Ausgabe 
24.12.1912 Erstes Blatt
 
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Lin Anschlag aus den v.zekönig von Indien.

Während des Einzuges des Vizekönigs von Indien in die neue Hauptstadt Delhi wurde von dem Dache eines Hauses eine Bombe geworfen, die den H o w d a h auf dem Elefanten des Vizekönigs traf und einen Diener tötete. Der V i z c k ö n i g wurde an derSchulter verletzt ins Hospital gebracht. Lady Hardinge, die Gattin des Vizekönigs, blieb unverletzt.

Delhi, 23. Dez. Ter Vizekönig Lord Hardinge ließ den Finanzminister Wilson, der ihn bei dem Galaempfang vertrat, wissen, daß er nur leicht verwundet sei. Als diese Nachricht der zum Empfang versammelten Gesellschaft mitgetcilt wurde, brach diese, insbesondere die indischen Fürsten, in lebhafte, lang­anhaltende Huldigungskundgebungen für den Vizekönig aus.

Bekanntlich gärt es seit langen Jahren unter den Hindu, die mit allen Mitteln der europäischen Revolutionäre, von den auf­rührerischen Reden, die den Gebildeten überlassen bleiben, bis zu den Mordtaten, bei denen der altertümliche Dolch allmählich durch die nach europäischen Rezepten an gefertigt en Sprenggeschosse ab­gelöst wird, die britische Herrschaft zu bekämpfen suchen. Schon früher waren Anschläge gegen Hohe Provinzbeamte verübt worden. Vizekönig Lord Hardinge war vor einigen Jahren ständiger Unter­staatssekretär int Auswärtigen Amt, als er auf den hohen und verantwortungsvollen Posten nach Indien berufen wurde.

Ans StaSt und Land.

Gießen, 24. Dezember 1912.

Weihnachten.

Die Menschen, die vor 200 und 400 Jahren lebten, Haben sich ohne Zweifel am Weihnachtsfeste viel naiver und darum auch viel inniger gefreut, als es dem Geschlechte unserer Tage möglich ist. Mögen sie auch sonst im Lebert sich behauptet und in Beruf und Arbeit, im Streit und in der Fehde sich als männlich und geistesklar erwiesen haben, der Tatsache gegenüber, die dem Weihnachtsfeste zugrunde liegt, wurden sie allemale zu Kindern. In tiefer Ergriffen­heit knieten sie vor dem Mndlein, das im Schaße seiner Mutter liegt. Kam die Christnacht, so gingen sie unter dem glitzernden Himmel durch den Wald und über das beschneite Feld zur Christmette; neben dem Altäre war die Krippe mit dem Christkind lein aufgefteUt. Sie ließen es sich nicht nehmen, das Kindlein zu schaukeln, indem sie das reizende, aus der Tiefe der deutschen Volksseele geborene Lied saugen: Joseph, lieber Joseph mein, hilf mir wiegen mein Kinde- lein! Als die evangelische Kirche im 18. Jahrhundert in steigendem Maße von des Gedankens Blässe angekränkelt wurde und dieses Ktwdleinwiegen in den Kirchen verbot, da wiegte man das Christlinid noch jahrzehntelang im Turmraume. Wenn unsere Vorfahren fangen: Gelobet seist du Jesus Christ, daß du Mensch geboren bist von

einer Jun^irau, fv saften ,u w-.cl Uc.de rzeugung hinzu: Das ist wahr, des freuet sich der En-gel Schar.

Der moderne Mensch ist anders geartet. Natur- und Geschichtswissenschaft, das Verkehrsleben, das mitabge­schlossenen" Gegenden gründlich aufgeräumt hat, haben den naiven Glauben der alten Zeit zerstört. Wir rechnen, kalkulieren, reden und telephonieren zu viel, als daß wir noch am .Kindleinwiegen F reiche haben könnten. Mer sobald die heilige Nacht herniederfinkt, sobald das Christ­fest durch klingenden Frost und weißen Nebel, durch kurze, trübe Tage zu uns kommt, so regt sich wieder das Gemüt. Melodien, die lange geschlafen haben, erwachen zum Leben. Der, dem die Jugend entschwunden ist, denkt der fernen Tage, da er im Vaterhause unter dem Christbaume spielte. Auch der größte Skeptiker läßt an diesem Feste auf sich wirken, was Sage und Poesie in alter Zeit geschaffen haben.

