Ausgabe 
31.7.1912 Erstes Blatt
 
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bet ersten Paule trat die jungtürkische Partei zusammen und erörterte die Lage und beschloß der Regierung ein Tadelsvotum zu erteilen. Während der zweiten Pause vollzog nch indes ein Umschwung in der Stimmung, der für Die Regierung eine Mehr­heit von 113 gegen 45 Stimmen herbeisührte.

Die Kammer hat dem Kabinett ihr Vertrauen mrt 113 gegen 45 Stimmen aus gesprochen.

Kardinal Zischer t

Köln, 30. Juli. DieKöln. Bolksztg." meldet: Kar- dknal Tr. Fischer, Erzbischor von Köln, ist Heute nacht 11.30 Uhr gestorben.

Mit dem Hinscheiden des Kardinals Fischer betrauert die katholische kircl)e einen der besten ihrer Oberhirten. Auch den Andersgläubigen erschien er als ein duldsamer, stets versöhnlich gestimmter Mann. Da er der bekannten Kölner Richtung" nahe stand, die er nicht nur duldete, sondern auch auf einer Romreise dem Papste gegenüber verteidigte, so werden die letzten Angriffe der Berliner, sowie das parteiische Verhalten des Vatikans dem greisen Kirchenfürsten in den letzten Tagen seines Lebens mancherlei Kummer und Sorge gemacht Haden. Der Wechsel auf dem Kölner Erzbischof sitz wird nun auch eine große kirchen- politische Bedeutung gewinnen. Man wird gespannt darauf warten, wer zu seinem Machfolger ernannt wird und roeldx Anstrengungen von Rom aus gemacht werden, um einen Umschwung in der Kölner Erzdiözese herbeizuführen.

Kardinal-Erzbischof Fischer war am 30. Mai 1840 in Jülich geboren als der Sohn eines Volksschullehrers. An der Universität Bonn und der Akademie Münster widmete er sich dem Studium der Theologie. Am 2. September 1863 empfing der junge Theo­loge die heilige Priesterweihe. Er wurde zum Religionslehrer an dem Gymnasium in Essen ernannt. Hier wirkte Fischer ein volles Vierteljahrhundert. Im Alter von 46 Jahren erwarb Fischer an der theologischen Fakultät in Tübingen noch den Doktorgrad.

Am 19. November 1888 wurde er zum Domkapitular der Kölner Metropolitankirche und gleichzeitig zum Weihbischof er­nannt. Papst Leo XIII. präkonisierte ihn darauf am 14. Februar des folgenden Jahres zum Titularbischof von Juliopolis, woraus am 1. .Mai die feierliche Konsekration im Dom zu Köln erfolgte. Nach dem Tode des Erzbischofs Simar erhielt Fischer selbst den Hirtenstab, und im Dome zu Köln wurde er am 19. März 1903 feierlich inthronisiert. Im Juli 1903 schon wurde Fischer zum Kardinal erhoben. 1904 mürbe Kardinal Fischer zum Mitglied des preußischen Herrenhauses ernannt._________________________

politische Tagesschau.

Zum Angestklllenversichkrungsgesetz.

Das Direktorium der Reichsversicherungsanstalt für Angestellte versucht dem § 390 des Gesetzes, der von den Ersatzverträgen bei Lebensversicherungsunternehmungen handelt, eine Auslegung zu geben, die geeignet ist, viele Tausende von Angestellten, die vor dem 5. Dezember 1911 einen Lebensversicherungsvertrag abgeschlossen haben, auf das schwerste zu schädigen. Das Direktorium will näm­lich entgegen dem klaren Wortlaut des Gesetzes diese Lebensversicherungsverträge als Ersatz für die staatliche Versicherung nur zulasscn, wenn durch sie eine der gesetz­lichen sich nähernde Fürsorgeart beabsich­tigt war. Das Direktorium der Reichsversicherungs^ anstatt für Angestellte versucht mithin, unter den vor dem 5. Dezember 1911 von Angestellten bei Lehensversicherungs­unternehmungen abgeschlossenen Verträgen eine Auswahl zu treffen und bezeichnet insbesondere eine bestimmte Art dieser Verträge, nämlichBegräbnisgeldversicherungen" als nicht zulassungsfähig.

