Ausgabe 
30.10.1912 Erstes Blatt
 
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hat, und das gibt seinem bedauerlichen Weggang eine gewisse tragische Note. Kurt Küchler.

Gießener Stadttheater. Heimat. Fräulein Riza B a j o r vom Teutschen Theater in Berlin, die sich am vergangenen Freitag als Medea einen so starken und ehrlichen Ersolg errungen hat, stellte sich gestern abend in einer neuzeit­lichen Salonrolle vor, als Magda in Sudermanns Heimat «Buch­ausgabe bei I. G. Cotta». Tie Künstlerin hatte ihre Tarltellung von vornherein aus den scharsen Zusammenstoß der beiden Welt­anschauungen eingerichtet, der den dramatischen Kern des Werkes bildet, und schuf so eine Magda, die zwar nur wenig Hoheits­volles an sich hatte, dafür aber umsomehr Temperament ent­wickelte, aus dem dann rein und groß die Liebe zu ihrem Slinbe herauswuchs. Famos gelang es ihr auch, nach einem fein her- ausgearbeitelen erregten Taiten, die sichere Ueberlegenheit über ihre Umgebung und die Aussprache mit dem Regierungsral Meller. Die einen großen Eindruck machte. Auch die übrige Darstellung, Die von Herrn Tworkowski mustergültig geleitet wurde, stand out einer erfreulichen Höhe. Herr Kl lewer war ein biederer Lberstlentnanl, Fräulein Brehm eine rührend treuherzige Auguste und Fräulein Dagny eine allerliebste Marie. Fräu­lein Scholz spielte nicht ganz ohne Uebertreibung die bewegte Tante Franziska sehr wirkungsvoll. Ein netter kleiner Leutnant war Herr Jensen. Herr Tworkowski gab dem Pfarrer Hefsterdingk nicht die überragende Güte, die diesen Mann au^zeichnet und ging auch im dritten Aufzuge sehr unglücklich ab. Herr Brüdiam, durch eine forzierte Sprache häufig unver­ständlich, hatte sich im Ton entschieden vergriffen. Der Re- gierungsrat ist doch wohl kaum als Geck anzufprechen, wie der Amtevorsteher Wehrhahn etwa. Er ist ein Mann mit guten Absichten, etwas Streber, und durch die Mleinstadtverhältnisse eingeengt. Ein fesches Tienstmädchen war Fräulein Elly T h a l e. Von den übrigen Darstellern sind noch die Herren Gerhardt (Professor» und V o l ck (General) zu erwähnen.

WeingartnersLustigeOuvertüre sand bei ihrer Uraufführung im ersten G ü r z e n i ch k o n z e r t in Köln, wie uns von dort geschrieben wird, einen stürmischen Erfolg, der zum Teil freilich auch der Person des selbstdirigierenden Kompo­nisten galt, dem man ja gerade heute gerne seine Sympathien äußert. Es ist ein geiälliges, schön und elegant gearbeitetes Werk, mehr graziös eigentlich als humorvoll, es sehlt auch wieder ein hübscher Walzer nicht, der freilich keineswegs ursprünglich ist, obschon er diesmal nicht Slraußisch klingt. Thematische Ursprüng­lichkeit ist überhaupt nicht die Stärke der Ouvertüre, doch Un­mittelbarkeit und Unterhaltsamknt, was für die Verbreitung nich­tiger ist.

