Ausgabe 
28.3.1912 Erstes Blatt
 
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Ausland.

Aus Saloniki wird gemeldet, daß derfrühereSultan Abdul Hamid in der Nacht von Montag auf Dienstag nach Konstantinopel gebracht worden sei, da man ihn in der Villa nicht mehr für gesichert halte, falls die Italiener eine .Aktion unternehmen, was man für die nächste Zeit erwartet.

Deutsches Ueich.

-Im preußischen Abgeordnetenhaus wurde bei der Beratung des Kultusetats in einer Abendsttzung am Mittwoch auch die Frankfurter Universitätsfrage besprochen. Bekanntlich liegen von Konservativen, Nationalliberalen und So­zialdemokraten Anträge hierzu vor. Ter Zentrumsabg. Bell meinte, ob der Weg der Verordnung oder eines Gesetzes beschritten werden müsse, lasse sich erst entscheiden, wenn die Satzungen und alle Verträge vorgelegt werden. Erst dann lasse sich auch fest­stellen, ob die Gründung der Universität zweckmäßig ist. Ter Kultusminister v. Trott zu Solz erklärte u. a.: Tie Errichtung einer Universität in Frankfurt bedürfe eines könig- lichenPrivilegs. Der Weg der Gesetzgebung würde nur in Frage kommen, wenn eine Universität in Frage käme, die nicht als staatliche Veranstaltung nach dem allgem. Landrecht anzusehen wäre. Nur in der Organisation, die die äußeren finanziellen Verhältnisse regelt, wird sich, so führte der Minister weiter aus die Universität Frankfurt von den andern unterscheiden dürfen. Die finanziellen Verhältnisse sollen in Frankfurt durch ein Kuratorium geregelt werden. Die Verantwortung für die Verwaltung der Universität aber würde dem Minister oder den von ihm beauftragten Beamten zustehen. Die Zuschüsse der Stadt Frankfurt müßten so festgelegt werden, daß sie ein» geklagt werden können, so daß die Universität also unabhängig wäre für alle Zukunft von dem Willen der Spender. Ist das aber der Fall, so ist eine klare Unterlage geschaffen und ein unzulässiger Einfluß auf die Gestaltung der Universität nicht zu befürchten.

In der Mittwoch-Sitzung des Landtags von Schwarz­burg-Sondershausen wurde der Regierungsentwurf betr. die Abänderung desLandtagswahlgesetzes mit allen gegen eine Stimme angenommen. Ter Entwurf bringt für die Landtags­wahlen anstatt der bisherigen öffentlichen Wahl die geheime Mahl durch Stimmzettel. Tie Wahlmänner zu den sechs all­gemeinen Wahlen und ebenso auch die Abgeordneten werden künftig durch Stimmzettel gewählt. Sechs Abgeordnete werden nach wie vor von dem «gierenden Fürsten ernannt und sechs von den Höchstbesteuerten gewählt. Das Wahlalter wird vom 21. auf das 25. Lebensjahr erhöht.

Tie Hamburger Bürgerschaft bewilligte einstimmig die vom Senat dringend beantragten 5 Millionen zu den H a f e n - bauten am alten Hafen, um dem Bedürfnis von Schiffs­liegeplatzen näher zu kommen, bis die großen neuen Anlege­plätze in Waltersdorf vollendet sind, waA in 5 Jahren der Fall sein dürfte.

London, 27. März, ^ie k^umiig uver Du Mindestlohn-Bill im Unterhaus wurde bis in hie frühen Morgenstunden des heutigen Tages fortgesetzt. Schließlich wurde die dritte Lesung mit 213 gegen 48 Stimmen angenommen. Die Arbeiter­partei hatte gegen das Gesetz gestimmt. Ramsay Macdonald erklärte, daß, wenn der Minimallohn von fünf Schilling in die Bill ausgenommen worden wäre, sie, wie er glauoe, den Ausstand beendet hätte. Jetzt aber könne er den Arbeitern nicht sagen, daß die Bill ihnen genügend biete, um zur Arbeit zuruckzukehren. Tie Bill habe ihren Zweck verfehlt. Lloyd George warnte die Mitglieder der Arbeiterpartei ernstlich vor der Verantwortung, die sie durch die Zurückweisung der Bill auf sich nähmen, ohne zu wissen, welche Wirkung sie ausuben würde, oder ob sie nicht alles böte, was die Bergarbeiter verlangten. Nach ver­schiedenen weiteren Reden von Abgeordneten der Arbeiter­partei gegen das Gesetz wurde bte Bill unter Hochrufen auf die Regierungspartei angenommen.

