Ausgabe 
28.11.1912 Zweites Blatt
 
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Donnerstag, 28. November VU2

162. Jahrgang

Zweites Blatt

rar. 28i

Erscheint ti-Uch mit Ausnahme des Sonntags.

iflei

des Turn»

Deutschen

Gastbause Landwirt- stellt man

Im abend .Wie

Rotationsdruck und SSvrfag der Br üblichen UnwersuälS - Buch- und 6teinbruCteceL R. Lange, Dietzen.

Bumlller war gewohnt, aus dem Dollen zu leben und mar sehr freigebig. Ties nod) mehr, naMcin er mit Fräulein Lanz in Mannlunm, der .zweiten Tochter be<s Geheimrats Heinrich Lanz den Bund der Ehe geschlossen. Seine Jagden, die er all jährlich abhielt, sind weithin bekannt geworden. In Paris holen i'uic wundervollen Pferde allgeinem au'

2lrbcitcrbctveaititg.

Eine Aussperrung in den slichsisch-t'u'iringischen Färbereien.

Greiz, 27. Nov Heute früh begann die Aus­sperrung von ungefähr 1OOOO Färbereiarbei­tern des Derb and es der sächsisch-thüringischen Färbereien. In allen von der Aussperrung betroffenen Orten fanden heute vormittag Arbeiterversammlungen statt, in welchen bekannt gegeben wurde, das; der Zentralausschuß des deut­schen Textilarbeiterverbandes beschloß, den Kamps in vollem Umfang aufzunehmen.

vas Düngebedürfnis eines BodenS feit?4

Kreis Büdingen.

Echzell, 26. Noo. Auf Veranlassung

Vereins wurde im Saale des Gailhofs .Zum

TieWietzener .ftwilicnbüttet" werden dem .Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, daS ..Kreisblatt für der, Kreis Sichen" zweimal wöchentlich. TieLandwirtschaftlichen Selb fragen" erscheinen monatlich zweimal.

x)qu§* unter Beteiligung sämtlicher Vereine Großherzogs Geburtstag gefeiert. Die Feier verlief in würdiger Weise, verschönt durch Vorführungen der Turner und Vor. rage der beiden Gesangvereine und deS MusikvereinS. DaS Hoch auf den Landesherrn brachte der Vorsitzende des Turn- jerem§, Herr Müller, auS

Kreis Alsfeld.

f. Kirtorf, 27. Nov. Nächnen Sonntag, 1. Dezember, wird die Automobtlpost EhringshausenKirtorf rirchHain dem Betrieb übergeben werden. Es bietet sich oann von Kirtorf aus viermal täglich Gelegenheit, nach und

bedürfen.

** Ehemalige Hundertsechzehner in Köln. Der erst kürzlich gegründete Verein ehemaliger Angehöri­gen des Infanterie-Regiments Kaiser Wilhelm (2/ Groß!;. Mi. ) Ar. 116 in Köln feierte ebenfalls das Geburtstagfest des Großherzogs. Zahlreich waren die Mitglieder mit ihren Damen 'vertreten. Der 1. Vorsitzende Apotheker Hempel hob die Verdienste des Großherzogs hervor undi forderte die Erschienenen auf, in alter Hessentreue ein drei- aches Hoch auf den Fürsten auszubringen. Auch wurde ein Glückwunschtelegramm abgesanbt, auf das ein Antwort-- telegramm eintraf. Die Feier nahm einen schönen Verlauf.

** Lehrerpersonalien, lieber trogen wurde dem Schulamtsaspiranteu Karl Heß aus Vilbel die Lehrerslelle an der Gemeindeschule zu Zahmen.

" Erledigt.st die Stelle deS F o r st warte s der Forst» wartei Seligenstadt.

Die studentischen Unterrichtskurse halten am Freitag auch Englisch II im Universitätsgebäude; Geo­graphie im geographischen Institut am Brandplatz.

