nächster Woche in Englaick bleiben und eine Anzahl privater Besuche abstatteu.
Erne Veröffentlichung über die Konferenzen ist nicht heraus- gegeben worden. „Evening Standard" erklärt, daß eine solche nicht erfolge.
♦
Vom internationalen Friedenskongreß.
Aus Genf wird gemeldet: In der Schlußsitzung des Internationalen Friedenskongresses wurde als Kon greßort für 19-13 Haag, für 1914 Marienbad gewählt.
E i n Aus st and der Fuhrleute in Kvnftantinopgl.
Konstantinopel, 30. Sept. SBront der hohen Gewerbe st euer sind alle Fuhrleute, Kutscher und Hufschmiede in den Ausstand getreten. Die Streikenden zwangen den Kutscher eines Leichenwagens, die Leiche nieder z u s e tz e n. Der Sarg mußte deshalb von Männern unter polizeilichem Schutze zum Friedhof getragen werden. Die Zahl der Streikenden beträgt 10000. *
Ein großer Ausstand der Eisenbahnbedien^steten ist in Spanien ausgebrochen. In Mataro, Fugueras, Sabadell und anderen Städten Ca ta lo niens kam es zu schweren Ruhestörungen. Verschichentlich wurden Schüsse mit Gendarmen gewechselt. Der spanische Minister des Innern dementierte die Gerüchte von einer beabsichtigten ^lbänderung der Streikgesetze und eine Aufhebung der konstitutionellen Garantien. Aber nach einer letzten Meldung ist der Ausstand noch im Wachsen.
Barcelona, 30. Sept. Das Werkstättenpersonal der Nord- bähn-Gesellschast ist in den Ausstand getreten. Die Zahl der Aus ständischen aus den katalanischen Eisenbahnen bette heute früh 9 50 0 erreicht.
Tagung der deutschen Volktundevereine.
△ Gießen, 29. Sept.
Gestern nachm. 5 Uhr begann unter Leitung des Ver- bandsvorsißenden Prof. John-Meyer aus Basel im Hotel Schütz die 1. Versammlung des Verbandes deutscher Vereine für Volkskunde. Der Vorsitzende hob hervor, daß gerade Gießen sich um die deutsche Volkskunde verdient gemacht habe, dann sei hier der Verband gegründet toorben und hier hätten zwei Männer, Professor Strack kund Professor Dieterich, die richtigen Bahnen gewiesen und vorbildlich gewirkt. Den verdienstvollen Mitarbeitern auf dem Gebiete der Volkskunde, Rochus von Lilienkron und Professor Schönbach, die im abgelaufenen Jahre starben, widmete der Vorsitzende einen warmen Nachruf. In den Verband wurde neu der Geschichtsverein Biedenkopf aufgenommen. Bei der Feststellung der Anwesenheitsliste ergab sich, daß vertreten waren: Deutschböhmische Volkskunde, schlesische Volkskunde, Schweizer Gesellschaft für Volkskunde, badische Heimat, Frankfurter Verband für Volkskunde, deutsche Volkskunde, Verein Hamburger Geschichte, bayrische Volkskunde, rheinisch-westfälische Volkskunde, sächsische Volkskunde, deutscher Verein für Volkskunde und Sprachwissenschaft, Museum Hamburger Geschichte, hessische Vereinigung für Volkskunde in Berlin, Museum der Stadl Hannover unb ber Biebenkopfer Geschichtsverein. Der Vor- stanb wirb ermächtigt, bie Aufnahme ber etwa sich melben- den neuen Verbänbe: Borussia unb Volkskunbe ber Kaschuben zu vollziehen. Von bem Zusammenwirken mit der deutschen Kommission ber Akabemie ber Wissenschaften erwartet man vieles inbezug auf volkskundliches Material. Der Vorstand wurde durch Zuruf wiedergewählt. Die Jahresrechnung für 1911 ergab einen Kasfenbestand von 2130 Mk. Den Bericht der Hauptstelle des Verbands deutscher Vereine für Volkskunde in Hamburg erstattete