Ausgabe 
29.6.1912 Erstes Blatt
 
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Tee Lieberer Anzeiger erscheint täglich, außer Sonntags. - Beilagen: viermal wockenllich SletzenerZamllirnblätler, noeimal roödfcnlLKreis» blatt für den Areir Liehen (Dienstag und Freitag); zweimal monatl. Land­wirtschaftliche Seilfragen Fernsprech - Anschlüße: für die Redaktion 112, Berlag u. Expedition 51 illdresse für Depeschen:

-lnzeigcr Gießen.

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Erstes Blatt

(62. Jahrgang

Samstag, 29. Zuni 19(2

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Gberhesfen

Rotationsörutf und Verlag der vrühl'schen Univ.-Vuch- und Stcinörnderet H. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulftrahe 7. Büdingen: Fernsprecher Ur. 269 Geschäftsstelle Bahnhofstraße 16a.

Bczn g »vrei 4: monatlich 75 viertel« jährlich Ölt. 9.2O; durch Abhole- tu Zweigstellen inoimklich 65 Ps.: durch diePost 'Iik.2.vlertei- jährt, au sicht. Beste ug. Zeileiwrcis: lokal 15i3L, anSivöna 20 Pfeimi-. liefredakteur: ?l Goetz.

Berantwortlich für den politischen teil: August Goetz, für .Feuille­ton', .BernuschleS' und ,(Srtid)iefrtal*: K. Neu- raih; für .Stadl und Ümrb*: E.Heß; für den Anzeigenteil: H. Beck.

Die heutige Nummer umfaßt 24 Seiten.

politische Wochenschau.

Gießen, 29. Juni.

Es ist in diesen Tagen viel von Naturzustand und Gefühl, von Erziehung und Philosophie gesprochen worden, und die Helden der Bücher und des Papiers haben auf­gehorcht wie bei einem lauten Signal. Seit 200 Jahren haben Berge des Schrifttums sich aufgerichtet, und dennoch hört man heute noch so deutlich die Klänge des armen, gehetzten Autodidakten, der ja auch ein Musiker war: Jean Jacques Rousseau. Das Frankreich von heute hat dem so wenig galanten, alles weltmännische hassenden Stür­mer und Dränger, der in einer Zeit des Wohllebens und Lu^us ein armseliges Dasein fristete, im Pantheon das schone Denkmal mit den stillen und sinnenden Verkörpe- rungen der Tugend, der Kunst und des Wissens gesetzt. Und in der Schweiz, der Heimat Rousseaus, ist sein zwei- hundertjähriger Geburtstag zu einem Volksfesttag gemacht worden. Was gelten uns heute Rousseaus Gedanken? Keiner von denen, die da ausgehorcht haben, spendet seinen Lehrern uneingeschränkt Beisail, aber alle lauschen doch, als müsse ihr Ohr von dem Toten noch etivas vernehmen. Er hat in seiner Art auch Weltgeschichte gemacht wie der erste Napoleon, dessen Andenken ja auch wieder erivacht ist. Die besten Deutschen haben aus Rousseaus Gefuhlsschätzen Nahrung gesogen, das hat auch uns den 28. Juni zu einem Gedenliag gemacht. Rousseau war im Grunde der größte Reattionur, der je gelebt hatte. Denn sein Ideal war ein entschiedener Rückschritt auf der ganzen Linie zur Emanzipation von allen Fesseln der Bildung und Kul­tur. Er wollte den Naturzustand, der allein Freiheit, Glück und Tugend verbürge. Freiheit und Gleichheit, diesen Wahlspruch der großen Revolutionszeit, hat er zuerst zün­dend unter die Menschen geworfen. Aber das Weltbild, das sich in Rousseaus Kopfe spiegelte, wechselte die Farben; das schaffende Feuer feines Schöpfers, tue Gefühlswelt, die es geboren hatte, wurden jedoch weiter vererbt, und nie­mals 1/at sich deutlick)er gezeigt, daß die Systematik des Buchstabens die großen Siege im Geistesleben ii i ch t ver­bürgt. Vtousseau predigte mit feuriger Zunge das ur­sprünglichste, lebhafteste Gefühl, das der Menfch mit sich herurnträgt, das nie untergehen kann, wenn es auch zuzeiten mit allerlei Kultursarben übertüncht wird. Er war ein Warner vor den Jrrgängen der bloßen Ideen, und das hat er mit Kant gemeinfam. Der in all seiner Nüchtern- l)crt dem französischen Romantiker dock) sein Interesse zu- nxmbtc. Aus der Natur geht nichts Schlechtes hervor; Rousseau pries ihre Schönheit, ihren Frieden. Er lehrte auch, daß das Sinnen und Trachten des Nionschen Nicht böse von Anfang an sei, und er überzeugte auch darin durch die überströmende Wärme seiner Empfindung. Diese Empfindung ist das Lebenerweckende in seinen Werken, die so manchen Fehlschluß des Denkers auflveisen. Sein ur- prünglicheS Nu.mrgefühl hat die Dichter und Romantiker zu herrlichen Werten begeistert; seiner Staats- und Ge- sellschastslehre aber war es vorbel-atten, umstürzlerisch im gefährlichen Sinne zu wirken. Rousseaus Irrtum war es, die Natur mit dem Streben nach .Kultur in Widerspruch zu setzen; er vergaß, daß die menschliche Natur über das tierische Vegetieren htnausgesetzt ist. Goell)e, der in Rousseaus Gefühlswelt schwebte, als er seinen unvergleich­lichenWertl-er" schrieb, sagte im Alter noch:Wer die Natur als göttliches Organ leugnen will, der leugne nur gleich alle Offenbarung."