Der tiefste und geheimste Grund dieser Uebereinstim- mung mit der alten, naiv gläubigen Zeit liegt darin, daß wir das, was das Wei'hnachtsfest uns nahebringt, noch gerade so nötig haben wie die Menschen, die ver­gangenen Zeitabschnitten angehört haben. Genau wie unsere Vorfahren in den Tagen, da man in den Kirchen noch um Bewahrung vor dem Greuel der Türken betete, so stehen auch wir unter dem Druck der großen Lebens- hemmungen. Diese heißen Furcht, Sorge, Leid, Krank­heit, Altwerden, Tod. Ob man die Toten auf die Bahre legt und diese von schwarz gekleideten Männern auf den Gottesacker tragen läßt, oder ob man sie, wie es jetzt in vieler! Großstädten geschieht, mit dem elektrisch betriebenen Leichenwagen an den Ort ihrer Bestimmung bringt, der Schmerz bleibt derselbe. In dem nervenzerrüttenden Leben der heutigen Welt wird das Haar mindestens ebenso früh grau wie einst in den stillen Städtchen, durch die der Postmagen fuhr'und der Wächter nachts die Stunden rief. Damm sind auch unsere Herzen bereit, das Heil anzunehmen, das Gott uns durch die Geburt seines Sohnes schenken will. Seit Jesus in der Welt war, wissen wir: wir sind nicht verloren. Es gibt einen Gott, der unser Vater ist, der uns in dieser unruhigen, rätselhaften, leid- vollen Welt Wege des Friedens führt, der uns vergibt, wenn wir gegen seinen Willen gehandelt haben, der uns nach dem Eroenloben in eine Welt aufnimmt, in der cs Schuld und Leid nicht mehr gibt. Darum halten wir aus unter den Schlägen des Schicksals, darum arbeiten wir an uns selber, daß wir reifer, besser, tüchtiger werden, immer ähnlicher dem, über dessen Geburt wir uns an Weihnachten freuen. Darum pflanzen wir, so viel an uns liegt, Liebe und Frieden und arbeiten an der Stelle, an die uns Gott gestellt hat, bis er uns den großen Feierabend anbrechen laßt. Und sowohl am heiligen"Mend, wenn der Christbaum mit seinem Dufte uns einen Gruß aus dem lieben deutschen Walde bringt, als auch im Dämmerlichte des Weihnachts­morgens, wenn die Glocken uns zum Gotteshause rufen, Hingt es durch unsere Seele, was ein frommer Mensch in längst vergangenen Tagen gesagt hat: Meine Seele erhebt den Herrn, und mein Geist freuet sich Gottes, meines Heilandes. H. B.

** Tageskalender Sladttheater. Mittwoch abend 7 Uhr:Ai a g d a l e n a", Donnerstag nachmittag 3l/2 Uhr' A u t o l i e b ch e n"; abends 77. Uhr:Son W iiidh u n d".

K i n e m a t o a r a v h: Täglich Vorstellung

B i o g ia p li-L i ch t s p i e l e: Täglich Vorstellung.

B a k o f s 5k a m in e r - L i ch t s v i e l e: Täglich Vorstellung.

Lichtspielhaus: Täglich Vorstellung.

Museum des ober hessischen Geschichtsvereins. Am 1. Feiertag von 11-1 Uhr unentgeltlich geöffnet.

Gemäldeaus st ellungdesKun st Vereins im Turm­haus am Braud. Geöffnet am 2. und 3. Feiertag.

W e i h n a cb t s k o u z e r t von der Regiinenlsmusik am 1. Feier­tag abends Sl/4 Uhr in Steins Morten.

Militärkonzert am Freitag (3. Weihnachtsseiertag) aus der Liebigshöhe. Anfang 4%' Uhr.

91 u s st ellung der Worvsweder und anderer deutscher Maler in der Alten Klinik. Täglich geöffnet von 10 bis 7 Uhr (am 1. Feiertag geschloffen).

** P er so naln achrich t en. Der König von Preußen hat den Posträten Kuhlmann und Stamm in Darm­stadt den Charakter als Geheimer Postrat, den Postdirektoren F l a s ch e n t r ä g e r in Bad-Nauheim und G e y e r in Mainz den Rang der Räte 4. Klasse sowie dem Ober-Postsekretär Colin in Darmstadt den Charakter als Rechnungsrat ver­liehen.

