nächst ist der jugendliche Kriegswissenschaftler ein wenig verlegen und will nicht recht mit der Sprache heraus. Auf kurzes Zureden cn.fd/lieBi er sich dann aber zu dem verlangten Kommentar und erwidert stramm: „Weil, Herr Oberst, Friedrich der Große bei solchem gemeinen Wetter in den Winterquartieren geblieben wäre!"
— Verkauf einer berühmten Künstlerkneipe. Wir lesen im „L. 91.": „Simpliziksimus", die berühmte Bo-» hämekneipc und Ursprungsstätte der Kabnrettabende der „Elf Scharfrichter" ist von der gleichfalls berühmten Besitzerin Kathie Kobus an einen Fremden verkauft worden. Die Kobus, die als Bauerndirne nach München kam, war zuerst Kellnerin und betrieb dann ein win iges Telilatesiengeschäft, bis sie ihre heutige Wirtschaft als bescheidene Künstlerkneipe eröffnete. Von Rudolf Wilke, dem verstorbenen Zeichner des „Simplizissimus", kaufte sie dann eines schönen Abends gegen verschiedene Flüssigkeiten den Namen „Simplizis.imus" und als Wavpenti r Theodor Thomas Heines groben Bullenbeißer. Auch Fürstlichkeiten haben diese berühmte Bohömekneipe besucht; so erschien eines Tages auch der Kronprinz mit zwei jungen bayerischen Prinzen inkognito bei Kathi Kobus. Diese achtete das Inkognito der Hoben Herren so gründlich, daß sie mit dem Kronprinzen ein Gespräch anknüpftc und dabei so furchtbar auf die Preußen schimps;e, daß er völlig davon überzeugt war, daß sein Inkognito auch tatsächlich gewahrt wurde. Auch König Georg von England stattete dieser Münchener Sehenswürdigkeit einen Besuch ab. Bekannter aber noch als durch die so eigenartig erworbene Schild- gerechligkeit der Künstlerkneipe ist Kathi Kobus selber geworden. Sie hat als wohlwollende Herbergsmutter manchem jungen hungernden Talent durchgeholfen und sich bei dieser Gelegenheit eine schöne Bildergalerie zügelest, worauf sie ebenso stolz ist, wie auf ihren hohen fürstlichen Bestich.
— Kunsthistorische Entdeckungen in Italien. In Ravenna hat man Lirzlich, wie der Cicerone berichtet, Reste des ältesten byzantinischen Baues entdeckt, der etwa LOO Jahre vor der Gründung des unter Theoderich begonnenen Tempels entstanden sein soll. Reste von figürlichen und ornamentalen Mosaiken und die marmorne Basis des ältesten Altars sanden sich an der Stelle, wo der heilige Vitalis die Marter litt, unterhalb des jetzigen Fußbodens. Tie Arbeiten werden eifrig fortgesetzt. — In V i t e r b o wurde auf der Fassade des Municipal- gebäudes ein vortreffliches Fresko, Madonna mit Stint) von Heiligen, darunter der hl. Hieronymus und der hl. Antonius, umgeben, bloßgelegt. Das Fresko reicht wahrscheinlich ins 14. Jahrhundert zurück; im 15. Jahrhundert ist es ausgebesieri worden.
— Kurze Nachrichten aus Kunst und Wissenschaft. Die Gesellschaft für experimentelle Psychologie hält ihren nächsten Kongreß vorn 16. bis 19. April 1912 in Berlin ab.
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Freitag, 26. Januar (912
Erstes Blatt
162. Jahrgang
iekener Anzeiger
Die heutige Nummer umjaht 12 Seiten.
