Ausgabe 
23.5.1912 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

zweitausend Gewehre und zweihundert Lasten Munition an sich.

Wieder ein Gefecht an der lunefischen Grenze.

Rom, 22. Mai. Tie Agenzia Ltefani meldet aus Buch am ez vom 21. Mai: General Garieni erhielt vorgestern die Nachricht von dem Abmarsch einer feind­lichen Karawane aus El Gardane. Garieni beschloß, sie am folgenden Tage zu überraschen und zu zerstreuen. Infolgedessen befahl er den Truppen in Buchamez, eine entschlossene Ä n g r i f f s b e w e g u n g nach dem Süd west en zu machen, um die Karawane zu zerstreuen und die auf der Karawanenstraße zum Schutz des Durch­zuges ausgestellten, verschanzten feindlichen Truppenkörper zurückzuschlagen. Diese Operation wurde gestern glühend durchgeführt. Tie italienischen Bataillone der ersten Linie rückten bis auf 10 Kilometer vor und stürzten sich dann kübn auf die vom Feinde angelegten Schanzen, deren sie sicy trotz des hartnäckigen Widerstandes bemächtigten. Dar­auf machten zahlreiche feindliche Gruppen, die sich auf den benachbarten Dünen befanden, einen Gegen­angriff. Die Italiener empfingen den Feind mit einem kräftigen wohlgezielten Feuer, ivodurch der Feind in die Flucht geschlagen wurde. Bei Anbruch der Nacht woll­ten sich die italienischen Truppen in die Verschanzungen zurückziehen, als plötzlich aus der Richtung von Zelten- es-Sidi-Said starke feindliche Schwadronen in gestrecktemGaloppherannahtenzumKampfe. Garieni ließ gegen die Feinde ein sehr wirksames Flanken- seuer durch Gebirgs- und Feldartillerke eröffnen, das den Feinden sichtlich starke Verluste beibrachte und sie zwang, sich in Hast und Unordnung zurückzuziehen. Ein Reserve- dataillon nahm die Verfolgung aus und zerstreute die letzten feindlichen Abteilungen. Am nächsten Morgen geig­ten sich in großer Entfernung feindliche Patrouillen, bte die Gefallenen bestatten wollten. Auf italienischer Seite wurde ein Mann getötet und neunzehn verwundet, darunter zwei Offiziere leicht, außerdem wurden sieben .Askaris ver­wundet.

Die Reise öc$ Kaisers nach Hamburg.

Homburg v. d. Höhe, 22. Mai. Der Kaiser mit Gefolge Tjat heute abend 9,40 Uhr Homburg nach achttägigem Aufenthalt verlassen und ist nach Hamburg abgereist. Die Kaiserin in Begleitung der Prinzessin Luise und Prinz Oskar ist 9,25 Uhr nach Potsdam abgefahren. Zum Llbschied waren anwesend der kommandierende General des 18. Armeekorps v. Eichhorn, Ober­bürgermeister Lübke und Major v. Schmied.

Aus Heften.

Die Vereinfachung der Staatsverwaltung.

rb. Darmstadt, 22. Mai. Der parlamen­tarische Sonderausschuß zur Vereinfachung der Staatsverwaltung trat heute unter Vorsitz des Staatsministers Ewald, neben dem auch die Minister Braun und v. Hombergk, sowie Geh. Rat Dr. Becker zugegen waren, zu einer längeren Beratung im Sitzungs­saal der Ersten Kammer zusammen. Die Beratung drehte sich fast ausschließlich um die Frage einer Reorganisa­tion der hessischen Steuerbehörden. Die Mit­glieder der Ersten Kammer, Fürst Jsenburg-Birstein und Graf Stolberg-Roßla, hatten vor mehreren Wochen fol­genden Antrag eingebracht:

Wir beantragen: Großh. Regierung wolle zwecks Vereinfachung und Verbilligung bezüglich der Steuerbehörden, der staatlichen Kassen und deren Kontrollbeamten unter folgenden Gesichtspunkten Organisationsänderungen vornehmen:

,1. 1. Die Veranlagung der Steuern, sowie die Erhebung der staatlichen Gelder erfolgt in Zukunft durch eine Behörde (Finanzamt), von denen für jeden Kreis je eine zu errichten ist. Durch diese Behörde erfolgt auch die Kontrolle über die staat­lichen Kassen (Untererheber). Ter Vorstand eines solchen Finanz- anttes ist ein akademisch gebildeter Finanzbeamter, welcher als leitender Beamter dem ihn unterstehenden Veranlagungsbeamten die nötigen Direktiven geben muß, die Aufsicht über die an sein Amt ^gegliederte Kasse.führt, sowie die Revision der in seinem Bezirk liegenden Untererheberstellen vornimmt. Die Veranlagung selbst erfolgt durch eMsprechend vorgebildete mittlere Beamte.

