Ausgabe 
25.1.1912 Erstes Blatt
 
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Deutsches Reich

als

Taunus gesichert.

der an»

Das englische Königs paar ist unter dem Jubel Bevölkerung in Malta eingetrossen. TuS zur Begiütznng wesende französische Geschwader salutierte.

Aus Stadt und Land.

(jh e u c n, 25. Januar 1912.

" Tageskalen der <üv Donnerstag, 25. Jan.: Karneval. Damen» und Herren sitzung: Abends v'/, Uhr in Steins Garten.

Hessen-Nassau.

fc. Wiesbaden, 24. Jckn. Heute nachmittag fand tm Rathaus eine außerordentliche Sitzung derJstadl» verordneten statt, in der Professor Theodor jtidier aus München den Entwurf für das an der Äaiserstraße auf dem Ge­lände der früheren vcsuschcn Ludwigsbarm zu errichtende Mu­se u m s g c b ä u d e, das aus dem Naturhistoriichen^Muscum. der Ncksnuiscken Ältcrlümcr-Sammlung und Gemälde-Sammlung be­stehl, vorlegte. Proseiior Fischer, der zurzeit in Kassel den Bau des neuen Museums ausführl, wird die künstlerische Oberleitung des Monumentalbaues, dec nach dem Kurhaus dec bedeulendue in Wiesbaden werden wird, übernehmen. Der Sitzung wohnte Regierungspräsident Tr. v. Meiirer bei.

m. ö. u.

Bon Max M e l ch e r t (Erfurt).

Lcnrh Stanleh, der berühmte Afrikareisende, schreibt in seinem Tagebuch:Ich habe als Abgeordneter weniger Einfluß als der Mann auf der Straße. In Fragen, die Afrika betreu"en, kann es immer Vorkommen, daß irgendeiner, der mit dem Gegeniland auch nicht im geringsten vertraut ist, mir erheblich vorgezogen wird. Wir alle, bte wir uns gedrängt haben, ins Parlament zu gelangen, haben fck^ver dafür zu büßen. Tie Erwähnung unserer Namen in den Zerrungen bringt uns DuHcnde und Dutzende von Bettel­briefen und Besuchen von Bittstellern, die sich durch bloße Frech­heit Zutritt in unser HauS zu verschaften wissen. Mein Briefporto allein kommt einer hohen Steuer gleich und würde ausreichen, eine ganze Familie im Jahr zu ernähren. Die Auslagen wahrend der Kandidatur und wahrend des parlamentarischen Lebens iind sehr

Am Mittwoch vormittag wurde im herzoglichen Residenzschlosse zu Braunschweig die 31. ordentliche Landesversamm­lung feierlich eröffnet. Der Herzog-Regent verlas die T h r o n- r e d e, in der es unter anderem heißt, der Landtag trete zu einer Zeit zusammen, wo die treu zu Kaiser und Reich stehende Be­völkerung Deutschlands mit ernstem Blick in die Zukunft sehe, einer Zeit, in welcher manche Umstände davon zurückhalten könnten, an den bewährten Einrichtungen des Staates Llenderungen vorzu­nehmen. Dennoch habe dies zu geschehen und unter Zugrunde­legung der direkten und geheimen Wahl nach dem Dreitlassen- wahlsystem würden dem Landtag sogleich die Entwürfe eines Ge­setzes über die Zusammensetzung der Landesversammlung unfeines Gesetzes über die Wahlen zur Landesversammlung zugchcn. Neben dem die Landeswahlen betreffenden Gesetz werden dem Landtage Voranschläge für Einnahmen und Ausgaben angetündigt. Die Finanzlage des Herzogtums wird bei Beibehaltung der nur für die laufende Finanzperiode bewilligten Stcuerzuschlägc c.'.s nicht ungünstig bezeichnet.

Ausland.

** In Audienz empfangen wurde vom Groß- Herzog am Mittwoch u. a. Baumspektor Iost von Bad- Nauheim.

Neue Regierungsassessoren. Durch Ent­schließung des MimstermmS des Innern wurden die Referen­dare Dr. Herrn. Fitting zu Tarmsladt und Hans Goebel zu Groß-Rohrheim zu RegierungSasscssoren ernannt.

