Ausgabe 
26.7.1912 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Wir können bas B^ttydn Des Treibendes nicht außer Rechnung lassen. Law kam sodann aus die Erklärung Churchills vom 22. Juli zu sprechen und sagte: Churchill beschrieb uns die Wir­kung des neuen deutschen Flottcnaesetzes. Tie deutsche Prcfte hat seine Erklärungen als rcchrig bezeichnet. Ich habe niemals eine schwerer wiegende Erklärung gehört. Ich weiß, es gibt Mitglieder des Hames, bie denken, es sei provozierend, unsere Stärke mit der Teutichlands in Vergleich zu stellen. Tas erscheint mir absurd. Ter ganze Zweck der Erhaltung unserer Desensiv- .streitkcäjte gründet sich ans Vie Annahme, daß wir eines Tages vielleicht in den Krieg ziehen müssen. Wenn wir die Möglich­keit eines Krieges ins Auge zu fassen haben, müssen wir sie von dem Gesichtspunkt derjenigen Macht erwägen, die am meisten in der Lage ist, uns wehe zu tun, wenn es zu einem Kriege kommen sollte. Tas soll nicht im geringsten bedeuten, daß wir irgendeine Feinseligkeit oder ein Uebelwollen gegenüber Teutsch- land einpsinden, oder daß wir die Lage Teutschlands nicht ver­stehen. Ich entsinne mich, in einem deutschen Buch folgenden Satz gelesen zu haben, der großen Eindruck aus mich machte:Tie Abrüstung ist keine Frage der praktischen Politik, so lange eine Macht imstande ist, wenn sie wünscht, über Nacht unsere Handels­flotte zu vernichtm und unseren Ueberseehandel zu zerstören." Tas ist eine sehr natürliche Ansicht für einen Deutschen. Wenn ich ein Deutscher wäre, würde ich sie wabrschelnlich auch haben. Tie Deutschen haben gewiß Recht, dieser Ansicht zu sein, aber sie ist unverträglich mit unserer Sicherheit, weil unsere Wohlfahrt und Existenz von der Ueberlegenheit unserer Flotte abhängt.

Die Lage in der Türkei.

Konstantinopel, 25. Juli. Der TextdesBrie- fes, der von der Offiziersliga an den Kammer­präsidenten gerichtet wurde, ist in der heutigen Kammer- sitzung verlesen worden. Er lautet: Nach so vielen schlechten Taten, die ihr im Komitee sowie in der Kammer begangen habt, erfuhr unsere Liga von euren Schritten und Intrigen beim Sultan. Diese Taten verdienen die schwersten Strafen. Aber da wir uns nicht mit schmutzigem Blut beflecken wollen, so hallen wir es für notwendig, euch zu benachrichten, das; ihr beweisen nrüßt, daß ihr nicht auf­halten, sondern erleichtern wollt die Erfüllung des drin­gendsten Wunsches der Nation und der Armee, nämlich: die Kammerauflösung, oder vielmehr des Klubs, dieses Tl-eaterklubs. Wenn ihr nicht in 48 Stunden so handelt, so benachrichtigen wir euch, daß wir unsere patriotische Pflicht vollständig erfüllen werden.

THe Verlesung ries eine stürmische Debatte her­vor. Der Vorsitzende der jungtürkischen Partei erklärte: Die Kammer wird bis zum letzten Atemzuge bleiben, denn sie ist der wahre Träger der öffentlichen Meinung und gehorcht nur ihrem Gewissen. Wir weisen den Vergleich mit einem Theater zurück. Der im Namen der Liga abgesandte Brief berührt nicht die ganze Armee. In dem Augenblick, wo der Feind bis vor die Tore der Stadt kommt, sollte die Armee die Waffen gegen den Feind, der von außen kommt, gebrauchen, und nicht gegen die Abgeordneten. Der Depu­tierte Obernadji rief in lebhafter Erregung aus: Die Kam­mer fürchtet den Tod nicht. Bis jetzt hat noch kein türki­scher Offizier die Feigheit begangen, einen anonymen Brief abzuschicken (Bravo). Wir werden siegen oder sterben. (Frenetischer Beifall. Rufe: Wir werden alle sterben!) Mehrere M^eordnete verlangten, daß der Kriegsminister sofort erscheine. Die Armenier Haladjian, Vartakech und Zohrab sprachen von den Offizieren der Liga als von Ver­brechern und elenden Feiglingen, die nicht die Ehre der ganzen Armee beschmutzen könnten. Schließlich nahm die Kammer eine Entschließung an, in der sie den Großwesir und den Zlriegsminister anffordern, sofort zu erscheinen und Erklärungen abzugeben.

