früljiing" von Jüngst, unter Leitung von Karl Hirsch fNüm- 6etg), der in seiner ganzen Ätt an unsere besten Volkslieder erinnert: wochl schon aus diesem Grund fand er die Anerkennung der Zuhörer. Dann folgte „Wie's daheim war" von Wohlig e m u t h. Das herzige Lied, das so recht den deutschen Volkston Grifft, dirigierte der Komponist Gustav Wohlgemut fCciwg) selbst; -er ist bekannt als ein Mann der Masse, der seine Länger m ^temperamentvoller Weise zusammenzuhalten vergeht und lo auch mit deren Hilfe der Komposition zu einem durchschlagenden Erfolg verhalf. Seinen reizenden „Frühlingszauber" dirigierte Max Meyer-Olbersleben (Würzburg) selber; der gewohnte Erfolg blieb ihm auch diesmal wieder treu. Tas Programm der 'heutigen Aiifführung schloß in wirkungsvoller Weise die gewaltige Kantate „Deutscher Heerbann" von Woyrsch unter Leitung von Professor Wilhelm Förstler (Stuttgart,. Als Solisten wirkten der Königl. Kammersänger Otto Wolf (München) als Tenor und Kammersänger Alfred Käse Leipzig) als Bariton.
Morgen nachmittag folgt die zweite und letzte Feitamsührung und am Abend der dritte Kommers. Mit dem Längertag am Mittwoch findet dann das Sängerbundesfest sein Ende^
Aus Stadt und Land.
föie&en, 30. Juli 1912.
** Lehrerperson alien. Bestätigt tour b e der von dem Grafen zu Erbach-Fürstenau auf die erledigte Lehrerstelle an der Gemeindeschule Ober-Hainbrunn präsentierte Schulamtsaspirant Buchter aus Brensbach und der von dem Grafen zu Erbach-^Fürstenau auf die erledigte Lehrerstclle an der Gemeinde'chule zu Steinbuch präsentierte Schulamtsaspirant Leonh. Ripp er aus Pfaffen-Bcerfurth. In den Ruhestand versetzt wurde die Lehrerin an der Volksschule zu Mainz Elise Toft- mann auf ihr Nachsuchen, unter Anerkennung ihrer langjährigen treuen Dienste, ©rlebigt finb: Die mit einem evang. Lehrer zu besetzenbe Lehrerstelle an der Gemeinbeschule zu Lützel-Wiebelsbach. Das Präsentationsrecht steht bem Fürsten zu Lötoenstein-Wertheim-Rosenberg und bem Fürsten und Grafen zu Erbach-Schönbertz fcu. Mit ber Stelle ist Organistendienst verbunden. Drei mit evang. Lehrern zu besetzende Lehrerstellen an der Gemeinde- schule zu Nauheim. Mit der einen Stelle ist Organistendienst zur Hälfte verbunden.
** Ruhestandsversetzung. Der Großherzog hat den Oberlehrer an dem Landgraf-Ludtoigs-Ghmnasium zu Gießen Professor Dr. Gg. Clemm auf sein Nachsuchen unter Anerkenmlng seiner treu geleisteten Dienste in den Ruhestand versetzt.
** Für die Sitzung der Stadtverordneten- Versammlung am Donnerstag, 1. August, nacbm. 4 Uhr, ist folgende Tagesordnung vorgesehen: 1. Mitteilungen. 2. Gesuch des A. Michel um Genehmigung zur Errichtung einer Waschküche Walltorstraße 29. 3. Baugesuch des Friedrich Wörner für Krofdorf er Straße 13 4. Einfriedigung Marburger Straße 111, Wilhelm Kumpf. 5. Baugelände für die Baugenossenschaft. 6. Fluchtlinie im Großen Steintoeg. 7. Erbauung eines Eichamtsgebäudes. 8. Genehmigung von Rechnungen. 9. Gesuch des Kaninchenzucht- und Pflegevereins um Gewährung eines Beitrags. 10. Zuschuß zum Konzertverein. 11. Zuschuß zum Stadltheater. 12. Zuschuß zur landwirtschaftlichen Kreisschau. 13. Berufsvormundschaft.
