Ausgabe 
27.6.1912 Zweites Blatt
 
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Alsfeld mit der Untersuchung des zu versichernden D. W. in Maar. Ta es jetzt galt, ein günstiges Zeugnis des ArUcs zu erhalten, ivurbe der 17jährige Bruder des Angeklagten W., der Mitangeklagte W. W., vorgeschoben. Inzwischen halte aber die Direktion in Berlin, an die der gefälschte Versrcherungsarttrag weitergcgeben worden war, von sich aus Erkundigungen in Maar eingezogen und erfahren, daß der Antragsteller ein kranker Menfch sei Auch war es hier auf gefallen, daß auf das nach Maar ge­sandte Bestätigungsschreiben keine Rückäußerung erfolgt war. Hcn- zukam, daß W. in Maar, dessen Bersicherung tus Auge gefaxt war, an Schwindsucht starb, obwohl der von Dr. R. tn Alsfeld Untersuchte als völlig gesund be^ichnet worden war. Ties brachte den Schwindel an den Tag und R. wurde von seiner Gesellschaft sofort entlassen. Dem Baker des Angeklagten W. gelang es, von dem Vertreter der Bersicherung die Zusicherung N<-erhalten, bab man von einer Anzeigeerstattung absehen wolle. Vergeblich be­mühte er sich aber, von dem Mitangeklagten R., der sich von K. H. W. bereits die erste Bersicl>erungsprätme mit 270 Mk. hatte ausbezahlen lassen, dieses Geld zurückAuerhalten. Sein Trängcn rief vielmehr bei R. den Entschluß hervor, die.Sache anzuzcigen. Er begab sich zur Staatsanwaltschaft und erstattete Anzeige, offenbar in der .Hoffnung, lediglich als Zeuge austrctcn zu können. Auch heute stellt er noch die Sache so dar, als ob er der Mitbetrogene sei, von der ganzen Sache nichts gewußt und sich auf die Angaben des W. verlassen habe, hiermit hat er jedoch fein Glück, zumal ihm auch noch andere unsaubere Geschäfte aufgedeckt wurden. Als Hauptmacher des ganzen Bersicherungs- schwindels wird er wegen schwerer Urkundenfälschung und Betrugs- verfuchs zu 1 Jahre Gefängnis verurteilt und sofort verhaftet. K. H. W. hat seine Tat mrt 8 Monaten, W. W. die seine mit 2 Wochen Gefängnis LU büßen.

Erfolgreiche Berufung.

Der Gastwirt und Kaufmann W. T. in Düdelsheim war vom Schöffengericht Büdingen wegen Bedrohung und Sachbeschädigung zu einer Woche Gefängnis und wegen Benutzung eines Vier­glases bet einem Angriff mit 3 Tagen Haft bestraft worden. Auf seine Berufung war nach der heutigen Verhandlung lediglich Bestrafung wegen Sachbeschädigung auftecht zu erhalten. Das Gericht nahm an, das; es nur der Angeklagte gewesen sein könne, der nach vorausgegangenem Streit mit dem Gastwirt I. B. in dessen Wirtschaft und nach vorausgegangener Drohung die Fenster­scheibe eingeworfen habe. Dagegen wurde nicht für erwiesen er­achtet, da» bei dem Streit in der Wirtschaft der Angeklagte mit einem Bierglas nach B. geschlagen habe. Auch konnte eine Bedrohung nicht sestgcstellt werden, da B. hierüber nur unbe­stimmte Angaben machen konnte. Mit Ausnahme der Sachbeschä­digung, wegen deren das Gericht eine Geldstrafe von 10 Mark für angemessen hielt, wurde daher auf Freispreckmng erkannt.

Nttiverfitätr-Nachrrchten.

Die Universität Kiel zählt im laufenden Semester 2314 Studierende gegen 2059 im Sommersemester 1911. Dazu kommeu 61 Hörer.

wandern und Reisen, Bäder und Sommerfrischen.

