Ausgabe 
25.3.1912 Zweites Blatt
 
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Nr. 72

geleitete Kaiser Franz Josef s Appartements. Die beiden 9J

Monarchen blieben einige Mi-

niederlegen.

Die Abendtafel.

DieAktien« Kamilkndlotter" werden dem .Anzeiger^ viermal wöchentlich beigelegt, da- NrelrblaN für -ev Kreil Siehen" groeimal wöchentlich. Dierandwirtschaftlichen Seit- fragea" erscheinen monatlich zweimal.

ganz ohne Öffentlichkeit abspielte. Nach der Begrüßung

--«..1^1.- >---|c(nc Güste nach den Frernden-

SRebartion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Exped-.tion und Verlag: esit^bL Redaktion: e-sA HL. Tel.-Adr>AnzeigerGieben»

** Ordensverleihung. Der Großherzog hat dem städtischen Gartendirektor W. Schröder zu Mainz die Erlaubnis zur Annahme und zum Tragen des ihm von benr König von Preußen verliehenen Königlichen KronenordenS^ 4. Klaffe und des ihm von der Großherzogin-Regentin von Luxemburg verliehenen Ritterkreuzes 2, Klaffe mit der Krone des Raffauifchen Militär- und Zivilverdienstordens Adolfs von Raffau erteilt.

- Pfarrdienstnachrichten. Ernannt roueben:, Pfarrverwalter Töll zu Dittelsheim zum Pfarroerwaltor in Freiensteinau; PfarramtSkanbibat Bönning zu Tarmstabt zum Pfarroerwalter inBrauerfchwenb; PfarramtSkanbibat Flöel, z. 3t beurlaubt, zum Pfarrasststenten ber PetruSgemeinbe zu Tarmitabt. Zur Wiederbefetzung werden ausgeschrieben: bie eoang. Pfarrstelle zu Frischborn; ben sämtlichen Riebesek Freiherren zu Eisenbach steht bas Präsentationsrecht zu; die' zweite eoang. Pfarrstelle an ber Johannesgemeinbe zu Darm­stabt; bie evangel. Pfarrstelle zu Wohnbach; bem Grafen Wilhelm zu SolmS-Laubach stehl bas Präsentationsrecht zur bie eoang. Pfarrstelle zu Ilbeshausen.

** Eisenbahnpersonalien. Tas allgem. Ehren­zeichen wurde verliehen bem Weichensteller JohS. Herrmann H. in Wenkbach bei Rieberwalgern unb bem Labemeister Hch, Weber in Wetzlar. Dem Regierungsbaumeister Sammet in Friebberg würbe bie etatsmäßige Stelle eines RegierungS- baumeiuers bei ber Staatseisenbahnverwaltung verliehen. Ernannt würben bie kommiffarischen Eisenbahnassistenten Ra u. m HerSfelb und Baumann in Weilburg zu Eisenbahn- afsiilenten, sowie der komm,ffarische Eisenbahnassistent Jlge in Bad-Nauheim zum Elsenbahnafsistenten. Versetzt routb^

b et Uni ber f i t fi t Marburg ohne Rücksicht aus die etwa errichtete Universität Frankfurt mit tunlichster Beschleunigung zu fördern.

Am 22 b. Mts. hielt auf der diesjährigen Hauptversammlung deS Vereins für Hebung der Fl uff- und >t a n a I - schtf fahrt in München in Gegenwart deS Protektor- deS Ver­eins, ^brrnien L u d w i g von Bavern, Zahlreicher höherer Beamten der Ministerien. deS Präsidenten der Handele lainmer, Profestoren der Universität und technischen Hochschule Geh Reg - Rat v. I Hering auS Gießen einen mit lebhaftem Bestall mlfgenommenen Vortrag über die Rbeinschiisahrt BaselBodensee, an welchen sich eine lebhaste, durch den Prinzen Ludwig eingeleitcte Aussprache anschloß.

rlrbeiterbewegung.

Vom englischen Bergarbeiterauestand.

2 o n b o n, 23. März. Der Bergarbeitervcrband beschloß, am Montag vormittag mit ber Regierung zusammen 5U kommen unb seine eigenen Beratungen erst am Nachmittag wieder aufzunehmen.

Montag, 25. März sys2

Rotationsdruck und Verlag der Br üblichen UniversilälS»Buch- und Steindruckeret.

R. Lange, Gießen.

l?eer und Flotte.

