Ausgabe 
22.3.1912 Drittes Blatt
 
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Jm Motorboot durch Afrika.

Gießen, den 21. März.

Nek^r seine Reise quer durch Afrika im Motorkwot sprach Oberleutnant Paul Graetz gestern abend im Oberhessischm Automobilklub. Zunächst zeigte er kurz den Weg, der schon zurück- gelegt war, und den, der noch zurückgelegt werden sollte. Wegen der Hindernisse, die sich in den Weg stellen würden, mußte das Boot aus das Mindestmaß 8,20 zu 1,65 bei einem Tiefgang von 0,30 Meter ohne Ballast beschränkt werden. Es ist mit Drahtspcichenautomobilrädern versehen, um es auch außerhalb des Wassers vorwärtsbcwegen zu können. Ein fünfpferdiger Ein- zylinder-Pelroleummotor läßt eine Geschwindigkeit von 15 Kilo­meter in der Stunde zu.

Wir fahren den Zambesi hinauf. Nachdem wir einen Heckraddampfer passiert haben, grüßt uns eine Zuckerfaktorei vom Ufer her. Drüben winkt uns die Missionsstation Ehupanga, wo Livingstone's Gattin ruht. Bei Liwondo sehen mir eine Ein- aeborenenfähre. Zur Ueberraschung findet man hier ein zweites Motorboot, mit dem gleich ein Rennen bestanden ivird. Prächtige Morgenstimmungcn in sumpfigen Landschaften erhöhen die Reize der Fahrt. Um gefährliche Brandungen zu bestehen, bedarf es der geschickten Steuerung Eingeborener. Es bieten sich so viele interessante Aufnahmen, daß der Kinematograph kaum zur Ruhe kommt. Für die noch bevorstehende Reise müssen von den Ein- geborenen neue Lebensmittel erhandelt werden.

Wir beftndcn uns jetzt auf dem innerafrikanischen Hochplateau. Ein seichter Fluß wird mit vieler Mühe durch­quert. Auf die Wasserscheide muß das Boot zu Lande Kimmen, und die acAzig Boys haben ihre redliche Mühe, die schwere Arbeit zu verrichten. Die Felsen eines trodenen Flußbettes werden mit Knüppeln gangbar gemacht. Auf einer Drahtscilbrücke bedarf es aller möglichen seiltänzerischen Kunststücke, um, schwer beladen, nicht zu Fall zu kommen.

Der Landweg ist glücklich zurückgelegt und man befindet sich endlich wieder im Wasser, im K a r u n g u. Die Räder des Bootes werden abgenommen, aber noch kann man sich nur vermittelst der Ruder fortarbeitcn. Bei den Wawisa halten wir uns länger auf. Wir sehen, wie ein Neger aus der Rinde eines Miombobaumes ein Seil flicht. Der Bauchtanz der Wawisaweiber reizt unsere Lachmuskeln: noch mehr ober die Fütterung der Kleinen. Den häßlichen Weibern der Wawisa werden schönere afrikanische Frauengestalten gegenübergestellt. Die Ruhe im nächsten Ein- geborencndors wird durch den Ruf eines Krokodils gestört. Die Männer greifen zu den Waffen und begeben sich nach der be­zeichneten Stelle. Um die Lebensmittel für den eigenen Haushalt aufzubringen, entschließt sich Gractz zu einer Zebrajagd. Man folgt der Fährte und inmitten einer Anzahl Termitenhügel fällt eines der Tiere der Büchse zum Opfer. Ein Leopard, der längere Zeit nachts das Lager umkreiste, wird ebenfalls erlegt. Vor der Abreise von diesem Lagerplatz wird an das kinernatographischc Atelier Feuer angelegt. Nach kurzer Zeit ist der Chambesi erreicht. Dieser ist aber an vielen Stellen so verwachsen, daß von Wasser überhaupt nichts zu sehen ist. Auf einer Sandbank wird das Lager aufgeschlagen. Octave Fiöre meint heute, in Paris hätte er sich das Leben in Afrika gefährlicher vorgestellt. Morgen soll er nicht mehr erleben! Es werden drei Büffel gesichtet, von denen einer angeschossen wird. Die Fährte wird verfolgt, aber lange Zeit ohne Erfolg. Nach einem kurzen Schlaf werden die beiden Weißen mit der Botschaft geweckt, der Büffel habe sich gezeigt. Vorsichtig folgt man der angegebenen Richtung ohne etwas zu entdecken. Man erinnert sich der Regel, daß angeschosscne Büffel dem Angreifer gerne in den Rücken fallen. Plötzlich bricht er aus dem Dickicht hervor, ein Schuß trifft ihn am Blatt, jedoch wieder nicht tödlich. Graetz springt zur Seite, verstrickt sich im Gras und stürzt. Der Büffel will ihn aus­spießen und verwundet ihn dabei schwer an der rechten Wange, Kiefer und Zunge. Als er wieder zu BewuUsein kommt, be­findet er sich in der Nähe des Bootes und Fiöre ruht schwer verwundet neben ihin. Infolge großer Schmerzen verbringt er eine schlaflose Nacht. Gegen Morgen schläft er etwas ein. Als er bald erwacht, ist Fiöre feinen Wunden erlegen.

