Ausgabe 
30.5.1912 Zweites Blatt
 
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derart gut gezähmt, das; fic jähren benutzt werd, können. innen d. Tierpark Hagenbeö en als Seltnere benutzt.

n Europa befindlicher' Assen i", dieser selbst in Zoologischen indene Urang Ulang, bezieh! von 10000 Mark, hat einen tausenden von Mark u. zeigte W ikulturnurinVienu.Berlin.W von welchen der erste dieM id das Tierschauzelt mit> er zweite daS gesamte Per- W ) Personen lassende Zirkuo- locken bei ihrer Änkunn chauern an den Babnhos.

[len spielen tagsüber in bei I Abends in den Borsiellungen. ow-Bovs bilden inicrenanie

und Rcitkiinsilerinoeo find me in der Zirkuc-kunit. n, des Nachmittags eben e lenAbendvorttellungenla^ mals tausende Zu,chauer 'ch hlichen Tarbielungei'. echiet ist: Galerie öO dich- dla , qnf 1 Platz 1-50 -<L Mk.^ogel-Nkt,Sren'der,

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Zweites Blatt

162. Jahrgang

Nr. 125

Gießener Anzeiger

G^cheinl tLgttch mti Ausnahme le« Sonntag«.

General-Anzeiger für Gberhefjen

Li«Gießener SamHienblätler* werten bem ^Anzeiger* viermal wöchentlich beigelegt, bal Krtbblah fflr de, Kreis riehen" zweimal wöchentlich. Tierandwirtschastlichen Seit« fragen erscheinen monatlich jroeimaL

Donnerstag, 50. Mai (912

RNetionfbnicf ixnb Verlag der vrüdllchen UnwersuLt« - Brich- und breindruckeret.

9t Lange, Sieben.

Äebtifhon. Expedition und Druckerei: Schul- (trage 7. Expedition und Verlag: 6L.

Rebafttorce^U«. rel.-Abr^AnzeigerLieben,

Ucberfüllung der deutschen Universitäten?

Wieder einmal ist die Frage, ob in Deutschland der Zudrang zu den gelehrten Berufen ungesund sei, erörtert worden, und zwar dieses Mal im preußischen Herrenhau'c. Sogar in diesem ruhigen Milieu gingen die Ansichten über diese Frage stark auseinander. Zur Zeit der NcichSgründung betrug die Anzahl der Studierenden etwa 18 000, also kam auf 2000 Einwohner noch nicht einmal einer. Diese Zahl flieg bis 1895 auf rund 29 000; es kam also schon cm Studierender auf etwa 1800 Einwohner. Bis zur Jahr­hundertwende war sodann die Zunahme kaum merklich; erst von da ab trat sie in voller Scharfe em. Es betrug die Anzahl der Immatrikulierten, also ausschließlich der bloßen Hörer, die auch in den vorhergehenden Zahlen nicht ein­begriffen sind:

1905 : 39 720 ober einer aus 1510 Einwohner

1910: 52 410 , , 1220

1911; 54 820 , , , 1180 ,

1912: 57 400 , , 1150

Gemeint sind immer die Wintersemester von den vorher­gehenden auf die angegebenen Jahre. Die Zunahme ist also gewiß recht stark. Indes ist doch mancherlei dabei zu be­denken. Zunächst befanden sich im letzten Jahre darunter fast 3000 Frauen, deren Wettbewerb doch nur in minderem Maße, und 5000 ReichSauSländcr, deren Wettbewerb fast gar nicht in Betracht kommt. Tic Frauen waren aber noch vor einem Jahrzehnt grft nicht und die Ausländer höchstens nut bet halben Zahl vorhanden. Die Abrechnung dieser beiden Elemente würde also die Zunahme schon immerhin merklich geringer erscheinen lassen.