** Kreisamtspersonalien. Der Groß Herzog bat den Regierungsassessor Dr. Gustav Heß zu Darmstadt tum Kreisamtmann ernannt, den Kreisamtmann bei dem Kreisamt Groß-Gerau Hugo Schneider aus sein Nachsuchen aus dem Staatsdienst entlassen und den Negierungsassessor Otto Linkenheld zu Darmstadt zum Kreisamtmann bei dem KreiSami Groß-Gerau ernannt.

** Schuldiener-Ernennungen. Der Groß­herzog hat den SteUenanwärter 'Karl A d e r h o l d zu Butz­bach zum Pedellen an der Realschule zu Butzbach und den SteUenanwärter Jak. R e u s ch l j n g zu Heppenheim a. d. B. zum Pedellen an der Oberrealschule zu Heppenheim a. d. B. ernannt.

* Die Hessische. Landes-Hypothekenbank gibt bekannt, daß die früheren Veröffentlichungen über ihre Darlehensbedingungen (Zinsfuß und Geldbeschaffunaskosten) aufgehoben werden; die Fest­setzung der Bedingungen erfolgt vielmehr jeweils von Fall zu Fall.

Stadttheater. Auf die Vorstellungen der Feier- tage sei nochmals hingewiesen, namentlich auf die Abend­vorstellung des Freitags, die in der Fliegerposse »Parkett- sitz Nr. 10" eine besonders amüsante Neuheit bringt.

** Der Ev angel. Arbeiterverein hielt am Sonn­tag tn Sterns Garten seine Weihnachtsfeier ab. Nach einem von Frida Horst gesprochenen Prolog wechselten Musik- und Gesangsvorträge, Ansprache,!, theatralische Darbietungen, De­klamationen usw. Neben den wirkungsvoll vorgctragenen Chören des Gemischten und Frauenchors des Vereins, die unter Leitung ihres Dirigenten Musiklelner Gernhardt gute Fortschritte macken, trugen das Kinderweihnachtsstück wie auch der flott gespielte Einakter zur Verschönerung des Abends bei. Die von Pfarrer Ausfeld gehaltene Festansprache fand reichen Beifall.

- ^,^ulker und Wohn lingsfürsorge D>e Wob- nungsaussicht liegt m vielen Teilen Deutschlands, besonders in breußeu noch febr im argen, während z. B. veffen d.e Wohmmgs- auiuckU schon langst emgefiihrt hat. Es ist zu begrünen daß jei't vou der ReiMsregierung ein VölmuugsstirsorgegeseNentwuri aus ncatbcuet wird, der dem Reichstag ,<ur Berat, ng mgeben wird. Wie traurig es un Normen unseres Vaterlandes mit der Wolmm.gs- urforge beitellt in, gehl daraus hervor, daß die meisten preußis den Großstädte sich um diese nrage nicht kümmern und ,m o'ielbischen Preußen Breslau die einzige Stadt ist, die die WohuungStti'korae eingest.brt hat Aber dem Vorgehen Ebarlottenburgs Ccböne- beras usw. folgen letzt auch allmählich andere Städ.e, so daß u.

U aInbQu Tc .e'e,lcn '"r Wow.ung«aussichtsbeamie werden. In Berlin ,ollen z. B acht Wohnungsinwektore/'

t^rwnrrug-c 1t, inxer bereu Jlchukk noch nichts verlautet, die '^Angelegenheit in befriedigender Weife regeln w.rd.

Belgrad, 23. Dez. (Amtlich.) Ta nach dem Stand- Mnkt der österreichisch-ungarischen Regierung, wie er in bei amtlichen Veröffentlichung zum Ausdruck kam, die Frage bezüglich der Angelegenheit der .Konsuln als eine leichte Verletzung der Grundsätze des Völkerrechts betrach­tet wurde, drückte der Ministerpräsident zugleich als Mi­nister des Aeußern, um dazu beizutragen, daß die Ange- leyenheit endgültig geregelt werde, dem österreichisch-unga­rischen Gesandten in Belgrad namens der Regierung ihr sBedauem über die Gesetzesverletzungen subalterner Mili- stärbehörden den Konsuln gegenüber aus. Er erklärte sich \%u einer Genugtuung in folgender Weise bereit: Sobald die ö st er rei chi sch--ungar i s chen Kow'uln nach Prizrend und Mitrowitza zurückgekehrt sind, wird die österreichisch- ungarische Fahne gehißt, und es werden ihnen die üblichen Shren erwiesen werden.

