Die heutige Nummer umsatzt 12 Seiten.
G o etth e.
Hr. 70
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Die hessische Vesolüungsvorlage. •
Tie Besoldungsvorlage ist, so wird uns aus Darmstadt geschrieben, den Abgeordneten nunmehr zugegangen. Es wird daraus bekannt, daß die geplante Aufbesserung der Gehälter 12 bis 13 Prozent bei den unteren, 10 bis 11 Prozent bei den mittleren und 6 bis ^ProzentLeidenoberenBeamtenbis7000Mk. betragen wird. Bei Gehältern über 7000 Mk. beträgt die Erhöhung 4 Prozent. Tie Erhöhung wird, so teilt der Darmst. „Tägl. Anz." weiter mit, bei allen Beamten nach dem Gehalt, das sie zurzeit beziehen, berechnet, nicht wie der jetzige Wohnungsgeldzuschuß nach dem erreichbaren Höchstgehalt des Beamten.
Außer dieser Gehaltserhöhung ist beabsichtigt, das Wohnungsgeld nach dem Muster von Preußen und dem Reich auf bestimmte Sätze zu erhöhen, die etwa 3/4 wirklichen Aufwandes für Wohnungsmiete entsprechen sollen. An Wohnungsgeld sollen erhalten: untere Beamte 330 Mk., mittlere Beamte 400 bis 500 Mk, höhere Beamte bis 7000 Mk. Gehalt 800 bis 1000 Mk., bei mehr als 7000 Mk. Gel-alt 1250 Mk., Minister 1800 Mk. Diese Sätze gelten für die erste Klasse.
Das Land soll in drei Serv is klassen eingeteilt werden, wobei die erste Klasse die größeren Städte umfaßt. In der zweiten Klasse, die die mittleren Städte des Landes umfaßt, beträgt das Wohnungsgeld etwa 80 Prozent der ersten Klasse. In der dritten Klasse, wohin die kleineren Städte und die übrigen Gemeinden gehören, beträgt der Satz etwa 70 Prozent der zweiten Klasse.
An diesen Sätzen wird jeboch der jetzt bezogene Wohnungsgeldzuschuß in Abzug gebracht.
Die Besoldungsvorlage soll ein integrierender Bestandteil der von der Kammer wiederholt verlangten Besoldungsreform darstellen. Eine demnächst weiter den Kammern zugehende Vorlage soll dann die Härten, die sich im Lause
Als sie tm Jahre 1855 —. es war die glücklichste Früü- ungszett des kaiserlichen Hofes — zum ersten Male in den -tuilenen erschien, machte sie Sensation. Der Eintritt dieser prachtvoll gewachsenen, durchaus ebenmäßigen Jrrau, deren Prv- sil die reimten Linien zeigte, aus deren Gesichte zwei schöne blaue Augen urahlten — kurz: dieser vollendeten Schönheit machte jofort einen solchen Eindruck, daß, als sie etroa* spät bei, dem ersten Ball erschien, die Musik vausierte und die Tänzer aushörten! Tic Kaiserin machte ihr unwillkürlich einen Schritt entgegen: der Kaiser forderte sie sogleich zum Tanze aut und unterhielt sich dann mit ihr, bis die Munk aushörte. Die Gti fette selbst verlor ihre Macht, und die kaiserlichen Gaste reckten sich die Halle ans, um die, Gräfin ;u bcobacktrn. Und dieser Er'olg. wiederholte sich, tvn sie auch erschien, bei den Montagen der Kaiserin, auf den Ministerbällen, in Eompiögne.
Ob sie wirklich die Favoritin des Kaisers gewesen ist oder nicht, ist nicht mehr zu entscheiden: gewiß aber ist, daß ihre diplomatische Wirksamkeit nicht ohne Erfolg blieb. Tie Maßnahmen des bisher noch zögernden Napoleons III. fielen von ba ab immer enli'dnebcncr zu Gunsten der italienischen An- iprüche aus, und schließlich hat die Gräfin auch an seinem Ent- schluiie zum Kriege gegen Oesterreich ihren Anteil gehabt Aber der berühmte Frieden von Villafranca, der Italien, Savoyen und Nizza foitetc, enttäuschte sie und von da an begann ibr Stern bei Hofe zu erbleicksen. Ihre Schönheit hingegen stand noch ganz auf der Höhe, und sic, die sich als die Priesterin dieser Schönheit fühlte, konnte manchmal die größten Tollheiten begehen, um sie und sich recht in Szene zu sehen. Sie war noch nufit 30 ^ahre alt, als das Kaiserreich und damit ihre ganze bisherige Position zusammenbrach. Zunächst nahm sie in Florenz Aufenthalt, wo sie nur dank ihrer Freundschaft mit dem König Viktor Emanuel, ihren guten Beziehungen zur Königin Augusta von Preußen und dem Vertrauen von Thiers Frankreich in feiner großen Krise manche guten Dienste leisten konnte. Thiers führte sie damals bei feinem Besuche in Florenz den Vertrnern der franzosiichen Republik mit den Worten zu: „Haben Sie jemals etwas Schöneres gesehen?" Eine Freundin der Reoublii aber war die Gräfin nicht, und noch einmal schien der ehrgeizigen jvrau die Aussicht auf eine bedeutende Wirksamkeit sich zu offnen Nach Paris zurückgekehrt, versuchte sie die Orleans zur Tat zur Wiederaufrichtung des franzöfischen Königsthrones zu ver-
va§ englische Mindestlohngesetz.
