herausgedrängt. Dadurch wird sie selber historisch und verliert die straft, neue Erkenntnisclemente mit sich zu verbinden.

3. Ausblick in die weitere Entwickelung: Infolge der Begrenztheit der Erdoberfläche und der Menschengcschichte wird vorausnchtlich die Periode des Ansammclns von Wissensstoff einer neuen philosophischen Periode Platz machen, in dcr die Fragen nach Ursprung und Ziel des menschlichen Lebens m den Vordergrund treten. Dadurch erlangt die Religion nochmals Gelegenheit, sich mit der geistigen Gesamtbewegung eines Zeitalters in innere Verbindung zu setzen, indem sic ihre religiölcn und sitttichen Werte als Grundbesitz einer Welt- anschauung darbietet

4. Die Pflichten gebildeter Christen: Abgesehen von der praktischen Bewährung des Christentums im sozialen Leben iwaä nicht Gegenstand dieser Erörterung ist, aber für den ferneren Bestand der Religion in erster Linie in Betracht kommt), ist es noiwendig, daß die Wclterkenntnis von den Glaubenden mit offenen Augen verfolgt und nach Möglichkeit mit dem Glauben in Beziehung gesetzt wird. Diese Forderung wendet sich ebenso­wohl gegen starres Festbalten an überlieferten Lehrformen, wie gegen pietistische Abgeschlossenheit von den Vorgängen des all­gemeinen Erkennens.

In der Aussprache schildert Liz Traub (Dortmund) als Aufgabe einer <--ozialreform der Zukunst das innerliche persön- lichc Erlebnis deS einzelnen Menschen, das dem ganzen Volke dienen soll. Er habe früher mit Harnack gesagt: Religion ist das Verhältnis der Seele zu Gott. Jetzt stehe er auf dem Stand­punkt, Gott, Seele und Welt müßten zusammengesetzt werden Das richtige Bild einer Religion der Zukunft wird fein das Bild' AIS soziale Religion hinaus in die Welt Er sei C-xzellenz Wagner dankbar, daß dieser heute wieder die Idee des Staates vorgcsührt habe. Wenn wir soziale Religion pflegen, dann wird die Religion Christi nicht untergeben, sondern wieder unser Volk empor führen.

Die Verhandlungen roerben morgen fortgesetzt.

Deutscher Lehrertag.

~ Berlin, 29. Mai.

Nach Eröffnung der heutigen 2. Hauptversammlung des Deutschen Lehrertages teilte dcr Vorsitzende Röhl (Berlin) mit, daß der Kaiser für die ihm übermittelte Huldigung durch das Hofmarschallarnt seinen besten Dank übermitteln lasse. Ter Kaiser wohnte gestern der Vorstellung im Königl. Schauspielhaus von Anfang bis zu Ende bei.

Hierauf wurde in die Tagesordnung eingetreten. Zunächst erstattete Rektor Tittel (Dortmund) einen Vortrag über das Thema:

Die rechtliche Stellung des Lehrers in Staat und Gemeindc".

Er legte seinen Ausführungen folgende Leitsätze zugrunde: 1. Der Lehrer bedarf einer gesetzlichen Regelung seiner be- amtenrechtlichen Stellung in Staat und Gemeinde. Durch das Gesetz ist unzweideutig auszusprechen, ob der Lehrer un­mittelbarer oder mitteTbarer Staatsbeamter ist. In dem neu zu schaffenden Lehrer- (Beamten-) Recht ist der Eigenart des Lehrerberuss gebührend Rechnung zu tragen. In der Wahl seines Wohnortes darf der Lehrer nur durch die Rücksicht auf die Erfüllung seiner Dienstpflichten beschränkt werden. Tie Vorschriften, nach denen Staat und Gemeinde für die Arnts- pflichtverletzungen ihrer Beamten bei Ausübung der öffentlichen Gewalt haften, sind auch auf den Lehrer anzuwenden. Für Lehrer, die bei Ausübung ihres Berufes Unfälle erleiden, ist gesetzliche Fürsorge zu treffen.

2 Der Lehrer bedarf keiner besonderen Beschränkung in der Ausübung staatsbürgerlicher und politischer Rechte. Tie Bestimmung des Gerichtsveri'assungsgesetzcs, die den Lehrer vom Amt eines Schöffen und Geschworenen ausschließt, ist zu beseitigen. Dem Lehrer ist das passive Gcmcinbcwahlrccht zu gewähren. Die Annahme einer Wahl darf von der Ge­nehmigung der Dienstbehörde nicht abhängig gemacht werden. In der Ausübung des Vereins-, Versammlungs- und Petitions­rechtes, sowie in seiner politischen Betätigung ist der Lehrer nicht zu beschränken, soweit dabei die Pflichten nicht verletzt werden, die mit der Ausübung eines Staatsamtes verbunden sind.