** Die Handwerkskammer zu Darmstadt be­absichtigt in ihrem Bezirk die Errichtung einer Ein- i e h u n g s g e n o s s e n s ch a f t. Die Geno,senschaft soll bte Aufgabe haben, von säumigen Zahlern Forderungen nach Maßgabe einer aufzustellenden Satzung einzuziehen. Die Handwerkskammer hat deshalb zunächst die gewerblichen Korporationen um ihre Ansicht ersucht, ob Interesse für das Zustandetommen der Genofiensciiajt vorhanden sei. Nach der allseitigen Zustimmung ist die Errichtung nun in be­stimmte Aussicht genommen und um die Genossenschaft auf eine möglichst breite Grundlage zu stellen, hat dieser ^.age eine gemeinsame Besprechung mit dem Hessischen Han- delsiammertag und dem Landesgeiverbeverein stattgesuil- den. Möge die Genossenschaft, der neben der Einziehung

groß, und meiner Meinung nach ist es degradierend, daß ein Abgeordneter verpflichtet sein soll, jede Kirche, icde Kapelle, jeden Sport, jeden Wohltätigkeitsbasar in feinem Be­zirke zu unterstützen. Wenn ich dazu an die Nutzlosigkeit all dieser Spesen denke, an die Arbeit der täglichen Korrespondenz, die ver­loren gegangene Zeit überhaupt, die tödliche Luit im Saale, den Schaden an der Gesundheit, so staune ick, daß ein Mensch mit seinen fünf Sinnen jemals zustimmen kann, sich um eine Paria- mentsmaschine wie die unsere eine ist, zu bekümmern. 2Ule Illusionen, die ich gehabt habe, Illusionen, daß ich meinem Dater- lande helfen, daß ich das Interesse Afrikas werde fördern können, wurden rasch zerstört. Als Individuen sind die Abgeordneten d'.e besten Männer im Rauchzimmer: aber meiner Meinung nach verlangt das varlamentarische Verfahren eine Reform, und uh bin froh, Aussicht zu haben, mein Mandat bald niederlegen zu können und die ganze Geschichte los zu jein."

Für den deutschen Parlamentarier stellt sich die Situation nicht ganz so schlimm, aber wenn man dasJwn Stanle» gezeichnete Bild etwas verkleinert, dann stimmt die Sache ungefähr, und manches der jetzt zum ersten Male gewählten M. d. R. wird einige Zeit gebrauchen, ehe es sich über den Unterschied hinwegdesetzt hat, der zwischen dem parlamentarischen Leben der Wirklichkeit und dem, wie bisher in seiner Idee existierte, offenbar wird.

Die Bewältigung des Briefwechsels erfordert bei den meisten Abgeordneten die volle Arbeitskraft eines Privatsekretärs. Die Briefe aus dem Wahlkreise gehen haufenweise ein, und die wenigsten von ihnen haben einen angenehmen Inhalt. Freilich, so schlimm, wie in anderen Ländern ist es ja bei uns noch immer nicht. Ein polnischer Abgeordneter im österreichischen Reichsrat wurde hon einem Wähler brieflich ersucht, ihm in Wien eine Brille zu Faulen, und ein tschechischer Abgeordneter aus Mähren wurde von einem Wähler aufgefordert:Sagen Sie doch dem Ministerpräsidettten, er soll meinem Nachbar den Hund verbieten. 'Die Bestie heult die ganze Nacht hindurch, und ich kann nicht schlafen!" Ganz so schlimm ist es, wie gesagt, bei uns nicht: aber immerhin so schlimm, daß eine gehörige Portion Dickfelligkeit dazu gekört, um auf die Dauer im Sattel zu bleiben. Ta kommt der Besuch einer ganzen Horde von Leuten aus dem Wahlkreis, dieihren" Abgeordneten im Reichstagsgebäude zu sprechen wünschen und von^ihm eine Anzahl Karten für die Reichstagstribüne verlangen. Sic wollen das stolze Gefühl mit nach Hause nehmen, einer Sitzung des Hohen Hauses beigewohnt zu haben. Natürlich soll diese Sitzung möglichst interessant sein, und die Besucher fassen cs wohl gar als eine gröbliche Vernachlässigung auf, wennihr" Abgeord^ neter nicht auch noch dafür sorgt, daßwas los" ist. Manchmal ist er nun nickt einmal in der Lage, den Wunsch nach Tribünen- karten zu erfüllen. Die Zahl der Karten ist beschränkt, und für wichtige Sitzungen sind sie schon lange vorher vergriffen. 93er- ichiedene Abgeordnete haben daher, um nicht mit solchen unerfüll­baren Forderungen behelligt zu werden, die Reichstagsdiener an­gewiesen, daß sie für Besucher, die Karten haben wollen, nicht zu sprechen sind.