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Welfen, Bayerischer Bauernbund« . Nationalliberale, Bauernbund, Bayerischer Liberaler,
VezuqSvrei ): monatlich^ Vi., vierteljährlich Pik. 2.20; durch Adhole- iu Zweigstellen monatlich 6o Ps.; durch die Post 'Ulf. 2.— uiertel- jährl. auSschl. Bestetig. ZeilenpreiS: total 15 auswärts 20 Pienniq. (5 heiredakteur: 91 Goetz. Verantwortlich für den politischeu Teil: August
Fortschrittliche Volksparter, 110 Sozialdemokraten,
5 Elsässer,
Der neue Reichstag.
Berlin, 25. Jan. Nach Erledigung der heutigen W Stichwahlen ergibt sich folgende Zusammensetzung des Reichstages:
12 Konservativ^
14 Reichspartei,
10 Wirtschaftliche Vereinigung,
3 Deutsche Resormpartei,
18 Polen,
93 Zentrum, .
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ler »lchenrr Anzeiger ischeinl täglich, außer " 3onntagS. — Beilagen: |f o eriual wöchentlich
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Matt für den Kreis (Sieben T ienstog und Freiing); iveimal monntl. £anb; oirtschaslliche Zeitsragen t ^ruiprech - Anschlüsse:
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BxS? General-Anzeiger für Oberhessen SMe
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tis oormillngs 9 Uhr. Büdingen: Fernsprecher Nr. 269 Geschäftsstelle Bahnhofstraße 16a. Auzelgentest: p. Beck.
Politik ist. . . . . ,
Der „Börsenkurier" zweifelt mebt daran, daß jetzt nach den Wahlen die Gegensätze zwischen Liberalismus und Sozialdemokratie wieder hervortreten werden. Jetzt sei es an der Sozialdemokratie, zu zeigen, ob sie zu praktischer Arbeit bereit ist. Eine unfruchtbare.VerncinungspolitA würde nur für sie der Anfang vom Ende ihrer jetzt gewonnenen.
Stärke bedeuten.
Die „V o s s is ch e Z ei t un g" begrüßt die Zertrümmerung des schwarz-blauen Blocks und bedauert, daß die Fortschrittler und die Nationallibcralen in verminderter Stärke zurückkehren und stellt das angcheure Anwachsen der Sozialdemokraten dem Schloßherrn von Mein-Tschunkawe^in Rechnung. Das freisinnige Blatt bezweifelt, daß Graf Schwerins abermals Reichstagspräsident werde und meint, für die Erbanfallsteuer, deren Wiederkehr mit Sicherheit erwartet werde, gäbe es im neuen Reichstage eine Mehrheit.
Die „Post" hält es für gar nicht ausgeschlossen, daß der neue Reickjstag, der ein Mehrer der Reichsnot, aber kein Um- merter 511 neuen besseren Werten fein könne, sehr bald ausgelöst: werde Das sreikonfervative Blatt gibt zu, daß die konservativ- l'ierilale Mehrheit zertrümmert ist. Mit mindestens neun Stimmen Mehrheit stehe int neuen Reichstag der Block von Bassermann bis Bebel dem sogenannten schwarz-blauen Block gegenüber. Für Die derzeitige Regierung sei die Zusammensetzung des neuen Reichs- rages außerordentlich bequem, da der Reichskanzler mit der Mehrheit arbeiten werde, welche sich sinde. Tas Blatt befürchtet, daß Oie Regierung sich breitschlagen läßt, wenn die neue^ Mehrheit auf die Erbanfallsteuer zurückgreift, was nähe liege. Tas würde aber eine ernste Krisis bedeuten.
Das „Berliner Tageblatt" erklärt die schwarz- blaue Mehrheit jetzt für abgetan. Die Linke, zu der das Blatt die beiden liberalen Parteien, die Sozialdemokraten, den liberalen Lothringer, die beiden bayerischen Bauernbündler und den Dänen rechnet, verfüge im neuen Reichstage über 203 Stimmen. Sie habe also eine, wenn auch kleine Mehrheit für sich.
