Erstes Blatt
162. Jahrgang
MtzenerAnzeiger
M. 286 Erstes Blatt 162. Jahrgang Mittwoch, 4. Dezember |9|2
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WU . General-Anzeiger für Oberhessen WM
für mc Taqesnu.nmer Rotationrdruck und Verlag der vrühl'fchen Univ.-Vuch und Stcinöruderei R. Lange. Redaktion, (trpebition unb Druckerei: Zchrlstratze 7. Land-: LHetz^für den bis vornntlags 9 llhr. Bübingen: Fernsprecher Nr. 269 Gcschäslsstelle vahnhofstrahe 16a. Än-eiaent'eU: H. Beck.
Die heutige Nummer umsatzt 16 Seiten.
Ein Waffenstillstand mit Ausschluß Griechenlands.
Konstantinopel, 3. Dez. Der Waffenstillstand zwischen der Türkei und Bulgarien, Serbien und Montenegro ist unterzeichnet worden.
Damit wird aufs ernsteste bestätigt, daß Griechenland mit Bulgarien sich vollstänvig überworfen! hat. Der Waffeir- stillstand ist aber entscheidend, und Griechenland wird aus seinem eigenartigen Verhalten keine Vorteile ziehen tonnen Daß Bulgarien von den bisher Verbündeten die bei weitem schwierigste Aufgabe übernommen hatte, war klar, und König Ferdinand l>atte anfangs auch die unbestrittene Führung übernommen. (Gerade jetzt, wo das bulgarische Heer die heißesten Kämpfe und die aufreibendsten Austreu gungen hinter sich hat, wo seine Führer erkannt haben, daß nunniehr die Waffenruhe dringend nötig ist — in diesem Augenblick will Griechenland Schwierigkeiten machen. Die Griechen verlangen, wie es heißt, die' Uebcrgabe Janinas und der Garnisonen von Chios und M^tilene, obgleich bei den bevorstehenden abschließenden Friedensverhandlungen die Erfüllung dieser Wünsche an den Tatsachen doch nicht mehr viel ändern könnte. Der Hauptstreit liegt aber darin, wer Saloniki endgültig besitzen soll. Es könnte Griechenland nicht unerwünscht sein wenn Bulgarien bei Tschaialdscha noch einige Mißerfolge einheimst. Schon wird ja heute in Erwiderung auf die gestern veröffentlichte Erklärung des Generals Theodoroff darauf hingewieseu, Bul garicn hätte seine Truppen alle gegen Tschaialdscha zusammenraffen sollen, um dort mit den Türken schnell fertig zu werden. In Saloniki sei die bulgarische Hilfe nicht nötig gewesen. Man argwöhnt wohl auch in Athen, daß Bulgarien wegen einer anzubahnenden Bündnispolitik mit der Pforte sich bei den Verhandlungen vor Tschataldscha allzu entgegenkommend verhalten wolle. Wenn Adrianopel in türkischem Besitz bleibt, werden die Bulgaren bei ihren bisherigen Verbündeten auf entsprechenden Ersatz Ausschau halten.
Man Dann also die künftige Entwickelung noch gar nicht übersehen. Es kann lvvhl dazu kommen, was heute schon ängstigt wird, daß Bulgarien den Türken noch einmal behilflich ist, die Griechen zurückzudrängen. Das Gescheiteste wäre für Griechenland, nachzugeben, umsomehr, da auch seine anderen bisherigen Waffengefährten, Serbien und Montenegro, das Schwert in die Scheide gesteckt haben. In Saloniki scheint übrigens die Lage wieder recht kritisch geworden zu sein. Bekanntlich ist es dort zwischen Bulgaren und Griechen früher schon zu Schlägereien gekommen, und heute veröffentlicht die „Frankfurter Ztg." aus Nom folgendes Telegramm:
Ein Saloniker Banldirektor brridnet hierher: Saloniki ist heute ernster gefährdet als vor dem Einzug der Griechen. Nicht nur, daß diese sich unter den Augen iIrrer vfsiziere schlimmste Zuchtlosigkeiten leisten, ermutigt ihre Anwesenheit auch ihre in Saloniki ansässigen Konnationalen zu Ausschreitungen gegen ihre hauptsächlich jüdische Geschäfts- wnkurrntz an' der sie unter Benützung allerhand üblen Gesindels ibr Mütckien in unbarmherziger Weise kühlen. Bereits sind über ein Dutzend bekannterer jüdischer Geschäftsleute ermordet worden. Die Banken sind sehr besorgt. Tie Rivalität zwischen Griechen und Bulgaren droht jeden Augenblick in St r a ß enkä m p fe auszuarten, nachdem es an ^r Stadt Peripherie und jüngst in einem zentralen Kaffeehaus
bereits zu blutigen Zusammenstößen gekommen ist. Die U n - sicherheit ist so groß, daß die europäischen Kolonien in engem Zusammenhalt eine Verteidigung zu organisieren versuchen, während die jüdische Bevölkerung sich möglichst in den Häusern aufhält.