2. Tie Staatssteuern werden von den Gemeindeeinnehmern erhoben; diese erhalten für ihre Bemühungen feste Prozente der gehobenen Beträge.

3. Tie Stellen der Kontrollbeamten für Kassestellen kommen in Wegfall.

4. Die Stellen der Steuerkontrolleure wurden sämtlich durch mittlere Beamten besetzt.

II. Wir ersuchen Großh. Regierung, alsbald, noch vor Ab­schluß dieser beantragten Reform auf die Stellen der vier Kon- trlloeure keine akademisch gebildeten Beamten, sondern nur noch mittlere Beamten einzustellen."

Die Regierung hat nun zunächst bezüglich der Reor- ganisation der Steuerbehörden eine Denkschrift vor- ; gelegt, deren Darlegungen den Mittelpunkt der heutigen Beratungen bildeten.

lieber den Verlauf dieser Verhandlungen werden uns von unserem Mitarbeiter telephonisch folgende offiziöse Angaben übermittelt.

Zwei Ausschußmitglieder vertraten die Meinung, daß die Stellen der Finanzamtsvorstältde zum Teil statt mit akademisch vorgebildeten Beamten mit mittleren Beam­ten besetzt werden könnten. Die übrigen Mitglieder sprachen sich in Uebereinstimmung mit der Regierung dahin aus, daß si^ch die bisherige Organisation der Beranlagungsbehörden durchaus bewährt habe. Die Regierung stellte in Aus- sicht, minder vorgebildetes Personal in größerem Umfange wie bisher im Dienste der Verwaltung der direkten Steuern zu beschäftigen und nach Durchführung der Gemeindesteuer- reform und der den Veranlagungsbehörden durch die Reichssteuergesetzgebung gestellten und demnächst noch weiter zufallenden Aufgaben an eine Prüfung der Frage heranzutreten, ob nicht die Zahl der Finanzämter vermin­dert werden könne.

*

Eine Sitzung des Finanzausschusses.

bs. Darmstadt, 22. Mai. Tie heute nachmittag abgehal- tcnc zweite Sitzung des Finanzausschusses beschästigte sich in der Hauptsache mit der Deckungsfrage des Regierungs- entwurfeS über die Neuregelung der Beamtenbezüge. Eingehende Erörterung fand insbesondere der Urkundenstempel auf Jagdpachtscheine. Auch die Erhöhung der Lehrcrgehäller von 11 Proz., wie im Entwurf vorgesehen, auf 15 Proz. war Gegenstand der Beratung. Wie verlautet, findet eine solche Er. Höhung im Sinne der letzten Plenarsitzung lebhafte Unterstützung seitens der Ausschußmüglieder. lieber Einzelheiten der Ler> Handlungen soll, wie in der ersten Sitzung, Stillschweigen bc« wahrt werden. Morgen, Donnerstag, soll die Beratung fortgesetzt werden.

Deutsches Reich.

Dem Staatssekretär des Reichskolanialamrs Dr. S o l f wurde der Stern zum Kronenorden zweiter Klasse verliehen.

Das Junihefl der Monatsschrift91 ord und S ü d" bringt eine Reitze von Artikeln aus der Feder hervorragender englischer Staatsmänner und Politiker, die bixrdjroeg daß Thema zzb i e

deutsch-englischen Beziehung e n", die Entspannung zwischen dem Dreibund und der Tripleentente" in freundlichem Sinne behandeln, so von Lord Haldane, Balfour, Bonar Law, Sir Frank Lescelles, Baron Alfred Rothschild.

--- . ----- - --------- -

Ausland.