" D i e n st j u b i l ä u m. Steiger Gibb auf dein Gießener Braunsleinbergwerk feierte sein 40jähriges Dien st - jubiläum. Seine Vorgesetzten, Kollegen und Untergebenen beglückwünschten ihn zu seinem Ehrentage und vom Gruben- vornand, Direktion und dem Generalbevollmächtigten Paseoe im Auftrage de« Vorbesitzers des Bergwerkes, Herrn Fernie, wurden dein Jubilar prachtvolle Geschenke für die treue Pfl'cht- erfüllung überreicht. Vom Großherzog wurde dem treuen Beamten das Allgemeine Ehrenzeichen am Bande deS Ver- diennordens Philipps des Großmütigen verliehen.

** Eisenbahndien st Hunde. Tie mit den versuchsweise angeschaiften deutschen Schäferhunden als Eisenbahndiensthnnde gemadten Erfahrungen sind im Bereich der preußisck>-hessischen Slaatcbahnen insofern günstig ausgefallen, als in einzelnen Be­zirken sich das obdachlose Gesindel an den Bahnanlagen, in denen es sich früher zur Nachtzeit umhertrieb, aus Furcht vor den Hunden verzogen hat. In einem Fall hat ein Hund zivei Personen aus der Flucht gestellt. Tie Erfahrungen reichen aber noch nicht aus, um ein abschließendes Urteil über die Zweckmäßigkeit der all­gemeinen Schäferhunde zu gewinnen. Deshalb sollen die --ersuche auf geeigneten Bahnhöfen fortgesetzt werden.

Landkreis Gießen.

Dau bringen, 28. Nov. Hier findet am Sonntag nachmittag im Gasthaus von Weimer ein Vortrag über Wichtige Düngiing«fragen, insbesondere auch die Be­deutung und Ausführung der Gründüngung' statt. Redner

ist Landwirtschaftslehrer T a m m - Lich.

Nieder-Bessingen, 28. Nov. ,Zum Löwen" hier spricht am Samstag schaftslehrer Tamm-Lich über die Frage:

inheit, Aroma it verdaulich, n. Stets in ge- tät, die beste!

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Redaktion, Erpedition und Truckerei: Scfnd- siraße 7. Erpednion und Verlag: e=a^51. Redatnon:^^H2.rel.-Adr.:Anze>gerGle8en.

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Previnztal-Ausschutz der Provinz Obcrhcffcn.

L,. Gicßen, 27. Nov.

Anwesend: Provinzialdirektor Geheimerat Dr. Usinger als Vorsitzender und 6 Mitglieder.

Beginn 9, Ende lis/j Uhr.

1. Klage des Orts armen Verbandes Fried­berg gegen den Ortsarm en verband Nieder- R o s b a ch wegen Unterstützung des A. S

S. wohnt in Friedberg und mar an den Bahnbauten in Gemarkung Nieder-Rosbach beschäftigt. Durch Auf­nahme seines Kindes in das Hospital entstanden 12 Mk. Kosten, die der Lrtsarmcnverband Friedberg vorläufig übernahm. Ta S. aber bei Eintritt der Erkrankung über eine Woche lang in Nieder-Rosbach als Erdarbeiter be­schäftigt war, verlangte Friedberg gemäß § 29 Abs. 2 des Untcrstützungswohnsitzgesetzes Ersatz seiner Auslagen von dem dortigen Armenvcrband. Von diesem ging eine ab­lehnende Erklärung auf die Klage ein. Der Provinzial- ausschuß gab der Klage statt und verurteilte den Bertag- ten zur Zahlung der 'Klagesumme nebst 4 Prozent Zinsen sowie der Kosten des Verfahrens.

2. Desgleichen wegen Unter st ützung des P. G.

Es liegt hier der ähnliche Fall wie vorher vor, so daß auch hier der Provinzialausschuß zu einer Verurtei­lung des Beklagten kam.

3. Klage der Gewerkschaft Friedrich zu Frankfurt a. M gegen JoHs. Heinr. Jakob von Trais-Horloff u. a. wegen Enteignung.

Die Gewerkschaft bedarf einer Anzahl Grundstücke zu ihrem Bergwerksbetrieb, teilweise hat sic sie auch schon in Anspruch genommen, ohne daß eine Abtretung erfolgt ist. Mit einem Teil der Eigentümer kam eine vergleichs­weise Einigung zustande. Gegen die übrigen Besitzer wurde Klage erhoben und über diese heute verhandelt. Der Pro vinzialausschuß beschloß, seine Entscheidung in einer der nächsten Sitzungen zu verkündigen.

