Fall seiner Abdankung muß sich die französische Regierung von der Erwägung leiten lassen, daß die übelwollende Gesinnung des Sultans Frankreich nunmehr außer Zweifel steht. Er dürste weder im eigentlichen Protektoratsgebiet, noch in Tanger wohnen, denn in der letzteren Stadt würde er sehr bald zum Mittelpunkt aller gegen das französische Protektorat gerichteten Ränke werden. Dies sei die lieber zeuguug aller derjenigen, die in der letzten Zeit Gelegenheit hatten, dem Sultan näher zu treten.________________
Line englische VMerstimme über Vie veutsch- englischen Beziehungen.
London, 26. Juli. Zu den Parlamentsverhanblunaen führt der „Dailv Chronicte" aus, daß die Aenderung der auswärtigen Politik Englands auf seine Wehrpolitik zurückgewirkt habe. Tie allmähliche Verschlechterung der diplomatischen Beziehungen zwischen England und Deutschland etwa seit dem Jahre 1900 führte zu der deutschen Flottenpolitik. Die Verstärkung der deutschen Flotte war die Antwort auf unsere Diplomatie. Das Blatt will nicht untersuchen, ob die englische Diplomatie wirklich zu einer Zeit so antideutsche Absichten verfolgt habe, wie man auf dem Kontinent annehme. Die Hauptfach sei, das; sie jetzt weder antideutsch sein noch scheinen dürfe. „Daily Chronicle" glaubt, daß die Freundsclmft Englands mit Frankreich und Rußland eine Freundschaft mit Deutsch-- land nicht notwendig verhindern müsse, obwohl cs noch bis vor kurzem diesen Anschein hatte. Die Erklärungen des Ministers seien vortrefflich, aber es bestehe auch der Wunsch, die Freundschaft mit Deutschland auf dieselbe Basis wie mit Frankreich und Rußland zu stellen. Soll die Triple-Entente nicht mehr dcnr Dreibund gegenübcrgestellt werden? Vielleicht ist zu früh, diese Fragen aufzuwerfen. Sie sollen auch nicht in dem Sinne aufgeworfen werden, daß Frankreich und Rußland ausgegeben werden sollen, aber solange die Fragen nicht endgültig in dem Sinne beantworten sind, daß Deutschland in unsere Freundschaften auf der Basis der meistbegünstigten Ration ausgenommen wird, darf das Ende des ruinösen Wettrüstens nicht erwartet werden. Die „Times" schreibt: Die Summen, die wir auf die Flotte verwenden, sind Ver- sicherungspränrien und nichts weiter. Ein Angriff unsererseits ist für den unbegreiflich, der sich ruhig überlegt, daß wir völlig außerstande wären, dein entscheidenden Seesieg eine Kampagne auf feindlichem Gebiet folgen zu lassen. Wir hegen keine Feindschaft gegen irgendeine Macht und gewiß nicht gegen Deutschland. Wir verstehen seine Haltung und nehmen sie nicht übel, aber wir sehen uns zu Vorsichtsmaßregeln gegen die möglichen Folgen veranlaßt. Zu diesen Vorsichtsmaßregeln gehören unsere internatio^ naten Freundschaften. Wir pflegen diese Freundschaften, aber es sind in keinem Sinne exklusive Freundschaften und sie haben keine Spitze gegen irgendeine Macht oder Nation.
Dentsches Aeich.
Ba l e st r a n d, 26. Juli, öeutc früh unternahm derKaiser Ivicberunt einen längeren Spaziergang. Anr Nachmittag sand ein kriegsgeschichtlicher Vortrag statt. Das Wetter ist schön. Mn Bord ist alles ivvhl.
Hamburg, 26. Juli. Dein! Präsidenten des Senats, Bür geringster Burchard, gingen anläßlich seines 60. Geburts lages zahlreich Glttchoünsche, il a. vom Reichskanzler unb dem Staatssekretär v. Lriderlen-Wächter zu.