Dteser Versuch verdient die schärfste Zurückweisung seitens aller Angestellten, für die vor dem 5. Dezember 1911 bei Lebeitsversicherungsnnternehmungert ein Vertrag geschlossen worden ist. Der § 390 will, wie die Begrün­dung auskührt, diejenigen Angestellten, die sich schon in früheren Zeiten durch Abschluß eines Lebensversicherungs­vertrages eine Fürsorge geschaffen haben, aber nicht im­stande sind, gleichzeitig Beiträge für die private und die staatliche Versicherung anfznbringen, vor dem Schaden be­wahren, den sie bei Aufgabe ihrer Lebensversicherung er­leiden müßten. Voraussetzung für die Zulassung der Lebensversicherungsverträge als Ersatzversicherung ist nach § 390 einzig und allein, daß sie vor dem 5. Dezember ab­geschlossen sind und daß der Angestellte für sie ebensoviel an Prämie aufwendet, wie er selbst für die staatliche Ver­sicherung lsätte zahlen müssen. Ganz gleiclsgültig ist dem Gesetzgeber aber, welche Art der Lebensversicherung der Angestellte gewählt hatte. Es müssen mithin alle bei Lebensversicherungsunternehmungen vor dem 5. Dezember 1911 abgeschlossenen Versicherungsverträge als Ersatzver- kräge Anerkennung finken und nicht nur diejenigen, durch die eine der gesetzlichen sich nähernde Fürsorgeart beab­sichtigt war. »d)vn aus dem einfachen Grunde, weil dieses Beurteilungsmoment für alle Lebensversicherungsverträge entfällt, die $u einer Zeit abgeschlossen wurden, in der die Schaffung einer staatlichen Angestelltenversicherung nie­mand erwarten noch voraussehen konnte, welche Gestalt sie erhalten würde Im übrigen ist jeder Lebensversiche­rungsvertrag, gleichviel welcher Art, seinem Wesen nach eine andere Fürsorge als die staatliche Pensionsversiche­rung. Bei allen Lebensversicherungsverträgen kann mithin nur von einer der gesetzlichen sich nähernden Fürsorgeart die Rede sein.

Tie deutsche Post als Borbi d für fremde Verwaltungen.

Wie dieDeutsche Verkchrszeitung" mitteilt, sind in der letzten Zeil die deutschen Posteinrichtungen wieder von zahlreichen^ausländischen Postbeamten zum Gegenstand ein gel-enden Studiums gemacht worden. Ein Rat and dem japanischen Verkehrs Ministerium hat sich im Reichs­postamt über die Organisation der Verwaltung, die Grund­sätze für die Einrichtung von Postanstalten, über das Eisen- bahnpoftwesen, die Dienst und Pesoldungsverhälmisse des Personals und die Etalsverhältnisse unterrichtet. Ein Post inspektor der n i ed e rl ä n di sd) indischen Post und Telegraphenverwaltung ftubirrtc den Dienstbetrieb verschie­dener Berliner Post und Telegraphenanstalten, das Pen sionsivesen usw. Der Generalinspektor der brasilischen Poften besichtigte in Berlin eine Anzahl Postdienstzweige und Posteinrichtungen und begleitete Baliuposten zwischen Berlin und Hamburg. Ein 'Postbeamter aus Chile stu Vierte den Betrieb mehrerer Berliner Postämter und einer Bahnpost Ein Mitglied der osmanischen General- direktioit^ der Posten in Konstantinopel hielt sich längere Zeit in Deutschland auf, um den gesamten Postbetriebs- und Verwaltungsdienst kennen zu lernen. Zwei höhere bei g i s ch e Postbeamte besidniglen das Fernsprechamt in Köln. Drei höhere Beamte der Rational Sparkasse in Frank rcid) weilten kürzlich längere Zeit in Berkin und auf

einen Tag in Köln, um den deutschen Postscheckdienst zu studieren. Auch waren in diesem Monat drei französische Beamte in Berlin zum Studium der Fernfprecheinrich- tungen bezw. der Rohrpost. Drei weitere französische Be­amte werden voraussichtlich im September zum Studium der deutschen Post- und Telegrapheneinrichtungen nach Berlin kommen.