4. Enteign ng von Gelände zur Karls st raße und zum Ernst-Ludwigs-Ring zu Bad-Nau­heim.

Zwischen der Antragstellerin, der Stadt Bad-Nauheim und dem Eigentümer I. Pfeffer zu Gießen, ist nach Mit teilung der Parteivertreter eine Einigung zustande gckom men, die nur noch der Genehmigung der Stadtverordnelen- jerfamralung von Bad-Nauheim bedarf. Die Beehairdlnng wurde deshalb auf drei Wochen öerta^t.

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politische Lagesschau.

Jesuiten unb Bun"e8vat.

Zu der Mitteilung über einen Vermittelungsvorschlag, den Preußen dem Bundesrat zur Erledigung des Streites über den bayerischen Jesuitenerlaß vorlegen wird, schreibt dieDeutsch-Evangel storr.":

Man wird abwarten müssen, ob wirklich und in welcher Art die Freigabe der rein wissenschaftlichen Vortragstätigkeit er inlgen wird. Tas preußische Obervcrwaltungsgericht bot durch Urteil vorn 8. Mai 1900 das Halten von religiös-wissenschaft- I chen Borträgen als verboten angesehen. Nun rmrb sich zwischen rein wissenschafllichen" undreligiös wissenschaftlichen" Vorträgen huni Nar scheiden lassen. Zu den Stoffgebieten der Wissenschaft üblen auch die historischen und rein geistigen Fächer. Ein Vortrag über den Dreißigjährigen Krieg oder die Ursachen der Reformation kannrein wissensckxlltlich" fein, und doch würde ein solcher Vor trag, von einem Jesuiten gehalten, eminente religiöse Einwirkung auf Dritte bedeuten. Es ist überhaupt schlechthin nicht vorstellbar, ivie eineSicherung des Vollzugs des Jesuitengesetzes", die § 3 dem Bundesrat aufträgt, durch eine positive Erweiterung der irsuitischen Tätigkeit erzielt werden kann. Bis dahin waren msiziell in Preußen nur, wie in derNordd. Allg. Ztg." vom 5. 'Äpril 1912 nachzulesen ist, erlaubt missa solitaria, Primiz- messen im Charakter eines Familienfestes, stille Meise, Austeilung der Sterbesakramente. Somit war vollauf der Aufhebung von jj 2 Genüge getan. Wissenschaftliche Vorträge von Jesuiten galten als Ordenstätigkeit, zumal nach Ableistung des Modentisteneides, unb wenn hier auch eine gewisse tatsächliche Tuldung gewaltet baden mag, so wäre eine offizielle bundesrätliche Feststellung, daß nunmehr diese Vorträge freigegeben werden, ein Beschluß von verhängnisvoller Tragweite, weil mit diesem Schein die Jesuiten sich in weitestem Maße der Arbeit in den katholischen Pcreiuen bemächtigen könnten. Tie Jesuiten würden sich in diesem Fall einen Teilsieg zuschreiben, was um so bedeutsamer wäre, wenn das andere stimmen sollte, daß die eigentlichen Streitpunkte des bayerischen Erlasses in der Entscheidung des Bundesrats nicht tvfitcr erwähnt werden. Wer garantiert, daß das Interpretieren dann nicht von neuem losgeht und znm mindesten dieK.ni- fetenzen" unter dierein wissensäxtftliche" Tätigkeit eingereiht werden, die durch den Versammlungsort in der Kirche ben ibaralter der Wissensäiaftlichkeit nicht verliert. Niemand würde ti begreifen, wenn Bayern unb der Jesuitenorden aus der Affäre mit einem Gewinn davotrzögen."

Aus Sta-r und Land.

Gießen, 28. November 1912.

