Ausgabe 
29.7.1912 Erstes Blatt
 
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Deutscher Reich.

Die bayrische Kammer der Abgeordneten genehmigte den neuen Lokalbahn-Gesetzentwurf, nach dem fünf neue Lokalbahnen gebaut werden sollen. Die Gesamt- kvsten belaufen sich mit Reserven und Berwaltungstosten -auf 7 883 700 Mark.

DieGroßherzoginvonSachsenistam Sonntag nachmittag auf Schloß Withelmstal von einem Prinzen 'entbunden worden.

Der Witwe des am Samstag verstorbenen sächsi­schen Staatsministers Dr. v. Otto ist folgendes Bei­leidstelegramm des Königs aus Juist zugegangcn: Die so unerwartet gekommene Kunde von dem Ableben Ihres Gemahls erschütterte mich tief. Ich spreche Ihnen mein herzlichstes, tiefgefühltes Beileid aus. Gott stärke Sie in Ihrem tiefen Kummer. Auch ich verliere viel, einen treuen, erprobten Ratgeber, dec stets mein volles Vertrauen besaß, und mehr als das, einen wirklichen Freund. Friedrich August.

Tie Wahl des Bürgermeisters Matting von Char- lottenburg zum ersten Bürgermeister von Breslau erhielt die königliche Bestätigung.

Ausland.

Varis, 27. Juli. Im heutigen Ministcrrat teilte Münster- Präsident P o i n c a r 6 mit, daß er sich am 5. AuguN in Dün­kirchen einschiffen werde und am 9. August in K r o n st a d t einzutreffen gedenke. Marineminister Delcasse erklärte, die Flottenmanöver, besonders diejenigen der Unter­seeboote, seien gut gelungen und hätten Ausdauer und ernsten Elfer der Besatzungen gezeigt. Der Ministerrat beschloß, daß der internationale Kongreß zur Regelung der Zoll­fragen im Mai 1913 in Paris stattfinden solle. Der Kongreß würde die Frage der Schaffung eines internationalen statlstlichen Zollbureaus zu prüfen haben, ferner die Abfassung von Besten mungen für Handelsreisende und ihre Proben, weiter die Be­freiung bcdingsweiscr eingeführter Waren von den Einfuhrzöllen und endlich die Frage eines internationalen Abkommens über eine einheitliche Regelung über Brutto- und Rettogennchls.

Paris, 27. Juli. Tie hiesigeDaily Mail" meldet: xer kanadische Marineminister Hazen, der heute nach- mittag hier eintrifft, wird mit D e l c a s s 6 eine besont^re Unterredung haben. Gleichzeitig mit Hazen kommen der Premierminister Borden und der Justizminister Tohetty nach Paris. Der Minister für Post und Telegraphie, Pelletier, wcüt be­reits seit einigen Tagen hier. Der Besuch der kanadischen Minister in Paris bilde ein Zeichen dafür, daß Kanada an der Leitung der Geschäfte des britischen Reiches einen größeren Anteil nehmen solle als bisher. Sowohl vom. Gesichtspunkt der Geschichte wie von dem der Stammesverwandtschaft aus seien die Franzosen nach ben Engländern diejenige Nation, mit. denen die Kanadier die engsten Beziehungen unterhielten. Es sei natürlich, daß, wie der Postminister Pelletier erklärte, die kanadischen Minister die .Ge­legenheit benutzten, um mit den leitenden Persönlichkeiten der französischen Republik genauer bekannt zu werden.

London, 27. Juli. Bei der Wahl in Crewe wurde der Unionist Craig mit 6260 Stimmen anstelle des verstorbenen Liberalen Mac Laren gewählt. Der Liberale Murphy erhielt 5294, das Mitglied der Arbeiterpartei 2485 Stimmen.

