Ausgabe 
28.3.1912 Erstes Blatt
 
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Die heutige Nummer umfafet 12 Seiten.

für

Der Voranschlag für Kiarttschou.

die

smöglichkeiten

Tie zur

haben sich Bittschrift Erwägung

2. auf Ausländer, die im Deutschen Reicks geboren füll, wenn sie sich m bem Bundesstaote, bei bem der Antrag gestellt wird, bi-3 zur Vollendung des ein* undzwanzigsten Lebensjahres bauernd aufgehalten haben und die Einbürgerung innerhalb zweier Jahre nach diesem Zeitpunkt beantragen.

3. aus Ausländer, die mindestens cm Jahr wie Deutsche im Heer oder in der Marine eimoandfrei aktiv ge­dient haben, wenn sie den Antrag innerhalb zweier Jahre nach ihrer Entlassung aus dem Dienste bei dem Bundesstaate stellen, in dessen Gebiete der Dienst geleistet ist.

Aus Heften.

Ein parlamknlarijchkr Abend der Ersten Kammer.

rb. Darmstadt, 27. März. Eine interessante Neue­rung im parlamentarischen Leben unseres Großherzogtums, einen parlamentarischen Abend der Ersten Kayr- mer, hatten wir heute abend zu verzeichnen. Die Ein­ladung dazu ging von dem Prinzen Viktor zu Erbach- Schönberg aus, und das Ganze war in der wohltuenden ungezwungenen Form eines offenen Abends bei Bier und kaltem Büfett gestalten. Neben den hier weilenden Mit­gliedern und dem Präsidium der Ersten Kammer waren auch die drei Präsidenten und die Schriftführer der Zwei­ten Kammer, die Ausschußvorsitzenden und weitere Mit-

Der Voranschlag für Kiautschou wurde g e*' nehmigt. Ob Her Ausschuß schon morgen den Vor­anschlag für Ostafrika beraten wird, hängt von dem Beginn, der Plenarsitzung ab.

Ter Abschluß der Beratung des verparkten Geschäftsordnung^. Ausschuffes.

DerverstärkteGeschäftsordnungsausschußer- ganzte in seiner heutigen Sitzung seine früheren Beschlüsse über

Das Reichsmarineamt gab einen Ueberblick über Entwicklung von ÄLaut schon. Die Handelsbezieh­ungen dieses Schutzgebietes sind im Jahre 1911 auf 120 Milt. Mark angewachsen, die Schiffsverbindungen haben sich Mn 71000 Tonnen im Jahre 1900 auf über eine Million Re­gistertonnen im Jahre 1911 vermehrt. Die Einfuhr ans Deutschland beträgt 20 Millionen Mark. Das Vertrauen

Samoa u >d Kiautlchou im Vudgetausschulk.

Der Budgetausfchuß erörterte heute beim Voranschlag Samoa die Frage, ob dieses Schutzgebiet an die Verwaltung von Neu-Guinea a n g e g l i e b c r t werden könne. Der Staatssekretär, der bekanntlich vor Uebernabme seines jetzigen Amtes Gouverneur von Samoa

zu ermöglichen Tie javanischen Kulis als die geeignetsten für Samoa erwiesen, des Pflanzervereins wurde der Regierung überwiesen.

2Ius den Heid}$tag$ausid)üfien.

:: Berlin, 27. März.

Die Aufnahme von Anwändern in einen Bundesstaat.

Der Ausschuß für das Reichs- und Staatsange­hörigkeitsgesetz nahm heute den Ausländer­paragraphen als § 7 a mit 11 gegen 9 Stimmen in folgender von den Nationatliberalen beantragten Fassung an:

Die Einbürgerung darf erst erfolgen, nachdem durch den Reichskanzler festgestellt worden ist, daß keiner der übrigen B u n d e s st a a te n Bedenken dagegen er­hoben hat; erhebt ein Bundesstaat Bedenken, so entschei­det der Bundesrat. Die Bedenken förnten nur auf Tatsachen gestützt werden, welche die Besorgnis rechtferti­gen, daß die Einbürgerung des Antragstellers ober eines der in § 12 bezeichneten Angehörigen das Wohl des Reichs ober eines Bunbesstaates gefährden würde.