** Ordens an gelegen heiten. Der Großherzog hat dem Regierungsbaumerster Sieben zu Saarbrücken die Erlaubnis zur Annahme und zum Tragen des ihm von dem König von Preußen verliehenen Roten Adler-Ordens 4. Klasse, dem Bahnmeister a. D. und Vorsitzenden des Bezirks Nieder-Olm der KriegerkameradschaftHaina" Hch. Kabet) zu Nieder-Olm die Erlaubnis zur Annahme und zum Tragen des ihm von dem .>rönig von Preußen ver­liehenen Verdienstkreuzes in Silber unb dem Fabrikanten Jak Erckrath de Barn zu Klein-Krotzenburg a. M. die Erlaubnis zur Annahme und zum Tragen der ihm von dem König von Schweden verlieh.'nen Erinnerungsmedarlle an die fünfte Olympiade zu Stockholnt erteilt, sowie bem Reallehrer an der Oberrealschule zu Worms Phil. Schü­ler die Krone zum Ritterkreuz 2. Klasse des Verdienst­ordens Philipps des Großmütigen verliehen.

** D ic Kosten dcr O rdens - AuSzeichnungen. Angesichts der Orbensspenbe, die in diesem Jahre zu Groß­herzogs Geburtstag wieder so reichlich ausgefallen ist, dürfte cs interessieren, auch die Kosten zu erfahren, welche alljährlich dem hessischen Staat allein für Ueberreichung der Auszeichnungen erwachsen. Es mögen hier nur die Kosten erwähnt nerben, die allein bei den .Kreisämtern an Diäten unb Transportkosten entstehen: An einem Mm»- amt waren zur persönlickwn Ueberreichung der Auszeich­nungen an die Dekorierten in bereit .Wohnorte brei höhere Beamte tätig. Ilm der Sache ein feierliches Gepräge zu geben, wurde anstatt der Eisenbahn je eine Droschke benutzt. Die Kosten einer Droschke beliefen sich auf 15 Mk. = 45 Mk. An Diäten für die brei Beamten entstauben ä 6.50 Mk. = 19.50 Ml. An Telephongebühren sind für Bestellung der Orts-, Schul- unb Vercinsvorstänbe etwa 5.50 Mk. zu rechnen. Es ergibt sich sonach für ein Kreisamt-eine Kostenrechnung von 4a -4- 19.50 + 5.50jMf. = 70 Mk. ISollte bicses Verfahren bei sämtlichen 18 Kreisämtern bes Groß- Herzogtums gehandhabt worden fein, so erhält man das ganz nette Sümmchen von 70 x 18 == 1260 Mk., die der hessischen Staatskasse an einem Tage für Diäten unb Trans­portkosten zur Last fallen. Hierzu lämen allerdings noch die Portokosten, die durch Einschreibesendungen der Dekora­tionen an die .Kreisämter entstehen, sowie die Kosten bet Dekorationen selbst, die zwar zum großen Teil wieder zu- rüdgegeben werben müssen, aber immerhin einen ent­sprechenden Aufwand für Neubeschassung und Auffrischung

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für (vberhesien

Zum Tode des Legationsrates Dr. Bumiller der auf dem Kriegsschauplätze in der Türkei sich die ibofera zugezogen hatte und ihr erlegen ist, ginq demHeidelberger Tgbl." eine charakteristische Schil­de r u n g seiner Persönlichkeit von einem guten ('reunbe unb Belannlen Buinillers zu. Darnach war er der hervorragendste Korpsstudent" seiner Zeit:

Er war im Jahre 1866 in Landstuhl -Pfalz) geboren, be- futfjtc das Mannheimer Gymnasium unb trat im Jahre 1882 ,i(6 Fuckis in das KorpsSuevia" hier (in Heidelberg) ein, woselbst rr bis zum Jahre 1884 aktiv war, um bann bet derHan- novera" zu Göttingen als Korpsbursche einzuspringen.

Bumiller machte dort seinen Dr. phil., biente als Enriährrger bei den Garde du Earps, wo er später vom Kaiser als einer ter wenigen Bürgerlichen znm Reserveoffizier ernannt würbe. Dann war er mit Wißmann zusammen in Ostafrika, wo er iid) als Pionier der bcuticben Kolonisation ein bauerndes Ver­dienst erworben Hal. Er beteiligte sich hauptsächlich an der Exve- biliou am Kilimandscharo und an der Umerweriung des Auf- s!aude> der Busckiri. In den Aufzeichnungen Wißmanns wird mehrfach auf ganz ungewöhnliche Proben von persönlichem Mut, den Bumiller bewies, hingewiesen. Vom Kaiser erhielt Bumiller den Roten Ablerorben am schwarz weißen Bande. <-awn m feinen letzten Gyrnnasiastenjähren und als Student war Bumiller euch ein hervorragender Hochtourist und von leinen alpi- mimdrtn Leistungen erzählen die von ihm erschlossenen, nach ihm 1 leiianntcnBumillerwege" in Tirol und im Engadin. Von da !om er in das auswärtige Anit als Negierungsrat und)pater -ega iionsrat und wurde der Pariser Botschaft beigegeben.

