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26.1.1912 Erstes Blatt
 
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überall erhllfflch.

Auergesellschaft

Berlin 0.17

Ablaß wiedergcwählt.

Salzwedel-Gardelegen. v. Kroecher (Kons.) dergewählt gegen Böhme (Bauernbund).

Liebenwerda-Torgau (bisher Milde, Natl.). wählr Tr. Ortniann (Natl.).

Schweinitz-Wrttenberg. Dove (Fortschr. Vp.)

vom türkisch-italienischen Kriegsschauplatz.

Tripolis, 25. Jan. (Agenzia Stelani.) In der Nacht #um 24. Januar entstand ein kleiner Alarm, weil einige Räuber eine Familie in der östlichen Oase von Tripolis über­fallet: und zwei Eingeborene verwundet hatten. Gestern griff eine arabische Kavalleriepatrouille die italienischen Beobachtungspostcn vor Gargaresch an, wurde aber sofort zurückgeschlagen. Tie Verteidigungswerke von Gargaresch sind vollendet.

Meldungen aus Homs berichten: Die Türken haben am 22. und 23. Januar einige Kanonenschüsse gegen die italienischen Stellungen abgegeben, die aber keinen Schaden anrichteten.

Aus B e n g h a s i wird gemeldet, daß vorgestern einige Vor- postcngefechte stattgefunden haben, bei denen die Beduinen und Türken geschlagen wurden. Sie hatten 150 Tote und Verwundete. Die Italiener erlitten keine Verluste.

fliitftfCtyinatyrL

Flugplatz Johannisthal, 25. Jan. Tiplomingemeur Gr ul ich flog mit drei Passagieren auf einem Harlaneinbecker 1 Stunde 35 Minuten und peilte damit einen Tau er Welt­rekord auf. Die bisherige Höchstleistung im^Tauerflug mu drei Passagieren wies der Belgier Lanser mit 1 Stunde 26 Mia, auf. 1

(Erdbeben.

Heidelberg, 25. Jan. Der Erdbebenmesser der Königstuhlwarte verzeichnete gestern ein starkes Fcrnbebea, dessen beide Vorbebcn um 5.26 Uhr und um 5.29 Uhr begannen. Tie stärksten Schwingungen fanden um 5.33 Uhr stall. Erst gegen 6.45 Uhr kam der Apparat wieder zur Ruhe.

Zakynthos, 25. Jan. Heftige Erdbeben, die großen Ma­terialschaden anrichteten, landen hier statt. Menscl>enleben fhib nicht zu beklagen. Weniger starte Erdstöße waren in Leukadia. Eis; und Kaphallenia zu spüren. 3

Sorau-Forst (bisher Bahn (Natl.). Gewählt Schumann ^o^alau-Luckau (bisher Henning, Kons.). Gewählt Welz ^Krotoschin (bisher v. Trzinski, Pole). Gewählt Tr. von Chalpowski (Pole). _

Stricgau-Scbweidnitz (bisher v. Richthofen, Kon,.). Gewählt Feldmann (Soz.).

Oppeln. Brandys (Pole) wiedergewählt.

Grünberg-Freistadt (bisher Beuchelt, Kons.). Gewählt

Davidsohn (Soz.j. _

Glogau (bisher Hoffmeister, Fortschr. Vp.). Gewählt v. Liszt (Fortschr. Vp.). m .

Lüben-Bunzlau _ (bisher Doormann, Fortschr. Vp.).

Gewählt Doormann (Fortschr. Vp.).

Liegnitz-Goldberg-Haynau, Fischbeck (Fortschr. Ap.) wiedergewählt.

Schönau-.^irschberg (bisher Ablaß, Fortschr. Vp.).

* * Ta g es r al ender für Freitag, 26. Januar. Stadt­theater:Tr e Haubenlerche'. Anfang 8 Uhr.

' Das GroßherzogSpaar reiste am Freitag abend 10 Uhr 26 Min. mit Gewlge über FrankfurtBebra zu den Feierlichkeiten, die aus Anlaß von Kaisers Geburtstag in Berlin statt finden, ab. Am Sonntag erfolgt voraussichtlich wieder die Rückkehr.