Glasgow, 27. Juli. Tie Admiralität forderte acht pri­vate Schiffsbaugesellschaften zur Einreichung von Offerten für sechs Panzerkreuzer mit hoher Geschwin­digkeit und Schüssmaschinen von 40000 Pserdekrästcn aus mit der Maßgabe, daß die .^breuzer im Juni 1914 in Dienst gestellt werden können. Die Kreuzer sollen kleiner, aber schneller sein als die entsprechenden der deutschen Flotte. Zwei andere Kreuzer sollen auf Negierungswerften erbaut werden.

Washington, 28. Juli. Infolge einer Verständigung zwischen den progressiven und regulären Republikanern nahm die Kommission des Senats den ganzen Z u ck e r g e s e tz e n t w u r s der Senatoren Bristow und Lodgc an, der die Abgabe für rafsi- nierten Zucker auf 1 Dollar 60 Cents für 100 Pfund festsetzt, statt 1 Dollar 90 Cents.

Tokio, 28. Juli. Die Temperatur des Kaisers betrug heute früh 38 Grad Celsius, Puls 105, Atmung 32, sehr unregelmäßig. Ter Kaiser verbrachte die Nacht schlaflos. Es ist zweifelhaft, ob die Besserung, die sich gestern bemerkbar machte, anhält. Bulletins von heute nachmittag geben die Temperatur auf 39,3 Grad Celsius an und bezeichnen den Zustand als sehr kritisch.

16. Ruder-Regatta in Gießen.

Gießen, den 28. Juli.

Vom besten Wetter begünstigt, begannen am Samstag nach­mittag die Vorrennen zu der 16. Ruderregatta der Gießener Rudergesellschaft, die zugleich die 6. Regatta des Lahn-Regatta- Verbandes war. Bereits am Samstag hatte sich eine große An­zahl von Zuschauern zu den spottlichcn Wettkämpfen eingefundcn, die zum größten Teile recht gut beschickt waren. Deshalb mußte ein Teil der Borrennen auch noch am Sonntag vormittag ausgefahren werden. Im ganzen hatten 22 Vereine 59 Boote mit 273 Ruderern gemeldet, von denen nur ein kleiner Teil seine Mel­dungen zurückgezogen hatte. Besonders erfreulich war es, daß sich sogar weit entfernt wohnende Vereine, wie der Berliner Akad. Turn-Verein Arminia und der Hamburger Ruderklub Alemannia am Start eingttunden hatten.

Die sportlichen Leistungen waren z. T. sehr anerkennenswert, wenn auch nicht zu verstehen ist, daß sich einzelne recht unfertige Mannschaften an den Rennen beteiligten. Am besten schnitten die Mainzer Vereine ab, die zusammen 5 Preise errangen, von denen der Mainzer Ruderverein, der in vier Rennen gestartet batte,

zum Tanmarks-Fjord, wo sie den Bericht M y l i u s (Sri ch- scns sanden. Damit war der Hauptzweck der Expedition erreicht, unter furchtbaren Leiden wurde am 29. Mai 1910 die Rückreise angetreten. Tie Hunde gingen nacheinander ein. Tie letzten wurden erschossen uird gegessen. Mikkelsen und Jversen hungerten und froren. Am 29. November war die Shannon-Insel m reicht, wo die beiden Polarfahrer den ganzen Sommer 1911 vergebens auf norwegische Robbenfänger warteten Als das Jahr soweit vorgeschritten war, daß jede Hoffnung, sortzukommen, wx- gebcns war. zogen die beiden zum lieberwintern nach Shamrock.

TaS Komitee für bi c Alabama-Expedition empfing in Aalesnnd ein von Kapitän Mikkelsen abgesandtes Tele­gramm, in dem dieser mitteilt, daß die Wanderung über das Inlandeis sehr lang gewesen sei. Er habe überall Karten aus genommen. In Tanmarks-Fjord habe er Nachrichten von dem verunglückten Forsclier Milins Erichsen oeiunben. Tie erste sei vom 12. September datiert. Tarin teilte Ericksen mit, daß er aus der Heimreise, nut Proviant für sechzehn Tage, begriffen sei. Die zweite vom Sommerlagerplav datierte Meldung enthielt Mitteilungen über die von ihm gemachten Entdeckungen, nämlich, daß der Pear» Kanal nicht durchgehend, und daß Nav» Cliff landfest und mit Heilprin Land in Verbindung stehe. Ende Mai begannen Kapitän Mikkelsen und Jversen die Heimreise an der Küste entlang. Im Herbst gingen sie mit Schlitten nach Sbamrock und überwinterten dort. Im Frühjahr versuchten sie eine Scklittenreise nach Kap Talton zu unternehmen, mußten sie aber ivegen Entkräftung ausgeben. Am 17. Juli fand sie der Fang- (nitetSioeblomsten' .

