Ausgabe 
24.12.1912 Erstes Blatt
 
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Erstes Blatt

162. Jahrgang

Die heutige Nummer umfaßt 12 Seiten.

Nr. 503

Ter Gießener Anzeiger erschein! laglirfi, außer SonnlaqS. - Beilagen: viermal mödtenilidi Giehener^amiliendlStter, mal ivorbcntl.Kteis: blatt fär den Breis Gießen (Tieiislna unö Jyrci hin); zweimal nionntl Land- wirtschaftliche Seitfragen rtentfpifd) - Anschlüsse: für die Redaktion 112, Verlag Erpedinon 51 Adtesie für Tepefd)cn:

Anzeiger «iesten.

erhalten, Rclognoszicrungen unternommen. Sic traf zwi­schen T e nedos mtb I m b rvs auf eine Division von sechs feindlichen Torpedobootszerstorern, gegen welche sie das Feuer eröffnete. Die Torpedobootszerstörer wurden in die Flucht geschlagen, ebenso ein feindliches Unterseeboot. Sodann näherte sich die ottomanische Flotte T e n e d o s und richtete ihr Feuer gegen die griechischen Po­sitionen. Auch mit der zweiten feindlichen Flotte entspann sich auf eine Entfernung von 14 000 Yards ein Feuerg efecht. Unsere Flotte verhinderte die Annäherung der feindlichen Flotte Da es bereits zu spät war, kehrte sie ihne irgend einen Schaden um. Wegen der großen Entfernung war der dem F-eindc zugefügtc Schaden nicht fcstzustellen. Der Zweck der Rekognoszierung ist vollkommen erreicht worden.

Ein Lieg der Griechen?

Athen, 23. Dez. Nach hier eingetroffenen Nach­richten aus Koriga sind die Türken im Engpaß von Transgoni geschlagen worden und in Unordnung ge­flohen. Die Griechen verfolgten sie mehrere Kilometer südlich auf der Straße nach Janina; sie erbeuteten drei Geschütze.

Lieg der Türken bei Lkutari.

Nach einer Meldung der WienerReichspost" aus Cat­taro habendieTürkenvorSlutaridieMonte- negriner erheblich zurückgedrängt. Unter den Montenegrinern ist D i s z i p l i n l os i g k e i t einge­rissen. Die Serben haben vor Skutari durch türkische Ausfälle starke Verluste erlitten. 3 00 Serben ge­rieten beim Rückzug in die Sümpfe des Trin und wurden von den Türken gefangen genommen. Eine serbische Pro­viantkolonne wurde von den Albanesen bei Ura Weseritz genommen und die Begleitmannschaft gelötet. Tie Stadt Clbasson wurde den Serben von 'den Türken wieder ent­rissen. Die Serben mußten sich nach Osten zurückziehen.

Ter Streit um Saloniki.

In Wiener diplomatischen Kreisen mißt man dem Ab­marsch der Bulgaren aus Saloniki sympathische Bedeutung bei. Zwischen König Ferdinand und König Georg dürfte eine Einigung über die Hauptpunkte wäh­rend des Saloniker Besuches König Ferdinands erzielt wor­den sein. Bulgarien könnte bei Fortsetzung des Krieges die griechische Kronprinzen-Armee vor Tschataldscha zur Verstärkung gut gebrauchen. Nur durch die griechische Weigerung, die Verproviantierung Adrianopels zuzulassen, habe die Pforte diese Forderung, die Bulgarien anfänglich bewrlligen wollte, fallen lassen. Bulgarien dürfte nach alle­dem noch weniger nachgiebig in der Frage des Besitzes von Saloniki sein.

Der albanische Thron

Wien, 23. Dez. Nach einem Telegramm der Korre­spondenz Wilhelm aus Nom notifizierte Prinz Achmed Fuad offiziell seine Kandidatur am den Thron Albaniens der italienischen Regierung gegenüber.

Ter Fall Prohaska.

Nach Mitteilung von zuständiger Seite aus Wien hat der österreichisch-ungarische Gesandte in Belgrad v. U g r o n dem serbischen Ministerpräsidenten P a s i t s ch, als 'd cfetf am Samstag das Bedauern der serbischen Regierung wegen der militärischen Uebergrisfe gegen den Konsul Pro­haska aussprach, mit den G e n u g t u u n g s f o r d c r u n - gen Oesterreich-Ungarns bekannt gemacht. Mack erwartet, daß die serbische Regierung durch Erfü lung dieser

Die &o<fcbnff des Meihriachtsfeftes.