Um 6 Uhr traf der Kriegsminister ein. Er sagte: Ich bedauere den Zwischenfall, aber seit der Einsetzung der Konstitution sind solche Bluffe häufig vorgekommen. Nach dem Offizier, der den Brief zurückgelassen hat, wird ge­sucht. Natürlich wird er bestraft. Auf die Frage, ob auch gegen die Offiziere, die der Presse eine Proklamation im Namen der Offiziersliga Übergaben, Maßnahmen ge­troffen werden, erwiderte der Minister: Ich werde nach den Ofsizieren forschen und sie bestrafen. Ich bin erst seit kurzem Minister und brauche Zeit, um die Ordnung in der Armee wicderherzustellen. Der Großwesir beschloß, die Verfolgung gegen die Zeitungen einzuleiten, die die Proklamation veröffentlicht haben. Said Bey erklärte, die

Sein Brief ist mit lateinischen Brocken stark durchsetzt, und auch von der lex Falcidia redet er, als habe er das Corpus juris und den Codex Iustinianus mit mehr Erfolg studiert als sein poeti­sches Abbild.

Der Nordpolfahrer Cook läßt mitteilen, daß er Frühjahr 1913 eine neue Fahrt nach dem Nordpol unter­nehmen wird unter »vissenschaftlichem Beistand der Geographischen Gesellschaft in St. Franzisko. Die finanzielle Ausrüstung der neuen Expedition wird von der Gesellschaft übernommen, die auch einen Vertrauensmann der Expedition beistellen wird.

Der deutsche Jun glehrerv erband Päda- aogia halt in der Zeit vom 31. Juli bis 3. August d. J.in Nürnberg seine 7. Hauptversammlung ab. Der Verband, der im Jahre 1908 gegründet wurde, hat innerhalb der verhältnis- Nläßig kurzen Zeit seines BestebenS eine recht erfreuliche Ent­wicklung genonuneil, die iwch keineswegs abgeschlossen, sondern gerade in der Gegenwart in einein bemerkenswerten Aufschwünge begriffen ist. Aus einen, kleinen Kreise junger Lehrer Münchens und einiger umliegenden Orte ist eine Vereinigung erwachsen, die nunmehr in fast allen Bundesstaaten Deutschlands Anhänger besitzt und zurzeit in 133 Ortsgruppen 2332 Mitglieder zahlt. Der Verband steht ganz auf dem Boden des Deutschen Lehrcr- vereinS und verfolgt als Hauptziele: Arbeit der Mitglieder auf den Gebieten der Pädagogik, der Schulpolitik und Volkswirtschaft und Schulung der Verbandsangehörigen im öffentlichen Auftreten.

Eine studentische Kundgebung. Dieser Tage wurde im Straßburger Studentcnviertel kein geringes Aufsehen durch eine Fabnendemonstration hcrvoraerusen. Auf einem Fahnentuch verkündeten stiiesenletbern:Von morgen an wird gearbeitet." Wer so kurz vor Seinesterlchluß anfangen wollte Gott verzeih, aber das ist ein Streber!