Der „Vorwärts" sieht triumphierend schon den Siegestag lieraufkommen, den Tag der Völkerverbrüderung mtd Böllersreih.'it, den Tag des Sozialismus. Nach dem Blatt hat der schwarzblaue Block aufgehört, da er Inrr über 195 (Stimmen verfüge Der „Vorwärts" fordert die Liberalen auf, zu zeigen, was lie können Sie trügen jetzt die Verantwortung, doch glaubten Die Sozialdemokraten an feine Unterstützung gegen den Imperialismus und seine Begleitersck-einungen, Wettrüsten, Kolomalpolrtif, Särutzzöllncrei. Aber die Liberaleii hätten getobt, für freiheitliche, politische Entwickelung und soziale Verbesserung einzutrelcn
Tie letzten Stichwahlen.
Marienburg-Elbing (bisher Oldetibura (Kons.). Gewählt Schröder (Rp.) mit 13 500 Stimmen v. Oldenburg erhielt 11552 Stimmen
Schwetz (bisher v. Saß-Jaworski, Pole). Gewählt von Halem (Rp.).
Potsdam-Osthavelland (bisher Pauli, Kons.). Gewählt Liebknecht (Soz.).
Landsberg-Soldin Holtschke (Kons.) wiedergewählt.
Franksurt a. d. Oder-Lebus (bisher Faber, Soz.). Gewählt Bollert (Natl.).
Züllichau-Crossen (bisher Schlüter, Rp.). Gewählt Bruckhofs "(Forttchr. Vp.).
Guben-Lübben Prinz Schönaich-Carolath (Natlib.) wiedergewählt mit 14 224 gegen 7823 sozialdcmokrat.sche Stimmen.
Heb erbarmt sind die Verluste der Liberalen bei weitem! spottete Mischung des konservativen uitd liberalen Gedankens die nicht so schwer wie die der Rechten. Nalionallibcrale und «-'inzige Möglichkeit für em gedeihliches Arbeiten in der Re, )s- Fortschrittler verlieren zusammen 14 Mandate, indessen werden voraussichtlich von den süddeutschen Dauernbündlern und Elsaß-Lothringern noch einige sich ihnen angliedern. Wie schwer sind dagegen die Verluste der Rechten, auf deren Kosten sich die Sozialdemokraten vermehrt haben! Tie Kvn- servativen verlieren 16, die Reichspartei 11 und auch das bisher beinahe als unverwundbar angesehene Zentrum büßt 10 Sitze ein. Das sind Lehren, die man sobald nicht vergessen
2 Lothringer, 1 Däne, 2 Wilde.
Gewinne und Verluste der Parteien stellen stch wie folgt: Konservative plus 6, minus 23, Reichspartei MS 5, minus 16, Wirtschaftliche Vereinigung pluö 3, minus 10, Bayerischer Bauernbund pluS 3, Zentrum plus 5, minus 15, Polen minus 2, Nationallibcrale pluS -6, minus 34, fortschrittliche VollSpattei plus 11, minus 21, Sozialdemokraten plus 69, minus 12, Welfen plus 5, minus 1, Elsässer plus 2, minus 2, Lothringer minus 1, Wilde plus 2, minus 5
Gictzen, 26. Januar.