Professor Lauf f er-Hamburg. Die neuen volkskundlichen Fragebogen sollen bis zur nächsten Tagung zur Beratung gestellt werden. Den Bericht über die volkskundliche Zeitschriftschau erstattete Professor Helm-Gießen, die Redaktion hat Dr. Alt- Mainz übernommen. Bis Weihnachten wird der I. Band vorliegen. Eine längere Aussprache brachte Punkt 7: Kopie von Erks Volksliedersammlung. Es wurden an alle großen Bibliotheken des In- und Auslandes Einzeichnungslisten gesandt. Es haben bereits zugesagt: München, Nürnberg, Bonn, Göttingen, Wien, Köln, Königsberg, Frankfurt, Dresden, Hamburg, Darmstadt, Halle, Tübingen, Breslau, Leipzig und Bafel. Es wurde einstimmig beschlossen, daß der deutsche Verband an dem internationalen folkloristischen Forscherbund mitwirken will. Die Bemessung der Verbandsbciträge der Einzelvereine soll nach einheitlichen Richtlinien in gerechter Weise geregelt werden. — Abends 9 Uhr tagten noch der Ausschuß für die Sammlung der Segen- und Zauberformeln und der Ausschuß der Volksliedersammlung.
Am Sonntag vormittag fand eine weitere Sitzung der Vertreter statt, in der über die Ausschußbesprechung vom Abend vorher verhandelt wurde, z. B. über die geplante Volksliedersammlung und über die Sammlung der Segen und Zaubersprüche. Die letztere soll ebenso wie die Liedersammlung weiter gefördert und zu Ende geführt werden. Die Verhandlungen hatten größtenteils nur wissenschaftlichen und mehr internen Inhalt. Es wurde festgelegt, daß in zwei Jahren die nächste deutsche Volkskunbe- tagung stattfinbet. An bie Berhanblungen schloß sich ein gemeinschaftliches Mittagessen.
Der zweite Tag ber Tagung fand am Sonntag nachmittag in Großen-Linben statt, bas alles aufgeboten chatte, um ben zahlreichen auswärtigen Besuchern ein übersichtliches Bild ber bort vorhanbenen reichen volkskunblichen Schätze zu bieten. Die in ber Turnhalle untergebrachte Trachtenausstellung, bie im Gieß. Anz. schon gewürdigt wurde, wurde eifrig unb mit sichtlichem Interesse besichtigt. Kurz nach 3 Uhr begrüßte ber Verbanbsvorsitzende Prof. Meyer- Basel die Erschienenen; er ging bann auf bie Ziele und Bestrebungen ber Volkskunde Vereine näher ein. Provinzialbirektor Geheimerat Dr. Ufinger überbrachte die Grüße des am Erscheinen verhinderten Ministers des Innern von Homberg k, darauf himveisend, daß die .Staatsregierung die volkskundlichen Bestrebungen gerne fördere. Im hessischen Denkmalsschutzgesetz habe sie in dieser Hinsicht muftergülttges geschaffen" Die Grüße der Landesuniversität überbrachte der Rektor Professor Dr. ^König. Er betonte, daß alle an der Universität vorhan denen Disziplinen im gewissen Zusammenhang mit der Volkskunde ständen und deren Bestrebungen allgemeine För derung oerbienten. Bürgermeister Leun überbrachte Gruß unb Dank ber Stadt Großen-Linden, unb Geh. Hofrat Professor Dr. B e h a g h e l übermittelte die Grüße des ober hessischen Geschichtsvereins, dessen Aufgaben sich mit denen der Volkskunde vielfach berühre. Nach einer Dankes
ansprache des Prof. Meyer sang dann der Evang. Kirchengesangverein Großen-Linden unter der Leitung des Lehrers Fr. Römer ein oberhessisches Volkslied „Ich habe mir Eines erwählet", das Prof. Mendelssohn-Darmstadt für gemischten Chor in Musik gesetzt hat. Das einfache zu Herzen gehende Volkslied gefiel allgemein.