Nun ist es klar, daß sich in diese Unnahbarkeit nur solche Reicks - boten hüllen dürfen, die über ein Reviera-Mandat verfügen, d. l>. über einen bombensicheren Wahlkreis. Die anderen müssen sick wohl oder übel ihren Wählern oder deren Angehörigen oder den in ihrem Wahlkreis Wohnenden zur Verfügung stellen. Kann cr ihnen nicht mit den gewünschten Eintrittskarten dienen, so muß er ihnen wenigstens einige berühmte Leute zeigen, muß sie im Hause herumführen selbstverständlich diegroße Tour"!, kurz, er muß sie einen Blick hinter die Kulissen wersen lassen.

Ein Wunder ists eigentlich, daß das M. d. R. daneben bis­weilen auck noch Zeit findet, an dem Gesetzgebungswerk mit zuarbeiten, im Plenum zu reden oder zuzuhören, in den Kom- Missionen zu arbeiten und an den Frattionsützungen teilzunehmen. Am erträglichsten sind da immer noch die Sitzungen der Fraktion Schulze. Schulze war lange Jahre hindurch der Gastwirt des preußischen Abgeordnetenhauses und des Reichstages, und nach ihm werden die Abgeordneten, die häufiger an der Erguickungsställe als im Sitzungssaale anzutreffen sind, als Fraktion Schulze be­zeichnet. In dieser Fraktion geht es übrigens noch immer am friedlichsten her. Früher war es Freilich noch sehr viel Lemüllicker als jetzt. Im alten Reichstagshause in der Leipziger Straße roai es behaglicher als in dem kalten Prachtbau am Königsplatz. Die politischen Gegensätze sind auch stärker geworden uno lassen die alte Gemütlichkeit nicht mehr auskommen.

Sonst hat man es freilich den M. d. R. überaus bequem ge­macht. Bevor der Reichstag sein altes Heim in der Leidiger Straße beziehen konnte, mutzte er seine Sitzungen in dem^Hauic am Dönhosssplatz abhalten, das, ehemals das Palais des Staats- kanzlers Fürsten Hardenberg, später das preußische Abgeordneten­haus beherbergte und jetzt einem modernen Geschästspalast ge­wichen ist. In diesem Hause sonnte der Abgeordnete an seinem Platze nicht einmal schreiben. Ludwig Bamberger, der bc- kannte Parlamentarier, sagte daher eines Tages zu dem Abgeord­neten von Unruh, der Mitglied der Baukommission war:Lieber Freund. Sie werden dock dafür Sorge tragen, daß im neuen Hause feder Abgeordnete ein Pult, ein Tintenfuß und eine verschließbare Schublade an seinem Platze hat'?" Entrüstet fuhr darauf Herr von Unruh den Sprecher an:Jawohl, warum, nicht gar? Wohl auch noch eine Hängematte und eine Kaffeemaschine dazu?"

So bescheiden war man damals. Der Wunsch Bambergers ging aber doch in Erfüllung. Schon in der Leipziger Straße hatte ledes M. d. N. sein verschließbares 'Kult mit Schreibzeug. Heute, in dem Hause am König it man den Lupus noch > weiter getrieben. Da gibt es Baderäume, einen Turnsaal, einen Frisiersalon und wer weiß was noch alles. Bloß die Hängematte und die Kaffeemaschine hat man den M. d. R. auch heute noch nicht bewilligt. j

von Forderungen noch weitere Ausgaben, besonders die Erteilung oder Vermittlung von Auskünften, die Förde­rung der Einführung geordneter Buchführung, die Ertei­lung von geschäftlichen Ratschlägen zugedacht sind, dem­nächst in erfolgreicher und fördernder Weise für Gewerbe und Handel wirken, wie die Gründer es erstreben. Wie die Handwerkskammer Darmstadt, beabsichtigt eine Anzahl anderer Handwerkskammern die Errichtung derartiger Ein­richtungen, so daß ein Zusammenschluß zu gemeinsamer Tätigkeit all dieser Genossenschaften erfolgen kann.

