Ausgabe 
3.8.1912 Zweites Blatt
 
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Zweites Blatt

162. Jahrgang

181

E^chetnl figll* mit Ausnahme der Sonntags.

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politifcbc Lagesschau.

Gie neues Volksschulgeseh in Braunschweig,

Abg. Erzberger für die Anschaffung neuer Luftschiffe zur Laodeöverteidigung.

rcidicn werde....."

Der .Herzog wird schließlich gebeten, dem Gesetz Unterschrift zu verweigern.

Vollkommen^ nd Inhalt en!

'troffen!

Besichtigung der versuchrselder der Landwirtschaft- Ischen 3nftituts der Universität Stehen.

Kürzlich hatten sich über 200 Besucher zu der Besichtigung der Feldversuche des Lanbwirtselwttlick-en Instituts eingesundcn. Am Vormittage wurde auch das Institut selbst mit seinem Pslanz- garten, seinen Arbeitsräumen imb seinen Sammlungen den S)errett zugänglich gemacht, die schon am frühen Vormittage cintrrffen konnten. , v-

Untcr der Führung des Abgeordneten Fenchel-Oberhörgern war der Verein früherer Friedberger Landwirt- schastsschüler mit 120 Exkursionsteilnehment eingetrosstn, unter der Führung des Direktors Jauchen auch der Herein früherer Hof - GeiSbergcr. Ferner sanden sich die Herren der Fried­berger und der Gießener >iulturinspektion ein. Außerdem be­teiligten sich an der Besichtigung viele einzelne Landwitte, die sich für diesen Tag angeineldet hatten. m r

Ter Direktor des Landwirtschaftlichen Instituts, Professor Tr. GiseviuS, und Privatdozent Dr. Klebi unter stüvt durch die Assistenten Dr. Schmidt, Wolff, Burk und Sack nahmen die Besucher teilweise schon am Bahnhose in Emp­fang, von wo aus die Elektrische sie nach dem Triebviertel Her suchsfelde brachte. Sier begrüßte Prof. Gisevius alle Erschienenen nochmals herzlichst und sprach seine Freude darüber aus, daß jetzt in jeder Woche Vereine, sowie zahlreiche einzelne Landwirte, die Versuche besichtigen, daß heute sogar über 200 Herren sich zu diesem Zwecke hier eingefunden hätten.

Der an der Licher Straße eingerichtete permanente Tüngungsversuch, die daneben untergebrachten Sorten-Züchtungen, die sehr gut gelungenen Gersten- und Roggen Versuche mit ihren Zahlreichen interessanten Sorten erregten großes Interesse. Am längsten aber verweilten die Besucher bei der Gießener Kar­lo i f e l k u l t u r st a t i o n mit über 130 Kartoffelsorten, die hier in Beobachtung und Prüfung stehen. Alles was es in den letzten Jahren an neu gezücksteten Sorten gab, finden wir hier vereinigt vor. Viele Besucher äußerlen ihr Bedauern darüber, daß man das Trieb-Versuchsfeld in allen seinen interessanten Teilen tu

Weibliche Polizei.

Durch den jüngst wieder ausgerollten Prozeß der Mainzer Polizeiassistenttn ist der weibliche Beamte der Polizeiverwaltung wieder ins Licht der Oefsentlichkeit gerückt worden. Bekanntlich war in Deutschland die Stuttgarter Polizcidtrektion die erste, die eine Polizeiassistentin anstellte, und ihr folgte dann bald darauf die Münchener. In Deutschland liegt die Ausgabe der Polizciassistentin nicht auf kriminellem Gebiete, sondern in enter Linie besteht sic in der sozialen und Liebesfürsorge für die weiblichen Häftlinge. Selbstverständlich ist es gerade die isttten- polizei, die für die Frau das dankbante Gebiet ist. In Ftn- l a n d ist die Tätigkeit der Frau in der Sittenpolizei schon seit langer Zeit äußerst erfolgreich gewesen, und die Ueben'chreitungen sittenpolizeilicher Anordnungen hoben dort erheblich abgenommen.

