Ausgabe 
23.12.1912 Erstes Blatt
 
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Dvllfreiheit haben Wir werden uns bemühen, bte Frage möglichst günstig für Serbien zu gestalten und ihm unumgängliche Garantien zu sichern, denn es liegt im Interesse des euro­päischen Friedens, daß man Serbien, wenn man von ihm Opfer verlangt, daß cs einen Teil seiner Ansprüche aufgibt, nicht die Möglichkeit zu leben und zu atmen verweigert. (Beifalls Es ist Lies eine Hauptfrage, die entschieden - u sein scheint. Es bleibt 'namentlich noch übrig, über die delikate Frage der Grenzen 'Albaniens zu beschließen. Viele andere Lösungen hängen über­dies von den Ergebnissen der Verhandlungen der Kriegführenden 'ab, deren Ansgang man leider unmöglich kennen kann;.

Erster deutscher Polizeikonareh.

~ Berlin, 22. Dez.

In den fortgesetzten Beratungen des ersten deutschen Polizri- kongresses sprach Polizeipräsident K ö t t i g (Dresden) überL-i e einheitliche Regelung des Erkennungsienstes'. ^n dieser Beziehung fielen in den einzelnen deutschen ^Bundesstaaten noch große Verschiedenheiten. Seit dem Jahre 1897 ist allgemein das '31)item Bertillon, die Anthropometrie, eingeMhrt worden. Im Jahre 1901 beschloß die Londoner Polizei das Fingerabdruck­verfahren. Von den deutschen Bundesstaaten schlossen sich Hamburg und Sachsen diesem Verfahren an, desgleichen Preußen, das aber die Körpermessungen noch bcibehielt. Dazu kam, daß Sacksen und Bayern sich entschlossen, eigene Landeszentralen für das ^Fingerabdruckverfahren einzurichten. Das Körpermeßverfahren geriet dadurch immer mehr in den Hintergrund. Zu diesen Un­stimmigkeiten kam noch, daß die verschiedenen Polizeibehörden den Kreis der zu messenden Persönlichkeiten verschieben begrenzten imb daß ferner die Untersuchung nicht einheitlich in den Händen einer Behörde lag. In manchen Teilen Deutschlands ist ein Meßverfahren überhaupt noch nicht eingeführt. Der Vortragende machte eine Reihe von Abänderungsvorschlägen, die der Gegen­berichterstatter Geheimer Oberregierungsrat Hoppe (Berlin) er­gänzte und welckn? die Zustimmung der Versammlung fanden. Da­nach soll die Anthropometrie nach Bertillon auf internationale Verbrecher beschränkt, dagegen das Fingerabdruckverfahren nach einheitlichen Grunbsätzen bei allen deutschen Bundesstaaten ein­geführt werden.

Weiter beschästigte sich die Versammlung mit der Regelung des Fahndungsverkehrs. Berichterstatter war Regierungsrat Dr. Harster (München). Die gegenwärtigen Bestimmungen er­schweren die Festnahme einer gesuchten Persönlichkeit in ungeahnter Weise. Der Vortragende schlug vor, einheitliche Bestimmungen sür alle deutsche Polizeibehörden zu schaffen, ähnlich wie sie bei (der Bekämpfung des Mädchenhandels zutage kommen.

Oberregierungsrat Dr. H o v p e sprach dann über den k r i m i - nalpvlizeilichen Nachrichtendienst. Während die in­ternationalen Verbrecher sich alle Vorteile der modernen Verkehrs- ,entwickelung und des modernen Nachrichtendienstes zunutze machen, dies den Behörden bisher nicht möglich. Die gewöhnlichen iVublikationsmittel versagen hier. Den Telegraph kann man nicht 'in so ausgedehntem Maße benutzen, denn das würde zu viel Kosten verursachen und auch die Mithilfe der Zeitungen ist nicht imstande, den Nachrichtendienst in dem nötig werdenden großen Umfange zu versehen. Vorläufig muß man sich mit der direkten Benachrich­tigung von Behörbc zu Behörde begnügen. Dieser Modus ist 'äußerst zeitraube"d. Der Vortragende scblug daher vor, ein allgemeines deutsches Polizeiblatt zu gründen.

Oberregierungsrat Becker (Dresdens und Regierungsrat Steen grafe (Bremen) svrachen über die Einführung eines einheitlichen Vordruckes und Telegraphenschlüssels bei den deutschen ^Polizeibehörden.