Der Tenkmalpfleger für Ober Hessen, Geh. Baurat Professor W a l b e - Darmstadt hielt dann den angekündigten Lichtbilder-Vortrag:
lieber GroßenlindenerBauten.
Wenn man die Bauten des Ortes selbst richtig verstehen will, muß man sich klar machen, inwiesern sie Glieder einer größeren Gemeinschast sind und an deren Entwickelung teilgenommen haben. Daß wir im Bezirk des fränkischen Hauses uns befinden, ist bekannt. Das fränkische Haus zerfällt in drei Zonen:
Vorn liegt der Wohnraum — in der Mitte Eingang mit Küche — hinten Stallung. In ber Wetterau und in Hüttenberg wird die Stallung in der Regel durch einen zweiten Wohnraum ersetzt. Für die Stallung, für Scheuer und Schuppen haben wir besondere Gebäude, die sich um einen Hof gruppieren, der dann nur durch ein Tor geschlossen zu werden braucht. Anders im Gebirge, dort besteht das Einheitshaus, das Menschen, Vieh und LZorräte unter einem Dache birgt. Wir kennen so das Schweizerhaus und das Schwarzwaldhaus, und bei dem Vogelsberger Haus sehen nriri das Gleiche. Es hat vier Zonen: Wohnung — Eingang mit Küche — Stallung — Scheuer. Ebene und Gebirge mit ihrer verschiedenen Bodenbeschassenheit, mit ihrem verschiedenem Klima, ihrer verschiedenen Landwirtschaft — hier Ackerbau, dort Viehzucht — haben also verschiedene Art der Siedelung und des Hausbaues. Da außerdem die Stellung der Häuser zu der Sttaße eine verschiedene ist, unterscheiden sich auch die Sttaßeubilder ganz wesentlich. Im Gebirge stehen die Einzelhäuser ohne Zusammenhang bald senkrecht bald parallel zur Straße, so daß ein zwar malerisches, aber unruhiges Bild die Folge ist. ..In der Ebene ist Haus mit Haus durch Tore verbunden, so entsteht eine geschlossene Sttaßenwandung von ruhiger Wirkung. Gerade in der jetzigen Zeit des Städtebaues ist cs lehrreich, zu sehen, wie durch natürliche Verhältnisse bedingt hier und dort ganz bestimmte Formen der Siedelung sich gebildet haben, überall verschieden in ihrem Aussehen, aber überall zweckmäßig und vernünftig.
Die großen Hostore im nördlichen Teil der Wctterau und im Hüttenberg sind ein ganz.köstlicher, unschätzbarer Besitz heimatlicher, volkstümlicher Bauweise. In Großenlinden haben wir vielleicht das älteste der Tore, noch aus dem Jahre 1659 stam mend und noch vorzüglich erhalten. Eine ganze Reihe von Hoftoren wurde in Lichtbildern vorgeführt und dabei die Entwickelung ihrer Form durch zwei Jahrhunderte hindurch gezeigt. Sie zeigen ein großes Einfahrtstor und eine kleine Pforte, beide durch ein langes schmales Dach verbunden. Ueber der kleinen Pforte bleibt ein Quadrat bestehen, das in mannigfaltigster Weise ausgefüllt ist. Eine noch größere Geschlossenheit der Straßen- wandungen geben die überbauten Tore, die gerade in Großenlinden ziemlich häufig sind. Von großem Reiz ist auch das Innere der Höfe. In alter Zeit legte ber Bauer noch Wert darauf, daß auch im abgeschlossenen Hofe, den der Fremde nicht betritt, alles schön und gefällig durck^ebildet wurde — nicht nur praktisch —. Die Vordächer über den Freitreppen, die hölzernen profilierten Stützen, die Holz- und Geräteschuppen, die oft wie Akaden in Bogenform den Hof umschließen, zeugen davon.