Aber auch noch eine Reihe anderer Umstände läßt ein Anwachsen der Akademiker in schnellerem Maße als desjenigen bet Gesamtbevölkerung nicht nur erklärlich, sondern auch not« wendig erscheinen. Die Gestaltung unseres WirtschastslebenS mit seinen vermehrten Reibungsflächen bedingt eine Zunahme von RechtSstrcitigkeiten und damit von Juristen; die ge­legene Wohlhabenheit macht eine bessere Gesundheitspflege und somit eine auskömmliche Stellung einer höheren Anzahl von Aerzten möglich, und die wesentliche Vermehrung von Mittelschulen aller Art, namentlich auch solcher, welche nicht zu akademischen Berufen vorbereitcn sollen, macht eine starke Vermehrung der akademisch gebildeten Lehrer notwendig. Man denke ferner an daS Heer der Akademiker, welche neuerdings im ZeitungSfach, in der chemischen Industrie, als Leiter ivirt- jchaftlicher Verbände, auf den statistischen Aemtern unserer Großstädte ober in sonstigen Lommunalstellungen, auf den in den letzten Jahren mit löblichem Eifer gepflegten Stadt- bibliotheken, Stadtarchiven oder in anderen freien Berufen tätig sind, welche, sofern man sie früher überhaupt kannte, jedenfalls nur in* einer gegenüber der Jetztzeit geradezu ver­schwindenden Anzahl vorhanden waren. Schließlich wächst auch von Jahr zu Jahr die Anzahl derer, welche das aka- demische Studium ohne eigentlichen Erwerdszweck lediglich deshalb betreiben, weil es ihnen ihre Verhältnisse eben ge­halten. Alles in allem ist deshalb die Lage etwa so, daß zwar erhöhte Vorsicht denjenigen zu empfehlen ist, die sich einem akademischen Berufe zuwenden, daß aber von einem allgemeinen Uebelstandc zurzeit noch nicht gesprochen werden kann.________________

Evangelisch-sozialer Kongreß.

- Essen, 28. Mai.

Unter zahlreicher Beteiligung von Vertretern sozial interes­sierter streife und Organisationen, sowie von Einzelperioncn trat

l,icr in der Stadthalle der Evangelisch-soziale Monqrcn zu feiner 23. Tagung zusammen, die mit einem Begrüßun-isabend ein geleitet wurde Superintendent Klingemann (Essen begrüßt.' die (Friaacneuen. Tann nahm Stadlpiarrer Lehmann (Mann­heim das Wort. Es freue ihn, daß er noch so manchen Kämpen ehe aus der Zen, als vor 23 Jahren der Kongreß begründet wurde, in einer Zett, als der manebesterllebe Gedanke ins Wanken kam. Wir meinen, daß es nicht einer neuen Ethik bedan' son dem daß es zweierlei Ethik überhaupt nicht geben kann. Wir haben den alten sittlichen Standpunkt des Christentums, und wir wollen den auch auf das neue wirtschastliche Leben über tragen

hierauf nahm, von ftürmifdH'm Beifall begrübt, (Wcbctmrat Proi Tr Har nack ,Berlin das Dort, indem ci au führt« Wir gehören hierher nach Essen, wo so viel Arbeit gelciilct wird, wo die irabne des Fortschritts und bet, Arbeit ausgepslanzt in. Woraus es anlommt, das sind nicht Beschlüsse. Wenn wir alles vor 23 Jahren hätten fest stellen wollen, wie es heute aussieht, müßten wir uns vielfach korrigieren. In zwei Punkten aber nicht, daß mir eine bestimmte Richtung innehalten. Richtung und Uralt sind die großen konservativen Elemente, die wir brauchen. Wir wollen zusammen arbeiten und erben was uns überkom­men, nut der uralt der Selbständigkeit und unserer Erfahrung Wir wollen wed.-r Sklaven sein noch Vagabunden, die bincmleben in die Zulunst, ohne daran zu denken, daß es eine Vergangen heil gegeben hat Im vorigen Jahre ist in Hamburg von einem

Manne gesagt worden: 3 rh eröffne hiermit ba8 monistische Jahrhundert Lachen Das in schon eröffnet worden, als jemand schriebe Im Anfang schuf <'Vni Himmel und (Erbe Es kommt nur daran! an, was man unter Monismus versteht. Es gibt nur einen Monismus der Energie, und der ist überall derselbe. Tas wird in einem der folgenden Jahrhun berte entschieden werden, jedenfalls aber nicht int 20. Tiefes törichte Schlagwort, töricht, weil es so iveitschichtig ist, daß man alles darunter verstehen kann, soll uns doch nicht noch lange zum Narren halten (Lebhafte Zustimmung.) Man wird niemals aus uns herausbringen, daß wir kämpfen müssen, daß es einen Mampf des Gute n gegen das Böse gibt, des Starken gegen das Schwaäw, und daß wir kämpfen müssen für unsere Freiheit von finsteren Triebkräften und N a t u r g e ro a 11 e n. Wann wird eine Zeit kommen, wo der Dualismus jemals auSaerottet ist? Solange das mein m ist, ist der Ausdruck Monismus ein Scliatlenspiel. An Mäfer­beuten und an einem Elektrophor kann man keine Weltanschau­ung gewinnen. Wir Christen haben eine Persönlichkeit, die uns eine Richtung gibt, die ein Hebel in allen Weltteilen geworden ist, weil diese Persönlichkeit Worte sprach, die zeitlos sind, die eingreifen in die Seele der Jugend, in die Seele des Alters. Tic albernen Unterschiede zwischen Liberal und Konservativ machen eigentlich nur foldK Leute, die beides sind. Id, habe diese beiden Kleiderhaken in lo­gischen Fragen nie benutzt. Wir haben vier Aufgaben zu lösen: die Wohnungsfrage, die Heimarbeit, die Fürsorge f ü r die Jugendlichen und die Frage, wie daS Verantwortlichkeitsgefühl des Einzelnen ge­stärkt werden kann, was eigentlich das schwerste ist. Wenn ich auch vom Präsidium zurücktreten rnus; wegen vieler Arbeit, so wird der Kongreß doch seine Arbeit weiterführen wie bisher, und er wird im Aller das sein, was er in der Jugend war. (Lang- anhaltender Beifall.)