Aus Wien wird gemeldet: Tie Einleitung einer natio­nalen Sammlung zur Schaffung einer Luftflotte nach dem Beispiel von Deutschland, Frankreich, Rußland und Italien steht unmittelbar bevor. Tas Ministerium des Innern bat die Genehmigung zu der Sammlung in allen Kronländern be­reits erteilt.

Die Führer der Frauenstimmrechtsbewegung in England Mrs. Pankhurst, Mr. Petnick Lawrence und dessen Frcor, die wegen staatsgefahrlicher Umtriebe angefiagt, sind schuldig be­funden und alle zu neun Monaten Gefängnis verurteilt worden.

Zturmszenen im ungarischen Abgeordnetenhaus.

Arn gestrigen Mittwoch sollte im ungarischen Abge­ordnetenhaus die Präsidentenwahl vorgenommen werden. Die obstruierende Opposition suchte das durch langwierige Erörterungen über die Hausordnung zu hindern. Es kam schließlich zu den stürmischsten Auftritten, über die uns folgender Bericht vorliegt:

Ofen pest, 22. Mai. (Abgeordnetenhaus.) Gegen 2 Uhr nachmittags verkündete der Vizepräsident B e ö t y , daß zur W a h l des Präsidenten geschritten werde. Diese Erklärung wurde von der Opposition mit großem Lärm und st ü r m i s ch e n Zurufen ausgenommen. Ter Präsident erteilte einigen Ab­geordneten Ordnungsrufe und verwies sie wegen Widersätzlichkeit an den Jmmunitätsausschuß. Als der erste Stimmzettel in die Urne geworfen wurde, stürzte Julius Kovacs (Bauern­partei zur Urne und stieß diese zu Boden. Hierauf entstand ein unbeschreiblicher Tumult und ein Handgemenge. Verschiedene Abgeordnete bemühten sich vergebens, die Ruhe wieder­herzustellen. Der Präsident sah sich genötigt, die Sitzung z u suspendieren.

Bei der Wiedereröffnung schien sich die Aufregung gelegt zu haben und die Urne wurde wieder auf den Tisch gestellt. Tie Opposition verließ den Saal und die unterbrochene Abstimmung wurde fortgesetzt. Von den Mitgliedern der Regierungspartei, die im Saale geblieben waren, wurden sämtliche Stimmen (210'» auf den Grafen Tisza abgegeben, der hiermit zum Präsidenten gewählt ist. In seiner Eröffnungsrede sagte Tisza, er werde stets mit dem Pflichtgefühl und der Verantwortlichkeit eines ehr­lichen Mannes feines Amtes walten. Bezüglich der Obstruktion sagte er, es gäbe fein Mitglied des Hauses, welches sich nicht schon einmal verurteilend über die Obstruktion geäußert hätte. Tie Regierungspartei bereitete dem neuen Präsidenten stürmische Kund­gebungen.

DieNeue Freie Presse" meldet noch: In einer Besprechung der ungarischen Oppositionspartei wurde der Beschluß gefaßt, die Obstruktion gegen di e Wehrvorlage vorläufig e i n i u ft e 11 e n. Die sozialdemokratische Partei for­dert alle Arbeiter auf, in den Ausstand zu treten und vor das Parlamentsgebaude zu ziehen, um dort Kundgebungen gegen das gewaltsame Vorgehen der Mehrheit im Abgeordnetenhause und für das allgemeine und gleiche Wahlrecht zu veranstalten.

Radau im österreichischen Wehrausschuß.

Wien, 22. Mai. In der heutigen Sitzung des Wehr- a u s s ch u s s e s sprach der Sozialist W i n a r s k y gegen die Vor­gänge in Ungarn und richtete heftige Angriffe gegen die Krone. Unmittelbar darauf erhob sich der Landesverteidigungs­minister von Georgi und verließ in Begleitung seines Adjutanten den Sitzungssaal. Der Vor­sitzende erteilte Winarsky einen Ordnungsruf, der protokolliert wurde. Aus den Reihen der Mehrheit erschollen Entrüstungsrufe. Abgeordneter Winarsky sagte, daß die Herren der Mehrheit und insbesondere des deutsch-nationalen Verbandes keinen Anlaß hätten, sich aufzuregen, da sie selbst erst vor nicht so langer Zeit: Hoch Hohenzollern! gerufen hätten. Infolge dieser Bemerkung kam es zu erregten Szenen zwischen dem Redner und deutsch-radikalen Abgeordneten. Der anhaltende Lärm legte sich erst, als Winarsky seine Rede beendet hatte. Darauf kehrte auch der Landesver­teidigungsminister wieder in den Sitzungssaal zurück.