In der letzten Zeit wurde wieder einmal das Gerücht verbreitet, Staatssekretär Kraetke werde zurücktreten. Sein neuester Kurs hat sich in den Kreisen der Kaufleute und Städter ein wenig unbeliebt gemacht. TieDeutsche Tagesztg." dementiert die Rücktrittsabsicht und setzt hinzu, es sei vielleicht nicht allgemein bekannt, aber bezeichnend, daß Herr Kraetke alltäglich im Sommer und Winter in den frühesten Morgenstunden einen mehrstündigen Spaziergang mache, ehe er seine Tätigkeit beginnt.

Dazu bemerkt dieNationalzeitung":

Leider machen in Berlin auch die Briefe, ja selbst die Eilbriefe mehrstündige Spaziergänge durch Berlin. Tas ist leider allge­mein bekannt. Jeder hat die Folgen der unermüdlichen Kraet- keschcn Arbeit schon am eigenen Leibe erfahren. Erft jüngst be- Nagte sich einer unserer Leser, daß er einen Brief, der am Frei­tag früh in Chnrlottenburg abgestempclt worden war, erst Mon­tag vormittag rftit der ersten Poft (gleichfalls in Charlottenburg!) erhalten hatte.

Deutsches Reich.

Aus Balestrand wird gemeldet: Der Kaiser machte am Dienstag früh 7 Uhr einen längeren Spaziergang an Land und nahm die Vorträge des Kabinettschess und des Gesandten von Treuster entgegen. Zur Mittagstafel empfing der Kaiser die Professoren Dahl und Unger nebst Familie. Nachmittags bearbeitete der Kaiser die Eingänge.

TieNordd. Allg. Ztg." meldet: Ter Reichskanzler v. Bethmann-.Hollweg empfing am Montag den Besuch des österreichisch-ungarischen Botscl»afters, der vor dem Antritt seines Sommerurlaubs der Einladung des Reichskanzlers und Gemahlin nach Hohenfinow folgte.

Aus Stadt und Land.

Gießen, 31. Juli 1912.

L. ü. Der Assistenzarzt an der Universitäts-Frauen­klinik, Herr Dr. Rudolf Theodor Jaschke, geboren zu Pettau in Steiermark, erhielt atu 27. d. MtS. die venia legendi bei der medizinischen Fakultät für Geburts­hilfe und Gynäkologie.

Pfarrpersonalicn. Der Großherzog hat die Wahl des eoang. Pfarrers Otto Lenz zu Stockhausen zum 2. Pfarrer des Diakonissenhaufes Elisabethenstift zu Darmstadt bestätigt.

Erledigt ist die Stelle eines RevisionS- kontrolleurS beim Hauptsteueramt Mainz.

Ruhestandsversetzung. Der Großherzo g hat den Kreisbauinspektor des Kreises Gießen und Provinzial- baubcamtcn der Provinz Oberhessen Baurat Hch. Die hm auf sein Nachsuchen unter Anerkennung feiner langjährigen treuen Dienste in den Ruhestand versetzt und demselben die Krone zum Ritterkreuz 1. Klasse deS Verdienstordens Philipps deS Großmütigen verliehen.

Neuer Konsul. Der zum Konsul der Ver. Staaten von 9(nterifa in Mannheim ernannte William C. Teichmann, dem das Neichsexequatur verliehen wurde, ist zur Ausübung konsularischer Verrichtungen in Hessen zugelaßen worden. Sein Amtsbezirk umfaßt die Kreise Bensheim, Erbach, Heppen­heim und WormS.

"Silberne Hochzeit feiern heute Rangiermeister Karl Hermann und Ehefrau, geb. Haase.

