Ausgabe 
28.6.1912 Zweites Blatt
 
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Die heutige Nummer umfaßt 12 Seiten.

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95.50

Nach hier

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Drum trauert mild und horcht den Lieder» gerne, Sein bestes Erbteil, das er allen liest. Sie Ringen her, wie aus bekannter Ferne, Sie Ringen uns ins Herz, so wohl und süß Wir bilden aufwärts in das Meer der Sterne, Wir lächeln sind nicht länger ungewiß: Er ist nicht tot im ew'gen Reich des Schönas Und seine Seele lebt in feinen Tönen.

hörtet Ihr das Lied mit trunFner Seele iaugtct Euch in seine Weisen ein?

sehntet Euch, daß er Euch nimmer fehle, lüste Ton, er ewig möchte sein?

Habt Ihr's erlebt, daß wohl des Lenzes Blüten Der Reif verbrennt in einer einigen Nacht? Saht Ihr die Rosen, die am Dtorgen glühten, Nm Abend leer der angebomm Pracht? Und Sterne, die am reinen Himmel sprühten. Verschlungen plötzlich von Gewitters Mach?

>b. ab 1905

>b. ab 1906

II tünbb. ab IM ab 1907.

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90.-

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91.-

92.-

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Daß er sich Eure Brust zum Sitz erwähle. Das Leden schmückend, wie mit gold'gem Schein? Und dennoch^'chwand er und er mußte wieder Ins duntle Treiben aus dem Glanz der Lieder.

Gleich seinem Lied" ist denn auch Schubert entschwunden. An seine letzten Leidensrage erinnert wehmütig Bauernfelds Gedicht:

Ach und er selbst Ich seh' ihn krank, ermattet.

Und überwältigt rasch von Ficberglut,

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ab 1908

ab 1904

ab 1904

ab 1906

was er später in Vers und Prosa über Schubert geschrieben Hal. Tas Gedicht wird in der neuesten Nummer der Wiener Zeitschrift Der Merker" mitgeteilt. Es besteht aus zwölf Strophen zu je acht Zeilen. Mit einer Klage um die Vergänglichkeit alles bischen, selbst des Höchsten, beginnt es:

' ab 1905

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Tas alles saht Ihr, und ich hört' Euch flogen: nichts beständig sei in diesen Tagen.

liehe Aileihen.

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Lin unbekanntes Schubert-SeSicht von vauernfelü.

Gestern nachmittags ist Schubert gestorben," schrieb Eduard von Bauernseld, damals noch ein wenig bekannter Anfänger, am 20. November 1828 in sein Tagebuch.Montag sprach ich ihn noch, Dienstag phantaflerle er, Mittwoch war er tot. Er sprach mir noch von der Oper (Der Graf von Gleichen", ein unvollendetes Werk Schuberts nach einem Libretto von Bauernseld). Es ist mir wie ein Traum. Die ehrlichste Seele, der tteueste Freund! Ich wollt', ich läge statt seiner. Er geht doch mit Ruhm von der Erde!" Und in einer Tagebuch-Eintragung vom Dezember des­selben Jahres heißt es:Gedacht an Schubert. Gelungen. Soll auch seinen Nekrolog für die ADdezcilung schreiben." Der Aufsatz über Schubert ist in derWiener Zeitschrift für Kunst, Literatur, Theater und Mode" (1829, Nr. 69 bis 71) erschienen. Das Ge­dicht aber hat sich erst neulich im Besitz von Fräulein Marie Schubert, einer Großnichte des Meisters aus der Linie seines Bruders Karl, gefunden. Bauernseld hat dies etwas un­beholfene, aber für die Charakteristik Schuberts sehr bedeutsame Poem offenbar den Angehörigen seines großen Freundes bonb- sckwiftlich gewidmet, ohne an eine Publikation zu denken. Es ist aber vielleicht wichtiger und interessanter als manches andere,

Deutsche» Ueich.

In der Sitzung des Bundesrats am Donnerstag wurde dem Antrag des Königreichs Sachsen, belreifenb die Prägung von Denkmünzen aus Anlaß der Einweihung des Völker- schlachtdenkmals bei Leipzig Zustimmung erteilt. Zu­gestimmt wurde ferner den Vorlagen betreffend den Veredlung,'- verkehr mit ausländischen Taschenuhren, Taschen Uhr­gehäusen usw., betreffend die Blenderung und Ergänzung der M i - neral-Zollordnung, betreffend die Aenderungen und Er gänzungen des Warenverzeichnisses zum Zolltarif usw., betreffenb die Bestimmungen für die Vornahme einer Vieh­zählung am 2. Tezembe r 1912, dem Entwurl einer Ver­ordnung betreffend die Inkraftsetzung der Vorschriften der Reichs- vnsicherungsordnung, dem Entwurf der Ausführungsbestimmungen für die Angestelltenversicherung und der Vorlage betreffend die Uebergangsbestimmungen für die Unfallversicherung nach dfr Reichsversicherungsordnung.