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Die Mannheimer I n t e n d a u t e n f r a g e, die in folge des plötzlickten Rücktritts des Intendanten G r e g o r i eine rasche Lösung erforderte, ist vom -^tadtrat in folgender Weife geregelt nvrden: Bis ^itr definitiven Anstellung eines neuen Intendanten wird dem Oberregisseur Emil Reiter die Leitung bet Schauspiele, dem ersten Ma pell mein er Adolf Bodan ; kh die Leitung der Over übertragen. Tic Leitung der Geschäfte besorgt bis auf weiteres Stadtsyndikus Landmann.

allein drei eroberte. Weniger günstig schnitten unsere einbeimilmen Mannschaften ab, die in vier Rennen nur einen Preis zu er­ringen vernwchten, wobei jedoch nicht übersehen werden bort, daß sich die akademische Mannschaft sehr wacker hielt und ihr Rennen gegen den Akad. Turn-Verein Arminia in Berlm^nach scharfem Kampf mir mit einer knappen Länge in schöner tform verlor.

Tie Strecke, die beim Felsen begann unb_ am Bootsbaus endete, war 1900 Meter lang und wurde meist in sehr guten Zeiten zurückgelegt. Tie kürzeste Zeit fuhr der Achter der Open bacher R.-G. Undine mit 6 Min. 8 Sek. Tie kürzeste Zett 'in Vierer fuhr die Mainzer Hoffmann-Mannschaft n^it 6 Min. 45 ^k.

Ter Verlauf der Rennen gestaltete sich solgendermatzen:

1 Jean Kirch-Gedäcktnis-Rennen (Vierer), Herausforderungsvreis, gestiftet von der tyamme Kirch zum Andenken an ben verstorbenen Ehren-Vorntzenden der G. R.-G. Herrn Jean Kirch, dreimal (auch ohne Relhcnsolge> zu ge­winnen. Offen für die dem Lakm-Regatta-Derband angehörigen Vereine. Sieger 1910: Weilburger Ruder-Verein. 1- ~ t m = burger Ruderverein 1895 (H. Höhn, G Bme, I. Bruhl, W. Wiesemann (Schlag), F. Hammerscklag (Steuer) tn < JJcin. 9/c Sek. 2. Gießener Rudergesellschaft 7:17.

2. Junior-Achter, Ehrenpreis des Geh. Kom.-Rat xr. phil. h. c. D. Gail. 1. Mainzer R.-V. (Friedrich Korn, Karl Lenz, Ludwig Wiener, Karl Jcrtz, Joh. Bapt. Rath Wilhelm Willms, Hans Berle, Fritz Waltzinger, Steuer: Hans Kalkhm) m 6:18. 2. Frankfurter R.-G. Germania 6:19=75. Schones, ge­schlossenes Rennen.

3. Lahn-Pokal (Einer), gestiftet vom deutschen Ruder- Verband, Heraussorderungspreis. Ter Preis muß dreimal in ununterbrochener Reihenfolge gewonnen werden. Sieger von 1910 Mainzer R.-G. 1. Hanauer R.-G. Hasna (Karl Vau- icavers) in 7:25. 2. Mainzer R-G. 8:2VS. Mainz ver­steuert sich, worauf Hanau scharf vorgeht und nach Belieben ge-

4 Vierer. Wanderpreis, gestiftet von Prinz Eitel Friedrich von Preußen für die Regatten des Lahn-Regatta-Verbandes^ -ter iegenbe Verein erhält bei Rückgabe des Preises einen Ehrcn- schild. 1. Mainzer R.-V. -E. Sander, PH ecbreincr, E. Tetter, K. Hoffmann, Steuer: H. Kalkhoft in 6: 4s. 2. Maitcler R.-G. 6:56«/5. Frankfurter R.-V. ausgegeben. Mainz ruckt nut langen Schlägen unaufhaltsam vor und geht mit gewaltigem Spott durchs Ziel. _ .