Die alte Reichsfinanz-Mchrhcit ist nicht mehr. Auch 6er gestrige Stichwahltag hat unter den Parteien der Rechten arg aufgeräumt: freilich sind auch infolge ihrer Rnhepolitik einige Führer des Fortschritts auf der Strecke ,geblieben: Dr. Wiemer, Eicklwfs, dagegen wurden wieder- aewählt: Fischbeck, Dove und Ablaß. Tie Fortschrittler haben noch tu? Genugtuung, Mcrseburg-Oucrsurt den Konservativen, Züllichau Erosscn den Frcilonservativen abge- iwnimen zu haben. In Striegau-^chweidnitz mußte der konservative- Führer Frhr. v. Richthofen dem Genossen Feld- mriin den Platz räumen, und auch der „Januschauer" wurde in Marienburg^Elbing nicht mehr gewählt. An seine Stelle tritt der Freikonscrvative Schröder. Nur Landsberg-Soldin und Salzwedel-Gardelcgen tonnten die Konservativen in den gestrigen Stichwahlen behaupten; in dem letztgenannten Wahlkreis.ist der Bauernbündler Böhme entgegen einer früheren Meldung unterlegen. Tie Sozialdemokratie ttuimphiert auch nach/dem letzten Stichwahltage. Zwar bot sie in Bochum-Oelsenkireben den Abgeordneten Huc ver loren, der von dem nationallideralen Bergarbeiter Heckmann besiegt wurde, aber sie hat von neuem über 11 Wahlkreisen ike rote Fahne gehißt und nennt nun 110 Wahlkreise ihr eigen! Tie Nationalliberalen haben gestern gut abgeschnit- ten und ihren Besitz noch um 7 Mandate vermehrt, so doß sie im neuen Reichstag mit 45 Abgeordneten vertreten sind.
wird.
Wie steht es nun um die neue Parteikonstellation im Reichstage? Tie Rechte steht hinter der Linken (einschließlich der Sozialdemokraten) um einige Sitze zurück, und wenn heute die Erbschaftssteuer wieder zur Abstimmung stehen würde, so hätte sie auf Annahme zu rechnen — falls nicht die Sozialdemokraten wegen Verwendung der Einnahmen für Miutärzwecke dagegen Einspruch erheben würden. Das Zentrum aber gewinnt, wie wir schon einmal erwähnten, trotz feiner Mandatsverluste künftig eine sehr einflußreiche Stellung. Tic Linke wird in allem, was sie positiv erreichen will, in ein fatales Adhängigkeitsverhältnis zur Sozialdemokratie kommen, und die zusammengefchrumpsten lonserva- tiven Gruppen werden der Gefahr, zu Hörigen des Zentrums zu werden, schwer entgehen. Tas Zentrum wird, — seine innere Zusammensetzung macht ihm das leicht — seine berühmte Sozialpolitik in den Vordergrund schieben und nach außen hin den Schein zu erivecken suchen, als treibe es allein wirklich praktijche und positive Arbeit. £bjä ihm wieder, wie einst, gelingen wird, die Regierung ins Schlöpp- tau zu nehmen? Tie muß aber, wenn sie vernünftig vorgeht, viel mehr als bisher den Wünschen des Liberalismus ent- gcgenkommen. Tenn wenn cs dann über der Herrschsucht der Sozialdemokraten und des Zentrums zu einer Rcichs- taasauilösung kommen sollte, muß im Reichsinleresse dafür geiorgt sein, daß die Extreme zurückgedrängt werden können und die Mittelpartcien enolich den Platz bekommen, der ihnen gebührt. Herr v. Bethmanu-Hollweg hat jetzt das Wort. Ob die bisher so redselige „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" jetzt auch etwas über die Aufgaben der neuen Zeit sagen wird?
Pr'siestimmen.
Berlin, 26. Jan. (D r a h t b e r i ch t).
Die „T e u t s ch e T a g e s z e i t u n g" schreibt ganz kurz:
Wie sich die Beryältnisse im n.uen Reichstage gestalten werden, bleibt immer noch unklar. Vielleicht ist es eine Mehrheit der Linken von 11 Stimmen, vielleicht nicht einmal das, denn es ccrlautet, daß der bayerische Bauernbund sich zur Wittsckiaftlichen Vereinigung schlagen will.
Tie „Tägliche Rundschau" glaubt nicht, daß die Sozialdemottatie sich auf dem jetzt erreichten Höhepunkt werde halten können, toemt die bürgerlichen Parteien einigermaßen verständig operieren. Die Frei,innigen könnten sich nicht dauernd zu Kostgängern derSozialdemotratie machen. Sie würden sich wieder ihrer Blockvergangenheit erinnern und nach rechts Anschluß suchen müssen.
