Erster Blatt
Samstag, 2\. Dezember 1912
162. Jahrgang
US
mfstr. 58
ke
»**/»
Die heutige Nummer umfaßt 24 Seiten.
en
I
■
, 160 cm breit
üllbettdecken
ück und abgepasst
weiss und farbig
ogt und mit Einsätzen
tische
agen
.d Servietten
s preiswert:
weiss aol und bordeinx
ein ähnliches, auf die Verwendung des Asphalts gegründetes Konservicrungsversahren, das darin besteht, das; man z. B. Fleischund WurstN'aren in eine dichte Asphaltschicht einhüllt.
Vor allem ivaren es bei den Acgyptcrn die Leichen, dio durch Asphalt konserviert wurden, und wenn sich die ägyptischen Mumien bis auf den heutigen Tag unverändert erhielten und in keiner Weise Zcrslörungserschcinungen zeigen, so ist dies wohl der beste Beweis dafür, wie trefflich man sich damals aus das Handwerk verstand, und in wie weitgehendem Maße man sich der erhaltenden und schürenden Eigenschaften des Asphalts bewußt war. Außer Mumien von Menschen und Tieren konservierte man aber auch noch andere Gegenstände, vor allem solche, die man den Toten mit ins Grab gckb, wie z. B. Kränze, Nahrungsmittel, Stoffe usw.
Auch medizinische Anwendung hat der Asphalt gefunden: das „Erdharz", wie ihn die alten Römer nannten, war ein vorzüg- lickes Heilmittel für alle möglichen Krankheiten von Menschen und Tieren, spielte in den Apotheken des alten römischen Reiches eine wichtige Rolle und wurde vor allem äußerlich angewendet. Und die damalige Technik »og gleichfalls Nüßen aus diesem eigenartigen Stoffe, indem sie ihn als Rostschutzmittel verwendete und eiserne Gegenstände, wie z. B. die Köpfe von Nägeln usw., mit einem Uebcrzug dieses „Erdharzes" überzog.
Sollte man es nun für möglich halten, daß ein derart brauchbares und zu den mannigfachsten Zwecken verwendetes Material vollkommen versclyvinden und seine Kenntnis auf Jahrhunderte verloren gehen kann? Der Handel mit Asphalt muß im Altertum ungeheure Dimensionen gehabt haben, und jedenfalls sind damals ganze Schiffsladungen davon von einem Lande in das andere gegangen — und aber plötzlich hört die Verwendung auf, die Lagerstätten werden vergessen, und niemand kümmerte sich mehr um diesen Stoff — bis vor erst zweihundert Jahren, im Jahre 1712, ein griechischer Arzt namens Eirinis auf den Gedanken kam, daß man die merkwürdige im Val de Travera gefundene pechartige Masse doch irgendwie gebrauchen könnte. Eirinis war, obschon von Geburt Grieche, in der Schwerz niedergelassen und bei der Regierung zu Bern angestellt. Er machte seine vorgesetzten Behörden darauf aufmerksam, daß man einen sozusagen natürlichen Kitt gefunden habe, der sich vielleicht dazu eignen dürste, anstatt des Möttels zum Zusammenkitten der Bausteine verwendet zu merben. Ist es nicht eigenartig, daß Eirinis beim Einblick und der ersten Prüfung des Asphalts sofort wieder au denselben Gedanken kommt, der vor Jahrhunderten schon in so ausgedehntem Maße in die Praxis umgesetzt worden war? Eirinis machte sich an die Arbeit und ließ einige Bauwerke unter Anwendung von Asphalt Herstellen. Es ging aber auch hier, wie es so oft bei wichtigen Erfindungen und Entdeckungen geht: niemand interessierte sich so recht für die Sache, und so geriet sie bald
isch-Tischdecken
und vor einem solchen. Zugeständnis sollen Unterhändler in keine Sonberbcratung ein
den letzten Tagen haben nicht nur sondern auch vor ben Dardanellen
fei
U 950
Nr. 301
Der •fetter Anzeiger erscheint täglich, außer Sonntags. - Beilagen: viermal wöchentlich SiehenerKamilienblätter,
3 :: Damen- ■Konfektion,
um Janina, die Kanonen
sorgt werden, die türkischen treten. In
wirtschaftliche Seitfraqen Ferufprcch - Anschlüße: für btt Redaktion 112, Verlag u. Expedition 51 Adresse für Depeschen: Anzeiger «icßeu.