Die bayerische Heeresverwaltung beabsich­tigt aus Anlaß der Heeresverstärkung die nachstehenden Maßnahmen auszuführen: Bei der Infanterie soll eine Anzahl Bataillone auf höhere Etats gebracht werden. Zwei Bataillone werden von beim diesseitigen Bayern nach ber Pfalz verlegt. Die der Grenze benachbarte dritte Division wird dadurch schon im Frieden auf die volle Anzahl von Bataillonen gebracht. Bei sämtlichen Jnfanterieregimen- tern, denen noch keine Maschinengewehrkompagnien zuge­teilt sind, sollen Ma^chinengewehrkompagnien er­richtet werden. Die Zahl der Stellen der Majore und Hauptleute beim Stabe und den Jnfanterieregimentem soll lermehrt werden, um über die Besetzung der Stabsofsizier- tellen bei der Mobilmachungsformation benötigten Offi- jiere zu verfügen. Beim fünften Chevaulegers Regiment in Saargemünd wird eine fünfte Eskadron errichtet. Fünf Artillerie-Regimenter sollen die noch fehlenden sechs­ten Batterien erhalten. Die Batterien niederen Etats ollen auf mittleren Etat gebracht werden. Mit Rücksicht auf den Bedarf an Offizieren im Mobilmachungsfall ist be­absichtigt, bei der Feldartillerie Stellen für sechs Ober­leutnants und sechs weitere Hauptleute beton Stabe zu etatieren. Die Fußartitleriebrigad e wird in drei Regi­menter zu je zwei Bataillonen gegliedert. Als Standorte ollen zugewiesen werden dem ersten Regiment München und Neuulm, dem zweiten Metz, dem dritten Ingolstadt. Jedes Regiment erhält eine Bespannungsableilung. Die in den Etats schon bestehenden BespannunasabteUungen werden erhöht. Bei den Pionieren wird ein viertes Bataillon gebildet: zwei Kompagnien werden neu errich­tet. Bei den Berkehrstruppen werden die Etats er­höbt. Tas Telegraphenbataillon erhält eine dritte Kompagnie und eine eigene Bespannungsabteilung. Eine Fliegerkompagnie wird neu errichtet. Bei den 'Pionierbataillonen sollen vier Komoagnien aufgestellt wer- >cn. Endlich werden vier Landwehrinspektionen errichtet mit dem Sitz in München, Nürnberg, Würzburg und Landau. Die Durchführung der beabsichtigten organi­satorischen Maßnahmen ist verteilt auf die Jahre 1912 bis 1914.

Deutsches Reich.

Zur zweiten Lesung des P o st o o ran schla gs beantragt die wirtschaftliche Vereinigung mit Unterstützung der Zentrums­mitglieder im Reichstag, ben Reichskanzler zu ersuchen, Er­wägungen barüber anzustellen, wie für bie Arbeiter unb Handwerker der Reichspost- und Telegraphen- verwaltung bas Arbeitsverhältnis günstiger zu gestalten ist, insbesondere durch Aufnahme in ein ständiges Arbeitsverhältnis unb Umwandlung der Tagelöhne in Wochenlöhne. Ferner sollen die Arbeiter und Handwerker einen angemessenen Teil ihrer Ar­beiter- und Handwerkerdienstiahre aus das Besoldungsdienstalter angerechnet erhalten. Schließlich soll eine Denkschrift über das Ergebnis der versicherungstechnischen Ermittelungen und Er­wägungen über die Errichtung einer Pensionskasse für diese Ar­beiter und Handwerker vorgelegt werden.

Zur zweiten Lesung des Kultnsetats im preußischen Abgeordnetenhaus beantragt das Zentrum mit Unterstützung der Konservativen den Ausbau, der Universität Münster zu einer vollen Univ ersität sowie ben weiteren .Ausbau

lieber die vesörderungraursichten der Richter schreibt Dr. Michelsen in derDeutschen Richterzeitung":

Weitaus am besten sind sie in den Hansastädtcn, wo im Oberlandesgerichtsbezirk Hamburg gegenüber 83 Land­richter- und 105 Amtsrichterstellen (zusammen 188) 67 ge­hobene Stellen (36 beim Oberlandesgericht und 31 bei den Landgerichten) vorhanden sind, so daß beinahe jeder Dritte in eine höhere Stellung einrücken kann. Daneben stehen die Reichslande mit 25 Proz. gehobener Stellen. In Olden­burg, Braunschweig und Mecklenburg ist jedem fünften Rich­ter solche Aufrückungsmöglichkeit gegeben, und fast ebenso sieht es in Sachsen und Baden aus. Dann folgt Preußen (kaum jeder fünfte). Schlechter sind die Aussichten im Oberlandesgerichtsbezirk Jena und in Württemberg, wo nur für fast jeden Sechsten eine gehobene Stelle bereit­steht, und endlich schließen Hessen und Bayern mit dem annähernden Verhältnis von 1 zu 7.