Den Nationalliberalen, so sähtt das Blatt sott, fällt der Beruf der Vermittelung zwischen recksts und links zu und sie werden oiefe Mission besser ausfüil^n können, als im vorigen Reichstage, da die Blockleiche nicht mehr im Wege liege. Die Konservativen aber müssen aus den Wahlen lernen, daß in Deutschland tatsächlich nur mit den Liberalen regiert werden kann und daß die viel be-
Die „Rue de la pa x" auf der Sühne.
— Ein heiteres Wahlstückchen wird aus Anhalt berichtet: Sind da auf einer großen Domäne ungefähr 30 wahlberechtigte KneäUe und sonstige Angestellte. Ter Besitzer verspricht, ein fettes Schwein schlackst en zu wollen, wenn aut seinem Gute keine Stimme für den Soziald-mokraten abgegeben würde. Mit Spannung sieht man der Verkündigung des Resultat.'S ent» gegen. Alle Stimmen lauten auf dm bürgerlichen Kandidaten, nur zwei auf den Namen des Sozialdemokraten. Es sollen die St'mmm — des Des tzers und des Jn'p ktors gewesen sein. Durch diesen Trick waren statt der vielleicht 23—30 Stimmen für den Sozialdemokraten nur 2 Stimmen abgegeben worden, und der Besitzer behält fein fettes Schwein. Von den langen Gesichtern der Knechte hat uns die Fama nichts berichtet.
— Warum Friedrich ein großer Feldherr war. Bei bitterster Kälte fand nach einem Anmarsch von zwanzig Kilometern über vereiste Straßen ein gefechtsmäßiges Scharfschießen statt, dem sich unter schneidendem Winde eine längere Besprechung anschloß. Man fror Stein und Bein, was aber den die Kritik abhallcndcn Stabsoßizier wenig zu stören schien. Als endlich nach dem: „Ich danke, meine Herren!" die Offiziere auseinandergingen, fing der Leitende die laute Bemerkung eines noch recht jungen Dachses auf: „Friedrich der Große war doch ein großer Feldherr." Der Künder dieser tiefsinnigen Weisheit wird zu dem gestrengen Kommandeur zitiert: der will gern wißen, was feine llcbungsanlage wohl mit dem Großen Könige zu tun habe. Zu
entsetzten Modekünstlerinnen ballen im Stillen die Faust und flehen aus das Haupt der großen Madame Paquin alles andere, als den Segen des Himmels h. rab.
Tie berühmte Sünderin aber hat h iter lächelnd am nächsten Tage einen Ze.tungsmann empfing n. Ost fie die Kostüme gemacht habe? Jawohl. Ob sie ihr Geschmack sei? Aber nein! Und bann erzählt Madame Paauin, daß sie diesmal, das erste Mal in ihrem Leben, sich den Wünschen eines modernen Künst- lers anbequemt habe, den Wünschen des als Prophet modernen Geschmackes in Paris gefeierten Malers Paul Jribe, der die künstlerische Seite der Aufführung leitete., „Nach seinen Zeichnungen habe ich die Roben unfertigen lassen mtd sie haben jnit meinem Gedanken über Mode nichts zu tun.'£ Und belustigt weist Frau Paquin darauf hin, daß das ganze Stück satirisch gefärbt sei und daß überall im Tialog die grotesken Auswüchse moderner Mod.rnarrheiten g geißelt werden. So enthüllt sich das, was die schönen Premicrenb iueherinnen entsetzt als eine unerträgliche Entgleisung des Geschmacks ansahen, als eine bewußte Karikatur des Künstlers. Und das lustigste an der ganzen Komödie ist, daß die seinen Fraueit in den Logen, die auf ihren feinen Geschmack und auf ihre Klugh it so stolz sind, die satirische Absicht dieser Farbenzusammenstellung gar nicht empfangen, weil sie gekommen waren, statt eines Stückes neue Stoben zu sehen. . .