, , 9Iu5ftanb der englischen Kohlenbergarbeiter wurde bekanntlich in der Haupt,ache dadurch veranlaßt, daß die Bergarbeiter auf Grund ganz beslinimter, für jede Arbeiter- kategorie und )eden Bergwerksdistrikt besonders aufgestell- ter Lochiltlten die Einführung von Mindestlöhnen verlangten, die Grubenbesitzer jedoch diese Forderung ablehnten, solange nicht dre Bergarbeiter sich dazu versteh, für die von ihnen unter Tage aclciftcte Lobnor!
bn Zeit in der Besoldungsordnung von 1898 eingestellt haben, beseitigen.
• Kämmer ist eine Regierungsvorlage zugegangen,
in Der es heißt:
„Bei Beförderung eines Kreisassistenzarztes zum Kreisarzt
1,111 bn, Umsetzung seines Gehalts die gesamte Zeit der Anstellung als Kreisassipenzarzt als Besoldungsdieiistzeit an- gerechnet.
x- ^mnier B, h, 12 der Besoldungsordnung werden die GehaltSlatze der .streisasultenzärzte wie folgt almeuiiheit:
7^00—3400 Mk., AufrückungSsrisl zum Höchst- ooT? U; 2ahre, Gehaltsstuien: 1 Stufe 2600 Mk., 2. Stufe
Stufe 3000 Mk., 4. Stufe 3200 Mk. und 5. Stufe O4UU lull.
f. . Borsteher und Lehrer an den Präparandenanstalten lind unter B, b, 11 der Beioldungsordnung wie »achstelwnd, einzureihen:
„8 ^eminarlehrer an den Dorseminarien, Gehalte wie die lern mar sich gebildeten Seminarlehrer von 2800—4600 Mk Die 1)0:1011110)01 Stellenzulagen der Vorsteher kommen in Wegfall/'
. ^ofllehcnde Aendernngen treten zugleich mit dem Finanz fleicy uir das Rechniiiigsjakn 1912 in -traft."
Großes redliches Bemühen Ewig still sich fördern mag, Jahre kommen, Jahre fliehen, Freudig tritt es auf zum Tag. Künste so und Wissenschaften Wurden ruhig — ernst gelehrt Bis die ewig musterhaften Endlich aller Welt gehört.
Weimar, am 28. August 1831.
ba2auf Ü"» daß die Opposition in patcrcn etabicn der Bill nicht mehr obstruieren wird, sondern lie annehmen werde.
Premierminister Asquith erklärte, die Rede Balfours sei würdig der fntudxn Angelegenheit. Wolle er aber durch seinen .'lntrag nur Abwetiung der Bill der Meinung Ausdruck geben daß eine geseplickw Regelung unmöglich sei? Wir können, so ^ugeben, daß die industrielle Bevölkerung des Landes aus Mangel an Kohlen Not leidet.
Tie Annahme des Gesetzes.
m,.r weiteren Verlauf sprach Austin Chamberlain gegen die /nr -C -m ”5 vorgeschlagene Lösung der Schwierigkeiten nur zur Verwwrumg der Lage und zu einer Ausdehnung der Unruhen auch aus andere Gewerbe führen werde. Sir Edward Grev er- er glaube nicht,, daß die Bill zukünftig Unruhen stiften E? ä* »»3ÖUr^ ,on,t entstehen würden. Eine schnelle Beendigung JS «trekks lei notivendig, um der Gefahr eines Anwachsens der Erbitterung vorzubeugen, die sich aus einem längeren Andauern der Not ergeben könntoi. Wenn es der Bill nicht'gelingen werde, ^.eguug, des Streiks zu erzielen, so müßte die Regierung alle ihre Mraitc dem schuhe der Nation und aller ihrer Lebensquellen widmen. Wer auch mit äußerster Anstrengung werde sic dann | ii rd)t bare Verluste i m Erwerbsleben, die die Allgemeinheit und im letzten Ende auch die Arbeiter selbst treffen, nicht vermeiden tonnen.
