Ausgabe 
3.12.1912 Drittes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

W i r können Oesterreich keine Vorwürfe machen. Der österreichische auswärtige Minister har ausdrücklich zur rechten Zeit auf die Bedrohlichkeit der Lage hingewiesen. Erfreulich ist, daß sich eine erhebliche AnnLherung zwischen Italien und Oe st erreich vollzogen hat wegen der gemeinsamen Interessen in Albanien. Sie wollen ein un­abhängiges Albanien. Wir werden Oesterreich die Bundestreue halten. Dir Frage, ob die Serben einen Hafen an der Adria bekommen dürfen, müssen die beteiligten Länder entscheiden. Tie Frage ist eigentlich aber schon gelöst, als Bismarck den Drei­bund schloß. Wenn Rußland Serbien beispringt gegen Oe st erreich, dann werden wir und Italien azu gezwungen, gegen Rußland aufzutrcten. Der Redner fragt dann an, welche Stellung Oesterreich zu der Polenfrage einnehme. Es kann keine bessere Nach­richt geben, als daß England und Deutschland Zu­sammenarbeiten, um den Frieden auf dem Balkan zu fördern. In diesem Sinne hat sich der Staatssekretär und auch unser Botschafter in London ausgesprochen. Das erfüllt uns mit Hoffnung und Freude. Sobald die Entscheidung auf Friedensschluß gefallen ist, werden die europäischen Negierungen, um die Verhältnisse auf finanziellem und wirtschaftlichem Gebiete zu reaeln, einen Kongreß abholten, das ist vorauszusehen.

Wenn aber die Konferenz einen dauernden Frieden auf dem Balkan erzielen will, so muß sie nicht nur die wirtschaft­lichen und materiellen, auch nicht nur die kulturellen Beziehungen ansehen, sondern auch hinüberschaucn auf die kirchlichen Zustände. Es gibt auf dem Balkan eine große Zahl von Nassen und Kon­fessionen, und darauf wird bei einer Neugestaltung der Verhält­nisse Rücksicht zu nehmen sein. Wir haben in dem türkischen, griechischen, bulgarischen, rumänischen, albanischen Volk und bei ollen, mit Ausnahme der mohamedanischen Türken verschiedene Konfessionen. Darin liegt eine gewisse Gefahr. ES ist mit Recht darauf hingewiescn worden, daß bei einer Ncukonstituierung deS Balkans auch die religiöse Freiheit gewahrt wird für alle Konfessionen. Troß innerer Zerrissenheit luirb die Regierung in diesem Bestreben daS Volk hinter sich finden. (Lebhafter Beifall im Zentr.)

Abg. Graf Kanih (fonf.):

ES ist mir niemals schwerer geworden, dem ?lbg. Ledebour zuzuhören als heute. (Heiterkeit und Zustimmung rechts.) Wo finden Sie kavitalistisches Ausbeutertum in dem Kriege zwischen Italien und Tripolis? (Lachen bei den Soz. Sehr richtig rechts.) Oder auf dem Balkan? (Unruhe bei den Soz.) Ich bitte, doch solche Behauptungen zu beweisen. Der Abg. Ledebour hat d i e Macht der Internationale erheblich über­schätzt. Wie soll sic cs fertig bringen, den Krieg zu beendigen? Eines ist richtig, wenn hinter dem Frieden die einheitliche Geschlossenheit der Mächte und hinter den Regie­rungen das Volk steht, so kann der Friede als gesichert gelten. Herr Ledebour ist, glaube ich, mit dec Rede des Reichskanzlers nicht übermäßig zufrieden gewesen. (Heiteret rechts.) Sehr viel neues war in der Rede allerdings nicht. (Heiterkeit und Zustimmung.) Aber wir wollen nicht verkennen, wie schwierig es ist, während über den Frieden verhandelt wird über diese Unterhandlungen zu sprechen. Sic werden durch lange Reden, die darüber gehalten werden, nicht gefördert. (Sehr richtig! und Heiterkeit.) Ich habe aber nicht erwartet, daß der Reichskanzler heute mehr sagen würde. Hätte er einiges mehr gesagt, desto besser, aber wir müssen uns mit dem Gesagten begnügen. Es ist erfreulich, daß cs mit den Friedensaussichten günstig bestellt ist. Leider hat die Furcht vor einem europäischen Riesenbrande auch auf unser Wirtschaftsleben einen Druck ouSgeübt. In vieler Beziehung erinnert ja die Situation an die von 1000, auch damals verlangten die Serben, auf russische Hilfe vertrauend, einen Weg nach dem Adriatischcn Meer. Ich kann nur wünschen, daß die jetzigen Dinge ebenso friedlich verlaufen wie damals. Jetzt liegt die Frage allerdings insofern viel schwieriger, als die Türkei bereits einen beträchtlichen Teil ihres europäischen TcrritorialbesihcS verloren hat. Daraus ergibt sich die schwierige Frage: Welches Interesse haben die Großmächte und besonders Deutschland daran, daß eine lebensfähige Türket Malten wird? DaS deutsche Interesse an dieser Frage ist bc° oeutsam. Wir haben rege Handelsbeziehungen mit der Türkei. w kem Freund von Zahlen. (Zuruf linfd: Wie olle

