Aus Stadt und (and.
dienen, 25. November 1912.
* * Tageskalender tut Montag, 25 Nov Stadt- idealer: ^envorfiellung zu WroybeiAog-s Gcburlsiag. ,Zcx K ö n i g s i e u t n a n l". 'Jlniang 7>, Uhr.
*
• • Titelverleihung Der Großherzog bat dem Krcisbaninspeklor Karl Hechler zu Gießen den Charakter als .Baurat" verliehen.
• • Stadttheatcr. An Neuheiten für die nächste Zeit sind vorgesehen: .Magdalena", Bolksftück von Ludwig Thoina, .Hinter Mauern•, Schauspiel von Henri 'iHatbanskn, ,So 'n Windhund", Schwank von Kraatz und Hoffmann, und das Vaudeville .Parkettsitz Nr. 10'. — Hebbels "ewaltige Tragödie .HerodeS und Niananne' wird am Freitag zum überhalipt ersten Male in (Sieben gegeben werden. Tie Marianne wird von Fräulein Riza Bajor vom Deutschen Theater, die diese Partie zu ihren Glanzrollen rechnen dari und glänzende Besprechungen darüber erhalten hat, der Herodes von Herrn Bruchwitz gespielt. Die Leitung der Vorstellung
haftet. Gestern sind unter der Bevölkerung der <-tadt und der Flüchtlinge 60 Cholerafälle gemeldet worden. Bisher sind 531 Erkrankungen festzustellen, wovon von 247 tödlich verlaufen sind. Mehrere Dörfer zwischen Tschalaldscha und Konstantinopel wurden von den Bewoh : nern aus Angst vor der Cholera verlassen. Die Epidemie wütet fortgesetzt unter den Flüchtlingen und Verwundeten in San Stefano.
Fn Konstantinopel wird der Gedanke erwogen, die Matrosen der fremden Kriegsschiffe wieder einzu schiffen Nachdem Bulgarien gemäßigtere Frie- densdedingungen angeboten hat, werden heute neue Verhandlungen erwartet.
mdöanacn der türkischen Generalissimus.
Ko nstan tinop el, 23. Nov. (Amtlich). Der Gene- calissirnus telegraphiert unter dem 22. November 1 (3 Uhr 20 Mirruten nachmittags):
Geringfügiges Geschütz feuer herrschte gestern aus dem rechten Flügel. Eine feindliche Batterie, welche bei Jzzcdmköi stand, beschoß einen Augenblick lang die Verschanzungen bei Mektebirharbie, worauf die türkischen Batterien antworteten. Tie Aufklärungsabteilungen, die von dem rechten Flügel ausgeschickt wurden, erbeuteten eine Menge Waffen und Ausrüstungsgegenständc, die der Feind zurückgelassen hatte Tie Bulgaren bombardierten Bu- juk-Tschekmedsche und feuerten etwa 80 Granaten ab. D i e Flotte erwiderte das Feuer und brachte die feind lichen Batterien zum Schweigen. Gestern nacht rückten vom Zentrum abgesandte kleine Erkundigungsabtci- l u n g e n bei Jzzedinköi vor, es gelang ihnen, den Feind zurückzuwericn und ihm st arte Verluste zuzufügen und auch seine Artillerie, die auf den Höhen südlich von Jzzc- dinköi ausgestellt war, zur Einstellung des Feuers zu bringen. Die Verluste der türkischen Abteilungen sind unbedeutend.
Eine zweite Tevesche des Generalissimus vom 22. November, 9 Uhr abends, besagt: Auch heute war schwacher Geschützkampf auf einigen Punkten der Kampslinic. Ter Jn- fanterickampf war von geringer Bedeutung und vollzog sich im Zentrum Tie Rekognoszierungen, die sich auf vier bis fünf Kilometer erstreckten, ließen erkennen, daß das Ter- rain mit mehreren Tausend Leichen bulgarischer Soldaten bedeckt war.
Kundgebung in Wien.