Der Schtklub Wintersport Gießen (Gießener Zchiklub) verschiebt wegen üer ungünstigen Witterung die für den 27. und 28. Januar festgesetzten Wettläufe auf den 10. und 11. Februar.

Stadttheater. Die Fest-Vorstellung .Colberg" zu Kaisers Geburtstag wird dadurch noch besonderes Interesse gewinnen, daß für die Rolle der ,Nose" ein Gast, Fräulein Hilde Knoth vom Hostheater in Hannover, gewonnen worden ist. Tie Künstlerin gehört der Hannoverschen Bühne seit vier Jahren an und hat die betreffende Rolle erst kürzlich dort gespielt. Sie ist ein Liebling des Hannoverschen Publikums und wird auch in Fachkreisen hoch geschätzt; so hat z. B. Barnay sie für daS beste Gretchen der derzeitigen deutschen Bühne erklärt.

Postdienst an Kaiser? Geburtstag. Am 27. Januar, dem Geburtstage des Kaisers, sind die Post- schalter nur in demselben Umfange wie an Sonntagen ge­öffnet; auch findet nur eine einmalige Brief-, Paket- und Geldbestellung statt. Telegramme werden von 18 Uhr nachm. auch beim Postamt 2 (Schulstraße) angenommen.

"Das Hauptsteueramt ist am Samstag Kaisers Geburtstag geschlossen.

** Lahnkanalisation. In dem Bericht über die Sitzung des Zentralvereins für Binnenschiffahrt ist durch einen Hörfehler ein Jrr.iim unterlaufen. In dem Vorttag des Herrn Tr. M e t s ch k e wurde ausgeführt, daß die jährliche Eisenerzförderung int Lahngebiet U/s Million Tonnen (nicht y3 Million), beträgt.

Landkreis Gießen.

Steinbach, 24. Jan. Der Radfahrerverein hielt am Sonntag seinen Jahresabschluß im Gasthaus zum Einhorn" ab. Der Ehrenpräsident, Straßenwart Keßlec aus Gießen, dankte für das zahlreiche Erscheinen. Es er­folgte dann die Rechnungsablage, die von allen Mitgliedern mit größter Zufriedenheit angehört wurde. An Stelle des verdienten Vorsitzenden, jetzt Ehrenvorsitzenden, Straßenwart Keßler, wurde Friedrich Roth II. gewählt.

-- Lollar, 24. Jan. Der G e f l ü g e l - u n d V o g e l - Zuchtverein hält seine diesjährige Lokal-Ausstellung am 27. und 28. d. M. im Saale des Gastwirts Scherb hier ab.

Kr::s Alsfeld.

§ Ruppertenrod, 24. Jan. Im Weichbild unseres Ortes an der Straße nach Grünberg stand seither eine Allee prächtiger Linden. Sie gab dieser Orts­seite ihr bestimmtes Gepräge. Jetzt hat man da em halbes Dutzend der schönsten Bäume gefällt. Daß die Eschen und Pappeln an den Straßen keinen ersichtlichen Wert haben und mehr schädigen als stützen, ist unbestreitbar. Aber die Linden g.'ören zu unseren schönsten Straßenbäumen. An der Straße zwischen Ermenrod und Groß-Felda und an dem Bahnwegestücke hat man mit Recht umgekehrt lauter Linden gepflanzt.

Kreis Fnevberg.

x Friedberg, 24. Jan. Zum Besten der Richard- Wagner-Stipendienstijtung hielt heute abend, am Tage der 200 Wiederkehr des Geburtstags Friedrichs des Großen, Pros. Tr. Trapp-Gießen einen Vortrag überFrie­drich der Große als Politiker". Der Gang der äußeren Politik Friedrichs, sein Verhältnis zu den wich­tigsten Staaten Europas, seine Bedeutung für Preußen und Deutschland, seine Stellung zu den großen geschichtlichen Fragen seiner Zeit, die Umwandlung Preußens aus einem Staat zweiten Ranges in eine Großmacht, das Erstarken des preußischen Einflusses das alles wurde in den mehr als l^stündigen Ausführungen, die lebhaften Beifall fan­den, trefflich beleuchtet und klargelegl.