$cJtc,rfeiL) Aber viele deutsche Millionen stnd in industriellen und konunerziellen Unternehmungen in der Türkei angelegt. Wir haben deshalb alle Veranlassung, eine

!'?^ Fortentwicklung dieser Handelsbeziehungen zu wünschen. Del der Regulierung der turki,chcn Staatsschuld und ihrer Ver­teilung auf die verbleibenden Gebiete dürfen die deutschen Glaubt- gcr nicht zu kurz kommen. Nun besteht die Gefahr, daß nach de,n Frici.cneschlusse die hohen Verbündeten auf dem

Haare geraten. (Heiterkeit.) Wir ^ben keme Veranlassung, e.ne Aufteilung Albaniens zu unter­stützen. Oesterreich und Italien denken auch nid>t daran, einer Annexion eines Teils von Albanien durch Serbien zuzusehen Oesterreich unb Italien sind da völlig einig. (Zuruf links- Wo- 'Een Sie das?) Herr Ledebour bat behauptet, daß wir un» willenlos vor den.Wagen Oesterreichs spannen lassen ES verständlich, daß der Reichskanzler diesen Punkt nicht be. rührt hat. <>ch kann Herrn Ledebour versichern, daß von einer Gefolgschaft, von einer fold^n

Trabanten schäft nicht die Rede fein kann

kPrn^'r tann c5 auch nicht um den adriati. W. Hafen handeln, sondern allein um unsere Bnndesgenosscn- JdjQft mit Oesterreich. Aur Wortklaubereien an dein Bundes- EX Ä?? ln,i E. ein. Wir sind unschuldig daran, daß Rußland auscheiucnd auf die Freundschaft Deutschlands jetzt keinen besonderen Wert mehr legt. Wir fraßen es an Freund- fchaft^l'.zc.'gung-n gegenüber Ruf-laud nicht fehlen lassen. Ich kann nur wünschen, daß das freundschaftliche Ver- hol t n i S zu Rußland wieder hcrgestellt wird. (Sehr rich- 1'gl rechts.) Das wäre die sicherste Garantie für den Weltfrieden. Wir erwarten von unserer Regierung, daß sic aber auf jeben Fall unsere Wehrkraft auf der vollen Höh« erhält. Ich kann daher folgende Erklärung abgeben;

Wir sind überzeugt, daß unser Heer vollkommen kriegsbereit ist. In dieser Ucberzeugung bat unS die 3nt- teort deS Kriegsministers auf die kürzlich hier gestellte Frage be« stärkt. Sollten sich später noch irgend welche Mängel heraus, itellen, so wäre eS selbstverständlich Pflicht der Kriegsverwaltung, daraus die Konsequenzen zu ziehen. Wenn aber wider Er­warten nötig erscheinen sollte, die bereits bewilligte Heercsvcr- starkung früher durchzuführen, so wäre der Reichstag ohne Frage bereit, nachträglich seine Zustimmung dazu zu erteilten. (Beifall.) Da S deutsche Volk ist zu jedem Opfer bereit. Wir wünschen den Frieden, es darf aber nur cm Frieden in Ehren sein, der unsere Machtstellung und die unserer Verbündeten auf. rechtcrhält. (Beifall rechts.)