Ucbrigens war es auch eine Frau, die zuerst die Lauerhöhle der New Parker Ebinesenstadt aufdeckte. Immer und immer wieder hob sie ihr Klagelied an, bis endlich der Skandal so groß mürbe, daß ihre vorgesetzte Behörde wohl oder übel sich mit dem Sklavenhandel, der hier vor sich ging, beiassen mußte. Aber an manchen Orten des Auslandes ist der Wirkungskreis der Frau im Polizeiwesen ein weit umfangreicherer. Gent war es wohl zuerst, 5o5 sich mit dem Gedanken trug, ein regelrechtes weibliches Polizeikorps zu schaffen, und Herr von Wesemacl, der damalige Genter Polizeimeister, soll geäußert haben, daß es kein lebendes Wesen gäbe, das derFrau an Spürsinn überlegen sei". Zweifel­los gibt cs eine Reihe von kriminellen Fallen, in deren Aufdeckung die Frau von Natur aus Meisterin ist. So hat das Ucbcrhand- nchmcn von L a d c n d i c b st ä h l e n die Besitzer der großen Kauf­häuser Londons schon vor Jahren dazu gebracht, ein Heer von weiblichen Detektiven zu organisieren, das so erfolgreich ans Derk ging, daß in kurzer Zeit eine merkliche Abnahme der Dieb­stähle zu verzeichnen war: allerdings mußte mancheDame", die bisher unter dem Deckmantel einer ehrsamen Bürgerssrau oder gar Aristokratin in den Warenhäusern zu erscheinen v'legtc, hinter sckwedisckicii Gardinen darüber nackdenken, wie manchmal eine weibliche Detektivin die größten Unannehmlichkeiten hcrau'be- schwören kann. Dem Beispiele Londons ist man dann in vielen Großstädten, unter anderen auch in Berlin, gefolgt. Als in Chicago vor einigen Jahren zuerst das Verbot der langen, vorstehenden Hutnadeln erlassen wurde, da wurde es bald not­wendig, daß werbliche Polizisten angestellt wurden. Die Manner

Blutig

den in dem

Der Zentrumsabgeordnete Erzberger 1 bespricht Tag" die neuesten Reden bei der Einbringung der fischen Flottcnvorlagc und meint, wir brauchten an Inhalt unseres Floltcngesctzes nichts mehr zu ändern. Dann

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul­straße 7. Expedition und Verlag: e^51. Redaktion:^«! 12. Tel.-Adr.: AnzeigerVießen.

Mährt er fort:

Eine andere Frage aber ist, ob nicht aus dem Gebiete des L u s t s ch i f f w e s e n s mehr geschehen sollte, und zwar in. der Richtung: Parsevalc als Festungsstationäre, Zeppeline ol» Lustkreiizerflottc. Nach dem heutigen Stande der Tinge läßt <5 sich rechtfertigen, wenn je 23 Divisionen Zeppeline an der iSasscrkante, an der Ost- -und an der Wcstgrenze liegen mürben, Ium al der Erkunbungsdienst wesentlich gefördert würde. Tic losten für die Anschaffung von neuen 1530 Zeppelinen sind nicht dergestalt, daß eine solche Notwendigkeit nicku erfüllt werden könnte. Wenn inan 1912 insgesamt 20 Millionen Mark für Unterseeboote ausgibt, sind 10 Millionen für Lust schiff e kein Luxus zu nennen. Ernsthast zu prüfen ist auch, o!> nicht alle (beschütze der Fcldartillerie zu bespannen sind, so dal: N>ir keine Batterie mit vier Geschützen mehr ausrücken lassen: die einmaligen Kosten von 6 Millionen und die fortdauernden von 2 Millionen Mark sind im Etat untcrzubringen, fofernjnan nur andere nicht so dringliche Lttisgaben beseitigt. Wenn Schweben, Belgien, Holland, Schweiz und andere ftlcinftaatcn sich vcr- Märkt rüsten und dort teilweise sogar die Sozialdemokratie für solche Gesetze stimmt, obwohl diesen Staaten kein Angriff droht, so ist cs nur ein Gebot der Selbsterhaltung für eine Groß piacht, nichts zu benannten in einem Zeitpunkte, wo ein trän Möst scher Gcneralstabsofsizier in aller Oefsentlichkeit die deutsche landungsstellc für die englische Flotte und das englische Expcdi tionskorps in interessanten Untersuchungen zu finden hofft, und wo der englische Marineminister eine Sprache redet, die jedes deutsche I SHhb verstehen kann.

v Au» Hessen.