** Alldeutscher Verband. Die Ortsgruppe Gießen hielt vergangenen Freitag ihre Hauptmitgliederversammlung ab. Vor der Oesfentlich-keit war die Ortsgruppe im Berichtsjahre (1. Juli 1911 bis 31. Juni 1912) in vier Vortragsabenden tätig. Zlvci Abende (25. Sept, und 4. Dez.) waren der Marokkofrage gewidmet (Redner: Privatdozent Dr. Wirth und Professor Graf du Moulin-Eckart-Rtünchen). Am dritten Abend (18. Jan ), mit dem die Feier ber Reichsgründung verbunben war, sprach Dr. Wirth über Deutschlands Entwickelung von 1871 bis 1911. Am 28. Juni hielt Amtsaerichtsrat Dr. Mahr einen Vortrag über Burg Persen und die deutschen Sprachinseln im Fersental (Südtirol). Die Mitgliederzahl har in diesem Jahr die bisherige, zur Zeit des Burenkriegs erreichte Höchstzahl überschritten. Dem Alldeutschen Wehrschatz 'für bedrohtes Auslandsdeutschtum, sowie den Sammlungen für Lusern und Blumenau - konnten kleinere Beiträge zugewiesen werden. Die Veranstaltungen der Ortsgruppe zugunsten Luserns und Blumenaus brachten nur wenig ein; immerhin hat der Alldeutsche Verband als Gesamtergebnis seiner Sammlungen in Deutschland nach Blumenau etwa 10000 Mk., nach Lusern etwa 4000 Mk. senden können. Im Vergleich zu dem Ergebnis der von: Auswärtigen Amt für Blumenau veranstalteten Sammlungen, das zu kläglich war, um es veröffentlichen zu können, ist diese größtenteils innerhalb des Verbandes selbst aufgebrachte Summe noch recht stattlich zu nennen, wenn auch dabei in unseren deutschen Landsleuten im Ausland ber Gedanke an die Millionen die von Deutschland vor einigen Jahren den Sizilianern gesandt wurden, manch' bitteres Gefühl erweckt haben dürfte.
•• Stadttheater. Leharö neueste Operette „Eva", die am Donnerstag abend hier gegeben wirb, hat gestern abend bei der Erstaufführung in Bad-Nauheim einen schönen Erfolg errungen. Zahlreiche Hervorrufe aus offener Szene lohnten die Darsteller, namentlich die Paare Thaller und Beer, sowie Walls und Harden.
♦* Schülerkonzert. Am Sonntag nachmittag gab bas Kruses che Musik-Institut sein wie alljährlich gut besuchtes Schülerkonzert im Saale bes kath. Vereins- hauses. Unter den 20 Sclstilern waren auch einige Mädchen. Mit viel Geschick brachte die junge Schar als Einleitung die fd)ön getragene Weise von Bach „Frühlings Erwachen" und „Das Mbumblatt" von Rich. Wagner zu Gehör. Die volle Anerkennung der Zuhörer fanden u. a. fliirt) „Der Luxemburgwalzer", die Ouvertüre „Flotte Bursche" und „Der Förster^5hristel-Walzer", wobei man besonders die schon gute Technik der Schüler bewunderte. Den Schluß bildete der von C. Kruse selbst komponierte „Frühlingsmarsch", der auch mit großem Beifall ausgenommen wurde.
"Die Lesehalle am SclterStor muß während des Monats August wegen baulicher Herstellung geschloffen bleiben. (S. Inserat.)
Landkreis Gießen.
= Lollar, 29. Juli. Am 14., 21. und 28. d. M. fand das P r e i s s ch i e ß e n dcS Veteranen- und Krieger Vereins unter reger Beteiligung der Vereinsmitglieder statt ES wurden außer den Einlcaeschießen 131 Nummern ä 3 Schuß auf die Preise geschossen. Tie arg beschossenen 4 Ehrenscheiben ^7 es kamen im Durchschnitt aus 22 Scliuß 20 Treffer — erhielten Hch. Agel, Job. Schäfer, Fr. Heuser und Kl. Schmitt. Nach kurzer Ansprache des Borsipenden verteilte er die 18 Preise mit humorvollen Begleitworten und Wünschen an: 1. Preis Hch. Christ auf 58 Ringe; 2. H. Bender 57: 3. Fr. Heuser 55; 4. Fr. Schön 55; 5. Kl. Moos 54; 6. H. Abel 54: 7. Otto Lang 54; 8. Eckert 54; 9. Kl. Schmitt 53: 10. Weller 52; 11. Joh. Schäfer 51; 12. H. Geißler 50; 13. fHn £oab 50: 14. H. Schäfer III. 50; 15. H. Ikihri iß. H. .hark 49;
17. Rühl 49; 18. H. Agel 48. Im Herbst soll noch ein Schießen auf Figurscheiben stattfinden. „
△ Lrch, 29. Juli. Der Mitteldeutsche Sanger- verband hält nächsten Sonntag auf dem Hardtberge sein diesjähriges Verbandsfest ab. Zum Vortrag gelangen in erster Linie Volkslieder und volkstümliche Lieder.