Abq. Basscrinnnn (Natl.):

Die Erklärung deS Kanzlers, daß der Krieg lokalisiert bleiben wird, wird überall mit Befriedigung ausgenommen werden. Daß das internationale Proletariat den Weltkrieg verhindert hat. glaube ich nicht. Die Vernunft der Kabinette und der Völker mürben vielmehr vor dem Weltkrieg bewahren, denn bei dieser großen Schlußabrechnung würde cd sich um Reiche und Throne bandeln. Was die Friedensliebe deS internationalen Proletariats ober anlangt, so haben die italienischen Sozialisten wenigstens den Tripoliskricg in den meisten Phasen gulgefieißen. (Hort! bürt?) Der Kanzler setzt die tiirkcnfrcundlichc Politik seines Vor. gangerS fort. Das gute Verhältnis Deutschlands zur Türkei ist daS Werk deS Botschafters oder Marschall, dessen zu frühes Hin- scheiden wir tief beklagen. Das vernichtende Urteil Lcdcbourö über die deutsche Orientpolitit ist unberechtigt. Im großen und ganzen hat der Reichstag vielmehr unsere Orientpolitit dauernd iirbilligt. Wenn jetzt durch die Siege des Balkanbundeö der Statusquo nicht aufrecht zu erhalten ist. so müssen wir alle wün­schen, daß die Türkei als lebcnssähiger Staat e:$Ql?cn bl? fbf- Das verlangen die wirtschaftlichen Inter essen Deutschlands. Andererseits sollten wir den Balkanstaatcn die Früchte ihrer Sicac neidlos zuaestchen. (Zustimmung.)

Mark per 10UU

Haler

(+ 1/

(-

(- 2)

(

(-

(- 8)

o)

4)

ez. 204.50

Ei« Geschenk des Meeres

gebrauche nur Scotts Emulsion!

C*/|.

Wenn das so weiter geht, leg' ich mich nieder

l*CJze V?. a,.!en Arten. Qualitäten und Ausführungen von ü Mk. 3. bis 200.- bei A. Salomon 4. Cie? (a'/v

) ) )

1- i- l-

170

168

178

176

187

1) ) ) )

172

173

169

201

190

195

194

191

169

190

190

190

200

190

195

188

(- i- (

l- 3)

(- 6)

2)

1)

i ( (

3)

2)

1)

1) >

)

1)

) ) )

2) )

2)

1)

1) )

210 (-

(-

215 (-

220 (

(- 5)

(- 7) ( 1.00),

182V, ( 182*/, t- 190 (- 185 (-

l- ) (- 2) (- 2) (- b)

Weizen - (- ) - (- )

kg wie folgt: Roggen

reits im August zugesagt, in Wien einen Vortrag in der Katholischen Miffionzii halten. Meine Reise hatte also mit dem nichts zu tun, was später die Blätter behaupteten. Herr Lede. 6our scheint sich für den albanischen Hofstaat zu interessieren. Ich kann ihm mitteilen, daß dort noch eine Stelle frei ist: d i e des Hofnarren. (Große Heitcrlcit.)

Abg. Ledebour (Soz.)

Herr Erzberger scheint sich also um die Stelle gekümmert zu haben, für die er am meisten geeignet ist.

Dienstag 1 Uhr: Kurze 21 nfragen, Deiterbcratung.

Schluß 6Uhr.

191

200

199

199

198

199

194

197

202

194

208

Getreide-Wochenbericht

der Preisberichtsstelle des Deutschen LandwirtschastSrats vom 26. November bis 2. Dezember 1912.

