Ausgabe 
22.3.1912 Zweites Blatt
 
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die Zugehörigkeit zu einem vom Reiche anerkannten Reli­gionsgemeinschaft keinen Grund geben dürfe, die Ytufno^me zu verweigern. Es liegen eine Reihe Anträge vor; von den liberalen Parteien wird beantragt, das Ein­spruchsrecht anderer Bundesstaaten nur auf solche Fälle zu beschränken, in denen eine Gefahr für das Wohlergehen einzelner Bundesstaaten oder des Reiches befürchtet wird.

Kamerun im DudpetauSschutz.

Ter Budgetausschuß erledigte heute zunächst noch die Beratung deS Kolonial-Hauptvoranschlages. Es wurde eine Ent­schließung Erzberger angenommen, die einen Gesetzentwurf verlangt, durch welchen unter Abänderung des Schutzgebiets- gesetzes vom 25. Juli 1900 das Verordnungsrecht ein­geengt und die Mitwirkung der Reichsgesetzgebung tn der den Verhältnissen der Schutzgebiete entsprechenden Weise erweitert wird. Staatssekretär Tr. Sols gab die Aus­kunft, baß die Frage eines Schupgebictsgesetzes nur geregelt werden könne im Zusammenhang mit der Frage der Einrichtung eines Kolonial-Gerichtsboses, so daß eine gänzliche Erledigung zurzeit nicht möglich sei. Es werde aber demnächst eine Novelle erscheinen, die die wesentlichen Punkte zunächst ordnen soll. Darauf ging der Ausschuß zur Beratung des Etats für Kamerun über. Berichterstatter ist Abg. Dr. Waldstein (Vv.).

Auf eine Anfrage, wann im Neu-Kamerun-Gebiete die Tätig­keit der Kaufleute beginnen könne, gab der Staatssekretär die Aus­kunft, daß demnächst nach der Ratifikation des Abkommens die Entsendung eines Ausschusses zur Einleitung der Grenzregulierung beschlossen werde, und daß sich dann im Zusammenhang damit über diese Frage sprechen lasse. Im vorigen Jahre waren von sozialdemokratischer Seite Beschwerden über Mißhandlung von Arbeitern beim Bau der Mittellandbahn zur Sprache gebracht worden. Die Untersuchung, über die die Mel­dungen jetzt eingetroffen sind, hat ergeben, daß solche Mißhand­lungen tatsächlich vorgekommen sind. Die Behörden trifft aber nur insofern eine Schuld, als sie den Häuptlingen Soldaten zur Verfügung gestellt habe ohne Aufsicht von Unteroffizieren. Diese farbigen Soldaten haben dann mit den Häuptlingen zu­sammen die jungen Leute gewaltsam zur Arbeit zusammen­getrieben. Ter Staatssekretär erklärt, daß inzwischen Abhilfe geschaffen worden sei.

Weiter entspann sich eine lebhafte Aussprache darüber, o b die deutsche Sprache als allgemeine Verkehrs­sprache durchgeführt werden soll. Tas Kolonialamt wies auf die außerordentlichen Schwierigkeiten hin, die dem entgegenstehen. Dann wurde die Frage der Holzbestände in Kamerun bclwndelt. Es bestanden Zweifel über die Reichhaltigkeit der Be­stände an wertvollen Hölzern. Das Kolonialamt erklärte, daß die ganze Frage mit der größten Aufmerksamkeit verfolgt werde. In kurzem werde in Hamburg ein Kolonialholzlager errichtet werden, um der einheimischen Geschäftswelt namentlich auch die Bearbeitungsmöglichkeiten vor Augen ru führen. Auf die Frage, ob nicht ziveckmäßigerweise im Interesse der Beweglich­keit des Gouverneurs der Gouverneursitz von Busa nach D u a l a oder einem anderen Punkte an den neuen Bahnlinien verlegt werden solle, erwiderte der Staatssekretär, daß der Gou­verneur ohnedies so viel Dienstreisen zu machen habe, daß die Lage des Gouvernementssitzes hier kaum mehr eine Rolle spiele. Auf die weitere Frage, ob nicht in Kribi bessere Lan- dungsverhältnisfe geschaffen werden können, bemerkte der Staatssekretär, daß das bei der ungünstigen Küstengestaltung nur mit außerordentlich großen Kosten geschehen könne. Dagegen werde nach Durchführung der vorgesehenen Arbeiten in dem von Kribi nicht zu sehr entfernten Duala ein ausgezeichneter Hafen geschaffen werden. Morgen Weiterbcratung.