Photographische Schnellpresse. Nach der An­sicht des bekannten amerikanischen Ingenieurs HoS, dessen Maschinen­konstruktionen einen Weltruf besitzen, dürste die Zeit nicht mehr allzusernseui, da die Truck-NotationSpresse durch eine Erfindung höchst origineller Art ersetzt werden werd und zwar durch diephoto­graphische Schnellpresse". Ihre Arbeit wird zu gleicher Zeit billiger und schneller sein als die der gegenwättig gebrauchten. Maschinen, also eine neue Rekordleiskmg schaffen. Es würde sich zunächst darum handeln, eine geeignete .negative Kopie" des Truckiatzes zu erhalten, die aus ein leichtempfindlicheS Papier ver­mittelst elektrischen Lichtes projiziert wird, nm dort »positiv" zu erscheinen. TaS Papier selbst, nach Art des ,etzt nn Gebrauch be- smdltchen auf großen Maschinenrollen ausgeivickelt, soll sich mit

ungeheurer (Geschwindigkeit an dem Projektionsapparat vorbei- beioe^en; nach den Berechnungen Hotzs wurde man FjU .Abzüge*

pro Sekunde, also eine Stundenleiilung von 36 000 Seiten er­

halten. Zluiächsi muß aber ein lichtempfindliches Papier zu sehr

billigem Prrise gesunden werden, eine Schwierigkeit, die größer erscheint als sie m Wirklichkeit ist. Tie Idee des yimerifaners ift übrigens nicht so phantastisch, iuie man aut den ersten Blick an- riehmen sollte. Vor vierzig Jahren dachte noch kein Mensch daran, daß es einmal möglich sein werbe, Photographien in em -r.ausendslel eefunbe aufzunehmen, wie wir sie heutzutage mit Leichtigkeit erhalten. Und vor einigen siebzig Jahren würde man jeben für verrückt erklärt haben, der behauptet hätte, man werde uber kur; ober lang 10 OOO Zeitungen in einer Stunde drucken ^ne^Leisiung, die mit einer modernen Rotationsmaschine eine leichte

Kurze Nachrichten aus Kunst und Wissen- schäft. Der Bcmernbars'.stier und Volksstückdichter Neuert ist in Baden bet Zurich im Aller von 75 Jahren gestorben.

schon von 1881 bis 1887 bestanden hat, hofft man den Deputierten eine größere Selbständigkeit gegenüber den Wählern zu verleihen, denn wenn ein ganzes Departe- meiit einen einzigen Wahlkreis bildet und der Wähler gleich zeitig einem halben Dutzend ober mehr Abgeordneten dieses großen 2Zahlkreises feine Stimme zu geben hat, hat er, so folgert man, mehr Aussicht, das zu werden, was er eigentlich sein soll, nämlich ein Vertreter des Volkes, nicht aber gewisser Kirchturminteressen, wenn dies Wort in dem kirchenfeindlichen Frankreich gestattet ist. Tie Listenwahl soll aber nach dem Vorschlag der Negierung durch das Proportionalwahlshstem ergänzt werden, um auf diese Weise auch der Minderheit in den Wahlkreisen eine gerechtere Vertretung zu sichern.

Die bisher herrschende radikale Partei hat sich der Wahlreform, von der sie vielleicht nicht mit Unrecht eine Beseitigung ihrer Herrschaft befürchtet, von vornherein mit Heftigkeit widersetzt, aber angesichts der der Reform günstigen Bolksströmung hat sie sich zum Schluß auf eine Bekämpfung der Einzelbestimmungen des Regierungsent­wurfes beschränkt, und auch hierbei hat sich allgemach eine Spaltung der Partei ergeben. So ist der Antrag Au-

3um Spionagefan ltoftewitsch

meldet dieBraunschweigische Landeszeitung": In der neuen Spionageaffäre werden behördlich die Einzelheiten streng zurückgehalten, da der verhaftete russische Genie­offizier in dem drin gen den Verdacht steht, ein weit verzweigtes Spionagenetz nach wichtigen stra­tegischen Punkten Deutschlands gebildet zu haben. Außer der aus Düsseldorf gemeldeten Verhaftung eines früheren russischen Offiziers als Mithelfer des in Berlin feftgenonp menen aktiven russischen Genieoffiziers sind auch in Thorn, Danzig und Metz polizeiliche Er­mittelungen nach Mitschuldigen eingeleitet worden.