kanntlich unlängst von Deutschland angekauft worden ist . sei fast vollständig zerstört und seine Wunden seien mit Wachstuch verschlossen worden. Wahrscheinlich wird wie der auf beiden Seiten übertrieben. Der türkische Flotten kommandant läßt nämlich verkünden, die Seegefechte feier nur probeweise versuchte Artilleriekämpfe gewesen. Jetz aber werde er den Feind wirklich aufsuchen. Heute erscheint also dieser Kommandant noch als ein türkischer Tartarin von Taraseon, der sich in seinen heimischen und geschützten Gewässern mit großen Heldengeoanken trägt. Vielleich aber ist die Konstantinopeler Neuigkeit auch nur eine Erfindung.
Die Londoner Botschafterkonferenz schwelgt in opti mistischen Auffassungen, an denen doch etwas wahres sei: muß: auch der deutsche Botschafter in London, Fürst Lich tiowsky, soll sich über die Anfänge der Beratungen seh befriedigt geäußert haben, über deren Art und Einzett-eitc. freilich ein tiefes Schweigen herrscht. In Belgrad ist ein Ernüchterung eingetreten. In Wien ist angeblich eil grundsätzliches Uebereinlommen getroffen worben, nroimc Serbien mit ber Benützung eines Abriahasens auf neu tralem Gebiete sich, begnügt. Albanien soll Selbständig feit erhalten. Ta auch der Fall Prohaska, der in so un verantwortlicher Weise aufgebauscht worden war und barun
Krieg und Frieden.
Dem „£emp§" wirb aus Konstantinopel gemeldet, die türkische Regierung behaupte entschieden, daß ihre Flotte über die griechische einen beträchtlichen Erfolg davon getragen habe und daß der Widerstand von Janina ungebrochen sei. Die Türkei ziehe es deshalb vor, in London mit den Griechen ohne Waffenstillstand zu verhandeln und würde sogar einen Waffenstillstand verweigern, wenn Griechenlmib ihn jetzt verlangen sollte. Gleichzeitig sei Reschid Pascha ersucht worden, die Frage von Abrianopel möglichst rasch zur Erörterung zu bringen unb bic Verhandlungen abzubrechen, falls bic Bulgaren auf ber Uebergäbe beharren sollten.
„Jeni Gazetta" sagt in Besprechung ber neuen Instruktionen für bie türkischen Friebensbe- vollmächtigten:
Bei ber Unterzeichnung des Wafsenftillstandsprotokolls ist ein Irrtum unterlaufen. Das von dem türkischen Ministerrat gc» nebmigte und anfänglich von den Bulgaren angenommene Waffen- stillstandsprotokoll hatte bestimmt, daß die belagerten Plätze approvisioniert werden sollten. Als am folgenden Tage bie Rechtsbeistände der Pforte anwesend waren, legten die bulgarischen Delegierten einen anderen Protokollentwurf vor, ber bic Approvisionierung nicht zuließ. Dieser zweite Ent-- wurf wurde irrtümlicherweise ober aus Zeitmangel unterzeichnet. Wenn es sich bloß um Bulgarien, Serbien ober Montenegro handelte, hätte die Approvisionierungs- frage keine Bedeutung, weil eine Verständigung innerhalb vierzehn Tagen möglich gewesen wäre. Da für ben Fall ber Teilnahme Griechenlanbs, mit welchem in mehreren Punkten, besvnbers bezüglich Salonikis unb ber Inseln, Meinungsverschiedenheiten bestehen, die Verhandlungen ein bis zwei Monate dauern können, wurden bie türkischen Friedensbevollmächtigten angewiesen, die Teilnahme Griechenlands an den Friedensver- hattdlungen nur unter der Zusatzbedingung ber Approvisionierung ber belagerten Stabte währenb ber Friedensverhanblungcn zu- zulassen.