Die Atusterlösung eines Sprachenkonflikts. Aus Ungarn N'ird derFranks. Ztg." folgendes nette Geschiclstcknm deriäüet: Die kroatische Stadt Essck liegt an der Drau und besteht aus der Oberstadt und der Unterstadt. Tie Bürger der Unter­stadt verlangen seit Jahren eine neue Balmbaltestello am Trau­ufer, damit sie nicht von der Oberstadt längs der Drau in die Unterstadt zurücksabren müssen, was einen großen Unuveg bedeutet. Tie Betriebsleitung fand ben Wunsch der Untersüidtcr berechtigt und beschloß, bei der Traubrücke eine Haltestelle mir dem ungarischen NamenDrävahid" zu errichten. Tarüber große Aufregung unter den Kroaten, welche forderten, die neue Station müsse auf gut kroatischDravSki nwst" heißen Schließlich ent­schloß sich die tveise Betriebsleitung, die Errichtung der Halte­stelle übi'rlxwirt zu unterlassen, dagegen fährt nunmehr der Zug nach dem Pasfteren der Draubrücke so langsam, daß jene Reisenden, bereit Ziel Enek-Unterstadt ist, reichlich Gelegenheit zum Ab­springen vom Zuge hoben, was auch allgemein praktiziert wird. Du? wayrhaft lalomoinsche Entscheidung der diplomalisciien Eisen bahnleitung aber verdient, unter die Reg«rungsmaximen des tiielflliebnqen Donaustaates ausgenommen zu iverben

(kf.) Aus dem Programme des 10. Internatio­nalen Kunstkongresses in Rom. Bom 16. bis 21. Ok-

Kammer nehme von den Erklärungen des Ministers Kennt­nis und wünsche, daß die Schuldigen so bald als möglich bestraft werden. Tie Kammer sand die Erklärungen für ausreichend. . .

Konstantinopel, 25. Juli. Der intenmtstftche Ches des Generalstabes, General Hadi-Pascha, i)t endgül­tig mit diesem Amte betraut worden. ...

Alle türkischen Blätter bis auf den ,,Tanin' veröfteiftuch-n das gestern mitgeteilte Programm der Militärliga. 29 le verlautet, wünscht die Ossiziersliga die Einberufung der konstttuterenden Versammlung zwecks Revision der Verfassung. vieler Gedanke wird von der ,,.s2)em Gazetta" lebhaft untentüpt. Ae Blattn heben mit Befriedigung die Wiederherstellung der Preßfreiheit hervor. . .

Jkdam" veröffentlicht aus der Provinz emgetronene De­peschen, in welchen Befriedigung über die Bildung des neuen Ministeriums ausgedrückt wird, dagegen berrchtet derTanin" von zahlreichen Tcpcschen an das Prändtum der Kammer sowie an die Regierung, in denen die durch die EretgnNtc der letzten Tage hervorgerufene Auftegung geschildert wird. Bet Besprechung dieser Telegramme erörtert derTanin" die Nackteste, die eine Auslösung der Kammer hätte. Selbst wenn die Partei für Einheit und Fortschritt eine Majorität bei ben Neuwahlen erlangen könnte, würde diese doch nicht eine Mehrheit ergeben, die genügenb stark sei, die Regierung zu unterstützen. Das Blatt verlangt, daß das Kabinett durch die Ausscheidung einiger Minister einen wirklich unparteiischen Charakter annehme.Beni Gazetta" erklärt, die Aufregung dauere fort, weil das Kabinett noch nicht alle Wünsche der Nation befriedigt habe, namentlich was Am­nestie und die Untersuchung der letzten Wahlen betreffe, die not­wendig sei, um endgültig über das Los der Kammer zu entscheiden. Tas Blatt hebt die dringende Notwendigkeit hervor, die Wünsche bald zu erfüllen. Jede Verzögerung wäre ein Fehler, welcher zukünftig unüberwindliche Schwierigkeiten Hervorruse.

Das Gebäude des j u n g l ü r k i s ch e n Klubs in Beg­ier l, e g l o i am asiatischen Ufer des Bosporus ist nieder- gebrannt.