Und Fr ich e auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen! So heißt es in der Verkündung, die von den Kanzeln verlesen wird, solange ein Weihnachtsfest gefeiert wird. Aber wie selten hat, wenn die verheißungs­volle Botschaft erging, Friede auf Erden geherrscht auch nur unter den Völkern, die sich zu diesem Evangelium be­kennen. Als wir im vergangenen Jahre Weihnachten, feier ten, stand dies Friedens fest im Zeick>en des Krieges zwisclwn Italien und der Türkei, und jetzt tönt in die Klänge des feierlichen Liedes, dasEhre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden" verkündet, der Donner der türkischen und der griechischen Schiffskanonen hinein, der hoffentlich schon den Ausklang des blumigen Krieges zwischen Kreuz und Halbmond _ bedeutet Wahrlich, ein unerfreuliches Lchaujpiel dieser Krieg, der unter Mißbrauch des Namens deuen geführt wird, der die Liebe nicht nur gegen beit Nächsten, sondern sogar gegen die Feinde gepredigt hat.

Und doch, dasFriede auf Erden" scheint auch in diesem Falle keine leere Verheißung zu sein. Sprechen doch alle Anzeichen dafür, daß dieser Krieg, der unseren alten Erd­teil so lange Zeit in bänglicher Spannung gehalten hat, wirklich seinem Ende entgegengeht, daß das Provisorium des Waffenstillstandes in absehbarer Zeit dem Definitivnm des Friedens Platz machen wird. Und wenn auch bisher die in London tagende Friedenskonferenz das Wort Friede aus Erden noch nicht wahrzumachen vermochte, so Hal doch die gleichzeitig mit ihr tagendeReunion" der Botschafter den schwierigsten Teil des Ballanproblems wenigstens grundsätzlich soweit gelöst, daß die |o lange gehegte Besorg­nis vor dem Aufeinanderprallen der großen europäischen Mächte, vor dem Kriege Aller gegen Alle als beseitigt gellen kann, mag auch noch einige Zeit vergehen, bis sich die erregten Wogen beruhigen, bis wenigstens für unseren europäischen Erdteil das Wort Friede auf Erden wieder volle Geltung haben wird, mag auch dieser Friede nach wie vor ein ungemütlicher, ein bewaffneter Friede fein!

Ta'? Wort dieWaffen nieder" wird eben auf abseh- bare Zeit ein frommer Wunsch bleiben, und den Znstaiic> des . ewigen Friedens" wird keine Friedenskonferenz ver­wirklichen, ob sie nun in London oder im .Haag tagt. Der dvifle Friede wird nach menschlichem Ermessen immer ein Traum bleiben und manche meinen nicht einmal ein schöner Traum, denn Mensch fein heißt Kämpfer fein. Mit dem ewigen Frieden geht es uns wie mit der vollen Glückseligkeit.

Beides sind Ideale, nach denen wir streben, die wir aber das ist das Wesen des Ideals, und das ist vielleicht sehr wohltätig für uns, denn nicht,im Erreichen, sondern im Erstreben, im Erarbeiten liegt die höchste Befriedigung, liegt die stärkste Betätigung unserer Kraft, unseres Wesens niemals erreichen werden, weil Menschcnwerk Stückwerk bleibt. Und dürfen wir uns über die Schwierigkeit für die verschiedenen Nationen, sich schiedlich.friedlich zu verstän­digen, wundern, so lange sogar im Leben eines und des­selben Volkes die gegensätzlichen Interessen die gemein­samen überwiegen, so lange im politischen wie im wirt­schaftlichen Leben der Kriegsruf die Friedenslosung über­tönt und die beherzigenswerte Mahnung mißachtet wird: nicht mitzuhassen, mitzulieben bin ich da!

Dienstag, 24. Dezember 19(2

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Chefredakteur:?! Goetz. Verantwortlich für den

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Wer immer strebend sich bemüht, den können wir er lösen! Aber so lange wir streben, ist unser Leben ein Kampf, ein Kampf um Wifi en und Erkenntnis, um Beruf und Brot und nicht zuletzt um die Durchsetzung tw.seu, was wir als richtig erkannt haben. Diese Kämpfe können uns nicht erspart bleiben. Aber wohl darf man dem Wunsche Aus- ^ruck geben, daß sie von allen Seiten im Geiste größerer - " öhulichkeit geführt werden, daß wir uns bemühen, über u.. . reu eigenen Interessen, die zu verfechten unser gutes :Reck)t ist, nicht die der Allgemeinheit zu vergessen.