Ter Bergarbeiterverband beschloß, während der Festsetzung der Mindestlöhne durch die Distriktämter, eine Abstimmung über die Wiederausnahme der Arbeit zu veranstalten.

Die Bewegung im Schneidergewerbe.

Frankfurt a. M., 27. März. Heute vormittag begannen unter dem unparteiischen Vorsitzenden Magistratssyndikus Tr. Hiller die Verhandlungen zwischen dem Verband der Arbeit­geber und dem Verband der Arbeitnehmer für das Schneider­gewerbe. Trotz der Versuche Dr. Hillers, eine Einigung herbei- zusühren, wurde über keinen strittigen Punkt eine Einigung erzielt. Abends 7 Uhr wurden die Verhandlungen aus morgen Donnerstag 9 Uhr vertagt.

Eine Lohnbewegung der Gärtner.

Berlin, 27. März. Tie Gärtnereigehilfen^ soweit sie in landwirtschaftlichen Gärtnereien beschäftigt sind, beschlossen heute abend einstimmig, in allen Betrieben die Arbeit nieder­zulegen, welche ihre Forderungen: Lohnerhöhung und Verkürzung der Arbeitszeit von 10 auf 9 Stunden bisher nicht bewilligt haben.

Heer und Flotte.

Die Manuschaftsbesoldung.

Wie dieTägliche Rundschau" hört, beträgt der Mehr auf- svand für die Mannschaftsbesoldung, die von der neuen Hecresvorlage verlangt wird, 25 Millionen Mark jährlich. Es ist eine Erhöhung von 22 auf 27 Pfg. in Aussicht genommen.

die Anfragen. Zum Teil hanoelt es sich dabei um eine bene« -redaktionelle Fassung. So erhielt die einleitende Bestimmung des ß 32 folgenden Wortlaut:Interpellationen an den Reichs­kanzler müssen bestimmt gefaßt und, von mindestens 30 Mitgliedern unterzeichnet, eingereicht werden." Wesentlicher ist die Annahme eines Antrags Gröber, der in einem neuen § 32 a folgende Bestimmung trifft:Werden Interpellationen in so großer Zahl einaereicht, daß die ordnungsmäßige Erledigung der Geschäfte des Reichstags verhindert wird, so kann der Reichstag bis zur Beseitigung dieses Hindernisses die Verhandlungen über Inter­pellationen auf einen bestimmten wöchentlichen Sitzungstag be- Nhränken. Auch in diesem Falle kann der Reichstag die Ver­handlungen über einzelne Interpellationen durch Beschluß an einem anderen Sitzungstag zulassen."

Tie Bestimmung über die Stellung von Anträgen bei Interpellationen erhielt durch Anna hm e eines Antrages der Linken folgende Fassung:Bei der Be­sprechung einer Interpellation können Anträge gestellt werden, die die Feststellung verlangen, daß die Behandlung der den Gegenstand der Interpellation bildenden Angelegenheit durch den Reichskanzler der Anschauung des Reichstags entspricht oder nicht entspricht. Tie Abstimmung über diese Anträge muß ver­tagt werden, wenn diese von mindestens 30 anwesenden Mit­gliedern verlangt wird: sie erfolgt alsdann am nächsten Sitzungs­tage." Durch diese Fassung ist dec Ausdruck Billigung oder Miß­billigung des Verhaltens des Reichskanzlers aus dieser Bestim­mung der Geschäftsordnung herausgebracht. Ein Antrag, daß die Abstimmung in jedem Falle namentlich sein müsse, wurde mit großer Mehrheit abgelehnt. Die Mehrheit ging davon aus, daß ja namentliche Abstimmung nach der benetzenden Geschäftsordnung jederzeit durch entsprechende Unterstützung erzwungen werden könne. DieKurzen Anfragen" wurden noch einmal ver­handelt und im wesentlichen im Sinne der Beschlüsse erster Lesung angenommen. Eine Redaktionskommission soll sich mit ihrer endgültigen Fassung beschäftigen.

Damit hat der verstärkte Geschäftsordnungs- ausschuß die ihm überwiesenen Geschäftsord­nungsanträge erledigt.