5. Zweier ohne Steuermann. Herau^orderung-- preis. Gestiftet von einem Gönner der G. R.-G. (zweimal, auch ohne Reihenfolge zu gewinnen). 1. Hanauer R-G (Fr. Stock, E. Krolikowski) in 8:12. 2. Gießener R.-G. Gießen gckt bei etwa 1300 Meter auf und Hanau gewinnt, obschon ihm 120 Meter vorm Ziel ein Ruder bricht, ganz nach Belieben. _ _

6. Zweiter Vierer, Ehrenpreis. In entern auRcrft charsen Rennen setzt sich die Offenbacher R.-G. Undine an die Spitze, die es bis zum Ziele behält. (Zeit 6:55.) Ans den Protest des R.-V. Ems wird zum Schluß der Regatta das Rennen nochmals gefahren. 1. Mainzer R -G. in 6:45V5 Sek. (Karl Stockhausen, Peter Spangemacher, Paul Schattka, ^oieph Ko- rinlkenberg, Steuer: Wilhelm Wirth.) 2. Offenbacher R.-G. Undine 6:50. Tos Rennen ist äußerst scharf, wird aber mir von Mainz und Offenbach bestritten. Ems kommt schon früh nicht mehr in Betracht. Anfangs wechselt die Führung wiederholt, aber 900 Meter norm Ziel geht Mainz an die Spitze und halt sie mit zäher Kraft.

7. Junior-Vierer, Ehrenpreis des Regatta-Aus,chusses. 1 Frankfurter R.-G -Oberrad (Thomas Weiß, Willi Zohm, Willi Rußmann, Jean Bott, Steuer: Jean Strohhecker) 6:48; 2 Offenbacher R.-G. Undine 6:49; 3. Frankfurter R.-G. Ger­mania 6 : 523/s. Ein schönes, bis zum Ziel geschlossenes Rennen, das mit einer knappen Länge gewonnen wird. .

8 Junior-Einer, Ehrenpreis des Regatta-Ausichuii es: 1 Hanauer R.-Kl. Hassia (K. Vautravers) geht in 7:442/s über die Bahn, da ein Verein nicht am Statt erschienen ist, einer ausgeschlossen wurde.

9. Akademischer Vierer, Herausforderungspreis, ge- Hftet von der alma mater Ludoviciana, zweimal (auch ohne Reihenfolge) zu gewinnen. Offen für immatrikulierte oder vor dem Staatsexamen stehende Studierende Deutscher Hochschilien. Sieger 1910: Rudergesellschaft Heidelberg 1898. 1. A.-D-V. Arminia Berlin (W. Güntl-er, W. Blasse, Fr Litten, W. Wei- nitzsckfte, Steuer: H. Lattner); 2. Gießener R.-G. führt bis etwa 1500 Meter, dann nimmt Berlin die Spitze und gewinnt nut einer Länge, hart bedrängt von Gießen, das in sehr schöner Fahrt über die Bahn geht. Erft kurz vorm Ziel holt Berlin seinen Vorsprung.

10. T oppelzweier ohne Steuermann, Ehrenpreis: 1 R.-Kl. Alemannia Hamburg (G. Frank, F. Frank) in 7:94/5- R.-V.-Kassel bei etwa 1000 Meter aufgegeben.