Berlin, 26. Juli. Der Gouverneur von Kamerun trat vor einigen Tagen eine längere Dienstreise nach bcm Süden des Schn tzgebietes an. Im November gedenkt Gouverneur Ebermai er die deutschen Tschadseeläuder zu be- suä>en. Während dieser Reise, die ettva 6 Monate dauern soll, übernimmt der Referent für Kamerun und Togo im Reichskolonial-- amt. Geh. Rcgierungsrat Dr. Meyer, die .Leitung der Geschäfte des Gouvernements in Buea. Dr. Meyer tritt am 9. Oktober die Ausreise an.
Ausland.
Tie deutsch-tschechischen Ausgleichs verhandln n g e n wurden auf den Herbst vertagt.
Wie die „France militairc" meldet, hat der französische Kriegsminister angcordnet, daß die Soldaten, bi? als Luftschiffer ober Flieger dienen wollen, sich verpflichten müssen, mindestens zwei Jahre als Kapitulanten in der Lustschifferabteilung zu dienen.
Aus Toulon wird gemeldet: Mehrere Matrosen der K r i e g s nt a r i n e, die infolge des Ausstandes der eingeschriebenen Seeleute auf Beseh! des Marineministers Telcassö an Bord des Postdampsers „Ville d'Algiere" den Dienst vorsehen sollten, haben die Arbeit verweigert und angeblich sogar die Maschinen beschädigt. Sie wurden bei ihrer Rückkehr verhaftet und nach deut Militärgcsängnis gebracht. Sie werden demnächst vor das Kriegsgericht gestellt werden.
Der russische Minister des Aeuhern gab zu Ehren des Fürsten K a t s u r a eine Frühstück'Stase I. Anwesend war der Ministerpräsident Kokow ww, der Gehilfe des Ministers des Aeußern Nerotow, der japanische Botschafter Baron Motono und die Mitglieder des Ministeriums des Aeußern und der japanischen Botschaft.
Jtt einer Besprechung des russischen Vorgehens gegen die S ch a h s e w e n n c n in P e r s i e n erklärt die offiziöse „Rossija": Tie Operationen gegen die Schahsewennen entbehren ieder politischen Färbung. Sic seien lediglich eine Expedition, hervorgcrufcn durch die russischen örtlichen Interessen, die einen aktiven Schutz erheischten. Es wäre falsch, anzunehmcn, daß Rußland, indem es die Schahsewennen bekämpfe, für die ihm angeblich feindlich gesinnte persische Regierung kämpfe. Tie Sckwh- sewennen seien keine politische Partei, sondern ein wildes nomadisierendes Ränbervolk, das in der nächsten Nähe der russischen Grenze lebe. Taher sei cs nottvendig, den Raubübersällen dieses Volkes ein Ende jit machen. Ta Persien machtlos sei, dies zu tun, so sei Rußland gezwungen, diese Ausgabe zu übernehmen.
Die Vulkanwerft in Hamburg und Stettin erhielten vor etwa 8 Tagen von der griechischen Marine einen Auftrag auf acht Hochseetorpedoboote. Gesternt beschloß der Minister rat in Athen, der gleichen deutschen Werft einen Auftrag auf einen Panzerkreuzer zrt erteilen.
Tie chi n es i sche Na tion a l versam m luna beriet heute die zweite von Huanschikai eingereichte Liste der Minister ka ndi ba ten und bestätigte fünf. Einer der Vorgcschlagenen, ein Mitglied der südä'inesischen Tungmanhui -Partei, mürbe ab' gelehnt. Chinesen und Ausländer betrachten das Ergebnis als einen Trininps Puanschikais. Tie eine Ablehnung wird als un wichtig angesehen. Die drohende Krisis ist dadurch vermieden worden.
Tie Bill des Senators Lasollette über die Revision des Zolltarifs ist vom amerikanischen Senat anstelle der demokratischen Bill angenommen worden, welche das Repräsen tantenharis> cmgenommen hotte. Die Annahme erfolgte mit 17 «egen 30 Stimmen Zehn fortschrittliche Republikaner stimmten dafür Xie Bill des Senators Lafollette ist mit der Vortag identisch, gegen du- Prandent Ta't 1911 Einspruch erhoben hatt
Arbeiterbewegung.