Es war ein gutes Bekenntnis, daß auch der deutsche Kronprinz in der 'Natur eine Heimat sucht. Sein Jagd- buch atmet ja auch etwas von der Frische, die die Qtatur

ausströmt. Liebenswürdige und friedliche Bilder läßt der Dreißigjährige an uns vorbeiziehen. Obgleich er der Jagd, desernsten Kriegsgottes lustigen Braut", zugetan ist, liebt er das Idyll in Der Natur, wenn er, das Gewehr über den Knien, Dem Geheimnis der stummen Welt ent­gegenträumt. Er ist ein wenig nüchterner und ljat nicht die hinreißende Begeisterung des junge» Goethe, Der auch am sanften Fluß zwischen den lispelnden Rohren saß und dem auchdie herrlichen Gestalten der unendlichen Welt allbelebend in seiner Seele sich bewegten". Dem zukünfti­gen deutschen Kaiser aber steht diese Schlichtheit, die sich von den Ansprüchen seines Umkreises nicht so uberempfind- sam entfernt, ganz gut. Wir kennen ihn jetzt als einen offenen, empfänglichen Menschen, Der im Rousseausck-en Sinne auf die einfachen, ursprünglichen Formen des Lebens sein Dasein gründen will. Er wird Dann leichter ein feines Ohr sich bewahren für die Erfordernisse der Zeit, und er wird die wahren und echten Töne von den falschen zu unterscheiden wissen. Tie Bescheidenheit und Unauf- Dringlichkeit, mit Der er von seinen Erlebnissen erzählt, hat Sympathie erweckt. Roosevelt hat auch allerlei Zagd- geschichten erlebt unD wieder erzählt, aber an ihm hat der Kronprinz sich glücklicherweise kein Beispiel genommen. Und wir schätzen das neue Hohenzollernbuch nicht darum, weil es uns von waidmännischen Heldentaten erzählt, sondern weil wir daraus entnehmen können, daß sein Ver­fasser sein Ohr zu schärfen gefonnen ist für die guten, ur­sprünglichen Elemente des Lebens, daß er die Einfachheit liebt und hohlem Prunk und Schein aller Voraussicht nach später an seinem Hofe keine Stätte bereiten wird.