An einem stattlichen Haus, „dem 9lbler", von 1731 stammend, wurde das Fachwerk erläutert in der Form, wie es von 1550 bis 1800, also durch zweieinhalb Jahrhundert hindurch mit geringen Veränderungen üblich gewesen ist. Türen, Außen- türcn und Jnnentüren, sehr schöne Beispiele handwerklicher Kunstübungen wurden in zeitlicher Reihenfolge gezeigt, ebenso wundervolle Treppengeländer, die sich in mehreren Großenlindener Häusern befinden.
Schließlich besprach der Vortragende noch 3 Häuser besonderer Gattung: das Rathaus, das Spritzenhaus und das Pfarrhaus.
Vom Rathaus geht die Sage, daß die Tempelherren es gebaut hätten. Die Geschichte überliefert davon nichts. Das Portal in dem massiven Untergeschoß stammt aus der Zeit von ungefähr 1200, das Fachwerk des Obergeschosses von 1611. Daß das Gebäude im 30 jährigen Krieg als Rathaus benutzt worden ist, wissen wir, und es liegt kein Grund vor daran zu zweifeln, daß es auch vordem schon Rathaus gewesen ist. Noch vor 60 Jahren soll das Erdgeschoß nur ein einziger Raum gewesen fein, was dem mittelalterlichen Rathausthpus entsprechen würde. Mit besonderer Liebe verbreitete sich ber Vortragende über das alte kleine Spritzenhäuschen vom ^jabre 1807, das so einfach und schlicht in seiner Art doch von köstlicher Wirkung ist. Bor einigen Jahren ist es von ber ursprünglichen Stelle entfernt und auf den alten Friedhof versetzt worden. Es ist typisch in feiner Art: in Höchst a. d. N., in Klein-Karben, in Trais-Münzenberg, in Burg-Gräfenrode, in Birklar u. a. O. finden sich ganz gleichartige Spritzenhäuser von demselben Reiz und immer an hervorragender, hochgelegener Stelle stehend. Sie wurden in Lichtbildern vorgeführt. Als Gegenbeispiel biente das vor etwa 10 oder 20 Jahren erbaute neue Spritzenhaus Großenlindens.
Von der Kirche abgesehen, ist das Pfarrhaus das wertvollste Haus des Ortes, auch ein Fachwerk, ber Zeit um 1500 entstammend. In der Bauweise gleichen ihm das Buch'sche Haus in ber Mäusburg und das Loos'sche Haus am Kirchenplatz in Gießen. Bei einer Ausbesserung im vorigen Jahre wurde das Fachwerk freigelegt und die Gemeinde entschloß sich zu einer gründlichen Wiederherstellung des alten Zustandes. Ohne Abbildungen ist es nicht möglich, die baugeschichtliche Bedeutung klar zu legen, wie es der Vortragende mit Hilfe einer Reihe von Lichtbildern tat. Aber auch der Laie, bem die baugeschichtlichen Begriffe fremd sind, wird einst nicht ohne ein Gefühl der Ehrfurcht das neben der Kirche hochaufragende Gebäude auf sich wirken lassen.
Ter Vortragende schloß mit einer Bitte an die Einwohner Großenlindens, daß sie mit der Wiederherstellung des alten Pfarrhauses sich nicht begnügen möchten, daß sie alles erhalten sollten, was sie aus alter Zeit ererbt haben, daß sie die schöne Eigenart des Ortes wahren möchten gegenüber dem Ansturm der neuen Zeit, damit es ihnen nicht gebt wie den Bürgern eines Schweizer Ottes, von dem Gottfried Keller sagt:
„Und so gelang ein jeder Plan, Doch keiner schaut das Nest mehr an." Und das Alte läßt sich erhalten, ohne daß das Neue fern gehalten wird. Die Gegenwatt wird und soll immer ihr starkes Recht durchsetzen, aber immer werden sich Mittel und Wege finden, zualeich die alte Eigenatt zu, erkalten. Es braucht kein neues Fachwerk gebaut zu werden, es sollen in den neuen Straßen keine alten Hoftore kopiett werden u. bergt, das wäre geistloses Schaffen. Was aber neu gebaut wird, muß gut und anständig gebaut werden, damit das neue Großenlinden des alten würdig sei.