In der Wohnung des Offiziers in Berlin ist eine um­fangreiche chi ffrierte Korrespondenz ausge­funden worden, deren Inhalt streng geheim gehalten wird, die jedoch Veranlassung zu ben weiteren Maßnahmen der Behörden gegeben hat. Die Verhaftung des Offiziers Kostewiffch ist erfolgt, nachdem er vier Wochen lang ftreng- stens beobachtet worden war und nachdem weiterhin die Beweise so überzeugend waren, daß die Abgabe der Akten an die Oberreichsanwaltschaft vorgenommen wer­den konnte.

g a g n c u r, welcher eine Einschränkung der Verl). ltniswahl zuungunsten der Minderheit anstrebte, gegen einen großen Teil der radikalen Stimmen abgelehnt worden. Aber auf diesen Sieg ist jetzt eine Niederlage der Regierung ge­folgt, denn der Antrag des Radikalen I a v a l, dem- die Berechnung des Wahlverhältnisses nach den einzelnen Departements und nicht, wie es die Regierung wollte, nach Gruppen von Departements erfolgen sollte, wurde mit 297 gegen 261 Stimmen angenommen. Das Kabinett Poincars hat in diesem Falle vorsichtigerweise nicht die Vertrauensfrage gestellt, aber nach dieser Ab­stimmung und angesichts der wachsenden oppositionellen Strömung unter den bisherigen Regierungsparteien ist nicht nur das Schicksal der Wahlreform, sondern auch das des Kabinetts Poincars recht ungewiß geworden, welches sich für seinen Gesetzentwurf so eng altert hat, daß es not­wendigerweise mit ihm steht ober fällt.

2Uma=Haöema über sich unö seine ttunft.

Sir Laurence Alma Tadema, her vor einigen Tagen ver- (hnbent große Marmormalcr, hat sich vor wenigen Jahren einmal selbst über sein Leben und seine Shunt geäußert. Damals erzählte er in einer englischen Monatsschrift etwa Folgendes:

Mein Vater starb, als ich vier Jahre alt war, und damals blieb meine Mutter in Leeuwarden mit einer Familie von kleinen 5hnbern zurück, die aufgezogen werden sollten. Ateine Vormünder beschlossen, mich zu einem Juristen zu machen, obwohl ich mich nach der Stanft sehnte. Um Zeit zu dieser geliebten Beschäf­tigung zu finden, brachte ich meine Mutter dazu, mich jebeit Morgen um 5 Uhr dadurch aufzuwecken, daß sie an einem Bind­faden zog, der an meinem großen Zeh angebunden war. Als Bierzchniähriger malte ich ein Porträt meiner Schwester, das in einer Ausstellung in Leeuwarden einen Platz bekam: mit seck>zehn malte ich cm Selbstporträt. Dann wurde ich sehr krank: die Äerzte meinten, meine Tage wären gezählt, und daher überließen mich meine Pfleger, die einem sterbenden Knaben gegenüber nadp sichtig sein wollten, aus dem Gebiete ber-Shunt meinen eigenen Wegen, und bann wurde ich wieder ganz gesund.

Die holländische Kunstschule ließ mich als Schüler nicht zu. So ging ich nach Antwerpen und wurde Student an der Kgl. Akademie. Darauf kam ich in das Atelier Louis Tetayes und studierte die Gemälde vom Baron Leys. Die künstlerischen Mög­lichkeiten des Marmors zogen mich zuerst an, als ich im Atter von 22 Jahren einen Klub in Gent, denCercle be la Concorde", besuchte, wo bas Rauä'Zlinmer mit weißem Marmor ausgekleidet war. Im Jahre 1864 erhielt ich den Besuch des englischen >kunsthändlers Gambart, der mein GemäldeBeim Verlassen der Shrcfc" sah und sogleich ein paar Dutzend derartiger Bilder zu Preisen bei mir bestellte, die bei jebem neuen halben Dutzend steigen )elften. Vier 3alyrc darauf bestellte Gambart vier Dutzend Gemälde unter der gleichen Bedingung. Im Jahre 1870 verließ ich die Niederlande und schlug meinen Wohnsitz in England auf.