Später zog er sick ins Privatleben zurück und lebte an ver- idiicbenni Orlen. Fast alljährlich kam er auf einige Wochen _nad) iinrm gniebten Heidelberg, ioo er imEuropaiichni^ yoi' logierte und noch bis vor kurzem mit vielen Heidelberger Burgern im Cafö Haeberlein Billard spielte. _ . - ,,

Er hat so sein ganzes Leben hindurch der ^tadt Heidelberg Dankbarkeit und Treue bewahrt.--Bumiller war von irfHanrer,

großer Gestalt, Sehnen von Eisen umgaben ben Körper, ,ein Ge sicht hatte etwas frauenhaft Weiches. "Er war eine Liegtried natur, stark und mutig, wie ein Löwe, dabei geistvoll und witzig, frie der griechische Alkibiades. _

Sein Hauptcharakterzug mar überichaumende ^'ebenskratt, er mar die personi i zierte Lebensbejahung. Den Heidechergern, du' ihn kannten, wird er noch in Erinnerung sem als Fried^ritt, der Siegreiche vom Festzug 1886, wo er an der Spitze feiner Ritterschar außer Programm am die Tnbunc imieres alten Großl»erzogs Ijcronntt und demselben eine tzerga mentrolle überreichte mit den Worten: Gnade für Friedrtm beii siegreichen. Bumiller sollte damals eine längere .restungshan megen Duells alsttzen und nahm witzig die Gelegenheit wahr, ten LandeslKrm um Befreiung von der Hatt zu bitten. Er redete ibn wie einen fürstlichen Bruder mit -tu an. .(lies um ben Fürsten war über diese Kühnheit verblunt, doch^der alte Grotzher.wg derstand den Sckrerz und idtenfte tatsächlich»rriedrich dem -sieg i'ichen" die Strafe. Bekannt geworden ist er auch piirm lerne Ü och z e i t s r e i s e. Er kam kurz itad) seiner Zermahlung mit kincr iuitgcit Gemahlin in die Hirschgasse, um dort noch einmal d',i Sekiinbanten zu markieren. Er bekam aber bamals einen »Nasenstüber, indem einer der Paukanten ihm einen Blutigen bei brachte, so daß der nmge Hochzeitsreuende Jur längere Zeit das Zimmer hüten mußte. TerKladbaradatlch hat dies Ge- schicktchen damals poetisch verherrlicht.

ImSeppel" hängt nod> ein Bild, das Bumiller i m ampf ni i t 6 Schutzengeln zeigt. Er hatte etnit im 7bcatcr die Kühnheit, vom hohen Olymp herab aurba-3 Podium während der Vorstellung zu steigen unb dort einer LXhampielerrn tin Bukett zu überreichen. Tie heilige Hermandad lanbte lechs I»Ränner, um Bumiller abzuholen

Ein aller Herr der Franken erzählt heute noch mit Ertolz, daß er einer der Wenigen sei, dem es gelungen war, zwei Gange ee«ien Bumiller zu stehen. Bumlller stack mit iieniliAer B^ hmmtbeit stets im ersten Gange ab. Er war wahricheinlich lei größte Fechter, den die Hirschgaue gewbeu hat. Leine Men fuicn lassen sich gar nickt mehr übersehen, aber er hat allein mindestens 2 5 P i st o l e n m cn i u r e n gehabt. Einmal '»rderte er das gesamte Heide lbergerEitizier kcirps Ein hiesiger Universirätsvroteftor hat mir einmal er Ot, daß er als Junger Assistenzarzt einer wichen Putolen- nenntr Bumillers beigeivohnt habe. Er crHarte, daß das ganze Eintreten Bumlllers ihm cmßerorHentlick imvoniert habe. Bu mnller kam damals in einem eleganten Wagen, den er iclblt leitete, angefahren, eine Zigarette glimmte im Munde, niemand ahmte, zu weich' ernstem Tun er sich einfand.