~ Essen, 29. Mai.

Tie erste Hauptversammlung des Evangelisch-Sozialen iton- gresses wurde am heutigen Mittwoch vormittag mit einer Morgen- andacht des Pastors T ö r i s (Hannover) eingeleitet. Tarauf hielt der Vorsitzende Professor D. Baumgarten (Kiel) eine Be­grüßungsansprache. Er wies zunächst auf die in der gestrigen Vorversammlung erfolgte Verabschiedung des all verehrt en bis­herigen Präsidenten Geheimrat Professor H a t n a cf hin und sprach ihm int Namen des Evangelisch-Sozialen Kongresses den aller wärmsten Tank aus für die hingebende Treue, mit der £>arnatf während 9 Jahren die Verhandlungen und Geschäfte des (£bange» lisch^Sozialen Kongresses geleitet hat. Unser Kongreß hat kein politisches und soziales Programm, er will ja nur die wirtschaft licheu und gesellschaftlichen Zustände dec Gegenwart unbefangen zeigen und unter die Beleuchtung unserer evangelisch-sittlichen Ideale rücken. Tic erste Pflickft des Christen ist, die Quellen der Versuchungen zu erkennen und, soweit er vermag, zu verstopfen. Tas ist es, weshalb wir unsere Nationalökonomen als das solide

Rückgrat unseres Äengreife» betrachten Wir erwarten aud> dies­mal wieder von ihnen, daß sie uns über das wertlose Seufzen und Stöl ncn über Volksverderbnis und Vollsverfül.rung Innauvfubtvu zu einer klaren Einsicht in die wirtschaftlichen, vor allem aber auch in die ideellen Zusammenhänge der Nöte, die wir bcHagem Ter Evangelisch-Soziale K ongreß layt sich nicht ein auf den theologisckien Streu: Was buirfet Euch um Christus, wes Sohn ist er? .Iber er richtet all sein Tun nach dem Bilde des großen Samariters, der uns die Frage aufdr.ingie: Welcher ist der 'J'ädjftc? Der unter tue Räuber gefallen ist lind all. Wege zur ^Ibbilfc stellen wir in den Weg der christlichen Viebc. Es gibt unter inneren H iilern und Industriellen, ja selbst unter unseren Geistlichen so viel hoffnungslose Leute, die uns verbieten wollen, an eine Mau­serung derSozialdemokratie, an eine Wiedergewinnung der arbeitenden Klassen für die Ideale des Teutsaaums unb des Christentums zu glauben. Wir aber stehen fest im .'Hauben und in der Liebe und darum arbeiten wir ohne zu verztveifeln. Tas soll unsere Ausgabe sein, dieselbe Begeisterung für die hoben Ziele unseres christlichen Volkstums wieder zu erwecken, die einst zu Sfingften 1890 uns alle erfaßte, als wir nach dem Erlaß der Februar-Botschaft durch unseren jungen Kaiser uns zusammen fanden zur Lösung der Frage: Was tm da die evangelisa Mir die ? Ter Redner tvünjcku, daß der evangelisch-soziale Kongreß bleiben möge der Ircfrvunh über den Mämpfen der Parteien stellender Mensäien, die die Gesetze und Erfahrungen des winsckmstlichen Lebens Nar erfassen und dock) über diesem herben Wirklichkeitssinn nicht flügellahm werden, sondern sich halten an das alte Evange liuni. Zum <^d)luB bringt der Redner ein xmd) auf den JVaifer aus.