Die Zeitungen verzeichnen das Gerücht, baß die Griechen Tenedos geräumt haben. — Nach Diät- termeldungen landeten die Griechen 4000 Mann Verst ä r ku n g e n bei ben Hafenorten M o l y v o unb Djuma- kenj auf Mytilene. Bei Djumakenj kam es zu einem Kampfe mit ben Türken. Der Kurbenscheich Abdul Ka- ber telegraphierte an ben Großwesir, mehrere kurbische Notabeln beständen barauf, baß man einen ungünstigen Frieden nicht annehmen solle. Die Scheichs ber verschie-
gebonnert, aber es folgte bald eine noch wichtigere Kanonabe barüber, wer ben Sieg erfochten habe Die Griechen wie die Türken behaupten gleichermaßen, bie obsiegenden Helden geblieben zu sein Das Charakterbild der großen Seeschlacht vom Iß. Dezember — daß etwas später noch eine zweite stattgefunden habe, stellte sich als purer Schwinbcl heraus — schwant noch in der Geschichte: zwingend notwendig war sie nicht Die Griechen hatten ihre Schiffe vor dem Dardanellen- Eingang versammelt; der Kommandant der türkischen Flotte verließ mit seinen Fahrzeugen den sicheren Port, und bi. Gegner stellten sich in Schlachtorbnung cinanber gegen über. Und dann wurde einige Stunden hindurch geschossen Jeder der beiden Gegner soll die beträchtliche Havarierune eines Schlachtschiffes zu beklagen haben; ber griechisch. Panzerkreuzer „Awerow" soll, nach ber neuesten Melbune aus Konstantinopel, -gefechtsunfähig in brr Richtung ans Jmbros geflohen sein, während die Griechen behauchten das türkische Linienschiff „Hairebbir-Barbarossa" (bad be-
Mgfcl-M
wieder in Vergessenheit, um nun abermals fast ein Jahrhundert lang zu schlummern.
Im Jalwe 1802 sodann erfolgte die zweite Wiederentdeckung des Asphalts. Damals stteß man bei Grabungen, die in ber Nähe von Seyssel in Frankreich -vorgenommen wurden, auf Asphaltlagerstättcn, und man stellte alle möglichen Versuche an, ru was man die merkwürdige dort sich findende Masse verwenden könne. Aber so viel auch probiert wurde, nichts befriedigte so recht,^und erst im Jahre 1832 nahm sich der Techniker Sassenay der Sache an, der auf den Gedanken verfiel, daß man in den Städten anstatt der Pflastersteine besser ein Gemenge aus Asphalt und Steinblöcken benutzen könne. Dieses läßt sich schneller über eine große Fläche ausbveiten, läßt sich pollkommen glatt walzen und hat vor allem die wichtige Eigenschaft, daß es das Geräusch dämpft. Im Jahre 1838 stellte man dann in Paris die ersten Asphaltpflasterungen her, fteilich zunächst nur Trottoirs. lAn die Schaffung von Fahrbahnen getraute man sich nicht recht, weil man glaubte, daß die in der Hitze weiche und zähe Masse doch nicht imstande sein würde, die Last von Fuhrwerken zu tragen.) Damit aber war der Anstoß zur Entwicklung der Asphalt- inbuftrie gegeben, die von mm an rasche Fortschritte machte und dazu führte, daß man immer neue Asphaltlager suchte und entdeckte.