Aus Statt unt tanO.

Gießen, 26. März 1912.

* * Landesuniversität. Bei dec Erinnerungsfeier des 75jährigen Bestehens des Eoang. Predigerseminars zu Friedberg am 27. März wurde von der theologischen Fakultät Tr. Jakob Schoell, Professor am Predlger-Semmar, zum Doktor der Theologie ehrenhalber promoviert.

* * 3n Audienz empfangen wurde vom Groß­herzog am Mittwoch u. a. Geh. Hostat Professor Dr. Spenge! von Gießen.

* * Ordensverleihung. Ter Großherzoa hat das Allgemeine Ehrenzeichen, der Inschrift:Für Verdienste" dem Vi-eseldwebel Großhaus und dem Bizejeldwebel Krei- ling, beide seither im Infanterie-Regiment Kaiser Wilhelm (2. veil ) Nr. 116, verliehen.

*- Neuer Bundesrarsbevollmächtigter. Ter Grotzherzog hat die .Erteilung des Kommissorimns als stell-

Jubiläum des eoang. Predigerseminars.

(B) Friedberg, 27. März. Die Feierdes 75- jähri­gen Bestehens des hiesigen Predigerseminars begann heute morgen 10 Uhr mit einem Festgottesdienst in der Stadtkirche, in dem der derzeitige Direktor der Anstalt Professor D. Eger die Festpredigt hielt. Unter Zugrundelegung von Hebr. 13, Vers 8: Jesus Christus, gestern, beute und derselbe auch in Ewigkeit, erinnerten wir uns an die Männer, die in den letzten 25 Jahren die Anstalt geleitet und wies auf den Geist hin, den sie gepflegt haben und der auch jetzt noch daran zu finden sei der Geist dessen, der gesagt hat: Ohne mich könnt ihr nichts tun. Als zweiter Prediger sprach Prälat D. Flöring-Darmstadt im Anschluß an Eval. JoU. Kap. 4, V. 34. Er ermahnte zum Glauben an die Zukunft unserer evang. Kirche, die u. a. von der Tüchtigkeit und Würdgikeit des Pfarrerstandes abhänge. Die Feier wurde durch zwei Chorgesänge des hiesigen evang. Kirchen­gesangvereins verschönert. Die akademische Feier sand um Vrl2 Uhr im Festsaal des Predigerseminars statt. Nach einer Eröffnungsansprache des Kandidaten Schultheis redete Prof. Dr. Schöll von der Notwendigkeit und den Aufgaben des Pre­digerseminars, die er dahin präzisierte, aus tüchtigen Theologen tüchtige Pfarrer zu machen. Hierauf gab Direktor D. Eger einen eingehenden Rückblick über die Persönlichkeiten der Lehrer, die seit 25. Jahren an der Anstalt gewirkt haben und zeichnete in kurzen prägnanten Strichen eines jeden Eigenart und Be­deutung. 2lls einziger, der schon vor 25 Jahren im Amte war, lebt noch Musikdirektor Schmidt, der in voller Rüstigkeit an der Feier teilnahm. Es waren ernste, ehrende Worte des Gedenkens und des Dankes gegen die früheren Lehrer. In den letzten 25 Jahren haben 454 Pfarramtskandidaten die Anstalt durchlaufen gegen 257 im zweiten und 456 im ersten Viertel­jahrhundert ihres Bestehens. Er schloß mit der Entlassung der 9 Kandidaten, die den Kursus beendigt hatten. Nach ihm hielt der Präsident des Großh. Oberkonsistoriums D. Nebel-Darm­stadt eine Ansprache, worin er auf die Entwicklungsgeschichte des Predigerseminars zu sprechen kam, das 1837 als staatliche An­stalt gegründet, aber im Laufe der letzten 25 Jahre zu einer rein kirchlichen und kirchlich geleiteten wurde, die aber trotzdem mit dem Staate in enger Verbindung steht. Ms Zeichen der .An- erlennuno Her kündigte er die von dem GroLherzog vollzogene Er­nennung des derzeitigen Direktors zum Geheimen Kirchen­rat und die Verleihung des Ritterkreuzes 1. Klasse des Ver­dienstordens Philipps des Großmütigen an Prof. Dr. Schöll. gunt Schluß sprach er die herzlichsten Glückwünsche deS Großh. berkonsistoriums aus für das fernere Gedeihen des Seminars. Die Grüße der theologischen Fakultät der Landesuniversität brachte der Dekan derselben Geh. Kirchenrat D. Krüger- Gießen. Er betonte das vortreffliche Verhältnis, das zwischen der Fakultät und dem Predigerseminar vorhanden sei, und wünschte diesem Verhältnis einen guten Fortbestand. Zum Beweis seiner Aus­führungen promovierte er den Prof. Dr. Schöll zum D. theol., weil er, wie es in der gleichzeitig überreichten Promotions­urkunde heißt, in amtlicher und schriftstellerischer Wirksamkeit der Ausbildung der hessischen Pfarrer mit glücklichem Erfolge obliege. Dekan Wahl-Beienheim beglückwünschte daS Seminar im Namen des Dekanats Friedberg und überreichte als Ge­schenk der Dekanatsgeistlichen ein Bild, den Säemann darstellend, als ein Sinnbild der Seminararbeit. Mit Dankesworten des Direktors und dem gemeinsamen Gesang eines Kirchenliedes schloß der Festakt, an dem viele frühere Schüler der Anstalt und die Spitzen der hiesigen Behörden teilgenommen hatten. Anschließend hieran fand ein einfaches Festessen im Hotel Trapp statt, bei dem der Strom der Beredtsamkeit in ernsten und heiteren Ansprachen hohe Wellen schlug. Auf Vorschlag des Geh. Kirchenrats D. Eger begab sich ine Festversammlung um 4 Uhr zum Friedhof, um an den Gräbern der früheren Direktoren des Predigerseminars D. Schwabe und D. Diegll Kränze niederzulegen. Am Grabe D. Tiegels hielt Prof. D. Smend - Straßburg eine kurze Ge­dächtnisrede. Auch daS Grab des langjährigen Dieners am Prüngerseminar Haber wurde besucht und seiner von Prof. Eger in ehrenden Worten gedacht.