Wieder ertönte Gesang: Das Volkslied: „D i e Nonne", das zur Veranstaltung von Universitäts-Musikdirektor Trautmann Gießen für gemischten Chor gesetzt worden war. Dann sprach Pfarrer Sch.uIte»Großen- Linden über
Großen-LindenerVolkslebonv-or 250 Jahren
Den Stoff, zu seinem Vottrag, den wir seines anziehenden Inhaltes halber demnächst in den Gießener Familienblättern zum "Abdruck bringen werden, batte Pfarrer Schulte dem Archiv der Kirche entnommen, namentlich dem vrotocollum des.Pfarrers Philipp Weigel 1652—1682 und den Akren der Großen-Lindener Stadigerichtslade von 1650—1780. Der Vottrag begann mit einer Schilderung der Zustände in Großen-Linden am Ausgang des dreißigjährigen Ktteges. Es hatte eine lange Leidenszeit hinter sich, die Sitten waren vernnlden und nur langsam begann sich die Stadt wieder zu heben. Der Ort war im 16. Jahrhundert zur Stadt erhoben worden und hesaß ein eigenes Stadtgettcht.
Der mit dem Wall und Graben umgebene Ott zählte itztig <- Einwohner in etwa 115 Häusern. Ten Hauplerwerb bilfretr bt Landwirtschaft. Der Landgraf von Hessen rührte durch Schultheißen und den Oberschultheißen in Gießen em strenges c£- oarttarchalisches Regiment, wahrend die v^memde ihre Aria» legenbeiten durch den jährlich wechselnden Bürgermeister undk 12 'Ratsvcrwandten, von Denen 6 zugleich Schönen waren' ledigte. In wichtigenn Angelegenheiten mußte Der fiat die scheidung der Gemeindemitgliedcr anruien, die zu drei em durch Läuten einer Glocke unter die Lmde beim R.nbau» iamniengerufen wurden. Der Vottrag schilderte dann das GtriiW perfahren und kam dann auf die kirchlichen VerbalminV , sprechen. Großen-Linden hatte schon damals zwei Geistliche m Pastorat und das Diakonat. Eine einklassige Schule wurde rtw falls von einem Theologen geleitet und man erstrebte die ifi» führung ber allgemeinen Schulpflicht, der allerdings die ferung vielfach Widerstand leistete. Gelchtt wurde Lesen, Schreck- und vor allem der Katechismus, ohne dessen Kenntnis nienI^ heiraten oder Pate flehen konnte. Mit der Konfirmation t-erhe ber junge Mann die Schule unb trat in die Zahl ber '^un^-V Die Burschenschast war eine festgefügte Einrichtung. wer außerh,- von ihr blieb, hatte mit manchen Unanncbmlichkeuen zu r.ctn r Innerhalb ber Burschenschaft würben an bestimmten Tagen. ; ? in ber Walpurgisnacht, uralte Sitten und Gebrauche geübt t • ber Pfarrer vergeblich bekämpfte. Die Kirchweih wurde Ast, Juli durch ein dreitägiges Fest begangen. Von den Spinnt - findet sich in Pfarrer Weigels Aufzeichnungen feltfamenwüe nie--. Neben bem in Hessen bestehenden Söldnerheer bestand ber i < schuß, eine Art Landwehr, die jährlich zweimal zur »brr:-, und zur Hebung zusammenkam. Im Rathaus wird noch f1t Fahne aufbewahrt, die der Landgraf bem Ausschuß im 18 hunbert schenkte, lieber das Leben der weiblichen Jugend >• halten Weigels Aufzeichnungen nur sehr n^pig. Der Red», schloß seine Ausführungen mit der Betrachtung, daß es bas jeder Zeit sei, neue Sitten zu schaffen. Es sei ein Unrecht altes halten zu wollen, das nicht mclir der Zeit gemäß Aber kein Volk soll vergessen, welche Veränderungen es bur> gegangen hat, ehe es zu dem wurde, was es heute ist.