Erwies sich zu Beginn der Berichtswoche bic Politik als preisstützender Faktor, so waren cs im weiteren Verlause die argentischen Wetterberichte, die der Tendenz des Weltweizen Marktes zeitweise einen festeren Anstrich gaben. In den nörd- .lichen Gebieten Argentiniens, wo man jetzt schönes Wetter für die Ernte braucht, wurde ui der letzten Woche wieder viel über Regen geklagt: stellenweise sollen die übermäßigen Riedcrschlägc sogar schon einigen Schaden verursacht haben. Die Folge davon war, daß die argentinischen Exporteure etwas mehr Zurück­haltung bekundeten und daß die amerikanischen und englischen Märkte daraufhin wiederholt ihre Kurse erhöhten, um aber stci» wieder abzuslauen, sobald die Wetterberichte doh La Plata gün­stiger lauteten. Rußlands Getrcideaussnhr zeigte wesentlich kleinere Zistern als in der Borwoche, und Die Weltverschissungen sind daher von 450 000 Tonnen auf 297 000 Tonnen zurückgegang- gen. In Deutschland ließ das Wcizengeschäft auch in der Bc- richtswochc viel zu wünscl)en übrig, denn die ausläitdischen Quali täten eignen sich nicht $unt Export und sind daher aus den Absatz an die Mühlen angewiesen, die aber sehr schlechte Preise bieten. Im Lieserungsgeschäft wurde vielfach Dezember im Tausch gegen Mai abgegeben, dost» machte sich zum Schluß im Hinblick nut den

könnte man Lebertran neunen. Doch ist dieses, um richtig ausgenutzt zu werden, erst einer Behandlung 3U unterziehen, wie ja auch z. B. ein Diamant erst, nachdem er Bearbeitung und Schliff erhalten, den rechten Wert für uns bekommt. Dem Lebertran muffen im Scottscheu Herstellungs-Verfahren, feine thur anhaftenden 9iachteile, wie schwere Verdaulichkeit, unangenehmer Geruch, widerlicher Geschmack, ge- nommen werde«, um ihn zuträglicher und wohl, schmeckender zit machen. Die so gewonnene ScottS Lebertraii-Eniulsion besitzt alle Borzüge des gewöhn« Ilchcn Tranes in erhöhtem Jh'ajje, wirkt appetitan­regend, ist äußerst uahrhast und bekömmlich, selbst jur einen empfindlichen Gaumen und Magen. Bei regelmäßigem Gebrauche von Scotts Emulsion wird ost nach kurzer Zeit eine allgemeine Kräftezunahme beobachtet. Wer >olche herbeiführen will, der möge sich je eher desto besser zu einer Kur mit Scotts Emulsion entschließen. Doch hüte er sich vor Nachahmungen und

172

172

167

168

172

174

170

175

hÄh. laf,e b "stach alles tm Stich. So bös crfältetet bin id) oru nie gewesen, und der See, Der mir immer geholfen yj;v"lagt total. Aber iver wird sich denn hmtegcu' ''.^. n^dme in solchen «ynUcn einfach IapS Lodener Mineral' NN Men. die ich in irgend einer Apotheke ober Drogerie

J-J*0-, ^auw, und ich habe noch immer ncimibcn, bau sie uei oerarligen Zuständen ganz ansgereichnet luirfcn. (s»u/it