< *

Der Großherzog hat anläßlich der Feier des 75 jährigen Bestehens des evang. Predigerseminars zu Friedberg dem Direktor des PredigerseminarS, Professor der Theologie und Pfarrer zu Friedberg D. Karl Eger den Charakter als Geh. Kirchenrat erteilt und dem Professor der Theologie am Predigerseminar und Pfarrer zu Friedberg Dr. Jak. Schöll daS Ritterkreuz 1. Klasse deS Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen.

LCi.uunoet k-euohuiuu ugier zum <ju»ioe»rat an Den '.ji uui* er. au ui im Ministerium der 3 i na uz en und Vorsitzenden der Abtcüung für Steuerwesen Gehermerat Tr. Decker genehmigt.

** Waldbründeund Forstfrevel in Hessen. Trog des trockenen, heißen Sommers ereigneten sich im Jahre 1911 nur 2 0 Waldbrände mit einem Schaden von 2052 Mk. Sowohl die Anzahl der Waldbrände als auch deren Schaden blieben somit weit hinier dem Turchschnitt der letzten Jahre zurück. Tie Brände verteilen sich auf die Monate März, Apnl, Mai und Juni. Wegen Forstfrevels erfolgten im Forstgerichtsjahr 1910 in Hessen 7458 Anzeigen. Tavon betreffen Forstentwenüungen von Holz 4330, von Streu 469, von Gras 177, von sonstigen Gegen­ständen 131, ferner Forstbeschädigungen 153, Weidefrevel 39 und Handlungen gegen forstpolizeiliche Bestimmungen 2159.

Der Landesverband Hessen des Deutschen Flottenvereins zählte am Ende des Geschäftsjahres 1911 9649 Einzelmitglieder und 144 körperschaftliche Mitglieder, die ihrerseits 19 439 Mitglieder hatten. Von den Emzel- initgliedern waren in Starkenburg 4445, in Oberhessen 3360 (Kreis Alsfeld 460, Büdingen 396, Friedberg 890, Gießen 921, Lauterbach 380 und Schotten 313. Die Einnahlne und 'Ausgabe betrug 15 747,12 Mk.; es verblieb 1208,36 Mk. Kassenbestand. DaS Ehrenwart-Diplom deS Vereins erhielt Rentner Giller aus Grünberg, der mit seinen 95 Jahren wohl daS älteste VereinSmltglied ist. An der Gesellschafts­fahrt haben 170 Personen teilgenommen.