Saloniki, 25. Juli. In Prischtina sind die Ge­fangenen aus dem Gefängnis ausgebrochen. Bei ihrer Verfolgung wurden 15 Personen, darunter mehrere Gendarmen, getötet und einige Personen verwundet. Der Mutessarif pon Prischtina legte sein Amt nieder, da er es für unmöglich hält, die Nebellenführer aus Prischtina zu entfernen, wie die Regie­rung verlange. In Saloniki wurde der griechische Arzt Andonakis, Mitglied des jungtürkischen Komitees, aus uu- ermiltelter Ursache von einem Unbekannten auf der Straße er = schos >.en Der Täter ist verhaftet worden.

Wien, 25. Juli. DiePolitische Korrespondenz" schreibt aus Sofia: In Regierungskreisen werden die Nachrichten, nach welchen in Bulgarien eine kriegerische Stimmung gegen die Türkei bestehe, sehr unangenehm empfunden, da dieselben geeignet sind, die Haltung Bulgariens in eine falsche Beleuchtung zu rücken. In den letzten Tagen wurde daher jede Gelegenheit benutzt, alle diesbezüglichen verdächtigenden Nachrichten als vollständig un­begründet zurückzuweisen, insbesondere wird die Version, daß in der Armee starke kriegerische Gelüste zutage traten, durchaus für unwahr bezeichnet. Man zählt übrigens in Sofia darauf, daß die Politik Bulgariens im Auslande nicht nach tendenziösen Ge­rückten, sondern nach der Grundlage der wiederholten Erklärungen Geschows über die Grunbsätze des bulgarischen Kabinetts bezüglich der Türkei beurteilt werde. Es kann mitgeteilt werden, daß die Diplomatie vor kurzem abermals bündige Versicherungen erhielt, nach welchen bie bulgarische Negierung auch angesichts ber Ver­schärfung der inneren Krise in ber Türkei durchaus nicht die Absicht hegt, von den Grundsätzen ber Friedensliebe und ber Loyalität int geringsten abzuweichen.

Der Krieg um Tripolis.

Konstantinopel, 25. Juli. Das Kriegsministerium ver­öffentlicht eine Depesche über ben Kampf bei Mesurata am 20. Juli. Danach vermochten bie Italiener in Divi­sionsstärke nur drei Kilometer vorzurücken und mußten sich nach einem Handgemenge unter großen Verlusten zurückziehen. Tie Türken und Araber hatten 15 Tote und etwa 30 Verwundete. Sie wachten große Beute; unter anderem erbeuteten sie auch eine Kanone.

Rom, 25. Juli. TieAgeuzia Stesani" erklärt, daß bie türkische Darstellung des Kampfes bei Mesurata am 20. Juli vollständig falsch ist. Die Italiener säuberten die Oase vollständig vom Feinde, der Hals über Kopf geflohen sei.

Nom, 25. Juli. Der Korrespondent des ^.Karriere della Sera" auf Astropalia erfährt von einem Marineoffizier Einzel­heiten über bie Fahrt ber italienischen Torpebo- boote in bie Dardanellen. Das kleine Geschwader drang um Mitternacht mit abgebknbeten Lichtern in bie Darbanellen ein, wurde aber bald von den Sckfeinwerfcrn entdeckt und heftig be­schossen. Der Kommandant Millo ordnete an, daß sich bie