* Zulassung zur Rechtsanwaltschaft. Am 18. Dezember 1911 wurde der Referendar Hans Horch zu Mainz zur Rechtsanwaltschaft bei dem Landgericht der Pro­vinz Rheinhessen zugelasien.

Stadttheater. Wegen Trauerfalls in der Familie deS Herrn Gühne kann die Aufführung vonHochzeit von Baleni' am Sonntag abend nicht slattfinden, es wird dafür Dr. Klaus* gegeben. Die Direktion hat schon mehr­fach darauf hingewiesen, daß ältere Stücke im Interesse der Gutscheinbesitzer für gewöhnlich nicht durch das ganze Abonne­ment gehen sollen. Ta jedoch die Aufführungen vonDr. Klaus* undH a u b e n l e r ch e* ganz besonders angesprochen haben und um zahlreich geäußerten Wünschen zu entsprechen, istTr. Klaus" auch für eine Ticnstag- undHauben­lerche* für eine MillwochvorsteUung im Abonnement angesetzt ivorden.

Landkreis Gießen.

Klein-Linden, 25. Jan. Unser Kriegerverein feiert nächsten Samstag m derDeutschen Eiche* den Geburts­lag des Kaisers und verbindet damit die Feier des 200jährigen Geburtstages Friedrichs hes Großen und sein 30jährigeS Stiftungsfest. Ten Teilnehmern sieht ein genußreicher Abend bevor; es kommen mehrere Theater- und Gesangsstücke, so­wie lebende Bilder zur Vorführung. Unter den Theaterstücken befindet sich auch die Posse mit GesangRobert und Bertram". Daran schließt sich ein Tanz.

Kreis Büdingen.

X Stockheim, 2a. ^au. Au stelle des vor mehreren Wochen verstorbenen BürßerMeisters Vermann Ko ch mürbe heute der Sohn des früheren Bürgermeisters Atay gewählt. In oer Zwischenzeit besorgte der im Amt befindliche Beigeordnete May die Bürgermeistereigeschäfte.' Dieser erhielt 62 (stimmen ais Dürgermeulerkanoibat, wahrend sein Gegner 79 Stimmen auf sich vereinigte.

Kreis Friedberg.

O. Friedberg, 25. Jan. Zurzeit wird ote 93er- bindungssiraße, die von dem neuen Güterbahnhof nach der durch den Stadtteil Fauerbach führenden Kretsstraße FriedbergRanstadt führt, fertiggesiellt. Sie hat eine Breite von 8 Meter. Rechts und Unls führen 1 Meter breite Bürgersteige. Die Straße hat den Rainen Fritz Reuter- Straße erhalten. Am Güterbahnhof, der bis zum 1. Oktober fertig sein wird, wird ebenfalls emsig gearbeitet.

Kreis Wetzlar.

g. Glei berg, 25. Jan. Unser Lehrer Wilh. Loch au, der jetzt über 25 Jahre unter schwierigen Verhältnissen das Schulamt auf unserem Berge versieht, wurde aus Anlaß deL Ordensfestes mit dem Adler der Inhaber des Hohenzollernschen HauSordens ausgezeichnet. In Hosheim i. Taunus starb dec 86jährige Veteran aus den Feldzügen 1848 und 49 Christoph Feuser, der ein geborener Gleiberger war.

Hesjcn-Raffau.

^.Höchst a. Ri., 25. Jan. Einen unheimlichen Fund machte man heute früh auf der Eisenbahn strecke zwischen Ried und Höchst. Hier fand man frische mensch­liche Lei ch ent ei le, Kleiderfetzen und eine Taschenuhr, jedoch fehlte der eigentliche Leichnam. Im Laufe deS Vormittags fand man im hiesigen Bahnhof einen verstückelten Körper am unteren Teil eines Wagens, der auf ein so­genanntes totes Gleis geschoben war. Ter Verunglückte wurde als der verheiratete Fabrikarbeiter Wilhelm Warmth von Höchst feslgesiellt. Ob UnglücksfaU oder Selvstmord oor- liegt, ist noch nicht aufgeklärt.