Wien, 24. Nov. Etwa 1 50 sü ds l a w i sch e Stu - deuten benutzten die Gelegenheit des Dankgottesdienstes, der heute vormittag in der serbischen Kirche anläßlich der Siege der Serben veranstaltet wurde, zu Kundgebungen, wobei ein Teil der Studenten bei dem Versuche, nach oer Kärntnerstraße zu gelangen, von der Wache behindert wurden. Sie brachten aufreizende Rufe aus. Tas Publikum nahm entschieden gegen die Studenten Stellung, welche der Aufforderung der Polizei, auseinanderzugehen, nicht folgten. 1 5 Studenten wurden verhaftet. Eine Gruppe Studenten, unter denen sich auch Italiener befanden, zogen vergangene Nacht vor das Deutschmeister-Tenlmal. Ein Student hielt eine deutsche patriotische Ansprache. .Hieraus sprach ein italienischer Student in gleichem Sinne und schloß mit den Worten: „Hoch Oesterreich! Hoch Italien!"
(Sin türkisches Kanonenboot gesunken.
Athen, 24. Nov Der Chef der Flottendivision im Aegäischen Meer telegraphiert: Das Torpedoboot Nr. 14 drang in den Hafen von Aivaly ein und griff ein türkisches Kanonenboo t an. Bei dem Anblick des Torpedobootes verließ die türkische Mannschaft das Schiss, nachdem sie die Wasserwege geöffnet hatte. Griechische Matrosen bestiegen das Kanonenboot, mußten es aber wieder verlassen, da es nicht gelang, die Wasserwege zu verstopfen. Während das türkische Schiss sank, wurde ein Torpedo darauf abgeschossen. Tas gesunkene Schiff soll der mit drei Kanonen armierte „Zephir" sein.
Die Cholera zurückgegangc».
Der Sonderberichterstatter des „Temps" in Konstantinopel meldet: Mitglieder des von Engländern geleiteten ägyptischen „Roten Halbmonds", die sich bei der türkischen T s ch a t a l d s ch a Linie befinden, berichten, daß infolge der getroffenen strengen Sanitätsmaßnabmen die C h o l e r a t o d c sf ä I l e der gesamten Armee in den letzten Tagen von 3 000 a u f 100 täglich zurückgcgangen sind. _
Der Belgrader Berichterstatter des „Temps" meldet: -Lic serbische Regierung habe den Militärbehörden den Befehl erteilt, Die serbischen Bewohner der besetzten türkischen Gebiete zu bewafsna^l und die den Türken abgenommenen Waffen unter Freiwillige zu verteilen, die von serbischen Offizieren eingeübt würden, um sie unverzüglich verwenden zu können.
Dumdum-Geschosse)
Sofia, 24. Nov. Tie „Agencc Bulgare" meldet: Ter Kommandant der 6. Tivision meldet, daß gestern im Lazarett der Division Verlvundungen durch D u in du in k u g e l n ärztlich festgestcllt wurden.
Belgrad, 24. Nov Heute nacht sind hier 8 6 1 Vcr wundete aus Monastir und von der Belagerungsarmee von Adrianopel eingetrofsen.
Wie aus Uesküb gemeldet wird, ist die Leiche des bei Resna gefallenen Fcti Pascha unter militärisck>en Ehren von den serbischen Truppen beerdigt worden.
Freiwilliger Rückzug der Türken von Monastir.
Konstantinopel, 24. Nov. Ein amtliches auf einer Depescl>e des Kommandeurs der Westarmee beruhendes Telegramm des Generalissimus besagt: Nach dreitägigen Kämpfen in dem Gürtel um Monastir zeigte es sich, daß der Platz keine Verteidigungsstellung sei und die Belassung der Armee um Monastir nicht offne Schwierigkeit ^ei. Darauf fvuvlze die Armee teils nach Resna,teils nach Florina zurückgezogen. Nach einem 24 kündigen Kamps wurden 6 000 Serben, die in xps Gebiet der Miriditen übengetveten waren, zer- treut und verfolgt. Zahlreiche Serben wurden getötet und tausend Geweffre erbeutet.
Athen, 23. 9too' Ter Kronprinz richtete aus Florina an den Ministerpräsidenten folgendes Telegramm: Meine Kavallerie, die den Feind nach dem Kampfe von vorgestern verfolgte, erbeutete in dem Engpaß bei Pisoden 20 Geschütze und eine große Menge Kriegsmaterial. Heftiger andauernder Regen wechselt mit Schneefällen ab. Die Verfolgung des Fetn- ocs wird fortgesetzt.