Das kann die Sympathie zu den Griechen nicht gerade verstärken. Wir erhalten folgende Meldungen:
Der Berliner „Lokalauz." meldet aus Ko n staut i- uopel: Der Ministerrat dauerte am Dienstag bis 7 Uhr, und sofort wurden die osmanischen Delegierten von den gefaßten Beschlüssen verständigt. Da mit Griechenland eine Einigung nicht zu erzielen war, wurde der Waffen st ill st and mit unbeschränkter Dauer zwischen den türkischen und bulgarischen, serbischen und montenegrinischen Bevollmächtigten unterzeichnet, und zwar kurz nach 9 Uhr.
Wie das Reuterfche Bureau erfährt, sind die türkischen BediÜbungen für den Waffenstillstand viel weitgehender, als die telegraphischen Berichte ausdrückeu. Danach verlangt die Türkei nicht nur das Necht, alle belagerten Festungen zu verproviantieren, sondern ebenso alle in Mazedonien oder sonstwo befindlichen türkischen Truppenkörper und die türkische Bevölkerung in den verschiedensten Landesteilen. Desgleichen verlangt die Türkei das Recht, durch das Adriatische und das Ionische Meer Lebensmittel unter sicherem Geleit zu befördern. Von griechischer Seite wird erklärt, man sei nicht in der Lage, diesen Bedingungen zuzustimmen, die es der Türkei ermöglichen, "irgendwelche Vorräte anzuhäufcn. Griechenland habe Bulgarien wiederholt dreiDivisionenfrischerTruppenzurVerstär- kung der T s ch a t a l d s cha-Ar m e e angeboten aber Bulgarien antwortete bisher n och nicht. Die Eifersucht zwischen Griechenland und Vulkanen.
Reuter meldet aus Sofia: Bezüglich des Gerüchts, durch die intransigente Haltung der Griechen könnte sich der Abschluß des Waffenstillstandes verzögern, wird von zuständiger Stelle erklärt, der Waffenstillstand werde nötigenfalls ohne die G ri e ch e n unterzeichnet, die den Krieg allein fortsetzen könnten, wenn sie es wünschten.
Die „Morgenpost" bringt aus Konstantinopel folgende Ankündigung: Nach Abschluß des bulgarisch-türkischen Sonderfriedens wird die Türkei ihre L an d- und Seestreitkräfte gegen Griechenland konzentrieren. Nach dem „Lotalauz." ist man in Konstantinopel sogar der Meinung, daß bei weiterem Widerstaub Griechenlands die Türkei und Bulgarien gemein- sam gegen Griechenland vorgehen werden.
Die Griechen beharren auf der Uebergabe von Janina. Griechenland wird, trotzdem es den Waffenstillstand nicht unterzeichnet, die Friedenskonferenz beschicken.
Dem „Temps" wird aus Athen gemeldet, daß der Bericht bes bulgarischen Generals Theodorow über die Unterwerfung der türkischen Besatzung von Saloniki in griechischen Kreisen lcbhaftes Befremden hervorrief. Es sei bekannt, daß die Türken sich erst ergaben, nachdem der griechische Kronprinz den Befehl zum Vormarsch gegeben hatte und seine Vorhut bereits mit den türkischen Truppen in Fühlung getreten war. Unbegreiflich sei es, daß die Bulgaren an 60000 Mann ihrer thrazischen Armee nach Saloniki geschickt hätten, wo die griechischen Verbündeten keinerlei Verstärkung bedurften. Diese 60 000 Manu wären vor Adrianopel und Tschataldscha notwendiger gernefen, wo sie zu einem raschen Erfolg der bulgarischen Offensive beigetragen hätten.