Mangel an lieserfähigem Material auch mehrfach Dustnngsbcgehr geltend. Für Roggen, der weiter mäßig angeboten blieb, zeigte sich an der Küste ab und zu Begehr, auch die Mühlen traten als Käufer auf, so daß die Preise sich verhältnismäßig gut zu be­haupten vermochten. Für Lieferungszweckc steht bisher wenig Material zur Verfügung, so daß am größere Andienungen zunächst nicht zu rechnen ist. Intolgedessen bestand Deckungsbegehr, wahrend Abgeber sich vorsichtig vcrhielteng. In Haler fand starkes Angebot ooii geringen Oncuüäten wenig Kauflust vor, so daß die Preise einen weiteren Rückgang erfahren mußten. Im Anschluß Daran war auch Lieferung gedrückt, obwohl die. Forderungen für aus- lündisst-en Hafer keine Veränderungen auswiesen. Auch Brau- gcrste behielt weiter schleppenden Absatz, da Die Verbraucher sich für längere Zeit gedeckt haben und bei Anschaffungen nur feine Qualitäten berücksichtigen. Russische Futtergerste war aus Deckuw gen für Hamburger Rest-nung namentlich in schwimmender Ware n'hr feit und bis 5 Mark hoher gehalten. Auch Mais loar in- folge erhöhter argcntini|chcr Forderungen in festerer Haltung.

Es stellten lick) Die Preise für Ultimo. Getreide am letzten Martttage in .......

(- )

Königsberg Ranzig Stettin Posen Breslau Berlin Magdeburg Halle Leipzig TresDen stiostock )?nmburg Hannover Düsseldorf Frankfurt a. M. Mannheim Straßburg Rtünchen

Weltmarktpreise: Weizen: Berlin

Bkai 209 ( 1), Pesl April 201.55 ( 2.20), Vioerpool ÜJiärj 16J.6U

O.^o), Chicago Dez. 130.40 (- 1.35). Roggen: Berlin Tezör. 17o,7ö (0.7o), iDlai 176.95 ( 0.75). Hafer: Berlin Dez. 176.75 ( 2.50), Blai 15 i 0,75). Jnllergerste: Süditlss. irei Hambtlra

unverzollt schivim. 136.50 t-j- 4.00), Rov. 135.75 (-f- 2.25;. Biais La Plma schivrin. 111.00 (-j- 2 50;, Mixed Tez./März 109.00 (-I-I2.00- Biark.

lieren Länder ohne Krieg, "auf die wir berechtigte Ansprüche hatten. Achnlich können wir sagen: andere Länder erhalten territorialen Zuwachs, Deutschland neue Mstitärvorlagcn. (Heiterkeit und Zustimmung.) Auch die nationalen Vereine, die den Kolonial- gcdankcn und überhaupt die nationale Gesinnung und Tatkraft pflegen, sollten uns eine Freude sein.

Wir haben alle ein Interesse daran, die Freude an großen nationalen Fragen warm und wach zu halten. Wir können hier feine Passivität und Dureaukratisierung brauchen, sondern Vereine, die die nationale Energie predigen und Hochhalten. Im Auftrage meiner Fraktion stelle ich fest, daß wir cs nicht für einen befriedigenden Zustand halten, wenn in Fragen der auswärtigen Politik, die LebenSfrageli deS Reiches sind, teinebernünftige Fühlung zwischen Regierung und Volksvertretung vorhanden ist. (Sehr richtig!) In solchen Fällen muß ein Vertrauensverhältnis möglich sein. Dieses Verhältnis iit niu t vorhanden. Das erhöht natürlich die Ver­antwortung der Negierung ungemein. Gleichzeitig kann es die Negierung mit großer Unruhe erfüllen. Es ist un- erfreulicki, wenn wir darin lediglich auf die Mitteilungen der »Norddcutsckfen Allgemeinen Zeitung" angewiesen sind, die ich nach bet Aeußerung des Landwirtschaftsministers nicht ckxirakte- risisren will. Diese Mitteilungen sind immerhin zu wenig, um ein Vertrauensverhältnis zwischen Negierung und Volksver­tretung herzustellcn.