an der Spitze oder unter der Leitung Rußlands verwirk- l icht werden Uedcrnäbmc Rußland die Leitung, so würde > auch Rumänien in den Bund eintreten. In diesen bei- 1 den Lösungen wäre die Balkanhalbinscl als politische und ' nationalökonomischc Einheit eine derartige militärische Kraft geworden, daß sie die serbischen und die rumänischen ( Millionen aus Oesterreich-Ungarn an sich gezogen hatte. Tic dritte Form einer Lösung der Balkansrage ist eine Balkanföderation mit Oesterreich-Ungarn an der 2 p i tze. Nachdem durch die provisorische Lösung der ser­bischen Frage vor vier Jahren 5 Millionen Scrbo Kroaten unter das Azepter der Habsburger gekommen sind, könnte die Habsburger Dynastie aus ihren serbo-kroatischen Län­dern, also aus Bosnien, der Herzegowina, Dalmatien, Kroatien, Slawonien einen nativ n a l e n autono­men serbisch-kroatischen Staat mit einer nationalen Regierung und nationalem Par lamentim Rahmender ö st erreich- ungarisches Monarchie schaffen. Sobald das geschehen möchte, wäre Serbien und Montenegro wohl sofort bereit, mit Oesterreich-Ungarn einen Zollverein und eine Mili­tär k o n v c n t i o n zu schließen. Ja, noch mehr. In einem solchen Falle fände auch der bulgarische Staat seine Rechnung, in ähnliche Beziehungen zur österreich-un­garischen Monarchie zu treten, und dann wäre die Balkan öderation unter Oesterreich-Ungarns Führung fertig. Die Habsburger Monarchie würde den größten politischen und nationalökonomischen Einfluß auf der ganzen Balkanhalb­insel ausüben. Und das verbündete Deutsche Reich wäre mit solcher Regelung sicher nur zufrieden. Schein­bar nur eine Behandlung des serbischen Problems wäre diese Regelung in Wahrheit die Losung aller Balkanschwie- rigkciten und wahrscheinlich auch die Losung der ganzen großen orientalischen Frage.

wiener Stimmen.

Wien, 29. Olt. Im Abgeordnetenhaus er­klärte bei der Fortsetzung der ersten Lesung zum Staats Voranschlag Ministerpräsident Stuergkh in Beantwor­tung, der an ihn gerichteten Anfragen über die kriegeri­schen Ereignisse aus der Balkanhalbinsel und deren Rück­wirkung auf die allgemeine interitationalc Lage:

Angesichts der durch die Eröffnung der Feindseligkeiten ge- schaffenen Situation wird die Leitung unserer auswärtigen Ange legen Heiken im engen Verein mit unseren Verbündeten und im steten Einvernehmen mit allen übrigen Mächten bemüht [ein, tm geeigneten Zeitpunkt bei der baldigen Beilegung des Konflikts mitzuwirlen. (Beifall.) Die Ergebnisse des bisher gepflogenen Gedankenaustausches bered)tigcn zu der HosMANg, daß diese Bemühungen von Ersolg begleitet sein werden und datz es gelingen wird, der Monarchie die Segnungen des Frie­dens auch fernerhin zu erhalten Bezüglich der in der Inter­pellation Pernerstorfer und Genossen vorgebrachten weitgehenden Wünsche, betreffend die Einflußnahme au, die Regierung wegen Erhaltung des Friedens in jedem Fall kann ich be­tonen, daß unser auswärtiges Amt g e w i ß k e i n e r l e i a g g r e f- s i v e Z i e l e v e r s o l g t. Ich muß jedoch beirügen diese Be­merkung ist natürlich ganz allgemein ohne Rücksicht auf die gc

, gebene Situation daß das Prinzip der Erhaltung Des Friedens in jedem Falle und um jeden Preis nicht die Grundlage der Politik einer wenn auch von noch so friedlichen Intentionen begleitet en , doch legitimer Weise aus den Schuß der berech­tigten Interessen bedachten europäischen Grow

i macht bilden kann. Was die Gerüchte über angebliche Mobilisiernngsmaßnahmen des Inlandes betrnft, so

Rücfblirf aus die Volldchr-Auzslcllung.