Nach langer Kur geht es wieder weiter. Wir treffen fischende Wawisaweiber, die jedoch von dieser Mahlzeit nichts bekommen, da sie nur für ihre faulenzenden Männer arbeiten, aber nicht mit ihnen essen dürfen. Die Expedition fängt ein kleines Nil- pferdboby, dessen Mutter sich durch die Angstrufe des Kleinen

nicht zu einem BefreiungSversuch bewegen laßt. Jetzt kommen wir in die gefährlichsten Gegenden, in die Papyrus sümpfe der Wassua. Ein kriegerischer und europäerfeindlicher Bolks- stamm. Graetz ist der erste Weiße, der dieses Gebiet betreten bar Der Papyrussumpf ist sehr schwer zu durchqueren. Abends müssen die Schwarzen immer ein Stück voraus, die Papyrus- stauden abzuroden. Von bunten Seerosen wimmelt es in dem Sumpf. Nur langsam dringt man vor. Man ist jeden 2lugcn- blick auf den Angriff der kriegerischen Wassua gefaßt. Am vierten Tage brechen sie aus dem Sumvfdickicht hervor. Aber nicht zum Angriff. Sie reden die schwarzen Begleiter der Expedition in ihrer Sprache an. Aus allem ersieht man, daß sie von d"in Boot und der Büffeljagd schon gehört haben. Die märchenhafte lieber- treibung har sie bewogen, ihre Dienste dem Weißen anzutragen. Dieser, hocherfreut über die nicht im Entferntesten geahnte Hilfe, weis; nur zwei Erklärungen: entweder sie wollen ihn möglichst bald aus ihrem Gebiet hinaushaben oder sie haben tatsächlich Angst vor iym. Tie geübten Wassua nehmen jeden Vorteil wahr und die Reise geht schnell weiter. Es wird sogar in einem Wassuadorfe Halt gemacht. Dieses noch nie beschriebene Volk ist bedürfnislos. Es kennt weder Schmuck noch^sonst großen Prunk. Einige Pfeile und Bogen genügen ihm. Jedes Dorf hat eine einzige Trommel, mit der zum Tanze aufgespielt wird. Graetz beschenkt die Weiber mit bunten Perlenschnüren, mit denen er nicht nur deren Herzen, sondern auch die der Männer gewinnt. Die Reise geht weiter über die Mornbatutasälle den L u a p u l a entlang. Wegen der Stromschnellen werden die Schwarzen, die das Boot jetzt ziehen müssen, angeseilt. Daß diese Beförderung keine leichte Arbeit ist, zeigt ein mitten im Flußbett auf einem Felsen schlafender Avembaneger, der sich nach des Rkorgens Ar­beit in der Mittagssonne aus ruht.

Mit einer kinematographischen Aufnahme wollte Fiöre die Reisenden erst in Europa überraschen. Beim Ordnen seines Nach­lasses wurde sie gefunden. Sie stellt eine Menschenfresserszene dar, bet der der Ausnehmende jedoch gestört worden war.

