Ausgabe 
4.12.1912 Erstes Blatt
 
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Deutsches Reich.

Das Kaiserpaar

ist am Dienstag früh um 8.6 Uhr von Baden-Baden in Wildpark einoetro.ffen und hat sich im Automobil nach dem Neuen Palais begeben.

Rumänischer Besuch beim Kaiser.

An der Frühstückst asel beim Kaiser im Neuen Palais nahmen am Dienstag außer bcm Prinzen Ferdinand von Ru­mänien der rumänische Gesandte Dr. Bcldiman und Staatssekretär v. Kiderlcn-Wächter teil.

Zur Abstimmung über den sozialdemokratischen Antrag zur Flcischteuerung

ist nachzutragen, daß auch die Wirtschaftliche Vereini­gung gegen ihn gestimmt hat. Es fehlte nur der Abgeordnete Herzog. ,

Verdeutschung von Fremdworten im preußischen Abgeordnetenhaus.

Im Geschäftsordnungsausschuß des preußischen Abgeordneten­hauses mürbe erfreulicherweise beschlossen, bie Bezeichnungen Sessio n" durchTagung",S en i o r c n ko n v c n t' durchA eitest en rat",Konstituierung des Hauses" durchvollzogene Bildung",Hospitanten" durch st ä n d i g e G ä st e",Kommisstone n" durchA us- s ch ü s s e",besondere Kommissionen" durchS onder- a u s s ch ü s s c",motivierte" durchbegründet c" Tages­ordnung zu ersetzen. Abgclehnt itnirbc der Vorschlag, in den Befugnissen des Präsidenten das Recht der Polizei im Sitzungs- aebaudc durch das WortHausrecht" zu ersetzen: die ent­sprechende Vorschrift wurde folgendermaßen gefaßt: Dem Präsi­denten des Hauses steht die Handhabung der Polizei in den SitzungSräumen zu. Der Reichstag sollte ähnlich vorgehen.

Ausland.

Eine dauernde deutsch-englische Verständigung?

LautEvening News" steht eine dauernde deutsch­englische Verständigung bevor. Sie werde zunächst sämtliche Mittelmeerfragen einschließlich der afrikanischen Frage umfassen.

Prinz Heinrich von Preußen in England.

Aus London wird berichtet: Unter den Gästen, die an dem Frühstück teilnahmen, das der deutsche Botschafter am Mittwoch zu Ebren des Prinzen Heinrich im Earlton-Hotel gibt, befinden sich Admirals Seymour, der russische Botschafter Graf von 'Benckendorff, Botschaftsrat Dr. v. Külmann von der deutschen Botschaft und die Fürstin von Pleß. Wie das Reuter- Bureau erfährt, besucht Prinz Heinrich vor der Abreise nach Kiel den König in Sandringham.

Aus Stadt uns Canfc*

Gienen, 4. Dezember 1912.

** Tageskalender für Mittwoch, 4. Dezember: Erste Overn-Vorstellung im Stadttheater:Tie Walküre." Anfang 6K Uhr. .

** Für die Sitzung der Stadtverordn etcn- iBersammlung am Donnerstag, 5. Dezember, nachmittags 4 Uhr ist folgende Tagesordnung vorgesehen worden: 1. Bau­gesuch von Georg Martini für die Schillerstraße; 2. desgleichen von Karl Sier für die Ecke der Dammstraße und der Straße längs der Eisenbahn; 3. desgleichen von Heinrich Langsdor für den KrvfdorferWeg; 4. desgleichen von Wilhelm Seipp III. wegen Errichtung einer Halle auf dem Grundstück Flur 23 Nr. 147/48; 5. Ausführung einer Rohrleitung zwischen dem Pumpwerk Queckborn und her Stadt; 6. Acnderung der Bestim­mungen über den WafferpreiS; 7. Festsetzung der Kokspreise; 8. Gesuch um Aufhebung der Verbrauchssteuer auf Wein; 9. Rech­nung deS Realgymnasiums und der Oberrealschule für 1911: 10. Rechnungsabschlüsse des Gas- und Wasserwerks, des Elek­trizitätswerks und der Straßenbahn für 1911: 11. Rechnung 1911/12 und Voranschlag 1912/13 der Löberschen Stiftung; 12. Ge­such des Georg Erhard um Erlaubnis zum Betrieb einer Kasfec- rnirtschast im Hause Walltorstraßc 19; 13. desgleichen des Joseph Schlüter zum Schankivirtschaftsbetriebe im Hause Kaiser-Allee 47 (Ostenb); 14. desgleichen des Theodor Rödel zum GastwirtschastS- betriebe im Hause Walltorstraße 28 (Zum Schwanen).