Serbische Besorgnisse.
Wie die „Deutsche Tageszeitung" aus Semlin erfährt, beschäftigt die Belgrader politischen M'rcife ein angeblich militärisches Abkommen zwischen Oester- reich-Ungar u und Rumänien als Ergebnis der Ofenpester Reise des Armeeinspekteurs von Hoetzendorff. Danach soll im Falle eines Krieges mit Serbien Rumänien den ersten Angriff gegen Serbien unternehmen. Die serbische Verteidigungsfront wird, falls diese Nachricht stimmen sollte, eine sehr beträchtliche Ausdehnung! erfahren, noch dazu, das es int Kriegsfälle auf die Hilso Bulgariens nicht rechnen kann, weil König Ferdinand für einen solchen Fall bereits die volle Neutralität Bulgariens Oesterreich-Ungarn zugesagt habe.
Die albanische Frage!
Laut Meldung der „Neuen Freien Presse" aus Kon stantinopel erklärte derrussischeBotschafterGiers dem Großwesir, Rußland könne ein unabhängiges Albanien, das ohne Kapital nur eine österreichisch- italienische Domäne wäre, nicht anerkennen, höchst e n s einer Autonomie unter Garantie sämtlicher Großmächte zustimmen.
Neue Kämpfe vor Skutarl.
Rjeka, 3. Dez. Seit gestern donnern die schweren Geschütze ununterbrochen vor Sku- t a r i, das augenscheinlich gegenwärtig die schwersten Angriffe zu besteheii hat. Das Wetter ist äußerst schlecht. Nach Meldungen von unterrichteter Seite leiteten die türkischen Truppen in Skutari, auf dem Tarabosch und den umliegenden sich noch in türkischen Händen liegenden Stellungen geftent eine heftige Beschießung der Montenegriner ein, welche kräftig erwiderten, sie die schwersten Angriffsbatterien, die bisher wenig gebraucht wurden, aufstellten. Der Ausgang des Kampfes ist bisher unbekannt.
König Ferdinand und Javer Pascha.
Sofia, 3. Dez. Der König empfing vorgestern iit Kirk Kilisse den 'General Javer Pascha, den Momntanr bauten der bei Mer hem ly gefangenen Rediftruppen^ sehr liebenswürdig. Der König gab Javer Pascha feinen Degen zurück und ermächtigte ihn, seinen Aufenthalt in Bulgarien zu wählen, wo es ihm beliebe. Ein Teil der Offiziere und der Kriegsgefangenen bleiben bei Stara Za- gora, der andere wird nach Pazardjik gebracht. Javer Pascha erwählte Sofia als seinen Aufenthaltsort.
Der Eisenbahnverkehr in Mazedonien.
Sofia, 3. Dez. Die bulgarischen Truppen erbeuteten auf der Linie Dedeagatsch-Saloniki 37 Lokomotiven und 300 Waggons, wodurch der Dienst auf der Linie Serres-Drama-Dedeagatsch vollkommen sichergestellt ist.
Die Sühne der Bolkansrevel.
Sofia, 3. Dez. Eine amtliche Verfügung ordnet die Ansetzung eines Kriegsrates in Serres an, der über bic Zivil- und Militärpersonen ab urteilen soll, die Freveltaten begangen haben.
Nene militärische Einberufungen der Türkei.
K o n st a n t i n o p e l, 3. Dez. Der Kriegsminister veröffentlicht ein Dekret, durch welches die Gestellungspflichtigen, die das 19. Lebensjahr erreicht haben, zu den Fahnen einberufen werden.
Bjö nfon über Ibsen.
(Aus neuen Briefen Björnsons.)
Soeben sind im Gyldendalscben Verlage in Kopenhagen die beiden ersten Bände der Briese Björnstjerne Björnsons erschienen. Sie umfassen die Jahre 1857—71, also die Jugend und die ersten Mannesjahre des Dichters. Der Herausgeber Halvdan flobnt, der auf Einladung von Björnsons Witwe die Beröffent lichung seiner brieflichen Hinterlassenschaft übernommen hat, hatte unter einer gewaltigen Masse von Briesen Björnsons Auswahl ,u treffen, da dieser, wie mit der mündlichen Rede, so auch mit der brieflichen A ußerung verschwenderisch umzugehen pflegte. Ter Inhalt der beiden Bände ist nun überaus reich und mannig- ialtig und bringt zum Verständnis des Lebens und des Geistes des großen norwegischen Dichters söwie seiner Beziehungen zu den Zeitgenossen viel Neues bei. Auch über sein so ort besprochenes Verhältnis zu seinem großen Dichtergenossen, zu Henrik Ibsen, enthalten diese beiden Bande einen Reichtum von neuen Nitteilungen, denen wir im folgenden das wesentlichste entnehmen sollen.