Der Kreuzer „Hamidie" der sich, wie aus Konstantinopel gemeldet wird, bereits im AdmiralitätSdock befindet, weist am Stern unter der Wasserlinie ein Leck auf. Der hintere Teil des Schiffes ist infolgedessen teilweise gesunken. Ein Mast ist zur Hälfte abgerissen.
Beförderung des griechische Kronp-iazen
Athen, 23. Nov. Auf Vorschlag des Minifterrats ist der Kronprinz, der bisher Divisionsgeneral war, wegen seiner glänzenden Dienste, die er dem Vaterland im gegenwärtigen Krieg geleistet hatt, zum Chef- general befördert worden.
Ein Fackelzug in Belgrad.
Belgrad, 23. Nov Unter überaus großer Beteili- aung der Bevölkerung wurde ein Fackelzug veranstaltel. Dem auf dem Balkon erschienenen König wurden stürmische Ovationen gebracht. Der Präsident der Belgrader
Bnrgerschast, Vnletie, begrüßte den König im Namen der Bürgersck-ast und feierte den König als den^ieg- reichen Befreier des serbischen Volkes in der ^urter Ter König dankte in kurzen Worten, wobei er wiederholt von frenetischem Jubel unterbrochen nr.ir'c.
Die serbischen Truppen haben Ochrida eingenommen. Ein deutscher Offizier über die Lage der Türken.
Ter frühere bayerische Chevaulegers-Oberleutnant Graf F r e y s i n g , ein Mitglied der bekannten katholischen AdetS- familie, der auf türkischer Seite den Bal ran- krieg mitmacht, hat an seine^Angehörlgen mehrere Briefe gelangen lassen, in denen er seine Eindrücke über die Lage und das Verhalten der Türken wiedcrgrbtz Wir geben nach den Mitteilungen des „Bayerischen Kurter" folgenden Brief aus Pera-Konstantinopel vom 8. November d. Js. wieder: .
„Ich bin von meinem achttägigen Ritt — dcachtigung a la belle 4 toile — gestern AbeudS in meinem türkischen Kostüm, in dem ich allgemein für einen wirklichen ascher- kessen gehalten werde, um 6 Uhr vom Kriegsschauplatz zurückgekehrt und wurde sehr gefeiert und mußte gestern und heute abends noch verschiedenen Persönlichkeiten eingehend berichten. Ich habe nichts besonderes geleistet, als den Entschluß — den jetzt jeder selbstverständttch kündet zu fassen, mit meinem Reiterglück loszureiten. — Der traurigeRückzug ist, allen Korrespondenten zum Trotz, ein Beweis für d i e hohe Gesittung d i e s e r unglücklichen Türken, ihre musterhafte Ergebung in die Fatalite, ihre kindliche Verehrung der Offiziere, ihre erstaunliche Leistungsfähigkeit und ihre beispiellose Achtung ihrer religiösen Vorschriften, die ihnen verbieten, sich an fremdem Eigentum zu vergreisen. Keine Rauchsäulen, keine Leichen von Frauen, Kinde r n u n d Greisen, keine sengenden und inor- denden Horden,sondern brave S olda t e n, die .....im Stich gelassen, ohne Ofsiziere und Munition und ohne Brot zurückfluten Hätte ich nur die Macht, die Lethargie in Konstantinopel aufzuwecken, mit allen verfügbaren Mitteln, Lastautos, Omnibusse, Droschken, Brot und Munition an die Tschataldscha- stellung zu fahren, den Leuten Brot zu geben und ein paar tüchtige Offiziere und Jntendanzheamte — keine Macht der Welt könnte diese tapferen Leute aus ihrer Stelluug vertreiben. Jedenfalls hoffe ich noch etwas beitragen zu können, um die Sache vor dem völligen Zusammenbruch zu retten. Wenn ich türkisch könnte, und über Brot verfügen würde, wäre es ein Kinderspiel gewesen, den Rückzug zum Stehen zu bringen. Bitte ,tretet den Gerüchten über die Greueltaten der Türken entgegen: Am Gefechtsplatz fließt Blut und lodert der Feuerschein, das war und muß so sein, und wenn bulgarische Frauen Bomben auf die Gleise legen, so werden sie, wie 1870, erschossen. Und wenn anatolische Bauern dabei mit Gewalttätigkeiten vorgehen, ist ihnen das nicht zu verdenken. Aber auf dem ganzen <80 Kilometer langen Rückzug habe ich nicht eine häßliche Spur gesehen, und ich habe heute der Botschafterin mit vollem Ernste gesagt, daß mich