Die einzige Veranstaltung, die über den intimen Cha­rakter des Besuches des deutschen Kaisers hinausging, war die Tafel, die abends in der großen Galerie des Schön­brunner Schlosses stattfand. Ihn 7 Uhr betrat der Hof die große Galerie unter Borantritt Kaiser Wilhelms, der die Erzherzogin Marie Christine führte. Tann folgten Kaiser Franz Josef mit der Prinzessin August Wilhelm. Hierauf Prinz August Wilhelm mit der Erzherzogin Blanko, Er; Herzog Peter Ferdinand mit der Erzherzogin Maria Valerie, Erzherzog Leopold Salvator mit der Prinzessin Maria To- lores, Erzherzog Karl Alfred mit der Erzherzogin Maria Immaculata, Erzherzog Rainer mit der Erzherzogin Marga­rete. Dann folgten die übrigen Gäste. Nach der Tafel zogen sich die Majestäten zurück, um Cercle zu halten.

Die Abreise.

Wien, 23. März. Kaiser Wilhelm ist um 9 Uhr abends nach dem Süden ab gereist.. Der Abschied des Kagers und seiner Kinder im Schönbrunner Schlosse von Kaiser Franz Josef war ungemein herzlich. In Vertretung des

Kaisers begleitete Erzherzog Leopold Salvator den deut- schon Kaiser zum Bahnhof.

Tic Ankunft in Venedig.

Venedig, 24. März. Kaiser Wilhelm, das Prinzen­paar August Wilhelm und Prinzessin Viktoria Luise sind um 12 Uhr hier eingetroffen. Darauf begab sich der Kaiser mit einer Rudergig derHohenzollern" durch den Canal Grande zur Kaiserjacht, auf dem ganzen Wege begleitet von den reich geschmückten Gondeln der Rudervereine. Auf Brücken und Ufern hatten viele Menschen und Vereine mit Fahnen Ausstellung genommen. Von der Musik wurde die Nationalhymne gespielt. Auf der ganzen Fahrt erfolgten herzliche Kundgebungen. Biele Paläste waren mit Fahnen unb Teppichen geschmückt. Unter dem Salut begab sich der Kaiser an Bord der ,Hohenzollern".

Der Kaiser, Prinz und Prinzessin August Wilhelm sowie Prinzessin Viktoria Luise besuchten heule nachmittag die Gräfin Moncenigo. Sie nahmen bei der Comtessa Brando- lini den Tee ein. Zur Abendtafel auf derHohenzollern" touren geladen der deutsche Botschafter in Rom, die an­wesenden Herren der Botschaft und Gras Facini.

Der Kaifer in Wien.

Wien, 23. März. Auf der Reise nach dem Süden ist, so berichtet das Wolffsche Bureau, Kaiser Wilhelm heute vormittag »u eintägigem Aufenthalt In Wien eingetroffen, um, wie alljährlich, seinem Freunde und Bundesgenossen Kaiser Franz Josef in Schönbrunn einen Besuch abzustatten, am Schönbrunner Schloß liegenden Stadtteile haben Festschmuck angelegt und waren schon lange vor der An­kunft des Kaisers von Menschenmassen dicht besetzt. Der Bahnhof Penzig ist mit Girlanden, Fahnen und Blumen geschmückt. Schon frühzeitig hatte die Ehrenkompagnie am Bahnsteig Aufstellung genommen, wo sich auch bie in Wien weilenben Erzherzöge in preußischen Uniformen ein- gefunben hatten. Ferner waren erschienen bie Gemahlin des deutschen Botschafters v. Tschirschky. Der Botschafter war in Begleitung des Militärattaches Grafen v. Kageneck und des Marineattachäs Grafen v. Posadowsky dem Kaiser bis Gänserndorf entgegengefahren. Sodann hatten sich etn- gefunden: der Botscljafter Prinz Stolberg-Wernigerode mit den Herren der deutschen Botschaft und deren Tarnen, der bayerische Gesandte Freiherr v. Tücher, der sächsische Ge­sandte Graf Rex mit den Herren der Gesandtschaft, der deutsche Generalkonsul in Ofenpest Graf v. Brockdorff- Rantzau, der deutsche Vleneralkonsul v. Kiebig und Konsul v. Vivenot mit den Mitgliedern des Konsulats und Ver­treter der reichsdeutschen Vereine in Wien.