Das erstemal, daß Björnson von Ibsen spricht, findet sich in einem Briese an Clemens Petersen vom August 1857. „Ibsen ist aus Bergen angekommen lies sein „Fest auf Solhang N. Ich liebe ihn?!" Aber sckwn im November desselben Jahres bat die Tonart sich verändert. Da sitzt Björnson und ichwitzt über Ibsens neuem Stücke „Frau Inger auf Oestrut", das er kritisieren soll, weil kein anderer sich dazu bereit erklären will, und er kann doch nicht offen mit der Sprache herausrücken, hauptsächlich aus dem Grunde, weil er Ibsen nicht für groß genug hält, um so recht aus ganzer Kraft Björnson für frei von allen Regungen des Neides zu halten. Ter Gegensatz zwischen den beiden scharf ausgesprochenen Dichterpersönlichkeiten, der sich hier bereits andeutet, vertieft sich dann. Am 5. März 1859 berichtet Björn Clemens Petersen über die Theaterverhältnisse in Bergen, dessen Bühne Ibsen damals leitete, und die Schildrung, die er von Ibsens Lebensführung und Leistung in dieser Stellung gibt, ist nicht gerade wohlwollend zu nennen. Er liefe da in einer kleinen Egoistencliaue, erleide aber immer einen swhlschlag, wenn er vor das große Publikum treten solle, und er, björnson, habe ihm schon zweimal helfen müssen, weil eben •Vfen trotz aller Irrungen doch ein Dichter sei. „An dem £ ige, da Ibsen erkennt, daß er klein ist, ist er sogleich ein ganz lobenswerter Dichter. Das habe ich ihm deutlich gesagt, aber 1 bic Frucht ist, daß er ganz von Sinnen ist." Gerade hatte, 1?v Björnfon eigens hervorhebt, eine dänische Zeitschrift aus-'
drücklich Ibsen im Vergleich? zu Björnson als den geringeren Autor bezeichnet, und schließlich weist er noch darauf hin, daß Ibsen auch äußerlich viel unscheinbarer sei, als er, auch feine Rednergabe besitze. Das ist nun doch ein Brief, den man nicht ohne unbehagliches Gefühl lesen kann: wer kann sich noch wundem, daß Ibsen schon frühzeitig bei aller Bewunderung für Björnsons dichterisches Genie ein tieses Mißtrauen gegen seine Persönlichkeit gefaßt hat, wenn er sieht, mit welcher Naivität Björnson den Dichtergenossen als den kleineren, ja überhaupt als einen Kleinen abzustempelu sucht! Am 5. Oktober 1864 bat Björnson an Ibsen folgendes geschrieben: „Deine außerordentlichen Gaben habe ick nie verkannt, aber Deine Richtung bat mich oft geängstigt, und noch mehr der Verkehr, der sich um Dich sammelte . . . Dein Leben liegt im ganzen so, daß die Sonne keinen Zugang darein fand, und da ziehen nun die Pflanzen mehr Wasser als Licht und mehr sumpfige Fülle als Farbe. Hingebung, Liebe, ruhige Betrachtung des Wesentlichen, das war es, was Dir fehlte — und Gott sei gelobt, daß Tu es nun erreicht hast und wir die Früchte davon bekommen." Ties ist ein verständnisvollerer Ton, und so spricht Björnson auch in diesem Briese die Hoffnung aus, sie würden vielleicht doch noch einmal im Einvernehmen miteinander leben können. Tas richtige Wort über die Art ihrer Beziehungen hat er in einem Briefe vom 19. Januar 1865 getroffen: „Wie oft sehne ich mich nach Dir, Ibsen! Das tue ich immer, wenn ich von Dir fort bin . . . Aber wenn wir zusammenkommen, so geht es schief." Dabei darf nicht vergessen werden, daß Björnson gerade in dieser Zeit sich Ibsens (ehr freundschaftlich angenommen, für ihn Geld gesammelt hat ufrtK Aber der innere Zwiespalt blieb unüberbrückbar. Als Ibsens mächtiges Bekenntnisdrama „Brand" erschienen