fc. Eltville a. Rh., 25. Jan. An der Stadtkaffe sind Unregelmäßigkeiten zutage getreten, sodaß die Regierung eingehe..de Ermittelungen hat anstellen lassen. Sie Haven ergeben, daß Steuerbeträge, die Eltviller Bürger bezahlt hatten, nicht gebucht aber vorhanden sind und auch Veruntreuungen erfolgt find. Wie hoch die veruntreuten Beträge sind, konnte noch nicht festgesteilt werden. Tie Regierung hat die Akten an die Wiesbadener Staats­anwaltschaft gelangen lassen. Heute nachmittag ist der Stadt­sekretär Philipp Mohr, der die Kasfenverwaltung stlhct, wegen der zutage getretenen Unterschlagung verhaftet worden, da man an- mmmt, daß er die Verfeh.ungen begangen hat. Staotselretär Mohr steht seit 1909 in Dienst, ist eine angesehene und wohlhabende Persönlichkeit, mehrfacher Hausbesitzer und bestrettet die ihm zur Last gelegte Straftat. Gestern wollten Eltoiller Bürger die fehlende Summe für ihn decken, Mol/r wies es aber ab, da er sich schuldlos fühlt.

baute Herrn Ldw. G soffet vcm Gießener Stadttheater für fe.ne Couplets, von denen namentlich das Lied vom schönen echgM mächtig zündete. Als eifrige Frauenrechtlerin stellte sich bam, Herr Wingens aus Köln vor, der späterbin auch als Main -x Polizeiassistentin stürmischen Beifall fand. Rach einem Musikstück (Cello und .vdabier) verbreitete sich Herr Schwedt er als Zj. garrenarbeiter unter großem Beifall über lokale EreignisTer Präsident besprach bann die Vorbereitungen zum hiesigen Karneval, und seine Mitteilung, daß er bei den staatlichen und städtischen Behörden das größte Wohlwollen gesunden habe, weckte lebhafte Beifallsrufe. Als Abdul Hamid erntete Herr Frank aus Franl- iurt a. M? stürmische Heiterkeit. Gießener Verhältnisse glofsicne Herr Vogel als Mitglied der städtischen Besengarde. Ten Schluß des reichen Programms machte Herr Mundo, der den Abend so außerordentlich erfolgreich eröffnet hatte, mit einem famosen Sprichwörterpotpourri, das mächtig einschlug. Tie närrisaie Ho musik wurde von der Kapelle des Regiments gestellt. Tie Lieder, die begeistert gesungen wurden und viel Lachen verursachten, hatten die Herren Architetten Kratz, Zahnarzt Schwalm, Kunstmaler Sch wedl er aus Gießen sowie die Herren Becker aus Köln und Gerling aus Mahel zu Verfassern.

Ter Ball, der gegen '»3 Uhr begann, hielt die fröhliche tzc. sellschafi noch lange in bester und gemütlichner Laune zuiammen. Während des Abends lief eine Liste zur Einzeichnung aller Kar­nevalfreunde um, und eine ganze Menge Narrhallesen trugen ihre Namen ein. ...

Der Anfang war sehr erfolgreich, und der Karneval in Gieß« darf damit als gesichert gelten. I

Eichener Karneval.

Gießen, 26. Januar.