Abermals gab es ein Volkslied „Das Amsellie^ das nach der von dem verstorbenen Abg. Köhler- Laid t)orf in Bettenhausen aufgezeichneten Melodie von Pro' Trautmann für gemischten Chor eingerichtet worben war
Da der weiter vorgesehene Vortrag über den - der Großen-Lindener Hausfrau wegen Erkrankung des Hst» ners Prof. Dr. Rauch-Gießen ausfatten mußte, g*r. Pfarrer Schul te und Bürgermeister Leun einigt in Läuterungen der ausgestellten Trachtengegcnstände. Ta»ij war die wohlgelungene und hochinteressante 23cranftaltii) zu Ende, die sicher in weiteren Kreisen Interesse unb Verständnis für die Bestrebungen der Volkskunde geweckt bst (Die Ausstellung ist noch einmal am Dienstag nachmittag geöffnet.)
Bezirk-Ackerbau- und Obftauzftellung in DüMsbtii.
X Dübels he, im, .28
Die vom Lanbwirtschastskamm er-AuSschch für Oberhessen in Gemeinschaft mit dem C b ft - in
Gartenbauverein für den Kreis Büdingen hier ei Samstag und Sonntag veranstaltete Obst- unb Ackerbau Ausstellung ließ den hohen Kul-turftand unserer Gegend er» I kennen. Trotzdem der Bezirk, aus dem die AusprUu» beschickt war, nicht sehr groß war — er umfaßte bie vezich Büdingen, Lind heim und Wenings — war die Cbftaifr stellung sehr reichhaltig. Man sah an ihr, daß man M in einem Obstland erster -Ordnung befand unb boit fttet seit Jahren ein planmäßiges Vorgehen im Obstbau verkennen ist. Die Obstausstellung war so reichHM- ! gefallen, daß sie den ganzen Simonschen Saal tm*. und die Ackerbäw-Ausstellung in das benachbarte Kat* nt l und Schulhaus verlegt werden mußte. Auch in ihr iw-i sehr schöne Erzeugnisse ausgestellt, wenn auch bie tnM räumlich hinter der Obstausstellung ^wesentlich Aiiru.fb.v Am Samstag nachmittag eröffnete der Vorsitzende ö-: Obst- und Gartenbauvereins für den Kreis Büdingen sr-. rar 33 öd mann, die Ausstellung mit einer Aniprat< " der er u. a_ auf die Bestrebungen zur Hebung des £W ui: Ackerbaues hinwies und seiner Freude Ausdruck gab, bä'- i die Ausstellung trotz der ungünstigen Lage lübeühnm von der Eisenbahn — es liegt 3 Kilometer von der entfernt — so gut beschickt fei. Er schloß seine Ansprache mi einem Hoch auf den Großherzog. An die Erösfimng schi-'! sich ein Rundgang durch die 2lusstellung an.
Dar P r ä m i i c r u n g § e r g e b n i 3 ist folgendes:
A. Ackerbau: Klaffe 1. B e sl e G e f a m t l e i stu n
Neun, Düdelsheim, Ehrenpreis mit 30 Mk. Hch. Karl Koch, tW* \ heim, 2. Pr. 20 Mk. u. Reinh. Schneider, Rohrbach, 2. i*r. Ä Klaffe 2. Winterweizen: Gntsp. Rohde, Find ort erhol 1 v' 12 Mk., Henn. 9leun, Düdelsheim, 2. Pr. 8 Mk. u. Reinh.