Antrag Schönberger zur Aufhebung der Bezirttkaffen.

rm Darmstadt, 2. Aug Die Erhebung der Staats st euer n gab dem Landtagsübgeordneten Schön b e r g e r Anlaß zur EinreickMNg eines Antrages, der folgen­den Wortlaut hat:Hohe Kammer wolle beschließen, die Großh. Regierung zu ersuchen, die Erhebung der Staats- steuern auf die Gemeinden zu übertragen und die dafür seither bestehenden Bezirkskaisen aufzuheben."

In der ausführlichen Begründung wird hervor­gehoben, daß für die nach dem staatlichen Voranschlag zu erbebende Einkommensteuer für 1912 im Betrage von 19 116600 Ml. an die BeZirkskassenämter und Uutererheb-

ivaren nämlich zu furchtsam »Nb auch vielleicht zu höflich, um ben Tarnen mit ber nötigen Strenge entgegenzutreten Aber die zwanzig Amazonen, die fortan in ganz Chiacgo aus die sorg­same Befolgung des Hutnabclverbotcs zu achten hatten, schufen bald Abhilfe. Was die Frau auch auf dem Gebiete der Ge- sunbhciispolizci leisten kann, zeigt die Stadt A l a m e d a in Kalifornien. Seitdem sie ihr Gesundheitswesen einer Frau anvertraut bat, erfreut sic sich des besten hygienischen Rufes. Di- Dame hatte nämlich eine ganz eigenartige Methode, um ihre Pläne durck;usetzen. Bei der Häuserkonttolle ging sie in der Weise vor, baß jedes Haus durch Schilder mit der Aufschrift: Schmutzig" oder dergl. bezeichnet wurde Diese Schilder blieben so lange, bis Besserung cintrat, die in ben meisten Fällen nicht lange aus sich warten ließ. Zum Schlüsse mag noch erwähnt werben, baß auch noch Siam sich einer weiblichen Polizei­en ackst erfreut. Ten Amazonen ist die Bewachung des Harems im Palaste zu Bangkok anvertraut. Trotz ihrer schönen Uniform soll ihr Anblick fürchterlich sein: denn nurmordshäßliche und schon in gereiftem Alter stehende Tarnen" werden für die Polizei- macht angeworben.

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Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberhessen

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stlavierfchulc- bindert °ll£rc:*

kf. Frauen, die ben Kanal durchschwimmest wollen. Zwei Frauen beabsichtigen in diesem Jahre den schweren Versuch der Turchschwimmung des Aermelkanals zu wiederholen. Es wird ein Kamps Amerikas gegen England, und beide Länder . stellen hervorragende Bewerberinnen. Die amerikanische Bewer­berin ist Miß Rosa Pitonoss aus Boston, ein athletisch ge­bautes Mädchen, das erst im Alter von 17 Jahren steht und bereits seit seinem 7. Lebensjahre sckzwimmt. Sie hat schwimmend die Strecke von 40 Kilometern zurückgelegt und wiederholt bei bedeutenden Schwimmwettbewerben gesiegt. Sie beabsichtigt Bti ihrem Versuche sich durch Schonung ihrer Kräfte verschiedener Schwimmverfahrcn abwechselnd zu bedienen: eine Brille will sie im Wasser nur im äußersten Notfälle anlegen und während der Turchschwimmung des stanals keine Nahrung yi sich nehmen. Ihr stellt England Miß L i l Y Smith, die Tochter des Ober­leiters der Londoner Feuerwehr, gegenüber. Sie ist die Vor­steherin des Londoner Frauenschwimmklubs, ist dreimal weiblicher Champion über die halbe Meile geworden und konnte in Rouen beim Wettbewerb über 4' _ Meile gegen elf Männer als zweite durchs Ziel geben. 1910 und 1911 ist sie Champion der Schwimmkunst ber Ändoner City geworden, und sie bat im Jahre 1907 Fabez Wolffe bei einem seiner Versuckze, den Kanal zu durchschwimmen, 4>_-Stunde lang begleitet. Itb Vorjahre hat sie bei unruhigem Meere eine Strecke von 50 Km. in 7 Stunden durchschwommen. Sie beabsichtigt, bei ihrem Versuche im Gegensätze zu ihrer ameri- fanii'dxn Konkurrentin sich reichlich mit Fleisch, Röstbrot usw. zu ernähren.