Die Vorschriften des Abs. 1 finden keine Anwendung:

1. auf ehemalige Angehörige des Bundesstaats, bei dem der Antrag gestellt wird, auf deren Kinder oder Enkel sowie aus Personen, die von einem Angehörigen des Staates an Kindesstatt angenommen find, es sei beim, daß der Antragsteller einem ausländischen Staate an­gehört.

war, erklärte eine solche Zusammenlegung für untunlich, schon wegen der zu großen Entfernungen, wegen der ganz anders gearteten Kultur in Samoa und weil die Einge­borenen auf Samoa das als eine unerträgliche Herabsetzung betrachten und sich zu Unruhen hinreißen lassen würden. Der Staatssekretär erklärte, daß nicht die Absicht bestehe, die Würde eines Oberhäuptlings von Samoa wieder zu verleihen; er gab hierbei eine historische Darstellung über die allmähliche Abschaffung der Königswürde in Samoa. Auf die Anfrage, ob es nicht zweckmäßig sei, sich in Apia rechtzeitig für den nach Eröffnung des Panamakanals zu erwartenden großen Schiffsverkehr einzurichten, crlTärlc der Staatssekretär, daß sich das zurzeit nicht übersehen lasse. Es seien aber Studien im Gange über einen A u s bau des Hafens von Apia, lieber die Arbeiterfrage in Samoa gab der Staatssekretär aus Anlaß einer Bittschrift des Pflanzervereins dahin Auskunft, daß die Notlage sich ge­mindert habe infolge einer Zufuhr von chinesischen Ar­beitern in letzter Zeit. Es schweben Verhandlungen mit der holländischen Regierung, um aus Java die Einfuhr von Kulis

der Chinesen zur deutschen Mederlassung ist allgemein; der Zuzug von Chinesen gestaltet sich immer reger. Sehr er­sprießlich arbeitet die deutsche Schule, an der die chinesische Regierung sich beteiligt. Tie Schule hat 195 Schüler. F ü r bic beutsche Industrie i st es nach wie v or emp­fehlenswert, den Entwicklungsmög des Geschäftes in China regste Auf

des Geschäftes tn China regste Aufmerksam­keit zuzuwenden. Während der letzten Unruhen hat sich Tsingtau als ein zuverlässiger Stützpunkt der ganzen wirtschaftlichen Interessen Deutschlands in China erwiesen.

Ausländischer Verschnittwein.

Die Ermäßigung des deutschen Eingangszolles auf Der- schnittwein, die im deutsch-italienischen Handelsvertrag zu- gestanden worben ist, bezieht sich bekanntlich nur auf roten Verschnittwein. Dieser kann in Teutschlanb zum Verschnei­den von weißem wie rotem Wein benutzt werben; der zu verschneidende weiße Wein soll babei in einer Menge von uicht mehr als 60 Proz. unb der zu verschneibenbe rote Wein in einer Menge von nicht mehr als 33' '3 Pro;, bes ganzen Gemisches mit bem ausländischen, zum ermäßigten Zollsätze eingeführten Wein versetzt werben. Nun wirb aber auch sehr viel auslänbischer Weißwein in Teutschlanb zum Wemverschnitt benutzt. Ter weiße Berschnittwein genießt zwar keine Zollermäßigung, bei seinem in ber Regel ganz nichtigen Preise ist aber bas Berschnittgeschäfl bvch recht lohnenb. In guten Erntejahren wirb biescr Wein in Süd- fraukreich, Spanien, Italien, Griecksculand zu 2 bis 5 Mk. pro Hektoliter gekauft, währenb ber zu verschneibenbe deutsche Weißwein zehn- bis zwanzigmal unb noch höher im Preise steht. Nach dem bentschen Weingesetz vom Jahre 1909 ist ein derartiger Verschnitt gestattet. Tas Gesetz er­laubt aber außerdem und hierunter h a t ber ein­heimische Weinbau schwer zu leiben, baß bic Mischung unter beut feiern Namen, z. B. Niersteiner, Türk­heimer usw., in den Handel gebracht wird, wenn der An­teil des inländischen Weines in ber Mischung überwiegt. Wer also 51 Proz. Niersteiner Wein mit 49 Proz. französischem Weißwein verschneibet, ist berechtigt, bas Produkt alsNier- fteiner" zu verkaufen; verboten ist nur bic Angabe eines be­stimmten Weinbergs ober Weinbergbesitzers. Im Reichstag ist zwar bei der Beratung des Weingesetzes ein Tellara- tionszwang für berartige Mischungen von inländischem mit ausländischem Weißwein verlangt worden; die Regierung hat aber diese Forderung als unannehmbar zurückgewiesen mit ber Begründung, daß auch Mischungen vmi deutschem Wein üerfd)iebener Herkunft mit ber Herkunftsbezeichnung des überwiegenden Bestandteils der Mischung versehen wer­den dürften. Man könne den ausländisck)en Berschnittwein nicht ungünstiger behandeln als den inländischen; eine der­artige Differenzierung stände im Widerspruche mit den Grundprinzipien unserer Handelsverträge.