war, ging Björnsons Meinung dahin: „Das ist kein Gedickt, und Ibsen ist kaum ein Dichter. Tas ist er gewesen, so sicher, wie er große Anlagen gehabt hat, es zu werden, aber er hat sie in Zweifel, Spitzfindigkeit, forcierten Hebungen und in dem Abstande zwischen Wort und Handlungen zunichte gemacht . . . Das ganze Buch hat mich in dem Grade gelangweilt, daß ich es noch nicht habe ordentlich auslesen können ... In zwei Monaten ist es tot." Nun, mit dieser Prophezeiung hat Björnson sich gründlich geirrt, ebenso rote mit mancher anderen. Und wenn er bann über Ibsens „Peer Gynt" sich „vor Lachen geschüttelt hat" (Brief an Hegel vom 15. November 1867), so deutet das doch auch nicht gerade auf ein tiefes Verständnis dieses merkwürdigen Werkes. In volle Entrüstung versetzte ihn bann der „Bund der Jugend". Darüber schrieb er am 30. November 1869 an Rudolf Schmidt: „Ibsens Stück will be
sagen, daß das junge Norwegen c:"_ intrigante, eingebildete Ge- | sellschast ist ... Er macht sich ein paar Personen, an denen er bas junge norwegische Volk hinrichtet. Das ist es, was ich unb alle mit mir Meuchelrnorb nennen. Ich selbst — hat er mich mit mehr gemeint, als mit der Anbringung von ein paar Erinnerungen an mich gerade an den schlimmsten Stellen, so ist das für ihn selbst am übelsten." Man erinnere sich, daß es damals allgemein hieß, Björnson sei als das Modell des Rechtsanwaltes Steensgaard anzusehen. Tie Aeußerungen Björnsons über Ibsen schließen, soweit die Periode bis 1871 in Betracht kommt, mit schrillem Mißklange. An den Verleger Hegel schreibt er am 20. April 1870: „Nehmen Sie sich vor Ibsen in acht! Er ist undankbar, unb wer das ist, kann alles . . . Nun kann er mir antun, was er will, er überrascht mich nicht mehr: wenn er aber wieder gut zu mir kommen will, so wollte ich ihn empfangen, als ob nichts geschehen wäre. Tenn nicht ich bin es, der ihm Uebles angetan hat." Aber wenige Monate später gesteht doch Björnson selbst in einem Schreiben an Line Bruun, es gebe für ihn bei Ibsen einen Punkt, wo er sehr streng werde und unnachsichtig verfolge.
*
— Deutschlands ältester Theaterdirektor. Der älteste Theaterdirektor Teuffchlands, vielleicht der älteste überhaupt, zieht sich in den wohlverdienten Ruhestand zurück. Er ist freilich nur Direktor eines Puppentheaters, aber ein Mann, bei Generationen mit seiner Kunst erfreut hat: Papa IosefSchmid in M ü n ch e n , der jetzt, 91 Jahre alt, die Leitung seines Theater - chens in die Hände seiner Tochter legen will, die ihm schon lange eine getreue unb geschickte Helferin gewesen ist. Der alte Herr blickt auf eine 54jährige Tätigkeit als Puppenspielleiter zurück. Er. erfreut sich immer noch einer ungewöhnlichen Rüstigkeit und Gesundheit, aber das andauernde Stehen wird ihm allmählich doch schwer unb im Sitzen läßt sich bic Lenkung der Schauspieler seiner Bühne nicht durchführen. Deshalb hat er in einem Schreiben an den Münchener Magistrat seinen Enffchluß, die Direktion nieder - zulegen, kundgegeben zugleich mit dem Dank für das ihm von der Stadtgemeinde stets bewiesene Wohlwollen, das er auf seine Tochter und Nachfolgerin zu übertragen bittet.
— Kurze Nachrichten aus Kunst unb Wissen-- schaf t. Ter Opernsänger Pennar ini vom Hamburger Stadt theater ist an das Frankfurt er Opernhaus verpflichtet worden für den ausscheidenden Leidentenor Otfried Hagen.