Das Licht und die Farbe im Atelier hat auf mich große Wirkung Mein erstes Atelier hatte schwarz dekorierte Paneele. In Brüssel hatte ich rote, in London hellgrüne, in 9iom weiße. Jetzt (bas war vor 3 Jahren) ist bic vorher rsck>ende Farbe der -ton des Silbers. Das Buch, das mir am meisten genützt hat, )uar Leonardo da Vincis WerkWie man Maler wirb". Mein erpes Gemälde in der Kgl. Akademie wurde 1869 ausgestellt. In den 39 Jahren, die seitdem (bis 1909) verflossen sind, habe ich in der Kgl. Akademie nur einmal gefehlt."

Ganz zum Schlüsse feiner Auszeichnungen macht Alma-Tadema die Mitteilung, daß er in seiner Jugend zwischen Malerei und Musik gesAvanlt habe, bis er sich endlich für den Pinsel entschied.

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lieber die Verhaftung eines deutschen Offi­ziers in Rußland, dec in bicnftlicbcr Angelegen heil dorthin abkommandiert war, meldet dieBrauns ' w i st ' c Landeszeitung": Herr Leutnant Dabm vom Niedersächsi­schen FeldartillerieMegiment Nr. 4G int benachbarten Wolfenbüttel, der in militärischen Angelegenheiten narfj Rußland abkommandiert ist, wurde hm Montag, wie uns aus Wolfenbüttel gemeldet wird, in Alexandrowa von der russischen Polizei ohne Grund plötzlich ver­haftet und trotz seines Protestes nach War­schau transportiert, wo man ihn im Militärge­fängnis internierte. Dem Offizier ist der G r u n d d i e s e r Maßregel verschwiegen worden und er sad sich genötigt, seinem Regiment Mitteilung zu machen. Man wird annehmen dürfen, daß es sich wieder um einen jener unverantwortlichen Mißgriffe banbelt, bereit fick die ruffifdK Polizei in ihrem Uebereifcr gegenüber deutschen Militärs schon wiederholt schuldig gemacht hat. Das Regiment hat, wie wir hören, sofort Schritte unter­nommen, die die Angelegenheit aufzuÄären geeignet sind und die auf die sofortige Haftentlassung des Offiziers abzielen.

Der Kampf um die Watylrcform in Zranlreich.

Man hat als den wirklichen Herrn des gegenwärtigen Frankreich oft genug die Deputiertenkammer oder noch genauer auSgedrückt, die 597 kleinen Tyrannen bezeichnet, welche in dieser Kammer sitzen und ihr Mandat bekanntlich als eilte Art Gcschäftsunterlage betrachten. Im allge­meinen bringt dies Geschäft auch noch etwas ein, denn wenn auch die Wahlkosten, wie alles in der Welt, dem allgemeinen Zuge der Teuerung gefolgt find, so bietet doch das Amt des Deputierten noch immer reichlich Ge­legenheit zu mehr ober minder legitimem Nebenerwerb. Was aber dieses Amt des Volksvertreters nach und nach zu einem sehr undankbaren Geschäft gemacht hat, ist der Umfbanb, daß der Deputierte nicht bloß für sich selbst, sondern auch für andere sorgen soll, und zwar nicht nur für den Wahlkreis, dessen Interessen er vertritt (der fran­zösische Deputierte ist ja in Wahrheit kein Volksvertreter, sondern lediglich ein Vertreter seines Wahlkreises), sondern zugleich für die zahlreiclien, alles eher als selbstlosen Einzelwünsche derjenigen, die ihn gewählt haben. Natür­lich nicht her Gesamtheit seiner Wähler, denn diese hoben sich nur bei her Wahl durch Abgabe ihrer Stimme zu be­tätigen. Die Macher aber und damit zugleich die Auftrag­geber des Deputierten sind die Mitglieder des permanenten Wahlausschusses, die den Kandidaten Vorschlägen, seine Wahl betreiben und durchsetzen, ihn mit gebundener Marschroute in die Kammer entsenden, seine Abstimmung dirigieren und ihm vor allem vorschreiben, was er des Dekorums halber für den Wahlkreis, im übrigen aber für die Mitglieder des hochmögenden Wahlausschusses an Vorteilen und Ver­günstigungen, anfangend beim Ordensbändchen und nach oben hin unbeschräntt, durchzufetzen hat.