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Neues ans der Welt der Frauen.

Frau Chapman (Satt, die Präsidentin der internationalen Bereinigung für Frauenstimmrecht" ist soeben von einer Propa­ganda Weltreise zurück-gekehrt, über deren Verlauf uc autzerst be­friedigt ist. Für diefreiesten" Frauen der Wett hat sie, wie sic einem Mitarbeiter desStandard mitgetcilt bat, die Birma nef inne n. Seit unvordenklichen Zeiten und tu Birma I das schwache wie das starke Geschlecht gleichberechtigt. Auch nach der Heirat besitzt die Fran ausschließliches Verfügungsreck-t über ihr eigenes Vermögen, ia, es ist sogar Brauch, baß bie grau lelbff für ihren Lebensunterhalt sorgt Etwas eigentümlich berührt e» M-i, daß die Frau auch nach ihrer Heirat ihren Mädchennamen Mcilerfübrt. Welche Rolle die Birmanesm tm_ GeichaNsleben ihres Vaterlandes spielt, geht daraus hervor, dan mehr als bic bälite der geschästlichen Unternehmungen in Birma von rauen geleitet werden. Vor nunmehr 30 Jahren erhielt die Birmaneiin des Stimmrecht und zwar sowohl das aktive wie das panive auck, für ben Stadtrat von Rangoon. Leider gibt keine Statist,t Ausschluß darüber, in welchem Umfange nun die Frau icitiencr 3.L von ihrem Rechte Gebrauch gemacht bat. Aber das steht Kit, daß weitaus die Mehrheit der Frauen tätigen Anteil an der Verwaltung von Rangoon seither nimmt. Bei den längsten Wahlen ist zum Beispiel «vrau Hla Dung,, eine ber Frauenrechtlerinnen, wenn man so sagen daN-von Birma m den itabtrat gekommen, unb ihr ist die gründliche Retorm, die wtzt auf manc^rlei Gebieten, wie z. B. dem «chulweien, ber lojialcn

* Fürsorge usw. eingesetzt hat, zu verdanken.

I Seit der Katastrophe ber Titanic ist eine ganze Reihe von Staaten dazu geschritten, für Schiffe von bestimmter Grotze Ein richtungen für drahtlose Telegraphie obligatornch zu mack>en. be­sonders in Amerika ist die Nachfrage nachdrahtloicn Tele­graphisten" eine sehr große, und hat iich denn hier mr die .rraii ein neuer Berni eröffnet; denn teils wegeii der Mffgerm Gehalts- anforüdK, teils aber auch wegen ihrer Zut^laingkeit mbt man in mandxn Fallen dem weiblichen Gcickstechtc ber der ^ahl den Vorzug. Es mag übrigens mterciiieren, ba.B bei benlunflften Prüfungen, bic das emarikanisckie Marinemimstwum alliahrlich abhält/in ber drahtlosen Telegraphie "''ne Frau, rrraulein Mabel Kelso aus Seattle Kanada-,, am. besten, abgeichmtten hat^ Kürz­lich hat in Amerika ber erste Kongretz ber glichen Bankiers itattgefiinbcn, und zwar tagte er tn San Antonw m Tq;as. Dort wurde der Beschluß geatzt, nach dem ^ster des amm- k-niscken Bankierbundes auch einen solchen für weibliche Bankiers

Tie role Flut in Sachsen.

lieber ein riesiges Anwachsen ber Sozialdemokratie in Sachsen wird aus Dresden geschrieben: Nach dem soeben er­schienenen Berichte des Landesvorstandes der sozialdemo­kratischen Partei im Königreich Sachsen hat diese im ab- gelaufenen Geschäftsjahre 1911 12 mit 28 741 neuen Mit- gliedern den stärtsten Zuwachs an Mitgliedern feit ihrem Bestehen zu verzeichnen gehabt. Die Ge- famtzahv der Mitglieder betrug 149 325, davon waren 51283 männliche und 18 042 weibliche. Im Jahre 1901 '^betrug die Mitgliederzahl kaum den sechsten Teil, nämlich nur 25 581. . .