Der verbrauch von Brotgetreide

hat im Deutschen Reich seit der Einführung des neuen Zolltarifs nachgelassen. Zu diesem Ergebnis ist das Kaiser­liche Statistische Amt bei der Berechnung der für mensch­liche und tierische Ernährung und für gewerbliche Zwecke in den letzten Erntejahren (1. Juli 1901 bis 30. Juni 1911) verbrauchten Mengen von Getreide gelangt. An der Hand dieser Berechnung seien nachstehend die Zahlen für die beiden Jahrfünste, 1. Juli 1901 bis 30. Juni 1906 und 1. Juli 1906 bis 30. Juni 1911, miteinander verglichen. Die inländische .Produktion (nach Abzug der Aussaat), die Ausfuhr und Einfuhr von Weizen, .Spelz und Roggen Haven im Jahresdurchschnitt betragen (Tonnen):

1901/06 1906/11

JnlandSproduktion 11 977 199 18 187 766

Ausfuhr 630185 1165 322

Bleiben 11 447 064 12 062 648

Einfuhr 2 910195 2 770 746

Zusammen 14 857 250 14 803 288

Hiernach hat sich die einheimische Produktion von Brotgetreide zwar vermehrt; aber auch die Ausfuhr ist sehr stark gewachsen, während die Einfuhr abgenommen hat. Auf den Kopf kamen im Durchschnitt jährlich:

1901/06 1906/11

Weizen und Spelz 94,4 kg 89,9 kg

Roggen 149,4 , 143,7 ,

Zusammen 243,8 kg 233,6 kg

Ter Verbrauch pro Kopf war demnach im letzten Jahr­fünft um rund 10 Kilogramm jährlich geringer als im oorausgegangenen Jahrfünft. Es wäre verkehrt, für diesen Rückgang die Zollerhöhungen auf Getreide verantwortlich zu machen, die der am 1. März 1906 in Kraft getretene Zolltarif gebracht Hal. Aus den vorstehenden Zahlen läßt sich noch keineswegs auf einen dauernden Rückgang schließen, auch nicht daraus, daß gerade der Verbrauch für mensch­liche Ernährung abgenommen bat. Brotgetreide, insbeson­dere Roggen, wird vielfach auch zur Viehfütterung verwen­det. Diese Art der Verwendung ist aber offenbar in den letzten Jahren zurückgegangen. Darauf läßt namentlich die starke Zunahme der Einfuhr von ausländischen Futter­stoffen, besonders von Futtergerste, schließen. Hat aber trotzdem ein kleiner Rückgang auch im Verbrauch für mensch­liche Ernährung stattgefunden, so ist er sicher durch die Zunahme im Verbrauch von Nahrungsstoffen tierischen Ur­sprungs ausgeglichen worden.

Aus Stadt und Land.

Gießen, 23. Mai 1912.

"TageSkalender für Donnerstag, 28. Mai. Wehr­verein: Vortrag von Generalleutnant v. Wrochem über Notwendigkeit und Ziele des deutschen Wehrvereins". Abends 8tf Uhr in Stein» Garten.

*

Vom Großh. Hose. Tic Rückkehr deS Groß- herzogSpaar eL aus Livadia ist verschoben worden.

Tas Hosmatschallanit erwartet den Landcsherrn erst am 31. Mai.

Lehrerpersonalien. Uebertragen wurde dem Schulamtsaspiranten Rob. Eichberger aus Seligenstadt die Lebrerstelle an der kath. Schule zu Gau-Weinheim.

** Nachweis der Befähigung zur Uebernahme eines Kirchenamts. lieber den Beim der zur Uebernahme eines Kirckenamts notlvendigen Eigenschaften haben den Nachweis erbracht die katholischen Geistlichen Jak. Brunnengraber aus Lorsch, Bal. Gönner aus Kostheim, Otto Jakob aus Schallodenbach (Rbeinpfalz), Dilh. Jäger aus Offenbach. ?vricbi. Sennert aus Main;, Gg. Potb aus Tromersheim, Hch. Rei­chert aus Aschaffenburg, Peter Sckwahn au5 Mainz, 'saf. Seeger aus Nicder-Olm, Hch. Dettig au5 Mainz und Heb Zimmermann aus Mainz.