2lu$ dcm Kcidistaae.

Berlin, 27. November.

Xie Anfrage der fortschrittlichen Bolkspartei des Reichstags über die Beeinträchtigung der Koali­tionsfreiheit der Staatsarbeiter hat folgenden -d-'ort- laut: .

Was gedenkt der Herr Reick>skanzlcr angesickts der Beein­trächtigung der Kvalitionstreiheit der in staatlichen Betrielnn beschäftigten Arbeiter, insbesondere der im deuticken Atilitar- arbeiten)erbanbe Organisierten zu tun, um das durch die Reichs­gesetzgebung gewährleistete Koaluions- und Vereinsrecht der An­gestellten unb Arbeiter gegen solche Angriffe zu sickern?

Ein Gesetzentwurf über bic Sonntags- und 92 ad) trübe in der Binnenschiffahrt ist im Reichsamt des Innern fertiggestellt und soll dem Reichstage zu Beginn des nächsten Jahres zugehen.

Die nationalliberale Fraktion des Reichs tags bat einige kurze Anfragen an den Reichskanzler im Reick>stage gestellt. In ben Anfragen wirb Auskumt verlangt Über die Gründe der verspäteten Vermehrung der Ma­schinengewehrkompagnien im deutschen Heere und über die Maßregeln, bic bic Reichsregierung zum Schutze der Deutschen in Saloniki ergreifen wird, das bekanntlich des Sckiutzcs eines deutschen Kriegsschiffes entbehren muß. -tiefe Anfragen werden am Freitag aus die Tagesordnung gesetzt werden.

Die Schrotten einer probemobilisieruny in Zranlreich.

DasJournal bc Dcbatts" meldet aus Nancy, daß in der Nackt zum Mittwoch eine Piobcmobilisiening stattgefunden habe. Um 5 Uhr morgens war die Probemobilisieriing vollstänbig burck- gefübrt. Auch in Belfort würbe, wie alljährlich um diese, Zeck, eine Mobilisieningsübnng vorgenommen, welche den Zweck hatte, sich über den Grab der Ausbildung der Rekruten klar zu werden.

Bei diesen Probemobilisierungeii erhielt aber infolge eines beklagenswerten Irrtums der Brigadier DZion, der Chef der Grenzbrigade Arracourt, ein T ele­gramm, das eine teilweise M obilisativn enthielt. Es ist unbekannt, auf welche Umstände der Jrrluin zurückzuführeu ist. Der Brigadier traf Maßnahmen für d i e allge­meine Mobilisation, und der Mobilmackiungsbcfehl wurde sieben Gemeinden, die zur Brigade gehören, bekannt gegeben. Tic Leute, auf die sich der Befehl bezog, wurden geweckt unb machten sich bereit, sich an bic bezeichneten Posten zu begeben. Die ersten tarnen in ber Früh um 7 Uhr in Nancy unb Lunevillc in dem Augenblick an, als der Irrtum erkannt war. Der Gendarmerie' Kapitän von Lnneville begab sich nach Arracourt unb verffigte bic Verhaftung Blions. Blion »roteftierte unb erklärte, die an ihn gerichtete Depesche sei sehr Nar unb formell gewesen.

lieber bic irrtümliche Mobilisierungsorbrc wird noch aus Nancy gemeldet, baß im Bezirk Arraocurt alle M änner zwischen 25 und 45 Jahren ben Befehl zum Abmarich erhielten. Tic meisten begaben sich nach Moncel unb bestiegen bort einen Zug nach Toul, St. Pont, St. Vincent usw. Während dieser Zeit läuteten die Sturmglocken unb bic ganze Bevölkerung war auf den Beinen. Die Aufregung war sehr groß unb Frauen unb Kinder weinten.

evtl, mehr w Listen auf Wune

ustadt 56. T( öl-ti idheimer Stras Leistnn^!^ erd- undOfeofl*