Dieses ungeheure Wachstum der Sozialdemokratie wird der Regierung zu denken geben müssen.

stellen, sowie an die Psandmeisterämter, der Betrag von 548000 Ml. notwendig ist Da die Gemeinden die gleiche Steuererhebungsmaschine" vollständig getrennt notwendig haben, was wohl durch die weit zurückliegenden reckt miß­lichen Lebensverhältnisse früherer Jahre seinen Grund hat, scheint eine Vereinfachung dieser Arbeitseinteilung not- ivendig und unvermeidlich. In richtiger Erkenntnis und Würdigung dieser Tatsache hat der erste deutsclio Bundes­staat, das große Königreich Preußen schon vom L Avril 1895 ab, die Gemeinden des Landes verpflichtet, die ^taats- fteuern zu erheben und ohne V e rg ü t u n g an die Staats- kaffen abzuiichren, dabei wurde die Erhebung dieser Steuern in vier Zielen angeordnet. Diese Einrichtung habe sich in Preußen vollauf bewährt und eingelebt. Der Antrag­steller behauptet, daß zwei nebeneinander Herlausende M a - s chi n en nicht so billig arbeiten können, wie eine Maschine, welche nahezu dieselben Funltionen auszuführen hat. Er rechnet für die Clesamtsteuererhebung eine Arbeitsvermin- derunq von mindestens zwei Tritteilen heraus. Durch d'.c Beschränkung der Bezirkskassestellen werde nichts erspart, da hierdurch die Untererhebestellen vermehrt iverden muß­ten. Auch durch die günz'iche Aushebung des E r b s ch a f t s- ft eueramtes, durch Die Uebertragung dieser Funttio- nen an die bestehenden Finanzämter, sowie durch Ersparnis von Arbeitszeit und Fo r mulard ru ck ko st en bei den Finanz­ämtern iönne billiger gearbeitet werden. Die Erbschafts­steuern füllen auf dem gleichen Wege wie die Landessteuern erhoben werden. Der Antragsteller hofft zum Schlüsse, dciß bei reck/tzeitigem, kräftigem unb allseitigem Vorgehen bic Regierung sehr wohl in der Lage fei, die Reform sofort nach Schluß des gegenwärtigen Landtages in Kraft treten zu lassen. ________________________________

tof sich in der Vorbereitung befindet, entzieht das ^olkSfchu lwesen der Aufsicht des Konfisto- ilums, ntm 'cs derjenigen des Ministeriums zu unter- sellen. Um diese durchau zeitgemäße Neuerung zu ver- tnnbern, haben orthodoxe Geistliche eine Bittschrift an den Herzog-Regenten in Umlauf gesetzt, worin es heißt:

Diejenige:^ auf deren Treue in ben erregten Zeiten bic tbrigfeit unbedingt bauen barf, weil sic verankert ist in ber an l^tteS Wort gc. laibcnen Frömmigkeit, legen mit Recht ben höchsten Wert barauf. bas, ber Unterricht ihrer Stinber getragen sei von Ix Erkennt:.i., ic Furcht des Herrn ist der Weisheit Anfang «trabe bicie würben in ber Entziehung bes Bolksschulwcfcns cuS ber Aussicht ber Miabenbeborbe ben Tatbcweis bafür erblicken, haft in bat Augen ber Obrigkeit nicht mehr die Erziehung zur Gottesfurcht unb christlichen Frömmigkeit unter ben Aufgaben t x Volkssckmlc in erster Lime stehe ' . . .Wir sinb über- KUflt, baf; bic geplante Maßregel zum Schaben ber erziehlichen Vedcutung ber Schule unb zum Schaden des Volkslebens

Das amtliche Gesterreich-Unyarn unb bie albanische Lryebung.