tober dieses Jahres findet in Rom ber 10. Internationale Kunst­kongreß itatt, und bie neuesten Mitteilungen des Kongreßausschusses zeigen, baß bie Vorbereitungen für ben Kongreß weit gediehen sind und das Beste versprechen. 2ürs der Liste der angekündigten Vorträge ergibt sich, daß hervorragende Forscher auf dem Ge­biete ber Kunstwissenschaft und Kunstgeschichte, besonders auch solche aus Deutschland, sich sehr zahlreich in Rom einfinden und dem Kongresse von ihren neuesten Forschungen Bericht erstatten werden. Entsprechend der Wahl des Kongreßortes haben sich die deutschen Gelehrten besonders das Thema ber deutsch-italieni­schen Kunstbeftchungcn für ihre Vorttäge ausgewählt, (so spricht Professor Rudolf Kautzsch über Oberitalien und den Mittelrhein im 12. Jahrhundert, Alfred Dohren über deutsche Künstler im mittelalterlichen Italien, während Carl Gebhardt und Hermann Ehrenberg die Beziehungen zwisck)eu der italienischen und deut­schen Malerei im 14. und 15. Jahrhundert zu besprecl-en ge­denken. Mit Spannung wirb man ben Vortrag von Henry Thode erwarten, ber einen Vergleich bes Wesens italienischer unb deut­scher Kunst an,teilen will. In modernste Erörterungen greift der Vertrag von August L. Mayer, einem der besten Kenner der spanischen Kunstgeschichte ein, ber ben Beziehungen des Greco »ur italienischen Kunst geiuibmct ist. Vielversprechenb ist ferner bie Ankünblgung, baß ber vortreffliche hollänbische Maler unb Kunstschriftsteller Jan Veth über Nembranbt unb bie italienische Kunst zu sprechen gebenft. Schließlich sei aus der großen Fülle ber angefünbigten Vorträge nur noch einer als von befonberem allgemeinen Interesse hervorgehoben: es wird nämlich Geza E. Gasparetz bie Ergebnisse neuer Forschungen über ein Ver­fahren Mitteilen, bie Technik, bie Echtl-eit und das Mer eines Gemäldes auf mikrochemischem Wege festzustellen.

Ein Gelehrter im Elend. Unter bem Titer Das undankbare Frankreich" veröffentlicht der PariserMatin""einc Schilderung über die Leiden unb bie Not, in der sich der berühmte franzöft,che Naturforscher Henri Fabre, ein 90jähriger Greis in ,einem Heimatorte <perignan in der Provence befindet. Fabres Buch über ..Das Leben der Insekten" ist eins der bedeutendsten nahmvtncn,rf)aillid)en Bück)er. Es wird überall in der ganzen ©eit gelesen und ist in alle Kultursprachen Übersetzt worden Allem den Venas,er laßt man am >spätabend seines Lebens hungern Ter Greis ist bereite derart entkräftet, daß er kaum sprechen kaum Wohl hat man ihm das Osfizierkreuz der Ehren- legton verliehen, aber bie nötigste Nahrung bat man ihm nicht gegeben, oogar ber ©teuernmrebmer, heißt es ironisch weiter zeige ein menschliches Herz, beim seit drei Jahren wage er es nid)t mehr, dem Gr ns ben steuer bog en zuzustellen, da er weiß baß bann baä armieltge Hausckxm unb die reichen Jnsektensamm- lungen des^ Gelehrten versteigert werden mußten, um die rück­ständigen steuern cinzutreiben. Ein Mitarbeiter des Matin" überzeugte sich an Ort unb Stelle, daß dem .virklich so"ist Er f-SLa(Lmo dem armen Gelehrten der nur mühsam die Worte über die Lippen brachte und war Zeuge des Elends, in dem Fabre sich bmndet. Zum schlutz forbert berMalin" zu tatfrähig« unb rascher Hilfe auf.