Die gestern abend in der närrisch geschmückten Narrhalla (Steins Garten) abgehaltene Tomen- und Herrensitzung des Bundes der Karnevalvereine Deutschlands war außerordentlich gut besucht, und schon lange vor dem se,llick)en Einzug des Präsidiums waren alle verfügbaren Plätze besetzt. Auch die Damen hatten sich sehr zahlreich eingesunden, und die bunten diarrenlappcn, die keck aus ihren Locken thronten, standen ihnen ganz besonders gut, ob­wohl anfänglich manch schämiges Maidlein das Zackenmützchen verlegen in den Händen drehte. Aber die Stimmung, die zum Gelingen einer Karnevalsitzung so außerordentlich lvichtig ist, [teilte sich rasch ein, und sreudig folgte jeber den humorvollen Dar­bietungen, die sich bis lange nach Mitternacht hinzogen. Nach der Begrüßung durch den Vorsitzenden, Bundesvorsitzenden Hei - decket, der unter großem Jubel aus das Wohl derholden När­rinnen" traut, wurde das Eroffnungslied gelungen, das von Herrn Gerling (Kassel) versaßt war. Ter Präsident verlas darnach eine närrisck-e biundschau und dann flieg Herr Mundo von der Mainzer Karneval-Gesellschaft in die Bütt d. h. eigentlich stand er davor und gab unter dem lebhaftesten Bei­fall der Narrhallesen zwei jein poin.ierte humorinische Lieder oorträge zum Besten. Besonders mit bau ersten: Die Menschen sein schlecht, weckte er schallende Heitertett. Herr Cahn, der Bors, der Franis. htorneö al Vereinigung Rheinländer, verbreitete sich dann in witzigen Versen über dte erneu Menschen, um im Anschluß daran die Grüße seines Berans zu überbringen. Großen Beifall land der kleinste Humorist Gießens, der Sohn des Gastwirles T r i n k a u s , der einige Gedichte in obcrh. Mundart Dortrug. Jubelnder Beifall

Vermischtes.

Die Erfolge des Besuchs der höheren Schulen. Die Erfolge, welche die Schüler an den höheren Schulen erzielten, sind günstig zu nennen. Bon der Gesamt­zahl der Schüler, die auf den Gymnasien im Jahre 1910 103 643, auf den Realgymnasien 44 885, auf den Oberrealschulen 37 677 be­trugen, bestanden rund 20 Prozent das Abiturientenexamen der betreficnben Lehranstalten. Bon den weiteren 80 Prozent hatten 43 Prozent das Einjährigen-Zeugnis erreicht oder sind in den Klassen zwischen Oberfeiultea und Oberprima von der Lehranstalt abgegangen. Der Rest hat das Gymnasium nur bis zur Urner* sekunoa ohne Erlangung des Einjährigen-Zeilgnisses^ besucht. Tie Anzahl der jährlichen Versetzungen betrug 75 Proz.: cs blieben also im Durchschnitt 25 Prozent aller Schüler einmal im Jahre in einer Klasse zurück. Interessant iit die Beoöaästung. daß von 100 Schülern nur fünf das ^iturientcncjameit madüen, ohne von Sexta bis Oberprima einmal sitzcngeblieben zu sein.

* Eine Köpenikia de. Aus Innsbruck wird über einen dreisten Raub gemeldet: Gestern abend bestellte ein unbekannter etwa 25 Jahre alter Mann in der Uniform eines Postaintsdienerv im Auftrage eines Postamts einen Postwagen zum Einsammeln der Abendpost. Ter Wagen wurde ihm neb)t Postillion anitanb? los abgegeben. Er holte von zwei Postämtern Briefschaften ab und lieferte sie am Bahnpostamt ab. Tann ließ er sich auf einem Postamt die Abendpost mit Wertbriefen geben, die ihm audi aus- gehändigt wurde, da er durch seine frühere Fahrt bereits befamu war. Er nahm fünf Postbeittel mit Brief schatten mit einem dekla­rierten Wert von über 17 000 Kronen au sich und versa-wand. Tie leeren Beutel wurden später gefunden. Der Innsbrucks Postdiener, der dem Räuber seine Uniform gegeben hatte, ist-' verha-tet worden. , .3

* Mit M atz krügen erschlagen. Aus München wird gemeldet: Bei einer Wirtshausschlacht wurde der Gastwirt Tenk in grausamster Weise von einem der Raufenden, dem rasend ge­wordenen Kupserdrucker Küfer, umgebracht. Nachdem er bereits eine Menge Maßkrüge auf den Kopien der Kämmenden zertrümmert hatte, stürzte Küfer auf den fricbenftiftenben Wirt zu dessen liebster Gast er übrigens war führte nacheinander Schlagau! Schlag auf den Kopf des Wirtes und zog ihn Ichlleßliv unter dem Billard hervor, um ihn vor den Augen,da entsetzte« Wirtin mit einem dritten Maßkrug vollends totzuschlagen. Die Wände waren über und über mit Blut bedeckt, und der Witt schwamm förmlich in einer Blutlache. Der Mörder ließ sich ohne Widerstand abführen. «M