Eine sehr betrübende Meldung ist uns aus Düsseldorf gekommen. Tas Zeppelin-Luftschiff, das uns so oft frohe Grüße durch die Luft getragen hat, ist verbrannt, und von dem stolzen Bau ist kaum noch etwas übrig geblieben. Es ist derselbe Vorgang, den wir bei den Zeppelin-Kreuzern schon so ost beklagen mußten: bei heftigen Winden kann Die Landung nicht immer glatt vollzogen werden. Die großen Schiffe bieten dem Winde eine zu große Angriffs» fläche, und zur festen Verankerung haben Die verfügbaren Menschenhände bisher oft nicht ausgereicht. Nock) schreck­licher aber berührt uns Die rätselhafte Erscheinung, daß Die Ballonhülle mit einem Male in Flammen ftanD. Was bewirkte Diese Entzündung, und wie kommt es, daß es Miseren Technikern noch nicht möglich nxrr, aus den frü­heren, ganz gleichen Vorgängen Oie erforderlichen Kon­sequenzen zu ziehen und bessere Vorkehrungen zu treffen? Diese technische Aufgabe zu losen erscheint uns als eine nicht allzu schwierige Ausgabe. Wenn man vor der ge­schlossenen Halle noch eine zweite offene errichten ivüroe. Die sich nach hinten konisch verengt und deren Eingang so groß gehalten sein könnte, daß Die Einfahrt ohne Schwierig­keit vonstatten gehen mußte? Es roiro unD muß Mittel geben, Die Landung auch Der großen, starren Luftschiffe ohne Gefahren zu bewerkstelligen, Denn daß die Zeppelin-Schiffe vor allen anderen sich bewährt haben, das beweist Die lange Fahrtenperiode gerade DerSchwaben". Und zur selben Zeit, Da dieses Luftschiff den Elementen verfiel, hat Das Schwesterschiff, dieVittona Luise", ihre prächtige dtordseefahrt zuruckgetegt, über deren imponierenden Erfolg alle Stimmen sich einig sind. Daß dieVittoria Luise" sich auf das Wasser nieoerlaffen, den flüssigen Ballast auf* neymen und Dann, wie em stolzer Wasservogel, sich wieder in Die Lüfte erheven konnte, das ist dock) ein Schauspiel von übewaltigenDer Wirkung. So berührt uns Der gestrige Unfall nicht mehr so erschütternd, wie Die erste Katastrophe bei Echterdingen. Immer, bei allen Mißgeschicken, hatten wir den Trost, daß Die Luflschisfer selbst doch ihres Lebens sicher waren. Es ist ein Ruhm der Erfindung Zeppelins, daß sie noch keinem Menschen das Leben gekostet hat.

Und so tvirb man jetzt mit neuem Mute Der Aufgabe sich zuwenden, die LanDungsvorricknungen noch zu vervollkomm­nen, zu verhindern. Daß Durch Reibung Die entzündlichen Stoffe in Flammen gesetzt 1 verben. Vielleicht erhalt Die Nalionalflugspende" Durch das neue Ereignis einen neuen Antrieb, Denn der Stolz der Deutsck)en Luslschisfahrt liegt zioeisellos heute noch vorwiegend in Der Leistungsfähigkeit unserer lenkbaren Lustkrenzer begründet.

Verlobung der deutschen ^aftertochter?

Ans Gmunden verlautet, Daß Die Deutsche Kai­sertochter sich Demnächst mit dem Prinzen Ernst Au­gust von Cumberland unD Prinzessin Olga von Enni der land mit einem preußischen Prinzen verloben wirb. DasBerliner Tageblatt" erinnert daran, daß Prinz Ertast August von EumberlanD erst vorigen Mo­nat dem Kaiser in Potsdam aus Anlaß des Auiomovil- unglücks von Friesack, bei Dem sein ältester BrnDer Den Too fanD, einen kurzen Besuch abgcitattet hat. Das Pro- icft einer Verlobung ist aber offensichtlich, wie so viele vorangegangenen Phantasiemeldungen, aus Der Luft ge­griffen.