Die Versammlung beschäftigte sich dann noch mit der Frage, in welcher Weise die nächsten Polizeikonferenzen abgelwlten werden sollen. Es wurde ein Ausschuß eingesetzt, an dessen Spitze der preußische Minister des Innern steht. Dieser Ausschuß wurde beauftragt, der nächsten Polizeikonferenz Vorschläge zu unterbreiten .darüber, in welcher Weise die Anreg"naen der Berliner Tagung in -die Wirklichkeit umgesetzt werden können.

Zum Ort der nächsten Tagung wurde München bestimmt.

Aus Stadt und Land.

Gießen, 23. Dezember 1912.

Der goldene Sonntag

flfat gehalten, was unsere Geschäftsleute von ihm erwartet halben. Das Geschäft in fast allen Artikeln begann schon ^gleich um 11 Uhr und hielt mit «wenigen Ausnahmen gleich?- - mäßig bis gegen 7 Uhr an. Allerdings behaupten einige .Geschäftsinhaber, daß große Stücke recht schlecht gegangen feien und der Einlauf der Kundschaft sich in der Haupt­sache um Kleinigkeiten und billige Artikel gedreht bat. 'Im allgemeinen hört mau aber, daß das Weihnachts­geschäft besser gewesen sei als im vergangenen'Jahre. Für das diesjährige Weihnachtsgeschäft ist -es günstig, daß außer den drei letzten Sonntagen vor dem Feste noch ein vierter Hauptgeschäftstag dazu kommt, der Weihnachts­abend, der int vergangenen Jahre auf den goldenen Sonn­tag fiel. Wünschen wir imfeni Geschäftsleuten, daß heute und morgen ihnen ein gutes Geschäft beschert sein möge. "Ter Christbaumhandet ist in der letzten Woche schr gut geo- gangen, die Vorräte waren gestern fast überall sehr ge­lichtet. Besonders ist die dLachfrage nach kleinen, billigen Bäumen recht groß, au denen allerdings die Händler n'icht viel verdienen können, Nach unserer Erkundigung werden m unserer Stadt etwa 2000 bis 2400 geschmückte Tanuen- bäume im Lichterglanz erstrahlen.

Landesuuiversität und Amtsgericht Gießen.

Einen umfangreichen Platz im neuen Staatsvoranschlag nimmt der Etat für die La nbes Universität Gießen ein Die allgemeinen finanziellen Verhältnisse der Universität sind gegen das Vorjahr nur unwesentlich verändert worden. Da die Gesamtein­nahme sich für 1913 auf 638 601 Mk. und die Gesamtausgabe 1653 371 Mk. belauft, so ist für 1913 ein Skaatszusebuß von 1 014 770 Mk. erforderlich. Im vorigen Etat betrug die Einnahme 614 937 Mk., die Ausgabe 1628 536 Ml., der Staatszuschuß war nur 1170 Mark geringer Die persönlichen Ausgaben sind von 551 497 Mart aut 491 262 Mark zurückgegangen, die fach lichen und Betriebsaltsgaben dagegen um 85 000 Mark auf 1162 109 Mark gestiegen. Dies beruht jedoch nicht auf wirklichen Minderleistungen an Honoraren und dergleichen, sondern auf er weiterte Inbetriebnahme der Kliniken, deren Soiideretats jetzt höhere Ausgabeposten enthalten, besonders die Medizinische und Frauenklinik, die chirurgische Klinik unb die Klinik für psychisch und Nervenkranksten. Nickü unerheblich sind die im Kapitel ^fntralbauwesen" des Ministeriums des Innern angeforderten Kosten für bauliche Zwecke -der Lmidesuniversität. S o s v l l e n a m Hauptgebäude sechs größere Liegehallen ange

werden, die 7800 Mark Mten erfordern. Für das Jahr 1913 sind zunackrst für drei Liegehallen 3900 Mark eingestellt dr Scrtcgun g der W a schkü d.c in ein befonberes Gebäude VA ° erforderlich und als ente Rate für 1913 10 000 Mark cuigeftellt. Weiter werden angewrdert für die U n t - ?Crfm 5100 Mart für Verlängerung

der Bucherauszuge und Beschaffung von 5 neuen eisernen Bu cherge,teilen, Erweiterung der Lichtanlagen usw. Im autzorordentltdien Etat werden weiter die Anforde rungen tur bie neuen Kirn iksb a u t e n gestellt und K^miUriR9Val^ und Nasenkrankheiteii, die q/nm Ordert'Wurden im vorjährigen Etat