Hierauf erfolgten rocüerc Begrüßungen, lind bann wurde in bic Tagesordnung eingetreten. An erftfr Stelle stand zur Be­ratung das Thema

Individualismus und Staatssozialismus. Professor Tr. L. v. Wiese Hannover> uthrte hierzu aus: 2lls siel ;a btt Sozialpolitik bet Zukunft sollte in der idauptsich: icftgclcgt werden, daß mit dem öloitonüidKii Sozialismus der Multurindividualismus Hand in S?ant> geben muß, das; also die Sozialpolitik fid) in den Dienst der Ausbreiiung ii)irt|d>aitlid>ec und jittlidjer Freiheit zu stellen bat. Ter Redner schildert zum Sd-luß die verschiedenen Berufsorganisationen, die Wohlsahrls- einria.iungen, die Sozialversicherungen nsw. und erkennt dabei aud) die Bedeutung des Großunternei mens an.

Tenselben Standpunkt nahm Professor D. Martin Rade (Marburg) ein.

9?ad) den Vorträgen wurde ein Begrüßungstelegramm an die Tagung der Evangelischen Arbeitervereine in Müiiigobcrg ge­sandt.

Hieraus nahm, mit lautem Beifall begrüßt,

Geheimrat Professor T r. AbolsWagner (Berlin) das Wort: Es war von besonderem Interesse, einmal einen jüngeren Fachgenofscn über ein Thema sprechen zu hören, mit dem wir älteren Nationalökonomen uns seit Jahren befassen Aber ich kann mich nicht ohne weiteres auf seinen Standpunkt und auf den des zweiten Referenten stellen. Ich mödue gewisser maßen das, was wir feit Jahrzehnten vertreten haben, nicht ohne weiteres preisgeben. Ter erste Referent ist aul einen Punkt, dec für die Entwickelung des Staatssozialismus von besonderer Bedeutung ist, nicht eingegangen. Auf den ungeheuren Einfluß der neuen Produktionstechnik und des Großbetriebes. Wir haben alle es mehr ober weniger als Illusion erkannt, daß eine formalt Bertragsfreiheit und eine Freil)eit des Arbeitsvertrage.- existiert. Zn weite«« wird geglaubt, bas iuu dn Bebeutung der Schwerindustrie, überhaupt des Privateigentums unterfdjätzen. Tas ist unbegrunoet, wir erkennen bie Bebeutung bei s roi Industrie wohl an HBir sehen aber andererseits, daß gerade auf der Basis der modernen Teckjnik auch dem tüchtigsten und gewandtesten Unternehmertum Glicht für sich allein eine Macht- ftellung eingecäunrt werden kann, weil nur eine formale Der tragdfreiheit besteht, aber eine sachliche Besdiränknng des Arbeiic- Vertrages vorhanden ist. Auf Grund dieser Wahrnehmungen haben wir Theoretiker die Erkenntnis bekommen, daß wir aus diese bloß formale Freiheit nicht allzuviel geben können Wir müssen daran denken, daß die Entwickelung Der modernen Technik und die Großindustrie quantitativ sich geändert haben, und daß Darunter der Arbeiter zu leiden hat. Es muß ihm also ein Schutz zuteil werden. Ter Arbeiter konnte nid)t allein für sich die Arbeits» bebingungen so gestalten, daß er nut Teil nahm an den Fori schritten des wirtschaftlichen Lebens und damit aud) des kul-

Die hundrrückGerge der blindenkjunde-kjessen".

Bon Professor Tr. Stuhl (Würzburg).

In dem AufsätzeDie blinden £>effen" (vergl. Nr. 103, 1. Blatts habe ich den Nack-iveis zu führen gesuckst, datz die vcr- ineintlidje Sckjelte derblinden ^)unde Hessen auf eine uralte Bezeickjnung des üessenvolkes zurückgcbt, das früher wie andere deulfd)c Stämme inhundert e" oixr, wie die altere Wortform lautete, mV und e", d. i. Geschlechter (gentes), Nach­barschaften oder Großgemeinden zerfiel.

Als sinngleiche Benennung erweist sich der Burgundername, der bvfhnimter dieseX)unt)c" oderGunde, Öcnite" iDergl. '^ur genda Land j. Bornholm) als Buren = d. r. Bauern- Hundertschaften, Bauernvölker bezeichnet.