Der itaiienisch-lürljjche Krieg.

Ein Borstog der Italiener bei Buchamez.

Rom, 28. Juni. Die Agenzia Stefani meldet au5 Bucha- mez vom 27. Juni: Gegen Tagesanbruch machten Die ita­lienischen Truppest in Buchamcz, imterfiüut von heftigem Geschützfeuer, einen Angriff auf Die Stellung en Dcö Feinbes gegenüber Sidl Said. Der Feind wurde, über 6000 Mann Hart, aus seinen Verschanzungen vertrieben unD zur Flucht gezwungen. In Den erstürmten feindlichen Stellungen sanden Die Italiener 500 Leichen Wahrend dieses Angriffs auf die Front drang eine italienische äußerste Linie bid tief in das türkische Lager hinein und zerstörte es. Tie Ita­liener machten mehrere Gefangene. Sie selbst hatten 18 Tote und 114 Verwundete, darunter zlvei Ofsizjcre. Die siegreichen Truppen bleiben nachts in Den eroberten Stellungen.

Frirden.Vermittelung zwischen Ztalien uub der Türkei.

DieVoss. Ztg." schreibt über den Besuch des italienischen Botschafters Pansa: Der italienische Botschafter Pansa stattete dem Reichskaii-ler o. Bethmann Hol Iw eg einen Besuch ab. Im Zusammenhang damit erfahren wir, daß sich Herr Paiisa gestern früh von hier nach K i s s i n g e n begeben hat, um mit dem dort zur Kur weilenden Staatssekretär des Auswärtigen v. Kiderl en -Wächter zusamnientreffen. Beide Besuche des Botschafters, sowohl beim Reichskanzler als auch beim Staats­sekretär werden nach der von den beteiligten Kreisen auögegcbeneu Lesart als Abschiedsvisiten bezeichnet, da Herr Pansa, wie unsere Leser wissen, von seinem Posten scheidet. Allein vor dem Spät­herbst wird Herr Pansa, wie von vornherein bestimmt war, sein Amt in Berlin nicht niederlegen. Man ist deshalb berechtigt, seine Begegnung mit den beiden deutschen Staatsmännern die Deu­tung zu geben, die am nächsten liegt, daß es sich um eine Er­örterung der allgemeinen politischen Lage im Hinblick auf den tripolitanischcn Krieg sowie auch der Bestrebungen der Plächte zur Herbeiführung des Friedens handelt. Das ist umso wahr­scheinlicher, als sich Herr Pansa von Kissingen direkt nach Rom begibt, von wo aus er in etwa 3 Wochen nach Berlin zuttickzukehren gedenkt.

Vie schwierige Lage der Franzosen in Marotto.

Paris, 28. Juni. Nach einer Blattermewung aus Fez wurde Der Bruder des Sultans, Mulay El Kebir, oct schon wiederholt Prätendentengelüste gezeigt habe, jüngst dabei ertappt, wie er von der Terrasse feines Hauses nid; den Aufständischen, die vorn Zalagh^ebirge auä

Reinhardts internationale plane.

Auf der Reise nach einem ftanzoflschen Leebade, in dem Max Reinhardt seine Sommerferien verbringen will, hat Der Letter Des Deutschen Theaters in Paris einem Mitarbeiter Der Daily SJlail Mitteilungen über seine nächsten Plane gemacht, tts war schon früher von der Absicht Die Rede^ die bekannte Zirkusauf- tubrung des Ödipus im kommenden Frühjahr auch in P a r t S zu wiederholen; dieser Plan kann letzt so gut wie gefichert gelten, Reinhardt beabsichtigt aber nicht etwa ein Gastspiel Des ^eutichen Theaters mit deuifchen Kräften: er will in Parts nach Dem -IKufter Der Dcut)d)en ZirkusauNahrungen Den Ldipus nnt franjofi- fchen Künstlern inszenieren, und zwar wird Sarah Bern- Hardt Die Jokaste und Mr. De Max den Ödipus Mel en. Auch Suzanne Despres wird bei Dicfer Vontellung Mitwirken. Als Raum für diese Aufsuhriiiig i|t die mächtige Konzerthalle des Trocadero in Aussicht genommen. Reuchardt äußerte Dabei, baK er sich vollauf DerVerwegenheit" des Planes bewußt jet, in Paris ein Stück zu inszenieren, tn dem |onft der tragüche Veteran der Comsdie Franeatfe Mounet^xllY Die Glanzrolle {pielt; aber er mochte unter allen llmitanDen Den Paryern eine Wiergroßen Inszenierungen", vorführen , _ .

