162 Zahrgany
Zweites Blatt
D. 174
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Nh. 2,00,
politische Tagesschau
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tjanöelspolitifdjer Umschwung in den vereinigten Staaten?
Erscheint täglich mit Ausnahme des ConntagS.
Die „Gletzener Samilitnblätltr" werden dem vierinal «vöchentlich beigelegt, daS '.Krcisblalt fflr den Kreis Sietzen ' zweimal wöchentlich. Die „Landwirlschaftlichen Seit» fragen" erscheinen monatlich zweimal.
iweizerkäic.MU ibutflcr/Biö. 50 v er,1031.70^.8» St.85Ma.ReiiM ,Pid.1.45. Malslr Gerstel, Pid.20 ftk fternictic,^ib.36: : Äl)miericiie,20t ft MS
teil er Liter 30 Psg.
Freitag, 2b. Zuli 1912
Rotationsdruck und Verlag der Br üblichen UnwersilätS-Buch- und Cteindruckerei.
R. Lange, Dießen.
Redaktion, Expedition und Druckerei: bckul-
stratze 7. Expedition und Verlag:
Redaktion:112. Tel.-2ldru^lnzeigerSleßea.
wahrscheinlich ist — und sich außerdem zu ähnlichen Gegen settigkeitsverträgen nrit den europäischen Staaten verstehet'. Dies setzt wieder voraus, das; die letzteren, insbesondere Deutschland, ihr bisheriges handelspolitisches System, zum mindesten gegenüber der Neuen Welt, aufgeben, da sicli bei Beibehaltung der allgemeinen, untersdnedslosen Meist- begünstigung schwerlich Gegenieirigkeitsverträge mit solchen Staaten abschließcn lassen, die uns die allgemeine Meist- begünstigung versagen.
solche Erwägungen zeigen, das; die Regelung unserer Handelsbeziehungen mit den Bereinigten Staaten und den anderen amerikanischen Republiken die europäische Handels Politik vor recht schwierige Probleme stellen tvird, auch kann, wenn eine demokratische Mehrheit die Hochschutzzoll- mauern der Bereinigten Staaten zum großen Teile abtragcn sollte. Daran, das-, die große Republik etwa zum Freihandel übergehen könnte, ist natürlich nicht zu denken. Auch ine Demokraten haben wiederholt erklärt, das; sie eben- falls auf dem Boden des Schutzes der nationalen Arbeit stehen, und nur die übermäßig hohen Zölle, aus die fid) aber die Industrie einmal eiiigerichtet habe, mit Borsicht und allmählich abbauen wollen.
Der wahrscheinliche Wahlsieg der Demokraten im November dieses Jahres dürfte endlich die lang versprochene T a r i f r e f o r m n a ch u n t e n" bringen. Daß dainit aber 'iuch ein handelspolitischer Umschwung verbunden ist, kann der galten, und man lut gut, in dieser Beziehung die Erwartungen nicht zu. hoch zu spannen. Tenn ims die schönen Versprechungen und Einschließungen, nut denen die amerikanischen Parteien gerade in wirtschaftlicher Beziehung die Gunst der amerikanischen Wählcrmassen zu gewinnen suchen, darf man nicht allzu viel geben. Wenn auch die Versprechungen der Demokraten weiter gehen und fidxr ehrlicher gemeint sind als die Tafts und Roosevelts, j» sind sie doch ebenfalls zum Teil nur ivahltaktischcr Natur, und niemand kann zurzeit sagen, wieviel davon auch beim besten Willen vernnrklicht werden kann.