Religionspolitische Fragen im BittfbriftenauSschutz.

Der Bittsckriftonausschuß setzte heute eine in der ?Iestrigen Sitzung schon begonnene Erörterung über eine Bittschrift ort, oie in ihrem ersten Punkte dieAbänberungberEioes- forme! in Rücksicht auf die Dissidenten fordert. Nach längerer Aussprache beschloß der Ausschuß die Beibehaltung der konfessionellen Eidesformel, und zwar mit 14 gegen 13 Stimmen. Von der linken Seite mürbe eindring­lich auf den unerträglichen Gewissenszwang hingewiesen, den die bestehende Eidesformel für jeden Atheisten enthalten müsse, und man nahm weiter darauf Bezug, daß für religiöse Dissidenten (Sektierer) in mehreren Ländern besondere Erdesformcln zu- gelassen seien. Demgegenüber verwies die Gegenseite auf die Verhandlungen des Reichstags 1909, wo Anträge ähnlicher Art mit starker Mehrheit abgelehnt worden sind. Ein eigentlicher Gewissenszwang bestehe gerade bei den Atheisten nicht, da für diese die Eidesformel eine bloße Form sei. Die Beseitigung der religiösen Eidesformel würde ganz beträchtlich die Wirksamkeit .des Eides einschränken. Die Sozialdemokraten hielten dem Zen­

trum vor, wie sehr viel toleranter sie doch seien, als dieses, da sie für die Aushebung des Jesuitengesetzes stimmten: der Zen­trumsvertreter lehnte aber die beanspruchte Gegenlciuung ab.

Tic Bittschrift enthalt weiter die Forderung auf A b j ch a T - fung des Gotteslästerungsparagraphen. Lluch cher wurde Uebergang zur Tagesordnung beschlossen. Eine lebhafte Aussprache entspann sich weiter über die in einem wei­teren Teil der Eingabe verlangte reichsgesetzliche Regelung des Austritts aus der Landeskirche. Dre Ausschuß- rnehrheil beschloß Uebergang zur Tagesordnung, da ein Uebergreifen des.Reichs in diese, der Landesgesetzgcbung vor- behaltene Materie nicht zweckmäßig erscheine. Aus demselben Grunde wurde die Eingabe um reichsgesetzliche Be­freiung der Dissidentenkinder vom Religions­unterricht durch Uebergang zur Tagesordnung er­ledigt, wiewohl sachlich die große Mehrheit des Ausschusses die Befreiung der Tissidentenkinder von diesem Zwange für wünschens­wert hält und ein Widerspruch gegen den sachlichen Teck der Forderung nicht erhoben wurde.

Vas Eichener Lupnsheini.

Darmstadt, 21. März.

Heute nachmittag 3 Uhr fand im Gebäude der Landesoer- ficherungsanstalt eine Hauptversammlung des Heilstättenoeccins statt, dre sich mit der Errichtung eines Lupusheims in Gießen beschäftigte. Es wäre dies die erste beramge Anstalt in Hessen. Der Bereinsvorsitzende Geh. Regierungsrat Dietz wies aus die große Bedeutung hin, die eine derartige Anstalt habe. Schon auf der Versammlung in Gießen im November v. Js. habe man sich grundsätzlich zum Bau einer solchen Anstalt entschlossen. Es war zunächst Absicht, daß die Stadt Gießen das Heim baue, und daß der Verein es dann miete. Schließlich habe man es doch vorgezogen, selbst Grund und Stoben zu erwerben. Das Gebäude soll in der Nähe der Kliniken errichtet werden. In Aussicht genommen seien dafür 3500 Quadratmeter. Der Platz koste 20 000 Mk. Ferner seien noch 5000 Mk. für Wegebau auszubringen, ein Betrag, der aber auf 10 Jahre gestundet werde. Die Baupläne liegen bereits vor. Der Bau wird etwa 90 000 Mark kosten, die Einrichtung und die Instrumente werden etwa 45 000 Mk. beanspruchen, so daß also 135 000 Mk. aufzubringen seien. Das Heim soll den Kranken von ganz Mitteldeutschland zugute kommen. Die Beiträge setzen sich zusammen aus dem Zuschuß des Berliner Zentralkomitees zur Bekämpfung des Lupus, aus deni ständigen Fonds für gemeinnützige Zwecke, und die Großherzogin wird voraussichtlich einen Zuschuß aus dem Erlöß der Verkaufstage leisten.