* * 5 0. Stiftungsfest der Burschenschaft Alemannia. In den Tagen vom 26. bis 30. Juli beging die hiesige Bursd-enschaft Alemannia das Fest ihres fünfzig­jährigen Bestehens. Die Feier begann am Freitag mit einem internen Begrüßungsabend der alten und jungen Alemannen imAndres", dem alten Gießener Burschen- schafterlokal. Hierzu hatten sich etwa 140 alte und junge Bundesbrüder zusammengefunden, während die Damen den Abend auf dem Bnrschenhause verbrachten. Am Samstag vormittag fand der Fest-Konvent statt sowie die Tagung des Altenherrenverbandes Und Hausbauvereins. Hieran anschließend erfolgte die Begrüßung der Vertreter der hiesigen und auswärtigen befreundeten Burschenschaf­ten; es waren fast alle deutschen Universitäten vertreten, aud) hatte neben der Wiener Burschenschaft Albia die Prager Burschenschaft Teutonia, bei der seit einigen Jahren schon Mitglieder der Gießener Alemannia aktiv sind, einige Ver­treter abgesandt. Ükach zwanglosem s))tittageffen und fei­neren Ausflügen in die irähere Umgebung der Stadt fand am Abend der Fest-Kommers im Saale des Gesell­schaftsvereins statt. Der aroße Rautn vermochte die Menge der Kommersteilnehmer, deren Zahl sich auf ungefähr 275 belief, kaum zu fassen Die verschiedenfarbigen bunten Mützen boten im Verein mit dem stattlichen Damenflor, der die Galerien umsäumte, im Rahmen des prächtig deko­rierten Saales ein impofanteS Bild Rach Begrüßung der Gäste durd) den Sprecher Alias (Posen) hielt Ober­bürgermeister Dr. G l ä f s i n g die Rede auf ikaiser und Großherzog. Landgerichtsrat Weiffenbach Darmstadt) hielt die Festrede. Indem er aus der Geschichte der Ale­mannia ein Bild des burfchcnschaftlichen Lebens in Gießen entwickelte, wies er auf die Ideale der alten Alemannen hin, auf ihr Streben und Sehnen nach einem einigen deutschen Reich unter Preußens Führung, das das Jahr 1870 brachte. In den Krieg zogen damals 11 Aktive und mehrere alte Herren mit. Nach der Verwirklichung des bursd)enschaftlid)en Einheitsgedankens kamen dann schwere Jahre des Medergangs der burschenschaftlichen Sache auch in Gießen. Erst der Anfang der 80er Jahre brachte einen neuen Aufschwung, nachdem man erkannt hatte, welche Auf­gaben, die die innere Weiterentwicklung des Deutschen Reid)es stellte, der Lösung noch harrten Gleichzeitig mit dem Zusammenschluß der gesamten deutschen Surfdyenftbaft im Eisenacher Depnticrten-Kvnvent erfolgte ein starkes An wachsen ihrer Mitgliederzahl, so daß in stetiger und ge­sunder Weiterentwicklung die Burschenschaft ihre heutige Stärke erwarb. Tic begeistert aufgenommene Rede schloß mit einem donnernden Salamander auf die Burfchensclnifl Alemannia. Hierauf gab Tr. S ch ö p p e - Teutoniae Prag ein packendes Bild von der deutschen Not in Böhmen und von der anders gearteten und schweren Arbeit der dortigen Burschenschaft. (Geheimer Rat Prof. Dr. Haupt über­brachte in herilidKn Worten, die freudigen Widerhal! fanden, die Glü.twünfche der Vereinigung alter Burschen­schafter zu Gießen, während der Rektor der Landes Universi­tät Prof Dr. König die besten Dünsche der Alma mater übermittelte. Der Landesvater schloß den offiziellen Teil, worauf dann die Fidulttctt in ihre Rechte trat. Am Sonntag

vormittag begaben sich die Alemannen mtt ihren «MfBm im stattlichen Zug durch die Straßen der Stadt nach dein Klub, wo das Festessen, in dessen Verlauf Dr. Hnnau eine kurze Ansprache hielt,' in glänzender Weise verlies Gegen Abend fanden sich die Festteilnehmer in Stein» Garten ein, wo Konzert und Tanz die Teilnehmer h? zum frühen Morgen zufarninenhielt. Am Montag würd' das Fdst mit einem Abschiedstrunk im (Safe Hetiler und einer Faßpartie nach dem Schiffen berg beschlossen.

Jubiläums-Vereinigung ehemaliger 116c» Am vergangenen Sonntag tagte in Gießen der große ivcitaui- s chu ß der im Mai d. I. gegründeten Jubiläums Vereinigung Von Sen ihr beigetretenen 32 Vereinen und Vereinigungen batten 20 ihre Vertreter entsandt, so daß insgesamt 127 Stimmen er« ! schienen waren. Auch das Regiment war durch die Herren 'eines! Offizierkorps vertreten. Tie reichhaltige Tagesordmmg wurde > in dreistündiger Beratung durchgearbeilet. Zunächst gab sich die Jrchiläurns-Vereinigung ihre Satzungen, worauf zur Vor standswahl geschritten wurde. Diese hatte folgendes Ergebnis: 1. Vorfitzender Rechtsanwalt Kaufmann- Gießen, 2. Vor- sitzender Cber - Nriegsgerichtsrat E e l l ariu s - Frarikmn, 1. Schriftführer Kaufmann E Plank-Gießen, 2. Schriftführer Telegraphen-Sekretär Fink- Friedberg, 1. Rechner Bankbeamter Burger- Gießen, 2. Rechner Poli'^ikornrnissar Schildwäch. ter- Bad-Nauheim, Beisitzer Apotheker löem pc l - Köln, Ka­stellan Zimmermann Wetzlar, Rentner Sartorius -Mar­burg, von O thegraven Mainz, Manfulcnt Th. K ullmann* Vilbel, Lehrer Daab - Lollar und ein Verttelcr des Lffizirrs- korps. Um die laufenden Verwaltungsunkosten zu decken, wurde beschlossen, eine Kopfsteuer von 20 Pfg. von jedem Mitglied iu erheben. Eine lebhafte Aussprache brachte die Frage der (yin* auattierung und der Verpflegung. Da bis jetzt erst 33 Vereine ihre Mitgliederzahl gemeldet haben, und diese schon 6514 betrügt, ist sicher anzunehmen, daß die Zahl der zum Regiments-Jubiläum erscheinenden ehemaligen 116er höher als 10 000 fein wird, zumal ständig Nachrichten über Neugründungen von losen Vereinigungen einlaufen. Die Unterbringung der von weither kommenden Mamr toben soll in Bürgerguartieren mit Hilfe des von dem Gießener Verein gebildeten Wohnungsausschusscs versucht werden. Für die aus der näheren Umgebung Kommenden werden Sonderzüge be­antragt. Klüglich der Verpflegung beschloß der Festausschuß einmütig, biete möglichst auf dem Festplatze und in den in dessen unmittelbarer Nähe gelegenen Wirtschaften vorzunehmen unter tunlichster Berücksichtigung der einbeimifdjen Wirte. Dabei will man sich die guten und schlechten Erfahrungen zu nutze machen, die bei anderen Regimentsfesten gesammelt worden sind, um eine gute und reidjliche Verpflegung zu erreichen. Diese selbst sowohl als auch die glatte Abwickelung der Unterkunftsarbeiten ist aber nur möglid), wenn alle Kameraden sich rechtzeitig melden. Da- Regiment selbst wird nicht einlaben, übernimmt auch weder die Verköstigung noch die Unterbringung der alten Mannschaften, weil ihm dies bei dem Massenbetrieb unmöglich ist. Dieser Teil des Festes ist der Jubiläums Bereinigung übertragen, die mit bem Regiment Hand in Hanb arbeitet. Es empfiehlt sich daher für alle Kameraden, in ihrem eigensten Interesse, sich ihrer Bezirks Vereinigung anzuschließen. Der Festausschuß bat beschlossen, feinen runden Festbeitrag zu erheben, wie dies bei anderen Regimentern geschehen ist, vielmehr nur Bezahlung für vorausbcstelltes Quartier und Essen usw. zu verlangen. Nur insoweit verpflichtet er sich aber auch nur für gute Leistung, die sonst bei dem Massenandrang der ehemaligen 116er und der übrigen Festbesudnn nicht möglich ist Auf dem Trieb soll ein Festplatz mit großen und fieinen Hallen und Zelten errichtet werden, die Schutz gegen jede Unbill der Witterung bieten. Zur Aufrechterhaltung der Ordnung brhn Essen, das Kompacwieweise eingenommen werden soll, wachen Unteroffiziere und Mannschaften des Regiments beordert werden Vom Regiment aus soll jedem Festteilnehmer eine Erinnerung» medaille gegeben werden, die zur Kenntlichmachung an einem in der Farbe der betr. Kompagnie gehaltenen Bande getragen wird Es gilt, noch eine Unsumme von Arbeit zu bewältigen, um allen Anforderungen gerecht zu werden. Das ist aber nur möglich wenn die alten Kameraden den Festausschuß durch möglichst früh zeitige Meldung unterstützen. Die eingangs genannten Vor­standsmitglieder sind in dieser Beziehung zu jeder weiteren Aus­kunft gerne bereit.