Auf erhebliche, für unseren Export sehr bedeutsame Tarifherabsetzungen, die indessen aud) nicht vor Anfang l!'1l in Wirksamkeit treten könnten, darf allerdings gerech- rrt werden, schon weil das die wirksamste Waffe im Kampf gegen die Tyrannei der Trusts ist. Sehr fraglich dagegen ist, ob Präsident und Kongreß dann bereit sein werden, iii't den europäischen Staaten eigentliche Tarifverträge ab
testen. Alle Versuche in dieser Richtung sind bisher noch immer gescheitert, aud) als die Demokraten bie Mehr L; it im Kongreß hatten. Man darf dieses hartnäckige Fest hatten an der unbedingten handelspolitischen Autonomie t»ohl als einen Ausfluß der Monroelchrc bezeidmen, wonach bckanntlid) der amerikanische Kontinent seine poli ttidycii, ebenso wie seine wirtschaftlichen Angelegenheiten selbständig und unabhängig von Europa regeln null. Aus dieses Prinzip mag and) die an sich sehr auffalende Tat- siche mit zurückzu führen sein, daß sämtliche amerikanischen Staaten trotz ihres starken Handelsverkehrs mit Europa, rrit einziger Ausnahme von Kanada, bisher keine Tarifverträge mit europäisd>cn Staaten — ebensowenig mit anderen Staaten — ein gegangen sind. Wohl aber ist schon seit Jahrzehnten die grundsätzlich Neigung in Washington und ebensosehr in den großen südamerikantsd>en Staci» len vorhanden, die Handelsbeziehungen von Nord- und Südamerika durch Gegenseitigkeitsverträge enger zu knüpfen Eine dahingehende Entsd)liestung wurde sd)on mit großer , ylrhrheit auf dem ersten hnamerikanischen Kongreß in Washington 1889'90 angenommen, und über denselben Gegenstand wurde auf dem letzten panamerikanischen Kongreß in Buenos Aires im Jahre 1910 von neuem eingehend vcr handelt. Ok-rnbc bat für Europa so wichtige Argentmiet'. )at sich damals bereit erklärt, mit den Bereinigten Staaten einen sehr weitgehenden Gegcnseitigkeitsvertrag nach dem Muster des zu Fall gekommenen amerikanisdi-kanad,scheu Abkommens abzuschließen Kommen nun die Demokraten anS Rilder, so wäre es leicht möglich, daß der amerikanische Kongreß die Gelegenheit der Tarifreform benutzt, um den iib- und mittelamerikanischen Staaten im Wege von Han belsverträgen entsprechende Tarifzugeständnissc zu machen. Eben diese konnten bisher in dem Hochschutzzöttnerischcn Senat nicht durchgesetzt werden, und dies ist wohl der Hauptgrund weshalb diese durchaus im Sinne der panamerikanischen Bestrebungen liegenden Gegenseitigkeitsverträge nod) nicht zustande gekommen sind.
Es besteht also für den europäischen Wettbewerb bic nicht zu unterschätzende Gefahr, daß die bisherige cur jfitifle Zollbevorzugiing der Bereinigten Staaten in Brasilien und Ekuador, die ja int ganzen von nicht sehr großem tatsächlichen Belang ist, in Zukunft durch eigentliche Tarts, vertrüge ersetzt werden, die eine weit schwerere Benachteiligung des europäischen Absatzes bedeuten würden, wenn nidit die amerikanischen Staaten gleichzeitig das europäische Meistbegünstigungsprinzip annehmen — was höchst un-
wie erziehe ich meine Litern?
Eine Rundsrage in In1eressentcnft: c iJ’cn?)