Schließlich wurde die Bill mit 348 gegen 225 Stimmen in ■* Acfnng angenommen. Die irischen Nationalisten und die Mitglieder der Arbeiterpartei unterstützten das Gesetz.
TscharyfowZ Sturz.
Die plötzliche Abberufung eines ruffifchen Botschafters ‘ seinem Posten und feine Ernennung zum russischen Senator, hatte für das Ausland kaum eine größere Bc-- deutung, wenn cs sich nicht bei Tfcharvkow um die Ver- tretung Rußlands inKonstantinopel handelte und diese « m einer Zeit erfolgte, wo der Brennpunkt der russischen Politik, wie das Interesse der ganzen übrigen politischen Welt mehr als je am Bosporus liegt. Und man kann der weiteren Entwrckelung des türkifcks-italienischen Krieges nur mit steigendem-Mißtrauen zusehen, zumal ziemlich bci'timnit die Italiener ihre Wsicht, die Dardanellen, ja, vielleicht auch Saloniki anzugreifen, nur zu gern verwirk' 110)611 mochten. Das bedeutete die Entfachung des Balkan- und zugleich wahrscheinlich auch des europäischen Volkerkrieaes.
Herr ^scharykow hat bislser in der diplomatischen Welt eine große Rolle gespielt Seine Begabung, fein Tempera - ment und feine Initiative sicherten ihm die Anwartsckjaft auf den Posten eines Ministers des Auswärtigen schon vor zwei Jahren, als Iswolski abdanken mußte und Sasanow an seine Stelle trat. Und wenn die Wahl des -Zaren damal- nicht auf Tscharykow, sondern auf Safanow fiel, so lag das wohl in der Hauptsache daran, daß er die durch das Pots- r£mc m eingeleitete neue Orientierung der ruffi-
>chen Politik logisch und konsequent verfolgt felgen wollte
er von dem nervösen Temperament Tscharykows und seiner Sprunghaftigkeit nicht erwarten konnte
Bei dem Ehrgeiz Tscharykows mußte ihn diese Bewertung seiner Persönlichkeit durch den Zaren zunächst in direkten Gegensatz zu Safanow, feinem siegreichen Konkurrenten bringen, und es ist anzunehmen, daß fein Rücktritt vom Bot- chajterposten in Konstantinopel in erster Linie auf die per- onlichen Differenzen mit seinem Vorgesetzten, dem Leiter per auswartigen-Angelegenheiten Rußlands, zurückzuführen ist- Wenigstens ist das der äußere Grund. Das innere Motiv für die Abberufung Tscharykows liegt wohl in dem Umstande, daß er einmal für die unruhigen Balkanstaaten zu einer Art Fetisch nach dem Muster des verflossenen Jgna- tiew geworden war und zweitens gegenüber der Pforte eine durchaus eigemoillige Politik einschlug, die nicht immer den offiziellen Beifall -der Herren an der Sängerbrücke fand So hielt er sich z. B als politischer „Uebermenfch" für befugt, mit dem Großwesir sogenannte Privat aelprächeru fuhren, wie Ende vorigen Jahres hinsichtlich der Oeffnuna der Dardanellen, in die England auf keinen Fall willigen wollte. Das war der erste Backenstreich, den Rußland der Eigenmächtigkeit Tscharykows verdankte, und es folgte sehr
anlasten. Vergebens: der ritterliche Herzog von Aumale ver- wgtc seine Mitwirkung in einem Bürgerkriege, und voller Bo dauern schrieb die Gräfin ihm: „Mutig auf dem Schlachtfelde £ -J111!.^, ,m .^ben, warum muß einem solchen Prinzen die Entjchiedenheit nn Kabinette fehlen?" Genug, sie stand am (Enbe ihrer Illusionen. Sie begann zu verbittern: eine Honming iah ne nicht mehr vor sich, zumal, da auch ihr einziger ^ohn gestorben war. Und — ihre Schönheit begann auch nach und nach zu verwelken.