3. Ter Lehrer bedarf eines wirksamen Schutzes seiner Rechte durch ein zeitgemäßes Tisziplinargesetz. Tem Lehrer muß das Recht zustehen, nach Eröffnung des Beschwerdever­fahrens das förmliche Disziplinarverfahren gegen sich zu be­antragen. Im Falle der Suspension darf keine Verminderung des Gehalts eintreten. Es sind besondere Tifziplinarkammern und Disziplinarhöfe zu bilden, in denen auch Beamte aus der Kategorie des Angeklagten, niemals aber dessen direkte Vorgesetzte, Sitz und Stimme haben. Die Voruntersuchung muß in Gegenwart des Angeklagten und seines Verteidigers stattfinden. Auf Antrag sind auch in der Hauptverhandlung, bei der nur in besonderen Fällen die Oeffentlichkeit auszuschließcn ist, Zeugen zu hören und andere Beweise zu erheben.

Das Wiederausnahmeverfahren, sowie die Entschädigung unschuldig Verurteilter müssen gesetzlich gewährleistet werden. Die allgemeinen Bestimmungen über die Verführung müssen auch im Disziplinarverfahren Anwendung finden.

Der Redner verbreitet sich in langen Ausführungen über die staatsrechtliche, staatsbürgerliche und soziale Stellung der Lehrer.

Nach lebhafter Aussprache werden in der Abstimmung die Leitsätze angenommen; ferner wird ein Antrag angenommen, der verlangt, daß die Beisitzer zu den Disziplinarkammern von den Lehrern selbst zu wählen sind.

An zweiter Stelle beschäftigte sich der Tcutschc Lehrertag mit dem Thema:

Die wirtschaftliche Lage der deutschen Volks-- s ch u 11 e l) r e r."

Den Vortrag hierüber erstatte Lehrer Menzel (Berlin), dcr seinen Ausführungen folgende Leitsätze zugrunde legte:

Soll die deutsche Volksschule ihre Ausgabe im Tienste. der gesamten Volksbildung und damit auch der steigenden wirt­schaftlichen Entwicklung erfüllen, so hat das deutlche Volk die Pflicht, seine Volksschullehrer wirtschaftlich so zu stellen, mic cs der Wichtigkeit und Schwierigkeit des Lehramtes entspricht. Bei aller Anerkennung der Fortschritte, die durch die Gesc^ gebung der meisten deutschen Staaten während der letzten Jahre in der Lehrerbesoldung herbeigeführt worden sind, muß doch feftgestellt werden, daß kein Besoldungsgesetz jenem Grundsätze voll gerecht wird. Tie Arbeit dcr Volksschullehrer ist als freie gcistihe Tätigkeit von der der akademisch gebildeten Lehrer in ihrem Wesen nicht verschieden. Gehaltsfestsetzungen, die das Volksschullehrergchalt auf die Hälfte des Gehaltes akademisch gebildeter Lehrer ober noch niedriger bemessen, sind daher nicht gerechtfertigt. Vielmehr ist das Tiensteinkommen der Volks- schullchrer, das, abgesehen von der Tcckung des Wohnungs- bedürsnisses, grundsätzlich in Stadt und Land gleich sein muß, dem der akademisch gebildeten Lehrer in weit höherem Maße anzunähern, als es zurzeit der Fall ist."