** Der Provinzialausschuß hält am Samstag, 7. Dezember, vormittags s/<9 Uhr, eine Sitzung mit folgender Tagesordnung ab: a) Gesuch des Emil Sieck zu Gießen um Erteilung der Erlaubnis zum Gast- und Schankwirtschastsbetrieb in dem Hause Hammstraße Nr. 7. b) Gesuch des Karl Pfeil fiu Gießen um Erteilung der Erlaubnis zum Betriebe einer Schankwirtschaft in dem Hanse Kaiser-Allee Nr. 32 (Neuer Schützenhof). c) Gesuch der Konrad Köhler Ehefrau Marie geb. Teuschlc zu Gießen um Erteilung der Erlaubnis zum Gast- wirtschaftsbetriebe in dem Hause West-Anlage 35. d) Tagegelder und Reisekosten des früheren Gemeindeeinnehmers D a h m e r von Nösberts. In einer Sitzung am Mittwoch, 11. Dez., vormittags 3/<9 Uhr, verhandelt der Provinzialausschuß folgende Angelegenheiten: a) Enteignung von Gelände wegen'Ver­längerung der Nollgassc zu Grün in gen. Gesuch des Löb Grünewald zu Gießen um Erteilung der Erlaubnis zum Gast- und Schankwirtschaftsbetrieb in dem Hause Mühlstraße 33. c) Gesuch deS Heinrich Rudolf Lanalitz in Merkcnfritz um Genehmigung einer feststehenden Dampfkessel-Anlage, d"' Enteignung von Gelände zur Bahnhofserweite­rung Or Irnberg.

' Der Landwirtschaftliche Verein für Ober­st essen wählte in seiner Außschußsitzung zum Vorsitzenden einstimmig den Grasen Wilhelm zu SolmS-Laubach ans Schloß Arnsburg bei Lich; zum stellv. Vorsitzenden den seitherigen, Oekonomierat Korell-Angenrod. Beide Herren nahmen die Wahl an.

** Eine Erinnern ngsfeier an die Befreiungs­kriege 1813 1815 wurde in der letzten Sitzung der Jun g- Deutschland -Vereinigung Gießen-Stadt angeregt. Im Mittel­punkt der Feier sott ein ohne allen Prunk zu feierndes Turn- und Sportfest für die Jugend stehen. Der anwesende Vertreter der Universität hat in Aussicht gestellt, daß die Universität in Gemeinsckast mit der Stadt, den Turnvereinen usw. die Feier in die Wege leiten würde. Für die Förderung der sonstigen ^machst in Angriff zu nehmenden Unternehmungen rourbc die Bildung besonderer Unterausschüsse in Aussicht genommen und ;um Teil schon vollzogen.