= Bad-Nauheim/ 26. Juni. Im 3. Künstler­konzert am Samstag wirken Alfred Wittenberg, einer der bekanntesten unter den jungen Geigern der Jetztzeit, und Paula Schick-Nauth aus Frankfurt, eine Mezzo-Sovranistin von hervorragender Qualität, die bei ihrem wiederholten Auftreten in größeren Konzerten in Frankfurt und nnberen Musikstädten von Publikum und der Kritik mit Auszeichnung behandelt rvurde. Alfred Wittenberg wird das hier in Bad-Nauheim noch nicht öffentlich gespielte Violinkonzert vonTschaikowski vor­tragen.

Lriftschiftahrt.

Frankfurt, 26. Juni. Ter Kaiser hat für den vom

Deutschen Fliegerblntd in der Zeit vom 29. August bis 6. Sep-

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Bilderbuche, das unser Fest uns aufschlägt, schauen wir nicht nur Nöte, sondern Liebeswerke, geschaffen von Arm und Reich, von Erwachsenen und Kindern, von Männern und von Frauen und Jungfrauen. So steht vor uns bei aller sonstigen Zerrissen­beit dieses schöne Trost- und Friedensbild, das wir ntcht mtfien, sondern lieben und pflegen wollen.

Nach Gemeindegesang redete der Vertreter des Oberkonsisto riums Geh. Oberkonsistorialrat und Superintendent D. Petersen (Darmstadt) zur Festgemeinde: Tagungen des Hess. Hauptvereins sind Tage der Spannung und der festlichen Freude. 4^eie Spannung und Freude teilt auch das Lberkonfistoriuin. Tas Auv- blühen der hessischen Diaspora ist ui danken der Tätigkeit des Heimchen Hauptvereins und seiner Zweigvereine, sowie dem Um stand, daß hinter ihm das aus Liebe erwachsene Freikorps und Heer des Gesamtvereins steht. Aus der Freude über die jtd) bildende Diaspora erwachst schwere Sorge, deren Behebung ge- ckeilte Freude wird. In allen Sorgen aber bleibt die Gewißheit, daß Oberkonsistorium und Landeskirche sich aufeinander verlassen dürfen. Den Vorarbeiter und Mitarbeiter grüßt das L>ber konsistorium, dem Sammler der Zerstreuten und Helfer der Be­drängten gilt fein Wunsch, daß Gott die heurige.Jahres­versammlung segnen möge. Tie Schlußliturgie bi eit

Pfarrer Nebel (Laubach-. Tie Festkollekte betrug 120 Mk., die Kollekte des Kinderfestgottesdienstes 14 Mk. An dem Fe li ­ess en, welches im Schützenhof stattfand, nahmen auch viele Glieder der Festgemeinde teil. Tischreden hielten: Graf Wil Helm zu Solms-Laubach auf die Protektoren des Vereins, Kaiser und Großherzog: Pfarrer Dingeldey (Darmstadt i auf das gräfliche Haus: Pfarrer Nebel lLaubach) auf den Vorstand des Hessischen Hauptvereins: Dekan Hainer (düngen) auf die Vertreter auswärtiger Hauptvereine: Bürgermeister Ritter lLaubach' auf die Festgäste.

Von nachmittags 3V2 Uhr ab fand eine Nachversamm­lung in der Traube statt. Die gemeinsamen Lieder begleitete der Wetterfelder Posaunenchor, von Pfarrer Scriba geleitet. Auch der Sttrdjend)£>r verschönerte die Lieder durch einige Liedergaben. Zu der stattlichen Versammlung sprachen drei Diasporageistliche. Pfarrer R o st von Hüningen im Elsaß gab Bilder aus Vergangen­heit und Gegenwart seiner elsässischen Tiasporagemeinde Hü­ningen. Der zweite Diasporageistliche, Pfarrer Rehwald (Heppenl)eim) verbreitete sich über die Frage:Hat der Kampf zwischen Katholizismus und Protestantismus auch sein Gutes?" Der dritte Redner, Pfarrverwalter Weiß (Bieber) gab eine Schil­derung dec Verhältnisse seines Kirchspiels. Ein Sonderzug brachte um 6 Uhr die meisten Festgäste in ihre Heimat zurück.