Wohl mag diese Mahnung bei den meisten Menschen auf steinigen Boden fallen, aber vielleicht sind gerade heute doch manche geneigt, sie wenigstens mit größerem Verständ­nis anzuhören. Heute am Weichiachtsseste, in dem sich die Sehnsucht nach Liebe, Versöhnlichkeit und Frieden am stark ften ausprägt, diesem Fest, an dem wir uns bemühen, einmal mehr der anderen als unseres eignen lieben Jchs zu gedenken. Und wenn heute auch noch lange nicht erfüllt ist, was Christus vor mehr als neunzehn Jahrhunderten lehrte, Christus vor mehr als neunzehn Jahrhunderten lehrte, daß alle Menschen in gleicher Weise dazu bestimmt seien, in Ein­tracht und Frieden an der Vervollkommnung unseres Da feinst unsrer Existenzbedingungen wie unseres Geisteslebens, zu arbeiten, so zeigt doch 'der' Weg, den die Menschheit in i:fer kurzen Spanne Zeit zurückgelegt hat, daß die Richtung des Weges, mag auch mancher und manche Zeit vom Wege abirren, aufwärts, dem Fortschritt zugewendet ist. Und gerade das Weihnachtsfest, dieses Fest des Lichtes und der Hoffnung, deren Symbol uns der immergrüne Tannenbaum mit Irin en leuchtenden und wärmenden Kerzen ist, soll uns eine Mahnung bedeuten, in den Kämpfen der Gegenwart nicht zu verzagen, sondern voll unsere Pflicht zu tun, jeder nach seinen Kräften. Dann wird früher oder später doch unserer rauhen Zeit der Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen beschieden sein!

Der Krieg und die Londoner Konferenzen.

Zwischen der Türkei und Griechenland wird zu Wasser und zu Lande weitergekämpft. Die türkische Flotte hat es zu Großtaten noch nicht gebracht, sondern nur neuerdings wieder Erkundungsfahrten unternommen, wobei auch wieder Schüsse gewechselt worden sind. Auch um Tamina wird weitergekämpft. ychch den letzten Meldungen sollen die Türken ihre besten Erfolge bei Skutari, im Kampf gegen Montenegriner und Serben, erfochten haben. 300 Serben sollen sogar in Gefangenschaft geraten sein.

Wir erhalten folgende Meldungen: r

Der Seekrieg.

Das BerlinerTageblatt" meldet aus Konstanti­nopel: Der KreuzerMedschidje" lief am Sonntag morgen mit sechs Torpedobooten zu einer Ertu n - dungsßahrt aus. Er traf in der Nähe der Eselsinseln zwischen Tenedos und den Dardanellen einen griechi - s ch e n Torpedojäger, vier Torpedoboote sowie ein Unterseeboot, die sich darauf auf Tenedos zurück- zogeu. Die Türken verfolgten und beschossen die griechischen Schiffe, bis von Tenedos her der Averow" und andere griechische Schiffe erschienen. Tie türkischen Schiffe lehrten dann, von Zeit zu Zeit feuernd, nach den Dardanellen zurück.

Ein amtliches Telegramm des türkischen Flottenkom­mandanten vom 22. d. M. besagt: Tie ottomanische Flotte hat, um sichere Nachrichten über die feindliche Flotte zu

3n öcr Weihnacht 19J0 auf Ponape.

Am IS. Oktober 1910 waren auf Pmape der Bezirksamtmann Boeder, sein Sekretär Brautmann und swei Aufseher ermirdet worden. Anfang Dezember kam der PvstdainpscrGermania", welcher den Hilieruf der Kolonie nach Simpsonhafen übermittelt batte, zurück, er brachste den Regiernngsral Oßwald, den Volizei- meisler Zahn und 170 Polizeisoldnten als verstärkte Besatzung, mittels bereit sich die Kolonie gegen bte überlegenen Aufständischen halten konnte, bis einige Tage vor Weilmacksten der KreuzerEor- mor.in" ein traf, um den Kampf mit den Rebellen aufzunehmen. Leutnant v. Spiegel erhielt das Kommando über die gesamte Polizeitruppe und dasFort" von Ponape, das von den in den ftck t'iüiten versteckten und verschanzten Feinden durch Ueber- fälle, insbesondere des Nachts, unausgesetzt bedroht wurde^ Tas Buch ,,>rriegsbüder ans Ponape", von Edgar Freiherr S.p i e- g c l v. und zu P e ck e l s heim (Union Deutsche Verlagsanstalt), entfalt die Geschichte des Aufstandes und seiner Niederkämpfung; nachstehend folgt daraus ein interessantes Kapitel:

Was wollen wir heute abend unternehmen?" So fragte ich Jahn am Spätttachmittage desselben Tages, als wir gemütlich plaudernd unter den schattigen Brotfruchtbäumen vor der Kaserne auf und ab gingen.

Ich blieb stehen und sah ihm voll ins Gesicht.

?cr heutige Abend bietet uns besonders günstige Gelegen­heit, die müssen wir ausnützen. Meinen Sie nicht auch?" Und Jahn verstand mich, wie stets.

Mit wieviel Mann wollen wir gehen?" fragte er, und spielte vielsagend mit seiner Marmvfeife, auf deren Pfiff die Schwarzen aus den Kasernen stürzen nnirden.

,^Jch (denke, vierzig Mann genügen, wenn sie zuverlässig sind." Und wohin?" jragte Jahn.

Unten an den Kanal, wohin sonst?" antwortete ich,ent­weder diesseits, oder drüben hin auf Dschokadsch."

Auf Dfch-okadsch?"

9hln, wir werden feljen. Bitte, pfeifen Sie die Leute heraus und suchen Sie Freiwillige aus; außerdem gehen natürlich die Spitzköpfe mit."

Ms kurze Zeit darauf die Dorden uits umringten, und aus der Masse einzelne herausgegriffen wurden, da entstand ein solch ehrgeiziges Dingen und Bitten, zu den Auserwählten zu ge­hören, daß wir unsere Helle Freude daran hatten.

,,3hr anderen kommt das nächste Mal mit," beruhigte ich die vielen Enttäuschten. Damit gaben fie sich zufrieden.

Nach wenigen Minuten war unser Häuflein fertig zum ?lb- marfch. Kammerich. der die Kolonie bewachen mußte, schickte einen Ausguckposten auf die Spitze des Signalmastes, von wo der Emgang des Kanals zu übersehen war.

Gerade als wir durch die kleine Pforte bei der Mission ins

Freie scklick>en, begannen die Kirchenglocken über uns bic Weihnachtsmesse einzuläuten.

Ernst und feierlich brausten die schwiirgenden Glockentöne durch die stille Abendlust, schivebend davongetragen in reinem metal­lischen Klang, und würben leise zitternd surii^geworfen, wenn sie trüben am stecken geisenturnraupral.ten.Friede auf Erden" fangen die Glocken, Fi iebene sehnsuckst atmete durch bic Natur, zog durch die niederen Pforten in die Hütten ein und begehrte Einlaß in die Herzen der Menschen.

Tie Soime war schon versunken hinter den hügeligen Berg­ketten im Westen und spannte für lange Zeit ein so feuriges Abend­rot über den ganzen vimmel aus, als fiele es ihr schwer, sich von dem Zauber der dämmerig bercirtbreet«mben Weihnacht auf der fernen Erde zu trennen.

Unb ob auch meine Augen mit innerstem Entzücken jedwede Plwfe dieser lerrlick^en Abendstimmung tranken, und meine Hand bas scharfgeladene Gewehr umschloß, der mahnende Zweiklang der Weihnach-tsglocken, der immer um uns war, hatte meine Ge­danken weit weg in friedlich heimatliche Zonen entführt, und hatte mich für kurze Zeit vergessen lassen, daß ich unterwegs war, um nötigenfalls zu fechten und zu brennen.

Nick t ohne Grund hatten wir die Christnacht auserwählt, um unseren crllen, Handstreich am Kanal zu machen, wußten wir doch genau, d- der Feind uns heute sicher nicht erwartete, sondern uns m fröhlicher Weihnachtsstimmung wähnte.

Und es galt, die Befestigungen auf Tschokadfch, am Osteingang des Kanals, die den Anmarsch von der Kolonie her beherrschten, auszukundschasten und, wenn möglich, zu zerstören.