Kreis Büdingen.
— Nidda, 28. Juli. Da in diesem Jahre der Tag von Gravelotte auf einen Sonntag fällt, will ihn der nesige Veteranenverband besonders feierlich begehen. Für vormittags sind Kirchenparade, Kranzniederlegung unter entsprechenden Ansprachen am Kriegerdenkmal und Konzert daselbst vorgesehen. Nachmittags wird eine Feier in Krafts Garten mit Konzert stattsinden und adendS soll ein Ball in Krafts Eaalbau die Feier abschließen.
Kreis Lauterbach.
O Wallenrod, 28. Juli. Tas Missionsfest des Dekanats Lauterbach sand heute hier statt. Um 10 Uhr fand Festgottesdienst in der Kirche statt. Pfarrer Schäfer aus Hartershausen hielt die Festpredigt. Ter Wallenroder Posaunenchor empfing die Teilnehmer mit BeethovenS .Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre". DaS eigentliche Missionöfest nahm seinen Anfang um * 1ft2 Uhr. Ter Posaunenchor, verstärkt durch die Slockhauser Kirchenkapelle, eröffnete daS Fest mit dem Choral »Gott ist die Liebe". Ter Dekan deS Dekanats Lauterbach empfing die Erschienenen und dankte den Missionsfreunden für ihre Mitwirkung. Tie Missionspredigt hielt Missionar Müller. Seine Worte knüpften sich an daS Bibel,vort „Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trühsal, haltet an im Gebet". Pfarrer Schäfer aus Harter?, hausen sprach über die Tätigkeit der Mission. Eine Kollekte brachte reichen Ertrag. Nach einer Pause fand eine Nach- Versammlung statt. Missionar Müller sprach über das Leben der Heiden in China. Pfarrer Knott au§ Wallen- rod führte Beispiele an, wie durch ganz geringe Beiträge der Schulkinder eine Gabe für die Mission erzielt ivird. Tie Wallenroder Schillkinder hatten eine Liebesgabe von Mk. 60 jährlich erzielt, die zur Heidenmission in Indien verwendet wurden.
Hessen-Nassau.
X Hanau, 28. Jllti. In ber Presse wird soeben die Leidensgeschichte des Kriegsinvaliden Dur, der von Hanoi» nach Berlin gereift war, um für den Nest seines Lebens in einem Heim Unterkunft 31t suchen, aber am ver- gangenen Sonntag in der Düsseldorfer Straße infolge von Entkräftung gestorben ist, lebhaft erörtert. Einige ergänzende Mitteilungen dürften deshalb nicht ohne Interesse sein. Dux, von Beruf Maurer und gebürtig aus Schlesien, hatte 1866 den Mainfeldzug gegen Oesterreich mitgemacht und im Feldzüge 1870/71 bei der zweiten Armee unter Prinz Friedrich Karl gekämpft. Im vorigen Jahre hielt er sich in ber Gegenb von Würzburg auf, woselbst er hausierte nnb schließlich auch bettelte, infolge besten seine Abschiebung nach Prelißen, bezw. Hanau als Grenzstation erfolgte. Als Lanbarmer mürbe er in Hanau bem Lanbkrankenhause überwiesen, in bem er vom Dezember 0. Js. bis zum Juli b. Js. blieb. Während seines Aufenthaltes in Hanau war ihm auch die Veteranenbeihilfe in Höhe von monatlich 10 Mk. zugebilligt worden, die er sechsmal erhob. Im Hanauer Landkrankenhause hatte man ihm den Vorschlag gemacht, gegen Uebernahme kleiner Hand- reichungen fernerhin zu bleiben. Dies lehnte er ab, ba er den Wunsch hegte, noch Berlin zu fahren, um in einem Jnvalibenheim unterzukommen. Sein Verlangen war, einmal mit Musik beerdigt zu werden. Mit 43 Mk. Reisegeld trat er von Hanau auS die Fahrt noch Berlin an, die für ihn so tragisch endete.