Ter Vortragende führte hierzu aus: Tic meisten deutschen Staaten nehmen bei der Festsetzung ihrer Lehrergehälter gegen« citig Rücksicht. Tas zwingt die deutsche Lehrerschaft, gemein- ame und einheitliche Forderungen zu formulieren. Auch haben ich in den letzten Gehaltskämpfen der deutschen Lehrerschaft über­all gemeinsame prinzipielle Gesichtspunkte ergeben und es er* heint nötig, sie kritisch zu würdigen. Ter wichtigste Grund t die Tatsache, daß die deutsche Lehrerbesoldung an einem Wende­punkte steht. Sie ist an den meisten Stellen nicht mehr eine bloße Brotfrage, sondern die Entschcibung lautet jetzt: Sind die Grundsätze, nach denen man die wirtschaftliche Sage der Lehrer gestaltet, in Rücksicht auf die soziale Schichtung unseres Volkes, in Rücksicht auf die Bedeutung der Volksschule und die Vorbildung der Lehrer und in Rücksicht auf die wirtschaftlichen Verhältnisse gerecht oder nicht. 2abei sott aber diese Diskussion im Deutschen Lchrervercin nicht das Signal ^u einem sofortigen und gemeinsamen Vorgehen dcr Lehrer in allen deutschen Staaten ein. Ter Deutsche Lehrerverein steht den Einzelkärnpfen fern, und barum^ift er zu einem ruhigen unb sachlichen Urteil bic geeignetste Stelle. Die Schule kann nur fortschreiten, wenn man bic Qualität bet Lehrenben erhöht. Tas aber ist unmöglich, ohne eine stete Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Lage. Je größer die soziale Freiheit unb Gerechtigkeit wirb, beito Heller unb größer wirb bic Volksschule, befto wichtiger bic Arbeit in ihr unb umso freier unb angesehener ihr Lehrerstanb. Tie Lehrerschaft selbst förbert am wirksamsten burch ihren Kamps um ideale Ziele auch ihre wirtschaftliche Lage. Wenn sie bie all­gemeine Volksschule verlangt, d H. bie Erweiterung ihres Ar­beitsgebietes, wenn sie bic Ccffnung ber Universität forbert, wenn sie für bie Fachaufsicht eintritt, so nähert sie sich mit leber Position, bie sie hier erobert, auch ihrem Ziel tn bet Besolbungsfrage.

Nach einer Aussprache wurde bie Erklärung unverändert an­genommen.

Mit den üblichen Schluß- unb Tankeöworten werden sodann bic Beratungen bes 24. Allgemeinen Deutschen Lehrertages ge­schlossen.

Der nächste Deutsche Lehrerlag findet 1914 in Kiel statt.

Jugendpflege, Berufsberatung und Lehrstellen, oermitt.ung.

Wenn man bie sozialen Bestrebungen unb Arbeiten der letzten Zeit durchmustert, so fällt vor allem ins Auge, daß man ber Ju­gend, bic man lange arg vernachlässigt hat, insbesonbere der schulentlassenen Jugend, bcsonberc Aufmerksamkeit zuwendet. Man hat diese Bestrebungen sozialpäbagogischcr Art unter dem Namen .^Jugendpflege" zusammengefaßt und versteht darunter Maßnahmen zur geistigen und körperlichen Kräftigung ber Jugend Ingend- pflegc ist sicher eine notwendige unb gute Sache, es will jedoch scheinen, daß jnan vielleicht einem Punkte zu wenig Gewicht bei gelegt bat. Tie Grundlage jeder Erziehung der schulentlassenen fugend ist bic richtige Berufswahl nach »er körperlichen zmü scqtmcn (ügtwng für ben Semi unb au Bcr-zj.-auL-

b i I b u n g. Es sott hier nur darauf hingewiesen werden, daß t - Berufswahl oft ohne genaue Prüfung dcr Berufsoerhäiinisr dcr Berufsaussichten und Eigenschaften vollzogen wirb, jcrn daraus, baß so viele Eltern, teils infolge gedrückter loirtfdmi lief er Verhältnisse, teils aus Mangel an Verantwortlichkeit^- >! den Schulentlassenen keine Berufsausbildung zukommen (afsei Es seien auch die Schwierigkeiten nicht verkannt, mit denen j?b - ;u kämpfen hat, ber diese Verhältnisse bessern will. Tie To fache, daß die meisten Eltern erst bann die sozialen Ginne iungen benutzen, wenn es zu spät ist, d h. wenn bie bestell Stellen schon besetzt sind, bereu Furcht, man wolle in ihr Selb* bcstimmungsrecht eingreiien, auch bic Neigungen ber jungen Leut?, die zum Teil aus uubegrünbeten Vorurteilen ein bestimmtes G>' werbe erlernen wollen, das ihnen unter sehr günstigen Bedi. gungen und bei sehr guten Kenntnissen Aussicht auf Erfolg bieten kann, bereiten große Schwierigkeiten. Neben den inner i Schwierigkeiten kommen noch bic äußeren, bic Zersplitterung der Kreise, bic sich für die Frage interessieren, Mangel an Mittel» zur Organisation, Fehlen einer Verständigung mit Interessent r. gleicher Art in Stabt unb Land Es sollte deshalb ber besseren Organisierung ber Berufswahl, ober besser ber Berufsberatung bie größte Aufmerksamkeit geschenkt werden.