die Damen der Botschaft ruhig auf dem Ritt Hütten begleiten können und den Eindruck eines Manöverschusses gehabt hätten. Heute abend muß ich einen längeren Bericht abfassen und kann nicht viel mehr schreiben, will nur noch an füg en, daß die T f ch a t a l d s ch a st e l l n n g von N a s u r a u s f a st uneinnehmbar i st, und wenn es gelingt, die zurückflutenden Massen zum Stehen zu bringen und sie mit Brot zu versorgen (mehr will und braucht der Türke nicht), kann die Sache noch nicht verloren sein. Würden freilich die Bulgaren nachdrängen, stünde ihnen heute Konstantinopel offen. Warten sie aber noch lange zu und findet sich ein energischer Mann, der die Verpflegung und den Munitionsnachschub in Ordnung bringt, so ist die Sache noch nicht verloren. Das beste wäre, irgend einem Engländer oder Amerikaner, irgend einem, meinetwegen Cooks Agentur, den Jutendanturteil zu übergeben, — jeden Droschkenkutscher, jedes Automobil anzuffalten und an die Stellung zu schicken — ob es geschieht?"
Rlllsifche Spionage.
Die Wiener Polizei verhaftete einen Triester namens Sandri, bei dem galizische Fe st ungsplänevor- gefunden wurden, die er an Rußland verkaufen wollte. Weitere Verhaftungen in dieser Angelegenheit stehen bevor.
Die „Voss. Ztg." meldet aus Wien: Die Kasrhau-- Oderbcrger Eisenbahn, die rascheste Verbindung nach Galizien, wird von Rußland eifrig ausspio- n i e r t Bei Jablunkau wurde kürzlich ein L e n k b a l l o n, der zu photographieren versuchte, erfolglos von 0>endarmen beschossen. Ein russischer Spion stellte sich auf der Bahnstation Stawsy-Jabluntäu dem Personal als Bahn- inspektor vor, machte mehrere Skizzen und verschwand dann unbehelligt.
Der Besuch Des österreichischen Thronfolgers.
Wildpark, 23. Nov. Der Kaiser traf mit dem Erzherzog Franz Ferdinand, dem Reichskanzler, beit übrigen Jagdgästen und dem (befolge um 9 Uhr 8 Minuten von der Hofjagd in Springe auf der Fürstenstation ein. Die Herrschaften verweilten bis zur Abfahrt des österreichischen Sonderzuges im Fürstenzimmer der Station. Später geleitete der Kaiser den Erzl>erzog zum Wagen. Nach herzlicher Verabschiedung fuhr um 9 Uhr 25 Minuten der Zug in der Richtung nach Berlin ab. Mit bem Erzherzog begab sich der Botschafter von Szögyeny-Marich nach Berlin. Der Kaiser begab sich nach der Abfahrt des Zuges im Automobil nach dem Neuen Palais.
liegt in den bewährten Händen des Herrn Dbfrregi|ieut§ Tworkowski
♦* Bunter Abend des Naturtheaters. Aus einen wohlgclungcncn bunten Abend, der am^Pcrgangenen •5am»ta.) m ber neuen Aula von Fräulein Ida Strack ftattfanb, kann das hiesige Naturtheater zurückblicken. Musikalische Tarbictungen ivcch selten nm rezftatorischcn ab. Sämtliche Miiwirkenden xcigtti ernstes Streben und gutes Können. Tic Vorträge crön’nrte Fvrüasscssor Blumen au Klavier mit der Polonaise in Ci»- moll von Chopin. Er verfügt nicht nur über große technücdc Fertigkeiten, sondern bezeugt auch seines künstlerisches 6mtnint\n Las besonders in der Wiedergabe des Rondo capricioso von Me»M delssobn Banboldy und der Widmung von Schumann-Liszt iuml Ausdruck kam. Gleich uncingeschränttes Lob gcbüdrt beit Hern» Tr. Sülze Violine und MusiNehrer Hermann Erllo> Tie beiden Trios von Beetlfovcn und Havdri sanden allgemeinn! Beifall Ten rczitatorisckicn Teil bestrüt Schauspieler Fens e» vom hiesigen Stadttheater. Tic tiefe Tragik in „desLiedes Ende" von A. Geiger wußte er mit seineff glänzenden Svrachmuttln in vollendeter Wcise wiederzugeben. Ebenso gefielen auch sei» Rezitationen heiteren Inhalts Er mußte sich schließlich zu ein« Zugabe verstehen. Hofsentlich haben wir noch öfters ^.lr^en- beit, Herrn Jensen als Rezitator zu hören Ter vollbcictzt, Saal zeigte, welch reges Interesse die Veranstaltungen dcS Natui theaters finden.