Es kam dann zu einer längeren Aussprache, in der Ober- landcsgerichtspräsident Hangen (Mainz) dem Vorschläge des Vorsitzenden zustimmte. Er fragte nach dem Bedürfnis eines solchen Heims. Geh. Regierungsrat Dietz wies darauf hin, eine Zählung im November 1908 habe ergeben, daß in Hessen allein 363 Kranke in ärztlicher Behandlung gewesen waren. Die meisten davon seien aus Rhein-- und Oberhessen gewesen. Oberbürger­meister Köhler (Worms) schilderte die bedrängte Lage der Kranken, da sie niemand aufnehmen will und sie auch keine Arbeit finden. Viele von ihnen wissen nicht einmal, daß Lupus heil­bar ist.

Geh. Regierungsrat Schliephake (Friedberg) fand den Verpflegungssatz von 3 Mark zu hoch, das es sich doch meist um unbemittelte Kranke handle. Hier müßten die Kreise helfend eingreifen. Kreisrat Wolf (Oppenheim) sprach dafür, daß man den Voranschlag der Landesuniversität mit zu den Kosten heran-- ziehe, da die Anstalt gewissermaßen ein Institut der Universität Gießen sein werde. Auch müßten die Nichthessen höhere Pslege- kosten bezahlen. Sanitätsrat Sonnenberger (Worms) be­tont, daß viele Kranke den Lupus an versteckten Körperstellen hätten. Es sei Aufklärung über die Krankheit notwendig. Es müsse die Ansicht durchdringen, daß der Lupus ebenso wie die Tuberkulose im Anfangsstadium heilbar sei. Kreisrat v. Hahn (Heppenheim) hob die großen sozialen Lasten hervor, die die Kreise letzt schon zu tragen hätten. Es wäre bedauerlich, wenn der Heil­stättenverein seine Beiträge für Lungenheilstätten kürzen würde zugunsten des Lupusheims. Professor Dr. Jesionek (Gießen): Für eine erfolgreiche Behandlung des Lupus seien etwa 8 bis 10 Wochen erforderlich. In seiner Poliklinik habe er täglich etroti 1215 Lupuskranke in Behandlung, von denen viele aus Preußen seien. Die Anstalt würde auch prophylaktisch wirken. Es müsse eine Broschüre verteilt werden übet das Wesen des Lupus.

Geh. Regierungsrat Dietz erwiderte auf die verschiedenen Aus­führungen. Vorläufig empfehle es sich nicht, die Universität zu den Kosten heranzuziehen. Besser wäre es, wie vom Minister vorgeschlagen, die Beiträge dem Fonds für gemeinnützige Zwecke zu entnehmen. Der Redner macht darauf aufmerksam, daß es sich nicht darum handle, daß die Kreise die ganzen Pslegekosten aufzubringen hätten, sondern daß sie nur Zuschüsse leisten mögen.

Die Frage, ob die Nicht Hessen höhere Megekosten zu bezahle» hätten, könne man später erörtern. Der Heilstätlenverein werde sich nach wie vor besonders der Bekämpfung der SungeniubttN lulose widmen und dafür vormissickültch die Beiträge in betreiben Höhe aufbringen wie früher. Wünschenswert wäre es, wenn der Grundstein für das neue Heim bereits am 1. Mai gelegt werden könnte. DieBorschläpewegendesGrund- crwerbs sowie die Aufnahme eures Darlehns bei der Landcsverslcherungsanstalt wurden gutgeheißen. Der Vorsitzende forderte zur Werbung neuer Mitglieder auf. Be­sonders müsse man *bafür sorgen, daß auch der Mittelstand sich für die Bestrebungen des Heilstättenvereins interessiere. Er bat dann um Vorschläge, die es möglich machen, den Verein auf eine breitere Grundlage zu stellen.

^rei*rat Wolf schlug vor, den Verein nach dem Vorbild des Hilfsvereins für Güsteslranke in Hessen zu organisieren. 'Dieier habe überall Vertrauensmänner, die Beiträge sammelten: feste Bei­träge gebe es da nicht. Geheimer Obermedizinalrat Tr. Nerv- Hardt sprach sich auch für dieses System aus. Zweckmäßig wäre es auch, Führungen durch das Lupusheim zu veranstatten, da­durch würde das Interesse außerordentlich geroerft. Oberbürger­meister Tr. Köhler (Worms) wies auf den Verein zur Unter­stützung entlassener Strafgefangener hin. Gehcnner Medttinalrat Dr. Hauser wünscht ein erhöhtes Interesse der Aerzteschaft für den Heilstättenverein.