** Hessischer Fürsorgeverein für Krüp- pel. Am 21. ds. Mts. hielt der Verein in Darmstadt seine Mitgliederversammlung ab. Geh. Regierungsrat Tr. Diep als Vorsitzender erstattete den Bericht für 1911, das erste Vereinsjahr, das in erster Linie der Organisation und der Werbung von Mitgliedern gewidmet war. Tie Zahl der Mitglieder betrug Ende 1911 528 mit über 3700 Mk Bei­trägen und ist über die einzelnen Bezirke des Landes sehr ungleich verteilt. Tie Mitgliederzahl beträgt z. B. in der Stadt Tarmstadt 137, in Offenbach dagegen nur 24, in Mainz 32, in Worms 15. In den Kreisen Bensheim sind fünf, Groß-Gerau fünf, Heppenheim sieben, Oppenheim zwei, Büdingen drei, Friedberg fünf, Lauterbach acht Mitglieder vorhanden. Es ist zu hofsen und zu wünschen, daß auch in diesen Bezirken die humanen Beslrebungen des Vereins durch Beitritt von Mitgliedern Anerkennung und Unter­stützung finden werden. Trotz der beschränkten finanziellen Mittel ist es dem Verein gelungen, allen an ihn herantreten­den Unterstüyungsgesuchen, soweit sie den Rahmen der Vereinstätigkeit nicht überschritten, gerecht zu tu erben. Es wurden Zuschüsse zur Beschaffung von Stützkorsetts usw., Beiträge zur beruflichen Ausbildung, zu Behandlungen im Krüppelheim und in Krankenhäusern gewährt. Ae ständig steigende Zahl der Gesuche beweist, daß der Verein immer bekannter und immer mehr gewürdigt wird. Für 1912 wurde kein besonderer Voranschlag aufgestellt, die ein­gehenden Beiträge sollen zu Unterstützungen verwandt wer­den. Ter Schatzmeister, Hauptlehrer Lösch, erstattete Be­richt über die Rechnung. Zur Prüfung der Rechnung für 1911 wurden Sanitätsrat Dr. Kolb und Amtmann Krapp gewählt. Die von dem Vorstand beantragten Aenderungen der Satzung wurden einstimmig genehmigt. Sodann wur­den an Stelle der nach Darmstadt versetzten Vorstands­mitglieder Professor Dr. Frentzel, früher Worms, und Ober- medizinalrat Dr. Balser, früher Mainz, Bürgermeister Dr. Schmidt in Mainz und Kreisassistenzarzt Dr. Fresenius in Worms als Vorstandsmitglieder für Rheinhessen, sowie Tekan Sauerwein, Alsfeld, als Vorstanbsmttglied für Ober- Hessen gewählt.

** Deutsche Burgenfahrt. Tie Vereinigung zur Erhaltung deutscher Burgen hat Vorsorge getroffen, daß an den auf der diesjährigen Burgenfahrt berührten historisch bedeutsamen Statten von genauen Kennern der Geschichte dieser Orte Vorträge gehalten werben. Auf ber Burg Nassau wirb Baucat Beilstein einen Vortrag halten, auf bem Stammschloß bes Freiherrn vom und zum Stein Lehrer Bubinger, wahrend Rentmeister Lück l)ter die Führung übernommen hat. Ferner halten Vor­träge: Domkapitular Geistlicher Rac Tr. Höhler im Dom zu Limburg, Generalmajor z. D. von Hepke in der Burg Runkel, Professor Gropius im Schloß zu Weil« bürg, Fürstlicher Baurat Seiler imSchloßzuBraun« f els, Professor Dr. Gloel auf der Ruine Kalsmunl bei Wetzlar, Archiv rat Dr. Küch im Schloß, bezw. im Staatsarchiv zu Marburg, Universitätsrektor Pros. Dr. Schenck in ber Universität unb Lyzeumsbirektvc Dr, Seehausen in der St. Elis abethkirche zu War« bürg.