Startcnbuig und Rheinhessen.

d Mainz, 24. Jan. In der heutigen Sitzung dec Stadt- verordnetenveriammlung wurde dem .Verein füc Flugwesen eine jährliche Beihilfe von 1000 Mart bewilligt. Mit dem 1. April wird das Brückengeld für die Rheinbrücke fallen. Nach längerer Debatte wurde der mit der Regierung abgeschlossene Vertrag einstimmig genehmigt. Die Fahrgäste der städtischen Straßenbahn werden ebenfalls von dem Brückengeld bei reit, die istabt zahlt dafür an den Fiskus für diesen Ausfall jährlich 39 441 Mark. Dieser Betrag wurde im letzten Jahre von der Straßenbahn für Brückengeld eingenommen, außerdem hat die Stadt dem Staat 37 000 Mark jährlich zu vergüten. Die Deckung der 39 444 Mark soll durch Reduzierung einer Nummer auf den Ermäßigungsarten (bisher 12 und bann noch 11 Nummern) für bie Straßenbahn erfolgen, während ein Teil ber übrigen 37 000 Mark aus bem Erneuerungsionds gedeckt werden soll. Zur Bekämpfung der Schnakenplage wurden 3000 Mark und für die Weinkontrolle 3175 Mark bewilligt.

W Biebrich, 24. Jan. Die Stadtverordnetenversammlung erteilte dem Magistrat die Ermächtigung zum Abschluß eines KaufveclrageS mit der Gesellschaft zur Errichtung von taui- männi scheu Erholungsheimen wegen Abtretung, eines Baugeländes im Stadttvalde am Bahnhof ©bau Heep aus. Damit ist die Errichtung eines weiteren Erholungshauies tm

Die Reichstagswahlen.

Das Ergebnis in Alzey-Bingen.

Singen, 24. Jan. Nach den bisherigen neuesten Fest­stellungen hat sich an der Z i f f e r v o n 12 010 S t i m m e n, die bei der Reichstagsstichwahl für Pfarrer Korell abgegeben wurden, nichts geändert, dagegen sind 12013 Stimmen zugunsten von Dr. Becker ge­zählt worden. Danach wäre nicht Pfarrer Korell, sondern Dr. Becker gewählt. Doch sind diese Zahlen noch unsicher, da das amtliche Wahlergebnis noch aus steht und auch die Anzahl der ungültigen Wahlzettel nicht festge­stellt ist.

Heber den bisherigen Besitzstand der Wirtschaftlichen Vereinigung werden wir ersucht, nachzutragen, daß sie 11 Mandate ver­loren und 9 gewonnen hat und voraussichtlich in alter Stärke im Reichstage vertreten sein werde, da sich,wahr­scheinlich noch weitere Abgeordnete wegen der Besetzung von Sitzen in den Ausschüssen ihr zuzählen würden. Sicher ;ur Wirtsch. Vg. werden gehen: Behrens, Dr. Burckhardt, Lic. Mumm, Rupp, Herzog, Tr. Wietmeyer, Tr. Werner, Gräfe, Werner-Hersfeld, Gebhard, Vogt-Crailsheim, Vogt- Hall, Bachmeier, Laux. Bei Weilnböck und Bruhn ist eine Entscheidung noch nicht getroffen, doch steht eine Ver­schmelzung der Reformer mit den Deutschsozialen bald zu erwarten.

Aus dem Wahlkreis Marburg-Kirchhain-Frankenberg.

n Marburg, 24. Jan. In Anwesenheit von Ver­tretern aus den Kreisen Marburg, Kirchhain und Franken­berg erfolgte heute im Fürstenhaus durch den Wahlkom­missar Landrat v. Löwenstein zu Löwenstein die amt­liche Feststellung des Ergebnisses der letzten Stichwahl. Insgesamt wurden von 23320 Wahlberechtigten 20 072 gültige Stimmzettel abgegeben. Es erhielten Schnei­dermeister Rupp 11578 und Herr v. Ger lach 8494 Stim­men. Bemerkt sei, daß heute noch ein auf Rupp lautender, in Hermershausen abgegebener Stimmzettel für ungültig erklärt toerben mußte, weil ihm eine Nadel nebst Zwirn beigefügt w a r.

Eine Neuwahl im Wahlkreis Oppeln.

Breslau, 24. Jan. Die Neuwahl im Wahlkreise Oppeln, Pleß-Rybnik, wo der in zwei Wahlkreisen gewählte Graf Mielczynski (Pole), sein Mandat niedergelegt hat, ist, wie dieSchlesische Zeitung" erfährt, aus den 29. Januar angesetzt worden.