11. Junior-Vierer, Ehrenpreis. Offen für die dem Lahn-Regatta-Berband angehörigen Vereine. Gestiftet von 4, fr. Schmieder: 1. Gießener R.-G. (P. Berg, O. Schürmann, H Stegmaier, G. Spoerhase, Steuer: W. Roloff) 7:24; 2. Lim­burger R -V. Sehr schönes Rennen. Gießen führt über die ganze Bahn ünd geht in famosem Spurt mit 3 Längen Vorsprung bUrC?2.Vierer, Wanderpreis der Stadt Gießen nebst 5 Ehren­zeichen. Sieger von 1910: Hanauer R -G. 1879. 1. Mainzer R.-V. (E. Sander, Ph. Schreiner, E. Detter, K. Hoffmann, Steuer: H. Kalkhof). Mainz geht in tadelloser Falnt mit 7:14 allein über die Bahn und erringt als erster hessischer Verein ben Preis der Stadt.

13. Ermunterungs-Vierer, Ehrenpreis. Offen für Ruberer, die bis zum 28. Juli 1912 noch kein offenes Rennen im Pierer (2luslegerreniiboot) gewonnen haben. 1. R.-Kl. Gries heim (Karl Tötz, Joseph Diefenbach, Emil Schmidter, Adolf Eifel, Steuer: Friedrich OÄtz) 6: 511/.-,: 2. Mainzer R -G. 7:13. Mainzer R.-B. mrfgegeben. Griesheim gewinnt nach Belieben

14. G r o ß e r A ch t e r, Wanderpreis des Großherzogs. Sieger von 1910: Offenbacher R.-G. Unbine. 1. Offenbacher R.-G. Undine (Wilhelm Lenz, Fritz Mrüger, Ludwig Klotz, Ftttz Stein, Richard Tierlow, Otto Riege, Georg Klees, Karl Plitt, Steuer: Ludwig Herrmann) 6:8; 2. Kaftelcr R.-G. 6:9. Tas sckwnste Rennen des Tages, vollständig geschlossen bis kurz vorm Ziel. Offenbach gelingt cs erst 'wenige Meter vorm Ziel, seinem Gegner vorzukommen und geht mit eqter halben Bootslänge vor ihm burebä Ziel.

Nack den Reimen überreichte Herr 4.H. «ckwieber ben Siegern ihre Preise, inbem er u. a. aurfi darauf lnnwics, daß nur ein tüchtiges Training zum Erfolg verhelfen könne. Tie Preise der Fürstlichkeiten, der Universität und der Stadt überreichten der Provinzialdirektor, der Rektor und der Oberbürgermeister mit kurzen Glückwumckiansprachen. Abends sand im Hotel Groß- herzog eine gesellige Bereinigung statt.

21u» Stadt und Land.

Gießen, 29. Juli 1912.

* Erledigte Lehrerstellen. Eine mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle zu Walldorf. Eine Lehrerstelle an der kath. Sckplle zu Groß-Ziin­ne ein.

Stadttheater. LeharS neuestes Werk ,Gua*, das am nächsten Donnerstag beim letzten diesjährigen Operetten- Gastspiel zur Aufführung gelangt, macht gegenwättig mit großem Erfolg die Runde über die Operettenbühnen. In den Hauptrollen sind beschäftigt die Tarnen Thaller und Wallö und die Herren Beer und Harden. In kleineren Partien ivirkt atißerdem da? gesamte Operettenpersonal mit.

" Sp ichcrer bergfest. Bei dem gestern auf dem Spichcrerberg bei Saarbrücken abgehaltenen Detturnen, zu dem 480 Turner angetreten waren, erhielten die Mitglieder des Gießener Turnvereins von 1846 Ludwig Bepler den 2., Hch. Hamel den 15. und Karl Loos ben 22. Preis.