2^2^ t^^m^lligt Da die «tadt Gießen einen Zuschuß Gßrn WnrF «ffocrho 1 noch die restliches

mw als^Kosten rur die innere Eiurickming 17 <hm Utarr angefordert Für die Klinik für Haut und Geschlewi.- krankheiten, deren Bau insgesamt 154 000 Mark eriorden nm-V 1912 98000 Mk. bewcklich: der Zuschuß di - tu. Uxcuix v 98000 Mark bewilligt; der Zuschuß der Stadt Gießen bcrräui

von 6000 Mark und dazu als Kosten für die innere Einrichtung 44 800 Mark, so daß die Restsumme für die beiden Klinikbauten im ganzen 104 500 Mark beträgt.

Das neue Amtsgerichtsgebäude mit Nebengebäuden m Gießen erfordert insgesamt an Baukosten die Summe vor 415000 Mark. Davon find für das Jahr 1911 als 1. Rate aus den beim Neubau des Justizgebäudes mit Provinzialarresthaus in Mainz erzielten Ersparnissen 100 000 Mk. und für 1912 als zweite Baurate 166 000 Mk. bewilligt worden, so daß noch ein Rest von 149 000 Mk. zu decken bleibt. Die Regierung schlägt nun vor, zur teilweisen Deckung dieser Summe weitere bei der inneren Einrichtung des Mainzer Justizgebäudes erzielte Ersparnisse im Betrage von 26 000 Mk. und dazu als letzte Baurate noch 123 000 Mk. zu bewilligen. Es sind also bei dem Neubau des Mainzer Justizgebäudes und Arre st Haus es, dessen Kosten sich auf über 21/2 Millionen belaufen sollten, nicht weniger als 126 000 Mark erspart worden!

* Stadttheater. Die Fliegerposse ,Parkettsitz Nr. 10', die am Freitag hier zum ersten Male gegeben wird, bietet viel Sehenswertes. Gleich das Vorspiel, das sehr originell einsetzt, läßt uns einen Blick in das Innere unseres Stadttheaters tun. (Neue Dekoration von Dekorationsmaler Karl Schwedler.) In den weiteren drei Akten spielen ein Aeroplan, ein Liftbett, eine Salon-Rodelbahn (angefertigt von Theatermeister Eugen Harprecht) und andere moderne Ne- auifiten eine Rolle. Von dem Inhalt der überaus lustigen Posse sei weiter nichts verraten, uni eine Weihnachts­überraschung zu bieten. Sicher darf aber den Besuchern ein sehr vergnügter Abend versprochen werden.

Der Bauer'sche Gesangverein hat die Sänger­zahl 10 0 erreicht. Dem 100. Sänger (Herrn Heinr. Hahn, Inhaber der Firma H. Hohn, Samenhandlung en gros) soll gelegentlich der Weihnachtsfeier des Vereins am ersten Feiertag in der Turnhalle des Turnvereins eine besondere Ehre zuteil werden.

** Die Weihnachtsferien sind am Samstag in sämtlichen Schulen eingetreten; sie dauern bis 6. Januar.

Landkreis Gießen.

Watzenborn, 22. Dez. Der Gesangverein Ger­mania veranstaltet am 2. Weihnachtstage eine Weih­nachtsfeier. Auf der neu erbauten Bühne des Vereins werden lebende Bilder, Gesangsvorträge und gemischte Chöre vorgeführt werden.

Watzenborn, 22. Dez. Ein festlicher Empfang wurde am Samstag abend dem Unteroffizier Fink zu teil, der 3V2 Jahre bei der Schutztruppe in Südwestasrika ge­dient hat. Er traf um 9 Uhr abends von Kuxhafen am Bahnhof Schiffenberg ein. Eine große Menschenmenge hatte sich angesammelt, um ihn zu begrüßen. Der Gesangverein Germania" und der Turnverein empfingen ihn und unter Sang und Klang wurde er zu seiner Mutter begleitet. Hierauf wurde zu seinen Ehren eine Feier in der Wirtschaft von Gg. Sommer veranstaltet. 9(m Tage wurde er in Gießen von Offizieren im Osfizierskafino bewirtet.

,l. Trais-Horloff, 21. Dez. Einer Einladung des Turn­vereins folgend versammelte sich gestern abeird im neuen Schul­saal ein zahlreiches Publikum, um einen Vortrag des Lehrers Biedenkopf über die Fremdenlegion zu hören. Reicher Beifall wurde den interessanten Ausführungen gezollt. Der Ge­sangverein sang einige Lieder. Lehrer Kraushaar von hier versprach noch zwei Vorträge für diesen Winter; über den Balkan­krieg unb die Luftschiffahrt.

Starkenburg und Rheinhessen.

m Offenbach, 22. Dez. Die Einweihung des Neubaues der Technischen Lehranstalten findet im Beisein des Großherzogs am 23. oder 24. Januar statt. Es ist ein akademischer Akt vorgesehen, außerdem soll eine Ausstellung von Schülerarbeiten stattsinden. Nach einem Beschluß der Betriebsdeputation ist auf der elektrischen Straßen bahn künftig die Mitnahme von Hunden gegen Bezahlung gestattet. Schoßhunde können nut in das Innere des Wagenabteils genommen werden, während größere Hunde nur auf der vorderen Plattform sich aufhalten dürfen.

Hessen-Nassau.

)-( Rod heim a. b. Bieber, 22. Dez. Nachdem zahlreiche Existenzen dadurch ruiniert worben sind, daß sie dem Bankrotteur Borngässer in Gießen Blanko- Wechsel gegeben haben, hat man es für nötig gehalten, heute in einem Vortrag die Bevölkerung über das Wechsel reicht aufklären zu lassen. Mit welcher Ge- wissenlosigkeit Borngäfser in der Erlangung von Unter­schriften auf Wechselsormulare verfahren ist, sieht man an folgendem Fall. Ein kleiner Landwirt hatte dem Manne, auf zwei Wechselformularen seinen Namen geschrieben. Nach einigen Tagen kam Borngäfser zurück unb erzählte, die Papiere feien ihm unterwegs in den Schmutz gefallen und der Bankier wolle dafür zwei saubere Papiere haben. Statt sich nun erst die beiben angeblich beschmutzten Wechsel­akzepte zurückgeben zu lassen, setzte der Mann auf zwei weitere Formulare seinen Namen, so daß Borngäss.'r statt zwei vier Wechsel in Verkehr setzen tonnte. Es soll sich dabei um £inen Betrag handeln, den der Akzeptant d»w Wechsel nie bezahlen kann. Bankier Herz aus Gießen, der mit 10000 Mk. Wechseln beteiligt sein soll, hat mit den Be­zogenen verhandelt; er soll sich zur Annahme von Teil­zahlungen beveit erklärt unb die Zusicherung gegeben haben, .weitgehende Nachsicht üben zu wollen. Ein Teil der Wechsel ist im Besitz von Großbanken, sie sind durch Bürg­schaften gedeckt. Auch eine Genossenschaftsbank hat für die diskontierten Wechselbeträge Sicherheit in .Händen. Aus bem Konkurs werden zwischen 5 bis-8 Proz. für die Gläu­biger heraus kommen.

Lustschiffcibrt.

Das LuftschiffSchütte-Lanz*

ist, wie die .Neue Bad. Lanbeszeituug* meldet, vom Kriegs- Ministerium endgültig zu bem von der Luflschifferwerft Schütte-Lanz geforderten Preiie übernommen worben.

Universitäts-Nachrichten.

Amtlich wirb die Ernennung des Privatdozenten Prof. Dr. med. Paul S ch r ö d e r in B e r l i n zum ordent- lrchen Professor der Psychiatrie uud Direktor der psychia­trischen und Nervenkliuik an der Universität Greifs­wald bestätigt. Er ist dort Nachfolger des nach Göttingen berufenen Professors Dr. Ernst Schultze. Der bekannte Vertreter der systematischen Theologie an der Universität »eide lberg. Geh. Kirchenrat Dr. theol, Dr. phll h c et Dr. jur h c. Emst Troeltsch, ist zum korrespon- ^terenben Mttglled der Philosophisch-historischen Klasse der preußischen -Akademie der Wissenschaften gewählt worden.

I Pros. Troeltsch (geb. 1865 zu Haunstetten bei Augsburg |ii>ar früher in Göttingen und Bonn tätig Seine Publt- iationeu gehören dem Gebrete der Rellgivnsphsilosophie und

der Geschichte der Theologie sowie dem der allgemeinen Geschichte der Entwickelung des inodemen Denkens an. Ter Professor der Matheniatik au der Universität Er­langen, Geheimrat Dr. Paul G o r d a u, im Alter von 75 Jahren gestorben. Der berühmte Wiener Cneu lallst, Hofrat Professor David Heinrich Müller, ist im J7. Lebensjahre gestorben.

Kleine Lageschronik.

In Hagen erschoß nach einer heftigen Auseinandersetzung der Tiefbauunternehmer (rrnft Iüng ft seine Frau. Jüngst, der Vater von acht Kindern ist, stellte sich sofort der Polizei.

Aus München wird gemeldet: Hofrat Prof. v. Bürkel geriet in seinem Jagdgebiete in dem Tllliachlate auf der Gems- jagb mit seinem Revierjäger in eine Lawine. Beide wurden etwa 700 Meter fortgerissen und in bewußtlosem Zustande mif- gesunden. Es ist aber gelungen, sie wieder ins Leben zurückzurufen.

Nach neuerer Meldung sind bei dem Sturm im Kaspj. scheu Meer über sechzig Fischerboote g ef entert Leute am Lande mußten das Unglück mitansahen, ohne HÜst bringen zu können. Bisher sind zehn Leichen geborgen.

Der südböhmische Wallfahrtsott Svpekau bei Mülhausen wurde gestern durch einen großen Brand fast gänzlich ein- geäschert.

Im Küstengebiet des schwarzen Meeres erfolgten meh­rere aufeinander folgende Erdstöße, die sich auf eine Länge von drei Werst ausdehnten und die Gestalt der Küste veränderten. Der Meeresbooden erhob sich und es entstand eine Springslul. Heber 20 Häuser bet Umgebung von Otraba würben beschädigk. An der Erdoberfläche bilbeten sich Stifte bis zu 150 Meter. Dn Schaben ist unbeschreiblich; allein ber Verlust an zerstörtem Grunb unb Boben beträgt mehrere Millionen Rubel.

tzandel.

Vom Roheisenverband.

Köln, 21. D^. In ber heutigen Hauptversantm- lung bes Robeiselweichanbes berichtete bie Verbanbsleitung über bie Marktlage: Das Roheisengeschäst ist sowohl im Jnlcmbe wie auch im Auslanbe in allen Roheisensorten sehr lebhaft. Mit geringer Ausnahme haben bie Jnland- abnehmer ihren Bebarf für baS erfte Semester nächsten Jahres gedeckt unb teilweise erheblich größere Mengen angeforbert als int lausenben Jahre, so baß bie Verkäufe die Beteiligungsziffer bereits überschritten haben. Die Nachfrage vorn A u s l a n d e ist sehr lebhast, bewnbers in den phosphor- haltigen Sorten und kann nur zum geringen Teile befriedigt werben. Der Novernberversanb hielt sich mit ca. 103 Prozent ber Beteiligung ans ber Höhe ber Vormonate. Die Abrusung ist außerorbentlich bringenb, so baß die Hochosenwerke ihre Mühe haben, derselben nachzukommen.