Man schreibt uns:

Ter bekannte Maler Ernst Vollbehr, der sich die künstlerische Erschließung unserer Kolonien zur Ausgabe gestellt hat, hat nun NAcki in Hessen ausgestellt allerdings nur in unserer Üniversitats- nabt Gießen, leider nicht in Darmstabt, wo grosseres Publikum «wesen wäre. Tort ist es gescheitert an ber Ausstellung ,,-ter Mensch" und an berBracht Ausstellung". Herr Vollbehr hat Gieße,i gewählt, da er bekannt ist mit dem Hauptmann Rausch Kamerun Tie Gesellschaft für Erd und Völkerkunde sowie die beiden Kolonial-Frauenvereme haben es freudig übernommen, öie Ausstellung hier ins Werk zu setzen. Trotzdem die räumlichen BerhaUnisie ungünstig gewesen find, so daß bte Ausstellung in sivei Lokalen stattfinden mußte, kann von einem vollen Ersolge gesprochen werben denn rund 7500 Personen einschließlich £(Dulen haben sie besucht. Infolgedessen ist die Kenntnis der Verhältnisse unserer Kolonien in die weitesten Kreise Giegens c brungeu. Rur dieser hier ausgestellte Teil Vollbehrscher Bilder lat schon genügt, den Beschauern zur Kenntnis zu bringen, »>as Vollbehr alles geschaiseu bat. Das mühevoll gesammelte, tderaus wertvolle, zum Teil einzigartige ethnographische Material r-rrät neben den lebensvollen Landschaften und Porträts, das; Herr Vollbehr nicht nur Maler, sondern auch ernster ^animier unb Forscher ist. Vollbehr bat als echte Künstlernatur unter Opferung persönlicher Mittel nur dafür gearbeitet dem deutschen Volk feine Kolonien künstlerisch zu erschließen. Sehr interessant räre es nun zu erfahren, welchen Eindruck die Sammlung aus die Kinder gemacht hat und wie fick das Gesehene in den Kopsen ^ungdeutschiands widerspiegelt. In einigen Schulen wurden B reits derartige Auisatzthemata gestellt und es 'st sehr^zu be­dauern daß die Presse keinen Raum bat, um typische Schuler IMungcii zu veröffentlichen. Herr Vollbehr reut beute ab um i» München und in Berlin die Ausstellung in größerem Maßstäbe xit wiederholen Möchten ihm dort im großen die Erfolge winken, bie ihm aus Rücksicht auf unsere beschränkten Räume hier nur Ä am Teil beschieden waren. Wir sind, sicher, datz ihm dort, wo oillc* was er geleistet bat, in künstlerisch vollendeter Weite cuusgestellt werden wird, Erfolge beschteden sein werden, rote hier in kleinem Raume. *

Hagcmann amtsmüde.

Sur Direktionskrise im Hamburger Deut­schen Schauspielhaus wird uns aus Hamburg geschrieben: mn Hamburger Kreisen, die dem Theater nahe stehen, war es fcion lange kein Geheimnis.mehr daß Tr Karl yagemann ber rft vor rund zwei Jahren bte künstlerische pu.hrung des deutschen Schauspielhauses übernahm, mit der geschastlichen Leitung des Theaters nicht in liebereinitimmung lebte. Und wenn auch Hage­