Ob wohl das Ausland gegebenenfalls auch solche Rück­sicht auf unsere Erzeugnisse nimmt? England hat sich seiner­zeit nicht gescheut, auf unseren Waren das mabc in Wcrmanty zu verlangen, bas bazu bestimmt war, bem beutschen Fa­brikat ein Privilegium obiosum zuzuerkennen. Im letzten Jahre haben wir aus Spanien 461 808 dz, aus Frankreich 397 864 dz, aus Portugal 149 603 dz, aus Griechenlanb 120 266 dz, aus Italien 115 096 dz Wein in Fässern erhalten. Ein recht erheblicher Teil biefer Einfuhr geht im Wege bes Verschnitts in ben freien Verkehr unb trägt dann mit gesetz­licher Zustimmung bie ebelsten deutschen Weinnamcn.

ÜÜwta Erstes vlatt 162. Jahrgang Donnerstag, 28. März 1912

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Fernwi cch.AnIch.'lisse: M M ~ Cbesredakteur: A Goetz.

für die Redaktion 112, Verantwortlich für den

Aerlag u. Expedition 61 /T * I 2 zi* < ir politischen Teil: August

MLWL" General-Anzelaer für ©berbeffen

Annahme von Anzeigen h*x n , K tr Z? f [ ffDerlchtsfaaE. K. Neu-

jur die Tagesnmniner Nvmuon5orua uno Verlag der vruhl schen Univ.-Vuch- und 5teindruckerei R. Lange. Redaktion, Lrpedition und vruckerei: Zchulstraße 7. KolI>: iür .Stadl und b.r °°r.n,°gs 9 Uhr. ________________________Büöingtn: Sernfpruhtr Nr. 269 6tfd)äftsficHe Vahnh-Iftrahe "16a. > B.ck.

gHebcr des anderen Hauses erschienen Bon der Regierung bemerkten wir bie brei Minister, ben Geh. Staatsrat tVrug o. Nibba und andere Mitglieder der Ministerien, den Ober- bürgermeister Tr. Glässing, den Geh. Kabinettsrat Röm- held, den Flügeladjutanten Rittmeister Frhrn v. Massenbach u. a. m. Auch Großherzog Ernst Ludwig und Prinz Heinrich von Preußen beehrten die Gesellschaft mit ihrem Besuch. Der Gastgeber und seine Gemahlin madp ten die Honneurs, unb bald entwickelte sich in ben behag­lichen Räumen in ber Heinrichs!raße ein buntes, geselliges Sieben. Wie bic Erste Ständckammcr auf eine am Schluß ber vorigen Kammertagung erfolgte Anregung bes Prä sibiums für bic Plenarsitzungen ben Frackzwang abgeschafst hat, so war auch für bieten Abenb der ^traßenanzug ge­wünscht worben. Ter Großherzog unb Prinz Heinrich ver­weilten bis nach elf Uhr in ungezwungener Weise unter den Gästen und unterhielten sich lebhaft über bic verschie­densten Themata, so baß ber ganze Abenb einen animierten und harmonischen Verlauf nahm.

DaS Beamtenbe'oldungßgkset;

bs. Darmstadt, 27. März. Tas Beamtenbesoldungs- gesetz, das ein Mantelgesetz unb acht Einlagen umfaßt, dar­unter das Gesetz die Gehälter der Staatsbeamten unb Lehrer unb bic Deckungsfrage umfaßt, ist heute dem Groß­herzog vom Finanzminister unterbreitet worden und wirb morgen mit einer Einführung ben Kammern zugehen. Weiter enthält bic Vorlage bas GesetzbetreffcndAen- berung bes Wohnungsgeldzuschusses und die Bestimmungen über Aufhebung des Gesetzes betreffend die Entschädigung für Dienstwohnungen. Ferner die ander- weite Regelung ber Witwen- unb Waisenver­sorg u n g sowie Aenberung bes Urkunden st empel- g e s e tz e s.

Die Reife öes Kaisers.

