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29.5.1912 Erstes Blatt
 
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Erstes Blatt

Mittwoch. 29. mal 1912

162. Jahrgang

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General-Anzeiger für Oberheffen

annabme^wn anjagteH Rotationsönid und Verlag der vrükl'schen Univ.-Vuch- und Steindruckerei R. Lange.

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Nr. 124

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Anzeiger Gießen.

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Die heutige Nummer umjaht 10 Seiten-

Uonferenzpläne.

Italien hat zwar auf dem Papier ganz Tripolis für eine italienische Provinz erklärt, hat auch schon mit einem Phrasenschwall, der eines Cicero würdig wäre, von den Segnungen erzählt, mit denen es diese seine neueste Provinz beglückt ober vielmehr beglücken will. Aber die einfältigen Araber vielleicht haben sie gar von dem entsetzlichen .rinderclend in ben sizilianischen Schwesclgruben gehört, vielleicht auch von der ständig wachsenden Auswanderung von der Appenninenhalbinsel die ihre arbeitsamen Löhne nicht ernähren kann, haben bis jetzt wenig Sinn für die kulturellen Beglückungsversuche der Löhne der ewigen Roma gezeigt. Kaum hat die offiziöse Agenzia Ltesani die schönsten Ergebenheitsadressen arabischer Lcheichs in alle Welt hinaustelegraphiert, da mug sie bald darauf melden, daß in nächster Rühe von Tripolis türkische und arabische Soldaten in sehr angrifsslustiger Stimmung zu allen Tages- und Nachtzeiten austauchen. Sie werben natürlich bie italienischen Berichte gaben die ungeschminkte, lautere Wahrheit stets unter den größten Verlusten in bie Flucht geschlagen, aus italienischer Seite fällt höchstens ein Mann, ab und zu gibt es noch ein paar Verwunbete. Unwillkürlich denkt man an den berühmten einen Kosaken aus dem Ärimtriege.

Da inan in Tripolis nach italienischer Dar­stellung eigentlich nichts mehr zu erobern Hai, nach an­derer Aussassung sreilich nicht recht weiter kommt und ziemlich dort steht wie beim Beginn des gegen allen Völker- vrauch erfolgten Einfalles, so entfaltet die italienisckse Flotte eine um so regere Tätigkeit im ägäisck>en Meere. Man bat sich große Siegeslorbeereu waren da nicht einzu Heimsen - in den Besitz von Rhodos gesetzt, sucht nach und nach alle Inseln int ägäischen Meere unter italienische Botmäßigkeit zu bringen Angeblich will England, dessen Uneigenuiihigleit von alter» her bekannt ist, Italien bie Herrschaft im Mitielmeer überlassen, ruhig mitansehen, wie es zu einer Balkanmacht erstarke. Fehlt nur noch, baß es ihm bei ber weltfremden Großmut Albions ist alles möglich Malta und womöglich Gibraltar abtritt. Viel­leicht fürchtet es nur, daß die Entente mit Frankreich, dem sein marokkanisches Protektorat augenblicklich einige Schmerzen verursacht, dadurch ein wenig Schaden erleiden könnte. Die Albanen zeigen wieder eine bedenkliche Un­ruhe, fordern in langen Eingaben mit Perioden, die einem Livius Ehre machen könnten, Autonomie und sonstige schöne Tinge. König Mkita, der Schwiegervater des Königs von Italien, hat augenblicklich das Dramendichten eingestellt, ein Sinnen und Trachten geht auf ganz andere Dinge. Lus seinem Ländchen, das trotz ber stolzen Bezeichnung Königreich" nicht viel mehr Seelen zählt als bie Stadt Lharlottcnburg, wandern viel kampfeslustige Bergsohne an unb über die türkische Grenze. Albanische Emissäre weilten nicht umsonst auf italienischem Boden Rechner man noch dazu, daß in Arabien keineswegs Ruhe eingetreten ist, so könnte mau es der verhältnismäßig jungen türkischen Re­gierung gar nicht verdenken, wenn sie sich sehnte, zu einem einigermaßen leidlichen friedlichen Abschluß mit Italien zu kommen. ________________________