Hinter geschlossenen Fenstern, zuweilen von Angstideen qe- vemlgt, führte sie m ihrem Pariser Hause ein völlig zurück«». 2?9Cne5. Leben. Als sie nach langen Loden starb, wurde sie die wenige Jahrzehnte zuvor, die bewimpertste Fran von Europa genannt werden durfte, in fast völliger Verlassenheit beigesetzt Ein einziger Vetter wohnte ihrer Bestattung in der Madeleine vy -—sonst wären nur bezahlte Diener ihrem Sarge gefolgt Ein schlichter Granituein bezeichnet in der Kirche die Stelle wo die sterblichen Uebmrefte dieser schönsten Frau des 3weit"n KaijerrcicheS ruhen.
.oiungc mmi Die Bergarbeiter sich dazu verstehen würden für die von ihnen unter Tage geleistete Lohnarbeit sowohl in qualitativer, als auch quantitativer Beziehung ganz bestimmte Garantien zu übernehmen. An den Einzelheiten einer solchen Vereinbarung scheiterten bisher alle Verhand- ^lngen, die unter Führung der engliselfen Regierung zwischen Arbeitgebern und Arireitnehinern gepflogen wurden. Das englische Kabinett hatte deshalb schon vor einiger Zeit be« schlossen, die <yragc der Mindestlöhne und Arbeitsgarantien auf gesetzlichem Wege, also durch eine Bill, zu ordnen, und war verständig genug, diese Angelegenheit nicht auf die lange Bank zu schieben, sondern die Vortage schon auf Die Tagung des Unterhauses am 19. d. M. zu setzen, wo sie in erster Lesung einstimmig angenommen wurde.
Die englische Regierung hat damit keinen ungewohnten Weg beschritten. Ist doch die Festsetzung von Miiidestlöhnen durch Gesetz bereits im Jahre 19Ö9 für alle Arten der Heimarbeit, sur Kettenschmiedereien, für Spitzen- und Netzefabri- kation, für die Herstellung von Kartonagen und für die Konfektionsbranche erfolgt. Ebenso kennen auch Australien und Neitfeeland auf gewissen Gebieten gesetzlich sestgeleqte Miitdestlohne. Freilich ist heute über die wirtschästliche Wirkung dieser Maßnahmen bei der kurzen Zeit ihres Bestehens ein abschließendes Urteil nicht möglich, und wenn die englische Regierung es trotzdem unternimmt, das gesetzlich festgelegte System der Mindestlöhne aus das große und für England wichtiyste Gebiet der Kohlenlverke auszudeh nen, so muß man ihren Mut wirklich bewunden. Denn auf diese Weise könnten schließlich alle Kategorien von Ar beitern, ja, sogar von Privatangeftellten und Leuten freier Berufe, veranlaßt werden, vom Staat Mindestlöhne, also die Garantierung eines Existenzminimums zu verlangen Das würde dann direkt zum sozialistischen Staat führen Die neueste MiudestlohnbiU soll, um Emglaud aus der äugen blicklicheu schweren Kalamität zu befreien, nur auf 3 Jahre gelten. Sie ist also eine Art Provisorium, während dessen man Hof st, daß die Grubenherren und die Bergarbeiter diese Regelung ilfrer Differenzen als für beide Teile günstig betrachten und so die Verlängerung des Provisoriums selbst wünschen werden.
Tie zweite Lesung des Gesetzes im Nnterhanse. o- ■,£0"do n' 21. März. Das Unterhaus war heute in allen -teilen OickN besetzt, fowvhl wegen der Llussprache der zweiten Lesung der M indcitlohnbill sowie wegen der Tatsack>e, daß Balfour namens der Opposition die Ablehnung der Bill beantragen wollte.
In der Begründung des Antrags, die Mindestlvhnbill abzu- lebnen, erklärte Balfour, niemand sei mit der Bill und ihrer Löiung der schwierigen Lage ziisrieden. Für die Regierung licae reine Berechngung vor, den Versuch zu machen, diese ungeheure Umwälzung in einer Woche durch das Haus zu erzwingen. Tie Opposition werde sich bemühen, die Meinung des Hauses bei der zweiten Lesung auf die Probe zu stellen. Aber wenn die zweite Lesung angenommen werde, so werde die Opposition ihr Bestes dazu tun, daß die Politik der Regierung erfolgreich sei. Sollte aber die Regierung geschlagen werden, so braurfie deswegen das £>tui8 nicht aufgclöit zu werden, da das Land nicht die allgemeine Verwirrung bei der Wahl zu den Schrecken des Streiks binzutreten lassen könne. Er beantrage die Ablehnung der Bill aus klaren Gründoi einer nationalen staaismännischen Politik.