Torpedoboote an der Küste halten sollten. Tie Matrosen !onn:?n die Bewegungen ber türkischen Scheinwerfer genau ncnolgcn. Ein Hagel von Geschossen aus den Fesmngskanonen, tvelbbattcnen und Gewehren ging über die Schiffe hinweg, ohne zu treten. Tir Torpedoboote näherten sich ber türkischen tflottc bis am zwei Meilen, wo sie zwischen drei Feuer gerieten. 2lls derSpion" nacheinander aut zwei Stahltroft'en auftuhr, ordnete .nllo in Anbetracht der Unmöglichkeit, weiter vorzubringen, bic Rnckialirt an Unter heftigem F^uer erreichten bie häufte um 1 . Uhr früh ohne Schaden den Ausgang ber Tarbanellen. Jlu Bord würbe niemand verletzt. Man erwartete aui offener <see ver­geblich die türkische Flotte. Ter Zweck der Fahrt war, ben Verteidigungszustand der türkischen Flotte testzuftellen und ,ix gegebenenfalls anzugreifen: zum wenigsten tollte )ie zur $er< lolgung hcrausgefordert werden. 1

..... _ 1 -

Deutsches Reich.

Der Kaiser unternahm am Donnerstag vor dem ersten Frühstt'tck einen Spaziergang. 2lm 9cachinittag sand ein Tanz-fest auf derHohenzollern" statt. Das Wetter ist andauernd schön. Die Rückkehr nach Swincmünde soll am 3. August, abends, erfolgen .

In Ernnderung bes Besuches, den vor zwei Jahren eine Anzahl deutscher Journalisten auf Einladung der schwe­dischen Presse in Schweden abaeftattet haben, werden An­fang September Vertreter Der Presse Schwedens in Deutschland cintreffen und nach mehrtägigem Aufenthalt in Berlin den Einladungen von Vertretern der Presse in Dresden, Leipzig, Bretnen, Hamburg und Lübeck Folge leisten. Zwischen dem Aufenthalt .in Leipzig und Bremen findet auf Grund einer besonderen Einladung ein Besuch der Kruppschen Werke in Essen statt.

Der erste Verbandstag des Verbandes für intcr- nationale Verständigung findet vom 5. bis 7. Ok­tober in Heidelberg statt. Als Redner sind angemeldet: Geheimrat Zorn aus Bonn über das Werk der Haager Friedenskonferenzen, Martin Spahn aus Straßburg über den Friedensgedanken in der Geschichte des deutschen Volkes, Robert Piloty aus Würzburg über die Formen inter­nationaler Verständigung, Otfried Nippold aus Franksun a. M. über fcie auswärtige Politik und die öffentliche Meinung, Karl Lamprecht aus Leipzig über auswärtige Kulturpolitik, Walter Schücking aus Marburg über die wiä>» tigste Aufgabe des Volksrechts, Martin Rade aus Marburg über internationale Verständigung vom Standpunkte ba Religion und Ethik.

Der neue Gouverneur von Deutsch-Ostafrika, Dr. S ch n e e, ist in D a r - e s - S a l a m eingetroffen und ljat bie Geschäfte des kaiserlichen Gouvernements am 22. Juli über­nommen.

Ausland.

Aus Stadt und Land<

Wie aus Brest gemeldet wird, erhielt der Kapitän bei PanzerkreuzersCond 6" ben Befehl, sich für bic Fahrt deS Ministerpräsibenten flßoincarö nach Rußlanb bereit ju halten.

Der französische Marineminister Delcass6 hat angcorbnd, baß bic Schießübungen, bie bas Mittelmeergeschwaber am Schluß ber Manöver vom 30. Juli bis 3. August vornehmcii sollte, zu unterbleiben haben. Mehreren Blättern zufolge sei ber Grund bieser Verfügung bar in zu suchen, daß infolge ber Gutachten über bie Katastrophe des PanzerkreuzersJules Mjche let" Bedenken bezüglich ber Pulvervorräte der Kriegs­schiffs ausaelaucht seien. Das Arsenal von Lorient wurde bciuu- tragt, nach Toulon 9800 leere Granaten zu fenben, für bic aus­schließlich Pulversorten von 1912 verwendet werden sollen. Diese Geschosse sollen bic gegenwärtig an Bord der .DreadnoughIZ bc- finblichen ersetzen.