Indes zeigt man in Konstantinopel wenig Neigung, sich augenblicklich in Verhandlungen einznlassen Ter Türkei kostet bis jetzt der Krieg wenig Geld. Während Italien schon Hunderte Millionen Franks hat ausgeben müssen und in die ursprüngliche Kriegsbegeisterung sich trübe Kassandra­rufe mischen, hat die türhfdfc Regierung in ihren freilich nicht allzu vollen Säckel nicht allzu tief greifen brauchen. Der Kampf der verschiedenen Nationalitäten int Parlament ist vorläufig zur Ruhe gekommen, man fühlt sich als otto- manische Nation, auf die Italien einen tückischen Ueberfall gewagt hat. Die Folgen dieses Ueberfalles sind für alle anderen weit empfindlickier als für die cigcntlidyen Türken. Der Öandel nad) dem Orient, an dem aber die Türken direkt am wenigsten beteiligt sind, ist unterbunden. Italiener verlassen in Hellen Äharen -,cn türkischen Boden, wo sie bisher ihren Lebensunterhalt erwarben. Italien kann mit g leichen Ausweisungsrnaßregeln nicht antworten. Den Mächten, die an den Fragen im Mittelmeer und auf dem Balkan besonders interessiert sind, kann auf die Tauer ein fold)cr Zustand nicht behagen. Trotz aller angeblichen und wirklichen Freundschaft Englands für Italien wird man in Loudon nicht dulden, daß Italien sich auf ben Inseln des Mittelmeeres dauernd häuslid) cinridjtct. Es sei denn, daß es fid) dabei ganz ben Anordnungen und (Eingriffen Albions fügt. Tas kann aber Italien, bas fid) als auf­strebende Weltmacht fühlt, nicht. Dazu kommt, baß Rußlanb ben Balkan als feine Beute betrachtet, die ihm eines Tages zufulleu muß. Tie angebliche Türkenfreundlichkeit am Strande ber Neva besteht nur barin, baß man niemanb an- bereit einen >?auptbissen von bein osmanischen Reich gönnen will. So würbe eine Konferenz, trotzbem Rußland gerade auf ihre Einberufung am ersten bringt, zu keinem Ergebnis führen. Es wäre, um mit bem Schachspieler zu reben, eine Rernispartie. Außerbeni hanbelt es fick) nicht mehr bloß um Tripolis, sondern um die ägäischen Inseln. Der Be­ratungsgegenstand ist verwickelter geworden und vorläufig hat die Türkei nicht die geringste Neigung, and) nur Tripolis abzutreten, das Italien bereits als römische Provinz be- zcichnct. Lo werden denn vorerst bie Konferenzpläne nur in unverbiublichen diplomatischen Noten unb im Blätter- walb sich ihres Daseins freuen.

Wie zu erwarten war, erheben die Türken gegen bie italienischen Melbungen von Grausamkeiten ber Türken ben ausgewiesenen Italienern gegenüber, Einspruch:

Konstantinopel, 28. Mai. Die im Ausland verbreiteten Gerüchte über die Belästigung ausgcwiesener Ita­liener sind s a l s d). Bisher sind überhaupt nur wenige Ita­liener abgcreist. Lediglich in Smyrna verlangten die Behörden, wie verlautet, von wenigen Italienern bie Zahlung einer Ge­werbesteuer.

Neue türkische Angriffe bei Tobruk.

Tobruk, 28. Mai. (Agencia Stefani.) Gestern früh mar­schierten Truppen an, um die Arbeiten zu beschützen, die das Fort am Meer beenden, sowie für ein anderes neues Fort einen geeigneten Platz zu erkunden. Tie mit dieser Arbeit betrauten Mannschaften, die vis jenseits von Wadi Auda vor­gedrungen waren, wurden von zahlreichen Beduinen und vielen türkischen Regulären beschossen. Tic Teckungstruppen griffen ben Feind an und zwangen ihn zum Rüdzug. Tarauf tarnen andere Truppen aus dem Lager des Feindes den Flüchtlingen zu Luise, aber auch diese wurden infolge einer UmgehuiigSbewegung, die von dem 20. Füsilier-

Das gefährliche Alter der Mannes.

Bom gefährlichen Alter der Frau ist so viel gesprochen wor Kn, vom 'gefährlichen Alter des Mannes hingegen gar nicht. iSaruin wohl? Vielleicht weil davon allerdings sich iebroer woicl stomantffch.cs erzählen läßt, wie Frau.Karin Michael iS Dom gc- sährlichcn Alter der Frau zu sagen weiß. Was o.r. V. v.. Riddlc im neuesten öefte desLondon Magazine" über das gefährliche Alter des Mannes zu sagen hat, das ilt nüchtern wisscmchaNlich, aber darum um so wertvoller. Tr. Ribble hat wohl md)t )o ganz unrecht, wenn er sagt, daß das gefährlidic Alter des Mannes weit untcrfd.äfct wird, und die Folge i|t bie, daß einer unter vier Männern (Enbc ber Vierziger ein halber Invalide, wenn nicht nicht, geworden ist Warum? Tie Antwort ist eigentlich selb,wer Nänd lich und scheint das ganze Problem zu lösen, Nämlich infolge der Unmäßigkeit in allen Dingen.