' Der Aufruf deS deutschen Luftflotten» Vereins, der in der SamStagS-Nurnrner deS Gieß. Anz. erschien, hat anscheinend nicht die Beachtung m unserem Leser­kreis gefunden, die er um feiner nationalen Bedeutung willen verdient. Angesichts der großen Anstrengungen der Nachbar­staaten auf dem Gebiete der Luftschiffahrt ist eS durchaus not­wendig, daß auch Deutschland auf diesem Gebiete nicht zurück­steht. In anderen deutschen Städten steht man der An­gelegenheit viel tatkräftiger gegenüber. So ist z. B. in WormS eine Sammlung im Gange, um ein Flugfahrzeug »WormS* für 10000 Mk. zu beschaffen. Wir verweisen nochmals darauf, daß unsere Geschäftsstelle Spenden für die nationale Sammlung deS deutschen Lustflotten-VereinS entgegennimmt.

** Stadttheater. Die letzte Vorstellung der Spielzeit am Sonntag abend bringt eine Wiederholung von Maeterlinks SchauspielM o n n a Vanna" mit Frau Baumeister in der Titelrolle. Ta Herr Hans Baumeister, der bewährte Helden-, darsteller des Darnistädter Hoftheaters, für den Guido als Gast gewonnen worden ist und Herr Brachwitz die Rolle des Prinzivallt üoernommen hat, dürste eine interessante Ausführung za er­warten sein.

** lOOjähriges Regimentsjubiläum. Tas Thüringische Ulanen-Regiment Nr.6 in Hanau feiert im Jahre 1913 dos Fest seines 100jährigen Bestehens. Um das Erforderliche gemeinschaftlich vorbereiten zu' können, ladet der Verein ehemaliger 6er Ulanen in Frankfurt die an anderen Orten bestehenden Regimentsvereine und Vereinigungen, sowie die Kameraden, die keinem Regiments­verein angehören, am Sonntag, 31. März, zu einer münd-' lichen Besprechung nach demBrüsseler Hof" in Frank­furt ein.

Fe st gestellt. Die gestern am Bahndamm auf- gefundene Leiche wurde als die des Heinrich Ludwig Mahr aus Münden in Hannover festgestellt.

** Aufder FrankfurterHunde-Ausstelluna hat auch der Schlossermeister Gg. Euler für seine bereits bei früheren Ausstellungen mit 18 Ersten- und Ehrenpreisen bedachte Pinscherj HündinMelha" von der Lahn in Siegesllasse einen Ersten Preis und. in offener Klasse einen zweiten Preis erhalten.

Landkreis Gießen.

---Heuchelheim, 27. März. Bei dem Brande des Wind Hofes hat sich wiederum erwiesen, wie segens­reich das Vorhandensein einer tüchtigen Feuerwehr ist.' Ohne Hilfe von außerhalb ist efl der hiesigen Feuerwehr ge-' hingen, den Brand einzudämmen dnb Verluste an Menschen­leben zu verhüten, wenn auch an eine Rettung deS Gebäudes« bei feiner großen Ausdehnung und der ungünstigen Zeit, in der das Feuer auSbrach, nicht zu denken war. Um so mehr verdient die aufopfernde Tätigkeit der Feuerwehr, die sich' noch über den ganzen Montag hinaus erstreckte, Anerkennung. Unter der Oberleitung des Bürgermeisters Kreiling löschte fit daS Feuer ab und sperrte die Brandstätte ab, wobei es er­schwerend wirkte, daß am Windhof selbst fein Wasser ist und deshalb daS ganze Wasser von der Kroppach heraufgepumpt werden mußte.

--- Heuchelheim, 27. März. In dem stark angeschwol- lenen Bieberbach fand das dreijährige Söhnchen der 3a- milie Gernand seinen Tod. Alle angestellten Belebungsversuche waren ohne .Erfolg. Die Teilnahme mit der schwergeprüften Famllie ist groß.

Lollar, 27. März. Hier gründete sich im Gast­hause .zur Schönen Aussicht* ein Kaninchenzuchtoereln, nachdem Steinhauermeister M. Schwall auS Gießen über den Zweck und die Vorteile eines Zusammenschlusses gesprochen hatte. Der Verein ist dem Prooinzialverband Oberhesslscher Kaninchenzüchter beigetreten. AIS Vorsitzender wurde Schmied Otto Lynker gewählt.