Die alten unvereinbaren Gegensätze, bic von alters her zwilchen Eltent und Kindern in der Frage der Erziehung bcttehen, Haden -uns veranlaßt, uns mit einer Rundfrage an bic MctsttnLereslterten zu wenden, und das Material, bas uns zugegangen ich zeigt, .baß die Differenzen zwar überall aus fundamentalen Memungsver schieden hei len beruhen, aber satt immer durch verständig^ Ent gegenkommen leicht aus der. Welt. zu sHanen warm. Ziemlich alle Antworten sind sich darin einig, das; Eltern, die heutzutage Kinder erziehen wollen, namentlich in becGroi;ttadt,l'ch ^gttens versuchsweise den» komplizierten Innenleben und verfemcrten Ku turniveau ihrer Sprötzlinge anpaisen tollen bic (Htan
ta» nicht können, müssen die Kinder durch solidarische Berwetung ihrer gemeinsamen Interessen bestrebt sein, 'hre Bo^ahrm io zu erziehen, daß sic sieh ihrer sogar un Kretie ihrer Sämlsreunde ai^'r StÄ Nicht zu eiet ~ »
meisten unserer Einsender empfinden es als kbc peinlich, b U Kinder cs sich stillschweigend geiallen lasten sollen »venn Tort mährend an ihnen herumgemLkelt nnrd .^allt es uns bemi ein", heißt es in einer Zutchrift, „die Mutter ledesmat zu ve rufen, wenn sic statt des Messers die Gabel in den- Mundetccktt oder wenn sie weniger Flecke aufs Tlichtuch machl als tot • -
wäre viel besser, sic ichüttcte ihren KompoUttler auch öfter um, dann würbe das Tischtuch vielleicht Uter gewechelt nn-daials bisher " Wirkt schon diese zwingende Logik durchausüberzeugeno, so" ist aud) die starke Abneigung gegen die ewigen ^nnahnungen zum Ordnungbaltcn durchaus verständlich, -^unt stort man, wie von verschiedenen Einicndertt hervorgehoben wtrd nur die individuelle Veranlagung des Kindes, das noch mcht abgebrüht genug ist, um in dem gleichförmigm Ordnunghalten des ^urch- chLme,-schon sein Ideal ,u.sc^N- ^-Äcibe g,l. von b« sogenannten Reinlichkeit. Was schadet esdcmHerrn Uw, oer vormittags vielleicht die lauberitcn Gnchatt muckst'.,. '^burch Sohn mit ungewaschenem Vals rur Schule kommt.. - zwingt man die Kinder nur, ein b.ttchen mit de^n Waner tn ber Karaffe zu plätschern, sobald sie itrf) beobachtet glauben, uiw S& man sich !wch,w.nn die lieben Kinnen unan-r-chl-g werden, wo man sie anderseits direkt darauf dr.'tett.
♦) Dieser Artikel will nicht ganz ernst genommen sein. Er bringt aus "ugendmund Antworten und Meinungen, welche bu H am Mnag (der wir unieren JlnnaS entnebmen au, d-e sonderbar-' Rundfrage Wie erziehe id) meine Ellern. erhalten hat. Der Artikel kenn" auch als ZcitbokumcntGeltung b^ali.n und vielleicht steckt sogar in manchen Antworten btqcr .schlinget ein kleiner wahrer Stern.
Aus dem Land des Aufruhrs.
Wieder haben die Albanesen zu den Waffen gegriffen, um das Joch der ihnen verhaßten Türken abuifchütteln. Bon den Bergen lohen die Flammenzeichen, aus den Talern tönt das Kriegsgeschrei, und die ungestümen Kräfte dieses wilden Naturvolkes drängen zum Ausbruch. Der "Albaner, der fid) selbst stolz Schipetaren oder Felsenbewohner nennt, ist ein geborener Kämpfer; kann er nicht als Soldat sich mit einem Feinde messen, so wird er zum Räuber, um sein wagelustig-abenteuerliches Temperament auszutoben, um seine vielgerühmte Tapferkeit zu bewähren.
Wie das umritt lidjc Bergland, in dem er sich so lange in zäl)er Abgeschlossenheit gehalten, ist er schroff, rauh,
OlOSSS
V w,ari Ob"1 „Haber: h» ltorstt- ,,c 7- . nocb,e^'* ff»
Geschlecht.