*• Lcsehollen-Ver'ein Wie aus dem Anzcigeteil ersichtlich ist, spricht nächsten Mittwoch Pros. Dr. Epstein ans Frankfurt a. M. über die Ausnutzung der Wasser, kräfte. Mit dem Lichtbildervortrag ist ein Thema gewählt worden, das überall lebhaftem Interesse begegnet. Ti» Elektrotechnik hat in den letzten 20 Jahren eine weitgehend, Verwertung dieser von der Natur gebotenen Kräfte erm-g. licht. Ihre wachsende wirtschaftliche Bedeutung erkennen L. täglich, wenn wir die elektrische Straßenbahn benutzen, uns, Motore durch den von der Zentrale gelieferten Strom treiben lasten, ober von den großen Stauiverken, der Talsperkc, lesen, von denen eine der größten in unserer Nachbarschaft, i» Edertal, soeben ihrer Vollendung entgegen geht. In Mui Prof. Epstein hat sich uns ein hervorragender Fachmann m uneigennützigster Weise zur Verfügung gestellt. Mögen ihr unsere Freunde ihren Dank durch zahlreiches Erscheinen p, erkennen geben. Der Eintritt ist frei für jedermann.
** Antialkohol vortrag In dem letzten vom M Gauverband gegen den AlkoholismuS veranstalteten Vortrag iräj am Samstag abend Lehrer S ch ö p p aus Mainz über A J h o l und Arbeiter. Gesundheit, Arbeitsfreude, SparM leit und Familiensinn, so führte der Redner aus, sind die Gr>» lagen des Glückes und des Frohsinns für den Mensckfen. U«ln den Feinden, die dieses Glück bedrohen, fleht die Neigung M den Nauschgetränken obenan. Sie untergräbt die körperliche geistige Gesundheit des einzelnen, mindert die Leistungssäh|ß>»! feit und Widerstandskraft, nimmt die Arbeitsfreude, Krftört iM Familienleben und bringt den Trinker und die Seinen an W»-'! Bettelstab. In gleicher Weise leidet das ganze Volk unter dem ?llkoholismus, unter den Trinksitten. Wie für den Trinker fete Nüchternheit die einzige, aber auch sichere Rettung ist, io * möglicht sie allein eine Gesundung unseres Volke- Tazu must jeder einzelne beitragen durch das Beispiel der Nüchternheit u» nicht fiiletzt der Arbeiterstand, der den größten Teil des Volke« ansmacht. Fördern wir doch mit dem Glück unserer Miimenschen gleichzeitig unser eigenes. Eine recht lebhafte und klärende AuS svrache schloß den Abend.
** Vorträge. Man schreibt uns: Zwei größere Var>! träge wird morgen und übermorgen Pspchologe Reichel, btl früher schon hier sprach, im Fclsenkeller neinnHaften Der crM für Dienstag bestimmte Vortrag ist ausschließlich für Herren und behandelt das Thema: „Tas Geschlechtsleben": der tnfcih am Mittwoch stattsindendc Vortrag ist ausschließlich für Ta»r/? und bezieht sich auf das Thema: „Liebe und Ehe". Zn einer großen Anzahl deutscher Städte hielt Herr Reichel diesÄM Vorträge, welche von der gesamten Presse überaus günstig bf urteilt wurden. Besonders die populäre und dabei doch rurf sichtsvolle Behandlung des Stosses verschasste ihm den aHgemewc Beifall der Zuhörer, sowie persönliche Tankesbezeugungcn bX anwesenden Damen — gewiß ein Zeichen, daß man in imtnrr weiteren Kreisen diesem hochwichtigen Thema die wünschenswcri- Beachtung schenkte. Voraussichtlich werden die Vorträge euti hier eine gute Aufnahme finden und steht zu hoffen, daß cni* hier recht viele Mädchen und Frauen ungeniert die lehrreicha Ausführungen anhören werden. sSiehe Inserat.)