So verfügt man jetzt über bie .Kenntnis zahlreicher Lagerstätten, von denen die berühmtesten die zu Syrien, die am Toten Meer, sowie die auf der Insel Trinidad sind. Im Toten Meer kommt der Asphalt auf dem Grunde vor, von dem er sich bei Erdbeben losreißt, um an die Oberfläche empvrzusteigen und sich schließlich, ans Ufer gespült, dort abzulagern. Dieser Asphalt ist der beste und reinste, den wir kennen. Er dient hauptsächlich zur Gewimrung von Firnissen und fonftigen kostbareren Materialien. Noch eigenartiger, als das Vorkommen am Toten Meer, ist das am Asphaltsee, auf* Iber Insel Trinidad: Im Wasser dieses Sees, ber auch „Pechsee" genannt wird, schwimmen große Mengen von Asphalt herum, und sobald sich bic Samte etwas über den Horizont erhebt und die Asphaltmassen erwärmt, schmelzen diese und bedecken den ganzen Seefviegel, der dann vollkommen schwarz aussieht. Der Asphalt bildet eine zusammenhängende, zähe sckpvarze Niasse, die jedem Druck nachgibt unb manchmal schon ins Meer ausfloß, wo sie sich zu ganzen Riffen auftürmte.
Je nach seinem Vorkommen und die Eigenschaften des Asphalts sehr verschiedene, und ber Zwecke gar, denen er heutzutage di em, sind geradezu unzählige. Als der wichtigste muß woh! die schon erwähnte Verwendung zur Herstellung von Straßenvflaster angesehen werden, gibt es doch heute fast keine größere Stadt mehr, bie nicht Asphaltpflaster besitzt, das ben großen Vorteil einer weitgehenden Geräuschlosigkeit aus weist und außerdem in Hy g Mischer Beziehung aufs höchste zu schätzen ist, indem die zusammen-
Der Asphalt.
Von Dr. Franz Kittler.
Bur Erinnerung an seine zweihundertjährige Wiederentdeckung.
Von ben Künsten, die man im Altertum verstand, und den Stoffen, die man damals verwendete, sind gar viele verloren gegangen und zum Teil heute nod) nicht wieder ausgefunden. Andere bat uns ein glücklicher Zufall von neuem kennen gelehrt, wie i V die Bereitung viv:i Gbelflrinimitationcn aus Glas, die im alten Üivm in ibobtr Blüte stand, um dann für Jahrhunderte zu verschwinden: unb ein ältliches Schicksal hatte der Asphalt, dieses heute bei und zu so mannigfachen Zwecken verwendete Material. Wann die Menschen eigentlich begonnen haben, den Asphalt zu benutzen, läßt sich nicht mehr feststellen. Doch lourdc er schon beim Vau des babylonischen Tempels verwendet, bei Ausgrabungen int kuphrattal, sowie in den Ruinen von Ninive und BabyGnien hat man Reste von Bauwerken gesunden, deren einzelne Steine anftatt mit dem sonst (und insbesondere später» gebräuchlichen Mörtel mit Asphalt zusammengesügt maren: und auch in Aegypten, im Reich der Pharaonen, treffen wir auf bie gleiche Art der An- toenbung. Als später der Kalkmörtel auskam, bedeutete dies eigentlich feinen Fortschritt, denn der Asphalt durchzog die Steine, füllte ihre Poren in weitgehendem Maße ans imd wirkte >o als Konservierungsmittel, daß fick) bic mit Asphalt ausgeführten Vaudenkmäler trotz aller Einflüsse der Witterung erhalten haben, jedenfalls viel besser, als die mit Kalkmörtel zusammengesugten. gor allem hindert ber Asphalt das Eindringen des so schädlichen Regens, lieber das Verfahren selbst, das die Völker des Altertums bei ihren Bauten anwendeten, hat sich nichts Sicheres feststellen lassen: cs ist jedoch anzunehmen, daß sic die Asphalt- manc stark erhitzten und bann in dickflüssigem Zustande aus die Steine auftrugen, die sich damit vollsaugten. Die zwischen ben Steinen liegende und die Fugen ausfüllende Asphaltschicht bewirkte den Zusammenhang r Ar