Gießener Strafkammer.

Gießen, 25. Juni.

Vereitelter Versicherungsbetrng.

Ein sein angelegter Plan, sich in den Besitz einer Lebens- verjick-erungssumme von 20 000 Mk. zu setzen, wurde den Ange­klagten: Versicherungsagent P. R. in Gießen, Landwirt K. H. W. von Billertshausen und dessen Bruder W. W., zunichte. R. war im vorigen Jahre Versicherungsagent in Alsfeld. Als et eines Tages für seine Versicherung in einer dortigen Wirt- schast Propaganda machte, verwies ihn der Wirt an einen Gast, den Mitangeklagten K. H. W. Dieser leimte eine Versicherung ab, ließ sich aber von R. bereden, mit ihm auf sein Bureau zu kommen, um sich näher über die Sache zu unterrichten. Hier spendierte R. Zigarren und Apfelwein nud als er ihn gleichwohl nicht umzustimmen vermochte, erkundigte er sich, ob er denn nicht eine bekannte Person kenne, die man versichern könne. Nachdem W ihm mügctcilt, daß er einen schwer lungenkranken Vetter in Maar habe, kamen beide überein, dessen Leben mit 20 000 Mk. au versickern. W. unterschrieb einen von R. ausgefüllten Ver- sickrerungsantrag mit dem 'Namen dieses norf) minberjälyrigen Beters und dessen Vaters ohne deren Wissen. Der Antrag wurde von R. weitergereicht. Hier fiel schon eine gewisse Aehnlichkeit der beiden Unterschriften auf, man trat aber gleichwohl in eine Prüfung btS Antrags ein und beauftragte den prakt. Arzt Tr. R. ur

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kf. DaS Fliegerin nenkorpS vom Roten Kreuz. Ter Ehei dcS ftanzöüfchen Mvlitärstiegerkorps, Oberst Hirschauer, trägt stch mit dem Gedanken, ein .FliegerrmienkorpS vom Roten Kreuz' inS Leben zu rufen. Auf einer Berfaminlung in der Pariser Universität Sorbonne, auf der er den Studenten für ihren Beitrag zur Nationalflugspende seinen Tank aussprach, ließ er pueril diesen Gedanken verlauten, der m den patriotischen Herzen der Französinnen begeisterten Anklang gefunden hat. .Wir dürfen nicht oergeflen', so riet Cberfl Hirschauer mit Pathos in die Aula hinein, .daß die Frauen Frankreichs ebenso bereit wie die Männer find, den Ge­fahren der Lustschiffahrt zu trotzen. Zwar haben wir augenMidltd) noch nicht viele Fliegerinnen. Aber woran liegt daS? Liegt eS etwa an ihrem Mangel an Mut? Nein, einzig und allem am Geldmangel. Und deshalb wollen wir die Nationalstugspende auch dazu benutzen, Fliegerinnen anszubilden. Schon eine ganze Reetze von Diakonissinnen deS Roten Kreuzes hat sich freudig bereit er­klärt, dem Flieaerinnenkorps beijntveten.* Und ein tosender Beisall folgte den Worten des Oberstem

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Wasser wärme der Lahn a in 27. Juni: 17* R.

Meteorologische veobachtungen der Station

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Höchste Temperatur am 25. dis 26. Juni = + 19,9 ° C. Niedrigste , 25. , 26. = + 18,8 * C.

Niederschlag: 1,9 mm. ____ -1!___1____

Was dic Hausfrau wissen muß!

Ungewöhnliche Ausgiebigkeit ist ein Hauptvorzug deS neuen Kaffee-ErsatzesPerlka^. Man braucht davon nur halb so- viel zu nehmem, wie von anderen Kaffee-Ersatzmitteln und erhält ohne jeden Zusatz ein würziges, überraschend kaffee- ähnliches Getränk. Nicht kochen, nur überbrühen und ziehen lasten.Pcrlta" ist der beste und billigste Kaffee-Ersatz der Gegentvart. hv*>/6

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