Der frühere Abg. Frhr v. Hertling hat eS früher selbst aus­gesprochen, daß es wiinschenkivert ist, öfter über hohe Politik zu sprechen. Tie Einigkeit Deutschlands in diesen Dingen ist sein Lebcnsintercssc, die Einigkeit zwischen Volksvertretung und Regierung, lieber die Notwendigkeit eines guten Verhältnisses zwischen Deutschland und England sind wir alle einig. Aber daS von Ledebour vorgeschlagene Mittel ist nicht geeignet, eine Besserung herbcizufüfrren. Ein MüstungSabkommen wird wieder nur einen erbitterten Streit Hervorrufen, welcher von beiden das Abkommen auch cingcbaltcn hat. Wir freuen uns, bafo wir allein schon durch unsere Machtmittel den Wert unserer BniideSgcnosscnschäft erweisen können. Zur Durchführung einer kraftvollen Politik bedürfen wir einer starken weit­sichtigen Diplomatie, einer lückenlosen Rüstung und großer klarer Ziele. Hoffentlich gelingt eS der Vernunft der großen Staaten, den Frieden auf dem Balkan zu erhalten, aber die Rege­lung der dortigen Verhältnisse wird vielleicht den Anlaß zu neuen Konflikten geben. Tas deutsche Volk ist friedlich und opferwillig, aber auch bereit, einen cmfgcdrungenen Krieg auf- /ork-fn m« r7\ö°c cS Reiben: Friedliebend und kriegbereit. (Lebhafter Beifall.) v

Abg. Cchßstz Vrombcrg (Rp.)7

Der Bakkankrieg kann eine Mahnung fein, die Rüstung stark und lückenlos zu halten. Wir hoffen, daß wir in der Lage sein werden, im gegebenen Fall schnell l o L z u s ch l a g e n. Dar-

ornmt ks an, dafür ist der Balkankrieg eine Probe gewesen, r r^^Cr,lJc^e' ?cn durch Demonstrationen zu wahren, sind solche mit untauglichen Mitteln, die hätten leicht den Friedens­störern und das Gegenteil der Absicht erreichen können. Erfreulich war, daß untere Diplomatie mit der Oesterreichs eine identische Haltung zu den Poincareschen Konfcrenzvorschlägen eingenommen unb bewahrt fiat. Was wir brauchen, ist eine kraftvolle Politik nach außen und nach innen. Unsere Tiplornatie ist nicht schlechter alS die parlamentarisch regierter Länder, zum Beispiel Frank­reichs. Die schlechteste würde freilich die Diplomatie der Sozialdemokraten sein. (Heiterkeit.)

_ Wer die Serben stark gemacht hat. Oesterreich Widerstand zu leiiieu, hat der Sache des Friedens keinen Dienst geleistet. Daß derBcrlüärte" in diesem Sinne gearbeitet hat, erkennt sogar daö ^Berliner Tageblatt" an, baß doch gewiß nicht be- sonders von Verurteilen gegen die Sozialdemokratie erfüllt ist Es bezeichnet den Auölandspolitikcr desVorwärts" als ,.p o l i - tischen Wirr ko pf"; hoffentlich bin ich damit niemand im Hause zu nahe getreten. (Heiterkeit.) Niemals fiat sich die Un- fahigkcit der Sozialdemokratie zur Losung auswärtiger Fragen so gezeigt, wie gerade frier. Ifire FriedeuSresolutionen geben ein oanz falsches Bild unserer Politik, die feit 60 Jahren den Frieden erhalten fiat. Tie Sozialdemokraten mögen nur einmal probieren, r Angehörigen aller Nationen auf einen Kongreß zusainmen-

-uberuscn und Uber diese Fragen verbandeln zu lassen: in drei Sa-flcn »?aben Sie d ie schön st e Prügelei! (Heiterkeit.) unsere Politik, die entschloifc» ist. ihren Verbündeten die Treue zu holten, wird dtc k r, e g e r i s ch e n S p u k g e st a l t e n am ehesten verscheuchen. 1

ffiii Vertagungsantrag wird angenommen.