Die Frauen sind, wenn sie ganz jung sind, Von hervorragender Schönheit, mit feinen, edlen 0>esid)t>.'zügen und blitzenden sd)warzen Augen. Aber sd)vn nach dem 17 Fahre beginnen sie zu weiten und bekommen Runzeln. Ihre Tracht besteht aus demselben dunkelroten lud) wie die Männeriacken, und ist ebenso reid) gestickt. Aud) ste tragen Pumphosen von didcm Stoff, in denen ste muhscltg cinher- wadcln, einen reichbestidteu langen Umhang, der von den Schultern zu den Hüften geht, von der Nase bis zu den Ktttien herab fällt der lange weiße Schleier, den die Ehrrsttn- nen wie die Mohammedanerinnen tragen und den sie nur in der Kirche ablegen. Das Volk löst fid> in zahllose Stämme auf, die wieder geschlossene OKmeindebünde nut eiacner Selbstverwaltung bilden. An der Spitze des Stam- mes steht ein B aj a ktar oder Fahnenträger, dessen Würde zumeist erblid) ist und der im Kriegsfall an die Spitze der waffenfähigen Männer tritt. Verwaltung und Justiz liegen in den Händeti eines Rats der Aeltesten: nur bei wenigen Stämmen herrscht eine monarchische Verfassung, an deren Spche der in Oresch residierende Fürst, Prink genannt, steht Schallt die Stimme des Aufruhrs burd> die Berge, bann versammeln sich die Männer der Gemeinde in ihrem unzugänglichen Lager bis an die Jahne beivasfnet mit
Viel beklagt wird auch das Mißverhältnis zwischen dem Einkommen der Ellern und der Mndcr. Während ,bic Alten oft nicht wissen, wo sie mit ihrem Gelbe hmiollen, Dcfommcu tbn Sprößlinge kaum so viel, daß sie ihren täglichen Bcbari an -sußtg- kciten bcclen können. Und dabei hat die Jugend doch viel weniger Möalidik.iien, Gelb zu vcrbienen, als btc älteren Generationen Sdmlbüchcr und Einscgnungsschmökcr halten ,a schltenllch nicht ewig vor. und überdies stehen die sogenannten Klamker, die man als geeigneten Besitz der Jugend bezeichnet, im Amiauartat nicht gerade hoch im Kurs. Um die Provmon, die man nch bei Besorgung für den Haushalt einstecken kann zu verdienen, muh man sogar erst Botengänge verrichten. Und iclbtt bann wird einem dies feuer verdiente Geld noch mißgönnt. "~^c. '"butc solltw sich eben, ehe sie Mnder kriegen, überlegen, dah das aucv ein angemessenes Tasckengelb kostet.. Manche Eltern verwehren ihren Kindern sogar icden Genuß. >oo berichtet ern -oru idnriber- „Meine Mutter schlierst alles un Bmett ein: nur die Scl-icl'ladcn, in denen ganz gleich-gültiges Zeug liegt, bleiben osicn. Nun haben wir uns eine Zeirlang so verproviantiert, MB wir die Schiedladen heranszogeii. Auf diese Wet'e kann man namlid) sehr gut in das darunter gelegene Fad) greven. Und was tut meine Mutter jetzt ? Sie legt alle Eßwaren ganz unten hin und laßt das darüber gelegene Fach, das man von^ der ^chieblade aus bequem erreichen kann, leer! Das tagen Lie dazu Es ist roirflid) schrver, einen bitteren Ausruf auf bicje berechtigte Frage zu unterdrücken. *
— Tie Lübecker Theaternot. Dos neue Lübecker -tabttf.eat'r das mit einem Kostenauswande von 2’, Millionen Mark errichtet worden ist, bringt icdes Jahr^iür Lübeck neue und gerade nicht erfreuliche Ueberrasckungen. xat TeiiZit des Be- F-icbes wächst raoide. Heute kostet das ^heatcr Lübeck idion jährlich rund 250 000 Mark. Im lemen Jahre wurde mit einem neuen Direktor em Vertrag abgescklonen nach welchem ledcs weitere über die Leismngen des Staates. hitrausgehend> ^esiztl
Der gleiche Zwang der Unwahrheit wird besonders aud) von jungen Tarnen beklagt, deren Mütter ihre Nase in alles lecken und immer ivissen wollen, wo die Töchter hrngehen. „stpo oll man," schreibt eine weltkundige Fünfzehnjährige, „W viel Freundinnen herhaben, um jedetr Ausgang wahr)ch.nnlich zu machen? Und dazu müssen es nod) Freundinnen lern, die Ictn Telephon haben! Sie werden es kaum glauben, aber meine Mutter bekommt es tatsädstid) fertig, so m aller Unlchuld an-' znteleplwnieren unb zu fragen, ob id) wirklich da stet. Und wenn sie mich mal mit einem Herrn trifft, dann fragt |te — mcht etwa meine Freundin nach ihrem Bruder — nein, deren elteni, ob sie tatiddUid) einen Sohn haben, der io und w auötteht. 'SDllen wir wirklich unter diesem Unverstand leiden, bis wir mündig siiid?
Neue weibliche Postbeamte.