** Billige Fleischn ahr una in gekochtem Zu- stanbe wirb nach Pfingsten, ansangeno in Gießen, unter Kontrolle ber Schlachthof-Direktion in ben Verkehr gebracht. Man hat zu bem Zweck in einem frei gewordenen Gebäude ber alten Schlachthofsanlage einen Dämpfer ober Koch­apparat ausgestellt, um bas als bedingt tauglich befun- bene Fleisch, welches ohne Vorhandensein einer solchen Ein­richtung der Verachtung anyeim fallen mußte, für die menschliche Nahrung geeignet zu machen. Bei ächn-eme« hat man sich seit einigen Jahren schon in der Weise ge­holfen, baß man einen Teil bes bebingt tauglichen Fleisches einpökelte und dann auf bie Freibank brachte. Durch das Verfahren mit dem Dämpfer ist jede Gefahr einer Krank- lMtserregung ausgeschlossen. Es tmrd durch bie Zufüh­rung von gebämpftem Fleisch in den Konsum für eine gewisse Bevölkerungsschichl eine billige Fleisch nah rung ge- schaffen. In.Gießen hanbelte es sich 1910/11 um 15 Sluck Großvieh, fünf Kälber unb Schafe und 26 .Schweine, vov letzteren wurden sechs durch Pöckelung verwertet.

** Bon ber Zeltmission wird uns geschrieben: Emr aufmerksame Zuhörerschaft hatte sich gestern abend trotz des reg­nerischen Wetters eingefunden, um dem angezeigten Vortrag für Gebildete mit dem Thema:W e11zweck" zu lauschen. Der Redner wies zunächst nach, daß weder Naturwissenschaft noch Philosophie bis jetzt eine Lösung des Welträtsels hcrbeigefühtt haben und sprach dann der Wifsenschaft kurzerhand das Urteil auf diesem Gebiet ab, da es sich dabei um transzendente Wirk­lichkeiten handle, zu deren Erforschung dem Menschen keine Mittel zu Gebote ständen. Nachdem er sodann auf die verderblichen Kons»- quen-en einer materialistischen Weltanschauung hingcwiesen haue, ging er zur posftiven Beantwortung der Frage über, <scine Anschauungen sind kur- folgende: Tie Welt ist ein Zeugnis des Schöpfers und Symbol feiner Majestät. Einen einheitlichen Gesichtspunkt über die Frage ihres Zweckes gewinnt man nur, wenn man die Offenbarung Gottes in der Bibel anerkennt. Tas von dem Redner entworfene Bild der biblischen Weltanschauung mag manchen als allzukühn erschienen sein, jedenfalls enthüll es Wahrheitsmomente, die, will man nicht überhaupt auf eine Ant­wort verzichten, Beachtung verdienen.

" Mit Volldampf voraus! Unter dies«Jlebct* schrift leien wir im Mainzer Journal folgende amüsante Schad»- rung: Zwischen Tarmstadi und Groß-Zimmern jährt fett mehreren Jahren ein Bähnchen von der Gattung, nnc^mao sie in RheinhessenAmiche",Valiinchc' usw. nennt. Tuies Heine Bähnchen mußte sich trotz der Eröffnung deS neuen Haupi- bahnhofes ui Tarmftadt seither immer noch mit der Em- und '0^- mundung im allen Ludwlgsbahnhoj begnügen. Tiefer Tage dutt» eS" erstmalig nach dem neuen Bahnhof verkehren. Ter 2ufem- halt in diesem großen Raum scheim dem Deinen Behckcl num gut bekommen zu fein, denn die Rückfahrt nach Groß-Zirnmern gestaltete sich sehr schwieria. Nur sehr langsam konnte es die Etappen Tarmstadt-Nord, Darmstadt-Ost, Glasberg usw. nehmen. Schritt für Schritt mußte der neue, ungewohnte Weg g ^-onnca werden. 12 Minuten Fahr zett bis zum Ostbahnhof wuchien M zu ein« Stunde ans. Fürchierlich pustete das Roßlein von dott weüer, noch cm paar Stoße und aus wars. TaS Tmg ging niffl» mehr vom Platz. Ter Führer stocherte, hantierte, ließ das Leinn sich raufpcrn es rar Nichr mehr. Darauf rnoß« haft $«iQÄaL Lau traute sich Hutter bat H5hrar, aas übsw*