.. ® t e« b o b e n , 26. Juli Wegen Lohndifierenzen sind hier
bte Arbeiter der Firma Rossel, E ch w a r < § (< 0 Fab ' medico - mechanischer Apparate, heute morgen sämtlich 'in d AuSstand getreten.
Au» Statt uita Land.
Gießen, 27. Juli 1912.
** Tageskalende r- Kinematograph: Täglich Vorstellung.
Biograph: Täglich Vorstelluna.
Museum des oberhessischen Geschichtsvereins. Geöffnet Sonntag vormittags 11—1 llhr unentgeltlich.
Museum für Völkerkunde. Geöffnet an Sonntagen vormittags von 11—1 llhr.
Gemälbeaus st ellungbesKun st Vereins ün Turmhaus am Brand. Geöffnet täglich (mit Ausnahme von Samstag), von 11—1 Uhr, Sonntags von 11—3 Uhr.
16. Ruder-Regatta (6. Regatta des Lahn-Regatta-Ver- bandes) der Gießener Rudergesellschaft. Beginn der Vorrennen Samstag nachmittag 5 Uhr und Sonntag vormittag 1XA Uhr; Beginn der Regatta Sonntag nachmittag 3K Uhr.
Schüler-Konzert des Kruse'schen Musikinstituts Sonntag nachmittag 5 Uhr im katholischen Vereinshaus.
** Justizrat Friedrich Kraft t- Ter in weiteren Kreisen bekannte Rechtsanwalt und Notar, Justizrat Friedrich Kraft, ist am Donnerstag abend in Bad- Salzhausen, wo er zu Besuch bei Verwandten weilte, infolge eines Unglücksfalles verschieden. Ter Verblichene war anfangs dieser Woche nach Bad-Salzhausen gekommen und stürzte bei seinem Eintritt in das Haus seiner Verwandten über eine Treppe in den Garten, da er es abgelehnt hatte, sich führen zu lassen. Durch den Sturz war ein Bruch des Halswirbels verursacht worden, wodurch der Tod herbeigeführt wurde. Herr Kraft war ein Gießener Kind. Er wurde 1835 als Sohn des Hofgerichtsrats Kraft geboren, besuchte hier das Gymnasium und studierte vom 16. April 1853 ab in Gießen, Heidelberg und dann wieder in Gießen, wo er im November 1856 sein Fakultätsexamen machte. Am 5. Januar 1857 wurde K. zum Ak- zessist beim hiesigen Hofgericht ernannt, im Herbst 1859 machte er sein Staatsexamen und von 1860 bis 1866 war er in richterlicher und staatsanwaltschaftlicher Verwendung an verschiedenen hessischen Gerichten tätig. 1866 wurde er Hofgerichtsadvokat in Gießen. Am 9. August 1902 siedelte er nach Büdingen über. Am 18. Oktober desselben Jahres wurde er zum Notar ernannt und am 5. Januar 1905 zum Juftizrat. Herr Kraft, der bei der Burschenschaft Germania aktiv war, verleugnete auch im späteren Leben den echten burschenschaftlichen Geist nicht, und alle, die ihm im Leben näher traten, verehrten ihn ob seines liebenswürdigen, graben Charakters. Der Gießener Anzeiger verliert in dem Verstorbenen einen hochgeschätzten Mitarbeiter und treuen Freund, dessen Beiträge stets mit großem Interesse gelesen wurden. Aus der großen Zahl seiner Beiträge erwähnen wir nur die gelegentlich des Universitäts-Stiftungsfestes veröffentlichten Erinnerungen aus seiner Schüler- und Studentenzeit, die später auch in Broschürenform erschienen sind. Noch in den letzten Wochen verhandelten wir mit dem nun Verblichenen wegen Abdruckes seiner Lebenserinnerungen. Leider sollte Herr Kraft die Veröffentlichung dieser interessanten Aufzeichnungen, die für den kommenden Montag festgesetzt war, nicht mehr erleben. Unseren Lesern aber, die den Verstorbenen kannten, werden diese Darstellungen eine liebe Erinnerung sein.