Die voischasiertonferenz und das Libanon-Gebiet.

London, 23. Dez.Daily Telegraph" meldet ans Konstantinopel vom 22. Dezember: Die Botschafter von Deutschland, England, Frankreich, Italien, Oesterreich und Rußland werden sich morgen auf der Pforte versammeln, um ein Protokoll über den Status des Libanongebietes zu unterzeichnen.

meines Schiftes. Dazu aßen wir Berge vvn Pfefferkuchen, die nun einmal dazb gehören, imr Weihnachtsstimmung zu erwecken

Es modüc gegen halb zwölf Uhr geworden sein, da wurde unsere fröhliche Weihnachtsfeier jäh unterbrochen.

Unten nm Wasser, an der schwächsten Stelle des Forts, dort, wo nur Stacheldrahtzäune den breiten Wegeingang per sperrten, krachte plötzlich Gewehrfeuer durch die Nacht, und ein Lärm wie Kriegsgesclzrei drang an unser Ohr.

Ein Ueberiail

Wie ein Blitz schlug es an unserer Tafelrunde ein und fegte sie leer.

Wie wir waren stürmten wir die Treppe hinab, quer durch die Blumen und Hecken des Gartens hindurch dem Strande Ku Die leuchtende Balm der Sternrateten, die kurz hintereinander zischend in die Lust stiegen, wies uns den Weg

Als wir näher kamen, zog sich das Schießen mehr nach links hinüber, dem Wasser zu, und auch die Richtung der Raketen wurde etne andere.

Dann standen wir mitten zwischen unseren Leuten, die wild erregt durcheinanderschrien und immerfort aufs Wasser schossen Doch alles, was wir noch erspähen konnten, waren ungewisse Schatten mehrerer Kanus, die auf Tod und Leben aus dem oer- rätcrifto Lichtschein der Raketen zu entkommen suchten Der -Angriff war zurückgesck>lggen.

Und mit dem Erlöschen des letzten Sternes wurde es still und dunkel um uns herum, nur keuchender Atem und blitzende taugen. **

Was war los gewesen?

Es ivar nicht möglich, den Gang der Ereignisse, die sich in wenigen Minuten abgespielt litten, von den au,geregten Schwär «en «geordnet zu erfahren. Nur eines stand fest und das zog sich wie ein roter Faden durch all ihre verschiedenartigen Äarstel lungern hnidurch: Die Ponapesen, die plötzlich von ifgendwoher aus dem Dunkel brackum, entarrten mitten int jubelnden Vor sturm hm ickneckensbleichen Bildsäulen, als weiße, zischende Sterne M>w HwiMel am sie berabne(cn und ihren besten Bundesgenossen IneJkad>t, m >tragenden Tag verwandelten. Sie blirften entsetzt nach oben, duckten sich und warfen sich schließlich platt zu Boden um dem verräterischen Lichtschein zu entgehen. Ms aber trotzdem ^Gewehrkugeln in immer bedrohlicherer Nähe um ihre Obren Pfiffen da packte sie falte Furch und in wilden Sätzen flohen fie in ine Dunkelheit zu ihren Kanus zurück

Nun ivewen wir wohl in Zukunft Ruhe haben vor der­artigen Säulen/ sagte einer von uns,es ist doch was Schönes um die Leuchtsterne

te9en in die Luft:

11 antworteten mit dem Signal, das jedem von der Marine geläufig ist und das er mc vergißt. ..Hebung ist beendet'"

Dann kehrten wn- zu unserer verlassenen Bowle zurück und sahen nockr lange friedlich beisammen, denn der Stoff ging uns an diesem ^loatb rcht, weder zum Reden, noch zum Trinken