tTic Aufführung des jüngsten Erzeugnisses Pariser Dramattk, Stückes „Rue de la Paix" im Vaudeville-Theater ist die lche unbeschreiblicher Aufregung geworden. In den Salons Lt man nur von „Rue be la Paix" und die wirkliche 9hie da tzaix macht ihrem Namen gegenwärtig wenig Ehre, denn sie >er Herd wilder Aufregung und zorniger Entrüstung. Was ist leben? Was hat die sorglosen Pariser so plötzlich aus ihrer lilichkeit gerissen? Es sei gleich vorweggenommen, daß es t etwa das Stück oder die Hairdlmig des neuen Werkes ist, die Gemüter erregt. Ter Fall ist wichtiger. Die drei Akte Werkes spielen in den Probiersalons zweier großer Mode- Lufcr der Rue de la Paix. Tas Milieu rechtfertigt also jeden zilettenluxus und der Regisseur hat auch nicht gezaudert, davon i reichsten Maße Gebrauch zu machen. ,
Es waren wohl hundert oder mehr kostbare Roben, die man i Saufe der drei Akte über die Bühne wandeln sah nnb frf)on enge vor der Erstaufführung hatte man geschickt die Ausrnerk- :inteil der vornehmen Damenw It aufgcjad.c.t, indem man^an- utete, daß diese Legion von Kleidern eigenS für dieses Stock den Weik'.ättcn der berühmt n Frau Paquin gefchaf e.i worden .ich. Und so war denn auch da-s Haus bei der ersten Auf- linmng bis auf den letzten Platz ausverkauft und ungeduldig cr- txrtetcn die hübschen Frauen den Augenblick, da endlich, endlich Lt Vorhang auf gehen und Madame Paquins neue Tichtong ent-- |KLen sollte. Ter Vorhang ging auch auf, aber was man auf It Bühne zu sehen bekam, üb .r^raf alle Erwartungen. Tie hüb- jeen Pariserinnen waren vor Staunen so überwältigt, daß sie iibchacht um ihr Aussehen fassungslos die geschminkten Lippen tarnten und buchstäblich mit off eitern Munde auf die Bühne .iiriten.
Aber ach, nicht Bewunderung war es, was'die schöne Darnen- , Mit die „contenancc" verlieren ließ. Was hier auf den Brettern ItjcJtete und lohte, spottete in der Tat jeder Beschreibung. So gr De, so mißtönende und aufdringliche Farben hatte man noch : i: in einem Raum vereinigt gesehen. Ta erschien eine junge Same in einem Straßenkleide aus rcsasarbencm Samt mit einem 3jq& aus Sckuvanenfedern, eine andere in einem grellroten laifett, die dritte mit einem weithin leuchtenden giftiggrünen Tii^kleid, zu dem sie einen strahlend blauen Hut angelegt hatte, S vierte in einem weißseidenen Straßenkleid (!), über das sic di: kleine weißlcinene Jacke in der Art der Barkellner trug, man recht? Furchtbares Blendwerk der Hölle: die Leinen Briserinnen fühlten die Gänsehaut über ihren Rücken kriechen, uto die Enttäuschung war unbeschreiblich. Der Schmerz der T.'^terbesuck^erinnen war nur ein mattes Vorspiel der wilden (frtförung, die heute in allen Werkstii tm der berühmten Straße da Parkser Schneiderkünstlerinnen herrscht. Man ist entsetzt, man 4 amißer sich, das der heilige Name der Rue de la Paix zu einer lilißjn Orgie detz Ungeschmacks mißbraucht werden tonnte. Die
lochelegante
„Mein Kind batte tc Flechte
die allenMitteln trotzt audi verschwand, aberc wieder auftrat.
schleich ZuckerösM u. bin cnmuni. wie i$- Miivlich das Hebet!«
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