* Für d i e Hinrichtung einer Frau. 5ae Hinrich­tung der Baronin de Coupriany, jener Megäre, die ihren Sohn 8um Vatermord aushetzte, wird in der ganzen Nicder- 'Jlormanbie verlangt. Der Ermordete, der sich allgemeiner Sympathien erfreute, wurde infolge seines uneigennützigen^Weien» in allen umliegenden Städten und Dörfern verehrt, xic wvhner wollen sich zusammentun, um dementsprechende Eingaben an die Behörden und den Präsidenten zu senden. Daß seit langer Zeit Frauen in Frankreich nicht mehr hingerichtet worden finü, gilt nicht als Hinderungsgrund, da das Gesetz nirgends vcriuat, daß keine Frau zur Guillotine geführt werden dürfe. Die Be­wegung ist so ernst, daß man mit ihr wird rechnen rnüsien.

* Durch polizeiliches Eingreifen dieStellun- verloren. An der Hand des Briefes eines Vaters, besten Sohn in Holland wegen Urkundenfälschung zwei Jahre Gefängnis zu verbüßen hatte, dann aber in Berlin eine Stellung lonb, bt» richtet das holländische Blatt Nieuwe Courant über eine Maß­nahme der Berliner Polizechehörde, die den jungen Mann wieder brvllos werden ließ. Der Frankfurter Zeitung wird barüb« nachstehendes gemeldet:Der betreffende junge Mann suchte |u8 nach seiner Haftentlassung wieder emporzuarbeiten. Er ipndn und schreibt fünf Sprachen, hat Stenographie, Buchhaltung uiw M aschin ens ch reib en gelernt, und da er in Holland kaum eine Stellung finden konnte, wandte er sich ins Ausland. Es gelang ihm auch, in Berlin einen Posten mit 200 Mark Monatsgehalt zu finden, auf dem er zur Zufriedenheit seines Prinzivals arbeitete. Als er vier Wochen hier tätig war, kam die Polizei zu leinem Ches und fragte ihn, ob er auch wisse, daß sein Angestellter eine Gefängnisstrafe hinter sich habe. Damit erreichte die Polijn, daß dem jungen Manne fofort gekündigt wurde und batz er Tcutschland verließ. In Holland erregt das Geschehnis, M jetzt von den Blattern besprochen wird, ein solches Aergernis, das ein Einschreiten der holländischen Regierung verlantzt wird; man wünscht, baß sie im BeNragswege ihre Landesgenost'en vor einer derartigen Behandlung zu schützen versuche."

* Gin Künstlerstreich. Die Schüler der Akademie der schönen träufle in Paris haben sich die Lust, wlle Streiche zu verüben, durch die Not der Zeit nicht nehmen lasten- Gestern zog ein Kunstjünger um, und da diese Gelegenheit do«

Ans StaOt nnd Land.

©reuen, 26. Januar 1912.

Aus der Sitzung der Stadtverordneten.

Die gestrige Sitzung unserer Stadtväter dauerte zwar ziemlich lange, doch wurden größere allgemeiner interessie­rende Gegenstände fast gar nicht verhandelt, wenn man von der Beratung über den Amtsgerichtsneubau obsieht. Das Ministerium hatte der Versammlung vier Pläne vorgelegt und diese sollte darüber befinden, ob die Stadt etwas gegen diese Pläne einzuwenden habe, womit die Regierung dann freie Hand habe, ohne wettere zeitraubende Verhandlung mit dem Bau beginnen zu tönneu. Die Versammlung war sich darüber einig, daß keiner der vier Pläne eine besonders glückliche Lösung der Frage bedeute, sprach sich aber in erster Linie für den Entwurf aus, der den Anbau un­mittelbar an das jetzige Justizgebäude anstoßen läßt. Durch diesen Entwurf wird die nn Zuge des Weges nach dem Philosophenwald neu geplante Straße etwas verschoben, so daß der hübsche Ausblick in das Wiesecktal nur wenig beeinträchtigt wird. Beachtenswerter als die Vorschläge der Regierung erscheinen uns zwei aus der Mitte der Versammlung heraus gemachten Vorschläge, an­statt des einen Ausbaus zwei auf beiden Seiten des Justiz- gebäudes zu errichten oder einen Teil des Arrestgebättdes dem Neubau zu opfern. Von grundsätzlicher Bedeutung war die Entscheidung über das Wirtschastskonzes- s i o n s g e s u d) des kath. Kirchenvorftandes, das mangels des Bedürfnisses für eine neue Wirtschaft in der in Frage stehenden ^tadtgegend nicht befürwortet louroc, zumal an juristische Personen in Hesfen keine Konzessionen gegeben werden.