Zu deut Plan, bei der R c i d)s p o st ü b c r 8500 n e u c Stellen für weibliche Beamte zu schaffen, schreibt mau uns aus postalischen Kreisen:
Die Reid)Spost will aus Ersparnisgründen an Stelle von Männern in verschiedenen Stellen der Rcichspost, ne keinen Beamtend)arattcr tragen, Frauen besd;äftigen. Diese Maßnahme hat in Anwärterkrciscn Entrüstung her- vorgerufcn, eS sei aber daraus ausmcrksam gemacht, daß cs std) um Stellen handelt, die von Militäranwärtern nicht besetzt werden, und daß die gegenwärtigen Inhaber der Stellen nicht gesdMigt werden sollen. Es mag vielleicht befremdend für den ersten Augenblick klingen, die Reichs post wolle 8500 weibliche Stellen fd>affcn. Diese grauen kommen mit dem Publikum nicht iu Berührung und werden nur im Jnneudieust bcsd)äfligt und zwar in gering besoldeten Stellen. Man darf nicht vergessen, daß zurzeit die Post- und Tclegraphenverwaltung etwa 19 700 Frauen beschästigt, ohne daß dies nach außen I)in in Erscheinung tritt. In anderen Postverivalttingen, Bayern, Sd)wctz, ^cstcrreich werden Frauen auch im Sdjalterbienft beschäftigt und haben fid) bewährt. Tie Forderungen des Reichs- tags auf erhöhte Sparsamkeit bei der Post lassen sich fall nur dadurch erfüllen, daß man im Personaletat spart, weil Gebührenerhöhnngeii im Reichstage wenig Gegenliebe fm- ben. Die neue Fcrnsprcchgebührcnordnung nt nod) immer nicht Gesetz unb wird es vorläufig aud) nicht werden. — Im Zusammenhang sei hier mitgctciU, daß der Staatssekretär K raetkc fid) bestimmt mit der Absicht tragt, tm Mai ober Juni des nächsten Jahres nach Verabsa)iWiuig der Postschedordnung unb des Postetats seinen Abschied z u n c h m e n und eine Weltreise anzutreteu.
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für Vberheffen
von dem Dirckwr selbst getragen werden sollte Unglücklicher- weise wurde dieser Verttag aber mit einem Künstler abgcschloßen, der fein Vermögen besitzt, so daß i*r bei rinent ungümtigen Er- ncbniiie den Vertrag gar nicht erfüllen konnte Und das letzte Fahr war tatsächlich sehr ungümtig, so ungunfhg, daß noch an Defizit von 32 000 Mark zu b.den ist. Tas ganze Vermögen des Tircktors besteht in den 12000 Mark Kaution, -ter Senat beantragte nun, entgegen dem abgeschlossenen Vertrage, das Destztt au.t Staatsmüteln zu decken und die gestellte Kaution mcht ein» zubehaltcn, ba man sonst den Tircktor verlieren unb Lübeck in brr nächsten Saison ohne Bühnenleiter fein wurde, Burg er- fdxnt verwies aber den Antrag an eine Kommission. Ti eie soll erst einmal die Frage prüfen, was unter diesen llnntänben werden oll, wenn im nächsten Jahre das Tcfizit jid) iwd) größer geitaltct. Ebenso soll auch die Frage der Zusammensetzung der Tfoeater- behörde erwogen werden, weil sich in der Bevölkerung eine große Mißstimmung gegen die jetzige Behörde benterkbar madtt, unb endlich soll die Kommission aud) die Preye der Platze im Theater nachprüsen.
— Ein neues Element. Ein neues Element hat Sir William Ramsay in den Mineralquellen von Bath eMdeckt: er nennt es Niton unb schreibt ihm starke Heilivirkungen zu: ja er behauptet, die Heilkraft einer großen Anzahl berühmter Bader rühre von bem Niton her. Das Niton gehört in die Reihe der radioaktiven Elemente. Es laßt sich in Den Quellen bei deren Zutagetreten nadzweisen, verschwindet aber binnen vier Tagen, indem es sich in andere Substanzen unrwanbelt. Stannat) hat Niwn in flüfsiger Form und sogar in festem Zustand hergettellt. In dieser letzteren Aggrcgal'orm ist cs völlig durchichernend, wie man an der Glasröhre feststellte, die das Niton rein ut -tabrof.it enthielt. Ramsan hat die Emanation, die vom Niton ausgeht, als einen „mächtigen Sprühregen von tonischen Elektronen" bezeichnet.