Nun ist das Wort Unmäßigkeit mit Vorsicht aurzunehmcn . es bedeutet hier nur soviel, das der Mann un gefährlichen Alter, das durchschnittlich mit dem vierzigsten Lebensjahre beginnt, icine Lebensweise in der Regel noch auf dieselben Norme» zuwitzt, bic er als Jüngling ober in ben ersten Mannesjahren bewigt bat. Welch Unterschieb aber zwischen der Konstitution eines Zwanzigiahrigcii unb eines Vierzigjährigen befiehl, das läßt sich am besten an ihrer verschiedenen Ueberroinbuna von kleinen Kraul heuen zeigen. .\)olt sich ein Zwanziger einen Schnupfen, w dauert es gewöhnlich nicht lange, bis er ihn glüeflid) wieder los ist Ader wehe dem^.iei­liger! Ta tritt nicht selten die Erkältung mu all ihren §olge- 'rscheinungen auf: Tie Nerven werden angegnnen, die Ver­dauung wird unregelmäßig, und bas Erzübel aller im gefährlichen Alter stehenden Männer tritt auf: bic esd)laTlo|igfcit. Gewöhn­lich wirb ber Mann dieseUnväßlichkeitcn wie er ste zu nennen pflegt demMangel an Bewegung" zuichreiben, ben eine sitzende Lebensiveise mit fid) bringt llnrcdjtbat et nicht. Und so wird er denn nun beginnen, stck mit aller Gewalt am ben -von zu stürzen, um Versäumtes nach;»holen: ohne hierbei iebod) bie einfadjiten Vorsichtsmaßregeln, die ihm bic Vernunst eingeben sollte, zu beobachten. _ . ,

Ferner werden große Fehler in den tvenen begangen. hält für einen Mann, der in den Vierzigern steht und lieb eint Lebensstellung errungen hat, fast immer schwer, udi von leinen ^erufspflichten loszumadien und genügens Zeit tur eine grunb* äche Erholungskur zu finden. Aber das ^chlimmirc ist, datz itcy über diese Erholungskur Körper und Geist gewöhnlich nicht mit­einander ins Einvernehmen setzen. Ter Geist eines ^aerrigers ist bnrdaueg jugendfrisch zu nennen, der üorper aber mmr ~cr Seift wüt deshalb eine ganz andere Erholung al-.- der -^vctt Der Turchsdmittsmenfd) aber ist nur allzu geneigt, ben worper dem Geist unterzuorbne». So unternimmt er denn längere iVUu- reifen, oder er durcheilt auf dem Zweirabe oder un Äutomomi Landschaften, deren Schönheit feinen E^ist crquiden |0lL an me Leiden feines armen Körpers aber denkt er nicht, oct

Körper eines Vierzigers an bestimmten Stellen Fett an, wohin Fett eigentlich nicht gehört, dann muß er unter allen Umständen darauf sehen, daß er dieses Fett los wird, besonders da diese Fcttzunahmc in der Regel eine Folge schlechter Verdauung ist. Lier hilft der Sport, und Tr. Riddlc gibt beftimmtc Anweisungen, wie der im gefährlichen Alter stehende Mann Sport zu betreiben hat.

Gewöhnlich tut der Mensch 16 bis 18 Sttcmjüge in der Minute. Beim gesunden Sport soll diese Zahl auf 22 bis 26 erhöht werden. Wird dieses Maximum jedoch überschritten, dann ist ber JSport ungesund, da dann die Zungen nicht mehr den heilsamen Sauer­stoff aufzuiichmen vermögen und vergebens gegen die zu große Zufuhr anlämpfcn. Die Folge ist das Keuchen! Der zweite Zweck des Sports ist die Erhöhung der £> er ^tätigteit, die wiederum zur Folge bat, daß Stockungen unreinen Blutes aufgelöst und der ganze Blutkreislauf besser geregelt wird. Hier ist es eben­falls klar, daß bei der geringsten Ucbertreibung gerade das Gegen­teil von bem Erhofften erzielt wird. Man braucht, sich nur einen Wettläufer anznsohen, dessen Gesicht outet rot ist. Tas Blut scheint ans den Blutgefäßen zu drängen, und das geschwächte Herz ist nicht unftanbe, das Blut wieder in die Lungen zurückzutreibm. Ferner soll man bei jedem Sport in geringem Maße schwitzen, weil dadurch schädliche Stoffe aus dem Körper ausgeschieden werden. Weiter soll der Vierziger viel Wasser trinken, was die Tätigkeit der Nieren regelt, wenigstens 4 oder 5 große Glas sollten das taglidie Minimum sein. Ferner hat er scharf gcivürzte Speisen und insbesondere jegliches Wildbret zu vermeiden, da bei des Ver­dauung berarriger Gerichte gewisse Gifte in die Arterien über­gehen, bic für diese von der größten Schädiichkeit sind. Tie Folge aber ist bic Schlaflosigkeit, und deshalb kann jeder, der iidi eines gesunden Schlafes im gefährlichen Alter erfreut, ver­sichert sein, daß seine Lriwnsweise eine gesunde ist.