Korfu, 27. März. TicH o h e n z o l l e r n" mit dem Kaiser unb dem Begleitschiff ist gegen 6 Uhr mich herrlicher Fahrt bei schönstem Wetter in Korfu eingetrosfen Tie Fons seuerlen Salut. DieHohenzollern" und der KreuzerKolberg" gingen in ben Hasen vor Anter. Der Kaiser bleibt an Bord

Sin Neger am Nordpol.

Es ist eine interessante Tatsache, baß an der Eroberung der Hole nicht nur die kaukasische Rasse beteiligt ist, sondern daß auch die Neger ihren Anteil an ber Vollbringung dieser großen Aufgabe gehabt haben. Tas einzige Expedittonsmitglied, das nämlick; außer ben vier Eskimos mit Peary die Stätte des Nordpols betrat, wat der Neger Matthew Henson, der dadurch mit einem Schlage einer der berühmtesten Vertreter seiner Rasse wurde. Seine Erlebnisse und Eindrücke in der Arktis schil­dert er nun in einem vor kurzem erschienenen WerkEin Neger- Forscher am Nordpol".

Matt" Henson verlor schon früh seine Eltern, wurde von einem Onkel auf bie Schule geschickt und wurde bann Schiffs­junge. 1888 kam er mit Peart) zusammen, ber den aufgeweckten jungen Mann in feine Dienste nahm und bei allen^einen Ex­peditionen in ihm eine zuverlässige und aufopfernde stütze tand. Er erwies sich in allen möglichen Tingen als brauchbar und erwarb sich durch eifriges Selbst-Studium wifsenschaftliche Kennt- triffe in der Polarforschung Am wichtigsten aber war er Pearn toeaen seiner außerordentlichen Zähigkeit und Ausdauer. Heitsons Schilderung jener letzten entsä>eidenden Tage, die den Manch zum Nordpol und sein Erreichen umschlossen, ist reich an fvan- itenbcn und großartigen Augenblicken. Pearn fuhr mit ]'einem Schlitten voran, der Neger mit den vier Eskimos folgte: sie fuhren auf dem Treibeis dahin unb konnten jeden Augenblick ins Wasser stürzen. WirNich wurde auch Henson plötzlich vom Schlitten geschleudert, und wäre wohl in der eisigen Flut zugrunbe ge­gangen, wenn ihn nicht ein Eskimo gerettet hätte.

Als wir am 6. April 1909 Halt machten, da sah ich Commander Pearn an der Arbeit, seinen Schlitten umzuladen unb einige Bündel auszupacken. Schließlich zog er ein kleines, zusammengedrücktes Paket hervor und entfaltete es. Ich erkannte seine alte seidene Fahne und schloß daraus, daß wir uns in einem Lager von Wichtigkeit befanden. Zunächst hatten wir unsere verschiedenen Lager Camp I, Camp. II usw. genannt, dann nach ber Umkehr von Kapitän Bartlett erhielten die Lager Namen, rvic Camp Nansen, Camp Cagui usw.; nun fragte ich, ob der ame dieses Lagers wohlCamp Pearv" sein würde. ,,-LieJi, jnejn Junge," sagte ber Commander,soll Camp Morris K. >>e>up sein, bas letzte und nördlichste Lager ber Erde." Er befestigte die Fahne an einem Stab und pflartzte sie auf das

Tach des Zeltes. Einige Minuten hing sie schlaff und leblos in der toten Ruhe: bann straffte eine leicht anwachsende Brise ihre Falten und bald breitete sie sich aus in ihrer leuchtenden Farbe. Tas Sternenbanner warauf den Pol genagelt", (fine glühende Delle des Patriotismus durchströmte mich und ich erhob meine Stimme, um das Symbol meines Vaterlandes zu grüßen. Tie Eskimos tretten rund herum, und nun hallten drei herzliche Hurras durch die stille frostige Luft, während unsere Hunde in dumpfem Staunen aufschauten. Tie dünne Seidenfahne hatte Pearo aut all feinen arktischen Reisen getragen und sie immer flattern lassen an seinem letzten Lager."