" OrdenSverleiHungen. Der Gro ßherzog hat das Kointtirkrenz 1. Klaffe mit der Krone des Verdienst, ordens Philipps des Großmütigen dem Großherzoglichen Generalmajor ä la suite der Kavallerie Freiherrn v. Heyl verliehen, sowie dem Oberlehrer Professor 4Dr. Gg. Eduard Clemm zu Gießen aus Anlaß seiner Versetzung in den Ruhestand die Krone zttm Ritterkreuz 1. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen.
**EhrenritterdesJohanniterordens. Ter König von Preußen hat den Rittmeister ä la suite der Armee Fürsten und Grafen Alexander zu Erbach- Schönbergzu ftönig im Odenwald, den Oberst und Kommandeur des Infanterieregiments Prinz Carl (4. Hess.) Nr. 118 Karl v. Behr, den Hauptmann und Kompagniechef im Leibgarde-Jnfanterie-Regiment (1. Hess.) Nr. 115 Paul von Hombergk zu Vach, den Leutnant ä la suite der Armee den Erbgrafen Wilhelm von Schlitz genannt von Görtz zu Darmstadt, nach Prüfung derselben durch das Kapitel und auf Vorschlag des Herrenmeisters Prinzen Eitel-Friedrich von Preußen, zu Ehrenrittern des Johanniter-Ordens ernannt.
-Theaterverein. In der Generalo ersamnt - lung des TheatcrvereinS am 26. d. Monats konnte der Rechner in seinem Jahresbericht nur Günstiges melden. Ein starkes Abonnement beivies, daß die Mitglieder mit vollem Interesse den Zweck des Vereins, gute Opern - Vorstellungen zu angemessenen Preisen zu bringen, unterstützen. Trotz boher Kosten konnte auch in diesem Jahre wieder eine namhafte Summe dem Reservefonds überwiesen iverden. Bei der Wahl des engeren Vorstandes, der durch Zuruf vollzogen werden konnte, wurden die Herren Geh. Hof- rat Dr. Fromme, Th. Haubach, Ernst Challier sen. wieder gewählt, für Geh. Justizrat Tr. Biermann tritt Landgerichts- dircktor Bücking ein. Auch im vorliegenden Jahre sind drei Opernvorstellungen vorgesehen, zu denen in erster Linie wieder das Hoftheater Darmstadt in Frage konnut. 9ku» anmeldungcn von Mitgliedern werden in der Challier'schen Musikalienhandlung entgegen genommen, ivo attch jede gc- ivünschtc Auskunft erteilt wird.
" Kun st verein. Die Sammlungen von Prof. Sohn- Rethel, Prof. Beyer, Anna Beyer und Prof. M. Klinger bleiben nur noch morgen Sonntag und am Montag anSgestellt.
" D i e B u r s ch e n s ch a f t A l e m a n n i a feiert heute morgen unb übermorgen iyr 50jähr iges Stiftunqs- fest. Bereits gestern erschienen zum Begrüßungsabend zahlreiche alte Herren mit ihren Damen und auswärtige Inaktive, um an dem Feste ihrer Burschenschaft teilzm nehmen. Nach dem Festprogramm finbet heute abend un -aale des Gelellscdastsvereins ein großer Kommers statt und für Sonntag ist unter anderem um 12 Uhr ein Umzug durch d,e Stadt vorgesehen, der sich vom Snemannenbau” über Ludwtgsptatz, Gartenstraße, Süd-Anlage, Selter^weä nach dem Hause des Gesellschaftsvereine, bewegt. J
"Stenographie. Der Gabelsberger-Steno graphen-Berein und der Damenverein ('tabcl-bcrger be ginnen am kommenden Montag in ihrem Beremszimmer :tn Eafe Ebel einen neuen K ursus für Anhänger in der Gabelsberger,chen Stenographie und qleichzeitm einen sol chen im Maschinenschreiben, dessen Besuch den Anfängern
und Mitgliedern der beiden Vereine möglich gemacht ift Auch der übrige srenographisckw unb Sprachunterricht ist in vollem Umfange im Gange unb erfreut sich ausnahmslos ausgezeichneten Besuchs. Es liegt im Interesse der An- Tanger, wenn sie gleich bei Beginn des Unterrichts zugegen imb und nicht erst in der dritten oder vierten Stunde in den Kursus einspringen, weil das dann nachzuholende Pensum ein etwas umfangreiches ist und leicht nur ober- ftächlich gelernt wird. Es empfiehlt sich daher, schon am kommenden Montag anwesend zu sein (s. Anzeige).