Zwölfter Delegiertentag der deutschen Eoethedünde.

Am Pfingstmontag fand in Stuttgart der Tag der deutschen Goethebündc statt. Als neuer Generalsekretär wurde der Trama- turg des Stuttgarter Öostheaters, Tr. Walter Bloem. Ter Plan, eine Korrespondenz für die Gvethebündc zu erridtfcn, soll im Anschluß an bie in München erscheinende ZeitschriftTre Lese" verwirklicht werden. Sodann wurde rin eingehender Bericht über den Volksschülerpreis erstattet, der dauernd gesichett ist. Erfreuliche Mitteilungen machte der Berliner Goethebund über bie auf der letzten Versammlung in Aussicht genommene Goethe- bückerei, bie durch ein Abkommen mit dem Verlag Eoncordia in Berlin gesichert ist.

UeberGoethebund und die Zensur" sprach Tr. Ludw. Goldstein rtönigsberg), der rin energisches Vorgehen der Goethcbünbc gegen alle Eingriffe polizeilicher Zensoren auf den Gebieten der Literatur und der Kunst empfahl.

Im Anschluß daran wurde eine vom Landtagsadg. Tr. Elsas

rcgimcnt ausgeführt wurde, genötigt, fid) zurückzuziel' u. .' :c Italiener hatten zwei Tote unb drei Verwund.,e.

Verluste des Feindes sind, wie durch den Augcuscve.u gestellt wurde, sehr beträchtlich. Nack» diesem Zn licbem.iff wurde die Arbeit wieder ausgenommen und geht ungestört von statten.

Tie türkische Stimmung in Tripolis.

Konstantinopel, 28. Mai. Tas Ministerium des 3 n n c r n veröffentlicht eine von etwa 10 Scdeiks and Häuptlingen von Tripolis unterzeichnete : worin sie schwören, daß sie ewig mit der Türkei ver­einigt bleiben wollen.

Deraltnationallibcralc Reichöverliand".

In ben letzten Wochen ging durch die ganze Presse eine Anzahl von Mitteilungen über die Gründung eines altnationalliberalen Reichsverbandes", über die wir heute aus einer Berliner Zuschrift einiges erfahren. Es heißt darin:

Vor etwa V/i Jahren trat in Brcmnsdiwrig eine Reih' von Politikern zusammen, bic sich zur Aufgabe setzten, denLinks- abmarsd)" der Pattei auf^uhalten, unter Walwuna ber vollen Selbständigkeit nad> links unb nach redsts gleichmäßig Fühlung zu nehmen unb in der Presse für eine objektivere Beurteilung ber innerpolitischen Verl)ältnissc einzutreten.

Die Besprechung führte zur BÜbung einesElferaus- s ch u s s e s", dessen Tätigkeit sich zwar nicht vor aller Oeffcnt- lichkeit zeigte, die aber manches Unheil von der Partei ferngehalten hat. Tas bekannte Wolff'fdie Telegramm nach der Präsidenten­wahl, das eine Maffcnslucht aus der Partei verhinderte, die Vorbereitung zur Zentralvorstandssitzung, in der bic bekannten Anträge gegen die Iungliberalen Annalmte fanden, bic 30 weißen Zettel, bie gegen Basscrmanns Taktik abgegeben würben, bic Wahl .nm geschäftsführenden Ausschuß sind Aeußerimgen ber stillen Arbeit desElferausschusses".