Ausflug. Prof. Rauch unternahm am Sams- tag und Sonntag mit den Studierenden der neueren Kunst- geschickte einen Ausflug in das Lahntal und in die benachbarten Teile des Rbeintales. Nach dem Besuch des 'chönen Weilburger Schlosses des Luxemburgischen Fürstenhauses im Stile der Frührenaissance und der da. rocken Schloßkirche besichtigten die Teilnehmer in Lim­burg die got. Stadtkirche und besonders das viellcichr bedeutendste Denkmal des Uebergangsftiles in Deutschland, den Limburger Dom. Besonders schön war im weiteren Verlauf der Fahrt der Besuch der auf einem Bergkegel liegenden Kirche des Klosters Arnstein, die ein roma­nisches Langhaus und einen gotischen Chor sowie eben- olche Seitenschiffe besitzt und sich mit ihren Türmen recht malerisch von den rpalbigen Höhenzügen abhebt. Gleich» salls viel Genuß bot der Aufenthalt in Nassau, dessen gräfliches Schloß in dem dem Andenken des Freiherrn von Stein gewidmeten Anbau über zwei recht wertvolle Glasgemälde aus dem 13. und 14. Jahrhundert verfügt Recht interessant war es auch für die Teilnehmer, in dec ursprünalich romanischen, aber spater im Innern gotisch umgeftalteten Kirche des benachbarten D a u s e n a u ben Einfluß des sog. Hausbuchmeisters an einigen Darstellun­gen der Heimsuchung Mariä feststellen zu können. Bei der Inaugenscheinnahme der gotischen Klosterkirche in Born Hofen a. Rhein, jetzt ein bekannter Wallfahrtsort, erregte namentlich die kunstvolle Art Bewunderung, mit der der Baumeister es hier verstanden hatte, die beiden Schiffe des Langhauses in den einschiffigen Chor überzu- fübren. Tie bei allem modernen (Vepräge an mittelalter­lichen Denkmälern dennoch sehr reiche Stadt B o p p a r d bol nicht minder große künstlerische Belehrung. Neben der rom. Stadtkirck>e, die aber schon telliveise gottsche Einwir­kungen verrät und deren Inneres in den Emporen au den Limburger Tom erinnert, hinterließ vornehmlich das mit prächtigen gotischen Schnitzereien bedeckte Chorgestühl der restlich von der Harrptkirche sich erhebenden zweiten Kirche der Stadt den tiessten Eindruck. Für etwaige Besucher des Ortes sei auch aus die ausgezeichneten Grabsteine aus dem 14. Jahrhundert in dem Hauptschiff des letztgenannten Gotteshauses hingewiesen. Unmittelbar am Rheine ragt ein weiterer Zeuge des Mittelalters auf der anderen Seite der Stadt empor, nämlich der Bergfried der Bopparder Wasserburg, die die Jahrhunderte ziemlich gut überdauert hat. Das in der Burg selbst eingerichtete Bopparder Mu­seum enthält eine Reihe von wertvollen Funden aus der keltischen und römischen Zeit Boppards. Auch der Besuch dieser Sehenswürdigkeiten befriedigte allseitig

** Iustizrat Kraft f. Zu unseren Mitteilungen über den plötzlichen Tod des Herrn Justtzrat Kraft wird uns von Bad Salzhausen geschrieben: Der Unfall, dem Herr Justizrat Kraft zum Opfer gefallen ist, ereignete sich am Sonntag ab ent) auf dem Weg vom Bahnhof Bad Salzhausen zum KJrrhaus. Wer jemals spät abends ben Weg zurückgelegt hat, weiß, daß die Laternen zum Teil recht unglücklich angebracht sind und leicht irresühren können. Besonders ist geradezu gefährlich die Stelle, wo man an die Steingrotte kommt, die l)albkreisförmig ben Mufiktempel umgibt. Dort ist der, wie eine hinter ihm herkommende Familie bemerkte, sehr vorsichtig gehende alte Herr ossenbar gestolpert und über die Steinbrüstung zwei Meter tief hinuntergestürzt. Die Herzueilenden fanden ihn stöhnend auf dem Geficht liegen; er erhob sich dann mit ihrer Hilfe, wollte aber von Wagen oder Tragbahre nichts wissen. Vielmehr erreichte er, nur von zwei Hep«l gestützt, die Pension Stillsried und erstieg allein die Treppe Der sofort gerufene Arzt wie auch der an dem Vormittag ein treff ende Schwiegersohn, der Arzt in Worms ist, stell­ten unter leichteren Quetschungen einen Bruch des linken Schlüsselbeins fest. Bedenklicher erschien der schwere Chok, der die natürliche Folge des Sturzes war. Die Herz­tätigkeit besserte sich aber im Lause dieses und des folgenden Tages derart, daß die Aerzte hofften, die gesunde Natur des Siebenundsiebzigjährigen werde ben Unfall überwinden. Der sehr geduldige Patient nahm auch den ganzen Mittwock Amtsgeschäfte vor, er diktierte ein langes Gnadengesuch und vollzog etwa 50 Unterschriften. Am Donnerstag trat unerwartet eine erhebliche Verschlimmerung ein, die bann zum Tode führte. Wie wenig die nächste Umgebung auf diesen Ausgang gefaßt war, erhellt daraus, daß der älteste Sohu und der Schwiegersohn nicht mehr rechtzeitig genug benachrickftigt werden konnten, um den Verblichenen noch am Leben zu treffen.