* Stadttheater. Allen Freunden echten Humors wird der Hinweis »villkommeu sein, daß am Donnerstag, 12. Dezember, Professor Marzel! Sulzer wiederum einen .lustigen Abend" int Stadttsteater veranstaltet. Ucbev Ludwig Thomas .Magda­lena", die nm Freitag stier zum ersten Male gegeben wird und jüngst auch in Frankfurt a. M. auf geführt würde, schreibt ein dortige? Blatt u. a.: .Tie Gestalt der Magdalena, bet gefallenen Sünderin, fchreitet in mancherlei Gewändern durch die Literatur ... Aber außer der biblischen Magdalena trägt vielleicht feine von allen ein so einfaches und natürliches Kleid wie dieses unglückselige Kind aus den bayrischen Bergen. So recht ein AlltagSschickial ist de« ihrige, so recht ein AlltagSmädel ist die atme £?eni, |o rechte AlltagSleute sind sie alle im Dorf und daß auS dem geruhigen aBciftnaeicbcn ohne rechtes Merken die gewaltige Tragik de? MenfcheitdafeinS mit Unerbittlichkeit erwachsen kann, das ist waü uns beim Abrollen dieser Alltagsgeschichte so sehr ans Herz areiit......Tas Volksstück Thomas bat biet, wie auch überall

sonst, wo es über die Bretter ging, sein Publikum von Herzen er- griffen."

. _ *1 $ u f i! Volks-Abonnements-Konzert der Sandle des Jnwntcru^RegmtcntsKaiser Wilhelm" am Donnerstag fei hmgewicsen. Tas Programm ist sorgfältig ;n ,ammcngeftettt und gut einstudicrt Nr 1 D A Mo-art Sinfonie in O-Dur Ein mabret Wunderwerk kontrapu'nktischei Shuyt ist das ornale. Als Nr. 2 wird eine Neuheit m Gehör

, gebracht werben, die erst kürzlich ihre Uraufführung tn Hamburg erlebte.Koit und Hämarik" (Ewiges Glück), eine esthnische Sage. Nr. 3, Variationen über die russische Nationalhymne aus dem Streichquartett Lp. 3 D. Nr. 4, Waldreben, aus dem Musikdrama^Siegfried". Der 2. Teil bringt als Nr. 5 eine Suite in 6 Sätzen, für Cr(beiter, von Klughardt, ?!ui der Wanderschaft" genannt. Ten Schluß bildet die Ouvertüre zur OperWilhelm TM".

Wurstprelse. Leber- und Blutwurst, also die beiden billigen Wurstsorlen, die für die breiten Volksschichten am meisten in Betracht fontmen, kosten in unserer Nachbar- 'tobt Wetzlar nur 80 Pfg. ba6 Pfund, während hier immer noch 90 Pfg bezahlt werden müssen. Da die Geschäfts­unkosten in Wetzlar wohl kaum niedriger sind als hier, wäre es angebracht, daß auch hier ein billigerer Preis festgesetzt würde.

* * TieGroßeGießener Karneval-Gesellschaft wählte für die kommende Karnevalzeit folgende Herren in den Elferrat: Hornberger und Kaufmann Vorsitzende, Naurath und Hasenkrug Schriftführer, Trcyfuß und Roediger Finanzministet, und Berners Zeremvnienmeister, Noll Minister deS Innern, Lchtvedler Minister des Aeußeren, Weidig Vergnügungsministcr. Mit dieser Zusammenstellung des Elferrates hofft die Karneval- Gesellschaft einen glorreichen Fasching 1913 zu sichern, und sie wird bestrebt sein, den Karneval in würdiger, humorvoller Weise durchzuführen. Nicht einer Radaufastnacht soll das Wort ge­geben werden, sondern einem lebensfrohen, vornehmen Humor, wie cr mustergültig in den vom Großherzog so gern besuchten Veranstaltungen des Mainzer Karnevalvereins und der Darm­städter Karnevalgesellschaft zu sinden ist. Um diese Absichten gut durchführen zu können, ist man bereits mit beliebten Rednern in Main; und Köln in Verbindung getreten, und auch die übrigen Vorbereitungen verbürgen einen Karneval, der durchaus cimvand- frei geleitet werden wird. Veranstaltungen wie das Oktobersest werden künftiglsin nicht mehr stattfinden, da sich gezeigt hat, daß hierzu in Gießen nicht das geeignete Feld ist. Für die Fasching 1913 sind vorgesehen: mehrere Damen- und Herrensitzungen, ein Prinzenball in Steins Garten und ein Tienstagsball. Tie Vorarbeiten sind bereits im Gange und wie aus dem Anzeigenteil ersichtlich, werden auch bereits Lieder und Vorträge eingefordert. Am Neujahrstag sott ein kleiner Umzug der gefüllten Karnevals- Tafi'c stattfinden.

* * Ge ft ü rzt. Am Samstag stürzte ein 19 Jahre alter Pflegling in der Siechenanstalt die Treppe herunter, erlitt einen Schadelbruch und starb am darauffolgenden Tage an den Folgen dieser Verletzung. Der junge Mensch hatte die Gewohnheit, beim Passieren der Treppe stets mehrere Stufen zu überspringen und kam auf diese Weise zu Fall.

* * Billige Kohlen. Gestern abend traf ein Wäch­ter der Wach- und Schließgesellschaft einen Mann, der mit einem Sack voll Kohlen aus einem Besitztum in der Stein- traße fanr Er brachte ihn zur Polizei und es stellte sich jeraus, daß die Kohlen gestohlen waren. .

Landkreis Gießen.

s. Lollar, 3. Dez. Der im September ds. Js. ge­gründete Eisen bahn er -Verein Lollar und Umgebung beging im SaalbauZur Linde" seine erste Festlichkeit, ver­bunden mit Großherzogs Geburtstagsfeier. Ter geräumige Saal war bis auf den letzten Platz besetzt, zählt doch der Verein jetzt schon 250 Mitglieder. Daß Programm war sehr reichhaltig, die Theatervorführungen fanden durch das flotte Spiel ungeteilten Beifall. Die frühere Bendersche Zigarrenfabrik hier ging durch Kauf in den Besitz des Schneidermeisters V. Freudenberger über. Der Kaufreis beträgt 87 000 Mark.

----- Grünberg, 3. Dez. Der Vogelsberger Ge­flügel* und Vogelzuchtverein hält vom 7. bis 9. Dezember in der Turnhalle eine Geflügelschau ab. Die Vorbereitungen hierzu sind schon längst int Gange und bie Anmeldungen laufen recht zahlreich ein, so daß die Aus- stellung reichhaltig beschickt werden wird. Auch eine Samm­lung von Harzer Kanarienvögeln, sowie eine solche von aus- gestopften Tieren wird ausgestellt werden.

Kreis Friedberg.

Butzbach, 1. Dez. Die zweite Hauptversamm- u n g des H e s s i s ch c n Kommunalbcamtcn-Vcrban- des fand im Taunus-Hotel statt. Ter Vorsitzende Stadtrechner Hebel- Dieburg erstattete den Rechenschaftsbericht des Vorstandes. Vertreten waren die Berufsverbändc der Bürgcrmeistercigcliiljcn, Gcmeinbercchner, technische Gemeindebeamten, Polizcidiencr, Feld- chützen, Kreisstraßenwärtcr, Pfandmcisler und Schuldiener. Der Verband zählt über 2200 Mitglieder, wovon 500 anwesend waren. Die .Kreisstraßenwärtcr Seib-Rockenberg und Feloschütz Schmidt- Oberolrn berichteten über die von bcm VerbandSrechner, Gc- meinderechner Arnolb-Grüningen gestellte Rechnung für 1911 und nnben nichts zu bemerken. Sie weist eine Einnahme von 1400.25 Mark, eine Ausgabe von 1369.05 Mk. und eine Sparkassenein läge von 720 Mk. auf, so daß das Verbandsvcrrnögen 751.20 beträgt. Der Vorstand wurde durch die Herren Lcyer- zapl-Butzbach, Mischlicki-Groß-Gerau, Sommer-Erback) und Haas- ^ieburg auf 17 Mitglieder ergänzt. Der Vorsitzende behandelte die gestellten Anträge und brachte die Eingabe vom 16. August ). I. zur Kenntnis. Er bedauert, daß diese so dringende An­gelegenheit einen so langsamen Fortgang nehme. Während von der Regierung für die Erhöhung der Gehälter der Staatsbeam­ten und Lehrer so promvt gearbeitet worden sei, müsse es gerade­zu verbitternd wirken, daß so wenig geschehe, auf die säumigen Gemcmbcvertretungcn zugunsten der Gemcindebebicnsteten cin- zuwirken. Auch bie Eingabe der Kreisstraßenwärter sei von den Krcisvcrwaltungen bis jetzt unberücksichtigt geblieben, obschon sich auch bei diesen Krcisbebicnstetcn die Teuerung fühlbar mache Die Not aller Gemeindebeamten und -Bediensteten sei unerträg­lich, ebenso die Unstimmigkeit der Fürsorgckasse. Nach langer Aussprache kam man zu dem Entschluß, bei dem Ministerium wiederholt um Beschleunigung der Anstellungs- und Gehaltsrege- lung und um Abänderung des Fürsorgckassegesetzcs vorstellig zu werdeii. Ein gemeinschaftliches Mittagessen schloß sich an.

Kreis Friedberg.

L. Friedberg, 3. Dez. Im Lehrerseminar wird eine Seminarschule eingerichtet. Sie wird vier Massen umfaßen und jede Klasse 30 Kinder stark werden. Seither unterrichteten die Seminaristen tm der Musterschule und der Staat zahlte chafür an die Stadtkasse 800 Mk Die gleiche Summe soll setzt für Miete gezahlt werden. - Die hiesigen Zigarrenhändlei haben sich geeinigt, den Ladenschluß Sonntags um 3 Uhr nachmittags eintreten zu lassen.

Starkenburg und Rheinhessen.

Darmstadt, 3. Dez. Bei Staatsminister Dr. Ejwald fand gestern ein Diner zu 50 Gedecken statt. Der Groß­herzog und die Großherzogin waren der Einladung gefolgt. Außer Mitgliedern standesherrlicher Familien nahmen mit ihren Damen teil bie Diplomaten, die Generalität, die Hofstaaten, die Minister, andere höhere Staatsbeamte und Offiziere, der Präsident der Zweiten Kammer, sowie ber Oberbürgermeister von Darmstadt.

rm. Reinheim, 3. Dez. In der Kon kurv fache des Niedcr-Modauer Spar und lorli-bnsrercinö fand heute am hiesigen Amtsgericht eine Gläubigervcrsammlungl

Uatt. Mit großer Befriedigung wurde die Mitteilung entgegen, genommen, daß die seither von der Landw. Gen offen schaft-hm * in Verbindung mit der Verwaltungs- und Verw^rtimgs-Gcsclll sckafl in Frankfurt für Tarletm gellend gemacht; Fvryeruua 700 000 Mark auf die Summe von 130 000 Mark, also yr 570000 Mark ermäßigt wurde. Damit ändert sich' das Bil> insoweit, als die Unterbilanz i<$t m<bt mehr ganz cm- Million ausmacht. Man hoffte, daß die Gi 'nbiger ihre Forde­rungen um 2030 Prozenr ermäßigen. Es wurde cmstimmii beschlossen, das weitere Vorgehen, bcm' vor einiger Zeit unter den Vorsitz des VolksbankdirektvrS Stein-Darmstadt gebildeten Schul- verein zu überlassen. Man erwartet, daß ibin von der Regierun, yinreichende Mittel »irr Verfügung gestellt werden, um die Fm- bcruitgcn auffaufen und die Gläubiger befriebigen zu können

m. Offenbach a. M., 3. Tcz. In der letzten Sitzuna der Stadtverordneten wurde die von der Eisenbabndirektion Fran^ furt beabfichtigte Maßnahme, wonach mit Inkrafttreten des neuer Sommerfabrplancs 17 Züge weniger als bisher nur bcm? Offenbacher Hauptbahn Hof halten sollen, zur Svrache gebrach: eine Maßnahme, bie ohne Zweifel eine große Sdiäbigintg der wirtschaftlichen Interessen der Stadt lferbeisühren würde. In, Bersassungsausschuß wird heute diese Angelegenheit befvrochrn und festgestellt, daß eine Umqehling Offenbachs nach dieser Richttmq hin keineswegs crntrcteii würde, da es sich lediglich um Voo schläge der Eisenbahndirektion gehandelt habe, die aber von diese, bereits wieder zurückgezogen worden sind. Im August fand nämlich eine vertraulickre Besprechung von Verttetern des Ministe­riums, des Kreisamtes, der Bürgermeisterei, Eisenbahndircktion. und Handelskammer statt, in der der Eisenbahndircktion anheim- gegeben wurde, Vorschläge darüber zu machen, welche Züge in Ossenbach nicht mehr halten sollen. In einer weiteren ver­traulichen Sitzung wurden dann die Vorschläge den maßgebenden. Stellen unterbreitet, jebod) am 29. November ohne Angabe irgendwelcher Gründe von der Eisenbahndirektton wieder zurück­gezogen.

Htsien-Nassau.

= Frankfurt a. M., 3. Tcz. Bei den heutigen Stich, wählen zur Stadtvcrordnetcn-Bcrsammlung sieg­ten in allen Bezirken die bürgerlichen Kandidaten über die So- zialdemokraten. Gewählt wurden 4 Volkspartciler, zwei No tionalliberale und ein Mittclständler. Tas Zenttum stimmte ge­schlossen für die bürgerlichen Kandidaten, die außerdem noch zahl­reiche Reserven cheranzuzicben vermochten. Auffallend ist, daß in zwei Bezirken die Zahl der sozialdemokrattschen Stimmen gegen die Hmiptwahl zurückgegangcn ist. Tie Frankfurter Stadt-- verordneten-Versammlung setzt sich jetzt zusammen aus 32 Volks- varteilern, 12 Nationalliberalen, 3 Mittelständlern, einem Zen- tnlmsmann und 23 Sozialdemokraten.

Der Zigeuner (Ernft Ebender wegen Mordversuch; vor dem Scbwurgericht.

Mainz, 3. Dez. Die Verhandlung am Nachmittag begann mit der Verlesung der Schuldfragcn. Staatsanwalt Bechtold führte aus, daß alle Petitionen und Anträge gegen die Zigcimer- Plage nur Stückwerk seien. Nur volle Strenge des Gesetzes könne hier angewandt werden. Der Verteidiger, Rechtsanwalt Schwör er, plädierte auf Körperverletzung oder Totschlags­versuch. Mit Uebcrlcgung habe der Angeklagte nicht gehandelt. Die Geschworenen verneinten nach kurzer Beratung den Mord­versuch, bejahten dagegen die Frage des versuchten Tot­schlags, die mildernden Umstände wurden verneint. Der Staatsanwalt beantragte 10 Jahre Zuchtbhaus, das Gericht er­kannte auf 5 I a h r c Zuchthaus.

Eingesandt.

(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)

Gießen, 3. Dezember.

In Nr. 284 des Gieß. Anz. firtbet sich in dem Vereins­bericht des Landwirtsch. Kreisvereins folgender Satz:Der Ka- ninchenzuchtvercin Stangenrod hat sich um Unterstützung der Zucht an den Verein genxmbt, der ihm bei Beschaffung von Zucht­tieren Mittel bewilligen möge. Herr Weil Lang-Göns spricht sich dagegen aus, man solle erst einmal berechnen, ob der Futter- verbrauch der Tiere rentiert, bie Kaninchenzucht sei vielfach An­laß zu Felbfrcvcl, ba manche Züchter gar kein Futter hätten." Als Vorsitzenbcr des Provinzial-Vcrbandes Obcrhcssischiw Ko- ninchenzüchter möchte ich Herrn Weil erwidern, daß es sein gutes Recht ist, gegen eine Sache zu sprechen, die ihm nickst sympathisch ersckscint. Dagegen muß ich cs aber als unerhört bezeichnen, baß Herr Weil bie Kaninchenzüchter im allgemeinen öffentlich bcs Felbfrcvels zeiht, unb muß ich solche Anschulbigungcn zurück- weisen, ober sind denn die Kaninchenzüchter von Lang-Göns wirllich so arm, baß dieselben auf Feldfrevel angewiesen sind? Wie ich nun die Lang-Gönscr kenne, glaube ich es ganz ent schieden nicht. Gerade Sic, Herr Weil, sollten sich doch auch erst besser über die Kaninchenzucht informieren, ehe Sie ein solches beleidigendes Urteil fällen, oder haben Sie noch nichts gebM von dem volkswirtschaftlichen Wert der Kaninchenzucht? Wiff» Sie auch nicht, baß bie Kaninchenzucht-Berbänbe fast überall ben Lanbwirtfchaftskammern (außer Hessen) unterstellt sind ober doch unterstützt werben.