mann jetzt der Oefsentlichkeit mitgeteilt bat, daß er nicht den Wunsch habe, seinen Vertrag mit dem Pächter und den So,velaren des Schauspielhauses, der noch bis zum 1. Juni 1913 läuft, zu ver­längern so darf man doch feststcllen, daß aus beiden netten der Wunsch einer Trennung vorlag. Es kann nicht geleugnet werden daß unter Hagernanns Leitung das Schauspielhaus an Publikum verloren hat, daß er es weniger wie sein Vorgänger Baron Berger verstanden hat, das große Publikum mit feinem Theater innig zu verketten. Tie daraus hervorspringende <sorgc um das geschäftliche Wohl des Instituts mag den Boden tut eine Mißstimmung vorbereitet haben. Meinungsverschiedenheiten in künstlerischen und persönlichen Dingen, deren letzter Grund nicht zum wenigsten in der für einen Theaterleiter von Lelbstandig- feit wenig erfreulichen Tatsache zu finden i,t. daß einige Haupt sozietäre der Gesellschaft zugleich als Schauspieler in ersten Posi­tionen am Schauspielhaus tätig sind, werden die Entfremdung verstärkt haben. Nun wäre cs im höchsten Matze ungerecht, wollte man Hagemann den Vorwurf machen, das Erbe Baron Bergers schlecht verwaltet zu haben. Seine Art, künstlerisch zu arbeiten, war nur ganz anders als die Bergers. Berger lockte das Publikum durch seine prunkvollen Ausstattungen ins Theater. Tas Lpernhafte seiner Rcgiesührung, die grotze Geste feiner Inszenierungen war den bis dahin im Schauspiel unver wöhnten Hamburgern etwas Neues und Unerhörtes, und so strömten sie zu ihm hin. Hagemann kam den Hamburgern von Anfang an zu literarisch. Mit dem ganzen Ungestüm feiner impulsiven Persönlichkeit wollte er das Deutsche ^ckwu,Vielbaus, da« sich unter Berger in der Hauptsache von Klassikern, Felix Philippi, Sudermann, Ohorn und Kadelburgern genährt hotte, der führenden Moderne erschließen. Daran setzte er die ganze straft seines stark entwickelten Regietalentes. Er wollte nicht nu. modern sein in dem, was er gab, sondern auch modern m dem, wie er es gab. Tas schasste ihm in Kreisen, wo man seine Absichten verstand, viele Freunde, trug ihm aber nur selten den lauten Beifall des großen Publikums ein, aus den Bergers blendende Regie und sein volkstümlicheres Repertoire immer rechnen konnte. Gelegentliche Mißerfolge mit Autoren wie Eulen burg und Tehmel trug ihm dieses Publikum länger nach, al- nötig war, und so hatte Hagemann stets, roenn er mit etwas Neuem ins Feld rückte, mit einem latenten Mitztrauen zu kämpfen. Tas machte ihn unsicher und nahm seinem Repertoire allmählich die große zielbewußte Linie. Hagemann wäre der berufene Leiter einer modernen, literarischen Bühne in einer Stabt wo ein literarisch interessiertes Publikum schon vorhanden ist. Für eine Stadt aber, wo wie in Hamburg ein Theaterdirektor sein Publikum erst an Literatur und an neue Regieproblemc in geduldiger Arbeit gewöhnen muß, ist er seiner ganzen Persönlich­keit nach nicht geschaffen. Man darf ruhig sagen, daß in vielen Fällen nicht Hagemann, sondern das Publikum versagt

bin ich in der Lage, auf das Bestimmteste zu erklären, daß Im eher nicht einmal eine Verstärkung des Friedensstandes unserer Truppen verfügt wurde, geschweige darüber btnauflgebenbe, den Charakter einer Mobilisierung tragende Maßnahme getroffen worden ist.

lieber die möglichen politi sch e n F o l g e n und überraschenden kriegerischen Ereignisse auf dem Balkan äußern sich eine Anzahl Wiener Blatter in bemerkenswer­ter Weise. DasF r e in d e n b l a t t" stellt fest, das; die letzten Tage Aeußerungen von berufener Seite, luic in der Wochenrundschan derNorddeutschen Allgemeiiien Zei­tung" und der Rede PoincarSs brachten, worin die gleichen Prinzipien für die Erhaltung des Friedens in Europa nor­miert seien.

Vielen heftigen Tadel, so fährt dasFremdenblatt" fort, erfuhr in der letzten Zeit der Grundsatz des Statusguo. Man erblickte darin ein Auskunftsmittel der Diplomatie, um über die augenblicklichen Schwierigkeiten hinwegzukommen, und einen Behelf zur Beseitigung der momentanen Verlegenheiten. Allein eine solche beschränkte Bedeutung darf dem Grundsatz der Erhaltung des Statusguo nicht zugeschrieben werden. Es gibt auf der Balkanhalbinsel nicht nur Interessen der Balkanstaaten; sondern es existieren dort auch ganz bedeutende w i ch t i g c Interessen ber europäischen Großmächte n n b Rumäni e n s. Ter ungestörte Fortbestand dieser europäischen Jnteresfen auf dem Balkan bildet eben den Statusguo, wofür ganz Europa eintritt. Bei aller Sympathie, welche sich die B a 1 k a n st a a t e n besonders durch ihr mannhaftes tapferes Auftreten im Kriege mit Recht erwerben, dürfen und können nicht Europas Interessen auf dem Balkan vergessen werden. Erfreulich ist bie Tatsache, daß die volle Einmütigkeit der Großmächte in dieser Beziehung zutage tritt, und daß alle Mächte an diesem Grundsatz sesthalten.