Mit ber Benutzung als Mörtel mären aber die Anwendungs- drten des Asphalt nach lange nicht erschöpft. Er diente im Altertum nod) vielen arideren Zwecken, von denen uns wahrscheinlich der größte Teil gar nicht bekannt geworden ist. So derwendten ihn die alten Aegypter und auch noch andere alte Lotter als Konservierungsmittel: sie schützten Gegenstände, die leidbt dem Verderbcu ausgesetzt waren, dadurch, daß sic sie in eine Asphaltmasse einhüllten, wodurch der Zutritt der Luft, die die Fäulniskeime in fick birgt und die vor allem bfen für das Mlanbcfommen jeder .Fäulnis unentbehrlichen Sauerstoff ent- hilt, verhindert wird. Man sieht, daß man damals, also schon vor Jahrtausenden, Kenntnisse besaß, die wir uns erst in neuerer Zei.t von neu.m erringen mußten. Denn auch heute gibt es
zweimal roöcbentLKieiS: blatt für ben Kreis diesen (Dienstag nndFreiiag); zweimal monall. Land
auch der österreichischen Regierung einige nicht ganz unberechtigte Vorhaltungen eingetragen hat, in Frieden ans der Welt geschafft ist, wirb ber Weihnachtsbotschaft Glaube entgegengebracht werden dürfen. Die Patrioten der russischen Duma hatten also kaum noch etwas aufs Spiel zu setzen, wenn sie sich gestern nach der Rede Kokowzows in kriegerisch klingenden Worten über die Rechte unb Größe der russischen Weltansprüche ausließen. Daheim, unter dem Kerzenbaum, wirbs srieblicher werben. „Der Sol bat zäumt ab, der Bauer spannt ein, eh' man's denkt, wirb's wieder das Alte sein."
Nun ist auck) der hessische Landtag am Donnerstag in bie Ferien gegangen, unb zwar ist die Zweite Kammer aus unbeftimmte Zeit vertagt worden, nachdem bas .Haus am letzten Beratnngstag vor eine unerwartete Wendung gestellt worden ist. Der Präsident des Finanzausschusses der Ersten Kammer hat tund und zu wissen getan, baß 's mit der Beratung ber Beamten-Besoldungsvorlage noch gute Wege habe. Zuerst sollen nach Ansicht bes Anschusses bie Reformen in ber Bauverwaltnng erfolgen. Daß diese außerorbentliche Materie mit ber Besoldnngsvorlage im engen Zusammenhang steht, ist nicht zu leugnen. Man »var seinerzeit mit so viel gutem Willen an bie Vereinfachung ber Staatsverwaltung herangetreten unb hatte gerade in der Bauverwaltung aus Ersparungsrücksichten manche Aenberungcn vorgeschlagen. Wir haben in unsrem Blatte bie babei in Frage kommenden Wünsche unb Möglichkeiten an ber Hanb zahlreicher Zuschriften wieber- holl erörtert; bic Hauptfrage war bekanntlich bie, ob es nicht zweckmäßig sei, bie oberen Baubehörben von ben 'ireisverwaltungen loszutrennen unb ihnen eine neue Organisation zu neben, bie sowohl ben baulichen Interessen 'cs Laubes als auch bem Staatssäckel zugute kommen ollte. Leiber hat es bie Zweite Kammer tatsächlich ver- äumt, nach dieser Richtung zu einer Entscheibnng zu 'rängen. Die Regierung aber hat aus eigener Initiative nichts getan, unb bas Werk scheint leiber im Sanbe verlaufen ftl wollen. Will nun bie Erste Kammer bas verlassene Wrack ■er Vereinfachung unserer Staatsverwaltung nochmals ins Schlepptau nehmen unb ber Regierung für biefe neue Preis- mfgabe eine Frist stellen? Es ist bebauerlich, baß bie Jrfrc Kammer ihre an sich berechtigte Forberung nicht früher mit Entschiedenheit verfochten hat. Wie bie Tinge heute liegen, wirb diese neue Verzögerung wiederum Miß- timmung im Gefolge gaben. Besser würde es schon sein, ie Besoldnngsvorlage endlich einmal in Angriff zu nehmen; 'arm bleibt immer noch Gelegenheit, Die berechtigten wünsche ber Ersten Kammer burckHusctzen. Die Gehalts- jrbnung wirb vermutlich burch bic Neuorbnung in ber -auvcrwaltnng nur unwesentliche Aenberungen erfahren, mb biefe können später ohne besonbers umständliches Ver- ahren in bie neuen Tabellen eingefügt werben, nachdem nan cs für bieses Etatsjahr noch einmal beim Alten ge- assen hat.