•• Seinen 70. Geburtstag beging Herr Heinrich Hamel, der seit 43 Jahren im Dienste des städtischen GaS- wertes steht. Seine Mitarbeiter erfreuten ihn aus diesem Anlaß durch ein hübsches Geschenk.
•• Ein hübscher 91 n b h cf für Naturfreunde bot uch gestern vormittag auf der vorderen Gänswiese hinter der Moltkestraße. 16 Störche hatten sich dort, anscheinend zu einer Beratung, eingesunden.
Landkreis Gießen.
b. Wies eck, 26. Juli. In der heutigen Gemeinde« ratssitzung wurde vorerst von dem Vorsitzenden das Antwortschreiben auf das Angebot, das die Gemeinde der Stadt betreffs Erlangung der'elektri schon Straßenbahn gemacht hatte, verlesen. Der-Gemeinderar erklärt sich mit dem am 18. Jüli gefaßten Stadtverordnete^ beschlusse mit 7 gegen 2 Stimmen einverstanden. Tie Forderung der Stadt wird endgültig auf 35 000 Mk. festgesetzt und zwar in Ratenzahlungen von jährlich 5000 Mk. bei 4°o Verzinsung des jeweiligen Restes. Hiermit ist endlich die schon lange ersehnte Bahnverbindung Wieseck mit Gießen gesichert, lieber die Aufstellung von eisernen Masten in der Gemarkung Wieseck zwecks Hauptleitung der Ueberland- zentrale der Stadt Gießen, die auf Privatgrundstücke zu stehen kommen, wird der Bürgermeister von der Gemeirü)<> Vertretung ermächtigt, mit den Grundeigentümern xu unter* handeln. Ein einheitlicher Preis konnte wegen der Verschiedenheit der in Betracht kommenden Entschädigungen nicht festgesetzt werden. Zum Schlüsse wurde noch feft- gelegt, daß bei Eröffnung eines neuen Baublockes § dessen Einteilung durch die Gemeinde zu geschehen hat, besonders berürffidjiigt werden soll, daß die Mindestbreite 12 und die Mindesttiefe einer jeden Hofreite 25 Meter betragen soll.
— Mainzlar, 26. Juli. Gestern abend zog ein schweres Gewitte r über unsere Gemarkung, wobei ein Blitzstrahl einen Kornhaufen entzündete. — Nächsten Sonntag hält der Kriegeroer ein Dlainzlar sein diesjähriges Preisschießen ab.
Q Lich, 26. Juli. Nachdem das Korn, das hier nur ivenig angebaut wird, geerntet ist, hat dieser Tage schon der Schnitt des Weizens begonnen, dec hier zumeist gezogenen Getreideart. Der Weizen ist im Halm und in der Aehre so üppig geraten, wie e6 selbst die ältesten Landwiüe noch nicht glauben erlebt zu haben. Man hat hier Halme von über 1,70 Meter Länge gemessen. Dagegen ist der Hafer sehr dürftig.
Kreis Alsfeld.
§ Flensungen, 26. Juli. Einem hiesigen Einwohner wurde in der verflossenen Nacht ein Acker mit Hafer von böswilliger Hand mittelst eines schweren Gegenstandes am sog. Lehngrabenweg überschleift, so daß er ganz darnieder liegt. Der Geschädigte will alle Mittel anwenden, mx\ den oder die Schuldigen zu ermitteln, um sie zur Bestrafung zu bringen.