Die WienerNeue Freie Presse" schreibt:

Eine militärische Macht ist plötzlich aus dem Balkan entstanden. Der Balkanbund i|t eine Krast- qruppe die nicht übersehen werden kann. Um was handelt es sich nun für Oe st erreich-Ungarn? Wenn bie jetzige Krisis auf die einfachste Formel gebracht wird, so kommt von iclblt die Frage' Sollen wir mit dem Balkanbund oder gegen den Balkanbund gehen? Tarin liegt die Zukunft. Das Blatt kommt zu dem Schluffe, daß Oestcrreickr-Ungarn mit dem Balkanbund leben müsse. Dies wäre die Rettung des Friedens.

In derR c i ch s p o ft" heißt cs:

Oesterreich hat Lebensinteressen und hohe Lebensaufgaben in dem Völkergewirre des Balkans. Die Monarchie muß nicht die Entwicklung auf dem Balkan hemmen, sondern klug und energisch, indem sie für ihre Lebensangelegenheiten sorgt, diejenigen unterstützen, welche sich als kräftige Träger der Zukunft erweisen.

Rumänien.

Bukarest, 29. Okt. Das neue Kabinett er­klärte: ,

Tie Konservativen und die Konservativ-^emokraten ver­einigten sich zu gemeinsamer Arbeit mit dem Wunsche-, in inneren Fragen ebenso ein vollständiges Einvernehmen herbeizufühien, wie es auf dem Gebiet der auswärtigen Politik bereits besteht. Diese äußere Politik, die seit langer Zeit beständig und gegen innere Strömungen gesichert ist, wird von der einstim­mig anerkannten Autorität des Königs Earol, Die stets die wirklichen Interessen des Landes im Auge hat, weise geleitet. Tie neue Regierung hofft, umsomehr den Anforde­rungen ber Lage entsprechen zu können, als sich die rumänifck-en 2 t a a t S s i n a n z e n in außergewöhnlich blühender Ver - ; fafsung befinden und unser tapferes Heer stets für alle Eventualitäten bereit ist. Alles das find Garantien dafür, daß Rumänien, dessen Beziehungen zu allen Staaten die besten sind, in etwa möglidjcn Verwicklungen seinen Platz sich wahrt, auf den es ein Recht durch seine Stellung besitzt, die es sich in Europa durch - seine anerkannt finge Haltung erworben hat.

, In Bukarest hat ein Artikel der offiziösenEpoca"

Nr. 256 Erster Blatt 162. Jahrgang Mittwoch, 50. Gttober 1912

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Dienstag und, ,eiwal; U M WL* BL | H auvivavi Hennig,

1 W V' ▼W Lhesredakteuc-A. Goetz.

oirtftyHtlid)«ocilfragtn ft V Verantwortlich tüt Den

»ernspiech-Anschlüsse: fkjy V politischen Teil: August

sMM General-Anzeiger für Oberheffen äk .innähm^ton Snjug« Hotationsdnitf und Verlag 6er vrühl'schen Univ. Such- und Steinöruderet R. Lange. Redaktion, Expedition und Druderet: zchulftrahe Land': E.He»: für den bis Dorm^ina^y"^ vüdingen: Fernsprecher Nr. 269 Seschästtstelle vahnhofstrahe 16a. -l'"e'äe..leii. H. Beck.