Ein Bedürfnis dazu ist zweifellos vorhanden, und zwar ifi das Bedürfnis größer, als man anzunehmen geneigt sein mag Bei dem Mitteldeutschen Arbeitsnachweisoerband, der in bicfcin Jahre durch Herausgabe einesNachweises ber offenen Sebr ficlicn unb der Lehrlinge sowie Lehrmädchen" für Hessen, Hessen- Nassau, Waldeck und die rheinischen Kreise Kreuznach unb Wetzla: Material für die Lchrstettcnoermittlung beizubringen versucht du. waren im ganzen 950 offene Stellen unb 680 Lehrlinge uni' Lehrmädchen gemelbet Einige Stellen waren zwar doppelt gc meldet, aber das kommt für bic Beurteilung ber Bedürfnis frage nicht in Betracht. Ter größte Teil ber Stellen war vom Lande übermittelt, von den Großstädten hat sich nur der Vereüi Jugendwohl in Frankfurt in umfangreicher Weise an ber Mit teilung ber Meldungen beteiligt. Hierzu kommen noch direkt Meldungen bei dem Arbeitsamt in Wiesbaden mit 256 offenen Lehrstellen unb 319 Lehrstellensuchenbcn, sowie bei dem Arbeits­amt in Mainz mit 334 offenen Lehrstellen und 205 Lehrstellen suchenden. Tic Gesamtzahl ber uns bekannt gewordenen offenen Stellen betrug demnach 1540, die Gesamtzahl der Lehrlinge un' Lehrmädchen 1204. Tas Bedürfnis ist demnach vorhanden, und der Anfang ist gemacht. Jetzt gilt cs, alle Interessenten, die das Blatt erhalten, Land- und Kreisräte, Kreisschulinspektoren. Arbeitsnachweise, Innungen, Gewerbevercine, Pfarrer, Lehrei, Amtsgerichte, Erziehungsanstalten und Erziehungsvereine (es sind etwa 1300 Adressen) zusammen zu fassen, und zwar auf dem Lande durch eine Organisation nach Kreisen, vielleicht in .In glieberung an die bestehenden Kreisarbeitsnachweise, unb in der Stabt burch Bilbung besonderer Ausschüsse, nach bem Vorbilde etwa des Vereins Jugenbwohl in Frankfurt. Tic öffentlichen Arbeitsnachweise, die mit den gewerblichen unb persönlichen Vor hältnissen bekannt sind, werben überall gerne ihre Hanb zur Mit arbeit bieten. Für den Hanbwerkerstanb wirb ein Vertreter dee Hanbwerks, für bie kaufmännischen Berufe ein Vertreter des Kaufmannsstandes, zur Prüfung ber gesetzlichen Vorbedingungen für bie Lehrlingshaltung unb bie Bcbingungen bes Lehrvertrage: hinzuzuzichen sein. Jedenfalls muß aber neben ber lokalen Or­ganisation auch eine solche für ben interlokalen Verkehr von £n zu Ort treten, unb zwar darf bicje nur eine Organisation betreiben Tie Bestrebungen der Lehrstellenvermittlung können nur im Ein­vernehmen mit dem öffentlichen Arbeitsnachweis befriedigend per wirklicht werden unb bedürfen des Zusammenhangs mit den öffent lieben Arbeitsnachweisverbänden, denen die Organisierung bet Verkehrs von Ort zu Ort obliegt.

Diese Zeilen sollten allen denen, bie sich mit dankenswertern Eifer der Förderung des Lehrstellennachweises bereits in diesem Jahre angenommen haben, eine Anregung geben, jetzt schon für das nächste Jahr eine bessere Organnation vorzubereiten, sowie die am nächsten Interessierten, die Eltern der Schulentlasseiien und diese selbst darauf Hinweisen, vertrauensvoll die in ihrem Interesse geschaffenen Einrichtungen, die frei von Bureau kram lediglich Berufsberatung treiben und nach keiner Seite einen Zwang ausüben wollen, auch zu benutzen.

Deutscher Germanistenverband.

. h. Frankfurta. M., 29. Mai.