Henson schildett dann die Rast am Pol unb die wissenschaft­liche Feststellung des Erreichten durch Pearv. Nachdem es dem Commander gelungen war, den Ott wirklich als Nordpol zu erweisen,fühlte ick, daß die Zeit gekommen war, zog ben Mandschuh meiner Rechten unb trat auf ihn zu, um ihn zu seinem Erfolg nach 18 Jahren der Anstrengung zu gratulieren: aber war es nun der Wind, der ihm in die Augen blies, ober die Sonne, die chn blendete, er bedeckte mit beiden Händen seine Augen und gab uns Befehl, uns für vier Stunden schlafen zu legen, dann wollte er vor dem Aufbruch seine Resultate noch einmal konttollieven." Zuletzt erfolgte noch die Auspflanzung des amerikanischen Banners am Nordpol selbst auf einem hohen schwim­menden Eisberg.Wie es fo im Winde rauschte und knisterte, fühlte ich eine wilde Freude und Verzückung. Vom Anbeginn der Gefchichte an, wo immer die Kulturarbeit von dem weißen Mann getan wurde, war er von dem Farbigen begleitet worden. Vom Bau der Pyramiden, von der Wanderung ber heiligen drei Könige zu Christus bis zur Entdeckung der neuen Welt und des Norh- pols, war der Neder der treue, ausdauernde Begleiter des Kau­kasiers gewesen und ich empfand es tief, daß ich es war, ein niedriges Mitglied meiner Rasse, das vom Schicksal auserwählt worden, fic bei dieser vielleicht letzten ber großen Welterrungen- schaften zu vertreten." *

Münchener Theaterbrief: Ein neues Derk des Taifun-Tichters Lengyel. Aus München wird uns gefebriebfn: Tas dreiaktige SchauspielTie Zarin" von Melchior Lengyel und Ludwig Biro, das am Tienstag im hiesigen Lustsvielhaus feine deutsche Uraufführung erlebte, erweist sich als ein mit großem bühnentechnischen Geschick gearbeitetes Theaterstück, das auf literarische unb künstlerische .Ambitionen

unbekümmert verzichtet unb bem großen Publikum ntdjt mehr bieten will als spannende Unterhaltung. Tie im Mittelpunkt bet wechselvollen und nicht wenig aufregenden Handlung flehende Herrscherin ist wohl ein Extrakt jener Gestalt oer gefronten Tirne, die in Hundetten von Kolportageromanen mit all ihrer: Grausamkeit und ihrer sinnlichen Unenätttichkeit genügeito ge­schildert worden ist. Und auch auf der Bühne erscheint sie um­geben 2?on jenen Gestalten, die der Hiniertreppenlüeratur eigen find. Tirektor Eugen Robert hat die nicht gerade aut bie brüen JnUinkte des Publikums abzielende billige .Kost zum Gegenstand, einer lehr sorgsamen Regiearbeü gemacht, unb so erzielte bas Werk bei ausgezeichneter schauspielerischer Tarstellung beim Publi­kum einen lauten Beifall. Tie Kritik hat nur diesen Erfolg fest zu st eilen, zu einer literarischen Würdigung bietet diese neue Arbeit Lengyels weder Anlaß noch Gelegenheit.

EinneuerJntendant für München Wie man hört, ist die Stellung des Freiherrn von Speidel, des Inten­danten am Münchener Hoftheater, stark erfchüttert. Freiherr von Speidel hat in der Hofgefellschaff schon lange mit heftigen Wio^r-. ständen zu kämpfen gehabt. In erster Linie wird ihm zum Vor­wurf gemacht, daß er sich bei der Wahl der Stücke mehrfach : er­griffen habe. Als Nachfolger nennt man den jungen Grafen, Courten, den Sohn eines ehemaligen Kommandeurs der päpst­lichen Leibgarde.

kf. Eine Hochspannungsleitung von 750000 V o n. Während die ersten Hochi'pannungSleitungen, die in ben 80. Jahren des vergangenen Jahrhunbetts gelegt würben, mit bescheidenen Spannrings zahlen von 10000 Volt arb<: i-n, sind die Amerikaner jetzt bei einer Spannung von 750lM' Volt ou- gelangt Die erste 4raftleitung vom Niagara hatte nur 10 000 Volt Spannung: seit einigen Jahren hat man bie 100000 bei Hochspannungsleitungen überschritten, unb seit jüngster Zeit hat, wie Marchand in derNature" mitteilt, eine Elektrizitälsgesell- schaff in Pittsfield einen Umformer gebaut, der einen Hoch­spannungsstrom von 750 000 Volt aussenden wird Vorläufig dient er jedoch noch nicht vrattischen Zwecken, sondern es sollen, daran die günstigsten Bedingungen zur Uebertragung elektrischer- Kraft unter so hoher Spannung untersucht werden. Tie Maschine ist beinahe 8 Meter hoch. Bei einer Belastung von 600 000 Bold sind die übertragenen Teile von einem hellen Sttahlenkranze eMtrischer Lichtbüschel umgeben, die die (fiektrizität zum Teile- kn die Luft entladen.