Ausgabe 
3.6.1912 Zweites Blatt
 
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Zweites Blatt

Nr. 128

162. Jahrgang

Giehener Anzeiger

»r1d>ftni tiffi» mH «uSnakmr brt Sonntag«.

General-Anzeiger für Oberhe^en

r>eeitBcMi femUitnblätttr" werden dem .Anzeiger* viermal wöchentlich beigelegt, da« Kittsblafl fir den Krdi Sieben" ironmal wöchentlich. Die ..kandwinschaftlichen Sett- tragen" erscheinen monatlich grocimaL

Montag, 5. Znni 19(2

Rotationlbmcf und Verlag der Brüblichen Universität« - Buch- und Lteindnickereu R. Lange» Gießen.

Nedaklion. Srpebition und Druckerei: Schul- Kratze 7. Expedition und Verlag: e*» öl. 9tfbahion:e*e 118. IeL-$lbr^81njeifl«®iefiHL

Vie Belagerung von $ej.

Nach einem Funkcntclcgramm aus ftej vom 31. Mat traf General Miautet) bie erforderlichen Kaßnohmen, um gegen die hinter den Zalagbergen nörd- ich von Fez versammelte 15 18000 Mann starke Abteilung zu marschieren, da er der.An- icht ist, daß der gegenwärtige Zustand nicht fortdauern lönnc Man inüjfc um jeden Preis bie Stabt frei machen unb verhinbern, baß bie Marokkaner sich täglich nerfiarfen. Alle Strafte» rings um Fez sinb ab­geschnitten. Eilboten können nicht mehr abgehen.

Eia Auisall der Belagerte».

Paris, 2. Juni General Lyautey fanbte aus Fez dem Ministerium bes Acufterit folgenbes Telegramm unter bem 1. Juni, abends 9 Uftr: Die Kolonne bes Lbersten Jour and, welche fünf Bataillone Inf an icre, sechs Abteilungen Artillerie unb zwei ESkadrons j.avallcrie umfaßte, rückte fünf Uhr früh gegen len Fcinb vor, ber fick) 10 Kilometer norböstltch von Fez gefanimeli hat.e. Das Fetter wurde um sechs Uhr

bie Bo:.ui qcn bett Feind auf bem Zelaghügel (iöffnet, ber iujolge bes Artilleriefeuers von ben Abhauaen ndit heruntersteigen konnte. Um 10 Uhr gelang eS der Artillerie, den Feind von den Abhängen zu vertreiben, der in Hellen Hausen floh. Der Anführer der Ab­teilung fiel in unsere Hände Ter Feind lieft Iahlreiche lote zurück W i r hatten neun Tote, 28 verwundete Ein englischer Instrukteur wurde eben- falls getötet Um 11 Uhr 30 Minuten machte die Ko­lonne auf bem rechten Ufer beS Scbu Halt. Die Ope­ration )virb morgen fortgesetzt.

AuS Fez wird gemeldet, General Lyaulcy bereite ben Vormarsch in twrdlicher Richtung von Fez vor. Ain Satns- t,g wurde ein h e f t i g e r A u g r i f f g e g e n S e s r u durch den scherisischen Tabor z u r u ckg e s ch l a g en. Der Da- vor nahm die Berfolgung auf.

Fez, 1 Juni Zwei Postläufer wurde» ge­lötet und beraubt Im Osten von Fez bildete» sich !,vei neue marokkanische Abteilungen. Die r a n z ö s i s ch e n Berstärkungeit sind cingetroffen. Morgen eabsichttgen die Franzosen zur Offensive süberzugehen.

Ter letzte Angriff der Marokkaner.

Tätiger, 2. Juni. Ei» Telegramttt aus Fez vom 129. Mai meldet folgende Einzelheiten über den Angriff ber Marokkaner am 28. M a i. Zioische» 2 und fünf lltftr nachmittags rückten die Feinde in Heinen Gruppe» vom Hügel Za lach gegen die Worbfcite von Fez vor, viel- llticht mehrere taufeiib Mann stark. Bon 5 Uhr an fielen bic ersten Flintenschüsse. Ter Angriss war haupt­sächlich auf bas europäische Viertel gerichtet. Ilm 6 Uhr war der Horizont durch zahlreiche brennende Heuschober erhellt Zwischen 9 unb 11 Uhr hörte das Feuer ISer Marokkaner fast vollständig auf und lieft einen lieber-

ult auf der andere» Seite befürchte». Um 11 Uhr wurde es lieber eröffnet unb bauerte bis 4 Uhr früh, ohne da ft eS zu einem Sturmangriff kam. Sechs Kompagnien rückten aus ber Stabt vor, worauf fick) bie Angreifer zu- cückzoaen, inbem sie ihre Tote» mitnahmen. Ihre Ver­luste linb ziemlich beträchtlich. Gestern früh wurden An- iammlungcn ber Marokkaner in Stauf ara, 15 Kilome­ter nordöstlich von Fez, gemeldet.

Rach einer Berösfentlichung desJournal wurden ÖDm 1. Januar bis 6 Nai dS. Js. in Marokko 16 Offi- ziere unb 105 Maun getötet, 90 Off iziers und 299 Rfr a n » verwundet. Mit den schweren Verlusten der Maiwoche dürften die Franzosen etwa 600 xote and Verwundete zu verzeichnen haben.____________

Verstärkungen.

Toulon, 2. Jun, 8rH Mant, Kolonialinfan­terie und eine M a s ch, n e » g c w e h r a b t e i l u n g habe» sich auf bem PostbampferMongrslie" noch Casablanca e i n g e s ch i f f t. Gin zweites Bataillon folgt nächsten Sonnabend.

Der italienisch-türkische Krieg.

Die Unternehmungen zur See.

Konstantinopel, 1. Juni Das ftriegöminiftcrium teilt mit, daß bie Italiener am 98 Mai Hoaza unb Ebuzahra am Roten Dieer bombardierten In tzoaza wurden bm kleine Moscheen unb ein kleines fi beschädigt, i» Ebuzahra eine Moschee und zwei Häuser gänzlich zerstört, sowie eine Frau und zwei runder ge­tötet. -- Das KriegSniinistcriliin verösfentlicht eine Mit teilung über die am 26. Mai vor Tobruk gewesene» Kämpfe, wobei i,ch die Italiener mit 70 Toten zurück Aoae». Die Verluste ber Türken und Araber seien un­bedeutend.

Smhrna, 1. Juni Zwei italienische Tor­pedoboote erschiene» gestern vor Sealanova im Golf von Samo Sie fuhren in der Richtung auf Plaka (Tlbelos) weiter, cnlbedlen v i e r H an d e l s f ch i f f e, gaben ungefähr fünfzig Schüsse auf sie ab und nahmen sie fort.

Konstantinopel, 2 Juni. Rach Meldungen, die bei ber Pforte eingegangen sind, bombardierten italie­nische Schiffe H i b j a T a n b e h s an ber Küste beS Vilajets Smyrna

Neue Kampfe.

Bucharnez, 1. Juni CSlgenzta Stcfani.) Auf bic Nachricht, baft eine grofte Karawane zwischen ber tunesischen Grenze und den Zelte» vorüberziehen würde, unternahm General G a r i o ii i mit einem Operationskorps, bestehend auö einigen Bataillonen Infanterie mit Feld- unb Gebirgsartillerie, gegen 5 Uhr ntoraenS einen Zua in ber Richtung auf Sebfa unb Brega Während ein Teil feiner Truppen ben Feind Don ber Seite von Sibi Saib aus beschäftigte, rückte das Operationskorps in zwei Kolonnen nach dem Westen und Südwesten vor. Die Linke ber beiben Kolonnen entwickelte auf ber ganze» Länge zwischen Seb la unb Bucha mez sowie zwischen Sebfa unb Brega ein hestiges Feuer, um bie feindlichen Streitkräfte, bie hinter Sebfa in einer Stärke von ungefähr b r e i t a u f e n b M a » n stauben, heranz». locken. Inzwischen überschritt ein Teil ber rechten Kolonne, bie aus Bersaglu ris, AskariS unb Gebirgsartillerie bestand, die Forts bei Sebla und Brega unb rückte bis zur zweiten Karawanenstrafte vor. Tie Kolonne traf babei mit fcinb lichen Fufttrnppen und Reitcrti zusammen und zerstreute sie. Sodann vereinigte sich bie rechte Kolonne mit der linken. Beide vollendeten die Zerstreuung ber feiiiblichen Streitfrage unb fügten ihnen erhebliche Verluste zu. Die Verluste der Italiener belaufen sich auf zwei Tote, baruntcr ein Askari, und fünfzehn Berwunbete, barunter zwei Offi­ziere unb vier ASkaris.

Paris, 2. Juni. Der Kriegsberichterstatter des Siede" telegraphiert aus De ft ib ab an der lunefifch* tripolitanifchetr Grenze: Am 31. Mai unternahmen die Italiener, 6000 M a n » st ark, einen AuS i <i 11 a u- Bukamech, wurden jedoch von ber türkisch-arabischen Reiterei in die Flucht geschlagen und erlitten grofte Verluste. Die Türken hatten fünf Tote und 23 Verwundete.

Tie Ausweisungen.

Konstantinopel, l Juni. Zahlreiche italienifd>e Familien, etwa 400 Personen, sind gestern abend mit einem Sriuff des österreickstschen Lloyd abgereift. Weitere Familien reifen heute ab.

Der Minister des Innern, der von feiner Reise zurück- gekehrt ist, bestätigte die Beschlüsse, »ach denen italie­nische Hofpitalärzte, Kranke, Greise, » n v ei­st e i r a t e t e Frauen unb Witwen, ferner Werk- füftrer von der Ausweisung ausgeschlossen sei» lotl.u

DeutscheK Ncich.

Der Kaiser hielt am Samstag vormittag auf dem Tempelhofer Felde Parade über bie Truppen d c r Garnison Berlin unb Nachbarorte ab. Tie grofte» Tribünen waren gut besetzt, ebenso war ein graftet Wagen­park angesahren, unter dessen Insassen man viele Angel,o rige des diplomatischen Korps bemerkte. Grofte Menschen­mengen umsäumten das Paradefeld unb die Anmarsch- strafte Um 9 Uhr mar bic Truppenausstellung beendet Die Parabe befehligte General v Voiveufelb. Die Kaiserin wohnte ber Parabe nicht bei Der Kaiser traf gegen 9 Uhr im Automobil vom ''freuen Palais beim Steuerhäuschen ein, stieg bort zu Pferbe unb ritt sogleich bie Fronten ab Es folgte ein zweimaliger Vorbeimarsch ber Truppen Der Kaiser führte beibc Male das 2. Garberegiment zu Jnft Nach ber Kritik führte ber Kaiser unter den Hochrufen des biditgebrängten Publikums bie Feldzeichen in bas Schl oft zurück Zit Beginn ber Parabe kreiste eine Flugmaschine über dem Feld. Am Sonntag trafen ber K önig u n b ber Kronprinz von Sachsen mit Gefolge im Auto­mobil im Neuen Palais ein und wurden m in Kaisei emp­fangen. Um 1 Uhr sand Frühstück st a sei beim Kaiser statt. Die Rückfahrt nach Dresden erfolgte abends

Ein Buch bes beut scheu Kronprinzen wird in wenigen Tagen, wie uns der Verlag der Dentscheii Verlags-Anstalt (Stuttgart, Berlin) mitteilt, erscheinen unter bem Titel:A u ö meinem Jagdiagebtt ch". -Der Kronprinz ist, wie man weift, ein pasnouierter Jäger unb erzählt nun in biefem Buche von seinen Pirschen auf Elefanten, Tiger, Steinböcke, Gemsen usw. Von dem reichen Schmuck ber Illustrationen, ber dem Buche bei­gegeben ist, find bic meisten Bilber vom Kronpiliize» sel­ber, einige von bei Frau Kronprinzessin ansgenonimen.

Der Erste Staatsanwalt beim Landgericht Berlin 1 hat die von ben sozialdemokratischen Landtags- abgeorbneten Borchardt unb Leinert gegen ben Polizeileutnant und bie vier Schutzlenie, welche am 9. Mai ben Abgeorbueten Borcharbt ans bem Abgeorbneteiii, inse entfernten, erstattete Anzeige zurückgewiesen

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Xnilaiid.

Das Königspaar von Bulgarien mit ben bul­garischen Prinzen ist am Samotag nachmittag 3 Ufti in Wie» cingetroffc» Sie mürben am Bahnhof vorn y.uifer, Erzherzog Fraw^ Ferdinanb, Erzherzogin Maria Annun­ziata, den in Wien weilenden Erzl-erzögeu, dem dort weilen­den Prinzen von Sachsen-Koburg unb Gotha und ben Spitzen ber Zivil- und Militärbehörden empfangen. 'Ji'arft dem Abschreiten der Ehren kompagnie begaben sich bic Maje­stäten im offenen Wagen zur .yofburg, aus bem ganzen Wege vom Publikum lebhaft begrüftt. Das Aussehen des Kaisers ist feljr frisch

Ter BerlinerLokalanzeiger" meldet aus Paris: Ter Po­ti zeipräfeki von PanS, XI6 v i n c, reift morgen nach Peters- b u r g. 'ji<ic verlautet, hängt die Reife nut der im Herbst be­vorstehenden Veränderung d es B o t s ch a t t e r p o |t c n s i» Petersburg zusammen. Lupine, der seine Begabung aut po- lihfcbem Gebiet betätigen möchte, würde in Petersburg, wo er sehr beliebt ist, bie beste Ausnahme als Botsd-after sinden

In dem vom Folkeling und Landsting in Däne­mark zur Beratung der Stcueroorlagcn ein­gesetzten genicinfamcn Auvschuft wurde nach längeren Ver­handlungen eine Verständigung erzielt. Hiernach wird bic Einkommen- unb Vermögenssteuer um etwa 8,6 Millionen

$rantrcidi$ Ilcubürger.

W Paris, 1. Juni

Tic soeben veröffentlichten Berichte deS französischen Justiz- Ministeriums über die Raturalisterungen des levten Jahres geben hier wieder zu allerlei gelehrten, hochpolitischen, patruli|d)en Be- I Achtungen Veranlassung. Jeder ^.'tenich, sagt der 'ra-.-o|t.che Diäuer, hat zwei Vaterländer: das seine und dann Frankr.ich. Tanach sind also ine etwa 1500 Millionen Erdbeivohner aul Kb t-.mache Weise französische Bürger flwmbtn. Dicht« machen iidt solckic Sachen überhaupt immer recht leicht. Als im vorigen Irl-re der göttliche" Gabriele d'Annunzw in SJcTiaitleo weilte unb den Durchfall feinesHeiligen SebafNan' während der großen Saison abivartete, verkündete er der Umuieiibe» Menschheu, M cx der cuuiae Franiofe fei, den es noch gäbe. Ta hatten wir ciio statt ^MO Millionen ploplich nur noch "nen^ranzofen rnb auch dessen Echtheit ist md)t unbeitrittcn, denn ^achvcrNandige Ämpt?n W seine französischen Verse gar nicht ^>1^1«^ tiändmial wird man Franzose, odne es zu wis^n, wie der . Sitoticn Friedrich Schiller . In den Tagen nach dein Ubichluv des deutsch-französischen Abkommens sahen wir frier in einem S.rfu' eine Bande marokkanischer Woringer und Tänzer. Euuge ff reamöfifde Patrioten setzten den wilden Leuten auseinander, dah irSfta « *" leien; die Fremdlmge aumtertoi | Xien X biefe «tac r»Hl*» «« f,t

' wahrscheinlich mit Flintemchuften geaniroortel

"»riihcr waren bie französischen Naturalisierungsgeieve lehr streng, ^ie Republik ist erst nnlder geworden als bas^us^eibcn lxr natürlichen Bevölkerungszunahme Zumhrung tremden LM-NMZWUz SLL-Z-Z-WMI«- Üx Frankreich. Heute kann man uach zehntdi Raturali- mer Anwesenl>cit auf^anzösnchem ^zur

i crung bewerben. Die vorherige Donnzi e^n:agi Llbiürzung dieser ^ortezeit b wird man schon

Uwatct eine Jungfrau des Okiliicrnamiirev Söbne

rrad) einem Jabr als femigend von ihr erzog an-

-on in Frankreich ledernden Lisla"Lss werden als atrfannt, wenn sie in franzofifchcr Lust ihren eruen

tosten iKtbcn und bis zum 22. Lebensiahr von dem Reckü, die ranzösifche Staatsangehörigkeit abzulefrnen, feilten (Gebrauch xitQd;en. Französinnen werden die fremden Damen, d»c einen ranzoflfäLii Gallen wählen, ohne icdes weitere Verfahren. Rach einem Jahre können auch alle d i e Franzchen werden, bic bic )stepublik im Kriege, durch Enldcckuugen, Erfindungen, hohe Verdienste um Industrie, Landwirtsäiail, Handel und fo iveiter iu besonderem Danke verpflichtet haben Vorzugsrechte haben naui l,ch auch die Elfaf Lothrin aber von Jahr zu Jahr weniger Relgung, sich zu franzöllickien Bürgern machen zu lasten. Die mcillcn Reuiranzofen sind nach einer .'Utlunalifierung von zehn oder mehr Jahren naturalisiert Tas ist das bequemste. Man irrt sich aber, wenn man glaubt, baft man auch als RaturaUiierter nun als GleiäVercchtigter angefelfen wirb. Rur wenigen gelingt es, den Racbbarn d»c Uebcrzeugung bcizubringen, baft man wuNich mit Hirn und Herz, mit Haut und Haaren Franzose geworden ist.

Ratürlich macht der Franzose auch Unterschiede zwischen den einzelnen R^ubürgcrn. Belgier und stanzösischc SchneizerJverden rasch assimiliert. Dagegen bleiben die Italiener und Spanier noch lange unter sich. Recht unerwünscht sind ort die Fremdlmge aus RuMand und den Balkanländern. Tie Mischung mit angel- sächsischem Blut scheint vielen ententebeaeifierten Franzoien am meilten erstrebenswert. Gerade aber die Insulaner lassen sich nur sehr selten naturalisieren. Seit gröster ist die Zahl der Teut­leben, ivolx i nach unseren Erfahrungen die seltsame Feststellung zu machen ist, da» die Rordostdeutsehen meist leichter Wurzel jassen m Frankreich als die Südwestdeustchen. Vom nationalen Sland- vunki sieht man die stanzösiichen Deutschen arawöhnisch an. sie bleiben stets diealboches. Volkswirtschartlich sind iic aber ber wertvollste Teil der Neufranzosen. Schlicstlich ist es immer eine Oklbfragc. Tic Fremden, die am meisten zu verdienen geben, sind auch im nahinümencn Zustand am willkommensten 1911 sind 13 480 Ausländer (mit 5088 Kindern, naruralifiert. 'Sapi lom men 6991 Personen, die auf andere Weise französische Staats­angehörige geworden iinb. Tas ergibt zusammen säst 24 000 künstliche Franzosen seit 15 Jahren die höchste der sestgestellten Zahlen.

DieMahnblume".

Wenn Lessing noch lebte, dann würde er jept um diese Zeit wieder mancheMahnblume" im Wiiide roanfcn sehen. Tie Pflanze, die der Dichter derMinna von Barnhelm" mit diesem Namen zu bezeichnen pflegte, hat nichts mit irgendwelcherMahne- tei" zu tun, iic ist ganz einfach unsereMohnblume". Zu Lessings Zeiten aber durfte man sie sehr wohl nochMohnblume" nennen,

ohne damit einen Version gegen bie Schrüiiprachc zu tun. Den» erst gegen das Ende des 18. Jahrhunderts hin wurde die Bczeich- niingMohn" als dieallein edle Jorm" seitgesebi Aus die Wandlungen zurückzusckiauen, die der Raine jener schonen und uralten Kulturpflanze in unserer Sprackp ouichgemachi Ix», ift nicht unintercffaiü. Tie Griechen nannten den MohnMelon", im dorischen Tialekt frieft erMakon" llmermanot mit bi ser ^zeichnung ist das bohmudK und pvlnisckjcmak" für den Mohn, den man auch in Ruszlandmaku nennt Im Alt hochdeut sd>e» aber liiesz die PflanzemLuo". Daraus entwickelten ftd> all» mablidi die Formen mage, mähen, man. Dao ahprcuftiicbe Wort war moKe. Die heute gültige Bezeid-nungMohn" taucht vereinzelt fd»n im 16. Jahrhundert am. Man war hinsichtlich dieses Pflanzennanikns sehr wetihcrzig und lieft eine ganze Reihe von Formen als gleichberechtigt, d h. als schriftdeutsch, n een- einander gelten. Man durste reden von bemMagen" vver Mag" oderMoh" oderMahn", und Lohenstein konnte auch die schlesische Fornt anwenden und singen:

. . . . Wenn die kühle Nacht

Wird ihr Haupt mit Maah bekrönen."

Uebrigens kannte man auijcr diesen Varianten auch noch ein oberdeutsäxsMöhn". An oae altl-ochdeutsd»c mago erinnert bis auf den heutigen Tag der in Bayern üblich. AusdruckMagen" (nebenMähen", fürMohn". In Kärnten sagt mandie Mage". 'Jfrur wer dies weift, versteht bat VerS:

G füllt fein der Magen ihre Kröpfe, Kahl stehn der Rosen ihre Köpfe ..."

DaS, was in denKröpfen" des Mohnes reifte, nannte man benMagiamen" ein Ausdruck, der sich noch erhalten bat. Sunädit um dieser Körner willen baute jnon auf Verordnung Karls des (^roftcn den Mohn in deutschen Gärten an Später legte man beim Mohnbau das Hauptgewicht aus die Lelgcwiniiuiig. Ter Mohn erhielt darum aud> die BezeichnungOelmögen". Ja, im späteren Mittelalter drängt sich gerade fein Wen als Del- pflanze fo sehr in den Vordergnind, baft man ihn selbst mitunter ganz einsachmägenölMohnöl" nennt. Man nimmt an, baft es zunächst wohl der einheimische Feldmohn war, den man zum geregelten Anbau benubte der sogenannteKlatschmohn" also. Wie er zu diesem und zu anderen ähnlichen Beinamen laut, das erklärte vor mehr als 350 Jahren der berühmte Professor Fuchs, den man zu denVätern der Botanik" rechnet, mit Len folgenden Worten:Tie kinder haben jrc hirbivcil mit dicke» blumcn, bann fie mit ben bl etter» schnallen in ber Handt über turn machen (bie einzelnen Blättchen *u einem Beuteld^n zu lammen drehen und an ber Stirn zerknallen-, baher würol dis Kraut KlapoerrvS ober Hrrnschnoll gen ent."