dergewählt.

Sa ngershausen- Eckartsberga (bisher Scherre, Rp.). Gewählt Wamhoff (Natl.).

Querfurt -Merseburg (bisher Winckler, Kons.). Ge­wählt Koch (Fortschr. Vp.).

Nordhausen (bisher Dr. Wierner, Fortschr. Vp.). Gewählt Cohn (Soz.) mit 8170 Stimmen. Dr. Wierner erhielt 6783 Stimmen.

Osnabrück (bisher Bitter, Ztr.). Gewählt Stoeve (Natl.).

Altena-Iserlohn (bisher Müller, Fortschr. Vp.). Ge­wählt Spiegel (Soz.) 19 685 gegen Müller (Fortschr. Vp.) 16 828 Stimmen.

Bochum-Gelsenkirchen (bisher Hu6, Soz.). Die Mahl von Heckmann (Natl.) ist gesichert.

Dortmund (bisher Bömelburg, Soz.), Dr. Erdmann (Soz.) gewählt.

Lennep-Remscheid (bisher Eickhoff, Fortschr. Vp.). Ge­wählt Dlltmann (Soz.) mit ungefähr 300 Stimmen Mehrheit gegen Eickhoff (Fortschr. Vp.).

Elberfeld-Barmen (bisher Linz, Rp.). Gewählt Ebert (Soz.) mit 35 792 gegen den Hospitant der Reichspartei Linz mit 33 349 Stimmen.

Düsseldorf (bisher Haberland, Soz.). Haberland (Soz.) wiedergewählt mit 42 643, Schmitz (Ztr.) 42 277 Stimmen.

Essen (bisher Giesberts, Ztr.). Gewählt Giesberts (Ztr.) mit 57 300 gegen Gewehr (Soz.) mit 52 500 Stimmen.

Mülheim a. d. Ruhr-Duisburg (bisher Hengs­bach, Soz.). Gewählt Dr. Boettger (Natl.).

Moers-Rees (bisher Fritzen, Ztr.). .Gewählt Dr. Bell (Zentrum).

Kiöerlen=Wäd)ter in Hom.

Köln, 25. Jan. DieKöln. Ztg." meldet aus Berlin: lieber den Besuch des Staatssekretärs v. Kiderlen-Wäch- ter beim Kardinal Merry del Val werden noch immer Erzählungen verbreitet, die nicht mit der Wahrbeit übereinstimmen. Nachdem Herr v. Kiderlen-Wächter den italienischen Minister des Aeußemr Marquis di San Giuliano besucht hatte, lag es nahe, auch beim Staatssekretär des Vati­kans nicht vorbeizugehen. Ein besonderer Anlaß zu einer politischen Unterredung war nicht vorhanden, ebenso aber auch keiner, einen Höflichkeitsbesuch zu unterlassen. Gänz­lich unzutreffend sind die Meldungen, denen zufolge der preußische Gesandte am Vatikan sich große, aber vergebliche Mühe aegeben habe, einen Empfang des Herrn v. Kiderlen zu vermitteln. Solche Versuche tonnten aus dem einfachen Grunde auch nicht auf eine ab­lehnende Haltung des Papstes stoßen, weil ein Besuch bei ihm nicht angeregt wuroe und überhaupt nicht zur Erörte­rung gestanden hat.