Ta der Generalgouverneur von Algier verlangt hat, baß Teile ber in Marokko verwendeten al (sterischen unb tunesischen Truppen nach ihren 'Garnisonen zurückgesanbt würden, bat bet Kriegsminister, entsprechend bem Ansuchen des Generalresidenten L i a u t a y angeordnet, baß ein Kolonialinfanterie-Re­giment und ein Regiment Senegal schützen nach Ma­rokko gesandt würden.

Der dänische König ernannte den früheren Minister, Bankdirektor Hasst ein, zum M i n i ft c r für Island.

Der brasilianische Senat hat einen Gesetzentwurf an genommen, nach dem Anleihen ber einzelnen Bundes­staaten erst bie Genehmigung ber Bundesregie­rung bedürfen.

Der Zu st and des Kaisers von Japan wird im Palais als sehr ernft angesehen. Am Mittwoch abend 11,30 Uhr wurde folgendes Bulletin ausgegcberr: Die Temperatur beträgt 39,2, Puls 105, sehr unregelmäßig, Atmung 37, weniger ruhig. Ter Kaiser ist heute erschöpfter, seine Kräfte sind gesunken, bas M- gemeinbefinben ist unbefriedigend.

Gießen, 26. Juli 1912.

Das Jugendfeft.

Zum siebenundzwanzigsten Male feierte gestern die Gießener Jugend und mit ihr wohl die meisten Er­wachsenen der Stadt das herkömmlick>e Jugendfest im Philosophewvald. Etwa 4500 Kinder aus allen Schulen und Ständen nahmen an dem Festzug teil, dessen Vorber- marsch Uber 20 Minuten dauerte Der Fcstzug bot einen reizenden Anblick. Klassenweise zog die Jugend einher, die Knaben mit Fähnchen an den Mützen und die Müdä^n mit Efeu kränzen im Haar. Der schönste Schmuck des Zuges aber waren die vielen strahlenden Gesichter. Jede Klasse führte nach altem Brauch die Preise und Geschenke mit sich, die nachher als Lohn beim frohen Spiel zur Verteilung gelangen sollten. Feuerwehrleute, Turner und Sanitäts­leute unterstützten die Lehrerschaft in ihrer schweren Auf­gabe, Ordnung in den: Zug zu halten und es gelang auck, die ganze stattliche Schar ohne Unfall zum Festplatz zu bringen. Nach gemeinsamem Gesang hielt hier im Namen des Festausschusses Stadtv. Dr. Ebel eine herzliche An­sprache an bie Jugend und die übrigen Festgäste, »vorauf gemeinschaftlichDeutschland, Deutschland über alles" ge­sungen wurde. Rasch verteilten sich dann die Kinder auf ihre Spielplätze, wo ein fröhliches Treiben anhob. Alle die alten lieben Spiele und Belustigungen der deutschen Jugend charen in bunter Abwechslung zu sehen, Wurst" schnappen und Eierlaufen, Ballspielen und Säurtet!am usw. Bei den älteren Knaben sah man auch turnerische Wett­kämpfe an den Geräten. Das ganze Treiben war bcl>errscht von Geiste herzlicher Fröhlichkeit, die dem Jugendfest seit seinem Bestehen seine Anziehungskraft gesichert hak Nach einer Pause von einer Stunde ging das muntere Spiel weiter, bis endlich die Geschenkvcrteiluna und nach 7 Uhr der gemeinsame Rückmarsch der Jugend zur Stadt bem eigentlichen Fest ein Ende machte. Aber das frohe Treiben im Walde setzte sich noch in die Nacht hinein fort. Für die Bewirtung der außerordentlich zahlreichen Fest" besuche- war sehr gut gesorgt. Vor allem darf anerkannt werden, daß auch Milch und alkoholfreie Erfrischungen reich" lich zu haben waren. Die Straßenbahn mackfte bei dem Massenandrang zum Feste gute Geschäfte.

Lehrerpersonalien. Ernannt wurde die Schulamtsaspirantin MathUde Maurer aus Ntainz zur