Al'g. Erzberger (Zentr,, persönlich):

ScbcIlDUr 1)01 behauptet, ich hätte eine Reise nach Wien unternommen u nt mich um den albanischen Thron ZL^.bEwerben. sHc.tcrkeit.) Diese Nachricht mar eine .Schwindelnotiz desBerliner Tageblattes". Ich habe aber be-

Ersrculich ist, daß Den heutigen Ausführungen des Kanzlers sit entnehmen war, daß von irgendeinem Protektorat F^inkreichS über die Christen oder Katboliken im Orient nicht die Rede sein kann. Ucbcrhaupt hoffen wir, daß die Kan z l e r rede 11 a» renb unb beruhigend wirken wird. Deutschland steht fest zum Dreibund. Abg. Spahn hat die Polen­frage in Beziehungen gebracht zu unserem Bündnis mit Oester­reich. Die Frage der Polen in Deutschland aber keine internationale Frage. Daß ist lediglich eine preußische Frage. (Zustimmung rechts und bei den Natl.) Der Drei- l'und ist durch die letzte Zeit nicht erschüttert worden. Wird Oesterreich angegriffen, so stehen wir ihm fest und entschloßen zur Seite. Diese klare Politik wird zweifellos vom deutschen Volk gebilligt. (Bravo!) Mein: Fraktion wünscht gewiß gute Beziehungen zu England. Wir anerkennen auch das dankenswerte der beiden Botschafter, für ein gutes Verhältnis zwischen England unb Deutschland zu sorgen. Aber keine Ucbereilungcn, sondern eine ruhige und obwartende Politik ist auch hier am Platze. (Zustimmung.) Oesterreichs Politik im Balkan kann nicht als crtravagant bezeichnet werden. Daß Oesterreich die Serben unb damit Rußland von der Adria fern- halten will, ist doch verstäiidlicb. Tie sozialdemokratische Politik in dieser Frage liegt nickst im Interesse des deutschen Volkes. Tie Folge wäre, daß Oeskerreich zur Triplcentente überginge, und das ivärc doch gewiß nicht zu wünsch-.«. (Zustimmung.) Was sollen überhaupt die maßlosen und ungezogenen sozialdemokratischen Beschimpfungen unseres Bundesgenossen Oesterreich, auf dessen Unterstützung iin Ernstfall loir doch auch angewiesen sind. (Bravo l) Es hat doch Tage gegeben, in bcnen der Weltfrieden tatsächlich bedroht war. Solche Tage der Spannungen können wicderkommen. Wir sind nicht schuld daran, denn wir wollen den Frieden, wenn auch nichl den Frieden um jebcu Preis. Aber soviel haben uns die Ereignisse ber letzten Zeit gelehrt, daß wir st a r f gerÜstet fein m ü f f e n. Der Balkcmkricg hat bie hohcBebcutung berOffensive für den Kriegsfall glänzend bewiesen. Daher müssen auch wir dafür sorgen, daß wir im Ernstfall mög­lichst rasch mobil machen können. Wir sind überzeugt, daß i m Ernstfall alles klappen wird.

Wir haben auch volles Vertrauen zu unserer Armee- und Marineverwaltung. Aber wo Lücke n sind, müssen sie ausgefüllt werden. Wir denken da an die Schaffung einer deutschen Luftflotte (Bravo!), damit wir den vom Grafen Zeppelin (Lautes Bravo!) errungenen Vorsprung behalten. (Beifall.) Noch eins. Wir haben gewiß gute Diplomaten. Wenn wir aber nicht überall glänzcnd vertreten sind, so liegt daß an der zu geringen Auswahl, die die Kreise bictcn, au» denen unsere Diplomaten genommen werden. Ter Zugang zur Tiplomatic muß erweitert werden. Sic war über die Dinge auf dem Balkan nicht gerade glänzend orientiert, auch nicht über kleine Informationen, die auf andere Weise be« kannt wurden. Es ist richtig, daß die Großstaaten in letzter Zeit territoriale Erwerbungen gemacht haben. Die wirtschaftliche Kultur folgt aber namentlich in halb entwickelten Ländern der pelilischeii Macht, der Grundsatz von der offenen Tür bleibt nur a u f d e m P a p i c r. In Oesterreich sagt man sich vielleicht, andere Länder erwerben Länder ohne Krieg, wir ver-

(- 2) (- ) (-5)

mmi-Schuhe^-