So gehen bie Herren der Zweiten Kammer vielleicht 'n etwas -gereizter Stimmung auseinander. Der Zant um bie Wahl bes Abgeordneten Kredel ist zwar notdürftig ns der Welt geschafft und durch einen letzten Ordnungsruf n ben Abgcorbnctcn Grünewald gewissermaßen besiegelt worben. Unb nun hofft man, baß die Aufforberung des Präsidenten, alle persönlichen Streitereien künftig aus dem Spiele zu lassen, befolgt werden möge. „Entfernt des Borwurfs glühend bittere Pfeile, das Innere reinigt von erlebtem Graus!" Aber einige Lehren unb Folgerungen,
politische Wochenschau.
Gießen, 21. Dezember
Aus ber Friedenskonferenz in London, wo bereits drei Sitzungen abgehalten wvrben sind, weigern sich bie tür- k^^r?evoumächtigten, in bic Beratung einzutreten, ba griechische Vertreter anwesenb seien, aus Konstantinopel aber nod) bie Anweisung fehle, was aus biesem Gmnbe zu tun sei. Ohne Mitunterzeichnung des Waffenstillstandes wollen bie türkischen Unterhändler mft dem Abgesandten des Königs Georgios sich nicht an einen Tisch feben. Heute soll bic vierte Sitzung ftattfinben unb bic Entscheibung der Pforte mitgeteilt werden. Es heißt, diese bestehe nunmehr auf der Forderung, baß bic Festungen Adrianopel, Janina unb Skutari mit Lebensmitteln ber-
bic aus ben erwähnten Vorfällen sich ergeben haben, bür|en nicht unausgesprochen bleiben. Wir glauben nicht, baß an ber Ausrottung bes Kampfes lediglich ein unrichtiger Zeitungsbericht bic Schuld getragen habe. Der Abgeordnete Grünen>alb hat dies zwar in ber Kamnrer behauptet, aber er wirb bem Berichterstatter, der auch wetterhin in die Debatte gezogen worben ist, boch etwas besser gerecht werben müssen. Berichte über geheime Sitzungen sind oft ergänzungsbebürfttg: auch wird -es immer Vorkommen, baß babei einmal Irrtümer mit unterlaufen. Unser Berichterstatter hat uns inzwischen bie zur Beurteilung ber Vorgänge, besonbers ber letzten „Berichtigung", erforberlichen genauen Informationen unterbreitet, unb wir können feststellen, baß für ben Abgeordneten Grünewald kein Grunb vorlag, unseren Darmstäbter Mitarbeiter zu korrigieren. Wir werben biesem, nach solchen Erfahrungen künftig immer Gelegenheit zur Nachprüfung geben, bevor wir an bic Veröffentlichung berartiger „Berichtigungen" herantreten.
Ä /X 'V<T n Ve,nq»vrei »:
Ab Verantwortlich für den
< politüchen Teil: August
. General-Anzeiger für Gberhessen VM«
für” bie \aflwn" nunc" Notation§bruck und Verlag ber Vrühl'schen Unio.-vuch- unb Steinbruderei R. Lange. Rebaftion, Lrpebition unb Druckerei: Schulstrahe 7. ^onb" :^E.Heßür ben big vormittags 9 Uhr. Bübingen: Fernsprecher Nr. 269 Geschäftsstelle Bahnhofstraße 16a. Anzeigenteil: H. Beck.