Landkreis Gießen.
X Ettingshausen, 23. Nov. Landwirt und Fu^ mann Gg. Keil von hier fuhr heute vormittag Mist. AufM "Rückweg wurde zwischen 11 und 12 Uhr sein Hinierwagcn M einer in der Richtung von Gkilithcrn sehr schnell kommende» Maschine an dem Bahnübergang bei der alten LehmkautE.ff der Nähe der Kolbenmühle ersaßt. Er wurde vom Wagen M» geschleudert, der in viele Stücke ging. Drainagearbeiter ur‘ auch jitit Landwirtschaft sich beschäftigende Leute waren taii zur Stelle und brachten den Verunglückten auf einem Wazn nach Hause. Wenige Minuten darnach traf der hier beschäftige Arzt Dr. Sckiaad von Lich ein, der feststellte, daß einige Ripl^ stark geguetscht und am Ellenbogen ein Loch und an Armen un? Händen Halitabschürsungen sich befinden. Mit Rücksicht auf dir kurze Zeit des Bestehens der verhältnismäßig kleinen Bahnlin'-' sind schon viel Unfälle vorgekommen.
Kreis Friedberg.
L. Friedberg, 24. Nov. Gestern sanden zur Feier tvr. Großherzogs Geburtstag verschiedene Festlichkeiten hin statt Im Singsaale der Schillerfchulc (höhere Mädchenschule' Dl sammelten sich morgens der Lehrkörper der Anstalt und fämtln Schülerinnen zur Geburtstagsfeier des Landesherrn. Gesang I öffnete und schloß den Vortrag der Lehrerin Frl. Naumann § sprach über daS Hessenland und seine Fürsten Abends um 8 W iand im reich geschmückten Saale des Saalbaues die Geburtstag' feier des Lehrerseminars statt. Eröffnet wurde die Feier burti einen Fest marsch des Orchesterkorps. Nach einem vorgelraqtnc» Prolog solgie das Theaterstück: Hessisches Volkstum in Wort Ton und Bild. Dazwischen wechselten Klavier-, Violin». (Mcfona nnd Orchestervorträge miteinander ab. Direktor Dr. Schäfcf hielt die Festansprache, die mit einem Hoch auf den Landcshcrn endete.
Starkenburg und Rheinhessen.
R. B. Darmstadt, 26 Nov. Tie sterblichen Ueberrefn der am Freitag nacht verstorbenen Oberhof'mcisterin der herjogin, Fran WilbelminevonSenarclens-Grancc wurden heute nachmittag in dem Familicnbcgräbnis auf" dem Friedhof bestattet. Aus Wunsch der Verstorbenen erfolgte In Benetzung der im Neuen Palais aufgebabrt gewesenen 2ei®< nur int engsten Familienkreise, doch gab das Großherzog paar nnd Prinz und Prinzessin Heinrich von Preuße« der greifen, hochverehrten Wienerin des Großherzoglichen Haui" das letzte Geleit. Sonst waren neben den nächsten Anverwandir» und Bekannten nur die obersten Hoichargen zugegen An b<: Gruft sprach Oberlwsprediger Ehrhardt Met und Scan’ rooram die fürstlichen Herrschaften und die andern Leidtragende» die üblichen drei Hände Sand in das Grab warfen.
llHivcrfitätssllcicbricbtcn.
Tie technische Hochschule in Braunschweig hr schloß, bem Großinbustriellen August Thyssen du' Würbe eines Dr. ing. zu verleihen. Auch bem Geheimen Kommerzienrat Sch o t t in Heibelberg, einem cbe- maligen Schüler der Hockffchule, ist roegeit der Hcrbirni« in her Zementinbustrie und verwandter Stoffe diese Würde rerliehen worden.