, , - ^bekanntes Gedicht Goethes. Ein uw oekanMes Gedicht Goethes wird am 29. d. Mts bei öenria in Berlin zur Versteigerung gefangen. Tas Gedicht, das narb Goethes eigenhändiger Unterschritt „Weimar, am 28. August 1X3]- am leyien Geburtstage Goethes entstanden ist, hat er der Tochter des Kouiutorialrats Anton Kirchner in Frankmrt a qo widmet. Fräulein Marie Kirchner war im Jahre 1810 geboren nand also am letzten Geburtstage Goethes tm 21. Leben-«ahr^ Das Gedicht lautet: '
SietzenerZamiliendlätter , zwtnnal wöchenll.Uielr' blatt für Öen Kreis Gie^n ’ (Tienstag und Freiings zweimal nionail. Land- wttlfchaftliche Seilfragen Feriiioiech - 9lnfd)lii$|e: für die Redaktion 112,
.. General-Anzeiger für iüberheffen
für die ragesnuinmer rtotottonsbruck und Verlag -er vrühl'fchen Univ -Such- und ^teittüruck-rri n Cntm» . .Den aus,aalM. Reu-
bis vormittags 9 Uhr. “n0 bleindruckeret R. Lange. Redaktion, (Erpeörtion und vrnckerei: Schulstrahe 7. ^lh. für..-Slao, und
-- Emgen. üernfprecher Nr. 2by Seschästsstelle vahnhofstrahe lös. Land-: s.He»: für dc..
Eine Favoritin vom Hose öcs Zweiten Kaiferreid)es
Keine Persönlichkeit ans der glänzenden und dann so schnell zerstobenen Hofgesellschaft des Zweiten Kaiserreiches ist so be rühmt geworden und dabei bis zuin heutigen Tage so geheimnisvoll geblieben, wie die Schönste der Schönen dieses Hofes, hie gefeierte Gräfin C a st i g l i o n e, die freiwillige Agentin Cavours in Paris, die Favoritin des Kaisers selbst, wie man sich erzählte, schließlich noch die Egeria der Familie Orleans. Erst wtzt wird dao Geheimnis dieser unter allen Umständen interessanten Persönlichkeit bis zu einem gewissen Grade von Frvderie Loli4e, dem bekannten Geschichtsschreiber der Zeit Napoleons III., in einem Aussatze der „Revue" gelüftet, für den der Verfasser die unveröffentlichte Privatkorre-- spondenz der Gräfin bemitzen konnte.
Wer war sie eigentlich? Tas Geheimnis ihres Lebens beginnt bereits mit ihrer Geburt, und die Fluge Gräfin bat nichts dazu getan, den Schleier des MnsteriKms zu lüften, der ihr so gut stand. Man hat sie zu einer Tochter eines der ttorentinischen Napolconiden, eines Hri:zogs von Toscana, eines Mitgliedes des Hauses Savoyen, sogar yu der eines römischen Kardinals machen wollen. Tie Wahrheit ist: man farnt ihre Eltern auch heute noch nicht zuverlässig angeben, doch deutet mancherlei darauf, daß der Polenkonig Joseph Poniatvwski ihr Vater gewesen sein mag. Jriwnsalls trug sie im bürgerlichen Leben den Namen einer alten genuesischen Adelsfamilie und galt als die Tochter des Marchese Filippo Lldosni Nina Oldoini zeichnete sich schon, als sie noch ein halbes Kind war, durch eine so seltene Schönheit aus, daß sie bereits im ihrem 15. Lebenslahre von einem Sckwarme leidenschaftlicher Verehrer umringt war. Ohne Liebe ließ sie sich dann dem Grafen Castiglionc, Offizier im Hause des Königs von Sardinien, antrauen, von dem sie den Luxus erwarten durfte, den sie für ihre kostbare Person brauchte. Tenn das hatte si? zeitig gelernt: ihre Schönheit zum Idole ihres Lebens zu machen und sie auf alle Weise zu hegen und zu pflegen. Und ihre Schönheit war es denn auch, die Cavours Blicke auf sie richtete und die ihn auf den Gedanken brachte, sie zu feiner geheimen diplomatischen Agentin am Pariser Hofe zu erwählen. Cavour sagte ihr: „Reüssieren ^te, liebe Kusine, mit allen Mitteln, die Sie anwenden mögen, mir reüssieren Sie!" Und die schöne Gräfin Castiglionc war die Iran, diesen Wink des Meisters zu verstehen.
Lc»» Blatt 162. Zahtgan, Keita,, 22. INätj 1912
WwmAvvV allwIUu s» ckjay M LI Chefredakteur: A lüoeif.
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