Als auf dem Telegiertentag in Berlin der Abg. Tr. Fried­berg im Gegensatz zu dem Abg. Basser mann rückhaltlos bv* verschiedene Auffassung zwischen den Altnationalliberalen und ben Iungliberalen flargelegt hatte, mußte naturgemäß auch derElser- ausschuß" der Braunschweiger Vereinigung Stellung nehmen, wes^ halb -sich am Abend des TelegiertentagcS eine groije Anzahl von Telcgiertcn und Parlamentariern im preußischen Abgeord^ netenhaus zusammensanden, unter denen sich auch eine groß, Anzahl hessischer delegierter befand. Tic Aussprache ergab volle Einmütigkeit der Auffassung der Lage unb bie Nottvenbigleit, sofort an den Ausbau der Organisation in großem Maßstabe heranzutreten. Es gelang, den seitherigen General­sekretär der nationalliberalen Partei, Herrn Fuhrmann, ate1 geschäftsfilhrcndcs Vorstandsmitglied zu gewinnen, der seine Stel­lung bereits angetreten hat. Tas Bureau des neuen Verbandes befindet sich vom 1. Juni ab Berlin, Schellingstraße 4. Im Laufe deS Monats Juni wird die Zusammenberufung des größeren Ausschusses stattfinden, um^^LÖrganifatüm in ben anjdnen Lanoestrilen in die HanhMu nehmen.

Soweit die tatsächlichen Feststellungen, die ja bvn einigem Interesse sind. Da wir sck)on gerade genug an Parteienzersplitterung in Deutschland leiden, würden wir es beklagen, wenn die neue Gruppe es fertia brächte, einen Keil m die große nationalliberale Partei hineinzutreiben. Wir halten diese Bestrebungen gerade im mittelparteilichen Interesse für schädlich.

Deutsche, Reich.

Die Blätter melden aus Gmunden: Die Bei­se tz u n g des Herzogs GeorgWilhelm vonEumber-

cingcbrachtc Entschließung einstimmig angenommen, in der es u. a. heißt:

Tie dem Reichstag ringereichte, von Professor Liszt ver­faßte Petition auf Beseitigung der Präsent ivze nsur ist zu erneuern. Der Goethebund verwirft die Theaterzen­sur als eine unberechtigte Bevormundung des Volkes. Die Theaterzensur ift in praktischer Beziehung unnötig, ja schädigend und daher im Interesse der nationalen itultm verwerfbar. Tie bramatifdte Knifft bedeutet eine Aufrüttelung, Läuterung und Reinigung der Volksseele. Das Wollen und Streben ber lebendigen Kunst durch die Zensur unterbinden hrißl, den Entwicklungsstrom ber Volksseele gewaltsam hemmen."

In ber öffentlichen Nachmittagssitzung sprach Professor Tr. W. Nagel (Darmstadt- überEin Normalspielp 1 an der deutschen Opernbühne". Ter Vortragende kennzeichn«te in großen Zügen den Niedergang des Theaters, für das dic Klassiker in der Hauptsache erledigt seien.

Im Anschluß an diesen Vortrag wurde einütmnug eine Ent­schließung angenommen, in der es u. a. heißt:

Ter Goethebund hält cs für eine dringende Notwendigkeit, daß 1. die staatliche und städtische Fürsorge für das Theater im Interesse eines durch wahrhaft künstlerische und ideale Gesichtspunkte bestimmten Spielplans stärker cinsetze: 2. daß ein C r g a n yir Prüfung von Theaterstücken gcichaften werdet das eine gewffse Garantie dafür bietet, daß wirtlich wertvolle Theaterstücke und Lperettenwerke nicht dauernd von oer Buhne ausgeschlossen bleiben: 3. daß bei der Regelung ber Sri ne matogravhensrage der Unterschied zwischen oen, dem höheren Kunstzweck dienenden Veranstaltungen uno den wesentlich bem Erwerbsgeist entspringenden und der bloßen Schaulust die­nenden Tarbietungen des Kinemawgraphen zu einem ent schiebenen und insbesondere steuerlichen Ausdruck komme."

Zum Ort des nächsten delegiertentages wurde Breslau gewählt.

FesterSauerstosf. Dem englischen Physiker James Tew ar, der irinerzeit zuerst flüssigen Wasserstoff darstclltc, i>. es derUmschau" zufolge kürzlich gelungen, festen Sauer non herzunellen. Teroai brachte den flüssigen Sauerstof' UI ein durch flüiftge Luft gefülltes Bakuumgesäß und fetzte dieses in Verbindung mit einem zweiten Vakuumgefäß, das ausgegiuh. Kokosnußkohle entbteli und ebenfalls durch flüssige Lust gclul,.-

^tbei verdichtete sich der Dampf des flüssigen Lau stons io rasch in der Kohle, daß die verbrauchte Verdampfung- wärme den ilümgen Sauerstoff zum Erstarren brachte 2et beim Schmelzpunkt gemessene Tampforud des festen Sauerstoffs bete/ nur 1,12 Millimeter.

, , Kurze Nachrichten aus Kunst und Wissen- 1 ch a t t. ^n Zürich starb am 25. Mai der Professor der Phy'il an der dortigen Technischen Hochschule Tr. Friedrich Weber im 69. Lebensjahre.