Da ist es nun gewiß von Belang, daß der beitimmende Aus­druck L'und oder ^un gerade in Dessen, aber aud) airdenoartv in Flur-, Wald- und Lnsnamen ungemein haung autmit, wo nie und nimmer an den L>und (eanis) zu denken ist. 4.a gibt es eineÖundstriesch" oderyuniicnrrteid)" am Gemeindewaldi- von Eiterseld, dievundslinde in Wölf unter dein letzt ccvloB Fürsteneck tragenden L-ausberge, eilte AnhöheLtundsding in der Gemarkung Müsenbad), einenDundsluppel' bei Vunscid, einenLtuiidsslraucki" in Cberuibaufen; auf demL>uni. .geldc Pflegten die Bischöfe von Würzburg und ^Mda.^agzuhaueii. Hundsgraben" heißt knad> L»aas, puldaer Ge)chidusblalttr, UW, 121, 159) in Hessen und auch in Franken, wie ich aus eigener Erfahrung hinzufugen kann, foviel wie ^>chanzgraben.

Ich entnehme diese Angaben einem verdienitvvllen Aunatze des Regierungsraies P. Jllgnei- in oumeid (letzt .in Leob'chutz), der in Nr. 15 und 17 desvefienlandes planet, 1JU btn Kampf gegen denHund" in den hessischen Namen autgenonimen hat. Sein Hauptaugenmerk hat er, geftützt auf zahlrcichc orthdK Beobachtungen, namentlich im Kreise >?ünield. gerichtet auf den -Aergnamen Hundsrück, nack) dem daher mich icin .lnsfatz ttch

Man findet nach ihm die Hundsnicks z. B- bei Hintersteinau, im Amte Wetter, in -tner, Gotha »ich. weniger als neunmal und auch sonst in Thüringen: im üreiie ä)unseld ist der Name zehnmal festgestellt. Arnold erwahitt den Namett Hundsrück in seinenAtisiedlungen und Wanderungen deuuckivr Stämme" elfmal. Am betanuteiten i|t natürlich der rh iniiche Hundsrück. . - _ -

Auf Grund der von ihm beobachteten Lage der Ldunielder und benachbarter Hundsrücke iant Jllgner auf den Gedanken, |te konnten Mit den alldeutsdjen Hundertschatten zusammenhangen,Ver­einigungen bcnad)barter Ortschaften, besonders zu triegeriiaien Zwecken", eine Annahme, die, wie der Verfasser cr|t nach p-erng-

ftclluiig seines Aufsatzes erfuhr, bereits von Hamm für den Hundsrück der Rheinprovinz aufgestellt worden ist.

Dieser Annahme ist von anderer Seite entgegengetreten worden und id) selbst glaubte fic durch eine andere Deutung ersetzen zu müssen, die id) nt Nr. 1 dieses Jahrganges desHessenlandes" in dem AussätzeHessische Bergnamen" näher begründet habe.

Meine Teutung stützte sich haumfächlich auf die aus dem 15. Jahrhundert überlieferten Schreibungen Hungruck, H ung- rüg, die wegen des inlautenden Mehl laute« auf einen anderen Ursprung des Namens hinzuweisen schienen.

9hm aber nehme ich, nachdem ich aus einemblinden" ein sehender Hesse" geworden bin, keinen Anstand, der Annahme Jllgners, die auf genauer Lrtskenntnis beruht, beizupftichtcii, und das umsomehr, da in hessischen Unterinunbarten einem Zahn­laute oftmals ein Kehllaut vorgeschlagen wird, hinter dem dann der Zahnlaut selbst abiallt. So wird an der Eder und Schwalm Zit Zeit« wie Zikt gesprochen und im Kölnischen wird daraus: Zick. 'Sergi. H. o. Psister-Schwaighusen, Alldeutsche Stammes- künde, 5. 7. So konnte also sehr wohl aus Huntrug ein Hungrüg werden.

dlacki Beseitigung dieses lautlichen Beoenkcns sollen die von Jllgner für den Zusammenhang der Hundsrücke mit den altdeutschen Huichertsdiaften ins Feld geführten Grunde: die Lage derselben an der Gemarkungsgrenze mehrerer Dörfer, gemeinschaftliche Hu­tung von dhichbaroörsern, das häufige Vorhandensein von Quellen, die sie zu Sammelvunktcn mehrerer Ortschaften als wohl geeignet erscheinen lassen, die Ringwallburgen, die mehrere Hundsrücke aufweisen usw., um so schwerer ins Gewicht, und beide Herleitungen, also die Jtlgnersckre Teurung des Namens Hundsrück und die meinige der Schelle derblinden Huilde-Hessen" stützen nun ein­ander gegenseitig auf» beste.