Hattenrod, 26. März. Nachdem sich kürzlich auf Anregung des Pfarrers Engel-Obbornhofen, der Zweck und Ziel des Eoang. Bundes darlegte, ein Zwetgoerein gegründet hatte, wurde heute der erste Familienabend gefeiert. Im Dörrfchen Saale hatten sich die Mitglieder und auch sonstige Ortsbewohner versammelt. Im Mittelpunkt deS Abends stand der Vortrag deS StiftSpfarrerS Frey tag auS Lich über Luther als Schöpfer der deutschen EinheüSsprache. ES folgten gemeinsam gefangene Lieder, die mit den schönen Chören deS Gesangvereins und der Schulkinder wechselten, für deren Einübung Lehrer SDteibt großer Dank gebührt. Der Abend gewann dem Bunde neue Mitglieder.

-m. Hungen, 27. März. AlS Festtage zu dem Heer findenden Sänaerbundesfest wurden bet 29. und 30. jn® und der 1. Juli bestimmt. Am Sonntag, 31. Mär-, futixi t» Darmstädter Hof" der Bertretertag statt. Die Fest-»u»- schüsse sind in lebhafter Tätigkeit.

-m Hungen, 26. März. Lehrer A. Staubach ver­anstaltete in den letzten Wochen einen VortragS-ZykluS über .Die Begründung beß Deutschen Reiches*. fanben vier Vorträge statt. Im ersten Vortrage verbreitete sich ber Rebner über ,S)ie französische Revolution, Napoleon I., Preußens Demütigung und des alten Reiches Ende*; im zweiten Vortrag über »Preußens Wiedergeburt, die Befreiungs­kriege und Napoleons Ende (18071821)*; im dritten Vor­trag über »Einheitsbestrebungen von 18151866 mit be­sonderer Berücksichtigung der Unruhen in und um Hungen in den Jahren 1830 und 1848*; im vierten Vortrag über: »Der Krieg von 1870/71 und die Errichtung deS Reiches'., Der immer stärkere Andrang zu diesen Vorträgen ließ

Airche und Schule.

DaS Motuproprio in Italien.

Rom, 27. März. JnderSitzungderKammer erklärte -er I u st i - m i n i st e r, daß das jüngst erlassene Motuproprio, das den Laien zu verbieten sucht, .Angehörige des Priesterstandes vor die gewöhnlichen Gerichtshöfe zu zitieren, für Italien nicht die geringste Bedeutung haben könnte, da es als Grund­lage seines RechtS die Gleichheit der Bürger vor dem Gesetz aufstelle. ^.Lebhafter Beifall.)______________________________________

Arbeiterbewegung.

Der englische Bergarbeiterausstand.

London, 27. März. Die Zahl der Bergleute, die im Lause des gestrigen Tages die Arbeit wieder ausgenommen haben, wird auf 31000 angegeben. Diese verteilen sich auf Schottland, Nordwales und vier englische Grafschaften. Nach einer Zeitungsmeldung wird in Schottland eine dal- dige allgemeine Rückkehr zur Arbeit erwartet. Dort erhält eine Klasse von .Arbeitern, die von den Häuern angestellt und bezahlt werden, nur einen Durchschnittslohn von 3Vi Schilling pro Tag und die Festsetzung eines Mindest. lohneS von ö Schilling würde nicht im Interesse der Häuer liegen. Nach derDaily Mail" wird der Vorrat an verkäuf­lichen Kohlen in London binnen 10 Tagen erschöpft sein. Tie Verluste der Eisenbahnen werden bis letzt auf 30 Millio- uen Mark geschätzt. Wie dieTimes" erklärt, beabsichtigt die Regierung, falls der Kohlenstreik mit der Annahme des Gesetzes über die Mindestlöhne nicht aufhört, ausge­dehnte Maßregeln zur Abhilfe der Notlage rn London. Außerdem Jollen Vorkehrungen rum Schutze der arbeitswillig en Bergleute getroffen werden und man erwartet, dag das Kriegsamt Die Re- fexöcu einb erufen wird. Der Londoner Grafschafts­rat hat bte Schullommission ermächtigt, falls der fort- dcuternde Streik zu einer außergewöhnlichen Notlage führen sollte, dte Osterferien in den Volksschulen aufzu­heben und für die Speisung der bedürftigen Kcnder Sorge zu tragen. Für diesen Zweck wurde eine Summe von 100 000 Mk. bereitgestellt.