Lautlos pirschten wir hintereinander her, jeder ängstlich be­müht, die losen Steine auf dem Pfad nicht ins Rollen zu'bringen und leinen Zweig zu knicken, der mit lautem Knacken.unsere Nähe hätte verraten können. Dann kletterten wir vorsichtig über das Gewirr gefallener Baumstämme in dem Mangrovensumpf vorwärts, bis wir dickt vor uns die freie Fläche des Kanals und ienseits das fett' ge Unterland von Dschokadsch sahen. Im letzten Lichtschimmer des Tages zählten wir die Mauern drüben, die stark und trotzig aus dem satten Blättergrün herausragten. Auch da wieder waren Häuser durch Einbau von Steinmauern zu kleinen Festungen ge­worden.

Alles schien einsam und verlassen.

Da rauschte das Wasser neben mst leise und Rambirrs dunkle Gestalt beugte sich zu mir herab.

Master," flüsterten ferne Lippen,die Kanälen sind nicht da, alles leer," und er deutete mit der Hand nach der anderem Seite.Rambirr will mit den andern hinübergehen und die Hütten und Mauern zerstören."

Ich beriet leise mit Jahn, dann mußten die Spitzköpfe ihre Koppel abschnallen, damit die vielen Patronen im Falle einer

Gelangennahme nicht ui Feindeshand sielen, dmo Buschmesser in die eine, das Gewehr mit fünf Patronen int Magazin in die andere Hand nehmen und vorsichtig einer nach dem andern in die dunkle Flut steigen. Es war die Zeit der Ebbe-, und das Waßer im Kanal nur wenige Fuß tief.

£ange Zeit hörten wir nichts als leises Plam'chen

Da Uapperte drüben ein Stein unb fiel mit dumpfem Plumpsen ins Waßer; und^wie auf Signal sauste jetzt ein ununterbrod/?ncr -Vagel «chwerer steine dem ersten nach Tas Wasfer schäumte und gurgelte. Es waren die Randbefestigungen, weldje die Schwar­zen vernichteten.

Unheimlich unterbrach der weithin hörbare Lärm die tiefe Stille der Nackst, um so unheimlicher, weil er uns Zurückge­bliebene auf,erstände setzte, irgendein anderes Gerauich zu hören intb jjeim Heranzug von Gefahr die eigenen Leute zurückzurufen.

Xod; plötzlich hörte das Poltern auf unb leise Zurufe unb Antworten drangen an unser Ohr.

2ann trüben ein hastiges Auseinanderlaufen, daß die trockenen Zweige macklen, und plötzlich flammten In er und da kleine gelbe Lick ter aur, wie Glühwürmchen flackernd und tanzend, wuchsen mit Gedankenschnelle und waren im Nu zu großen, gierigen 6lammen gewoiben, die fauch md und sprühend an den ausge­dorrten Brnsendächern der Häuser emporkletterten.

Gleichzeitig ertönte der gellende Kommandoruf Rambirrs' All taget her av back! Alles zurück!" und mit juchendem ^reudengeheul sprangen die schneidigen Burschen, vom flackernden Feuerschein magisch beleuchtet, durch das Hock-aufsprihmoe Wasser aur uns zu.

Kaum war der letzte Mann bei uns, da hallte als Echo des trunkenen Freudengeschreies der Schwarzen ein bunbcrtfHmnugcs Wutgeheul von den hohen Felsenklippen zurück, Fackeln blitzten aut unb verschwanden wieder, Felsbrocken polterten oonnernd zu Tal der ganze stille Berg schien plötzlich lebendig gcnwtbcn zu unn. Öier und da fiel ein Schuß, blindlings dranflosgefeuert in die schwarze Tiefe.

Wir aber kehrten dem erwachenden Unhold lachend unseren Rücken zu und^ krochen eilends zurück in das schürende Tunket des Weges. Im Vorbeigehen wurden alle Mauern, die wir fanden, geschleift, und noch einmal flammte ein Zündholz am und leckte gierig mit seiner Flamme an dem spröden Strobdach der alten, zerfallenen Hütte.

Bald strahlte die Veranda im Lichte vieler Kerzen, die Kam mertch während unserer Abwesenheit geschickt in den Blüten ästen unb grünen Zweigen angebracht hatte, mit denen Emisso das ganze Haus wethnachtlich geschmückt hatte.

den festlich erleuchteten Tisch versammelten sich nach und nach dle Europäer der Kolonie zu einer Dvppelriesenmammuts- bowle, einer Liebesgabe des Kommandanten und der Offiziere