Die Ankunft.

Pünktlich lief der Hofzug im Bahnhof ein. Die Musik intonierte die deutsche Nationalhymne. Unter dem Jubel des Publikums entstieg Kaiser Wilhelm, der die Uniform eines österreichisch-ungarisckzen Feldmarschalls trug, dem Salonwagen. Er begrüßte den Erzherzog Leopold Sal­vator, der als Vertreter des Kaisers erschienen war und die übrigen Erzherzöge auf das herzlichste. Gleich herzlich ge­staltete sich die Vorstellung unb Begrüßung zwischen bem Prinzenpaar August Wilhelm unb ber Prinzessin Viktoria Luise einerseits unb ben Erzherzögen andererseits. Währenb bie prinzlichen Damen sich nach bem auf dem Bahnsteig errichteten Zelte begaben unb bort die Herren und Damen der deutschen Botschaft begrüßten, schritt der Kaiser mit den Erzherzögen und dem Prinzen August Wilhelm die Ehren- kompagnie ab. Hierauf begab sich der Kaiser ebenfalls in das Zelt, wo auch er die anwesenden Herren und Damen begrüßte. Nach kurzem Cercle bestieg der Kaiser mit den Fürstlichkeiten die bereitstehenden Hofwagen, welche wegen des Regens geschlossen mären. Kaiser Wilhelm nahm mit Erzherzog Leopold Salvator im ersten Wagen Platz und fuhr unter den begeisterten Hochrufen des Publikums zum Schön­brunner Schluß.

Tie Begrüßung durch Kaiser Franz Josef.

Nach V* 12 Uhr fuhr die kaiserliche Hofequipage im Schön­brunner Schloßhos ein. Hier fand der Empfang Kaiser Wilhelms durch den Oberzeremonienmeister statt. Auf der sogen. Blauen Stiege erfolgte dann die Begrüßung beider Monarchen, eine Willkommenszene, die sich

Aus Stadt und Land.

Gießen, 25. März 1912.

Straßenbahn WieseckGießen.

Wir erhalten von unterrichteter Seite folgende Zu­schrift, die wir wiedergeben, da sie uns geeignet zu sein: scheint, zur Klärung Der Frage beizutragen:

Die Verhandlungen zwischen Gießen, dem Kreisamt und der Gemeinde Wieseck wegen der Anlage einer Straßen- babnverbindung werden fortgeführt. Die Kreisverwaltung unb bie Stabt Gießen haben ein Interesse daran, wegen ihrer Straßen den Autoomnibus als Verkehrsmittel zu be- seittgen. Wenn dies nicht gelingen sollte, so würde in yoch nicht einem Jahre das Kleinpflaster in Der Oft- unb in der Süd-Anlage vernichtet sein. Die Anlieger beider Straßen haben übrigens gegen die Belästtgung, die der Omnibus verursacht, Einspruch erhoben. Es wird behauptet, daß die Wohnungen, die bisher wegen ihrer ruhigen Sage gesucht waren, durch den Autoverkehr entwertet worden sind. Auch die Gerichtsbehörde hat sich dem Protest an- geschlossen.