Kreis Wetzlar.
— LaunSbach, 29. Juli. Die Allgem. ElektrizitätS- Gesellschaft erhielt heute den Sluftrag zum Bau der elektrischen OrtS an läge, welche noch vor Winter fertig- gestellt werden soll. Die Stromlieferung erfolgt im Anschluß an die durch die Gemarkung hindurchsührende Kraftübertrag- ungSleitung ber BuberuSschen Eisenwerke.
(!) Dutenhofen, 29. Juli. DaS gestrige Jahr essest ber Kleinkinberschule gestaltete sich zu einem echten Gemeindefest, bei dem auch unser Posaunenchor mitwirkte. Die Kleinen zeigten ihr bestes Können und erfreuten alle Anwesenden durch Spiel und Gesang. Zum Schlüsse wurden sie mit Kaffee und Bretzeln bewirtet.
----Leun, 29. Juli. Unser Städtchen wird noch in diesem Spätherbst elektrische Beleuchtung erhalten im Anschluß an die Kraftwerke ber BuberuSschen Eisenwerke. Die Bauausführung der von Ingenieur Dr. Kraetzer-Bingen projektierten Anlage würbe ben SiemenS-Schuckert-Werken übertragen.
Hessen-Nassau.
— Oberscheld, 29. Juli. Au» 1. August wird ber an ber Bahnstrecke Dillenburg—Wallaii gelegene frühere Personen-Haltepunkt, jetzige Bahnhof 4. Klaffe Oberscheld- Ort für ben Eil- unb Frachtstückgut-, WagenladungS- und Tierverkehr eröffnet. Die Abfertigung von Sprengstoffen bleibt ausgeschlossen.
Die Tuberlulose-Vekampsung im Mittelstände.
Man schreibt uns:
Die Frage ber Bekämpfung ber Tuberkulose im Mittelstanbe ist in Icpter Zeit von neuem in Fluß gekommen. Am 5. Januar l. I. sanb im Reichsaml bes Innern eine Besprechung statt, bereit Hauptzweck barin bestanb, Mittel unb Wege zu finden, wie bic Heilstätkenbehanblung, die mit ihrer günstigen Wirkung seither bflUDtiädüicb bem durch die sozialen Versichermtgsgesetze zwangsweise versicherten Arbeiterstand zu Gute gekommen ist, auch dem Mittelstände zugängig gemacht werben könne. Zur Klärung der ganzen Frage wurde bic Bildung eines Organsiationsausschusses empfohlen, der engsten Anschluß an bas deutsche Zentralkomitee zur Bekämpfung bet Tuberkulose in Berlin suchen und mit ihm zusammen bic Lösung der Frage in Angriff nehmen solle. Bei der btesjadrigen Hauptversammlung des Deutschen Zentralkomitees wurde die Frage der Tuberkulofe-Bekämpfung im Mittelstände aut bic Tagesordnung gesetzt unb ber Vorsitzende des Vorstandes der Landesvernchernngsanstall Großh. Hessen, Geheime Rcgi^ungs- rat Dr. Tietz, zum Berichterstatter bestellt. In diesem Bericht wurde cinlcitenb baraus dingewiesen, baß bas deutsche Zentralkomitee wie auch alle Landes- und Lokalvereine gleicher Richtung den Zweck verfolgen, nicht nur die Tuberkulose im Arbeiterstand Mt bekommen, sondern ihr Augenmerk auch auf den großen Mittelstand zu richten, ber ber sozialen Fürsorge vielfach nicht weniger bedürfe, als der Arbeiterstand. Nach dem Bericht nnb alle Personen dem Mittelstände zuzurechnen, die nicht in der
Lage finb, teuere Privalfanatorien aufzusuchen. Es gehören hierher nicht nur untere und mittlere Staats- und Gemeindebeamte, kaufmännische, technische und industrielle Angestellte mit kleinen oder mittleren Einkommen, kleine Handwerksmeuter, Kamleute, Landwirte, sondern auch die große Menge akademisch gebildeter Pcrioncn, also Juristen, Geistliche, Lehrer, Aerzte, die nickt über Privatvermögen verfügen. Daß in diesen Kreisen die Tuberkulose in erheblichem Maße verbreitet ist. ist eine allgemeine Erfahrung bebart eines zahlenmäßigen Nachweises nicht, <yür einen Teil bieses Mittelstandes ist zurzeit bereits