mit vrfr.nt behalt von 5/00 Mk. und Asststenten an-

gestellt werden Da bekanntlich kein Institut zur Ausbildung von tztohnungsaulüchtSbeamten behebt, dürfte es Interessenten eimninscht sein, zu erfahren, daß der Deutsche Teck niker-Verband demnächst in rank'urt a. M. und Wetzlar die ersten Kurse über Wohnnngs- au'sicht für technisch vorgebildele Personen verannaltet. Ein solcher Kursus ist für die Teilnehmer von großem Vorteil, da sie sich durch cue Teilnahme eine geivisse Anwartschaft auf ent Amt erwerben können, zinnal bei Eimuhrung des Reichs-Wohnungssürsorgegesehes iebr viele Stellen als Wohniingsauisichtsbeamte neu geschaffen iverben müffen und wenig neeigncie Personen für derartige Stellungen vorhaiiden fein werd n. Für Abhallung des Kursus hat die Ziveigverwaltung Wetzlar des Teulschen Techniker-Verbandes den !/andeswoi'nm>gsinspeklor Gretzschel in Darmstadt gewonnen, der dilrch seine balinbrechende Tätigkeit auf dem Gebiete der WohnungSsürsorge sich im ganzen Deutschen Reiche einen guten Namen erworben bat. Nach Schluß des Kursus soll vor dem ^andesivobnungsinsi'eklor eine Prüfung abgelegt und auf Grund des Ergebniffes den Teilnehmern ein Zeugnis ausgestellt werden. Anmeldungen werden durch ben Vorsitzenden ber Zweigverwattung Wetzlar bcs D T. D., Bauassislent Leonhard, Wetzlar, entgegen­genommen. (Siebe heutige Anzeige.)

** RentableSchweinezucht. Auf dem letzten Fra n X furter Tchtveinemartt setztr ein Großgrundbesitzer aus der Pwvinz Hannover, der öfter den Frankfurter Markt befährt, 29 vollfleischige Schweine im durchschn ttlichen Gewicht von je 120 Kilogramm für 68 Psennig des Pfund Lebendgewicht ab. Er erhielt dafür demnach etwa 29 X 240 x 68= 473 280 Psg. oder rund 4700 Mark. An diesen 29 Schweinen hatte er, wie er selbst 'bekannt gab, nach Mzug sämtlicher Kosten, wie Futtermittel, Wartung, Berechirung der Stallung rund 1400 Mark ver­dient. Ta die Auszucht der Schweine nicht ganz ein Jahr aus- madjt, kann sich jeder berechnen, was der Gutsbesitzer an dieser Schweinezucht und -mast verdient hat.

Landkreis Gießen.

= Grüningen, 23. Dez. Bilder von Künstlern wie Thoma, Steinhausen, Kampf, v. Volkmann, Otto, Lehret sind gegenwärtig in unserem Rathaussaalc ausgestellt, meist sind es Steindrucke. Der Künstlerbund in Karlsruhe bat sie uns durch Vermittlung des Marrer Meisinger in Fränkisch- Crumbach zur Verfügung gestellt. Man hat damit ein gutes Werk getan, denn die Ausstellung zeigt den Leuten auf dem Lande, daß man für wenig Geld auch gute, künstlerische Bilder haben kann. Mancher Bauersmann bleibt lange stehen vor den ergreifenden religiösen Darstellimgen, den Bildern aus unserer deutschen Ge­schichte, den reizenden Landsckiaften. Tenn diese Bilder haben auch ihm gar viel zu sagen. Ein Kasten mit in- und,ausländischen Schmetterlingen hängt unter ihnen. Was er bedeutet, sagt die Neberschrift:Wie die Natur malen fann,/. Es wäre zu wünschen, daß diese Ausstellung iroch viele Gemeinden erfreut und überall den Sinn für das Edle und Schöne in der Kunst weckt.

= Großen-Linden, 23. Dez. Von Herrn Fernie, London, deni früheren Besitzer des Braunsteiubergwerks bei'Gießen, wurden dem ev. Psarramtc Großen-Linden durch Herrn Aug. Pascoe, Dutenhofen, für die Kleinkinder schulen zu Großen-Linden und Klein-Linden sowie für Berg­mannswitwen und Bedürftige in beiden Orten die Summe von 550 Mark überwiesen, die als Weihnachtsgaben zum Feste verteilt werden sollen. Es ist gewiß eine Seltenheit, daß ein Industrieller, der seinen Besitz verkauft hat, noch so viele Jahre nach dem Verkaufe und nach seinem Fortzuge der Wohltätigkeits­anstalten und armen Angehörigen von Bergleuten so warmherzig gedenkt, wie das durch Herrn F. nun schon alle die Jahre hin­durch geschieht.

Starkenburq und Rheinhessen.