*

* Vom Hypothekenmarkt. Nachdem es seither schon sehr schwer unb teilweise unmöglich war, zu entsprechenben Zinsen zweite Hypotheken zu bekommen, machen bie Hypothekenbanken jetzt selbst bei guten Objekten, bie neu belieben werben sollen, Schwierigkeiten, an erster Stelle höher als 50% ber Taxation zu geben. Dabei werben bie amtlichen Schätzungen, bie bei ber Beleihung zu Grunbe zu legen sinb, von ben Gelbgebern mit einem gewissen Mißtrauen beobachtet unb gar häufig burd) Ver­trauensleute nachgeprüft. Von einem Vertrauensmann einer Hypo­thekenbank wirb uns folgenber in Gießen in neuester Zeit vor­gekommener Fall mitgeteilt. Im Jahre 1907 erwarb ein Herr X ein Anwesen für 110 000 Mark, bas bamals ortsgerichtlich auch so geschätzt war. Von bem Anwesen würbe vom Erwerber bald darauf ein Bauplatz abgetrennt unb bafür 20 000 Mark erlöst, so baß bie Hofreite noch 90000 Mark wert war. In bem Grunb- stück bat ber Eigentümer bis heule etwa 10000 Mark verbaut, so baß sich ber augenblickliche Selbstkostenpreis auf 100 000 Mark beziffert. Das Anwesen ist von ber Branbversicherung mit einem Gebäubewert von 93 000 Mark geschätzt, wobei der Bauwcrt ber Funbamente unb ber Keller nicht mitgerechnet ist. Auf Grund ber Branbversicherungstaxe hat nun bas Lhcksgericht, bas bei seiner Schätzung ben burd) ben Schätzer ber Lanbesbranbkasse zu Grunde gelegten Bau wert berücksichtigt, bas Grrrnbstück zur hypothekarischen Beleihung auf 136 000 Mark eingeschätzt. Danach soll also bas betrefsenbe, Anwesen in brei Jahren um 36 000 Mark wertvoller geworben sein, babei ist in ber Gegenb, in ber sich bas Anwesen befinbet, nichts geschehen, was einen solchen Wertzuwachs recht­fertigen könnte. Die hohen Taxationen unb bte bannt Hanb in Hanb gehenben Hypotheken beförbent ohne Zweifel bie Steigerung ber Wohnungsmieten. Dieser Fall soll in Gießen nicht vereinzelt bastehen. Wenn man hock) geschraubte Taxationen zu bem Zweck, eine hohe, über ben lvahren Wert hinausgehenbe Belastung zu ermöglichen, erreichen kann, so ist biese Art ber Taxation von Immobilien im allgemeinen Interesse ungesunb.

Amtlicher Wetterbericht.

Oeffentlicher Wetterbien st, Gießen. Wetteraussichten in Hessen ffie Dienstag, de» 24. Dez. 1918; Meist trüb, vereinzelt Niederschläge, etwas milder.

Letzte r^actzriehten.

Türkische Kriegsplrine.

:/: Köln, 23. Dez. (Priv.-Tel.) DerKöln. Ztg" wirb aus Konstantinopel g-melbot, daß Mahmud Schefket Pascha an die Spitze des Heeres ge­stellt werden soll, um die Truppen nach Sofia und Athen zu führen. Der Plan geht von den jungtürkischen Mhrevn aus, die sich anscheinend den Beistand der türkischen Freiwilligen gesichert haben. Aus diesem Grunde werden auch den türkischen Vertretern bei den Friedensunterhandlun- gen keine entgegenkommenderen Instruktio­nen erteilt. Der Minister des Aeußern hat des- halb wiederholt seine Entlassung erbeten, aber bis­her ohne Erfolg. Der Gr o ß w esir und Nasim P ascha sind für die Fortsetzung des Krieges.

Bulgarische Grausamkeiten.

Konstantinopel, 22. Dez. MuhamedanischcFlücht­linge aus Keschau sagen aus, daß die regulären bul­garischen Truppen, die kurz vor dem Waffensllllstand dort antamen, sich gut geführt haben. Dagegen haben die Ko- midatschis vorher schrecklich gehaust und zahlreiche Türken ermordet. Flüchtlinge aus Scharköna be­stätigen, daß dort von Bulgaren große Metzeleien verM worden sind.

* Ein Autounglück

Pforzheim, 23. Dez. Das Automobil bei Fabrikanten Rönger fuhr im benachbarten babischen Dorfe Söllingen in eine Gruppe von 12 spiele^ ben Kinbern. Drei Kinder wurden überfah' ren und schwer verletzt, ein vierjähriges Mäd­chen ist seinen Verletzungen inzwischen erlegen.

Panik in einem Kinemalographen.

Brüssel, 23. Dez. In dem in der Nähe der ftcmzösi- schen Grenze liegenden Dorf Menier entstaub in einem von 700 Personen besetzten Kmematographm-Theater burd? einen Filmbranb eine Panik. Eine Anzahl Personen sprang von ber Galerie auf die im unteren Stock befinde- lichen Leute. Zwölf Personen, meist Frauen und Kinder, lvurden getötet nick) 50 verwundet. Die ganze Panik war unbegründet, da irgend eine Gefahr >llcht bestanden hat. Der Brand wurde sofort gelöscht-