Rohrbach, 3. Pr. 4 Mk. Klaffe 4. W i n t e r r o g g e n Stuv. Schneider, Rohrbach, 3- Pr. ohne Geld. Klaffe 5. ft e r ft e: em Neun, Düdelsheim, 3. Pr. 4 Mk., Reinh. Schneider, Rohrbach, » v ohne Geld U.J.W. Koch, Düdelsheim, eine 2lnerkennung. Nialls W i n l e r g c r st e : Reinh. Schneider, Rohrbach, 3. Pr. ohne Qj» Klaffe 7. Hafer: Gustav Reibert, Himbach, 1. Pr. 1-/J Reinh. Schneider, Rohrbach, 2. Pr. 8 Mk., üerm Neun, rubel - heim, 8. Preis ohne Geld u. W. Nos, Düdelsheim, eine Anerkemn« Außerdem erhielt Heinr. Bollack, Düdelsheim, ein fthrendn-lor ' > Hafer aus 1910, 1911 u. 1912. Klaffe 9. Frühe Lok'»' | kartoffein: Wilh. Nos, Düdelsheim, Ehrenpreis 20 l-.L *-J Pächter Rohde, Findörferhof, 1. Pr. 12 Mk., Bgslr. Albrecht, heim, 2. Pr. 8Mk. u. Hch. Karl Naumann, Düdelsheim, 3. V. < » Klaffe 10. Kartoffeln mit mittlerer K e t ♦ e i e» Heinr. Ganz, Düdelsheim, 2. Pr. 8 Mk., Heinr. Röntg, Wtml"J 3. Pr. 4 All., Aug. Holzapfel, Altenstadt, 2. Pr. 8 Mk. u Peter Scheid, Düdelsheim, ein Diplom. Klaffe 11. Mario'’* mit (pater Reifezeit: Stint. Könia, Altenstadt, 2. Pr. » - I Herrn. Nenn, Düdelsheim, 2. Pr. 8 Mk., Aug. Holzapfel, .'»tenua Karl Beter Scheid, Düdelsheim, Herrn. Pinlel, rüde.-«'. Fr. Klöppel, Glauberg u. Fttedr. Jakobi, DüdelSheiin, je em - - nut 4 Mk. Klaffe 12. Futterrüben: Herrn. Reim, r me heim, 1. Pr. 12 Mk., Fr. Wolf, Düdelsheim, 2 Pr. « Mk. u. VM; Pinsel, Düdelsheim, eine Anerkennung. Klaffe 13- n?V- Rüben: Gutspächter Rohde, Findörferhof, 1. Ur. 12 Tlf. u Neun, Düdelsheim, 2. Pr. 8 Mk. Klaffe 15. Lruniuitf gewachfe: Hch. K. Koch, Düdelsheim, 1. Pr. 12 Mk- i*-J-j Peter Scheid, Düdelsheim, eine Anettennung. Rias sei". - am lung von Gemüse- und Gartengewächsen.
Hermine Henttch, Düdelsheim, Ehrenpreis 20 Mk., Htmr Düdelsheim, 1. Pr. 15 Mk., Fr. A'lh Roch, Tudel em, 10 Mk., Bqstr. Albrecht, 3. Pr. 5 Mk. u. W. No-,
8. Pr. 5 Mk. ,
B. Obstbau. Aufgabe. 1. Beste Gesamt!eistlin Holzapfel, Altensiabt, Ehrenpreis 30 Mk., Pfarrer Becker, _ heim, 1. Pr. 30 Mk., Heinr. R. Roch, Düdelsheim, 3. Pr. w - GittSp. Rohde, Findörferhof und Fürstl. R-nlkammer ein Ehrendiplom. Aufgabe 2. Eine gute La .
Karl Loh, Rodenbach, 1. Pr. 6 Mk., Herrn. Westphal, und Heinr. Wenzel, :Rodenbach, ,e 2. Pr. 4 Mk., vtuxx. W- Rodenbach, Phil. Rehm, Himbach, Wild. Rnb, WenmgS unv u Flach, Wenings je 3. Pr. 3 Mk. Außerdem erhielte,' I« «“f T* Aua. Holzapfel, Altenstadt; Aug. Kröll, Rohrbach, Düdelsheim; Heinr. Sauerwein, WeiiingS und -ing . .r in Himbach. Klaffe 3. E i n c a u t e Ei n m a ch b , rn e. Wilh. Reichert, Himbach, 1. Pr. 6 Mk., Heinr. eauerwem, 2. Pr. 4 Mk., Karl P. Scheid, Düdelsheim, Rad 2ob, Heinr. König, Rodenbach und Jakob Berg, Rodenbach, 1