Geh Regieruttgsrat Dietz bemerkt, daß dies bereits ge­schehen sei, ohne jedock) dabei viel Gegenliebe gefunden ju haben.

Nach einer kurzen weiteren Aussprache wurde die Vcrsamm- lung geschlossen.

3u dem Brande öts Strafeburger Fesselballons.

Straßburg, 20. März. (Amtliche Meldung) Tas Kabel des gestern verunglückten Fesselballons riß anscl)ev- nenb infolge eines plötzliä-en besonders heftigen Wind­stoßes, nachdem wenige Minuten vorher eine länaer an­dauernde Messung des Zuges weniger als die Hälfte deS zulässigen Höchstzuges ergeben hatte. Der Führer des Bal­lons, Oberleutnant Römer vom FußarttNerie-Regimcnt 9tr. 10, ergriff daraufhin, wie er selbst an gibt, die für eine Freifahrt erforderlichen Maßnahmen. Nachdem der Ballon auf 500 Meter gestiegen mar, öffnete er das Ventil. Kurz darauf hörte er einen Puff und sah Flammen aus dem Ventil herausschlagen. Die Batlonbülle brannte nur in einem schmalen Ring um das Ventil, aus, jedoch soweit, daß das Ventil nicht mehr schloß und der schnelle Gasverlust das Fallen des Ballons zur Folge hatte. Der Fall' wurde dabei durch die fallschirmartige Wirkung der Ballonhülle und der Schwanztuten gebremst. Ob die Entzündung durch Berüh­rung des herabhängenden Kabels mit einer Hochspannungs­leitung oder infolge von atmosphäriscl>en Entladungen ent­standen ist, ist zweifelhaft. Es ist fraglich, ob eine Aufklä­rung in dieser Hinsicht überhaupt möglich ist. Für jede der beiden Annahmen sprechen gewisse Anzeichen. Den beiden verunglückten Offizieren wurde von zwei Aerzten und von in der Umgebung beschäftigten Einwohnern die erste Hilfe zuteil. Oberleutnant Röwer befindet sich außer Gefahr. Der Zustand des Oberleutnants Elorer vom Jn- fanterie-Regiment 132 ist ernst.

Märkte.^

fc. Wiesbaden, 21. März. Heu- und Strohmarkt. Angefahren waren 11 Wagen mit Heu und Stroh. Rian notierte: Heu MO9.40 All., Stroh (Rlchtstroh) b.00 6.'0 Mk. Frucht markt. Hafer 21.2021.80 Akk. Alles <ür 100 Kilo.

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Das ist eben der ungeheure Vorzug der Kavon-Seife, Laß alles, was im Hause überhaupt zu waschen ist, mit Lieser Seife ohne jedes Waschmittel -gewaschen werden kann. Die einfachen Wäschestücke, wie Hemden, Taschen­tücher, Bett- und

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Tischwäsche, Schürzen usw. selbstverständlich, aber was erstaunlich ist, das ist, daß man auch alle empfindlicheren Sachen, wie Woll­sachen, feinere Spitzen und Gewebe, Gardinen usw. mit der Kavon-Seife waschen kann, ohne das? das sonst immer so ärgerliche Farbeverlieren, Eiulaufen, Verfilzen oder Verbleichen eintritt. Es ist einfach eine Pracht.

Es ist jeder Hausfrau aufs dringendste anzuempfehlen, unbedingt einmal einen Versuch zu machen, und sie soll zu diesem Wasch- versuch empfindlichere oder besonders verschmutzte Sachen nehmen.

Man wird die Wäsche nicht wiedererkennen, so schön ist sie geworden. c11/,

Ein Stück Kavon-Seife (Preis 20 Pfennig) genügt zu diesem Versuch vollständig. Mit einem Stück Kavon-Seife kann man einen ganzen Haufen Wäsche und andere Sacken waschen. (Achtung! Die Kavon- Seife gibt sofort Schaum. Starkes Ausdrücken wie bei anderen Seifen ist unnötige Verschwendung! Bei richtiger Behandlung muß man mit halb so viel Seife wie sonst auskommen.) Wer mit Kavon-Seife einmal gewaschen hat, nimmt keiue andere Seife wieder.