Reinhardts Pläne beschranken sich fedoch keineswegs aus Pan^. er hofft auch, in Kürze wieder in London als Regmeur auf» treten zu können. Im Januar oder im Februar de» konrnienden Jahres wird Martin Harvey, Der bereits den r-dipu- mit der Regie Reinhardts in London herausgebrackt hat, eine grotze Hamlet- Aufführung veranstalten, bet der Max Remyardt die Regie übernimmt. Diese Aufführung wird im weientltchen une Wiedergabe Der Inszenierung des Berliner Deutiä>cn Theaters sein, und die Londoner sollen Gelegenheit haben, hteroei die auf Schlichtheit und Einfachheit abgestimiinen Tekorationen der deut­schen Aufführung kennen zu lernen. Autzerdcm aber will juinijaroi in London dieSchöne Helena" inszenieren, doch tu die Aus­führung Diefc Planes noch davon abhängig, hb ein geeigneter Theaterraum in London gefunden wird. Wetter ]eben feine ternnc dann noch eine Aufführung desMirakels" in Wien vor Doch ist Berlin nicht völlig vergessen. Die Verhandlungen De» Deutschen Theaters wegen llebcrnahme des grotzenSport­palastes" stehen unmittelbar vor dem Abichluß. Reinhardt will in dieser Halle Den ,^Julius Cäsar" aufführen.

Die Alabaster-5phinx von Memphis.

Die Arttisck>-Acgyptische Schule für Archäologie, die gegen* roärtig in der Gegend von Memphrs, ein dankbares Ausgrabungs- seld gesunden Hai, hat soeben eine Sphinx entdeckt. Die aus einem einzigen Alabasterblock gemeißelt roorDen ist unD cm loscht von insgesamt 00 Tonnen hat. Die Fundftätte liegt zwi- ffchcn Den Pi-ramiDen an Der Straße nach SaMaret, Die einen groben Tett Des Jahres übenchwemmt ist. Deshalb tonnen Die Ausgrabungsarbeiten nur zeitweilig unternommen werden.

Augenblicklich ist die Sphinx zur Halste ausgegraben, und man hofft, sie bis zum nächsten Jahre in eine aufrechte Stellung an einem Otte oberhalb Der Wafserlinie gebracht zu haben. Tie Auf­findung geschah unter seltsamen llmnanden, insofern nämlich, als ein Schuler der archäologischen Akademie, Mr. Mackay, zuerst Den Schwanz Der Sphinx entdeckte Das geschah vor einem Jahre. Als m diesem Jahre das Wasser zuruckgetreten war, legte man das Denkmal völlig frei unD stellte fest, daß Die Sphinx etita eine Höhe von 4*/* Metern und eine Lange von 8 Metern besitzt. Leider tragt die Figur keinerlei Inschrift; aber Professor Flinders Petrie, Der Leiter der Akademie, schätzt, daß ste ungefähr 1300 vor Ehristt gemeißelt worden ist. Da das Alabaftergestein in Der Gegend durchaus nicht zu Lause ist, so muß Die Sphinx aus der Ferne dorthin gebracht .worden jein, und Professor Pclrte behauptet, daß es die größte Sphinx sei. Die ihren Platz je gewechselt habe.