In ber gegenwärtigen Zeit, wo sich bie Verhältnisse immer schwieriger gestalten, bie Flcischprcifc so enorm hoch sind, bafc cs bcm Minderbemittelten kaum mehr möglich ist, Fleisch kaufen, ist das Kaninchenfleisch ein willkoinmencr Ersatz, ba der Nährwert desselben dem besten Mastochfenflcisch gleichkommt. Nack Dr. Stöber von der Landwirtsch. Versuchsstation in Hildesheim ind die Nährwerte der Fleischsorten wie folgt:

Mastochsenfleisch 72 Proz. Wasser, 28 Proz. feste Bestand­teile. Kaninchenfleisch 75 Prvz. Wasser, 25 Proz. feste Be stanbteile. Hübiun:fleisch 77 Pro;. Wasser, 23 Proz. feste Bk standteile. Kalbfleisch 76 Proz. Wasser, 24 Proz. feste Bestand­teile. Schweinefleisch 79 Proz. Wasser, 21 Proz. feste Bestand teile.

Die Kaninchenzucht sollte deshalb überall empfohlen werdm, nicht allein aus materiellen Gründen, sondern auch der idealer Bcbeutung wegen, da dieselbe einen hohen erzieherischen Ein fluß auf diejenigen ausübt, die sich e r n st h a f t damit beschäl tigen, ber Kaninchenzüchter, welcher seine Mußestunden mit ber Kaninchen beschäftigt zubringt, kann sich daher seiner Familic mehr widmen. Auch kann die Kaninchenzucht ohne großen Kosten aufwand betrieben werden. Für unser Hcffenland wäre cs sehr zu wünschen, daß der Kaninck-enzucht mehr Beachtung geschenkr würde, da dieselbe zum Nationalwohlstand des Landes beiträgt

Martin Schm all.

vermischtes.

* Von einem üurchg ehenden Gespoln« schlver verletzt wurden mehrere Soldaten vom Elisabethrcfiiment in Berlin, die sich auf dem Wege nach dem Tegeler Schießplatz befanden. Am Dienstag morgen mhr ein Krümperwagen des Luftschifferbataillons nach Bahnhof Jungfernheide. Durch das Geräusch eines Zuge^ scheuten die Pferde und rasten davon Dabei siel der Kiltscher vom Wagen, hielt aber die Seine noch eine Zeitlang i fest und ließ sich mitschleifen Als er aber in Gefahr kam, j über fahren zu werden, ließ er los. Er ist mit einigen nicht erheblick;en Berlehunaen davvng^kommen. Die Pferde I waren inzwischen in eine Abteilung des Königin-Elisabeth I Garde-Grenadier-Rogiments Nr. 3 gerast, die sich auf bcm I Wege nach dem Tegeler Schießplatz befand. Mehrere Sol- I baten wurden zu Bvoen gerissen und teilweise überfahren. I Vier von ihnen erlitten schwere Verletzungen ünb wurden | nach deiii-Garnisvickazarctt in Eharlottenburg gebracht. Drei 1 andere Soldaten sind mit leichteren Verletzungen davon- | gekommen.