Das WienerFremdenblatt" begrüßt in einem be­merkenswerten Artikel die gänzliche Abkehr der Türken von der bisher gegenüber den Albanesen geübten Methode und führt aus, es zeiga sich, daß sich in der Türkei endlich jene Auffassung durchsetze, die von österreich­isch-ungarischer Seite schon sehr lange Zeit vertreten werbe, daß nämlich eine Politik der bloßen Repression gegenüber den Albanesen nicht nur erfolglos, sondern schädlich sei. Charakteristisch für die Wendung sei es, daß gerade die türkische Avmee, der man den lautersten Patriotismus nicht absprechen iönne, zu der von Lester- reick>Ungarn immer vertretenen Politik gegenüber den Alba­nesen komme. Die mehrfache Aufstandsbewegung gab der österreichisch^ungarischen Diplomatie wiederholt Anlaß zu eindringlichen Mahnungen und dem Ausdruck des Wunsches nach Rübe iu der europäischen Türkei. Tie Rücksicht auf die möglichen internationalen Folgewirkungen einer kriti­schen Entwicklung der albanesischen Frage berechtigte, ja verpflichtete Oesterreich-Ungarn, in aufrichtiger Freundschaft seine Meinung zu äußern. Seine Diplomatie vertrat immer die Aussassung, daß nicht Represjion, sondern Reformen in Albanien notwendig seien, die ebenso sehr der nationalen

beweisen, baß sie ihre Flugschriften in zehn Sprachen hinausscnbcn. Sic erscheinen in: Englisch, Teutich, fvran$n|iid), Polnisch, Norwegisch, Schwebiscki, Spamsch, Portugiesisch, Italie­nisch unb in Iibbisch, sobaß wohl jcbe Frau in WlScomm über bic Fraucnsrage auf bem Laufenden ist.

i«s Leben zu rufen. . __ ,.y . .

Mit welchem Eifer die <vrauenrcd)tknnnen m ban_amerr konischen Staate Wisconsin ans Werk gehen, mag die Taliack-c

Individualität des albanesischen Volkes wie seinen all­gemeinen wirtschaftlichen und kulturellen Bedursnilien 9tcd1 - nung trügen Wenn die von der österreichiich'Ungarischen Tiploinatie in Konstantinopel immer vertretene Auffassung zu dem erwünschten Erfolge fuhren sollte, werde man nirgend mehr Csenugtuung em^iinben, als in Oesterreich Ungarn, wo man immer den hohen Wert betone, den Albanien für den Bestand der europäischen Politik bilde.

Oesterreich-Ungarn hat natürlich ein Interesse daran, daß die Gärung in Albanien verschwindet, und in der Tat war anznnehfmen. daß nidit eher Rübe ein kehren werde, bis man den Albanern in ihren Forderungen entgegen- kommen würde. __________

(Eint Eingabe an bas preüsiische Mmiftcrium wegen bes vinzer Unglücks.

Tie bei dem Unglück in dem Ostfeebade Binz' Geretteten batten für Donnerstag abend eine öf f ent» liche V e r sa mmlung nach GreisswaLd einberufen. Die stark besuchte Versammlung beschloß nach einer mehr stündigen Aussprache an den Minister des Innern folgendes Telegramm zu senden: , . _ m

Xie heutige, von mehreren Imnbcrt Personen bciurfitc Ver­sammlung GrciiSwalbcr Bürger ist nach ben sachlichen Aus­führungen ber bei bem Binzer Unglück Beteiligten zu der Ucbcr- zcugimg gekommen, baß bic Binzer Brücke nicht ben Anforde­rung en genügte, welche billigcnpeise an sie gcitdlt iverbeil mußten, unb bah für eine Regulierung des Ueberwackuingsbienftes in kcrncr Weise gesorgt war. , m ..

Die Slabevenvaltung bat in geradezu leichtsinniger Weife bie Kontrolle auf ber Brücke vernachlässigt, bic frivolen Entsiel' langen, in denen sic bic Schuld am Unglück bem Publikum zu- schrcibt, sind aufs schärfste -urückzuwciscii. . .

Sachverständige in der Versammlung bekunden, daß m an­deren Oslsccl'ädcm ganz älmlid)c Mißstände bestehen.

Euer Exzellenz bittet die Versammlimg, uuveruiglich Sorge bafür tragen zu wollen, bas sofort eine grüübliche Revmon sämtlicher Brücken der Ostfcebäber vorgenommeii werbe.

Samstag, 5. August 1912

Rotationsdruck unb Verlag ber Vrubl schen

UnwersitälS-Buch- und Steiiidruckerei.

R. Lange, ©icßcn.

TieGletzener FamiliendlaNer" werben bem

Anzeiger* viermal wöchentlich beigelegt, das

Xreirdlatt für den Kreis Ziehen" zwem^l wöchentlich. TieLandwirtschaftlichen -eit' fragen" erfcheinen monatlich zweimal.