insofern gesorgt, a's eine Reihe von PersonenNasi'en des Mittelstandes, z. B. Bctriebsbeamte, Werkmeister, Handlungs-Gehilfen unb -Lehrlinge, Gehilfen und Lehrlinge in Apotheken, Bühnen- und Orchester- mitglchder, Lehrer unb Erzieher, Schiffer — alle sofern ihr regelmäßiger Jahresverdienst 2000 Mark nicht übersteigt —, invallbenverficherungspslichtig sind. Für diese Personen — unb nach neuester Bestimmung auch für ihre Witwen — können bie Landesversicherungsanstalten im Erkrankungsfalle eintreten. Ter Kreis dieser Personen wirb auRcrbcm bald vermehrt durch bas Verficherunqsgesetz für bie Angestellten, bas bie angegebenen Personenklassen mit einem Jahrcsarbcitsverbienst bis zu 5000 Mk. in bie Versicherung einbezieht. Zu beachten ist außerdem, daß die genannten Personen, sofern ihr Jahresarbeitsverdienst mehr als 2000 Mark, aber nicht über 3000 Mark beträgt, sich freiwillig bei den Landesversicherungsanstalten versichern können, ebenso unter gewissen Voraussetzungen bie kleinen Gewerbetreibenden und andere Betriebsunterneknncr. Von dieser, freiwilligen Versicherung, die ebenfalls das Eintreten der Versicherungsan- talteu im Erkrankungsfall ermöglichen würde, wird leider aber nur ein verschwindend geringer Gebrauch gemacht
Soweit für den Mittelstand also nicht bereits durch die Ber- sicherungsanstalten gesorgt wurde, ist er in ber Haicptsache auf Selbsthilfe angewiesen. Von der Heilstättenbehandlung bat auch ber Mittelstand bisher schon Gebrauch gemacht, wenn auch zu einem recht geringen Teil. An der Hellstättenbehandlung muß aber nach der überwiegenden Ansicht der Fachmänner vorerst bei der Tuberkulose festgehalten werben. Es fragt sich baher, ob für den Mittelstand weitere Tuberkulose-Heilstätten gebaut werden sollen, oder ob die vorhandenen Heilstätten genügen, lieber diese Frage sind die Ansichten geteilt. Der Berichterstatter glaubte jedoch, daß bezüglich der (Errichtung weiterer Heilstätten mit großer Vorsicht vorgegangen werden müsse, und baß man zunächst einmal den Versuch machen solle, mit den vorhandenen Heilstätten auszukommen. Um aber weitere Heilstätten zu bauen, um Heilstättenkuren unb alle sonstigen Maßnahmen, wie sie bic Bekämpfung ber Tuberkulose erforbert, durchzuführen, dazu gehört Geld und nochmals Geld. In H e s s c n ist es der H ci l stä 11 ende r e i n für das Großherzogtum Hessen, ber sich bie Bekämpfung ber Tuberkulose, insbesondere auch im Mittelstand, zur Ausgabe gestellt bat. Wenn diesem Verein in größerem Umfang wie bisher Personen des Mittelstandes beitreten, dann wird es bem Verein ermöglicht, Kirch Ansammlung von Unterstützungsfonds, durch Einrichtung von Freibetten, ober durch Erwirkung von Preisermäßigungen in Mittelstandsheilstättcn den Interessen des Mittelstandes in viel nachdrücklicherer Weise als seither zu dienen. Möge darum bie Erkenntnis von ber Notwendigkeit unb Ersprießlichkeit dieser Selbsthilfenorganisation in weitere Kreise des Mittelstandes bringen und dem Heilstätten- verein immer zahlreichere Mitglieder zuführen, denn bann wird auch in unserem engeren Vaterland die Tuberkulose-Bekämpfung im Mittelstand einen neuen Antrieb erhalten, und cs wird auch bei uns auf diesem wichtigen Gebiet ein bedeutungsvoller Schritt vorwärts getan werden können. — Beitrittserklärungen zum Heilstättenverein sind zu richten an dessen Vorstand, Darmstadt, Wil- helminenstraßc 34. Der Mindest-Jahresbeitrag beträgt nur 2Mk.