— Eine Champagnerirrung. Eine hübsche Weimarer Erinnerung wird jetzt aufgesrischt. Vor Jahren spielte einmal auf der dortigen Hofbühnc baut Brock den „Borz m Gustav Freytags Journalisten". Zufällig „verirrte" sich einer der von Brock gelösten Champagi'erp'rov'cn in eine kleine Proszeniumsloge, in rvelchcr der Großhcrzog 8arl Alexander Platz genommen batte. Nach der Ausführung ließ sich Brock beim Großherng wegen der „Korkentglcisung" entschuldigen. Am andern Tage erhielt der noch heute befannte Kümtler zu seinem Erstaunen durch einen Hofdiener einen Korb mit mehreren Flaschen Schaumwein überreicht. Und rin Generalleutnant, der glrichzatig erschienen war, mcldctc, daß der Großherzog bat Generalinten- banien Ix-auitragt hätte, vor der nächsten Wieberholung des Frey- tagschen Lumviels eine sorgfältige Uebung im Lefsnen von Cham- pagnerslasd-en oorzunehmen.
fdfcnlxirt, im Ertragen Von Anstrengungen, zerklüftet im jähen Emporwallen »einer Leidensdiait.ni trut riflfntum- lidu-s Dunkel ist über die Abstammung dieses Bergvolkes gebreitet, bei dem nod) Faust recht und Blutradw ungestört fortleben unb daS uod) wie ein letztet Rest urtumliGien Barbarentums in die moderne Zeit hineiurogt. Man halt die Albaner heute für einen versprengten «tamm jenes verwegenen Volkes, das im Altertum den nördlichen -ml >cr Baltaninscl inne hatte unb dem die wilden -i l)taicrz ne blutdürstigen Jllvrier, die welterobernden Mazedonen entstammten. Aber wahrend jene Volkssläiume im Laufe der Jahrhunderte ausgerieben und namentlich durd) die Eimvanderung der Slawen mit fremden Elementen vei- mifd)t nnirbcu, ixat fid) bie ungebrochene Urkraft der alten ;ili'ro Thraker 'm völliger Reinheit ui bem IncflmfdKu unb yochbegabtcii Volk ber Albanesen erhalten, bic die Türken mit der Umformung eines byzantiuischeu Wortes Aruauteu nennen. Von den ettva 11 i Millionen, die heute die zerklüftete Berglandschast bewohnen, ut der größte Teil ngch reinrassig geblieben, rocnitglrub sich bereits eure gen ischung mit Türk ■
macht Etwa bic Hälfte von ihnen sind Mohammedaner, m ' nod) fast wilden G he gen, während ihre füdlid>eren Stammesbrüder, bic To- kcn, zumeist der gi
talholischen Kirche angehören unb eine höhere Kultur i ;ifcn. Die zur römisd) katholisch
Miriditen, südöstlich von Skutari, bitben eine besondere isatton und Glauben, so ist aud) ihre äußere Erscheinung verschieden. Im Norden überwieg! der blonde Typus mit Heller Hautfarbe und Mauen Augen: bie Albanesen des Südens sind sdnvarzh.iarig und kleiner Allen aber ist ein start entwickelter Heimatslolz, todesmutige Tapferkeit und ein unbeugsames Freiheitsgesühl eigen. Malerisch schreiten sie einher in ihrer merkwürdigen Miet’ bimg, mit der kurzen duntelrotcn Jacke, deren Vorderteil unb Aermel ganz mit engen schwarzen Borten besetzt fmb unb von ber bie grossen Messingknöpfe zu Dutzenden leuch, len- die weiten dunkelblauen Pumphosen reichen bis zu den Knien: der runde fladie Fez, mit der langen blauen Serden- trobbel nickt .auf dem Kopse; die Beine stecken in weißen Strümpfen und die Füße in sehr schonen Schuhen. Der Hauptschmuck bestehl in Stickereien. In Shitari rann man
i ilt jeder Straße ein Dutzend plaudernder Manner sehen, I bie mit gekreuzten Beinen in einem kleinen dunklen Laden > sitzen und die sdßvarzeu Borten mit reicher Stickarbeit schmücken. Diese Stickereien sind oft wahre Wunderwerke
' und von .den Arännern ebenso begehrt wie vom schöneren
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