** O b st- und Gemüseverwertungskurse. Der L<md- wittschastskammer Ausschuß für Oberhessen wird in der nächsten Zeit durch Herrn Obstbaulehrer Wiesner Bad-Nauheim nach­stehende Obst- u. Gcmüsevettvertungskutte abhalten: In M u s ch e n- beim vom 1315. August und in So nborf vom 20.-22. Aug. Neben einer allgemeinen Belehrung über die Zusammensetzung, die Ernte und Ausbewahning, sowie den Versand des Obste­soll in erster Linie die Verwertung desselben int Haushalte ge­lehrt und durch Vottührung der verschiedenattiasten Konservierung-- nietboden lFruchtsaft-, Gelee-, Marmelade-, Mus- und Latwerge- Bereittmg) erlernt rvcrden. Weiterhin wird in praktischen Uebnngen das Einmackcn von Obst nach den verschiedensten Ben'ahren, sowie das Törrett von Obst und Gemüse und die Verwertung der Gcmüseatten gezeigt werden Für den Kursus steht eine kom- vielte Einttchtung zur Verfügung. Da die Zahl der Teilnehmerin- nen an den Nursen eine beschränkte ist, liegt es in deren Interesse, ihre Anmeldungen baldigst bei der betr. Bürgermeisterei ober dem Landnnrtschastskammer Ausschuß in Gießen zu bewirken.

Der Durchgang unter der Oberhessischen Eisenbahn im Zuge der Stephan- und Ebelstraße ist am SamStag mittag settiggestellt und sofort bent Verkehr übergeben worben. Gegenüber an ber Einmünbnng ber Ebel- siraße in ben Leihgestemer Weg soll bemnächft ein breiter Fußweg angelegt werben, so daß eine direkte Verbindung von SteinS Garten bis zu ben Kliniken bergestcllt wirb. Damü würbe der Weg von ber Kaiser-Allee, Sicher Straße und deren Nebenstraßen nach bem Sübenbe ber Stabt erheblich abgekürzt.

** Für die Erhaltung der Holzfachhäusec tritt Sandrat Büchting Simburg in folgendem Erlaß ein, der auch für unsere Heimat sehr beachtenswert er­scheint. Es heißt da: Aus die Unterhaltung der alten, unsere Dorsbilder so ungemein interessant gestaltenden Holzfachwerkhäuser, wird trotz wiederholter Anregung in bedauerlicher Weise immer noch nicht genügend Rücksicht genommen. Einerseits wird das oft recht toertüofie schöne Holzwerk rücksichtslos mit eintönigem Verputz überzogen, andererseits wird das Holzwerk oft keineswegs so behandelt, nie es im Interesse seiner Erhaltung notwendig ist. Ick ersuche desbalb wiederholt die Behörden, der Erhaltung der alten schönen Holzarcbitekturen Aufmerksamkeit zu schenken, sowie das Interesse an ihrer Erhaltung bei den ('cmeintebürgern zu wecken und zu fördern. Bei Wieder- l.erstelluimsarbeitcn an den Fachwerksbauten empfiehlt es heb, die Putzflächen zwischen dem Holzwerk rauh zu putzen (rauher Bewurf oder Stippen) und rings um die Felda