Von Zentralafrika fuhr der Vortragende in sieben Tagen mit der Bahn nach Kapstadt, von da in zweiundzwanzig Tagen über Southampton nach Berlin, um sich einen neuen Operateur zu suchen, da er schriftlich keinen bekommen konnte. Im Mai dieses Jahres hofft er roieber bei seinem Boote zu sein, um die Reife fortzusefn.

Der erste Band seines BuchesIm VLotorboot quer durch Afrika" soll demnächst erscheinen. W.

Mannheim, 20. März. Der Deutsche Lustflottenverein hat einen Aufruf zu einer Raiionalivende für eine Luftflotte er­geben lassen. Bei der Ortsgruppe Mannheim sind berens 12 000 Mark gezeichnet morden, d>e der Heeresverwaltung zuui Ankauf von Luftfahrzeugen zur Verfügung gestellt werden.

Abends 8 Uhr: Bibelbesprechung im JohanneSsaal.

Freitag, den 2. März, nachmittags 4 Uhr: Versammlung des Frauenmissionsvereins der LukaSgemeinde.

eamStaq, den 2 i. März, abends 6 Uhr: Bibelkräiizchen für Schüler böbeier Lehranstalten.

Nächukimftigen Sonntag, als am Sonntage Palmarum, findet im Avendgotiesdienst Beichte und heiliges Abendmahl für die ^ukas- und JoHamiesgememde gemeinsam statt. Anmeldung vor­her bei dem Pfarrer jeher Gemeinde erbeten.

Am Sonntag Palmaru m wird der Landes-Buß - und Bet tag gekieit werden. Tobet wird die alljährliche Kollekte für beißfdie eoangeliiche Gemeinden, die au Otten mit überwiegen­der katholischer Bevölkerung bestehen, erhoben werden.

Katbolijdie Gemeinde.

SamStag, den 23. März:

Nachmittags um ö Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenheu zur heil. Beicht.

Sonntag, den 24. März, PassionS-Sonntag: Feier dcS großen Gebetes.

VormfttagS von 6'/, Uhr an: Gelegenheit zur dl. Beicht.

, um 7 Uhr: Die erste heil. 'Diene, Aussetzung deS Aller- beiligüen, Beginn der Betstunden.

, um 8 Uhr : Austeilung der hl. Kommunion.

, um 9 Uhr: Heil. Messe mit Vredi.t.

, um 11 Uhr Heil. Mene nut iireoigu

Nachmittags um ö Uhr: Tie letzte Betstunde, darauf feierlicher

Schluß des großen lvebetes mit Te Denin.

Abends um 8*/« Uhr: Versammlung deS Volksvereins mit Vortrag.

Dienstag und Freitag abend um u1/, Uhr ist Fasten Andacht.

Meteorologische veodachtungen der Station Eichen.

März

1912

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Höchste Temperatur am 20. bis 21. Marz -t- 8,2 * C.

Niedrigste , 20. , 21. , = 4- 0,2 0 C.

Niederschlag: 1,4 mm.

Kirchliche Nachrichten.

Evangelische Gemeinde.

Samstag, den 23. Mär,.

3* m« Stadttlrchr.

Nachmittags 2 Uhr: Beichte. Pfarrer Schwavr.

Sonntag, Den 24 März, Iudiea.

Gottesdienst.

In der Stastkirche.

Kollekte für die Armen

Vormittags 91/, Uhr: Konfirmation der Kinder au5 der Markus- und Militärgeineinde. Feier des heil. Abendmahls.

Pfarrer S ch w a b e.

Tie Kinderkirche für die MarkuSgemeinde fällt aus.

Abends 6 Uhr: Piarrasfistent S ch o r l e m m e r.

Abends 8 Uhr: Vereinigung der fonfirmierten männlichen Jugend der Matthäiisgemeinde.

'Mittwoch, den 27. März, abends 6 Uhr: 6. Passion Sandacht.

Pfarrer Schwabe.

3n der Iohanneskirche.

Vormittags 9*/z Uhr: Pfarrer AuSfelo.

Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Johannesgemeinde

, Pfarrer Ausseld.

Abends 6 Uhr: Pfarrer B e ch t o l s h e i m e r.

Abends 71/, Uhr: Vereinigung der konfirmierten weib­lichen Jugend der Lukas gemeinde.

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