Aber noch andere sehr wichtige Funde, die interessante Streif­lichter auf Die altägyptifche Kumt unD Kultur werfen, sind Der Sdjule geglückt. So in eine Granitgruppe ans Tages­licht gebraoft worden. Die Ramses II. und den Gott Ptah, ten Ottsgott von Memphis, Der Dem griechischen Hcphänos ent­spricht, zeigt. Ihr Alter wird auf 7.>oU Jahre geschätzt. Ein weiteres dankbares Ausgravungsfeld hat Die Schule in Tarka Han, einem ausgedehnten Kirchhofe ungefähr 35 Metten füDlich von Kairo, gefunDcii, Der Zeugen von der älleuen Zett an bis zu der iogenannten Pyramidenperiode Der ägyptischen Geschichte enthält. Tort hat man unter anderrn in einem Grabe eine Seit ft eile gefunden. Die hufanige Füße aufweist, und die augenscheinlich rnr höchst gewichtige Menschen gebaut ist. Ferner find dort gro&e Seinen rollen aufgefundcn worden. Die ebenfalls ein ehrwürdiges

Aller von 6000 Jahren haben. Deren Material aber heute noch so zäh ist, wie irgend ein modernes Fabrikat.

Em tönernes Gefäß mtt Doppeltem Henkel spricht Professor Petri als ein altägyptifches Neuiahrsgeschenk an, wie Die In­schrift anzetgen soll. Ein solch tönernes Gefäß soll zu Anfang jeden Jahres dem FanrttieiwberHaupte von Den Angehörigen überreicht wo rDen sein.

Der schönste deutsche Schmetterling stirbt aus!

In unserer Zett Der Naturschutzbestrabungen werden alle Freunde Der heimischen Tierwelt mit Betrübnis die Nachricht vernehmen, daß unser schönster und größter Schmellerlütg, Der Avolloialler (Parnafstus apollo L.), Dem Aussterben ziemlich nahe steht und daß, wenn nicht ausgedehnte Schutzmaßregeln getroffen weroen, das Aussterben ziemlich bald erfolgen nnro. In Der sJlatur" Der Zeitschrift Der Deutschen NaturwissenschaftllchLn Ge­sellschaft weist Julius Stephan in Settenberg auf Diese bedenkliche Tai>ache hin unD führt zum Beweise einige Mitteilungen natur­wissenschaftlicher Vereine an.

Innerhalb Deutschlands ist der Falter noch in Der Eissel, im Moseltal, im Fränkischen unD im Schwäbischen Jura, im Fichtel­gebirge, ün bayerischen WalDe, im Böhmerwalde, un sudivest- lichen Schwarzwalde, sowie in Den bayerischen Alpen^ vorhanden, und vor etwa vier Jahrzehnten war er auch in den Sudeten und im Riesengebirge nicht allzu selten. In den schlesischen Bergen ist er nun bereits seit einem Vierteljahrhundert nicht mehr beobachtet worden. Ter Grund hierfür liegt nicht etwa im Vordringen der Wald- und Ackerkultur, die den Falter seiner Nahrungspflanzen beraubt hätte, sondern fein Ausfterben ist allein auf Rechnung des gründlichen Vorgehens von Schmetterlings- und Raupen- l'ammlem zu fetzen. Das gleiche ^ewisfenlose Vorgehen, das den prächtigen Falter in einer Landschaft Deutschlands ausgerottet hat, bedroht ihn gegenwärtig in ankeren Gegenden, namentlich in der fränkischen Schweiz, bei Regensburg und in der Eissel. Nach der Stuttgarter Entomologischen Zeitschrift sind in Der Gegend von Winningen jeden Sonntag sammelnde Einwohner von Koblenz beim Werk und fangen .Hunderte von Raupen und Schmetterlingen, gerade als ob sie es Darauf anlegten, den Schmetterling auszurotten, wett er, je seltener, desto wertvoller wird. Aehnliches wird aus Südtttol berichtet: dort sollen allein in der Gegeno von Waidbrnck alliährlich 500010 000 Apollo-