Die kaiserlichen in China für die Fortsetzung der zeindseligkeiten.

Peking, 23. Jan. Yuanschikai besuchte heute früh im geheimen den Palast und hatte eine Unterredung mit der Kaiserin-Witw e. Diese, die unter dem Ein­fluß der jungen Mandschuprinzen steht, erklärte sich für die Wiederaufnahme der Feindseligkeiten. Manschikai soll dieser Ansicht beistimmen und den Rat ge­geben haben, die Mandschus sollten Zusammenhalten und die nötigen Mittel zum Kampf verschaffen. Man solle aber vor Beginn der Feindseligkeiten den Vormarsch der Revo­lutionäre abwarten. Damit sind jedoch die jungen Mit­glieder des kaiserlichen Hauses nicht einverstanden. Es wird hauptsächlich behauptet, daß Tiehliang den Umschwung am Hose herbeigeführt hat und jetzt die Ermordung Yuanschikais anregt, da er Iuanschikais Einfluß für jo groß hält, daß man ihm nicht erlauben dürfe, Peking zu verlassen. Yuanschikai selbst trifft zu seinem persönlichen Schutz umfassende militärische Vorsichtsmaßregeln. Er hat jejjt 4000 Mann seiner eigenen Truppen um sich, während die Mandschus 12 000 Mann haben. Indessen halten die Mannschaften unb alle nordchinesischen Truppen zu Yuanschikai. Tie Gesandt­schaften glauben nicht, daß den extremen Ratschlägen der Mandschuprinzen Folge gegeben wird und daß die Abdan­kung des Thrones nur einen Aufschub erfahren hat.

vermisehter.

* Neuer W eg zum Nordkap. Aus Ehristiania wird uns geschrieben: Während es bisher von den vielen Nordlands- J tcurigen, bie alljährlich zum dlordkav reisen, immer nur einem Teil vergönne war, bis zur Plattform des Nordkaps hinauszu- klimmen, wird dies schon vom kommenden Sommer _a6 auch teil weniger Rüstigen möglich sein, indem ein zeitgemäßer Weg zur Höh: des nördlick^n Vorgebirges Europas angelegt werden soll. Tcm norwegüchen Verein zur Förderung des Reiseverkehrs ift es nämlich gelungen, für den schon seit Jahren schwebenden Plan eines neuen Norblapaufstiegs die großen norwegiseben Tamvfcrgesellschasten zu gewinnen. Zusammen mit dem Verein zur Förderung des Reiseverkehrs stellen diese Gesellschaften bu Mittel zum Bau des Weges zur Verfügung. Allerdings befiehl bie Absicht, die Kosten durch eine von den Touristen zu erhebende Abgabe für Benutzung des Weges wieder einzubringen. Wenn die Gebühr mäßig ilt, ließ sich gegen eine derartige Abgabe wenig eüuücnben, obgleich man meinen sollte, daß bie Tampfer gcsellschaf.cn, die den Touristeiwerlehr zum Nordkap aufrecht er­halten, ein Jntcrefse daran hätten, selbst dafür zu sorgen, baH bas Nordkap so leicht wie möglich zugänglich wird, auf alle Fälle bedeutet indessen der neue Weg eine große Annehmlichken Der jetzige Weg, der von ber Hornbucht lHornviken) aus, wo die Dampfer anlcgcn, zur Norbkapplattiorm hinauf führt, ist schleckt und unzweckmäßig. Er besteht nur in einem fchmalen Steg, dec im Zickzack an dec Felswaiid hinaufsührt. An dec einen Seite des ^legs sind Eisenstangen nebst Tau angebracht, woran sich, die Touristen festhalten tonnen. Auf diesem primitiven Wea für 1891 Kaiser Wilhelm und vorher schon, 1873, König Oskar II zum Nordkap hinaufgewandert, an welche Besuche dort oben etnr Steinwarte und eine Granitsäule erinnern.________________

Lingesandt.

(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Attikcl übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei

(. Verantwortung.)

Zur Reform des helsijcheu BolköschulgefeheS.

Als A n t w o r t aut das letzte Eingesandt erhalten wir folge Zeilen:

Hochgeehrter Herr Müller!

Wenn ich auch den Verfasser deSEingesandt" in Nr. IG mit dem Sie sich in Nr. 19 beschäftigen, nicht kenne und weder «

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