Die heutige Nummer umfaht \2 Seiten.

Das lammende valtanreich.

Dr Wladan Georgewitsch, ehemal. serbi­scher Ministerpräsident, uberlte,; einem unserer berliner Mitarbeiter im Verfolg schriftlicher Korreipon- txiu und persönlicher Unterredung em um,angrerche» Ma­terial über die Baitanfrage mit der Erlaubnis, es im ge­gebenen Augenblick zu verwerten. Ta nach den unbestrett- varen Erfolgen der Balkanstaateii m der Beurteilung der ukunft des Bal la NS überall sck)on ein Umschwung cm- netreten ist, der sich besonders in Wien äußert, ,o haben re Ausführungen, die unser Mitarbeiter nachstehend zu- »mmensaßt, leblstiftes Interesse. Freilich konnte man sich fre Entwicklung auch etwas anders denken. Oesterreich, d->S gegenimiriig fclbst schon mit dem Gedanken spielt, die ( areicben Baltanstaaten für seine eigenen Zwecke etwas , nporsteigen zu lassen, wird dabei geivis; bie notige Vor­sicht walten laffen. Die Gedanken, die Herr Georgewitsch nb ntwickelt hat, sind ja ganz schön, aber doch >icht ganz zuverlässig. Rußland wird als Hauptmacht-

.satts auftreten, und wir glauben nicht, da,;

utschland an dem neuen Balkanbund große Freuden erleben würde. Wir haben vielmehr kein Interesse daran, d'is Slawentum zu stärken. Unser Mitarbeiter schreibt:

gibt vielleicht in ganz Europa keine Linie, welche spickte Gegensätze trennt, als die Linie, welche die oster- ,chisch ungarische Monarchie von der serbischen Nation t in Diese Grenze teilt zwei ganz heterogene Weltanschau­ungen und Gefühlsweisen, die so voneinander verschieden jiiiö, daß Lcsterreich-Ungarn trotz jahrhundertelanger Be- rühruna und Beziehungen mit der serbisck)en Nation nicht imstande war, die Gefühle und die Logik des serbischen Volkes ui verstehen; und deswegen hat Oesterreich-Ungarn auch jene Teile des serbisck-en Volkes, welche in diesem Staate leben, immer als einen fremden Körper gefühlt Trotzdem war das biSlserige Bestreben Deutschlands und L. sterreich-UngarnS, den zentraleuropäischen Handel über Siumänien und Bulgarien möglichst allein hinüber ;u leiten, nicht begrünbet, ja unnatürlich. Der kürzeste Weg führt über Serbien, alle wirtschaftlichen Grünöe sprechen dafür, den Handel über Serbien nach Saloniki ui führen llcberhaupt war das Abwenden Mitteleuropas o,n Serbien ungerecht und unverdient, denn Serbien ist, nicht bloß durch seine Geschichte und seine geographische Lrige, sondern auch durch seine ganze tfultiir, die eine Tochter ber deutschen Kultur ist, kräftig mit Zen­traleuropa verbunden. Sie Serben sind heute be­geisterte Nachfolger und Propayatoren der e r m a 11 i f d) c n Zivilisation, weil sie nie vergessen Minen, waS sie alles der deutschen Kultur zu verdanken

welche Rolle wird nun Oesterreich-Ungarn bei berbe- b o r ft c l) e n b c n Bildung eines Balkan reich es spielen wollen? Tie Jbee dieses Reiches, die früher als strengstes Geheimnis behandelt wurde, die nur em from­mer Wunsch einzelner Staatsmänner auf der Balkanhalb- iinfcl war, wird heute von der öffentlichen Meinung aller i ationen besprochen, und man fängt an, die Verwirklichung brr Idee als einen Wunsch der Völker aufzufassen. Es gabt Vb r ei L ö snn g en. Wenn Rußland die Sache in Dhe Hand hätte nehmen wollen, so könnte oder konnte noch bnö vor kurzem die Idee des Balkanreiches mit der Turke.