Ich lasse noch einige weitere Beweise für die Richtigkeit der versuchlen Herleitung folgen.

In dem Aufsätze über dieblinden Hessen" habe ich den Ausdruck Hund oder Hunt auf eine ältere Lautform Gund zurück- geführt, die sich unter dem schütze des Bestimmungswortes Bur: Bauer in dem Burgundernalnen erhalten har. Im Nibelungen- liede heißen die Burgunüen noch Burrgonden oder Bürgenden. Nun hegt einer der Hünfelder Hundsrücke in der Gcmarlung Letbolz neben einem jetzt trockenen Go nzbach, d. l also often- bar ein GondsdachHundsbach. Ein Torf Gondsroth gibt es bei Gelnhausen.

Ein Torf Hundsbach liegt ferner neben einem anderen des Namens Hundsfeld und einem Heßdorf bei üarlstadt in llnterfranten unfern der Homburg, d. t. wohl Hondburg, der Fluchtburg der Hunderrschaft der Hessensiedelung.

Es ivürde zu weit führen, allen den Hundsbächcn, Hint- und Hinsbächen hier nachzugehen. Sie find ebenso wie die Fluiie des Namens Kinzig nach denÖunben" oderKinden" gentes, den urgermanischen Völkerstämmen und Geschlechtern, von denen die ersten Ansiedelungen und Rodungen (oergl. den N. Gondsroth!) ausgingen, benannt. Nur auf einen Flußnamen soll hier noch aufmcrtiam gemacht werden Tas ist der der Hunte, nrlunblid' Hunta, des Nebenflusses der Weser. Tie ursprüngliche Wort form war natürlich Hunta cha, d. i. Ache ober Wasser dec Hunt, des Stammes oder Volkes. Vergl. die unterfränkisck. Vollach.

Westlich der Ems, in der nicberläiibiidxn Landschasl Trenthe, stoßen wir wieder auf einen Höhcnzug, der den Namen H o n d s - rüg führt.

Was will nun eigentlich das Grundwort Rüg besagen? Ist es wirklich das schriftdeutsche glücken, mundartliche Ruck vgl. Ruck sack!- ? Tie gegebene Teutung des BestimmungswortesHund" scheint diese Annahme ausz'tschließen. Näher liegt vielmehr ein: andere: Es gab und gibt noch in den deutschen Tialekten eine kürzere Nebenform Rüg neben der längeren schriftdeutschen Rüge mit der Bedeutung Anzeige, Beschuldigung, (Gericht, besonders Unter geeicht mit beschränkter StrafgcwaU. Tanach hießen die Cent- schössen auch Rüger, die verdachiige Personen rüg weis den Eentbeamten anzeigen mußten (vgl. Grimm, Schmeller-. Es begegnet das Wort auch jm Sinne von Gerichtsbarkeit, Gerichts bezirk, besonders im Salzburgischen, wo es auch einen Hauns- berg, b. i. wohl = Hundsberg und weiter norolid) in Lber- öfterreid) einen Haunsruck genannten Serg gibt. Jrn Salz burgischen hieß Rüg mann dasjenige Gemeindeglied, das die Fronarbeiten anzusagen und zu besorgen hatte, uno ovr ihm über­tragene Bezirk von 2030 Behausungen hieß das R ü g a t.

Ein ariderer Ausdruck für ein solches Rügegericht der Bauern war Geding. Hundsding heißt eine Anhöhe in ocr hes­sischen Gemarkung Musenbach, wie schon früher enr . bnt. H und - geding hieß endlich das Miirkergericht aus dem rh.iiiisa^n >3unt>£- rück, der bis ins 15. Jahrhundert der Weidegemeinschaft ocr um liegenden Lttschaften uiuerftanoen hat ivon Maurer, Einleitung zur Geschichte der Mark-, Hof- und Srabr-Berfassiuig, S. 6'J uh Geschichte der Markenverfassung, S. 327 . So bestätigt itd Vermutung, Hamms (s. oben!), der den Hundsrück ocr Rgeiu Provinz auf eine Huridertschast, die im Hochgebirge Rhaunen (bgi Rüg, bestanden habe, zurückgeführt hat, und ebenso sind die fischen Hundsrücks, wie Jllgner angenommen hat. Hundert- schaftsrügebezirke der Hunde-Hessen gerne>en, wo­hin sich diese auch in den Zetten der Gefahr im. uno ttind und dem Vieh flüchteten.