Landwirtschaft.
— Ter Allgemeine Schweizerbund, jur Person, Sih Leipzig, hielt am 20. unb 21. Juli in Berlin seine diesjährige Haupttagung ab; sic wurde durch Vorträge des Vorsitzenden, sowie der Herren Tr. Wilsdorf und Dr. Kirstein, Berlin, über die Bedeutung der Viehzucht für die Volksermäbnurg, cingcleitct. Tie Tagung war von Vertretern ber Berusssckweizvc aller deutschen Provinzen recht zahlreich besucht. Tas Vermögen des Bundes beträgt nach dem von Diplom-Bücher Revisor Boehm erstatteten Kassenbericht 10 327,83 Mk. Der Bund besitzt eine eigene wissenschaftliche Fachzeitschrift und hat bis jetzt 12 eigene Zweigstellen mit kostenlosem Stellennachweis, von welchen bis jetzt 5037 Stellen besetzt wurden, errichtet, (weitere Zweigstellen sollen in Tirschau, Berlin, Insterburg, Halmover und Köln gegründet werden). Der Zutvachs der Mitglieder in den letzten acht Monaten betrug 1292. Die bestehende Krankenzuschußkasse wurde erweitert und gleichzeitig eine llnsallkasse gegründet. Tie Oberschweizerschule in Nieder-Ottenhain, welche die Unterstützung und Anerkentiung von lanbwirtschaftlick)en Behörden unb des Königl. Sächs. Ministeriums genießt, hat in 11 ihtrfen 85 Ober- schweizer, welche mit Erfolg die Schule besuchten, als geprüft entlassen.
Sport.
Homburg vor ber Höhe, 29. Juli. DaS zweite große internationale Tontaubenschießen finbet in ben Tagen v-'-n 2. bis 3. Septen,der im Anschluß an bas internationale Tennis- T 0 urnier in Bad HonU urg statt Regierungspräsident von Meister hat für ben internationalen Tontaubenschießklub die Summe von 1000 Mark gestiftet.
Kleine Tageschronik.
Am Montag nachmittag entgleiste ein Lokalzug auf der Fahrt nach bem Seebabe Dourbufs bei Morlaix -Tep. Finisterre). Vier Reisenbe wurden getötet, 15 zumeist schwer verletzt.
Im Hasen von Bordeaux wurde am Sonntag abend ein mit 6 Personen besetztes Boot von einem Raddampfer angt* rannt und in den Grund gebohrt. Fünf Bootsinsassen er trän Fen.
Eisenbahnunfäsle.
Görlitz, 29. Juli. (Amtlich.) Gestern um 5.36 Uhr nachmittags fuhr bei der Abferttgung des Eilzuges No. 116 die nach Berlin leerfahnende Lokomotive stark auf den tzchlußtoagen des Eilzuges Nr. 116. 13 Reisende wurden leicht verletzt. Die Reifenden setzten sämtlich ihre Fahrt fort. Der Matermlschaden ist unerheblich.
Königsberg i. Pr, 29. Juli. Gestern abend kurz vor 9 Uhr sind in der Nähe des Bahnhofes Metgethcn die Züge Nr. 205 und 206, beides Metgcthener MisflugS- züge, aber nicht stark besetzt, zusammengestoßen. Beide Lokomotiven und sieben Wagen wurden stark beschädigt. Ein Schaffner erlitt einen Beinbruch, eine Frau einen Nervenchoc. Beide wurden nach Königsberg gebracht.
SandeL
— Der Brutto-Ueberschuß ber Berg werk-- Gesellschaft Hibernia betrug im zweiten Quartal 1912 Mk. 3 788 972 gegen Mk. 2 401 167 im vorigen Quartal unb Mk. 2 454 921 im zweiten Quartal des Vorjahres.
Verantwortlich für „Feuilleton" und „Vermischtes": I. V.: A u g u ft Goc tz.
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