Im Anschluß an den gegenwärtig hier tagenden Neuphilologe!- kongreß wurde heute ein Deut scherGer in ani st en verband gegründet, mit denen Leitung Professor Dr. El st er-Marburg betraut wurde, lieber bie Grultdsätzc und Ziele des Verbandes sprach im Auftrage des Ausschusses der Rektor der hiesigen Aka- dcmie Professor Panzer.

Der Redner entrollte ein Bild von ber gegenwärtigen Sage des Deutschen Unterrichtes an den höheren Schulen, er zeigst, mte zugunsten ber Antike bas völkische Wesen zurückgebrängt rl unb wie burch solche einseitige Erziehung das Wesen des Deutsch turns Dertümmem muß. Dringend ist deshalb erforderlich, da, der Gcrmanistenbund die Erziehung derJugend in beut' scher Eigenart fordern muß, daß der Jugend der Wert brr beutfdjen Sprache eingeprägt wird, vor allem die Mcnntmi des Mittelhochdeutschen, ber deutschen Akundarten, ber Volkssittcn, Märchen, Volkskultur und enblich der neueren und neueftci 2itcratur. Zu fordern ist, daß jede Universität mindestens einer Lehrstuhl für Germanistik erhalten, daß auch die Dculschlchre: -Stipendien zum Studium dcr germanischen jlultur ui allen gei manischen Ländern bekommen.

Der Gcrmaniftcnbund will das Verständnis für die Bedeutun; der deutschen Kultur unb der deutschen Sprach in allen chrer Aeutzerungen bei weiteren Kreisen unseres Volkes fördern, roiL bie wissenschaftliche Behandlung dieser Gcbietc cntivideln und her tiefen unb will im deutschen Geistesleben, besonders in ber Jugend Mtamg, einen, Platz erringen, ber ihrer Bedeutung entspricht

Profcffor 's prengel-Frankfurt erörterte bie Verhandlungen unb den Arbeitsplan und Direktor Bo j u n g a-Frankfurt btt Satzungen. Hieraus würben bie Vorstandsivahlen vollzogen. De: erste Vcrbanbstag soll im Herbst 1913 in Marburg im An ckluß an bie Versammlung beutfchcr Philologen unb Sduümannc. abgehalten werben.

|5. Allgemeiner Neuphilologentag zu Zranksurt a. M

. b. Frankfurt a. M., 29. Mai

... dritte allgemeine Sitzung brachte zunächst beut 'ruh einige Vortrage. Prozessor Tr. Wechsler- Marburg fprari über .Tie Bewertung des literarischen Kunstwerk»', Vrosefsor Tr Varnhagen» Erlangen über .den Betrieb und die Ltnrtchtungei der neuphilologischen Unioersitätssemmare', Prosessor Tr. Schnee- g ans-Bonn über ,Die Frage der Tottorbiisertation". Tie beider letzten Vortrage riefen naturgemäß eine lange und lebhafte Aus- pracye hervor, in der man dem Vortragenden durchweg zustimnite. Lie .«enjation' bleiet citjnng war aber jebensall» ein Teinon- firationsvortrag von Proiessor W i S1 i c e n n s - Tarmstadt übet Shakespeares Totenmaske. Ter Vortragende zeigte dii Viaske, die grau und recht gealtert auSsieht, vor und erläuterte ai ige alle bemerkenswerten Eigenheiten, über die wir kürzlich ein gehend benoteten.

wandern und Heilen, Bäder und Sommer|ri|'chen.

^-Grünberg, 29. Mai. Gestern jmb bie letzten der ubei Pfingsten hur verfarnrnelten Wandervogel weiter geroanbert. Ber idjicbenc Ortsgruppen sind noch zu mehrtägigen Wanderungen ir ben Vogelsberg, das Rhöngebirge ober nach dem Spessart zu gf HÄuwert. x<r Verlauf des Gautags ber Hessischen Wandervöge> war folgender: v>tn Laufe des 1. Pfingsttages nachmittags kämet' 300 Wandervögel hierher zugewandert, wurden von den Mitgliedern dcr hiesigen Ortsgruppe empfangen unb zu ber £Luarticren geleitet. Gegen Abend versammelten sich sämtlich»: Gruppen aut dem Marktplatz, wo ihre Begrüßung durch den. hiesigen Ortsgruppenlelter Sauerwein itattfanb. Es wurde dann urammen ein Lied gesungen, unb Darauf zogen die einzelnen Cn? gruppen mit bem Gesang hübscher Wanderlieder unter Muflk- , Begleitung der Vttgepchrtcn «jupisciflai, jJuinbolincn UPS- flM)