= Darmstadt, 23. Dez. Nach dem Muster der Vogel sch utzstation des Freiherrn von Berlepsch zu Schloßgut Seebach ist auf Veranlassung des Grvßherzogs auch hier eine solche Station gegründet worden. Von Zeit zu Zeit finden viertägige Vogel schntzkurse mit theore­tischen und praktischen Unterweisungen statt In den letzten Tagen, vom 16.19. d. Mts., wurde ein derartiger Kurs abgehalten, an dem sich 20 Herren aus vielen Teilen des Landes und ein königlich sächsischer Oberförster beteiligten.

Hessen-Nassau.

= Rodheim a. d. 23., 23. Dez Veranlaßt durch den Fall Borngässer und seine Folgen hatte der hiesige Verkehrs- Verein auf gestern nachmittag eine Versammlung einberufen, in der Rechtsanwalt Schneider- Gießen über Wechsel-- recht seine Härten und Strenge, über Wechselprozeß und die Gefahren des Wechselverkehrs sprach. Die Zahl der Erschienenen, 400500 Personen, die im Benderschen Saale nicht alle Platz fanden, bewies, welches Interesse man dem Thema entgegen­brachte. Rechtsanwalt Schneider verstand, in leicht verständlicher Weise, veranschaulicht durch Beispiele, sich seiner Ausgabe zu entledigen. Die sich an den Vortrag anschließende umfangreiche Aussprache ließ erkennen, daß die Mahnungen und Warnungen des Redners eingeschlagen hatten. Der Fall Borngässer zieht immer weitere Kreise, und immer mehr melden sich Leute, die den Betrügereien des Leopold Borngässer zum Opfer ge­fallen sind. Geradezu empörend ist es, wenn man hört, wie Borngässer meist geringe Leute hereingelegt hat. Leuten, die ihm zum Teil ganz bedeutende Summen schuldeten, verstand er unter der Vorspiegelung, das; Wechsel über die ganze Schuld­summe nicht angenommen würden, und er mehrere Wechsel über Teilbeträge der Schuldsumme aufstellen wolle, oder dadurch, daß er ben einen oder anderen Wechsel verschrieben zu haben vorgab eine Unmenge von Blankoakzepten abzuschwindeln, die nunmehr zum Teil mit ganz bedeutenden Wechselsummen zum Vorschein kommen. Einem Bergmann in Bieber, der Borngässer etwa 400 Mk. schuldete und zur Tilgung der Schuld nach und nach 12 Blankoakzepte (!) gab, wurden dieser Tage Weck)sel im Gesamt­beträge von über 6000 Mk. vorgezeiqt Aehnlich ist es vielen anderen Leuten ergangen, die zum Teil ihr ganzes Vermögen verlieren werden. Borngässer soll nicht flüchtig sein, sondern sich in Frankfurt aufhalten, weil er die Lynchjustiz seiner Opfer fürchtet. (

w Hanau, 23. Dez. In der verflostenen Nacht wurde in der Goldwarenfabrik Weißhaupt Söhne in Hanau ein Einbruch verübt. Aus einem dort stehenden Muster­äffer eines Pforzheimer Reisenden wurden Goldwaren im Werte von 30000 Mark entwendet.

Amtlicher Wetterbericht.

Wetteraussichten in Hessen für "l'iiuivoch, den 25. Dez. 1912: Wollig, meist trocken, Temperatur etwas sinkend, Nachtfrost, west­liche Winde.

Letzte r7c,ctDrict^ten.

Ter franzöfisch.spanische Marokkovertrag.

Madrid, 24. Dez. Ter Senat bat den zwischen Frank« reich und Spanien abgeschlossenen Marvkwvertrag genehmigt.

Menterei bei ber Polizei.

Rio d e Janeiro, 24. Dez. In Manavs (Amazonas) ist bei der Polizei eine M e uterei ausgebvochar. Der Gon- erneut ist geflüchtet.

Bekanntmachung.

Betr.: Beurlaubung des Assistenzveterinärarztes Dr. Schaveickert und des Kreisveterinärarztes Dr. Knell in Gießen.

Großherzogliches Ministerium des Innern hat dem Gwßh Kreisveterinärarzt Dr. Knell einen Urlaub vom 21. bis 28. De­zember 1912 und dem Großh. Assistenzveterinärarzt Dr. Schweickert einen Urlaub vom 31. lfd. Mts. bis 4. Januar 1913 bewilligt und die gegenseitige Vertretung beider genehmigt.

Gießen, dcm 24. Dezember 1912.

Großherzoalichcs Kreisamt Gießeu.

Dr. Usinger.