** Feuerwehr. Am Montag fand unter bem Kommando des städtischen Branddirektors Braubach eine gemein­schaftliche Hebung der Gießener Freiw. und Frei­willig. Gailschen Feuerwehr statt. Als die beiden Wehren auf Oßwalbs Garten Aufstellung genommen, schritten bic anwesenben Herren Geheimerat Dr. Ufinger, Geh. Kammer zienrat Tr. Gail, Regierungsrat Langermann und Regierung­rat Gebhardt die Front ab. Oberbürgermeister Mecum war am Erscheinen verhindert, wie er der Wehr schriftlich mitteilte. Naä' einer kleinen Detailübung an den einzelnen Geräten erhielten bic beiden Kommandanten der Wehren, Brandinspektor Wigandt unh Hauptmann Wenzel, eine Aufgabe, die am Hotel Einhorn ui lösen war. Kaum ertönte bas Alarmsignal, so rückte aud) schon bet 1. Löschzug der Gießener Wehr unter Führung des Brand meisters Faber und die O)ai 1)d)c Wehr unter Führung ihres Hauptmanns Wenzel an der Südseite des Hotel Einhorn an und nahmen Rettungsversuche mit dem Rettungsschlauch und den großen mech. Leitern sowie Löschversuche vor. Der 2. Lösckzug unter Führung des Brandmeisters D i ck o r 6 grift die Ostseite des Hotels an, wo die Steiger mit Rauchhelm und Rauchmasken über die Trevve in das Innere des Hauses bis zum Saal mit einer Schlauchlinie drangen, um von da aus bic Löscharbeitm vorzunehmen, was zu gleicher Zeit von der Strafte von brr kleinen mechanischen Leiter aus gefrimb- Auch die Sanität^ abteilung der Feuerwehr wirkte bei der Hebung mit. Nach der Hebung fand ein gemeinschaftliches Zusammensein im Saale des Hotels Einhorn statt. Nach Begniftung der Anwesenden teilte Branddirektor Braubach mit, daß zwei Kameraden der G. F. F., Obmann G u t b u b und Spritzenmeister Schwan, vom Großherzog das Ehrenzeichen für 25 jährige Dienstzeit bei der Feuerwehr verliehen worden fei, und brachte auf den ^anbesherrn und Protektor ber hessischen Feuerwehren ein begeistert aurge- nommenes Hoch aus Csfrebeimcrat Tr. Ufinger bankte für bic Begrüßung und sprach den beiden Wehren seine Anerfenmmg aus, dabei auch auf die Feuerlöscheinrichtungen und auf die er forderliche Verbesserung des Farermelbewefen> hinweisend. Das von ihm ausgebrachte Hoch galt der Stadt Gießen. Geh. Korn merzienrat Dr. Gail verknüpfte mit seinem Dank für die Be­grünung anerkennende Worte Tür beide Wehren. Er dankte ferner Geheimerat Dr. Ufinger für fern Erscheinen inmitten der beiden Wehren und für das große Interesse und Bernkwilligkät, das Feuerlöschwesen zu fördern. Mtt brr Bitte, dies auch ferner zu tun, verband er ein Hoch auf den Provinzialdirektor, in das Die Kameraden kräftig einstimnUen. An bic Verleihung vor 3 Diplomen für 15 jährige Dienstzeit an die Wehrleute Martin Balser, Joseph Fröhlich und Heinrich Rohrbach bur* Branddirektor Braubach namens der Stabt schloß sich ein ge­mütliches Zusammensein.

Landkreis Gießen.

Bettenhausen, 30. Juli. Die Gemeindevertretung hat beschloßen, von nun an am 18. August jedem Veteranen 30 Mark als Ehrengabe ouS bet Gemeinbekasse bezahlen zu laßen. Besonders ist anzuerkennen, daß auch die Witwen der verstorbenen Veteranen den Betrag erhalten. Ferner wurde über die Besetzung der freien Polizeidienerstellc beraten. Die Gemeindevertretung war dec Ansicht, daß ber 74jährige pensionierte Feldfchütze Ruckel diesen Polten nott einige Jahre auSfüllen könne. Man ist auf die Entscheidunc der Aufsichtsbehörde seht gespannt, da mehrere junge Bürger auf diesen Posten reflektteren.

SreiS Lauterbach.

~ HebloS, 30. Juli. Einem hiesigen Landwiri passierte dieser Tage ein Mißgeschick, das leicht schllmme