Kreis Schotten.
0 Laubach, 26.Juli. Von einem ;ähen Tod wurde die Witwe Spuck von hier ereilt. SPht der Verrichtung häuslicher Arbeiten in der Küche beschäftigt, stürzte sie plötzlich tot zusammen. Ein Herzschlag hatte ihrem Leben ein Ende bereitet.
Kreis Friedberg.
15. Friedberg, 26. Juli. Veranlaßt dcirch die gute Witterung, schreitet unser neuer Bahnhof rascher vorwärts als man Awartete. Anfang dieser Woche hat man mit dem Legen der Schienengleise begonnen. Im Anfang des nächsten Nlonats findet die polizeiliche 2lbnahme deS Güterbahnhofs statt, der diesen Herbst noch dem Verkehr übergeben wird.
---- Bad-Nauheim, 26. Juli. Bis zum 25. Juli sind 2 5 1 9 3 Kurgäste angekommen, wovon an genanntem Tage noch 8291 anwesend waren. Bäder wurden bis zum 25. Juli 302 885 abgegeben.
Starkenburg und Rheinhessen.
rm. Bensheim, 26. Juli. Hier wurde heute nacht nach seiner Rückkehr von einer mehrere Tage dauernden Autofahrt der Gcsck-äftsführer in der Kuranstalt von Tr. Schmitt in Liicden- fcls, Baumann, f c st g e n o m m c ii, der beschuldigt ist, Umcr- schlagungen zum Nachteil des Herrn Dr. Scknmtt begangen zu Haden. Er engagierte am Montag den Automobildcfiycr Schmitt in Bensheim, machte verschiedene Kreuz- uni) Querfahrten nach Worms, Heidelberg iqro. und kehrte in der Nacht zum Dormerstag zurück. Eigentümlich ist nun, daß am Mittwoch früh ein Einbruchsdieb stahl bei Dr. Schmitt in Lindenfels entdeckt und gemeldet nntrbc, bei dem etwa 400 Mark gestohlen worden waren. Angeblich ist der Diebstahl erst in der vorhergel-euden Nacht begangen worden.
! Niainz, 26. Juli. Vom Gouvernementsgericht wurde gestern ein älterer Mann in Haft genommen, der ein in Wiesbaden lebender Hauptmann a. D. sein will, weil er oberhalb des StadtparkeS mit kleineren Kindern unzüchtige Handlungen vorgenommen hat. — Hier wurden wieder falsche Einmarkstücke angehatten, die die Jahreszahl 1887 und das Münzzeichen A A tragen. Deren Prägung ist gut, während sie Fettglanz zeige« und einen schlechten Klang haben.
w. Mainz, 26. Juli. Für die Schiffahrt ist es wichtig, zu erfahren, daß der Rheinarm zwischen der Petersaue und der Mainz-Kasteler Seite bedeutend tiefer gebaggert werden soll, um ein gutes Fahrwasser herzu stellen. Auch die großen Wandschwellen am Kopf der Petersaue, die dort das Fahrwasser eiitcngen, sollen weggebaggert werden. Auf diese Weise soll einem lang gehegten Wunsch der niederrheinischen Reedereien entgegengekommen wer den. Auch die Ausladeplätze in Mainz-Kaftel sollen bedeutend vergrößert und mit besseren Einrichtungen der- sehen werden.
_ Kreis Wetzlar.
= Salzböden, 26. Juli. Auf Einladrmg des im Frühjahr begründeten evang. Männervereins war der Sekretär des Mittelrheinischen Verbandes evangelisck-er Arbeitervereine, Julius Schmitt von Höck)st bet uns er- 'neuen. Wenn auch auswärtige Gäste wegen des heftig illsetzenden Regens ausblieben, so hatten sich aus den beiden Gemeinden der Pfarrei doch etwa 70 Männer eiugefundcn.
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