So sind denn diese Wahlausschüsse in Wahr­heit die eigentlichen Herren in Frankreich, während die Deputierten, die sich als die Tyrannen aufspielen, nur eine Art Kommis ihrer Ausschüsse darstellen. Dieses Ab- häugigkettsverhältnis bedingt aber zugleich ein zweites, denn wenn der Deputierte etwas für seine Auftraggeber daheim im Wahlkreis durchsetzen will, bedarf er der Kon­nexion bei den Ministern, und so ist er denn genötigt, in deren Borzimmern zu antichambrieren, wobei der sogen. Volksvertreter selbstverständlich in völlige Abhängigkeit von der Regierung gerät. Ein Mhängigkertsverhältnis, das aber in dem Augenblick in fehl Gegenteil umschlägt, das heißt zum Oppositionsverhättnis führt, sobald der Depu­tierte wicht genug durchsetzen kann, um die Dränger und Stürmer im Wahlkreis zu befriedigen.

Diese Mißstände sind allgemach unerträglich gewor­den; sie bedingen es, daß in der Stammet längst nicht mehr Parteipolitik, sondern persönliche Politik getrieben wird, unb daß die Kabinette gestürzt iverden, nicht weil sie ab­gewirtschaftet haben, oder weil die politische Strömung sich geändert hat, sondern wiederum aus rein persönlichen Gründen. Diesen unerträglichen Zuständen, die zu einer liaen Versumpfung des politischen Lebens in Frankreich ae ührt haben, will man durch die Wahlreform ad- ye fen, unter deren Zeichen die Wahlen vom Jahre 1910 vollzogen wurden und um die zurzeit in der Kammer mit wechselndem Erfolge gekämpft wird. Durch die in der Regierungsvorlage enthaltene Listenwahl, die übrigens

Uebcr die geplante russische Reise des Reichs­kanzlers v. Bethmann Holl weg erhält derBerliner Lokalanzeiger" folgendes Telegramm aus Petersburg: Nach hier an autoritatiber Stelle vorliegenden Meldungen wird der deutsche Reichskanzler aitf seiner Rußlandreise, die er in unmittelbarem! Anschluß an die Kmserbegegnung in beit Finnischen Schären unter nimmt, Petersburg, Moskau und Warschau bffuchen. In Peters­burg wird er eine Begegimng mit Safonow haben, der ihm zu Ehren ein Diner veranstaltet. Herr v. Betbmann Hollwcg wird wahrscheinlich bei seinem Vetter, dem deutschen Botschafter in Petersburg absteigen. Für den Besuch der genannten drei Städte ist eine Woche in Aussicht genommen.

Die badische Zweite Kammer hat heute nach zwei­tägiger Beratung die Novelle zum Wassergesetz von 1899 einstimmig angenommen. Durch diese Vorlage soll die badische Wasserwirtschaft, insbesondere die Ausnutzung der Wasser­kräfte wesentlich gefördert werden unter möglichster Schadloshaltung der Anlieger und Hinterlieger.

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Ausland.

Das ungarische Abgeordnetenhaus wurde bis zum 17. September vertagt, i'ttich während der letzten Sitzungs- tage erneuerten die oppositionellen Abgeordneten täglich vor dem das Abgeordnetenhaus umgebenden Militärkordon ihren Protest Der Eindruck schwächte sich aber schließlich vollkommen ab.

DieVossische Zeitung" berichtet aus L o n d o n: Der Erlös aus dem Verkauf der Heckenrosen, an dem sich auch die Gattinnen des Premierministers Ashguith und Lloyd Georges

Schon von des Todes Dunkel halb umschattet. Gebrochen all' die Straft, der Lebensmut.

Da liegt der Freund der Freund ach, den Ihr battetl Die Seele ringt mit dem erstarrten Blut, Bis sie, im Fiebertraum für Jtunft noch brennend. Der Erd' entflieht, die Erde nicht rnehr kennend.

Unsterblich ist der Sänger, unsterblich sind seine Lieder. Mit diesem Gedanken klingt das (vedicht aus.

Ht* 150 Erstes Blatt 162. Jahrgang sreitaa, 28.3uni 1912

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yernsprech.Anschlüsse: U M v äB v V Ebelredakteur:A Goetz,

für die Redaktion 112, y Vera,u wörtlich für den

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für die Tagesnununer «oianonsottK! uno Verlag der vruhl'schen Univ.'vuch' und Stcinöruderet R. Lange. Redaktion, Erpedition und vruckeret: Schulstraße 7. h,t und bi» «rnnutaqi 9 Uhr. viid'Ng.n: 8-rnIprcch-r Nr. 269 SelchL,Babnbofftraftt 16«. d

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