GS ist übrigens unrichtig, daß die Einnahmen ber, grünen Linie unserer Straßenbahn wie behauptet wird täglich um 2030 Mark zurück gegangen seien. Wie die! Direktton ber Straßenbahn auf Anfrage mitteilte, ist bie Einnahme ber Linie FriebhofBahnnhof in ben 14 Tagen, die ber Autoomnibus verkehrt, gegen bie Einnahme der! gleichen Tage des Vorjahrs sogar etwas geftiegen. Zweifel­los würde der Verkehr der grünen Linie noch stärker ge­wachsen sein, wenn der Autoomnibus nicht ins Leben ge­rufen worden wäre; aber eine Konkurrenz für unsere Straßenbahn ist der Autoverkehr sicher nicht. Es ist auch unrichtig, daß die Vertretung der Gemeinde Wieseck der Stadt 50 000 Mark für die Verlängerung der Elektrischen Bahn bis Wieseck geboten hätte. Ganz unverbindlich für bie Gemeinde, die vorher 20000 Mark geben wollte, haben zwei Bewohner von Wieseck nach einer öffentlichen Ver­sammlung, die in dieser Angelegenheit getagt hat, auf der hiesigen Bürgermeisterei in Aussicht gestellt, daß der Gemeinderat für die Verbindung mit Gießen wohl 50 000 Mark bewilligen werde, worauf der Oberbürgermeister feine' erste Forderung von 75 000 Mark auf 60 000 Mark ermäßigt hat. Ein Angebot von 50 000 Mark ist von dem Gemeinde-, Vorstand von Wieseck an die Bürgermeisterei nie gemacht worden, sonst wäre man wohl einig geworden. Es ist alfoi unwahr, daß die Stadt Gießen bezw. deren Vertretung das Angebot von 50000 Mark ausgeschlagen hat. Tatz Gießen eine Bahn nach Wieseck baut, ohne einen Zuschußj von dieser Gemeinde zu erhalten, glaubt wohl auch iip Wieseck kein Mensch, denn die dafür aufgelnenbcten An-, läge- und Betriebskosten können sich unmöglich verzinsen, dazu ist der Verkehr zwischen beiden Orten nicht ausreichend^' Auch die Frequenz des Autoomnibus beweist nichts, da bei ihm wie bei jedem neu eröffneten Verkehrsmittel. der Reiz der Neuheit mitspricht. Die Stadt Meßen hat ihre ursprüngliche Forderung auf 40000 Mark ermäßigt und kann davon aus Rücksicht auf ihre Steuerzahler nicht abgehen. Wenn die jetzigen Verhandlungen ergebnislos bleiben, darf die Gemeinde Wieseck sich später nicht be-i schweren, daß sie den Anschluß an die Gießener elektrisch/ Straßenbahn verpaßt hat.

vom italienisch-türkischen Kriegsschauplatz.

Konstantinopel, 23. März. Das Kriegsministe­rium veröffentlicht eine Depesche des Kommandanten von Benghasi über den Kampf bei Fojat am 12. März Danach griffen 2000 Türken und Arader nachts das Fort Foiat an. Die Italiener zogen sich aus dem Fort zurück und ließen sechs Feldgeschütze im Stich, welche die Türken aber nicht Mitnahmen konnten. Die italienischen Verluste waren äußerst groß. Tie Türken und Araber hatten 120 Tote unb 55 Verwundete. Am 13. März nachts griffen die Türken von neuem an und erbeuteten Kriegsmaterial. Arn 19. nachts besetzten die Türken die italie­nischen Verschanzungen 700 Meter von dem Fott, toobei drei Türken getötet und drei verwundet wurden.

nuten im Gespräch. Hierauf begab sich der beutfdw Kaiser auf bas Plateau ber Blauen Stiege, wo sich inzwischen Die aus Penzing angekommenen Erzherzöge versammelt hatten. Außerbem hatten sich bie Erzherzoginnen Maria Josefa, Maria Christiana, Blanka und Marie Valerie sowie Erz­herzog Rainer zur Begrüßung eingefunden. Hierauf stattete der deutsche Kaiser dem Kaiser Franz Josef einen Dankbesuch ab. Tie beiden Monarchen blieben längere Zeit im intimen Gespräch. Inzwischen hatten sich im Maria- Theresien-Zirnmer die höchsten Hofwürbenträger, die ge­meinsamen Minister, bie beiben Ministerpräsidenten Gras Stürgkh unb Khuen Hebervary zur Aufwartung berfammeü, bereu Vorstellung der deutsche Kaiser entgegennahm. Um 121/4 Uhr fand allerhöchstes Familien frühstück im inttmftcn Kreise statt.

Der deutsche Kaiser empfing nach bem Frühstück ben Minister bes Aeußern in Aubienz. Der öster­reichische Kaiser hat ber Prinzessin August Wilhelm bas Großkreuz des Elisabethvrdens verliehen.

Ein Besuch im Botschafterpalaiß.

Nach einer einftüubigcii Audienz des Grafen Berch- 10 l d fuhr Kaiser Wllhelm in die Stadt und besuchte gegen i/25 Uhr die Gemahlin des deutschen Botschafters im Bot­schaftspalais, wo sämtliche Herren der Botschaft mit ihren Damen versammelt waren. Ter Kaiser wurde vom Bot­schafterpaare, dessen Tochter und den Damen der Botschaft empfangen. Unterdessen traf Prinzessin Viktoria Luise zum Besuch der Frau v. Tschirschky im Palais ein. 7 ic Herr­schaften nahmen den Tee ein und unterbieten sich etwa eine Stunde mit ben Anwesenben, woraus die Rückfahrt nach Schönbrunn angetreten wurde. Im Laufe des Nachmittags ließ Kaiser Wilhelm in der Kapuzinergruft an den Särgen der Kaiserin Elisabeth und des Kronprinzen Rudolf Kränze

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Giehener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen